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Full text of "Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich"

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UNIVERSITY OF 
ILLINOIS LIBRARY 
URBANA-CHAMPAIGN 

BIOLOGY 



1 


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Verhandlungen 

i 

der kaiserlich-königlichen % 

zoologisch-botanischen Gesellschaft 

in Wien. 

Herausgegeben von der Gesellschaft. 

Jahrgang 1997. 

XXVII. Band. — I. Halbjahr. 

(Versammlung am 3. Jänner, 7. Februar, 7. März, 4. April, 2. Mai.) 
Mit 7 Tafeln. (T. I— VII.; 



Wien, 1877. 

Im Inlande besorgt durch W. Braumüller, k. k. Hofbuchhändler, 
Für das Ausland in Commission bei F. A. Brockhaus in Leipzig. 



Druck von Adolf Hoizhausen in Wien. 



Sitzungsberichte 



Z. B. Ges. B. XXVII. Sitz.-Ber. A 



Versammlung am 3. Jänner 1877. 

Vorsitzender: Herr Professor Dr. Gustav Mayr. 



Neu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr Als Mitglied bezeichnet durch 

P. T. Herren 

Wegmayer Andreas, Lehrer der Communal- 

Volksschule. Wien, III., Schnlgasse 3 . Hochw. Flor. Müller, Frz. Fuchs. 

Celerin Dominik, Magister der Pharmacie. 

Wien Knapp, Pantoczek. 

Pfurt scheller Paul, Lehramts- Candidat. 

Wien, IH. Münzgasse 3 Prof. Reichardt, Schwaighofen 

Lei ss er Johann, Lehrer. Wien, IV., Neu- 
manngasse 5 J. Kaufmann, A. Rogenhofer. 



Eingesendete Gegenstände: 

V 2 Centurie Pflanzen für Schulen, von Herrn Müllner. 
5 Centurien Schmetterlinge von Herrn A. Barbieux. 
1 Decade Mollusken von Herrn A. Rogenhofer. 
1 Taenia solium von Herrn M. v. Eysank. 

Mehrere Hundert Conchylien von Herrn Hofrath Brunner von Wattenwyl. 



Anschluss zum Schriftentausche : 
Royal Society of New South Wales. 



Der Secretär Rogenhofer brachte das Programm des von 
der königl. Akademie der Wissenschaften in Turin zu vergebenden 
Bressa-Preises zur Kenntniss. Der erste Preis, aus 12.000 italieni- 
schen Frankem bestehend, wird im Jahre 1879 demjenigen Ge- 
lehrten zuertheilt werden, der, gleichviel welcher Nation er an- 
gehören möge, während der vergangenen vier Jahre, das heisst 

A- 



4 



Versammlung am 3. Jänner 1877. 



vom 1. Jänner 1875 bis zum letzten December 1878, die be- 
deutendste und nützlichste Entdeckung gemacht oder das berühm- 
teste Werk veröffentlicht haben wird, in dem Gebiete der reinen 
und angewandten Mathematik, der experimentellen Wissenschaften : 
Physik, Chemie und Physiologie, der Naturgeschichte mit Ein- 
schluss der Geologie, der Pathologie, der Geschichte, Geographie 
und Statistik. 



Derselbe legte das Programm folgender neuen in Buda-Pest 
erscheinenden Zeitschrift vor: „Termeszetrajzi Füzetek" („Natur- 
historische Hefte") nebst deutsch redigirter Revue, heraus- 
gegeben vom Ungarischen National-Museum unter Mitwirkung der 
naturhistorischen Abtheilungen, redigirt von Otto Herman. Diese 
Publicationen sind der Pflege der Zoologie, Botanik, Mineralogie 
und Geologie gewidmet, erscheinen vierteljährig und kostet ein 
Band pro Jahr 3 fl. österr. Währ. 

Das Mitglied Herr Janni Josef in Bombay hat den Betrag 
auf Lebensdauer eingezahlt. 

Herr Professor Dr. Reichardt referirt über eine Arbeit des 
Mitgliedes Herrn Professor W. Voss: Beiträge zur Pilz -Flora 
Wiens. (Siehe Abhandlungen.) 

Herr Dr. A. Burgerstein besprach die zweite Auflage 
von: Das Mikroskop, Theorie und Anwendung desselben von 
Carl Naegeli und S. Schwendener. Leipzig 1877. 

Herr Dr. Emil v. Marc nz eil er hielt einen Vortrag über die 
eben im Erscheinen begriffene zweite Auflage von Dr. A. Brehm's 
Thierleben unter dem Titel : Ein Wort zur zweiten Auflage von 
Dr. A. Brehm's Thierleben. (Siehe Abhandlungen Bd. XXVI, 
S. 773.) 

\\<vv A. Rogenhof er berichtete über die Lepidoptcren- 
Fauna des Dolomiten - Gebietes nach Sammlungen des Herrn 
J. Mann und eigenen. (Siehe Abhandlungen.) 



H. W. Keichardt. 



5 



Versammlung am 7. Februar 1877. 

Vorsitzender: Herr Professor Dr. H. W. Reichardt. 

Neu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr Als Mitglied bezeichnet durch 

P. T. Herren 

Busenlechner Hans, Dr. med. Hernais, 

Pichlergasse 1 C. Stoitzner, J. Kaufmann. 

Lostorfer Adolf, Dr. med. Wien, Tiefer 

Graben 17 J. v. Bergenstamm, Dr. Emil 

Nyeklicek, Pat. Expeditus, Professor am v. Marenzeller. 

Gymnasium zu Trautenau W. Krone, A. Rogenhofer. 



Eingesendete Gegenstände : 
V2 Centurie Cynipiden von Herrn J. Kolazy. 



Anschluss zum Schriftentausch : 

Naturhistorische Hefte. Herausgegeben vom Ungarischen National-Museum. 
Societe beige de Microscopie ä Bruxelles. 

Herr Dr. Emil v. Marenzeller beschrieb die Einrichtung 
der in Freiland bei St. Pölten in Niederösterreich vor Kurzem 
entstandenen Fischzuchtanstalt des Herrn August Fruwirth. (Siehe 
Abhandlungen.) 

Herr A. Rogenhofer legte eine von dem Mitgliede Herrn 
F. Kowarz eingesandte Arbeit über die Dipteren-Gattung Mede- 
terus vor. (Siehe Abhandlungen.) 

Ferner besprach derselbe das Schlussheft (5) der Lepi- 
dopteren des Novara -Werkes mit 20 Tafeln. Das gesammte 
Werk umfasst 140 von der Meisterhand Geyer's in Augsburg 
ausgeführte Tafeln mit über 2500 Figuren. 



6 



Versammlung am 7. März 1877. 



Versammlung am 7. März 1877. 

Vorsitzender: Herr Hofrath Carl Brunner v. Wattenwyl. 

Neu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr Als Mitglied bezeichnet durch 

P. T. Herren 

Nowak, Hans Architekt. Wien, IV., Neumühl- 
gasse 5 Dr. v. Marenzeller, v. Bergen- 

Schleifer Wilhelm jun. Sechshaus, Ge- stamm. 

meindegasse 1 M. F. Müllner, Mtz. Schoenn. 

Holz er Ladislaus, Apotheker in Bircza bei 

Przemysl Ig. Schaitter, A. Rogenhofer. 



Eingesendete Gegenstände : 

6 Centimen Käfer von Herrn J. Schaitter in Rzeszow. 

2V2 n Insecten von Herrn J. Kaufmann. 

3V2 n Lepidopteren von Herrn Dr. H.Ritter v. Zimmermann. 

200 „ Insecten von Herrn Karl Sajo. 



Ansehluss zum Schriftentausch : 

Verein für Landescultur im Herzogthum Bukowina. 
Botanisches Laboratorium der Universität Warschau. 
Accadeinia dei Lincei in Rom. 
Archivos do Museu Nacional in Rio Janeiro. 

Berr Custos A. v. Pelzein berichtete über : Die wichtigeren 
Acquisitionen des kaiserlichen Museums in der Abtheilung der 
Bftogethiere während des Jahres 1876. 

Während des Jahres 1876 wurde im kaiserlichen Museum die Abtheilung 
der Säugethiere durch mannigfache interessante Acquisition bereichert, von 
welchen die wichtigeren im Folgenden hervorgehoben werden. 

Von der kaiserlichen Menagerie zu Schönbrunn wurden u. A. eingesendet: 
Ccbus bar bat U8 E. Geoffr. Bart-Winselaffe. An dem vorliegenden Exem- 
plare dieser seltenen Art fehlt bei sonstiger Uebereinstimmuug der 
Charaktere, die weisse Farbe der Stirne. 
Canis cor tan. Central-asiatischer Steppenfuchs. 

Ory der opus capensia (L.). Südafrikanischer Ameiscnscharrer. Dieses 
interessante Thier, welches durch mehrere Jahre in der Menagerie gelobt 
hat, i b t ein Geschenk des Herrn Adler, k. k. Consuls zu Port Elizabeth 
in Südafrika. Als das Exemplar von der langen Reise erschöpft und 



August y. Pelzelu. 



7 



heiabgekoinnien in London anlangte, wurde es im dortigen zoologischen 
Garten mit grösster Sorgfalt gepflegt und wieder hergestellt. Die Nahrung 
desselben bestand auch in Schönbrunn aus klein gehacktem Fleisch; 
ausserdem wurde ihm täglich ein Erdhaufen bereitet, in welchen man 
Regenwürmer setzte, die der Ameisenscharrer, seinen Gewohnheiten treu, 
dann während der Nacht hcrauswühlte und verzehrte. 
Camelus Dromedar ins. Reit - Dromedar. Geschenk des Vicekönigs von 
Egypten. Das Exemplar war während der Weltausstellung 1873 in dem 
egyptischen Gebäude zur Schau gestellt und wurde dann der Menagerie 
zu Schönbruun übergeben. Es zeichnet sich durch seinen schlanken Bau 
und die dunkle, fast chokoladebraune Färbung aus. 
Camelopardalis Giraffa. Giraffe. Ein etwa 40 Jahre altes Weibchen 

von ansehnlicher Grösse. Geschenk von Latif Pascha. 
Gazella SoemmeringiiCretzchm. Sömmerings-Gazelle, Weibchen und Junges, 

ersteres offenbar beim Werfen verendet. 
Cervus Capre olus. Europäischer Rehbock, dunkle Abänderung von chokolade- 
brauner Färbung. Geschenk Sr. Durchlaucht des Fürsten Adolf von 
Schaumburg-Lippe. Da das Fell, in Folge vorausgegangener Krankheit, 
sehr gelitten hatte, konnte nur das Skelet präparirt werden. 
Von Seiner k. Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Kron- 
prinzen erhielt das Museum einen sehr starken französischen Parforcehund, 
welche Race in Frankreich auch zur Wildschweinjagd verwendet wird. 

Dr. A. B. Meyer, Director des k. zoologischen Museums zu Dresden 
übersendete Abgüsse des Schädels, der Hand und des Fusses des im Dresdener 
zoologischen Garten verendeten, unter dem Namen .,Mofoka ' bekannten Chim- 
panse (Troglodytes niger). 

Geschenke des Herrn Heinrich Ritter von Drasche-Wartinberg sind 
Haut und Skelet einer grossen (circa 9 Fuss langen) amerikanischen Manati 
(Manatus australis Tilesius), welches von Herrn Grosskopf vom £ienega, 
einem durch einen Arm des Magdalenenstromes nahe bei dessen Mündung ge- 
bildeten See, gebracht worden ist. 

Eine weitere Partie von Säugethieren, welche Herr Grosskopf in 
Columbien, nahe an der Mündung des Magdalenenstromes gesammelt hatte, 
wurde von Herrn Director Dr. Steindachner dem Museum zum Geschenke 
gemacht. Sic enthält die folgenden Arten: 

Myctes seniculus (L.). Rother Brüllaffe. Ein beinahe ganz gleichförmig 
rothes Individuum. Haut und Skelet. Gegend von Media luna, einer 
Dorfschaft am fienega. 
Bradypus ephippiger Philippi, Schabraken-Faulthier. 

Bradypus (Arctopithccus) ephippiger Philippi Arch. f. Naturg. 1870. 

I. 265, t. 3 (Männchen und Schädel). Ecuador oder N. Peru? 
Ärctopithecus griseus J. E. Gray Ann. nat.-hist. 1871. VII. 302 et Proc. 

Z. S. 1871, 446, t. 36 m. f. et j. Costa Rica, Veragua M. Salvin. 
Männchen, Weibchen und Junges bei Riocatoca gefangen. 



3 Versammlung am 7. März 1877. 

Myrmeoophaga tetradactylaL. Tomandua. Aus der Nähe von ßaronguilla. 

Verwachsene (ungespaltene) Hufe eines Schweines (Sus scrofa dorn.) 
Grinzing bei Wien erhielt die Sammlung von Herrn Theodor Werner. 

Vom Bantengrind (Bos banteng Ruffl., B. sondoicus MulL et Schleg.) 
wurde vtm Herrn Frank in Amsterdam ein Stier aus dem Innern Javas gekauft. 

Von Herrn Schädle wurde der zweifarbige Stummelaffe (Colobus 
bicolor Wesm.) aus Westafrika, welchen Schlegel mit G. vellerosus Is. Geoffr. 
vereinigt, erworben. 

Durch Herrn Erb er wurden einige in Weingeist aufbewahrte japanische 
Säugethiere erhalten, welche Herr Dr. Albert v. Roretz 1875 gesammelt hat. 
Es sind: 

Vespcrtilio sp. 

Talpa Wogura Teinm. Japanischer Maulwurf. 
Urotrichus talpoides Temm. Japanischer Spitz wurf. 
Sorex platyccphalus Temm. Japanische Wasserspitzmaus. 
Mus Musculus. Mehrere hübsche Farbenvarietäten der Hausmaus. 
Vom Dugong (Halicore Dugong III.) aus dem indischen Ocean ist 
ein Schädel vom Museum zu Darmstadt in Tausch erworben worden. 

Herr Professor Dr. Reiehardt legte eine Arbeit des Mit- 
gliedes Herrn Schulz er von Müggenburg vor, welche eine 
Fortsetzung der in dem vorhergehenden Bande gegebenen : Myko- 
logische Beiträge bildet. (Siehe Abhandlungen.) 

Derselbe besprach die in dem Journal der Asiatic Society 
of Bengal veröffentlichte Flora der Nikobarcn von Dr. S. Kurz v 
Director des botanischen Gartens in Calcutta. 

Dr. Franz Low (iberreichte eine Abhandlung unter dem 
Titel: Beiträge zur Kenntniss der Psyllodcn. (Siehe Abhandlungen.) 

Herr Dr. A. Burgerstein besprach das eben erschienene 
Werk von Professor Dr. .1. Wiesner: Die Entstehung des 
Chlorophylls in der Pflanze. Wien 1877. 

Herr Dr. Emil v. Marenzeller lieferte Beiträge zur 
Holothorien-Fauna des Mittelmeercs. (Siehe Abhandlungen.) 

QeiT Custos A. Rogen ho Ter legte eine Arbeit des Mitgliedes 
Grafen Bogen Keyserling vor: Einige Spinnen von Madagascar. 
(Siehe Abhandlungen.) 



Josef Coli oredo-M annsfe ld. 



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Jahresversammlung am 4. April 1877. 

Vorsitzender: Se. Durchlaucht Fürst Josef Colloredo- 

Mannsfeld. 



Neu eingetretene Mitglieder: 

P. T. Herr Als Mitglied bezeichnet durch 

P. T. Herren 

Z an chi Franz Ritter von, k. k. Statthalterei- 
rath in Zara Nie. v. Giuriceo, Herrn. Heinze. 

Valle Antonio. Via dell'Acque dottö Nr. 25. 

IV. piano. Triest Dr. C. v. Marchesetti, Dr. Emil 

Frau Schloss Nathalie. Wien, IX., Peregrini- v. Marenzeller. 

gasse .1 Dr. C. Haller, Dr. L. Stohl. 

Richter Carl, Lehramts-Candidat. Wien . Prof. Wiesner, Dr. Burgerstein. 



Eingesendete Gegenstände : 
1 Mergus merganser. Geschenk des Herrn G. C. Spreitzenhofer. 



Bericht des Präsidenten Sr. Durchlaucht des Fürsten Josef 
Colloredo-Mannsfeld: 



Meine Herren! 

Nach einem in den letzten Jahren regelmässig eingetretenen kleinen 
Rückgang in der Mitgliederzahl kann ich für das Berichtsjahr zum ersten Male 
wieder eine Vermehrung constatiren, indem nach Abzug der ausgetretenen 
Mitglieder ein Zuwachs von 23 stattfand. 

Durch den Tod haben wir 22 Mitglieder verloren, unter welchen ich 
folgende hervorhebe: 



Herr Alefeld, Dr. med., Oberamstadt. 

„ Ehrenberg Dr. Chr., Berlin. 

„ Ferrari Angelo Graf, Wien. 

„ Foetterle Franz, Wien. 

„ Hop ff er Dr. C, Berlin. 

„ Kaltenbach J. H., Aachen. 

„ Küster Dr. H. C, Bamberg. 



Herr New mann Edward. London. 
„ Riehl Friedrich, Kassel. 
„ Rolli Dr. Ettore, Rom. 
„ Sina Simon Freih. v., Wien. 
„ Velten Dr. M., Wien. 
„ Wright Dr. Strethill, Dublin. 



Z. B. Ges. B. XXVII. Sitz.-Ber. 



B 



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Jahresversammlung am 4. April 1877. 



Rede, gehalten von dem Präsidenten - Stellvertreter Herrn 
Brunner von Wattenwyl: 

Seine Durchlaucht hat Ihnen die befriedigenden Resultate der äusseren 
Verhältnisse der Gesellschaft mitgetheilt. 

Fragen wir nach der geistigen Thätigkeit, so finden wir die Anhalts- 
punkte hiefür zunächst in dem gesteigerten Schriftentausch, vor Allem aber in 
den wissenschaftlichen Arbeiten, welche in unseren Verhandlungen, nieder- 
gelegt sind. 

Im abgelaufenen Jahre haben wir als Festschrift zur Feier des fünfund- 
zwanzigjährigen Bestandes unserer Gesellschaft einen Separatband von grösseren 
Arbeiten publicirt. Wir konnten unseren Collegen in der gelehrten Welt wohl 
kein besseres Gedenkzeichen liefern, als indem wir aus allen Gebieten unseres 
Forschens ein Bild jener Schule zusammenstellten, welcher wir seit der 
Gründung der Gesellschaft treu geblieben sind. Wir haben die Aufgabe uns 
gestellt, auf dem mühsamen, aber sicheren Wege der Beobachtung Thatsachen 
zu sammeln. Hiebei entziehen wir uns nicht jenen Schlüssen, welche man als 
die Philosophie der Naturgeschichte bezeichnen muss, allein indem wir die 
Grenzen, welche durch die Beobachtung gezogen sind, nicht überschreiten, 
können wir uns den eclatanten Hypothesen nicht hingeben, welche als neueste 
Errungenschaft der Naturwissenschaft die Aufmerksamkeit der Gelehrten er- 
wecken, allein wir vermeiden dadurch auch die Enttäuschung, welche im Gefolge 
der Widerlegung eintritt, und den für einen positiven Forscher bedenklichsten 
Vorwurf — der Oberflächlichkeit. 

In dem stattlichen XXVI. Bande unserer Verhandlungen finden Sie einen 
reichen Schatz von Einzelbeschreibungen, Verzeichnissen und faunistischen 
Studien, welche den Ameisenbau unserer Gesellschaft vergrössern. 

Alle diese Arbeiten beruhen auf der Kritik des Unterschiedes, wofür die 
heutige Naturgeschichte eine bewundernswürdige Schärfe besitzt. Allein das 
Ziel der Wissenschaft besteht schliesslich nicht in der Differenzirung, sondern 
in dem Umfassen der Erscheinungen und diesem Postulate wird Rechnung 
getragen in der Systematik. Abgesehen von dieser Forderung der Wissen- 
schaft scheint mir, dass jeder einzelne Forscher auf seinem speciellen Gebiete 
ein Bedürfniss nach Systematik fühlen muss, denn die einzelne Species hat nur 
eine Bedeutung, nur einen Werth, im Vergleiche mit den zunächst gelegenen. 

Sie werden mit mir übereinstimmen in der Beobachtung, dass die Syste- 
matik in unserem Forschungsgebiete nicht gleichen Schritt hält mit der Speci- 
fication. Der Grand hiefür liegt vielleicht in der allgemeinen psychologischen 
Erscheinung, dass der menschliche Verstand geneigter ist zur Kritik des Be- 
stehenden und zum Zerreissen, als zum Kategorisiren und Aufbauen. 

Und dennoch ist die Aufstellung eines guten Systemes das Fundament 
für die Einzelbeschreibung. Die Systematik bietet die Gelegenheit, unsere Ein- 
licht in das Wesen des organischen Lebens zum Ausdruck zu bringen. Sie ist 
da« Compendium unserer Kenntniss des Gegenstandes. 



Brunn er v on Wattenwyl. 



11 



Deshalb ist eine kurze Betrachtung über ihre Principien ein würdiger 
Gegenstand für das Jahresfest einer Gesellschaft, welche sich die Kenntniss der 
gesammten Organismen zur Aufgabe macht. 

Linne betrachtete die Species als eine natürliche Thatsache, deren Con- 
statirung die Aufgabe der Naturgeschichte ist. Hienach hat das System ledig- 
lich den Zweck, zur Erleichterung der Uebersicht dasAehnliche zu vereinigen. 

Die neue Entwicklung der Naturgeschichte hat eine gewaltige Umgestaltung 
der Anschauung hervorgebracht, indem sie eine wirkliche Verwandtschaft 
der Species lehrt und hienach ist die Systematik nicht mehr blos ein Hilfs- 
mittel zur Classification, sondern sie soll die Verwandtschaft nach der 
Abstammung zum Ausdruck bringen. Ihr letztes Ziel ist die Darlegung 
der wirklichen Geschichte der jetzigen Organismen und dadurch erhält die 
alte Bezeichnung unserer Wissenschaft ihre volle Bedeutung — die Natur- 
geschichte! 

Den Ausdruck „verwandt" finden wir allerdings bereits bei den älteren 
Systematikern, allein offenbar in einer bildlichen Bedeutung, synonym mit 
„ähnlich". Die* wirkliche Verwandtschaft wird sich unzweifelhaft durch Aehnlich- 
keit kundgeben, aber diese Aehnlichkeit wird gewissen Gesetzen unterliegen, 
über welche ich mich auslassen werde. 

Ganz gewiss entsprechen die grossen naturgeschichtlichen Gruppen der 
Verwandtschaft nach der Abstammung: jede Vogelspecies ist genetisch einer 
anderen Vogelart näher verwandt als irgend einem Fisch oder Säugethier, allein 
schon in der Formation dieser Gruppen darf man die Aehnlichkeit nicht in der 
Gleichförmigkeit einzelner Organe oder in der gleichen Lebensweise suchen. 
Der Abstammung nach steht der Walfisch der Katze näher als jedem beliebigen 
Fische und das mikroskopische Räderthier ist den Gliederthieren näher ver- 
wandt als den Infusorien, mit welchen es das Vorkommen theilt. 

Die teleologische Gleichförmigkeit wichtiger Organe deutet gewiss auf 
genetische Verwandtschaft. Die Insecten, welche mit einem Saugmunde behaftet 
sind, bilden eine Gruppe gegenüber denjenigen, welche im Uebrigen ähnlich 
construirt sind, aber Kauwerkzeuge besitzen. Allein es wäre ein Fehler diese 
Regel so weit auszudehnen, dass man die engere Verwandtschaft nunmehr 
ebenfalls in der gleichförmigen Ausbildung der für die Biologie so wichtigen 
Organe suchte. Die Gesetze der Anpassung an die äusseren Verhältnisse 
bringen es vielmehr mit sich, dass gerade die wichtigsten Organe, welche zur 
Erhaltung des Lebens gehören, in erster Linie sich modificiren. — Wenn ein 
Pflanzenfresser in die Lage kommt sich von einer härteren Pflanze nähren zu 
müssen, als er bisher gewohnt war, so wird die erste aus der Zuchtwahl hervor- 
gehende Modification darin bestehen, dass bedeutend verstärkte und vielleicht 
ganz abnorm aussehende Fressorgane sich ausbilden. Eine zweite Species, wenn 
sie in dieselbe Lage kommt, wird die nämliche Modification erleiden. 

In diesem Falle wäre es aber unrichtig, die beiden modificirten Species, 
welche nun die gleiche Form der Fressorgane besitzen, einander nach der Ver- 
wandtschaft näher zu stellen; es wird vielmehr in dem vorliegenden Falle je 

B* 



12 



Jahresversammlung am 4. April 1877. 



eine Species mit verstärktem Fressorgan eine solche mit gewöhnlichem Fress- 
organ zur nächsten Anverwandten haben und diese Verwandtschaft wird sich 
bei genauer Untersuchung darin bestätigen, dass die Organe von unter- 
geordneter Bedeutung, die keine Veranlassung zur Veränderung haben, die 
gleichen sind. 

Schon im Jahre 1865 führte ich in meiner Monographie der Blattiden 
an, dass die wichtigsten Merkmale zur Classification in Charakteren liegen, 
deren biologische Bedeutung ganz untergeordnet ist, wie z. B. in der Bedornung 
der Schenkel. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Anwesenheit kräftiger 
Dornen für das Thier in gewissen Fällen von Wichtigkeit ist und es ist höchst 
wahrscheinlich, dass irgend ein gemeinschaftlicher Vorfahre der ganzen Abthei- 
lung mit bedornten Schenkeln, diese Eigenschaft durch Zuchtwahl erlangt hat, 
alkin die oft ganz verkümmerten Stachelansätze, welche Hunderte von heutigen 
Species besitzen, sind offenbar nur „Erinnerungen", die sich fortschleppen, weil 
sie nicht schaden, ohne alle biologische Bedeutung, dagegen als werthvoller 
Fingerzeig für die gemeinschaftliche Abstammung. Sie sind zu vergleichen 
einein Stempel, der zur Signatur aufgedrückt wurde, zwar im Verlaufe der 
Generationen sich verwaschen aber nicht ausgelöscht hat. 

Nachdem ich zum Bewusstsein dieser Erscheinung gelangt war und ihre 
Bedeutung erfasst hatte, suchte ich zur Aufstellung von Gruppen stets die 
Merkmale an den unscheinbaren, biologisch unwichtigen Organen und gelangte 
auf diese Weise zu Gruppirungen , welche Organismen vereinigen, die von 
anderen Systematikern, welche nur die äussere Aehnlichkeit der biologisch 
wichtigen Organe vor Augen hatten, weit von einander getrennt wurden und 
• von denen ich trotzdem die instinctive Ueberzeugung habe, dass sie genealogisch 
nchtig sind. 

Ich bin überzeugt, dass jeder von Ihnen, meine Herren Collegen, in seinem 
speciellen Gebiete derartige geheime Anhaltspunkte zur Classification der Species 
besitzt. Ks sind dies Charaktere ohne irgend eine wesentliche biologische Be- 
deutung, ich möchte sagen „unnöthige" Vorkommnisse, welche sich von Zu- 
fälligkeiten nur dadurch unterscheiden, dass sie constant über eine gewisse Zahl 
Ton Bpeciei verbreitet sind. „Zufällig" tritt überhaupt kein speeifischer Charakter 
auf: alle Formen sind entweder von der Species durch die Anpassung an die 
äusseren Lebensbedingungen erworben: es sind dies die speeifischen 
Charaktere . oder sie sind die Rudimente von Charakteren, die in früheren 
Generationen ipeciileche Charaktere waren und heute nach erfolgter weiterer 
Differenzirung der Species, als Familien - Erinnerungen fortgeschleppt werden 
und bonach al« genealogische Charaktere bezeichnet werden können. Dies 
lind Iber die Merkmale zur CoüftnictiOD des Systeme» nach der Abstammung. 

Wenn Sie die Erscheinung und die Definition dieser genealogischen 
Charaktere naher betrachten, so werden Sie eine auffallende Analogie mit jenen 
Merkmalen finden, auf welche die alten, sogenannten „künstlichen" Natursysteme 
gegründet waren und die man verwarf, weil sie biologisch sehr verschieden- 



Brunner von Wattenwyl. A. Rogenhofer. 



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artige Organismen vereinigten und daher für ein nach der Aehnlichkeit con- 
striürtes System nicht passten. 

Es ist bemerkenswerth, dass wir heute, wo wir im System die Verwandtschaft 
nach der Abstammung darzustellen bemüht sind, zu jenen Merkmalen zurück- 
greifen, die ein Linne, ein Fabricius, ein Cuvier angewendet hatten, 
allerdings nur von einem instinctiven Gefühle geleitet, während heute diese 
Methode mit dem vollen Bewusstsein der wissenschaftlichen Begründung be- 
folgt wird. 

Seit bald zwanzig Jahren beschäftige ich mich mit der Classification 
einer Abtheilung von Thieren, deren Studium ich zu meiner speciellen Auf- 
gabe gemacht habe, und im Verlaufe der Jahre theilte ich Ihnen wiederholt 
Aphorismen mit, welche bald aus dem Gebiete der Systematik, bald aus dem 
Gebiete der Morphologie, alle auf das eine Ziel, die Erkenntniss der Abstam- 
mung der Species, lossteuern. Ich habe mein System nunmehr an einer grösseren 
Gruppe von Orthopteren zum Ausdruck gebracht, welche ich in einer mono- 
graphischen Arbeit in Kurzem Ihrer Beurtheiluug übergeben werde. — Es wird 
dies ein Versuch sein, die Lehren, welche Darwin aufgestellt hat, direkt auf 
die Systematik anzuwenden, um nicht nur eine Naturbeschreibung, sondern eine 
Naturgeschichte zu liefern. 



Bericht des Secretärs Herrn Custos A. Rogeuhofer: 

Abermals bietet ein abgelaufenes Jahr Veranlassung, über die Thätigkeit 
unserer Gesellschaft bezüglich des vorzüglichsten Theiles ihrer Wirksamkeit, 
nämlich der Publicationen Rechenschaft zu legen. 

Der sechsundzwanzigste Band, bereits in den Händen der P. T. Mitglieder, 
übertrifft an Umfang (120 Druckbogen) seinen Vorgänger, die Zahl der selbst- 
ständigen Aufsätze ist 26 mit 14 Tafeln, darunter zwei Doppeltafeln in Farbendruck. 

Ausser den Arbeiten unserer Landsleute enthält derselbe abermals werth- 
volle Aufsätze von ausländischen Mitgliedern, die beredtes Zeugniss geben von 
der andauernden unverminderten Theilnahme an dem Gedeihen unserer Gesell- 
schaft; Namen wie: Arnold, Bergh, Bruhin, Keyserling, Krempel- 
huber, Kriechbaumer, Minks und Möse hl er bedürfen nicht weiterer 
Anpreisung bezüglich des gediegenen Inhaltes, dem häufig von Oesterreichern 
gesammeltes Materiale zur Grundlage dient. 

Auch zwei Einheimische sandten aus fernen Landen (H. Hackel aus 
Spanien und Dr. Marchesetti aus Indien) interessante Mittheilungen über ihre 
Forschungen. 

Einer aussergewöhnlichen Leistung sei noch erwähnt, die ihren Anlass 
im fünfundzwanzigjährigen Bestände unserer Gesellschaft fand, die Herausgabe 
der Festschrift, welche sowohl in typographischer als künstlerischer Ausstattung, 
wie auch der Umfang, von 42 Bogen und Beigabe von 20 Tafeln, einen erneuten 
Beweis des allseitigen Zusammenwirkens gibt, und nur durch allerhöchste und 
hohe Unterstützungen, sowie die aufopfernde Thätigkeit meines werthen Herrn 



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Jahresversammlung am 4. April 1877. 



Collegen Dr. v. Maren zell er ermöglicht worden. Eine Anerkennung unserer 
eispriesslichen Thätigkeit von allerhöchster Stelle, bildet die von Sr. k. k. apost. 
Majestät bei Gelegenheit der Jubelfeier allergnädigst verliehene grosse goldene 
Medaille für Kunst und Wissenschaft, welche Auszeichnung ein Sporn mehr 
sein wird, um die auf dem Gebiete des Unterrichts wesens bisher verfolgte 
Richtung noch weiter mit erneuten Kräften zu fördern. 

Die Verkehrsanstalten waren im verflossenen Jahre leider noch weniger 
in der Lage, den Ansuchen der Mitglieder um Fahrtbegünstigungen, sowie 
früher, zu entsprechen, ja einige, wie die priv. Staatseisenbahn-Gesellschaft und 
Nordwestbahn, verweigerten jede Ermässigung; nur die stets liberale k. k. priv. 
Donau- Dampfschifffahrts-Gesellschaft verpflichtete sich unsere Societät zu innigem 
Danke, denn sie bewilligte Herrn Carl Stoitzner bedeutende Erleichterung auf 
der Strecke von Wien bis Orsova und zurück. 



Bericht des Secretärs Herrn Dr. Emil v. Maren zell er: 

Wenn es auch in der Natur der Sache liegt, dass den permanenten Samm- 
lungen der Gesellschaft nicht mehr 'von Jahr zu Jahr so viele Gegenstände 
zugeführt werden können wie anfangs, so erwerben sich doch Alle, welche der 
Gesellschaft naturhistorische Objecte zukommen lassen, ihren Dank im hohen 
Grade, weil ja ein Zweig der Thätigkeit unserer Gesellschaft, die unentgeltliche 
Betheiligung von Lehranstalten mit Naturalien, ununterbrochen, ja mit erhöhten 
Anforderungen, fortgeht. Ich erlaube mir darum, an dieser Stelle vorläufig 
schon, die Bitte an alle unsere Mitglieder zu richten, dem sicherlich guten 
Zwecke zu Liebe, überflüssige Doubletten oder auch vereinzelte 
Objecte uns zukommen zu lassen. Zu kleinen Sammlungen geordnet und 
vereint werden sie nicht fehlen den naturhistorischen Unterricht zu fördern. 

In dem verflossenen Vereinsjahre spendeten zoologische Objecte die Herren: 
J. Kaufmann, J. Dorfinger, W. Sigmund, Th. Puchs, Rud. Türk, 
A. Rogenhofcr, J. Dorfmeister, Dr. A. v. Roretz, J. Kolazy, Dr. Heinr. 
v. Z im in ermann, C. Neu fei In er, A. Bittner; Pflanzensammlungen die 
Herren: Dr. Bob. Rauscher, .7. Wiesbaur, Harry Edwards, E. Schauer, 
Dr. H. Rehm, M. Ritter v. Tommasini, G. Sproitzcnh ofer , F. Arnold, 
ferner die I'rivatbibliothek Sr. Majestät des Kaisers. 

Für die Sammlungen arbeiteten die Herren: C. Au st, Dr. Halacsy, 
Kauf mann, Kol azy, M üblich. M üllner, Tri ho da, Roge nh ofer, Stoitzner 
und der Berichterstatter. 

Herr Kolazy organisirte mit gewohnter Thatkraft die Zusammenstellung 
von Sammlungen für Lehranstalten. Ihm gebührt der besondere Dank der 
GcnrllMhaft und beantrage ich denselben durch Erheben von den Sitzen zum 
Au-'lruck zu bringen. 

Die nachfolgende Zusammenstellung gibt ein Bild seiner und der Gesell- 
schaft. Leistung in dieser Richtung hin im Jahre 1876. 



Emil v. Marenzelle r. 



15 



AUSWEIS 

über die Betheilung der Lehranstalten mit Naturalien. 



Im Jahre 1876 wurden zwanzig Lehranstalten mit 593 Wirbelthieren, 
3981 Insecten, 2891 Conchylien, 217 Weich-, Strahl-, Krebs- und Eingeweide- 
thieren und 2121 Pflanzen, im Ganzen mit 9803 naturhistorischen Objecten betheilt. 







4> 












% 

1 

BD 

o 


Name der Lehranstalt 


Ausgest, 
irbelthie 


irbelthie 
Weingei 


Insecten 


onchylie; 


Krebse, 
rahlthier 
Würmer 


Pflanzen 


PN 












m 




1 


Prag (Neustadt) : k. k. Gymnasium .... 


— 


— 


215 


— 


— 


— 


2 


Wien: k. k. Gymnasium. I., Hebelgasse 3 


22 


Ii 


— 


— 


— 


50 


3 


„ k. k. Unterrealschule. II., Glockeng. 2 


— 


— 


290 


260 


20 


— 


4 


„ Höhere Bildungsschule des Frauen- 


















12 


41 


397 


290 


24 


230 


5 


Prag (Smichow) : Böhm.Mädch.-Bürgeischule 


— 


28 


270 


137 


14 


290 


6 






39 


293 


127 


8 


280 


7 


Wien: Bürgerschule. IL, Wintergasse 34 . 


9 




278 


290 


7 




8 


„ „ VI., Rahlgasse 2 . . . 




28 


— 


— 


2 


— 


9 


„ „ VII., Lerchenfelder- 


















7 


31 


253 


130 


15 




10 






49 


373 


250 


15 


158 


11 




9 


36 


286 


140 


14 


150 


12 


Wien: Comm. -Knabenschule. L, Freiung 6 


8 


55 




160 


14 




13 


„ „ „ III., Schulg. 3 




44 


330 


230 


5 


133 


14 


„ „ „ IX., Lichten- 
















steinEtrasse 137 


6 


25 


228 


286 


15 


280 


15 


„ Comm. -Mädchenschule. IL, Rafael- 


















8 




92 








16 


„ Comm.-Mädchenschule. III., Salmg.9 




33 


260 


120 


10 


270 


17 


„ „ „ IX., Lichten- 


















12 






227 


27 




18 


„ Comm.-Mädchensch. X., Himberger- 


















3 


31 


222 


110 


14 


150 


19 


Brixen: Knabenseminar 


6 












20 






40 


194 


134 


m 


130 




Summa . . 


102 | 


491 


3981 


2891 


217 


2121 



An die eben genannten Lehranstalten wurden auch 24 Bände Gesellschafts- 
schriften und 51 Separatabdrücke vertheilt. 

Ferner erhielt die Gewerbeschule in Bistritz (Siebenbürgen) 3 Bände, 
4 Einzelnhefte der Gesellschaftsschriften, 3 Separata und 5 Abbildungen zum 
Geschenke. 



Ueber die Bibliothek periodischer Zeitschriften wurde von dem Bibliothekar 
Herrn Franz Bartsch im Vereine mit dem Berichterstatter ein neuer Katalog 
angelegt, welcher nach Ausfüllung einiger Lücken auch gedruckt werden wird. 
Die Vervollständigung der Zeitschriften -Literatur wurde angebahnt und wird 
weiter fortgesetzt werden. Die Sammlung selbstständiger Werke oder von 



16 



Jahresversammlung am 4. April 1877. 



Separatabdrücken vermehrte sich durch Schenkungen der Herren Autoren, sowie 
des Freiherrn F. v. Thümen, der Herren Wiesbauer, Dr. A. v. Plason, 
A. Kögen hof er, des k. k. Ackerbau-Ministeriums, des Oberlandesgerichtsrathes 
Herrn Carl Ritter von Schreibers um 110 Nummern. 1 ) Ganz besonders ist 
die grossmüthige Schenkung des Letzteren hervorzuheben. 
Dem Schriftentausche sind beigetreten: 

Redaction der entomologischen Nachrichten. Herausgegeben von Dr. F. 
Katter. 

Redaction des Naturforschers in Berlin. 

„ der Natur in Halle. 
Naturhistorisch-medicinischer Verein in Heidelberg. 
Societe des sciences de Nancy. 



Bericht des Rechnungsführers Herrn J. Juratzka: 



Einnahmen: 

Jahresbeiträge mitEinschluss derEiutrittstaxen und Mehrzahlungen 

von fl. 309 . 98 fl. 2.819 . 88 

Beiträge auf Lebensdauer „ 120 . — 

Subventionen „ 1.985 . — 

Verkauf von Druckschriften und Druckersätze „ 700 . 91 

Interesse für Werthpapiere und für die bei der Sparcassa hinter- 
legten Beträge ,....„ 220 . 52 

Porto-Ersätze „ 36.99 

Summa . . fl. 5.883.30 
und mit Hinzurechnung des am Schlüsse des Jahres 1875 ver- 
bliebenen Cassarestes von „ 4.372 . 29 

in Baarem, und fl. 1.020 . — 

in Werthpapieren, zusammen fl. 1.020.— fl. 10.255.59 

Ausgraben: 

Besoldungen, Quartiergelder und Remunerationen fl. 715 . — 

Neujahrsgelder „ 85. — 

Beleuchtung. Beheizung und Instandhaltung der Gesellschafts- 
Localitäten, dann der diesbezügliche Beitrag für den 

Sitzungssaal „ 174 . 80 

Herausgabe der Druckschriften: 

a) für Druck fl. 2.792 . — 

h) % Illustrationen „ 733.49 

c) f Buchbinderarbeit . . . . . . „ 55.— „ 3.580 . 49 

Fürtrag . . fl. 4.555.29 



V Sin.l aofjf.ffihrt Uand XXVI, S. 117-121. 



j. .Turatzka. 



17 



Uebertrag . . fl. 4.555.29 

Bücherankauf „ 47 . 40 

Buchbinderarbeit für die Bibliothek „ 1-60 . — 

Erfordernisse für das Museum „ 83 . 24 

Kanzlei-Erfordernisse „ 253 . 40 

Porto-Auslagen „ 115.40 

Stempelgebühren „ 40 . 24 

Beitrag für die Herausgabe der Festschrift aus Anlass des fünf- 
undzwan zigjährigen Bestandes der Gesellschaft und Kosten 

der Festfeier selbst „ 1.102 . 68 

Zurückgestellte Beiträge „ 28 . — 

Summa . . fl. 6.385.65 
Hienach verblieb am Schlüsse des abgelaufenen Jahres ein Cassa- 

rest in Werthpapieren von fl. 1 . 020.— „ 3.869 . 94 

in Baarem, welch' letzterer zum grössten Theile bei der ersten österreichischen 
Sparcassa hinterlegt war. 

Verzeichniss jener der Gesellschaft gewährten Subventionen, sowie der höheren 
und auf Lebensdauer eingezahlten Beiträge, welche während der Zeit vom 
5. April 1876 bis heute in Empfang gestellt wurden. 

a) Subventionen. 

Von Sr. k. k. apost. Majestät dem Kaiser Franz Josef . . . . fl. 200.— 
„ Sr. k. k. Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzoge und 

Kronprinzen Rudolf „ 80 . — 

„ Ihren k. Hoheiten den durchlauchtigsten Herren Erzherzogen: 

Franz Carl „ 80 . — 

Josef „ 50 . — 

Ludwig Victor „ 20.— 

„ Sr. Majestät dem Kaiser von Deutschland 60 . — 

„ Ihrer Majestät der Königin von England . „ 60 . — 

.. dem k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht ., 315 . — 

„ „ hohen niederösterreichischen Landtage „ 800 . — 

,, „ löblichen Gfcmeinderathe der Stadt Wien ., 200 . — 

b) Höhere Beiträge von 5 fl. aufwärts. 

Für das Jahr 1874. 
Von den P. T. Herren: 

Markusen Dr fl. 5 . 60 

Für das Jahr 1875. 

Markusen Dr 5.60 

Sadebeck Dr. R „ 5.70 

Fleischer Gottlieb, Hochw., Hartinger August, je „ 5. — 

Z. B. Ges. B. XXVII. Sitz.-Ber. C 



18 



Jahresversammlung am 4. April 1877. 



Für das Jahr 1876. 

Colloredo-Mannsfeld Fürst Josef zu, Durchlaucht fl. 100. — 

Liechtenstein Joh., reg. Fürst von und zu, Durchlaucht . . . „ 25.— 

Schwarzenberg Fürst Joh. Adolf, Durchlaucht „ 10.50 

Fenzl Dr. Eduard, Förster Dr. Heinrich, hochw. Fürstbischof, 
Heidin ann Alberik, Hochw., Kinsky Ferd., Fürst, Durch- 
laucht, Pelikan v. Plauenwald Ant., Eothschild Alb., 
Freih. v., Schrö ckinger-Neudenberg Jul., Freih. v , je „ 10.— 



Hoeme Alfons „ 9. — 

Schwarz Gust., Edler v. Mohrenstern „ 8.— 

Heyden Dr. Lucas v „ 6.80 

Sehn ab 1 Dr. Johann „ 6.28 

Gassner Theod., Hochw ...,.....„ 6.— 

Zickendraht Ernst „ 5.50 



Barbieux Aug., Bergh Dr. Rud., Brunner v. Wattenwyl Carl, 
Damianitsch Martin, Deschmann Karl v., Engel Heinr., 
Hochw., Erber Josef, E rdinger Karl, Hochw., Finger Jul., 
Fr itsch Josef, Frivaldsky Joh. v., Gall Eduard, Gerlach 
Benjamin, Hochw., Goldschmidt Moriz, Ritter v., Haim- 
hofen Gust., Ritter v., Hanf Blasius, Hochw., Hedemann 
Willi, v., Hedenus Th., Hoffmann Aug., Ritter v., Koln- 
dorfer Josef, Künstler G. A., Lukätsy Thomas, Hochw., 
Majer Mauritius, Hochw., Maren zeller Dr. Emil von, 
Meyer Dr. A. B., Moeschier Heinrich, Mürle Karl, Hochw., 
Pokorny Dr. Alois, P orcius Florian, Rauscher Dr. Rob., 
Reisinger Alexander, Richter Dr. Vincenz, Rosenthal 
Ludw., Ritter v., Schiedermayr Dr. Karl, Schleicher 
Wilhelm, Sommer Otto, Studnicka Karl, Stur Dionys, 
'l ief Wilhelm, Türk Rud., Wagner Paul, je 

Für das Jahr 1877. 

Felder Dr. Cajetan, Heidmann Alberik, Hochw., Kinsky Ferd., 
Fürst, Durchlaucht, Marschal Graf Aug., PeliTcan von 



Plauen wald Anton, je „ 10. — 

Heyden Dr. Lucas v : 7.38 

Hiebet Kniest, Hochw - 7.— 

Berg Dr. Karl 6 . 14 

B u r in i . t .• r H< inri< Ii 6 . 07 

Bergh Dr. Rudolf 0.— 



Barbiem Aug., Barts, i, Franz, Briinner v. Wattenwyl Carl, 
Brycl Dr. Anton, Doblhoff Joief, Freih. v., Er her Josef, 

Filgei Julius, FOrstei J. B. , Frivaldsky Johann V., 
1 " « h. I In ',<!</) , Gerlaeh Benjamin, Hochw., Grailich 



J. Juratzka. 



19 



Alexander, Hai mhofen Gust., Ritter v., Hanf Blasius, Hoch w., 
Hirner J., Kaufmann Josef, Koelbel Karl, Kolazy Josef, 
Leinweber Konrad, Letocha Anton, Edler v., Lind- 
pointner Ant., Hochw., Lukätsy Thomas, Hochw., Mürle 
Karl, Hochw., Paszitzky Dr. Ed., Pelz ein August v., 
Pokorny Dr. Alois, Reichardt Dr. H. W., Ronniger 
Ferdinand, Rosenthal Ludwig, Ritter v., Rupe rtsberger 
Mathias, Hochw., Schleicher Wilhelm, Schwab Adolf, 
Sohst C. G., Stadler Dr. Anton, Stauffer Vincenz, Hochw., 
Steindachner Dr. Franz, Strauss Josef, Stur Dionys, 
Tomek Dr. Josef, Tommasini Mutius , Ritter v., Türk 
Rudolf, Weis sf log Eugen, Zimmermann Dr. Heinrich, 
Edler v., je fl. 5 . — 

c) Beiträge auf Lebensdauer. 
Jann i Josef fl. 60 . — 



BERICHT 

über die zur Herausgabe der Festschrift eingegangenen Beiträge, sowie 
über die Kosten dieser und der Festfeier. 

Einnahmen. 

Beiträge fl. 1.768 . 98 

Subventionen „ 1*155. — 

Druckersätze für Separatabdrücke „ 114.26 

Porto-Ersätze . 7 .38 fl. 3.045 . 62 

Ausgaben. 

Kanzlei- und sonstige Erfordernisse fl. 135 . 63 

Porto- Auslagen „ 77 . 01 

Benützung des Festsaales „ 18 . 26 

Ausstattung desselben „ 60 . — 

Ehrenkarten für das Festsoupe „ 40 . — 

Druck und Broschüren der Separata des Berichtes 

über die Festversammlung „ 29 . 60 

Druck und Broschüren der Festschrift „ 1.753 . 03 

Illustrationen „ 1.980 . 77 

Buchbinderarbeit „ 54 . — „ 4.148 . 30 

Es ergab sich hienach ein Deficit von fl. 1.102.68 

welches gemäss Beschluss des Ausschusses aus dem Fonde der Gesellschaft 
bestritten wurde. 

C* 



20 



Jahresversammlung am 4. April 1877. 



Der Präsident erinnert die Versammlung an den schweren 
Verlust, welchen die botanische Wissenschaft mit dem Hinscheiden 
eines ihrer Besten, des geheimen Regierungsrathes Professor Dr. 
Alexander Braun, am 29. März d. J. getroffen und fordert die 
Anwesenden auf, sich zum Zeichen des Beileides von den Sitzen 
zu erheben. 



Als Rechnungsrevisoren werden ernannt die Herren Dr. F. Low 
und J. Kaufmann. 



Der Secretär A. Rogenhofe r theilte die Pränumerations- 
Einladung auf ein von Felix Freiherrn von Tliümen in Kloster- 
neuburg herausgegebenes „Herbarium pathologicum" , welches 
nicht allein eine Sammlung von Pflanzendeformitäten, sondern 
auch deren Erzeuger bilden wird, mit. 

Herr Custos A. v. Pelz ein legte zwei eingesendete ornitho- 
logische Arbeiten vor: 

Der Zug des Rosenstaares (Pastor roseus Temra.) durch Oesterreich und 
Ungarn und die angrenzenden Länder im Jahre 1875 von Victor Ritter von 
Tscliusi zu Schmidhofen. (Siehe Abhandlungen.) 

Ornithologische Notizen von P. Blasius Hanf. (Siehe Abhandlungen.) 

Herr Prof. Dr. Gustav Mayr besprach die von Dr. Adler 
in der Deutschen entomologischen Zeitschrift (1877, erstes Heft) 
publicirten: Beiträge zur Naturgeschichte der Cynipiden, 
welche aus drei Abtheilungen bestehen. 

In dem ersten Aufsatze: Ueber Parthenogenesis bei Rhoäites 
Hosae weist Dr. Adler, auf zahlreiche Versuche gestützt, nach, dass die aus 
den Gallen erzogenen unbefruchteten Weibchen Eier ablegen und dass erst die 
daraus hervorkommenden Larven den Anlass zur Galleubildung geben. Dr. Adler 
setzte diese Versuche durch drei Generationen fort. 

In dem zweiten Aufsatze: Generationswechsel der Cynipiden 
weist der Verfasser durch sorgfältige Zuchtversuche nach, dass die agamen 
Arten von Neuroterus die zweigesehlechtige Form von Spathegaster erzeugen, 
und zwar ist 

Neuroterut fumipenmt die agame Form von Spathegaster albipes, 

„ lenticularis „ „ „ n baccarum, 

„ laeviusculus „ „ „ v n tricolor, 

„ nmnismatis „ „ „ n v vesicatrix. 



Gustav Majr. 



21 



Dr. Adler hat auch durch Versuche nachgewiesen, dass umgekehrt aus 
den befruchteten Spathegast er -Eiern die Neurot er us-Yorm hervorgeht, Auch 
bei diesen Formen hat Dr. Adler nachgewiesen, dass erst die aus dem Eie 
hervorkommende Larve den Anlass zur Gallenbildung gibt. Derselbe hat seine 
interessanten Versuche auch weiter fortgeführt, indem er nachwies, dass Dryo- 
phanta scutellaris die agame Form von Trigonaspis crustalis sei, sowie dass 
sich aus den Eiern von Spathegaster Taschenbergi Larven entwickeln, welche 
die Gallen von Dryophanta longiventris erzeugen, obschon der Gegenbeweis 
noch nicht geliefert ist, dasselbe gilt von Aphilothrix radicis und Aph. Sie- 
boldi, aus deren Eiern Larven hervorkommen, welche die Gallen von Andricus 
noduli und Andr. testaceipes erzeugen. Diese höchst interessanten Versuche 
beweisen die bei Cynipiden vorkommende Heterogenie aufs genaueste, welche 
Oberförster Wacht 1 undMavr schon vor mehreren Jahren vermutheten. indem 
der Erstere die aus Wurzelgallen hervorkommende Biorhiza apAera häufig 
Knospen anstechend fand, und der Letztere oft Gelegenheit hatte zu beobachten, 
dass Aphilothrix radicis, rhizomae und corticis, welche in unterirdischen Gallen 
oder in solchen Rindengallen, welche nahe dem Boden sind, leben, stets 
Terminal- und Axillarknospen an den oberen Theilen der Eichen anstechen. 

In dem dritten Aufsatze: Ueber die Eichengallen Aphilothrix 
corticis und rhizomae spricht Dr. Adler die Ansicht aus, dass die Gallen 
derselben einer und derselben Art angehören, doch zeigt sich aus dem ange- 
führten Detail, dass der Autor nur verschiedene Formen von Aphilothrix corticis 
untersucht habe und die Galle von Aphilothrix rhizomae nicht kenne.' — Die 
zwei ersteren Aufsätze enthalten, ausser dem oben Angeführten, noch so viele 
allgemein interessante Beobachtungen, dass diese epochemachende Abhandlung 
auch den Nicht-Entomologen von Interesse sein dürfte. 



Derselbe besprach ferner die Eigenthümliehkeiten der Hvme- 
nopteren-Gattung Olinx. (Siehe Abhandlungen.) 



Herr Theodor von Weinzierl dernonstrirte und setzte aus- 
einander die Ergebnisse seiner Untersuchungen über die Festig- 
keit und Elastieität von Blättern und Pflanzenfasern. 



Herr Custos A. Rogen hofer legte folgende eingesendete 
Arbeiten vor: 

Coleopterorum novae species von Edmund Eeitter in Paskau. (Siehe 
Abhandlungen.) 

Amerikanische Spinnenarten aus der Familie der PhoJcoidae , Scyto- 
doidae und Dysderoidae von Eugen Graf Keyserling. (Siehe Abhandlungen.) 



22 



Versammlung am 2. Mai 1877. 



Versammlung am 2. Mai 1877* 

Vorsitzender : Herr Hofrath Carl Brunner v. Wattenwyl. 

Neu eingetretene Mitglieder: 
P. T. Herr 

Lefevre Theodor, nie de Pont-Neuf 10 Brüssel 

Rutot A., Staatseisenbahn-Ingenieur, Brüssel . 

Vincent G., Conservator am naturhistorischen 
Museuni, Brüssel 

Sebisavovic Georg, Professor der Naturge- 
schichte an der Realschule Rakovac (Croatien) 

Robert Franz von. Wien, L, Zedlitzgasse 4 . 



Eingesendete Gegenstände : 

1 Partie Alpenpflanzen, Geschenk von Herrn C. T scher nikl in Innsbruck. 
1 Herbarium aus Dr. Veite n's Nachlasse, Geschenk von Professor Frei- 
herrn von Seckendorf f. 



Der Herr Vorsitzende benachrichtigt die Versammlung von 
dem Ableben des um die Erforschung der adriatischen Fauna 
hochverdienten Dr. D. Nardo in Venedig. Er verschied am 
7. April d. J. Die Versammlung erhebt sich zum Zeichen des 
Beileides von ihren Sitzen. 



Der Secretär Custos A. Kogenhofer machte folgende Mit- 
theilungen : 

Der Ausschuss hat den Beschluss gefasst: „Die Gesellschaft möge der 
Einladung der k. k. Central-Commission für die Weltausstellung 1878 in Paris 
Folge leisten und eine statistische Uebersicht der Leistungen der Gesellschaft, 
die Pnblicationea und eine Mustersammlung naturhistorischer Gegenstände, wie 
K>lofae gewöhnlich an niedere Schulen abgegeben werden, ausstellen". 

Die BoeMtd Botaniqne und die Societe centrale d'Horticulture de France 
in J'ari.s laden in einem bei Gelegenheit der Weltausstellung 1878 vom 
hl.— 22. August tagenden Congress für Botanik und Hortieultur ein. An- 
rneldungen mögen an den Präsidenten der Organisations - Commission , Herrn 
A. Lavallee, Hl, rue de Grenelle-Saint-Germain in Paris gerichtet werden. 

hie An ademia delle Scienze dell' Istituto di Bologna ladet zum Concurse 
'im die AUHn'fOhtfl Preise, zwei Medaillen zu 1000 italienischen Lira für die 



Als Mitglied bezeichnet durch 
P. T. Herren 

F. Bartsch, A. Senoner. 



Direction. 

J. Kolaczy, H. Braifn. 



Gustav Mayr. 



23 



besten Arbeiten, den Galvanismus betreffend, und eine zu 500 Franken für den 
besten Apparat zu elektro-physiologischen Untersuchungen. Der Concurstermin 
lauft am 30. Mai 1878 ab. 

Herr Professor Dr. Gustav Mayr sprach über Dr. Emery's 
Gruppirung der Myrmiciden: 

Dr. Emery versuchte es jüngst in einem Aufsatze betitelt: „Saggio di 
un ordinamento naturale dei Myrmicidei e considerazioni sulla filogenesi delle 
Fonniche" im Bullettino entomologico, Anno IX, die näheren Verwandtschafts- 
verhältnisse der Ameisen einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Mein 
verehrter Freund theilt die Ameisen in vier Subfamilien: Formicidae, Poneridae, 
Myrmicidae und Borylidae. Dass er meine Odontomachiden zu den Poneriden zieht, 
trotz der so ungemein abweichenden Einlenkung der Mandibeln bei den Weibchen 
und Arbeitern, halte ich für ganz richtig, da sich die Männchen derselben, welche 
mir erst nach der Publication der Synopsis generum im Novara -Werke bekannt 
wurden, nicht wesentlich von den Männchen der Poneriden unterscheiden. 

Die Zuziehung der von mir zu den Myrmiciden gestellten Gattungen 
Eciton und Typhlatta zu den Doryliden erscheint mir viel natürlicher, umso- 
raehr, als ich in meiner Synopsis generum dem Kopfbau, im Gegensatze zu 
den früheren Autoren, die Hauptmerkmale zur Unterscheidung der Gattungen 
entnommen habe und die Zuweisung von Eciton und Typhlatta eben die Con- 
sequenz dieser auch von Emery angenommenen Ansicht ist. Ich habe damals 
dem Stielchenbau auch einen grossen, und zwar zu grossen phylogenetischen 
Werth beigelegt, welchen das Stielchen nicht zu haben scheint. Uebrigens 
bleibt die Frage so lange nicht vollkommen erledigt, bis die geflügelten Ge- 
schlechter von Eciton und Typhlatta bekannt sein werden. Die von mir im 
Jahre 1870 aufgestellte Gattung Cheliomyrmix wäre ebenfalls zu den Doryliden 
zu stellen. Die von Emery gegebene Charakteristik der Doryliden dürfte wohl 
noch einer ausgiebigen Ergänzung bedürfen. Nebenbei muss ich noch bemerken, 
dass ich in Erkennung der nahen Verwandtschaft von Eciton und Typhlatta 
mit den Doryliden in meiner Synopsis generum die beiden Gattungen un- 
mittelbar an die letzteren angeschlossen habe. 

Emery theilt die Subfamilie Myrmicidae in fünf Gruppen: Myrmeciidae, 
Cryptoceridae, Myrmicidae genuinae, Pheidolidae und Attidae. Die Crypto- 
ceriden wurden ursprünglich von Smith abgetrennt und von mir sowie von 
Emery als Gruppe beibehalten. Die Attiden trennte ich von den übrigen 
Myrmiciden ebenfalls als eine Gruppe derselben ab, stellte aber auch Eciton 
und Typhlatta dazu. Die Gattung Myrmecia hatte ich im Novara -Werke zu 
den Myrmiciden gestellt, da jedoch durch Lowne bekannt wurde, dass die 
Myrmecia-Fuipyen in Cocons eingeschlossen seien und ich seither durch das 
Museum Godeffroy solche Cocons durch eigene Anschauung kennen lernte, so 
bleibe ich bei der im Jahre 1870 in meinem Aufsatze: „Neue Formiciden" aus- 
gesprochenen Meinung, dass die Gattung Myrmecia, wenn sie auch sowie die 
derselben durch das Flügelgeäder sehr verwandten Doryliden zu den älteren 



24 



Versammlung am 2. Mai 1877. 



Ameisenformen gehören dürfte und ein Verbindungsglied zwischen den Poneriden 
und Myrmiciden bildet, doch den Poneriden näher stehe, umsomehr, als sich 
besonders eine Art, nämlich M. püiventris Smith, in Betreff des Baues des 
Hinterleibes vollkommen an die Poneriden anscbliesst. Ob die von Emery zu 
den Myrmeciiden gestellten Gattungen Pseudomyrma und Sima auch wirklich 
mit Myrmecia am nächsten verwandt seien, möchte ich für zweifelhaft halten, 
bis Formen entdeckt werden, welche die grosse Kluft zwischen Myrmecia mit 
Prionomyrmex einerseits und Sima mit Pseudomyrma andererseits überbrücken. 

Die noch übrigen Myrmiciden hat Emery in zwei Gruppen Myrmicidae 
genuinae und Pheidolidae getrennt. So sehr es wünschenswerth wäre, dieses 
Chaos von Gattungen, von welchen Emery wohl mit Kecht sagt, dass sie 
l'oggetto della massima confusione seien, nach ihrer Verwandtschaft gut zu 
gruppiren, so zeigt schon ein Blick auf seinen Quadro sistematico, da er zwölf 
Gattungen (unter 34) Fragezeichen vorangestellt hat und ihm daher mehr als 
der dritte Theil der Gattungen, in Bezug der Gruppirung, zweifelhaft geblieben 
ist. Bei der Bearbeitung meiner Synopsis generum im Novara -Werke habe ich 
bei der Anordnung der hier in Rücksicht zu bringenden Myrmiciden erkannt, 
dass eine natürliche Gruppirung noch nicht durchzuführen sei, weshalb ich 
wenigstens bemüht war, die Gattungen so zu gruppiren, dass die Determination 
so viel als möglich erleichtert werde. Ich will nun auf eine Beurtheilung 
gewisser, von Emery aufgestellter, Merkmale zur Unterscheidung seiner Myr- 
micidae genuinae und Pheidolidae eingehen. Emery gibt als Charakter der 
Weibchen seiner Myrmicidae genuinae an: pronoto scoperto in avanti e sui 
lati, con gli angoli anteriori spesso sporgenti, bei seinen Pheidoliden : mesonoto 
convesso che ricopre interamente o quasi interamente il pronoto, quando lo si 
L'uarda di sopra. Da möchte ich nun insbesondere auf das Weibchen einer 
unserer gemeinsten Ameisen, des Tetramorium caespitum, aufmerksam machen, 
welches wegen seines Thoraxbaues nicht zu Emery's Myrmicidae genuinae, 
sondern zu seinen Pheidoliden zu stellen wäre, obschon diese Art nach den 
ibrigen Merkmalen zu den ersteren gehört. Dem Flügelgeäder legt Emery 
/ui Trennung dieser zwei Gruppen den grössten Worth bei und stellt zu den 
Myrtnic. gen. jene Gattungen, welche eine einzige geschlossene Cubitalzelle 
baben, die den zwei Cubitalzellen der Myrmiciiden entspricht, und stellt daher 
auch die Gattung Myrmica dazu, welche eine halbgetheilte Cubitalzelle hat; 
zu den Pheidoliden zählt er jene Gattungen, welche zwei geschlossene Cubital- 
zellen haben, sowie auch jene mit einer Cubitalzelle, wo dieselbe der ersten 
Cubitalzelle der Myrmiciiden entspricht, d. i. wo die Costa cubitalis nicht bis 
zur Costa transversa reicht, sondern sich schon vorher in zwei Aeste gabelt, 
von weh hen sich dann beide oder nur der äussere (vordere) Ast mit der Costa 
transversa verbindet. Ich habe schon in meiner Bearbeitung der Formicina 
austriaca, der europäischen Formiciden und der Synopsis generum den» Flügel- 
geäder meine besondere Aufmerksamkeit zugewendet, und eben diese genauere 
KiDOtalai war die Ursache, dass ich es nicht zur Gruppirung verwendete. Bei 
der Hcarheitung der Hernsteiu Ameisen und überhaupt bei meinen Studien über 



Gustav Mayr. 



25 



die fossilen Ameisen habe ich das Flügelgeäder wieder einem genauen Studium 
unterzogen und auch (im Manuscript) eine Gruppirung aller Ameisengattungen, 
von denen mir Geflügelte bekannt waren, versucht. Ich habe da in Betracht 
gezogen die Anzahl der Cubitalzellen, die Verbindung der Costa cubitalis oder 
ihrer Aeste, sowie ob die Cellula radialis geschlossen ist oder nicht. Es hat 
sich gezeigt, dass wirklich nahe verwandte Formen in dieselbe Gruppe gebracht 
wurden, doch hat sich auch theilweise das Gegentheil ergeben. Wie oben 
bemerkt, hat Emery die Gattungen mit einer geschlossenen Cubitalzelle wo 
sich die Costa transversa mit der Costa cubitalis an ihrer Theilungsstelle ver- 
bindet mit Myrmiea und Pogonomyrmex als Gruppe Myrmicidae genuinae ver- 
einigt. Ich bin mit dem Autor, in Betreff der Erklärung des Flügelgeäders 
bei Myrmiea und Pogonomyrmex vollkommen einverstanden, umsomehr, als ich 
selbst von beiden Gattungen je ein Stück habe, bei welchem zwei geschlossene 
Cubitalzellen (wie bei Pheidoliden) vorhanden sind, wie aber Emery eben in 
dem Geäder dieser zwei Gattungen den Uebergang von den Flügeln mit zwei 
Cubitalzellen zu denen mit einer Cubitalzelle, wo sich die Costa transversa mit 
der Costa cubitalis an ihrer Theilungsstelle verbindet, finden kann, ist mir un- 
erklärlich, denn dieselben sind die extremen Formen und nur ein Flügelgeäder, 
wie es bei Myrmecina, Pheidologeton, Carebara und Apterostigma vorkommt, 
wo sich bei einer Cubitalzelle die Costa transversa mit dem äusseren Aste der 
Costa cubitalis verbindet, kann als Uebergang gelten, indem sich wegen Kürzer- 
werden des Stammes der Costa cubitalis die Costa transversa nicht mehr mit 
diesem, sondern mit dem äusseren Aste der C. cubitalis verbindet. Als einen 
neuen, aber, wie ich denke, ausgezeichneten Beweis der Richtigkeit meiner An- 
sicht verweise ich auf die Gattung Hypoclinea. Während die Weibchen dieser 
Gattung stets zwei geschlossene Cubitalzellen haben, variiren die Männchen 
(in meiner Sammlung) in höchst interessanter Weise: 

Hy p o cl in e a quadripunctataL. hat stets zwei geschlossene 
Cubitalzellen. 

H. bispinosa Ol. hat ebenfalls zwei Cubitalzellen, oder es fehlt an 
einem Flügel die Basis des äusseren Astes der Costa cubitalis genau so wie 
bei Myrmyca, oder sie ist nur schwach angedeutet. 

H. gracilis Lowne hat eine geschlossene Cubitalzelle und die Costa 
transversa verbindet sich mit dem äusseren Cubitalaste in mässiger Entfernung 
von der Gabelung. 

H. purp urea Smith hat dasselbe Geäder, aber die Costa transversa 
verbindet sich mit dem äusseren Cubitalaste sehr nahe der Gabelung. 

H. ruf o nigra Lowne hat auch nur eine Cubitalzelle, und die Costa 
transversa verbindet sich entweder, sowie bei H. purpurea, mit dem äusseren 
Cubitalaste oder genau am Ende der Cubitalrippe an der Gabelungs- 
stelle. Der letztere Fall findet sich auch bei: 

H. glabra Mayr, doch fehlt der innere (hintere) Cubitalast fast ganz. 

Dass Emery die Gattung Myrmecina zu den gemeinen Myrmiciden 
stellt, finde ich ganz richtig, wie verträgt sich dies aber mit dem Flügelgeäder? 

Z. B. Ges. B. XXV11. Sitz.-Ber. D 



26 



Versammlung am 2. Mai 1877. 



Andererseits gehört Vollenhovia, welche Emery mit einem Fragezeichen ver- 
sehen zu den Pheidoliden stellte, nach dem Geäder wohl zu diesen, nach allen 
anderen Merkmalen jedoch zu den gemeinen Myrmiciden. Myrmicaria zieht er 
zu den Pheidoliden, obschon diese Gattung nach dem Flügelgeäder zu der 
anderen Gruppe zu stellen wäre. 

Aus dem im Vorhergehenden in Kürze Angeführten ergibt sich hinreichend, 
dass die bisher bestandene „massima confusione" durch Emery's Abhandlung 
nicht behoben ist, doch kann ich mir andererseits die Bemerkung nicht ver- 
sagen, dass solche Publicationen, auch wenn sie ihr Ziel nicht erreichen, die 
Kritik herausfordern, zu Untersuchungen von anderen Gesichtspunkten aus- 
gehend anregen und daher jedenfalls der Wissenschaft auch von Nutzen sind. 

Schliesslich möchte ich mir noch eine Bemerkung erlauben. Es ist be- 
kannt, dass die Männchen der Ameisen viel weniger auffallende Unterschiede 
aufweisen wie die Weibchen und noch mehr die Arbeiter, und dass sich öfters 
die einander zunächst stehenden Gattungen nicht oder kaum unterscheiden 
(z. B. Camponotus, Cölöbopsis und Polyrhachis), sowie auch die Arten sich in 
dieser Weise verhalten. Sucht man nun die Phylogenesis der Ameisen kennen 
zu lernen, so sind es nach meiner Ansicht eben diese wenig differirenden 
Formen, die Männchen, welche am besten den Schlüssel zur Erkennung der 
Verwandtschaftsverhältnisse geben und eben die Unkenntniss der Männchen so 
vieler Genera ist die Hauptursache, dass die verwandtschaftlichen Beziehungen 
vieler Gattungen nahezu unbekannt sind. 

Herr Dr. H. Kraus hielt einen Vortrag über die Art des 
Eierablegens bei den verschiedenen Gruppen der Orthopteren. 

Herr Dr. Emil v. Ma renzeller demonstrirte mehrere Arten 
von Glasschwämmen aus dem k. k. zoologischen Hofcabinete und 
erörterte ihre Organisation, so: 

Hydlonema lusitanicum Bocage von Setubal an der portugiesischen 
Küste, ein Geschenk des Entdeckers Herrn Professor Barboza du Bocage, 
Director des zoologischen Museums in Lissabon; ein vollständiges Exemplar 
von Ii 8ieboldii aus Japan, eingesendet von Dr. A. v. Roretz; die seltene 
Semperella Schulzei Semper und Eurete simplicissima Semper, beide aus dem Meer 
bei der Philippinen-Insel Cebu, mitgebracht und geschenkt von Dr. R. Ritter 
ron Dräsche. Zugleich wurde vorgezeigt Stylocordyla longissima G. O.-Sars 
aus dem nördlichen Eismeere, erbeutet von der k. k. österreichisch-ungarischen 
Polar- Expedition, welcher Schwamm anfangs irrthümlicher Weise ebenfalls zur 
Gattung J/yulonemu gestellt worden war. 

Herr CufltOf A. Rogen b fe r besprach und legte vor: 
Butler Arthur, Illustrations of typic specimens of Lepidoyiera heterv 
cera in the Collection of the British Museum. I. London 1877, with 20 pl. 



Abhandlungen. 



Ueber Gallmücken. 



Von 

Dr. Franz Low. 
(Mit Tafel I.) 

(Vorgelegt in der Versammlung am 4. October 1876.) 

Die im Nachstehenden enthaltenen Mittheilungen über Gallmücken reihen 
sich an meine früheren Publikationen über denselben Gegenstand 1 ) und bilden 
somit gewissermassen eine Fortsetzung derselben. Sie behandeln ebenso wie 
diese, bloss österreichische Vorkommnisse, und, da in ihnen nicht nur die Eesultate 
der von mir seither unternommenen Zuchtversuche sowohl neuer als auch schon 
bekannter Arten, sondern auch noch viele andere Beobachtungen niedergelegt 
sind, so theile ich dieselben, der grösseren Uebersichtlichkeit halber, in drei 
Abschnitte, von denen der erste die Beschreibung der neuen Arten, der zweite 
Beiträge zur genaueren Kenntniss schon bekannter Gallmücken und der dritte 
Mittheilungen über solche Mückengallen, deren Erzeuger noch unbekannt sind, 
enthält. 

In der Literatur der gallenerzeugenden Cecidomyiden hat sich seit 
Schrank der Missbrauch eingeschlichen, Arten, deren Imagines nicht be- 
schrieben wurden, und von denen man bloss die Gallen kannte, mit Namen zu 
belegen. Da sich aus dem Aussehen der in den Gallen lebenden Mückenlarven 
nur erkennen lässt, ob sie einem Insekte der Familie der Cecidomyidae angehören 
oder nicht, keineswegs aber entschieden werden kann, welcher der 23 Gattungen 
dieser Familie sie einzureihen wären, so ist das Zutreffen einer Vorausbenennung 
von Gallmücken eben nur ein Spiel des Zufalls, und es kann desswegen ein 
solcher Name auf wissenschaftliche Berechtigung keinen Anspruch machen. 
Erwägt man aber noch überdiess, dass es (wie einige der im nachfolgenden, 
zweiten Abschnitte dieser Abhandlung enthaltene Beispiele darthun) nicht nur 
Arten gibt, welche gleiche Gallen an verschiedenen Pflanzen erzeugen, sondern 
auch solche, welche ungleich aussehende Gallen auf einer oder auch auf verschiede- 
nen Pflanzen hervorbringen, und dass zuweilen eine und dieselbe Galle von zwei, 
ja selbst drei verschiedenen Gallmückenarten bewohnt wird (wie z. B. die der 
Cecid. crataegi Wtz., C. acrophila Wtz., C. tortrix mihi u. a.), so erscheinen 



*) Verhandl. d. zool.-bot. Ges. 1873, p. 139; — 1874, p. 143 und 321; — 1875, p. 13. 
Z. B. Ges. B. XXVII. Abb. 1 



2 



Franz Low. 



alle Anticipando-Namen, deren Zahl bereits auf 107 angewachsen ist, als gänz- 
lich werthlos. 

Da ferner Derjenige, welcher es mit grosser Mühe dahin bringt, die 
vollständige Naturgeschichte einer noch unbeschriebenen Gallmücke zu er- 
forschen und die Imago derselben zu ziehen, dieser, ohne Rücksicht auf die 
ihr etwa schon anhaftenden Vorausbenennungen, einen Namen geben wird, 
welcher ihm als der passendste erscheint, so werden jene anticipirten Namen 
niemals zur Anwendung kommen und daher stets nur einen überflüssigen Ballast 
bilden, der sich durch alle Publikationen über Gallmücken fortschleppt und 
diese unnützerweise weitläufiger als nöthig macht. Bei einer so schwierig zu 
studirenden Insektengruppe, wie die der Gallmücken, sollte daher meines Dafür- 
haltens die genaue Erforschung der Lebensweise, die künstliche Zucht und die 
ausführliche Beschreibung des vollkommenen Insektes nach lebenden Exemplaren 
Niemandem erlassen bleiben, der neue Arten benennen und beschreiben will. 

Ich habe mich in allen meinen Publikationen an diese Principien gehalten, 
und benenne desshalb auch in der vorliegenden Abhandlung nur diejenigen als 
neue Arten, welche ich, nach sorgfältiger Vergleichung mit den bestehenden 
Beschreibungen, als solche erkannte, und von denen ich die Imagines in 
grösserer Menge durch sorgfältige, jeden Irrthum ausschliessende Zucht erhielt. 
Diejenigen Namen, welche einigen von ihnen schon im Vorhinein, auf die blosse 
Auffindung ihrer Gallen hin beigelegt wurden, habe ich im Texte nur nebenher 
erwähnt, weil sie nach den oben auseinandergesetzten Principien nicht die 
wissenschaftliche Berechtigung haben, als Synonyme aufgeführt zu werden. 

I. Beschreibungen von zwölf neuen Arten. 

(Nach lebenden Exemplaren ausgeführt). 

Cecidomyia alni n. sp. 

Ich habe in meiner jüngsten Publikation über Cecidomyiden p. 31, 
Nr. 9 eine Missbildung der Erlenblätter besprochen, welche durch eine Gall- 
mücke erzeugt wird, die mir jedoch damals noch unbekannt war. Durch das 
endliche Gelingen der überaus schwierigen Zucht dieser Gallmücke, sowie durch 
die fortgesetzte Beobachtung ihrer Lebensweise bin icli nunmehr in der Lage, 
weitere Mittheilungen über sie machen zu können. Da sie noch eine unbeschrie- 
bene Art ist, so nenne ich sie, mit Beziehung auf ihre Nährpflanze Cecid. alni 
und lasse ihre Beschreibung hier folgen, bei welcher ich mich jedoch vorläufig 
auf das Weibchen beschränken muss, weil aus meinem Zuchtmaterialo nur 
weibliche Individuen hervorgingen. 

Weibchen. — Stirn und Untcrgesicht rothlich, letzteres in der Mitte 
mit einer glänzend schwarzen Längslinie ; Hinterhaupt schwarz, an den Augen- 
rändern mit einer sehr feinen, weissen Linie gesäumt; Augen schwarz, oben 
breit zusarnmenstosKend; Fühler G Mm. lang, braun, IGgliedrig, die Goissel- 
glieder gegen die Fühlerapitze hin allmälig kleiner, oval, ungestielt und je mit 



Ueber Gallmücken. 



3 



zwei fahlen Haarwirteln; Taster lang und dünn, gelblich; Eüssel kurz und 
dick, röthlich. 

Thorax bräunlichroth, unten zwischen den Hüften schwärzlich; Bücken- 
schild schwarz mit graulichem Schimmer und vier Längsreihen fahler Haare, 
von denen die äusseren randständig sind; Hinterrücken mit schwarzer Querbinde; 
Schildchen honigbraun, fahl behaart; Schwinger blassroth; Beine mässig schlank, 
braun, aussen viel dunkler, innen mit weisslichem Schimmer. 

Flügel 1*8 Mm. lang, beinahe glashell, stark irisirend, am Vorderrande 
schwarz behaart, am Hinterrande grau befranst und auf der Fläche mit grauen 
Haaren besetzt; die Adern bräunlich, die Flügelwurzeln roth; die erste Längs- 
ader sehr nahe am Vorderrande, mündet in halber Flügellänge in denselben; 
die zweite Längsader ganz gerade, trifft den Eand nahe vor der Flügelspitze; 
die dritte Längsader gabelt sich in halber Flügellänge, ihre beiden Zinken 
sehr deutlich, sie gehen schief zum Hinterrande; die Querader deutlich, in 
der Mitte der ersten Längsader; die Flügelfalte ziemlich stark, sie liegt etwas 
entfernt vbn der äusseren Gabelzinke. 

Abdomen fleischroth, oben mit blassen, schwärzlichen Binden auf den 
einzelnen Segmenten, spärlich fahl behaart; die Legröhre sehr lang vorstreck- 
bar, gelb, ihr Basalglied oben mit Hförmiger schwarzer Zeichnung. 

Körperlänge des Weibchens 2 Mm. 

Larve und Galle. — Die Larven leben gesellig in einer eigenthüm- 
lichen Missbildung der Blätter von Älnus glutinosa Gärt. Sie sind anfangs 
gelblich, werden später aber immer mehr roth und haben erwachsen eine schöne 
mattrothe Farbe. Sie verlassen im Juni oder Juli die Galle und begeben sich 
in die Erde, woraus erst im nächsten Frühlinge die Imagines hervorkommen. 

Die Weibchen legen kurze Zeit nach dem Ausschlüpfen ihre Eier in die 
Spitzen der neuen, saftigen Erlentriebe, an deren jüngsten, noch knospenartig 
übereinanderliegenden Blättern, gewöhnlich schon im Mai die winzigen, erst 
dem Ei entschlüpften Larven zu finden sind. Diese halten sich stets nur an 
der Oberseite des von ihnen besetzten Blattes, jedoch nicht über dieselbe zer- 
streut, sondern in Gesellschaft nur an einer Stelle auf, welche sich durch ihren 
Einfluss nach und nach verdickt und taschenförmig längs der Mittelrippe nach 
oben zusammenneigt. So lange diese Deformation von den Larven bewohnt 
wird, ist sie grün und saftig und bleibt auch gegen die nicht angegriffenen 
Blattpartien im Wachsthume nur wenig zurück, wesshalb sich der normalen 
Entwicklung dieser letzteren nur geringe Hindernisse in den Weg stellen, 
welche bloss eine schwache Faltung der genannten Blattpartien zur Folge 
haben. Nach der Auswanderung der Larven hingegen, welche gewöhnlich schon 
stattfindet, wenn das besetzte Blatt erst ein Drittel seiner späteren Grösse 
erreicht hat, wird die deformirte Stelle allmälig trockener, sie hört zu wachsen 
auf, und bewirkt um sich herum eine Constriction der übrigen, sich weiter 
entwickelnden Blatttheile, welche dadurch eine eigenthümliche, krause und sehr 
auffällige Faltung erleiden, die, je nachdem der Angriff der Larven näher der 
Spitze oder der Basis des Blattes erfolgte, ein sehr verschiedenes Aussehen hat. 

1* 



4 



Franz Low. 



Dr. Thomas sagt 2 ), dass dieses Cecidium eine sehr grosse Verbreitung 
habe. Um Wien findet es sich wenigstens fast überall, wo Erlen wachsen. 
Neuestens fand ich eine ganz gleiche Deformität auch auf Alnus incana DC. 
im Prater nächst Wien, welche aber schon von den Larven verlassen war. Es 
ist sehr wahrscheinlich, dass diese ebenfalls durch die vorbeschriebene Cecid. 
dlni m. hervorgerufen wird. Auch die von Bremi in seinen Beiträgen zu 
einer Monographie der Gallmücken 3 ), p. 29, Taf. II, Fig. 34 beschriebene und 
abgebildete, ähnliche Missbildung der obersten Blätter saftiger Wurzelschosse 
von Alnus incana DC, für deren Erzeugerin er den Namen Cec. tortilis propo- 
nirte, dürfte hierher zu ziehen sein. 

Cecidomyia genisticola n. sp. 

Männchen. — Stirn und Untergesicht licht röthlichbraun, zart weisslich 
behaart, letzteres auf seiner etwas erhabenen Mitte mit einem Büschel längerer 
weisser Haare; Hinterhaupt ziemlich stark convex, braun, dicht grau behaart; 
Augen schwarz, neben der Fühlerbasis tief ausgeschnitten, oben nur schmal 
zusammenstossend, daher einen ziemlich grossen Scheitelfleck freilassend; 
Fühler 0*7 Mm. lang, dunkelbraun, 14gliedrig, die Geisselglieder fast kugelig, 
gestielt, jedes mit einem langen und einem kurzen, bräunlichen Haarwirtel, die 
Stiele so lang als die Glieder; Taster lang und dünn, Rüssel kurz und dick, 
beide blassgelb. 

Thorax lichtbraun oder lichtröthlichbraun , unten zwischen den Hüften 
der Vorder- und Mittelbeine mit einem schwarzbraunen Querfleck, der sich 
beiderseits mehr oder weniger weit nach oben ausdehnt, und neben welchem 
von den Flügelwurzeln nach abwärts eine Leiste von gelben Haaren läuft, 
welche in gewisser Richtung silberweiss glänzt; Rückenschild mit drei schwarz- 
braunen Striemen, welche nicht selten zusammenfliessen und zwischen denen 
gelbe Haare in den gewöhnlichen Längsreihen stehen; Hinterrücken dunkel- 
braun; Scliildchen lichtröthlichbraun; Schwinger fahlbraun oder lichtröthlich- 
braun; Beine schlank, fahlbraun, aussen an den Schenkelspitzen, Schienen und 
Tarsen durch schuppige Behaarung schwärzlich. 

Flügel 1 Mm. lang, glasliell, roth und goldig schillernd, grau behaart 
und befranst, die Behaarung mit schwärzlichem Schimmer; Vorderrand ziemlich 
dick, BCh warzhaarig, ebenso behaart sind auch die erste und zweite Längsader; 
Flügelwurzeln röthlich mit gelber Behaarung; die erste Längsader sehr nahe 
am Vorderrande, kurz, mündet in ein Drittel der Flügellänge in denselben; die 
zweit«: Längsader am Hude nach vorn gebogen, trifft weit vor der Flügelspitze 
ih n Von!« rrand ; die dritte Längsader gabelt sich ein wenig innerhalb der 
halben Kli'igellilnge, ihre beiden Zinken deutlich, sie gehen schief zum Hinter- 
rarid.:: die Qaeradei deutlich, sehr schief, liegt in der Mitte der ersten Längs- 
ad.-r; ÄU Flflgelfalte ganz undeutlich. 



*) QUbtl'l Z< if <.l, r . f. '1. «OK. NiitunviHH. I5d. 4ü, 1874, p. 585. 

') Neu« DtaJuehr, <l tilg ■Hnvei/.. Gtof, l'. d. gOH. Natiirwinn. Neuenbürg 1847, IM. IX. 



Ueber Gallmücken. 



5 



Abdomen fahlbraun, mit gelber, ziemlich dichter Behaarung, und mit 
schwärzlichen Schuppenbinden oben auf den Segmenten; die Zange des cT 
gross, schwärzlich. 

Körperlänge des Männchens 1 Mm. 

Weibchen. — Das 9 ^ i m Ganzen mehr röthlichgelbbraun. Seine 
Fühler sind nur 0'4 Mm. lang, 14gliedrig, mit ovalen, ungestielten Geissel- 
gliedern, von denen jedes zwei kurze Haarwirtel trägt. Die Legröhre des Q ist 
lang vorstreckbar, fahlbraun. 

Körperlänge des Weibchens 12 Mm. 

Larve und Galle. — Die anfangs weisslich hyalinen, später blass 
rosenrothen Larven dieser Art, erzeugen an den Triebspitzen von Genista tinc- 
toria L. lockere Blätterschöpfe mit dichter, kurzer, weisser Behaarung, in denen 
sie im Juni, zuweilen bis halben Juli, gesellig, oft in grosser Anzahl leben. 
Sie gehen zur Verpuppung in die Erde und verwandeln sich Ende Juli oder 
Anfangs August zur Imago. 

Die genannte Deformation (Taf. I, Fig. 1) entsteht durch die ausser- 
ordentliche Verkürzung der Internodien an den Triebspitzen des Färbeginsters, 
wodurch die Blätter einander so nahe gerückt werden, dass sie sich wie die 
Blumenblätter einer gefüllten Blüthe berühren, und zu einem kugeligen Blätter- 
schopfe zusammenschliessen. Die an einem solchen Schöpfe theilnehmenden 
Blätter verbreitern sich durch den Einfluss, welchen die zwischen ihnen lebenden 
Larven auf sie nehmen, um das zwei- bis dreifache ihrer normalen Breite, und 
bedecken sich mit einem abnormen Haarkleide. Nicht selten werden auch 
Blüthenknospen in die Deformation mit einbezogen. Diese schwellen sodann 
ziemlich stark an, gelangen nicht zur Entfaltung, und werden ebenfalls mit 
kurzen Haaren dicht bekleidet. Nach der Auswanderung der Larven vertrocknen 
diese Blätterschöpfe allmälig, und weiden braun und dürr. 

Die Aehnlichkeit, welche die in Rede stehende Galle mit einigen durch 
Gallmilben (Phytojjtus) an anderen Pflanzen hervorgerufenen Cecidien hat, 
könnte zu dem Glauben veranlassen, dass ihre Entstehung ebenfalls diesen 
winzigen Thierchen zuzuschreiben sei. Da ich jedoch, selbst bei der sorg- 
fältigsten Untersuchung, darin noch niemals Gallmilben vorfand, so kann ich 
auch nur die sie bewohnenden Gallmückenlarven als die Ursache ihrer Ent- 
stehung ansehen. 

Ich fand diese Gallen bisher nur auf einer ziemlich hoch gelegenen, 
kleinen Waldwiese in der Nähe von Klosterneuburg bei Wien. 

Die von Reauinur (Mem. III. 1737, p. 423, pl. 35, Fig. 1—2) beschrie- 
bene und abgebildete Ginster -Galle, von deren Abbildung sich in GiebeTs 
Naturgeschichte des Thierreiches (Bd. IV, 1863, p. 165, Fig. 178) eine etwas 
verkleinerte Copie befindet, hat zwar einige Aehnlichkeit mit der vorstehend be- 
schriebenen; der Umstand jedoch, dass Reaumur's Galle an der Seite des 
dicken, wahrscheinlich holzigen Theiles des Stengels sitzt, nicht haarig ist und 
aus verkürzten, fast schuppenförmigen Blättern besteht, macht es sehr fraglich, 
ob sie mit jener identisch sei. 



6 



Franz Low. 



Cecidomyia tortrix n. sp. 

Meine jüngste Publikation über Cecidomyiden enthält p. 31, Taf. II, 
Fig. 5 die Beschreibung und Abbildung einer Triebspitzen-Deformation von 
Primus spinosa L., deren Erzeugerin mir damals noch unbekannt war. Durch 
erneuerte Versuche ist es mir gelungen, diese nunmehr zu ziehen. Ich nenne 
sie wegen der grossen Aehnlichkeit ihrer Gallen mit einem Tortriciden- Gehäuse 
Cecid. tortrix und gebe nachstehend ihre Beschreibung. 

Männchen. — Stirn und Untergesicht braun, letzteres ober dem Mund- 
rande mit einem lockeren Büschel bleicher Haare; Hinterhaupt schwarzbraun, 
mit kurzen, bleichen Haaren besetzt, am Augenrande sehr schmal weiss ge- 
säumt; Augen schwarz, oben breit zusammenstossend ; Fühler 1 Mm. lang, 
braun, 14gliedrig, die Geisselglieder kugelig, gestielt, jedes **nit drei bleichen 
Haarwirteln, von denen der mittlere der längste ist, Stiele zwei Drittel so lang 
als die Glieder, fast hyalin; Taster und Rüssel blass bräunlich. 

Thorax schwarzbraun; Prothorax und zwei grössere Flecken an jeder 
Seite des Thorax rüthlichhonigbraun; Rückenschild etwas glänzend, mit vier 
Reihen bleicher Haare, von denen die äusseren randständig sind; Hinterrücken 
schwarzbraun; Schildchen braun, vorn dunkler als hinten, bleichhaarig; Beine 
schlank, blassbräunlich, mit gelbem Schimmer, aussen dunkler angeflogen; 
Schwinger blassbräunlich. 

Flügel 1*5 Mm. lang, wenig getrübt, nicht irisirend, nur silbergrau 
glänzend, grau behaart und befranst; Vorderrand wenig dicker als die zweite 
Längsader, seine graue Behaarung mit schwarzen Schuppenhaaren gemischt; 
Adern braun; Flügelwurzeln rüthlich ; die erste Längsader sehr nahe am Vorder- 
rande, mündet in der halben Flügellänge in denselben; die zweite Längsader 
fast gerade, kaum merklich nach vorn gebogen, geht nahe der Flügelspitze in 
den Vorderrand; die dritte Längsader gabelt sich in der halben Flügellänge, 
ihre hintere (innere) Zinke schwach gebogen; die Querader fehlt; die Flügel- 
falte deutlich. 

Abdomen rüthlichhonigbraun, bleich behaart, oben mit schwachen, dunk- 
leren Segmentbinden ; Zange des klein, angeraucht. 
Körperlänge des Männchens 1*6 Mm. 

Weibchen. — Das 9 hat einen rothen Hinterleib mit breiten, schwarzen 
Schuppenbinden auf der Oberseite und kurzen, schwärzlichen Querstrichen in 
der Mitte der Segmente an der Unterseite. Seine Legrühre ist massig lang 
vorstreckbar , bräunlich gelb, nach hinten zu lichter, fast weissgelb, an der 
äuBKcrstcn Spitze geschwärzt. »Seine Fühler sind nur halb so lang als die des 
<?, 14gliederig, mit ovalen, ungcstieltcn Geisselgliedern, von denen jedes zwei 
HaarwirM hat. Alles Andere wie beim cf. 

Körji erliinge des Weibeliens 2 Mm. 

Larve und Galle. — Die Larven dieser Gallrnückenart sind weiss, und 
l<-ben gesellig in giosscr Anzahl zwischen den Blättern der Triebspitzen von 
PrunuH ipinota L. , welche wie zu länglich spindelförmigen Blätterrollen 



Ueber Gallmücken. 



7 



deforniiren. Sie verlassen diese Cecidien gewöhnlich im Juni, zuweilen aber 
auch schon gegen Ende Mai, und begeben sich zur Verwandlung in die Erde, 
aus welcher erst im nächsten Frühlinge (bei Zimmerzucht im Februar oder 
März) die Imagines hervorkommen. 

Da die durch diese Larven verursachte Deformation die Spitze des 
Vegetationskegels nicht beeinflusst, sondern sich lediglich auf die 6 ~8 obersten 
Blätter des Triebes beschränkt, welche etwas knorpelig verdickt und runzelig 
werden und sich zu einer länglichen Blätterrolle übereinander legen, so wachsen 
solche Triebe ohne erhebliche Störung allmälig weiter, wobei sich nach und 
nach die äusseren Blätter dieser Deformation von derselben wieder ablösen. 
Durch dieses allmälige Sichloslösen der einzelnen deformirten Blätter wird den 
zwischen ihnen lebenden Larven die Möglichkeit geboten, ihren bisherigen 
Aufenthaltsort ohne Mühe zu verlassen und sich in die Erde zu begeben. Sie 
scheinen auch in der That dies abzuwarten, denn, wenn man einen solchen 
Trieb abpflückt und ihn auch in einem hermetisch verschlossenen Gefässe längere 
Zeit grün erhält,' so wird die darauf befindliche Blätterrolle von den Larven 
nicht verlassen, weil eben sein Wachsthum durch die Trennung von der Pflanze 
gehindert ist. Diese Eigenthümlichkeit macht die Zucht der Cecid. tortrix m. 
etwas schwierig, und man kann nur dann auf ein Gelingen derselben rechnen, 
wenn die mit den Larven besetzten Triebspitzen nach dem Abschneiden von 
dem Strauche noch einige Zeit in ihrem Wachsthume erhalten werden, was 
bekanntlich nur dadurch möglich ist, dass man sie so behandelt, wie der^Gärtner 
die Ableger seiner verschiedenen Gewächse. 

In dem oben besprochenen Cecidium (welches in der Umgebung von 
Klosterneuburg häufig vorkommt) findet man zuweilen auch noch die Larven 
einer zweiten Gallmückenart als Einmiether. Ihre Anzahl ist jedoch stets eine 
geringe. Sie sind kleiner als die der Gallenerzeugerin, und verwandeln sich noch im 
Sommer desselben Jahres zur Mücke, deren Beschreibung ich hier folgen lasse. 

Cecklomyia sodalis n. sp. 

Männchen. — Stirn und Untergesicht licht honigbraun, letzteres in 
der Mitte mit einem Büschel fahlbrauner Haare; Hinterhaupt dunkelbraun, an 
den Seitenrändern lichter, fahlbraun behaart; Augen schwarzbraun, oben nicht 
sehr breit zusammenstossend; Fühler 1 Mm. lang, braun, 14gliedrig, die Geissel- 
glieder kugelig, gestielt, jedes derselben mit drei fahlbraunen Haarwirteln, von 
denen der mittlere sehr lang ist, Stiele nicht ganz so lang als die Glieder; 
Büssel und Taster gelblich. 

Thorax honigbraun, zwischen den Hüften der Vorder- und Mittelbeine 
mit schwärzlichem Anfluge; Rückenschild mit drei schwarzbraunen, etwas 
glänzenden, keilförmigen Längsstriemen, zwischen denen vier Reihen fahlbrauner 
Haare stehen; Hinterrücken dunkelbraun; Schildchen honigbraun, fahl behaart; 
Beine schlank, fahlbraun, aussen durch schuppige Behaarung dunkel- oder 
schwarzbraun, Schenkelbasis sehr blass; Schwinger schmutzigweiss. 



8 



F ranz Low. 



Flügel 1 Mm. lang, glashell, bläulichgrau und messinggelb schillernd, 
schwarzgrau behaart und befranst; Vorderrand dick, schwarzhaarig; Adern 
braun; die erste Längsader so nahe am Vorderrande, dass sie nur bei starker 
Vergrösserung von diesem getrennt erscheint; die zweite Längsader mit ihrem 
Ende gegen den Vorderrand gebogen, und weit vor der Flügelspitze in den- 
selben mündend; die dritte Längsader gabelt sich in der halben Flügellänge, 
ihre beiden Zinken treffen den Hinterrand in schräger Richtung, die Spitze der 
vorderen (äusseren) Zinke liegt der Spitze der zweiten Längsader nahezu gerade 
gegenüber; die Querader und Flügelfalte sehr undeutlich. 

Abdomen licht honigbraun, oben etwas dunkler und daselbst mit mehr 
oder weniger deutlichen, schwärzlichen Segmentbinden; Zange des klein, 
schwärzlich angeraucht; die Behaarung des Abdomen mässig dicht, fahlbraun. 

Körperlänge des Männchens 12 Mm. 

Weibchen. *-+ Das Q hat einen röthlichen Hinterleib, kürzere, aber 
ebenfalls 14gliedrige Fühler mit sitzenden, ovalen Geisselgliedern und eine 
lang vorstreckbare, fahlbraune Legröhre. Im Uebrigen ist es wie das <j\ 

Körperlänge des Weibchens 1'5 Mm. 

Larve. — Die weissliche Larve lebt als Einmiether in den durch die 
vorhergehend beschriebene Cecid. tortrix m. deformirten Triebspitzen von 
Prunus spinosa L. Sie geht gegen Ende Mai zur Verwandlung in die Erde, 
aus welcher schon im Juni desselben Jahres die Mücken hervorkommen. 

Cecidomyia homocera n. sp. 

Nach einigen vergeblichen Versuchen gelang es mir endlich, diejenige 
Zerreichen-Gallmücke zu ziehen, deren Gallen schon von G. v. Frauenfeld 4 ) 
beschrieben und abgebildet wurden, und für welche dieser, dem sie in Folge 
Misslingens ihrer Zucht unbekannt blieb, damals den Namen Lasioptera gäleata 
in Vorschlag brachte. Sie zeichnet sich nicht nur durch einen gedrungenen 
Körperbau und kurze, dicke Beine, sondern auch noch ganz besonders durch die 
verhältnissmüssig sehr kurzen, in beiden Geschlechtern vollständig gleichen 
Fühler aus, wesshalb ich sie Cecid. homocera nenne. 

Männchen. — Stirn und Untergesicht braun, letzteres in der Mitte 
mit einem schwarzen, flachen Läugshöcker, welcher mit schwarzen Haaren 
besetzt ist; Hinterhaupt etwas erhaben, schwarz, ohne lichteren Augensaum, 
ichwarz behaart; Augen ichwarz, oben breit zusammenstossend; Fühler kaum 
0*1 Mm. lang, nach Art der Lasiopteren-Fühlcr gebildet, 12— 13gliedrig, schwarz- 
braun, fegen die Spitze hin ein wenig lichter; das erste Glied konisch-napf- 
ftrmig, ziemlich dick; das zweite kugelig, am grössten unter allen; die Geissel- 
glieder kurz, oral, an beiden Enden etwas abgeplattet, nach der Fühlerspitze 
hin iQmllig kleiner werdend, das Endglied meist sehr klein, alle ungestielt, 
sitzend, mit einem lockeren Wirtcl kurzer, blassbrauner Haare; Rüssel kurz, 
Taster v. rbUtoilim&Mig lang, beide braun. 



') Vorl.. <l zo.,| l.-.t. 0«, iw;i, IM. XI, i». 171, Taf. II D, fltf. 10—12. 



Ueber Gallmücken. 



9 



Thorax fast kugelig, schwarzbraun, an jeder Seite mit zwei dreieckigen, 
röthlichen Fleckchen, von denen sich das eine unter der Flügelwurzel, das 
andere knapp davor befindet; Prothorax roth oder braunroth, oben schwärzlich; 
Rückenschild mit drei mattschwarzen, nach hinten verschmälerten Längsstriemen, 
zwischen denen Reihen von schwarzen Haaren stehen; Hinterrücken schwarz; 
Schildchen vorn und an den Seiten schwarzbraun, hinten honigbraun, nur mit 
wenigen, schwarzen Haaren besetzt; Hüften kurz, dunkel- oder schwarzbraun; 
Beine kurz (die Hinterbeine nur wenig länger als die Flügel), durch abstehende, 
kurze, dichte Behaarung viel dicker aussehend, als sie in Wirklichkeit sind, 
schwarzbraun mit graulichem Schimmer; die Tarsen an der Unterseite weiss- 
lich; die Schenkel an der Basis braun, unten mit einer Reihe kurzer Börstchen 
besetzt; Schwinger roth mit gelbem Stiele, der Knopf derselben nach hinten 
umgebogen. 

Flügel 2 — 2*2 Mm. lang, grau getrübt, sehr schwach irisirend, meist nur 
matt bleigrau glänzend, dicht schwarzgrau behaart und befranst; ihr Vorder- 
rand massig dick, ausser der schwarzgrauen Behaarung noch mit zahlreichen, 
schwarzen Schuppenhaaren besetzt, daher sehr dunkel erscheinend; die Adern 
braun und nahe ihrer Basis gleichfalls mit einigen solchen Schuppenhaaren 
versehen; die Flügelwurzeln gelbroth, fast nackt; die erste Längsader sehr 
nahe dem Vorderrande, mündet etwas innerhalb der halben Flügellänge in den- 
selben; die zweite Längsader an der Basis etwas nach vorn ausgebogen, dann 
ganz gerade und ein wenig vor der Flügelspitze mit der Randader zusammen- 
treffend; die dritte Längsader scheinbar ungegabelt, weil die vordere (äussere) 
Zinke meist so sehr verblasst ist, dass sie nur bei starker Vergrösserung und 
besonders günstiger Beleuchtung wahrgenommen werden kann; die hintere 
(innere) Zinke erreicht zuweilen den Hinterrand nicht ganz; die Querader fehlt; 
die Flügelfalte sehr deutlich. 

Abdomen röthlichbraun oder braunroth, oben mit sehr blassen, schwärz- 
lichen Querbinden, unten in der Mitte mit einer Längsreihe kurzer, schwärz- 
licher Querstriche ; die Segmentränder sind etwas wulstig und mit schwärzlichen 
Haaren besetzt; die Zange des klein, schwärzlich angeraucht. 

Körperlänge des Männchens 1*8 — 2 Mm. 

Weibchen. — Das 9 stimmt mit dem in Allem bis auf die Färbung 
des Abdomen überein. Dieses ist beim Q dunkelfleischroth und hat dunklere 
Segmentbinden als das des c? ; überdies trägt das siebente und achte Segment 
oben je einen tiefschwarzen Doppelfleck. Die Legröhre ist weit vorstreckbar, 
braungelb, nach der Spitze hin lichter. 

Körperlänge des Weibchens 2*5 Mm. 

Larve und Galle. — Die Larve ist roth und stark flachgedrückt. Sie 
erzeugt auf den Blättern der Zerreiche (Quercus Cerris L.) flache, harte, fast 
holzige Gallen von 4 — 5 Mm. Querdurchmesser, welche sich oben nur sehr 
wenig über die Blattfläche erheben, unten hingegen die Form einer 2—3 Mm. 
dicken Scheibe haben, die in ihrer Mitte ein wenig convex ist. Diese Gallen 
sind sowohl auf ihrer Ober- als auch Unterseite in der Mitte mit einem spitzen 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abb. 2 



10 



Franz L5w. 



Zäpfchen versehen, unterseits dicht, graugrün, filzartig behaart, oberseits aber 
nur mit den gewöhnlichen, jedoch etwas verdickten Blatthaaren besetzt. Ihre 
Larvenkammer ist ausserordentlich flach, wesshalb auch die sie bewohnende Larve 
einen flachen, breiten Leib hat. Zur Zeit der Reife, welche gewöhnlich gegen 
Ende September eintritt, löst sich von der Unterseite der Galle ein kreisrundes, 
deckelartiges Stück los. Die Larve fällt alsdann zur Erde, dringt in diese ein 
und spinnt sich daselbst einen weissen Cocon, worin sie überwintert und sich 
erst im Frühlinge, ungefähr zwei Wochen vor der Verwandlung zur Imago, 
verpuppt. Bei der Zimmerzucht erscheinen die Mücken schon im Februar, im 
Freien hingegen erst im Mai. 

Ich fand die Gallen dieser Art an verschiedenen Orten in der Umgebung 
von Wien, meist in grosser Menge auf einem Baume oder auf einzelnen Baum- 
gruppen vereint. Sie sind nicht selten auf manchen Blättern so gehäuft, dass 
an diesen kaum noch ein Stückchen normaler Blattfläche übrig bleibt. 

Unter den bisher beschriebenen Cecidomyiden- Gallen der Zerreiche steht 
die Galle von Cecid. cerris Koll. der vorstehend besprochenen am nächsten, 
denn auch sie ist eine sogenannte Deckelgalle. Der wesentlichste Unterschied 
zwischen diesen beiden Gallen liegt jedoch darin, dass bei der Galle von Cecid. 
cerris Koll. der eigentliche Gallenkörper als kegelförmige, nackte Erhabenheit 
auf der Blattoberseite liegt und unten sich nur der die Galle schliessende, be- 
haarte Deckel befindet, während bei der Galle von Cecid. homocera m. die 
Hauptmasse des Gallenkörpers sammt dem Deckel auf der Unterseite des Blattes 
als scheibenförmige Erhabenheit vorragt. (Vergl. Taf. I, Fig, 2 Durchschnitt 
der Galle von Cecid. homocera m. und Fig. 3 Durchschnitt der Galle von Cecid. 
cerris Koll.) 

Cecidomyia orobi n. sp. 

Ueber die dieser Art eigentümliche Galle, welche in einer knorpelig 
verdickten Randrollung der Blätter von Orobus vernus L. besteht, habe ich 
zwar schon in meiner jüngsten Publikation über Cecidomyiden ! ) in dem Abschnitte 
Gallen von noch unbekannten Gallmücken" p. 31, Nr. 6 gesprochen; da mir 
aber damals nur zwei dieser Gallen vorlagen, wovon die eine bereits leer und 
die andere nur von einer Larve bewohnt war, so konnten meine Mittheilungen 
darüber nur sehr beschränkte sein. Durch die Auffindung einer grossen Anzahl 
derselben unweit derjenigen Stelle, wo ich sie zuerst antraf, und durch das 
Gelingen der Zucht ihrer Erzeugerin bin ich nun im Stande eine ausführliche 
Beschn.ihung dieser Art zu geben. 

Männchen. - Stirn und Untergesicht gelb, letzteres in der Mitte mit 
•inem gelben Haarbüschel; Hinterhaupt dunkelgrau, spärlich behaart, am Rande 
Hchnial silbcrwciss gesäumt; Augen schwarz, oben broit zusammenstossend; 
Fühler 0'6 lfm. laug, 12 L8gliedrlg, die beiden Basalgliedcr gelb, die Geissel- 
pliedei braun, oval, nach der Pühleripitzc bin nur wenig verkleinert, ungestielt, 
mit je iwel bleichen, kurzen Haarwirteln; Rüssel and Taster blcichgelb, letztere 

ziemlich lang. 



TJeber Gallmücken. 



11 



Thorax gelb, etwas ins Orangegelbe ziehend, oben sammt dem Schildchen 
bräunlich oder röthlich; Kückenschild glänzend, mit drei schwarzbraunen Striemen, 
von denen die mittlere hinten, die seitlichen vorn verkürzt sind, auf den lichten 
Längslinien zwischen diesen Striemen und am Eande des Rückenschildes stehen 
Reihen von gelben, ziemlich kurzen Haaren; an der Unterseite des Thorax 
befindet sich zwischen den Hüften der Vorder- und Mittelbeine ein mehr oder 
minder dunkelbrauner Querfleck; Beine schlank, blassbräunlichgelb, aussen 
dunkler, unten mit goldgelbem Schimmer, die Tarsen der Vorder- und Mittel- 
beine aussen braun oder schwarzbraun; Schwinger weissgelb. 

Flügel 1*6 Mm. lang, glashell, stark goldgelb schillernd, mit graugelben 
Haaren besetzt, welche gegen die Flügelspitze hin etwas dichter stehen, am 
Hinterrande lichtgrau befranst; der Vorderrand ist stärker und dichter behaart, 
in gewisser Richtung ganz goldgelb, in anderer hingegen schwärzlich erschei- 
nend; Adern braun; Flügelwurzeln röthlich; die erste LäDgsader kurz, sehr 
nahe dem Vorderrande, mündet in ein Drittel der Flügellänge in denselben; 
die zweite Längs ader an ihrem Ende nach vorn gebogen, erreicht ziemlich weit 
vor der Flügelspitze den Rand; die dritte Längsader gabelt sich in der halben 
Flügellänge, ihre beiden Zinken sind deutlich und gehen schief in den Hinter- 
rand; die Querader ziemlich deutlich, liegt in der Mitte der ersten Längsader; 
die Flügelfalte nur schwach sichtbar. 

Abdomen einfärbig gelb, oben nur sehr wenig dunkler, mit kurzer gelber 
Behaarung; Zange des cT gross und dick, röthlich oder bräunlich. 

Körperlänge des Männchens 1*5 Mm. 

Weibchen. — Das 9 ist ebenso gefärbt wie das (j\ nur hat sein 
Abdomen oben blassbraune Binden. Seine Fühler sind wie bei dem $ gebildet, 
nur unbedeutend kürzer. Die Legröhre ist lang vorstreckbar, am Ende fast weiss. 

Körperlänge des Weibchens TS— 2 Mm. 

Larve und Galle. — Die gelblichen Larven dieser Gallmückenart 
erzeugen an den Blättern von Oröbus vernus L. Randroilungen, worin sie meist 
gesellig, zuweilen bis zu 15 an der Zahl, und nur selten einzeln leben. Sie ver- 
lassen diese Gallen im Juni, gehen zur Ueberwinterung in die Erde und ver- 
wandeln sich erst im nächsten Frühjahre zu Mücken. Die durch sie erzeugte 
Blattdeformation besteht in einer Einrollung des Randes der Fiederblättchen 
nach oben. Diese ist meist stark knorpelig verdickt, so dass sie beim Aufrollen 
leicht zerbricht, aussen und innen kahl und in der Regel etwas bleicher als 
das Blatt. An den jüngsten Blättern sind die Fiedern sehr häufig von beiden 
Seiten bis zur Mittelrippe eingerollt, wodurch solche Blätter vollständig ein- 
stellt werden und ein sehr auffälliges Aussehen bekommen. 

Cecidomyia corrugans n. sp. 

Auch von dieser Gallmücke habe ich schon in meiner jüngsten Publika- 
tion über Cecidomyiden *) p. 30, Nr. 4 die Deformationen beschrieben, welche 
sie an den Blättern von Eeracleum Sphondylium L. verursacht und dabei 

2* 



12 



Franz Low. 



erwähnt, dass dieselben auch von Kaltenbach (Pflanzen-Feinde p. 285) auf- 
geführt werden, welcher für deren Erzeugerin den Namen Cec. heraclei pro- 
ponirt. Da mir nun seither die Zucht dieser Art gelungen ist, und ich überdies 
auch an Chaerophyllum aromaticum L. ganz gleiche Blattdeformationen fand, 
aus denen ich gleichzeitig dieselbe Gallmücke erhielt, so bin ich in der Lage 
eine ausführliche Beschreibung dieser Art zu geben und wähle für sie den 
Namen Cecid. corrugans, der mir passender als der von Kaltenbach vorge- 
schlagene erscheint, weil es einseitig wäre, eine Art, welche auf mehreren 
Pflanzen lebt, blos nach einer derselben zu benennen. 

Männchen. — Durchaus blassorangegelb, nur das Hinterhaupt und drei 
Striemen auf dem Rückenschilde braun. Augen schwarz, oben breit zusammen- 
stossend; Hinterhaupt am Rande mit goldgelber Säumung; Untergesicht in der 
Mitte goldgelb behaart; Fühler 0*5 Mm. lang, 13— 14gliedrig, die Basalglieder 
gelb, die Geisselglieder dunkelbraun, oval, ungestielt, jedes mit zwei bräun- 
lichen Haarwirteln. (Bei manchen cT ist das zweite und zuweilen auch das 
dritte Geisselglied sehr kurz gestielt.) 

Thorax zuweilen zwischen den Hüften gebräunt; Rückenschild zwischen 
den drei braunen Striemen mit goldgelben Haarreihen und auch am Rande 
goldgelb behaart; Schild chen nur etwas dunkler als die Körperfarbe; Beine 
blassorangegelb, alle Schenkelspitzen, Schienen und Tarsen durch schuppige 
Behaarung schwärzlich; Schwinger braun mit etwas lichterem Stiele. 

Flügel 15 Mm. lang, etwas getrübt, blau und roth schillernd, schwarz- 
grau behaart und befranst, ihr Vorderrand dick, schwarzhaarig, ihre Adern 
bräunlich ; die erste Längsader sehr nahe am Vorderrande, so dass sie mit ihm 
verschmolzen zu sein scheint, mündet etwas innerhalb der halben Flügellänge 
in denselben; die zweite Längsader an ihrem Ende nach vorn gebogen, trifft 
weit vor der Flügelspitze den Rand; die dritte Längsader gabelt sich etwas 
innerhalb der halben Flügellänge, ihre beiden Zinken deutlich sichtbar, schief 
zum Hinterrande verlaufend; die Querader fehlt; die Flügelfalte undeutlich. 

Abdomen durchaus goldgelb behaart, oben mit schwärzlichen, leicht ab- 
streifbaren Schuppenbinden; Zange des gross, dick und etwas dunkler als 
die Kürperfarbe. 

Kurperliinge des Männchens 1*3 Mm. 

Weibchen. — Das Q ist ebenso gefärbt wie das rj\ Seine Fühler 
lind von derselben Beschaffenheit wie die des cT, nur um ein sehr Geringes 
kiii /er. Die Legröhre ist lang vorstreckbar, weissgelb. 
• K'irpcrlängc des Weibchens 1*7 Mm. 

Larve und Galle. — Die weissen Larven dieser Gallmückenart leben 
geteilig, oft lehl zahlreich zwischen den Falten der jungen, fast noch in der 
Kno penlsge befindlichen Blätter von Eeracleum Sphpndylvum L. und Chaero- 
phyüum wrotnaticutn L., deren volle Entfaltung dadurch verhindert wird, dass 

in ih n Sauj.'. teilen der Larven Verdickungen der Hlnttsubstanz entstehen, 
welche eine Coiistrirtion den lilattcs zur Folge haben. Die Larven verlassen 
Rieh erlMgter Ausbildung die I'llanze und gehen zur Verwandlung in die Erde. 



Ueber Gallmücken. 



13 



Ich fand sie Mitte Juni schon völlig ausgewachsen nnd erhielt ans ihnen am 
2. Juli die Imagines. Am 21. Juli sammelte ich jedoch in derselben Gegend 
des Wienerwaldes zum zweiten Male mit Larven besetzte Blattdeformationen 
dieser Art, aus welchen am 18. August die Mücken hervorgingen. 

Von Dir. H. Loew wurde (Dipt, Beitr. IV. 1850, p. 25 und 36) unter 
dem Namen Cecid. plicatrix eine Gallmücke beschrieben, deren Larven auf 
Rubus caesius L. Blattdeformationen erzeugen, die den oben geschilderten gaDZ 
ähnlich sind. Diese Gallmücke ist jedoch von der Cecid. corrugam m. sowohl 
in der Färbung, als auch in der Fühlerbildung verschieden. 

Diplosis phillyreae n. sp. 

Mein Bruder erhielt von Herrn v. Bergenstamm eine Partie Blätter 
der Phülyrea media L., welche mit blasenartigen Gallen behaftet waren und 
aus dem Schlossgarten von Miramare bei Triest stammten. Er erzog die Mücke 
daraus und war so freundlich, mir das gesammte Zuchtmateriale zur Beschrei- 
bung zu überlassen. 

Diese Gallmücke gehört zu den grössten bis jetzt bekannten Diplosis- 
Arten und zeichnet sich auch noch durch ihren eigenthümlichen Körper- und 
Fühlerbau besonders aus. 

Männchen. — Kopf verhältnissmässig sehr klein, fast kugelig, trüb 
gelblichroth ; Augen schwarz, oben breit zusammen stossend; Taster und Rüssel 
sehr kurz; Fühler 2 Mm. lang, blassbraun; die 24 Geisseiglieder abwechselnd 
einfach und doppelt, die einfachen kugelig mit einem Haarwirtel, die doppelten 
birnförmig mit zwei Haarwirteln; die Gliederstiele so lang als die einfachen 
Glieder, die der doppelten Glieder in der Mitte mit einem erhabenen Ringe. 

Thorax trübgelb, oben und unten etwas röthlich oder bräunlich; Bücken- 
schild mit drei braunen Striemen, zwischen denen Längsreihen von schwärz- 
lichen Haaren stehen; Hinterrücken trübgelb, mit einer mehr oder minder 
dunklen, braunen Linie gesäumt; Schildchen und Schwinger roth; Beine sehr 
schlank, blassbraun mit gelbem Schimmer. 

Flügel 25 — 3 Mm. lang, schwärzlich grau getrübt, fast gar nicht irisirend 
grau behaart und befranst; Adern und Flügelwurzeln bräunlichgelb; die erste 
Längsader ziemlich nahe am Vorderrande, mündet in halber Flügellänge in 
denselben; die zweite Längsader geht in sanftem Bogen in die Flügelspitze: 
die dritte Längsader gabelt sich in halber Flügellänge, ihre beiden Zinken sind 
deutlich sichtbar; die Querader fehlt; die Flügelfalte ist deutlich. 

Abdomen im Verhältnisse zum Thorax sehr lang, 4 — 4 1 / 2 mal so lang als 
dieser; die fünf vorderen Abdominalsegmente roth, die folgenden gelb, alle 
oben ein wenig dunkler als unten; Zange des gross, schwärzlich angeraucht; 
Behaarung schwärzlich. 

Körperlänge des Männchens 3*5 Mm. 

Weibchen. — Das Q ist ebenso gefärbt wie das cT- Seine Fühler 
sind aber nur 1*4 Mm. lang und bestehen aus zwölf ovalen, in der Mitte etwa- 



14 



Franz Low. 



eingeschnürten Geisselgliedern, von denen jedes zwei kurze Haarwirtel trägt. 
Die Gliederstiele sind sehr kurz, kaum so lang als die halbe Breite der Glieder. 
Das 9 besitzt keine vorstreckbare Legröhre, sondern trägt am Leibesende nur 
zwei kleine Lamellen. 

Körperlänge des Weibchens 3*6 Mm. 

Larve und Galle. — Die gelben Larven dieser Diplosis-Art leben 
einzeln in blasenartigen, sehr flachen Auftreibungen der Blätter von Phillyrea 
media L. Sie verpuppen sich darin, nachdem sie zuvor an der Unterseite der- 
selben zum Behufe des Ausschlüpfens der Mücke eine bloss mit einem zarten 
Häutchen verschlossene Oeffnung vorbereitet haben, gegen Ende Mai, ohne sich 
in einen Cocon einzuspinnen. Sobald die Puppe zur Verwandlung reif ist, durch- 
bricht sie das genannte Häutchen und schiebt sich so weit aus der Galle, als 
die Entwicklung der Mücke erfordert. Nach dem Ausschlüpfen der letzteren 
bleibt die braune Puppenhaut in der Oeffnung der Galle stecken. 

Die durch diese Larven verursachten, gallenartigen Blattauftreibungen 
von 5—8 Mm. Längendurchmesser haben eine linsenförmige Gestalt, und er- 
heben sich sowohl an der Ober- als auch an der Unterseite (an letzterer in der 
Ptegel aber stärker) ein wenig über die Blattfläche. Sie sind oben häufig, unten 
aber stets verfärbt, blassgrün, gelb oder braun und entstehen durch Deformirung 
des Parenchymes, in welchem sich die Larve eine runde, flache Kammer bildet. 
Man findet diese Gallen schon im April und erhält daraus im Juni die Gall- 
mücken. 

Diplosis dryobia n. sp. 

Auf den beiden glattblätterigen Eichenarten Quercus peduneulata Ehrh. 
und Q. sessiliflora Sm. trifft man nicht selten die Blattlappen nach unten 
umgeklappt und etwas bauchig aufgetrieben. Diese Deformation rührt von einer 
Gallmücke her, deren Zucht mir erst nach mehreren erfolglosen Versuchen 
gelungen ist. Obgleich die genannte Blattdeformation schon vor dreissig Jahren 
von Bremi entdeckt wurde, blieb die sie erzeugende Gallmücke bisher noch 
unbekannt und unbeschrieben. Nichtsdestoweniger haben sich schon mehrere 
Taufpathen für sie gefunden, die ihr anticipando die Namen Cecid. pustularis 
(Brerni, Mitth. d. naturf. Ges., Zürich 1847, Nr. 14, p. 10), 0. quercus (H. Löw, 
Dipt. Bcitr. IV, 1850, p. 25) und C. reaperiens (Bach, Natur und Offen- 
barung 1859, p. 252) beilegten. Ich wäre sonach aller Mühen der Taufe ent- 
hoben, und brauchte nur zuzugreifen. Da aber alle diese Namen, wie schon 
im Eingange dieser Abhandlung erörtert wurde, keinen wissenschaftlichen Werth 
haben, und diese Gallmücke auch gar nicht zur Gattung Cecidomyia gehört, 
sondern eine JJiplosis ist, so acceptire ich keinen der obigen Namen, sondern 
MUIC sie Jjijjlosis dryobia m. 

Männchen. — Stirn und Untergesicht blassbraun, letzteres in der 
Mitte nur wenig dunkler, mit spärlicher, gelber Behaarung; Hinterhaupt braun, 
zart gelblich behaart ; Augen schwarz, am Scheitel ziemlich breit zusaminon- 
itoiMndj Kühler 1*8 Mm. lang, pechbraun, die beiden Basalglieder gelb, die 



Ueber Gallmücken. 



15 



Geissei aus einfachen und Doppel-Gliedern bestehend, welche gestielt sind, und 
mit einander abwechseln, Stiele nicht ganz so lang als die einfachen Glieder, 
diese tragen nur einen massig langen, bräunlichen Haarwirtel, während die 
Doppelglieder deren zwei haben, von denen der hintere aber viel kürzer als der 
vordere ist; ausser den 24 Geisselgliedern hat jeder Fühler an seiner Spitze 
noch ein sehr kleines, eich eiförmiges , kaum gestieltes Glied. Rüssel und 
Taster gelb. 

Thorax röthlich-honiggelb, an der Unterseite um die Hüften herum, und 
diese selbst schwärzlich angeraucht; Rückenschild mit drei matten, dunkel- 
braunen, nach hinten verschmälerten Striemen, zwischen denen das Röthliche 
des Thorax in Gestalt zweier Längslinien sichtbar ist, auf welchen gelbe Haare 
stehen; Hinterrücken vorn fahlbraun, hinten mit einer schwärzlichen Binde, 
welche bis an die Unterseite reicht; Schildchen und Schwinger bräunlichroth, 
letztere mit weisslichem Stiele; Beine schlank, schwarzbraun, an der Innenseite 
mit lichtem Schimmer, die Basis aller Schenkel und die Schienenspitzen 
lichtbraun. 

Flügel 2-2 Mm. lang, etwas gelblichgrau getrübt, nicht irisirend, nur 
bleifarbig glänzend, dunkelgrau behaart und befranst; die Adern braun; der 
Vorderrand nicht auffallend verdickt; die Flügelwurzeln rüthlich; die erste 
Längsader mündet in der halben Flügellänge in den Vorderrand; die zweite 
Längsader an der Einmündungsstelle der Querader etwas vorgezogen, dann fast 
gerade und erst am Ende etwas nach hinten gebogen, geht ein wenig hinter 
der Flügelspitze in den Rand: die dritte Längsader gabelt sich in halber Flügel- 
länge, ihre beiden Zinken deutlich, die hintere (innere) winkelig abgebogen, 
und senkrecht auf den Hinterrand treffend; die Querader etwas ausserhalb der 
Mitte der ersten Längsader; die Flügelfalte deutlich. 

Abdomen röthlichgelb, ohne dunkle Binden, die Segmentränder mit ziem- 
lich langen, gelben Haaren gesäumt; Zange des c? mässig gross, etwas an- 
geraucht und stark haarig. 

Körperlänge des Mänuchens 2'3 Mm. 

Weibchen. — Das 9 ist etwas lichter als das cf, sein Abdomen 
jedoch mehr roth; die Hinterbeine desselben sind ganz gelb; seine Fühler nur 
1 Mm. lang; die Geisseiglieder fast cylindrisch und sehr kurz gestielt, das erste 
derselben fast so lang als die beiden Basalglieder zusammen, die folgenden 
allmälig kürzer, ein jedes mit zwei kurzen Haarwirteln; die Legröhre kurz und 
bleich, am Ende mit zwei kleinen Lamellen. 

Körperlänge des Weibchens 2*6 Mm. 

Larve und Galle. — Die Larve ist anfangs ganz weiss, und erhält erst 
später eine mehr oder minder dunkle, röthlichgelbe, durchscheinende Mittel- 
strieme in der Länge des ganzen Leibes. Sie lebt an der Unterseite der Blätter 
von Quercus pcdunculata Ehrh. und Q. sessüiflora Sm. und bewirkt durch 
ihren Einfluss ein Umklappen der Blattlappen, welche sich bloss mit ihren 
Rändern fest an die Unterseite des Blattes anschmiegen, in ihrer Mitte aber 
erhaben bleiben und so eine Art Tasche bilden, die der Larve als Wohnung 



16 



Franz Low. 



dient. (Siebe Taf. I, Fig. 5). Diese Deformationen sind gewöhnlich verfärbt, 
gelb, roth und grün getüpfelt, und nur von einer Larve bewohnt. Doch rinden 
sich auch solche, welche 2—3 Larven enthalten. Diese gehen meist schon im 
Juni in die Erde, und entwickeln sich erst im folgenden Frühlinge zur Mücke. 
Ich fand diese Gallen fast allenthalben in der Umgebung von Wien. 

Auf denselben Eichenarten und nicht selten mit dem vorstehend be- 
schriebenen Cecidium zugleich kommt noch eine andere, durch Gallmückenlarven 
erzeugte Blattrand-Deformation vor, von welcher im dritten Abschnitte dieser 
Abhandlung sub Nr. 10 noch die Rede sein wird. 

Diplosis anthobia n. sp. 

Männchen. — Stirn und Untergesicht fahlbraun, letzteres in der Mitte 
und am Mundrande etwas dunkler, fahl behaart ; Hinterhaupt schwarzbraun mit 
langer, fahler Behaarung; Augen schwarz, oben ziemlich breit zusammenstossend; 
Fühler 2 Mm. lang, braun, an der Basis lichter; alle 24 Geisselglieder gleich 
gebildet, kugelig, gestielt, jedes mit einem fahlen Haarwirtel; Stiele so lang 
als die Glieder. Rüssel und Taster fahlbraun. 

Thorax matt schwarzbraun, zwei Flecken an jeder Seite desselben und 
der Prothorax fahlbraun; Rückenschild mit vier Längsreihen fahler Haare, von 
denen die beiden äussern randständig sind; Hinterrücken schwarzbraun; 
Schildcben dunkelbraun, hinten etwas lichter, mit fahler Behaarung; Hüften 
braun; Beine schlank, fahlbraun, die Schenkelspitzen und die Tarsen aussen 
schwärzlich, die Knie gelb; Schwinger fahlbraun. 

Flügel 2 Mm. lang, bräunlichgrau tingirt, sehr schwach irisirend, meist 
bloss bleifarbig glänzend, dicht mit fahlbraunen Haaren bekleidet und befranst, 
welche in gewisser Richtung dunkler erscheinen ; die Adern braun ; der Vorder- 
rand nicht auffallend verdickt; die Flügelwurzeln fahlbraun; die erste Längs- 
ader mündet in zwei Fünftel der Flügellänge in den Vorderrand; die zweite 
Längsader an der Einmündungsstclle der Querader ein wenig vorgezogen, dann 
fast gerade in die Flügelspitze gehend; die dritte Längsader gabelt sich in 
halber Flügellänge, ihre beiden Zinken deutlich; die hintere (innere) rund ab- 
gebogen und etwas schief in den Hinterrand verlaufend; die Querader deutlich, 
in der Mitte der ersten Längsader; die Flügelfalte aderartig. 

Abdomen fahlbraun, diclit fahlbraun behaart, oben und unten mit schwarz- 
braunen Segmentbinden, von denen die auf dem ersten Segmente sehr schmal 
ist, und meist nur wie eine schwarze Linie erscheint; Zange des c/ 1 mässig 
gross, schwärzlich, dicht behaart. 

KtaptlUblgf des Männchens 2 Mm. 

Weibchen. — Das Q ist ebenso gefärbt wio das <j". Seine Fühler 
«ind kürzer, 11 Min. lau-; und bestehen aus länglichen, an beiden Enden ab- 
gerundeten, kurz gestielten Gcissclgliedeni, von denen jedes zwei Haarwirteln 
trägt. L< ■/• he lang, vor itrcckbar. 

Korperlänge de« Weibchens 23 Min. 



TJeber Gallmücken. 



17 



Larve und Galle. — Die Larven dieser Diplosis sind gelblich-beinfarbig 
und walzenrund. Sie leben Ende Mai und Anfangs Juni zu mehreren, in den 
Blüthen von Crataegus oxyacantha L., welche dadurch nicht zur EntfaltuDg 
gelangen. Nach erlangter Reife gehen sie in die Erde und verwandeln sich 
erst im nächsten Frühlinge zur Mücke. Die von ihnen besetzten Blüthen 
bleiben knospenartig geschlossen, ihre Blumenblätter verdicken sich jedoch 
nicht, wie dies bei anderen, durch Gallmücken deformirten Blüthen gewöhnlich 
der Fall ist, nur ihre Fruktifikationsorgane verkümmern, wodurch sie sich von 
den geschlossenen, mit der Larve von Anthonomus pomorum L. besetzten 
Crataegus-Blüthen unterscheiden, bei denen der etwas angeschwollene Fruchtknoten 
hohl ausgefressen ist. Ich fand diese Blüthengallen im Wienerwalde auf dem 
Haschberge zwischen Weidling und Kirling. 

Diplosis lonicerearum n. sp. 

Kaltenbach beschreibt in seinen Pflanzenfeinden p. 785 eine Blüthen- 
deformation von Sambucus nigra L., welche das Produkt einer Gallmücke ist, 
die er, obgleich ihm deren Zucht misslang, ohneweiters Cecid. sambuci 
nannte. Durch wiederholte und vielfältige Zucht habe ich mir die volle Ueber- 
zeugung verschafft, dass diese Gallmücke nicht nur auf Sambucus nigra L., 
sondern fast auf allen hier wachsenden Lonicereen gleiche Blüthengallen erzeugt. 
Ich nenne sie daher, diesem entsprechend, Dipl. lonicerearum m. 

Männchen. — Stirn und Untergesicht gelbbraun, letzteres auf der Mitte 
mit einer kleinen Erhabenheit, worauf ein lockerer, gelber Haarbüschel steht; 
Hinterhaupt dunkel- oder schwarzbraun, gelb behaart; Augen schwarz, oben 
mässig breit zusammenstossend; Fühler 1*6 Mm. lang, die beiden Basalglieder 
lichtbraun, die Geisselglieder dunkelbraun, abwechselnd kugelig und queroval, 
ebenso ihre Stiele abwechselnd kürzer und länger und zwar so, dass die kuge- 
ligen Glieder die kürzeren, die querovalen hingegen die längeren Stiele haben; 
diese so lang als die kugeligen, die kürzeren Stiele so lang als die querovalen 
Glieder; ausser den 24 Geisselgliedern, von denen jedes einen dichten, ziemlich 
langen, bleichen Haarwirtel trägt, hat jeder Fühler an seiner Spitze noch ein 
sehr kleines, rundes, ungestieltes Glied. Eüssel kurz gelbbraun; Taster lang, 
blassgelbbraun, nur wenig behaart. 

Thorax grösstentheils schwarzbraun, einige Fleckchen an den Seiten 
desselben und zwischen den Hüften, sowie der Prothorax gelbbraun; Rücken- 
schild nicht glänzend, mit vier Längsreihen gelber Haare, von denen die beiden 
äusseren randständig sind. Hinterrücken dunkelbraun; Schildchen schwarz- 
braun, gelbhaarig; Beine schlank, braun, aussen schwarzbraun, nur die Schenkel- 
wurzeln und Schienenspitzen lichter, durchaus mit gelben, anliegenden Härchen 
bekleidet, welche ihnen, besonders an der Innenseite, einen lichteren Schimmer 
verleihen. Schwinger bräunlich-hyalin. 

Flügel 1*8 Mm. lang, graulich getrübt, goldgelb und violett schillernd, 
mit grauen Haaren bekleidet und befranst ; der Vorderrand dichter behaart, in 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abb. 3 



18 



Franz Low. 



gewisser Richtung schwarz erscheinend; die Adern dunkelbraun; die Flügel- 
wurzeln gelbbraun ; die erste Längsader nahe am Vorderrande, mündet in halber 
Flügellänge in denselben; die zweite Längsader fast gerade, nur am Ende ein 
wenig nach hinten gebogen und in die Flügelspitze auslaufend; die dritte 
Längsader gabelt sich in halber Flügellänge, ihre beiden Zinken deutlich, die 
hintere (innere) rasch abgebogen, bildet mit dem Hinterrande beinahe einen 
rechten Winkel; die Querader sehr deutlich, liegt in der Mitte der ersten Längs- 
ader; die Flügelfalte ebenfalls deutlich. 

Abdomen gelbbraun und ziemlich dicht gelb behaart; die Segmente 
sowohl oben als auch unten mit kurzen, schwarzbraunen Querbinden, welche 
so breit sind, dass sie bis an den Hinterrand der Segmente reichen, und nur 
die Einschnitte frei lassen; die Seiten des Abdomen ungefleckt; die Zange des 
cf verhältnissmässig klein. 

Körperlänge des Männchens 1*4 Mm. 

Weibchen. — Das 9 ist ebenso gefärbt, wie das Die Fühler sind 
nur 1 Mm. lang, ihre Geisselglieder cylindrisch, sehr kurz gestielt, jedes der- 
selben mit zwei dichten, bleichen Haarwirteln, welche auf der Oberseite der 
Fühler etwas länger als an der Unterseite sind ; erstes Geisseiglied zweimal so 
lang als das zweite, die anderen nahezu gleichlang; ausser den 12 Geissel- 
gliedern hat jeder Fühler an seiner Spitze noch ein sehr kleines Glied. Die 
Legröhre ist ziemlich lang vorstreckbar, braun; ihr zweites Glied gelb, sehr 
dünn, fast borstenförmig. 

Körperlänge des Weibchens 1*8 Mm. 

Larve und Galle. — Die Larven dieser Art sind walzenrund, gelb 
oder dunkelgelb und besitzen die Fähigkeit zu springen. Sie leben vom Mai 
bis Juli gesellig in den Blüthen einiger Lonicereen, welche dadurch missbildet 
werden, und gehen nach erlangter Reife in* die Erde, worin sie überwintern. 
Ihre Verwandlung zur Mücke findet erst im Frühlinge statt. 

Die von diesen Larven besetzten Blüthen bleiben geschlossen, ihre 
Blumenblätter werden dicklich, fast etwas lederig, die Befruchtungsorgane ge- 
langen nicht zur Entwicklung, sondern verkümmern, und der unterständige 
Fruchtknoten schwillt entweder unregelmässig an, oder bleibt klein und kümmer- 
lich, je nachdem er von den Larven mehr oder weniger angegriffen wird. (Siehe 
Taf. I, Fig, 4). Diese missbildetcn Blüthen, welche wie vergrösserte Blüthen- 
knospen aussehen, sind in der Regel oben oder an einer Seite stark geröthet, 
und dadurch fast noch mehr auffällig als durch ihre Deformation. Ich fand 
sie bisher auf Vihurnum Lantana L., Loniccra Xyloslcum L., Sambucus ni- 
gra L. und Hamb. Ebulus L. an vielen Orlen in Niederösterreich und ge- 
wöhnlich zahlreich. 

Unter den diese Gallen erzeugenden Diplosis-Larvcn findet man zuweilen 
auch noch die Larven einer anderen, etwas grösseren Gallmückenart, einer 
Einrniethorin, deren Beschreibung ich liier folgen lasse. 



Ueber Gallmücken. 



19 



Epidosis nigripes n. sp. 5 ) 

Männchen. — Kopf bleichgelb, hinten und auf der Mitte des Unter- 
gesichtes mit ziemlich langen, gelben Haaren besetzt; Augen schwarz, oben 
breit zusammenstossend; Fühler 1*2 Mm. lang, braun, mit gelben Basalgliedern, 
14gliedrig; die Geisselglieder birnförmig, gestielt, jedes mit zwei bräunlichen 
Haarwirteln, von denen der vordere länger als der hintere ist, ihre Stiele halb 
so lang als die Glieder; jedes Geisselglied hat (sowohl beim cT als auch beim 9) 
an seinem vorderen Ende unten ein mikroskopisch kleines, hyalines Dörnchen. 
Kussel kurz, dick, bleichgelb; Taster sehr lang, bleichgelb, das erste Glied sehr 
kurz, das zweite etwas kürzer und dicker als die beiden letzten, welche dünn 
und gleichlang sind. 

Thorax röthlichgelb ; Prothorax bleichgelb; Rückenschild mit drei braunen, 
nach hinten verschmälerten Striemen; Schildchen, Hinterrücken und Schwinger 
röthlichgelb; die Behaarung des ganzen Thorax zart, gelb und in der gewöhn- 
lichen Anordnung. Beine sehr schlank, tiefschwarz, nur die Schenkel in der 
Basalhälfte und unten gelb; die Vorderbeine sind so lang als die Hinterbeine, 
werden von der Mücke beim Kriechen, ähnlich wie es bei einigen Chironomus- 
Arten der Fall ist, beinahe gerade vorgestreckt, und berühren dann nur wie 
tastend den Gegenstand, auf dem die Mücke kriecht. 

Flügel 1*8 Mm. lang, bläulichgrau tingirt, messinggelb und violett schillernd, 
schwarzgrau behaart und befranst; der Vorderrand ziemlich dick, schwarzhaarig; 
die Adern dunkelbraun; die Flügelwurzeln gelb; die erste Längsader dem Vor- 
derrande nicht sehr nahe, mündet innerhalb der halben Flügellänge in denselben; 
die zweite Längsader mit sanftem Bogen nach vorn beginnend und am Ende 
mit schwacher Biegung nach hinten in die Flügelspitze auslaufend; die dritte 
Längsader gabelt sich in der halben Flügellänge, ihre beiden Zinken deut- 
lich, die hintere (innere) trifft fast senkrecht auf den Hinterrand; die Querader 
sehr schief, innerhalb der Mitte der ersten Längsader; die Flügelfalte sehr 
auffällig, aderartig. 

Abdomen röthlichgelb, oben nur unbedeutend dunkler als unten, gelb 
behaart; die Zange des c? klein. 

Körperlänge des Männchens T6 Mm. 

Weibchen. — Das 9 ist ebenso gefärbt, wie das cT. Seine Fühler sind 
nur 0*8 Mm. lang, ebenfalls 14gliederig ; die Geisselglieder sind nach vorn 
etwas keulenartig verdickt, sitzend, oder zuweilen die ersten 4—5 derselben 
äusserst kurz gestielt, jedes derselben hat zwei bräunliche Haarwirtel; das 



s ) Diese Art bildet ein Uebergangsglied zwischen Dirhiza nnd Epidosis, denn sie vereinigt 
in sieb Charactere beider Gattungen. Mit Dirhiza bat sie die einfach geschwungene Basis der 
zweiten Längsader und die fast ungestielten Fühlerglieder des Q gemein, während sie von ihr 
wieder durch die langgestielten Fühlerglieder des abweicht und sich dadurch der Gattung 
Epidosis nähert. Es besteht sonach, wie man sieht, zwischen diesen zwei Gattungen keine Bcharfe 
Grenze, wesshalb eine Vereinigung beider in die eine Gattung Epidosis, wie es Dr. Schiner in 
seiner Fauna austr. Diptera bereits gethan hat, vollkommen gerechtfertigt erscheint. 

3* 



20 



Franz Low. 



erste Geisselglied ist so lang als die beiden Basalglieder zusammen, die folgenden 
Glieder werden allmälig kürzer, so dass die drei letzten beinahe so dick als 
lang sind. Die Legröhre ist gewöhnlich ganz eingezogen, jedoch sehr lang 
vorstreckbar, etwas lichter als das Abdomen. 
Körperlänge des Weibchens 1*6 Mm. 

Larve. — Die blass orangegelbe Larve dieser Epidosis lebt Ende Juni 
oder Anfangs Juli in den durch die vorher beschriebene Diplosis lonicerearum m. 
auf verschiedenen Lonicereen erzeugten Blüthengallen gesellig mit den Larven 
der letzteren, geht zur Verwandlung in die Erde, und verwandelt sich erst im 
folgenden Frühlinge zur Mücke. Sie unterscheidet sich von den Larven der 
genannten Diplosis nicht nur durch ihre dunklere Farbe, sondern auch noch 
durch den Mangel der Fähigkeit zu springen. 

Dass sie in der That nur Einmietherin und nicht Gallenerzeugerin ist, 
erhellt schon aus der Vergleichen g ihres Auftretens mit jenem der vorgenannten 
Diplosis. Während nämlich die gallenartig missbildeten Blüthen von Vibumum, 
Lantana L., Lonicera Xylosteum L., Sambucus nigra L. und Samb. Ebulus L. 
sie mögen aus was immer für einer Gegend stammen, Stets von den gelben, 
springenden Maden der Diplosis lonicerearum m. bewohnt sind, kommen die 
Larven der Epidosis nigripes m. nur an gewissen Orten gemeinschaftlich mit 
den ersteren und auch da nicht in jeder deformirten Blüthe der genannten 
Pflanzen vor. Es ist sonach unzweifelhaft, dass erstere die Blüthengallen erzeugt, 
letztere hingegen nur als ein local auftretender Eindringling in dieselben an- 
gesehen werden kann. 

II. Beiträge zur genaueren Kenntniss einiger schon bekannter 

Gallmücken- Arten. 

Cecidomyia rosarum Hardy. 

Ich habe in meiner jüngsten Publikation über Cecidomyiden p. 30 schon 
erwähnt, dass Hardy unter obigem Namen eine weibliche Gallmücke beschrieben 
hat, welche er in dem Momente beobachtete, als sie ihre Eier in junge, noch 
gefaltete Rosenblätter legte, und welche er für die Erzeugerin der von ihm auf 
denselben Rosenbüschen später gefundenen, hülsenförmigen Deformationen der 
Fiederblättchen ansah. 6 ) Obgleich diese Missbildungen, von welchen Bremi in 
leinei ireitei oben erwähnten Arbeit über Gallmücken 3 ) p. 27, Taf. II, Fig. 31 
zuerst Beschreibung und Abbildung gibt, eine grosse Verbreitung haben, und 
schon von vielen Forschern beobachtet wurden, so hat ihre Zusammengehörig- 
keit mit Hardy's Cecid. rosarum dennoch bisher weder Bestätigung noch 
Widerlegung gefunden. 

Ich bin nunmehr in der Lage, die Voraussetzung Hardy's als eine 
richtige bezeichnen zu können, weil es mir gelungen ist, die diese hülsen- 



«) Aon. and Mü« of Nat. Mint. Vol. VI, Serie I, 1850, p. 185—186. 



Ueber Gallmücken. 



21 



förmigen Rosenblattgallen erzeugende Gallmücke zn ziehen, welche in allen 
Merkmalen mit der Beschreibung, die Hardy von seiner Cecid. rosarum gibt, 
übereinstimmt. Da Bremi die Imago dieser Art nicht kannte, so kann die von 
ihm für dieselbe vorgeschlagene Benennung, Cec. rosae, keine Berücksichtigung 
finden; es muss vielmehr der ihr von Hardy gegebene Name beibehalten werden, 
weil dieser Autor der erste war, welcher das vollkommene Insekt beschrieb. 

Nachdem die einzige von dieser Art existirende, kurze Beschreibung in 
manchen Punkten unvollständig ist, so halte ich es für zweckmässig, eine 
ausführlichere hier folgen zu lassen. Ich muss mich jedoch hiebei wie Hardy 
auf das Weibchen beschränken, weil sich unter der grossen Individuenzahl, die 
ich aus der Zucht erhielt, nicht ein einziges Männchen vorfand. 

Weibchen. — Stirn und Untergesicht dunkelbraun, letzteres auf der 
Mitte mit einem lockeren Büschel brauner Haare; Hinterhaupt schwarzbraun; 
Augen schwarz, oben breit zusammenstossend; Fühler 06 Mm. lang, dunkel- 
braun, 14gliedrig, die Geisselglieder oval, ungestielt, mit je zwei blassbräunli- 
chen Haarwirteln; Rüssel kurz, Taster massig lang, beide fahlbraun. 

Thorax honigbraun, an der Unterseite verdunkelt und zwischen den Hüften 
mit schwarzbraunen Flecken; Rückenschild durchaus mattgrau schimmernd, 
mit drei schwarzbraunen, vorn meist zusammengeflossenen Striemen, zwischen 
denen vier Längsreihen bleicher, ziemlich langer Haare stehen, deren äussere 
randständig sind; Hinterrücken dunkelbraun; Schildchen vorn schwarzbraun, 
nach hinten zu lichter, am Rande honigbraun; Beine fahlbraun, an ihrer ganzen 
Aussenseite durch schwarze Schuppenhaare verdunkelt, an der Innenseite mit 
weissgelbem Schimmer; Schwinger fahlbraun, zuweilen etwas röthlich. 

Flügel 15 Mm. lang, sehr blass grau tingirt, nicht irisirend, nur matt 
glänzend, grau behaart und befranst; der Vorderrand und die zwei ersten Längs- 
adern mit schwarzen Schuppenhaaren besetzt, wodurch besonders ersterer 
auffallend dicker erscheint; die erste Längsader nahe dem Vorderrande, mündet 
in halber Flügellänge in denselben; die zweite Längsader ganz gerade, trifft 
den Rand ein wenig vor der Flügelspitze; die dritte Längsader gabelt sich in 
halber Flügellänge, die hintere (innere) Zinke mündet der Spitze der ersten 
Längsader gerade gegenüber, beinahe rechtwinkelig in den Hinterrand, die 
vordere (äussere) Zinke sehr blass, oft kaum wahrnehmbar; die Querader fehlt; 
die Flügelfalte undeutlich. 

Abdomen roth, spärlich fahlbraun behaart, oben mit schwärzlichen 
Schuppenbinden auf den Segmenten; Legröhre lang vorstreckbar, fahlbraun, nach 
ihrer Spitze hin gelblich. 

Körperlänge des Weibchens 2 Mm. 

Die Gallen habe ich schon in meiner eingangs erwähnten Publikation 
über Cecidomyiden *) besprochen und füge hier nur noch bei, dass diese Gall- 
mücke zwei Generationen im Jahre zu haben scheint, weil man oft noch Ende 
August frische Gallen derselben antrifft, nachdem die aus den im Frühlinge 
gelegten Eiern entstandenen Larven sich schon fast zwei Monate vorher au 
Mücken verwandelt hatten. Die Verbreitung von Cecid. rosarum Hardy dürfte 



22 



Franz Low. 



in Europa wohl eine ziemlich allgemeine sein, denn sie wurde schon in der 
Schweiz (Bremi), in Frankreich (Macquart), in Italien (v. Bergen stamm)' 
in Grossbritannien (Hardy und Müller), in Deutschland (H. Loew) und in 
Oesterreich (G. Mayr und F. Low) aufgefunden. 

Cecidomyia sisymbrii Schrank. 
Cecid. barbareae Curtis, Gardeners Chronicle 1845, p. 400. 

Auf den Alluvionen des Weidlingbaches im Wienerwalde finde ich all- 
jährlich im Mai auf der daselbst in grosser Menge wachsenden Barbarea vul- 
garis R. Br. viele durch Gallmückenlarven deformirte Blüthen, welche durch 
ihre Grösse und bauchig-knospenförmige Gestalt, besonders aber dann auffallend 
sind, wenn sie an dem bereits abgeblühten, unteren Theile des Blüthenstandes 
dieser Pflanze stehen. Winnertz (Linn. ent. 1853, p. 230) sowohl als auch 
Schiner (Fn. austr. Dipt. II, 1864, p. 374) schreiben diese Deformation 
der Cecid. sisymbrii Schrk. zu, das ist derselben Gallmücke, welche die all- 
gemein bekannten, weisslichen, schwammigen Blüthenstielgallen an Nasturtium 
silvestre R. Br. (= Sisymbrium silvestre L.) erzeugt. Auch H. Loew, welchem 
die Gallmücke aus den deformirten Barbarea-Blüthen wahrscheinlich im trocke- 
nen Zustande von Winnertz übersandt wurde, sagt (Dipt. Beitr. IV. 1850 
p. 29), dass er sie von der Cecid. sisymbrii Schrk. nicht unterscheiden könne. 

Da ich nun die beiden genannten, so überaus verschiedenen Gallen- 
bildungen heuer gerade zu einer Zeit auffand, wo ein Gelingen der Zucht ihrer 
Erzeuger zu erwarten war, so ergriff ich diese Gelegenheit, um mir über die 
Identität der letzteren durch ihre Vergleichung im lebenden Zustande volle Ge- 
wissheit zu verschaffen. Obzwar die Nasturtium-Gallen von mir nicht an demselben 
Tage, und auch nicht an demselben Orte mit den deformirten Barbarea-Blüthen, 
sondern einige Tage vorher im Prater bei Wien gesammelt wurden, erhielt ich 
doch aus beiden Gallengebilden am 2. Juni, also gleichzeitig die Mücken, welche 
bei der sorgfältigsten Untersuchung und Vergleichung, weder plastische, noch 
Farbenunterschiede zeigten. Ich kann sie daher nur als eine Art ansehen, da 
auch ihre Larven in Grösse, Farbe und Lebensweise mit einander überein- 
-tinunen. Durch die Resultate dieser komparativen Zucht, erhalten die Angaben 
der obgenannten Dipterologen neue Bestätigung, und ist auch die von Curtis 
(L e.) unter dem Namen Cecid. barbareae beschriebene, aus den Blüthengallen 
von Barbarea vulgaris Ii. Br. gezogene Gallmücke nicht als selbstständige Art, 
sondern als identisch mit Schrank's Cecid. sisymbrii zu betrachten. 

Der Unterschied, welcher zwischen den beiden in Rede stehenden Gallen- 
bildungen besteht, ist ein sehr bedeutender; denn, während die Nasturtium- 
Gallen, welehe II. Loew (1. c.) abbildet und kurz, aber treffend charakterisirt 7 ), 

i II. lioow Hapt : _l)ie l'.l ütheriHtielc schwellen krankhaft an, drangen floh wie die Körner 
* M;u» k'ilnonH aneinander und bilden zuletzt, eine «choinbar zusammenhangende, gelbliche 
Maate, buk wHi-Imt nur einzelne verkümmerte und nicht zur Entfaltung gelangende lllüthen 
hervorragen" 



Ueber Gallmücken. 



23 



deformirte Blüthenstiele siud, wird bei Barbarea die Blüthe selbst missbildet, 
indem alle ihre Theile: Kelcb, Blumenblätter, Antheren und Pistill anschwellen, 
sich besonders an der Basis verbreitern und wie in der Knospenlage über 
einander geschlossen bleiben, wodurch solche Blüthen das Aussehen grosser, 
stark bauchiger Blüthenknospen erhalten. 

Cecidomyia ulmariae Bremi. 

Auf einer kleinen Waldwiese in der Nähe von Weidling im Wienerwalde 
entdeckte ich an der dort zahlreich wachsenden Spiraea filipendula L. durch 
Gallmücken erzeugte Blattgallen (Taf. I, Fig. 6), welche zwar ebenso wie die 
an den Blättern von Spiraea ulmaria L. vorkommenden Gallen der Cecid. 
ulmariae Br. auf der einen Blattseite gerundet, auf der anderen konisch ver- 
längert sind, eine knorpelige Consistenz haben und je nur eine Larvenkanimer, 
die im konischen Theile der Galle ihren Ausgang hat, enthalten, jedoch in 
ihrer Stellung und Anordnung am Blatte wesentlich von diesen letzteren ab- 
weichen. Sie sitzen nämlich fast ausschliesslich an der ßachis der Blätter, in 
der Begel zweireihig und so dicht aneinandergedrängt, dass sie zu einem 
fleischigen Klumpen verschmelzen, kommen nur sehr selten vereinzelt auch auf 
den Hauptnerven der Fiederblättchen vor, haben aber stets ihren konischen 
Theil mit dem Gallenausgange nach oben gerichtet, während die erwähnten 
Blattgallen an Spiraea ulmaria L. (nach den übereinstimmenden Angaben von 
Bremi, H. Loew, Winnertz, Frauenfeld, Kidd u. A.) bloss auf den diversen 
Nerven der Fiederblättchen auftreten und immer derart gestellt sind, dass ihr 
konischer Theil mit dem Gallenausgange sich an der Blattunterseite befindet. 

Trotz dieser aus einer verschiedenen Angriffsweise auf die Blätter ent- 
springenden Ungleichheit in Stellung und Aussehen der beiden Spiraea* Gallen 
konnte ich zwischen ihren Erzeugern nicht die geringsten Unterschiede ent- 
decken. Ich betrachte daher beide Gallen als das Produkt einer und derselben 
Mückenart, nämlich der Cecid. ulmariae Br., und dies umsomehr als auch ihr 
innerer Bau ein gleicher ist, und die sie bewohnenden Larven in Form, Farbe, 
Lebensweise und Entwicklung vollkommen miteinander übereinstimmen. 

Cecidomyia onobrychidis Br. 
Diese von mir schon wiederholt aus hülsenförmig zusammengefalteten 
Blättchen verschiedener, krautiger Papilionaceen gezogene Gallmücke erhielt ich 
im verflossenen Jahre auch noch aus einem anderen, dem Wesen nach jenen 
zwar ähnlichen, in der äusseren Form aber von ihnen verschiedenen Gallen- 
gebilde, welches in den Blattachselu von Medicago sativa und fdlcata L. auf- 
tritt, und von mir am Hasch- und Freiberge bei Klosterneuburg gefunden 
wurde. Dieses Gebilde, welches das Aussehen einer ei- oder zwiebei-förmigen 
Galle hat, aus deren Spitze einige Blättchen herausragen, entsteht durch die 
Vergrösserung und Ausbauchung der Nebenblätter der beiden ersten Blätter 
eines noch ganz kurzen, achselständigen Triebes, welcher von den in gleicher 
Weise deformirten Nebenblättern des diesen Trieb stützenden, äusseren Stengel- 



24 



Franz Low. 



blattes beinahe ganz eingeschlossen ist. Die Larven leben zwischen diesen 
Nebenblättern, ebenso wie in den obgenannten, hülsenförmig gefalteten Blättchen 
gesellig und gehen zur Verwandlung in die Erde. Nach ihrer Auswanderung 
wächst ein solcher Achseltrieb unverändert weiter, so dass seine frühere Miss- 
bildung oft kaum mehr nachgewiesen werden kann. Durch die Verfärbung der 
Nebenblätter, welche an der beschriebenen Gallenbildung participiren , erhält 
diese ein bleiches Aussehen, welches zu ihrem leichteren Auffinden wesentlich 
beiträgt, indem sie sonst wegen ihrer geringen Auffäligkeit nur sehr schwer 
wahrzunehmen wäre. 

Ich habe mir durch vergleichende Zucht, sowie durch genaue Unter- 
suchung der Larven, Puppen und Imagines die volle Ueberzeugung verschafft, 
dass die hülsenförmig gefalteten Blättchen von Onobrychis, Medicago, Vicia, etc. 
und die oben beschriebene Deformation der Achseltriebe von Medicago bloss 
von einer Gallmückenart, nämlich von Cecid. onobrychidis Br. herrühren. Es 
ist aber auch zwischen diesen beiden Gallenbildungen kein wesentlicher Unter- 
schied zu finden. Beide sind hülsenartige Blattfaltungen, jedoch mit dem Unter- 
schiede, dass diese sieb in dem einen Falle an den einzelnen, freistehenden 
Blättchen vollzieht, in dem anderen hingegen an den ineinandersteckenden 
Nebenblättern eines achselstäudigen Triebes auftreten und daher ein gegen- 
seitiges Umschliessen der letzteren zur Folge haben. 

Die erste Mittheilung über die in Rede stehende, blattachselständige Galle 
von Medicago macht Bremi, welcher sie auf einem Felde in der Nähe von 
Zürich häufig fand. Die Beschreibung und Abbildung, welche er in seiner 
Monographie der Gallmücken 3 ) p. 17, Taf. I, Fig. 16 von ihr gibt, ist jedoch 
ziemlich mangelhaft und undeutlich. Bremi gab auch der sie erzeugenden 
Gallmücke, trotzdem ihm dieselbe unbekannt blieb, den Namen Cecid. medica- 
ginis, welcher aber nunmehr ganz entfällt. Seit dieser Zeit wird ihr Auffinden 
nur noch einmal und zwar von Dr. G. Mayr erwähnt, welcher sie in seiner 
Abhandlung über die europäischen Torymiden 8 ) p. 57 „blasig aufgetriebene, 
junge Blätter" nennt. In der Besprechung, welche Dir. H. Loew (Dipt. Beitr. IV, 
1850, p. 13) der oben citirten Bremi'schen Publikation widmet, wird diese 
Galle als ein Product der Diplosis loti Deg. erklärt, ein Irrthum, welchen 
H. Loew gewiss nicht begangen hätte, wenn ihm selbst nur die diese Gallen 
bewohnenden Larven bekannt gewesen wären, welche sich von denen der 
Dipl. loti Deg. nicht nur durch einen mehr depressen Leib, sondern auch noch 
dadurch unterscheiden, dass sie nicht wie diese springen können. 

Cecidomyia asperulae F. Lw. 

Die Gallen dieser Art, welche ich zuerst auf Asperula tinetoria L. ent- 
deckte, und in den Verh. der zool.-bot. Ges. 1875, p. 13 beschrieb, wurden vom 
Herrn Dr. G. Mayr auf dem Leopoldsberge bei Wien auch auf Asperula galio- 
ides M. a B. gefunden. 



') F«kMdL <1. zool.-bot. Oos. 1874, p. 53 -142. 



üeber Gallmücken. 



25 



Cecidomyia sdtÜlk "Schrl. 

Ich habe in meinen zoologischen Notizen, Serie I 9 ), Stengelgallen von 
Salix Myrsinites L. beschrieben, welche ich 1858 auf dem Schneeberge in 
Niederösterreich sammelte, und von denen Dr. Giraud vermuthete, dass sie 
einen Nematus zum Erzeuger haben. Lange bot sich mir keine Gelegenheit, 
Gewissheit über den letzteren zu erhalten, bis ich im vorigen Jahre durch die 
Freundlichkeit des Herrn E. WoJoszczak solche Gallen wieder erhielt, welche 
derselbe im Herbste auf der Raxalpe sammelte. Da diese Gallen in ihrer Ent- 
wicklung schon viel weiter fortgeschritten waren, als die von mir im August 1858 
gesammelten, so wurde es mir nun auch möglich, ihre Erzeuger zu ziehen. Ich 
erhielt aus ihnen Cecid. Salicis Schrk., welche auch an vielen anderen Weiden- 
arten Stengelgallen erzeugt. Dass Giraud's Vermuthung eine irrige war, zeigte 
schon der Durchschnitt einer solchen Galle, deren zahlreiche Kammern von 
rothen Gallmücken-Larven bewohnt waren, aber nicht die geringste Spur einer 
Blattwespen-Larve enthielten. Ich gebe auf Taf. I, Fig. 7 eine Abbildung 
dieser Stengelgallen von Salix Myrsinites L. 

Cecidomyia artemisiae Bouche. 

Auf einer der Donauinseln nächst Wien, fand ich an Artemisia scopa- 
ria W. et K. Mückengallen, welche in der entomologischen Literatur bis jetzt 
noch nirgends Erwähnung fanden. Es sind dies kugelige Anhäufungen oder Knäuel 
von linealen, oder in lineale Zipfel getheilten Blättern, welche ebenso lang oder 
länger, aber nicht breiter als die normalen sind und eine sehr feine, seidenartige, 
dichte, weissliche Behaarung haben, von welcher die Blattspitzen jedoch unbe- 
deckt bleiben. Sie entstehen am Stengel durch Missbildung der hervorbrechenden 
Triebknospen, bei denen ein völliger Stillstand ihres Längenwachsthums eintritt, 
indem sie in kleine, eiförmige Gallen verwandelt werden, um welche herum die 
erwähnte Anhäufung von anormalen Blättern stattfindet. Wird bloss eine einzelne 
Lateralknospe von der Gallmücke angegriffen, so hat der dadurch entstehende 
Blätterschopf nur ganz geringe Dimensionen und entgeht daher leicht der Be- 
achtung. Findet aber an einer noch ganz saftigen Stengelspitze die Besetzung 
der daselbst dicht gedrängt stehenden Knospen mit Gallmückenlarven gleich- 
zeitig statt, so entsteht an dieser Stelle eine Anschwellung und ausserordent- 
liche Verkürzung des Stengels, die Knospen bleiben in ihrer dicht gedrängten 
Lage, und bilden nach ihrer Deformation zusammen einen kugeligen Blätter- 
knäuel, welcher nicht selten die Grösse einer Wallnuss erreicht, und aus dem 
nur diejenigen Triebe herauswachsen, welche zufällig von den Gallmücken nicht 
angegriffen wurden. (Siehe Taf. I, Fig. 8). Die Zahl der in einem solchen 
Knäuel enthaltenen Einzelgallen entspricht sonach der Anzahl der missbildeten 
Knospen, welche an ihm participiren. (Siehe Taf. I, Fig. 9). 



9 ) Verbandl. d. zool.-bot. Ges. 1866, p. 953. 
Z. B. Ges. B. XXVII. Abb.. 



4 



26 



Franz Low. 



Obgleich die Gallmücken, welche ich aus diesen Gallen erhielt, mit der 
Beschreibung der die bekannten Blätterknöpfe auf Artemisia campestris L. ver- 
ursachenden Cecid. artemisiae Bche. völlig tibereinstimmen, so wollte ich ihre 
Identität mit letzterer doch nicht früher aussprechen, bis ich mir nicht durch 
Vergleichung der Entwicklungsstadien beider Arten die volle Gewissheit hier- 
über verschafft haben würde. Ich sammelte daher heuer in der Umgebung von 
Wien das zu einem solchen Vergleiche nöthige, lebende Zuchtmateriale und trage 
nunmehr nach vollständiger Prüfung dieses Gegenstandes kein Bedenken, so- 
wohl die oben beschriebenen Gallen von Artemisia scoparia M. et K. als auch 
die auf Artemisia campestris L. vorkommenden, in ihrer äusseren Erscheinung 
von jenen ganz verschiedenen Blätterknöpfe (Siehe Taf. I, Fig. 10) als das 
Produkt von Cecid. artemisiae Bche. zu erklären. 

Untersucht man die beiden in ihrem Aussehen so verschiedenen Gallen- 
gebilde, so findet man zwischen ihnen insofern eine Uebereinstimmung, als sie 
aus gleichen Pflanzentheilen entstehen und in ganz ähnlicher Weise gebaut 
sind; denn auch die Blätterknöpfe von Artemisia campestris L. sind nichts 
anderes als deformirte Triebknospen, welche durch Gallenbilduug an ihrer Spitze 
in der Weiterentwicklung gestört wurden, deren Blätter sich jedoch in anderer 
Weise als die der Blätterknäuel an Art. scoparia W. et K. verändern, indem 
sie zu kurzen, breiten, kahlen, häutig berandeten Schuppen werden, zwischen 
denen die eigentlichen, kleinen, eiförmigen Gallen zerstreut stehen, deren Zahl 
hier ebenfalls der Anzahl der in die Deformation einbezogenen Knospen ent- 
spricht. Es ist daher die Angabe von Bouche und H. Loew, dass jeder solche 
Blätterknopf nur eine kleine, eiförmige Galle in seiner Mitte enthält, nur 
dann zutreffend, wenn derselbe klein und blos aus einer Knospe hervorge- 
gangen ist. 

Nach den vorstehend besprochenen Beobachtungen gehört auch Cecid. 
artemisiae Bche. zu denjenigen Gallmücken , welche auf verwandten Pflanzen 
Gallen von verschiedenem Aussehen erzeugen, wie z. B. Cecid. rosaria H. Lw., 
von welcher es zur Genüge bekannt ist, dass sie an mehreren Weidenarten 
verschieden geformte Blätterschöpfe oder Blattrosetten hervorruft, oder Cecid. 
sisymbrii Schrk., welche, wie oben mitgetheilt wurde, auf Nasturtium sil- 
vestre R. Br. andere Gallen erzeugt, als an Barbarea vulgaris R. Br. Da von 
Cecid. artemisae Bche. noch keine ausführliche Beschreibung existirt, so erachte 
ich es für nöthig, dieselbe hier folgen zu lassen: 

Männchen. — Stirn etwas über den Augenrand erhaben, saimnt dein 
Untergesichte braun, letzteres in der Mitte mit einem starken Höcker, welcher 
mit einem weissen Haarbüschel besetzt ist; Hinterhaupt stark convex, schwarz- 
braun, bleichhaarig, am Rande mit einer sehr feinen, weissen Linie gesäumt; 
AjBgen schwarz, oben breit zusammenstossend; Fühler H Min. lang, braun, 
17— IHglicdrig, die Geisseiglieder oval, gestielt, jedes mit zwei bleichen Haar- 
wirteln. Stiele halb so lang als die Glieder; Rüssel und Taster kurz, braun. 

Thorax vorwiegend schwarzbraun, an den Seiten grau schimmernd, und 
daHelbnl mit hoiiiu'brauiwn Flecken; Prothorax unten honiggelb: Rückensehild 



Ueber Gallmücken. 



27 



mit vier Längsreihen bleicher Haare, von denen die äusseren randständig sind; 
Hinterrücken glänzend schwarz; Schildchen schwarzbraun, bleichhaarig, hinten 
ro-th; Schwinger, Hüften und Beine fahlbraun, letztere in gewisser Kichtung 
schwärzlich schimmernd. 

Flügel 2 Mm. lang, viel breiter als die des Q, weisslichgrau getrübt, 
sehr schwach irisirend, mit lichtgrauer Behaarung und Befransung, welche in 
gewisser Kichtung einen schwärzlichen Schimmer zeigen; der Vorderrand nicht 
auffallend dicker; die Adern blass; die Flügelwurzeln gelblich; die erste Längs- 
ader sehr nahe am Vorderrande, mündet in halber Flügellänge in denselben; 
die zweite Längsader fast ganz gerade, läuft in die Flügelspitze; die dritte 
Längsader gabelt sich in halber Flügellänge, ihre vordere (äussere) Zinke sehr 
undeutlich, oft kaum sichtbar, die hintere (innere) rund abgebogen, und schief 
in den Hinterrand mündend; die Querader fehlt; die Flügelfalte deutlich. 

Abdomen fahlbraun, bleichhaarig, ohne dunklere Binden; die Zange des 
ziemlich gross, wenig dunkler als das Abdomen. 

Körperlänge des Männchens 2 l / 2 Mm. 

Weibchen. — Das Q ist ebenso gefärbt wie das cT, nur hat es einen 
rothen Hinterleib, der ebenfalls ohne dunklere Binden ist. Seine Fühler sind 
nur 1 Mm. lang, 17— 18gliedrig, die Geisselglieder oval, in der Mitte ein wenig 
eingeschnürt, kaum merklich gestielt, mit je zwei bleichen Haarwirteln. Seine 
Flügel sind etwas schmäler als die des cT, und die zweite Längsader derselben 
mündet ein wenig vor der Flügelspitze in den Rand. Die Legröhre ist lang 
vorstreckbar, lichtbraun. 

Körperlänge des Weibchens 26 Mm. 

Cecidomyia terminalis H. Lw. 

Ich habe in meiner jüngsten Publikation über Cecidomyiden *) p. 28 die 
Lebensweise dieser Art besprochen und dabei die Bemerkung gemacht, dass 
sie bloss auf Salix fragilis L. angewiesen zu schein scheint, weil ihre Gallen 
bisher nur auf dieser Weidenart beobachtet wurden. Nach meinen seither ge- 
machten Erfahrungen ist sie jedoch nicht ausschliesslich auf die genannte 
Pflanze beschränkt, denn ich fand ihre, mit zahlreichen Larven besetzten Gallen, 
sowohl längs des Weidlingbaches bei Klosterneuburg, als auch in den Auen der 
Donau nächst Wien in grosser Menge auch auf Salix alba L. 

Cecidomyia carpini F. Lw. 

Dr. Kriechbaumer spricht in Katter's Entom. Nachr. Putbus 1875, 
p. 174—175 die Ansicht aus, dass die von mir (Verh. d. zool.-bot. Ges. 1874, 
p. 322) beschriebene Cecid. carpini m. nicht die Erzeugerin der an den Blättern 
von Carpinus Betulus L. vorkommenden Missbildungen der Mittelrippe sei, und 
beruft sich dabei auf eine ihm von Winnertz zugegangene Mittheilung, worin 
dieser „glaubt, annehmen zu dürfen", dass, „wenn wirklich eine Cecidomyiden- 
Larve einmal in diesen Gallen gefunden würde, sie nur als Schmarotzer darin 

4* 



28 



Frauz Löw. 



lebt, wie es bei der Larve von Dipl. peregrina Wtz. der Fall ist", und dass 
diese Gallen bloss „von irgend einem Acarus" verursacht werden. Beide Herren 
stützen ihre Ansicht bloss auf den Umstand, dass sie noch nie Cecidomyiden- 
Larven, wohl aber Milben, Thrips und andere kleine Thiere in den genannten 
Gallen gefunden haben. 

Wenn das Fehlen von Gallmückenlarven in einer Galle für sich allein 
schon hinreichen könnte, diese letztere als von Milben oder einem anderen 
Gallenerzeuger herrührend anzusehen, so würde gar manche Gallmücke aus der 
Reihe der Gallenerzeuger auszuscheiden und unter die Einmiether zu ran- 
giren sein, weil die Gallen, in denen ihre Larven leben, sehr häufig leer 
oder mit Milben, Thrips und anderen kleinen Thieren besetzt gefunden werden, 
wie diess beispielsweise bei den Gallen von Cecid. urticae Perr., C. rosarum Hardy, 
Dipl. tremulae Wtz. u. v. a. der Fall ist. Da jedoch die meisten Gallmücken- 
larven zu einer gewissen Zeit ihre Gallen verlassen und sich in die Erde be- 
geben, so genügt die blosse An- oder Abwesenheit derselben keineswegs um 
über den Erzeuger einer Galle ein Urtheil fällen, oder selbst nur eine Ansicht 
aussprechen zu können. Hiezu bedarf es einer weit eingehenderen Untersuchung, 
bei welcher auf alle möglichen Fälle Bedacht genommen wird, und die sich auf 
die verschiedenen Entwicklungsstadien der Galle erstreckt. 

Wie nun aus der von mir (1. c.) gegebenen Beschreibung von Cecid. 
carpini m., worin ich auch den Beginn der Gallenbildung schilderte, ersicht- 
lich ist, findet auch bei dieser Art zu einer gewissen Zeit des Jahres eine Aus- 
wanderung der Larven aus den Gallen statt. Hiebei löst sich der faserig-häutige 
Gallenrand an der Blattunterseite zwischen je zwei der Seitenrippen schuppen- 
artig von der Blattfläche los , und man gewahrt hierauf an den Seiten der 
Galle schmale, spaltartige Öffnungen, welche sich erst beim Vertrocknen der Galle 
erweitern und deutlicher sichtbar werden. In hiesiger Gegend verlassen die 
Larven der Cecid. carpini m. ihre Gallen, je nach der herrschenden Jahres- 
witterung, entweder in der zweiten Hälfte des Monats August, oder auch erst 
im September. Oeffnet man eine solche Galle vor dieser Zeit, wenn sie noch 
ganz geschlossen ist, so findet man ihre zu beiden Seiten gereihten Kammern 
mit den Gallmückenlarven, welche beinahe dieselbe weissliche Farbe wie das 
Fleisch der Galle haben, noch besetzt; andere Insekten oder Milben wird man 
gleichzeitig, jedoch vergebens darin suchen. Wenn daher Dr. Kriechbaumer 
und Winnertz keine Larven in diesen Gallen antrafen, so können von ihnen 
auch nur solche untersucht worden sein, welche von jenen bereits verlassen 
waren. Aus der blossen Anwesenheit „irgend eines Acarus" oder Insektes in 
K>lcheil Gallen gleich ohneweiters den Schluss ziehen, dass dieso Thioro auch 
die Gallenerzeugcr sein mfllteo, MeM6 aber die Sache völlig verkennen: denn es 
ii-t den meisten Entomologen längst bekannt, dass Acarus, Thrips und selbst 
Aphidei leere Geilen als willkommene Schlupfwinkel benutzen. 

Da ich mich schon seit vielen Jahren auch mit Milbengallcn beschäftige, 
wie aus meinen diesbezüglichen Publikationen zu ersehen ist, so bedarf es wohl 
licht erst der Versicherung, dass j» dcH Gallcngebildo von mir auch in Hinsicht 



Ueber Gallmücken. 



29 



auf Gallmilben untersucht wird. Ich hätte daher die in Rede stehende Carpinus- 
Blattgalle, nachdem ich Gelegenheit hatte, sie in allen ihren Entwicklungs- 
stadien, von ihrem Beginne an zu beobachten, gewiss schon als Milbengalle 
erkannt, wenn sie eine solche wäre. Aber auch ohne vorherige Untersuchung 
Hesse sich von dieser Galle schon behaupten, dass sie nicht durch Gallmilben 
erzeugt wird, weil ihre Stellung am Triebe eine solche ist, welche Milbengallen 
an Holzpflanzen nie haben 10 ). 

Diplosis loti Deg. 

Im vorigen Jahre fand ich auf einer Wiese in der Nähe von Weidling 
nächst Klosterneuburg Onöbrychis sativa L. mit gallenartig deformirten Blüthen, 
welche von den springenden Larven der Dipl. loti Deg. bewohnt waren, die ich 
in grosser Menge daraus erzog. Diese Blüthengallen stimmen in ihrem Aussehen 
und in ihrer Bildung mit denjenigen überein, welche von derselben Gallmücke 
auch an Lotus comiculatus L., Lot. uliginosus Hoffm., Medicago sativa L., 
Med. falcata L., Vicia sativa L. und Tic. Cracca L. erzeugt werden. Da die 
vorstehenden Pflanzen verschiedenen Gruppen der diadelphischen Papilionaceen 
angehören, deren Arten in Europa sehr zahlreich sind, so steht zu erwarten, 
dass die durch Dipl. loti Deg. erzeugte Blüthenmissbildung noch auf anderen 
hierhergehörigen Pflanzen angetroffen werden wird, und es dürfte daher wohl 
kaum ein Missgriff sein, die von G. v. Frauenfeld 11 ) auf Astragalus austri- 
acus Jacq. und von Macquart 12 ) auf Hedysarum gefundenen Blüthengallen 
als das Produkt dieser Gallmücke zu deuten. 

Asphondylia coronillae Vall. 

Vallot beschreibt in den Me'moires de l'acad. des seien, de Dijon 
1828—1829, p. 112 diese Art, wie folgt: „La petite coronille (Coronüla mini- 
ma L.) 13 ) offre des galles formees par le developpement de la base du petiole 
et par l'enroulement de la feuille, dont les folioles se recouvrent entierement 
et ne se developpent plus. On les trouve depuis le mois de juin, jusqu'au mois 
d'oetobre. Elles contiennent une petite larve rouge, qui pour se transformer, 
se file une coque soyeuse, blanche, d'oü s'e'chappe la Ce'cidomyie de la coronille 
(Cecidomyia coronillae Vall.) tres facile a reconnaitre par sa couleur brune''. 
So kurz und mangelhaft diese Beschreibung auch ist, so lässt sie dennoch 
keinen Zweifel darüber, dass Vallot's Gallmücke identisch mit derjenigen ist, 

io) Ueber die Stellung der Milbengallen an Holzgewächsen siehe die unter dem Titel: 
, Beiträge zur Kenntniss der Milbengallen und der Gallmilben- erschienenen, auf sorgfältige For- 
schung fussenden und von gründlicher Sachkenntniss zeugenden Auseinandersetzungen von 
Dr. Fried. Thomas (Giebel*s Zeitschr. f. d. ges. Naturwiss. Bd. 42, 1874, p. 513—537). 

«) Verbandl. d. zool.-bot, Ges. Wien 1868, p. 159. 

») Plantes herbaeees d'Europe et leurs ineectes. T. II, 1855, p. 165. 

") Nach Grenier eVGodron (Flore de France T. I, Paris 1848, p. 496) kommt Coronüla 
minima L. in der Umgebung von Dijon vor. 



30 



Franz Low. 



welche auf Coronüla Emerns L., die im Süden von Europa so häufig vor- 
kommenden, knospenförmigen Gallen erzeugt, welche ebenso wie jene an Cor. 
minima L. durch Anschwellung und Vergrößerung der Blattstielbasis und der 
Nebenblätter entstehen. Rondani, welcher solche Gallen von Dr. Picciardi 
erhielt, scheint von Vallot's obiger Beschreibung nicht gewusst zuhaben, weil 
er die Erzeugerin derselben AsphondyUa coronülae Picc. nennt, ohne jedoch 
von ihr eine Beschreibung zu geben 14 ). 

Da ich heuer durch die Freundlichkeit des Herrn v. Bergenstamm 
mehrere aus Miramare nächst Triest stammende Gallen dieser Art von Coro- 
nüla Emerns L. gerade zu der Zeit erhielt, als sich die Mücken daraus ent- 
wickelten, so bin ich in der Lage, von letzteren eine ausführliche Beschreibung 
geben zu können, was um so nöthiger erscheint, als hierüber nur die oben 
citirte, kurze Mittheilung Vallot's existirt. 

Männchen. — Kopf verhältnissmässig klein; Hinterhaupt in der Mitte 
schwarzbraun, an den Rändern gelblich oder weisslich, mit langen, lichtgrauen 
Haaren besetzt; Stirn und Untergesicht gelblich oder röthlich, letzteres an der 
Fühlerbasis mit einem weissen Fleckchen und in der Mitte etwas behaart; 
Augen schwarz, oben breit zusammenstossend; Fühler 4 Mm. lang, 14gliedrig, 
die Grundglieder braun, die Geisselglieder schwarz, cylindrisch, gleichlang, un- 
gestielt, anliegend behaart und ohne Wirtelhaare; Rüssel sehr kurz, gelblich 
oder röthlich; Taster kurz, stark behaart, etwas geschwärzt. 

Thorax schwarzgrau; ein Fleck an den Seiten desselben hinter den 
Flügelwurzeln, diese selbst, der Prothorax und die Schulterecken roth oder 
gelb; Rückenschild mit vier Längsreihen lichtgrauer Haare in der gewöhnlichen 
Anordnung; Schildchen schwarzgrau mit dichter, lichtgrauer Behaarung; Beine 
sehr schlank, schwarz, bloss die Schenkel an ihrer Basis etwas lichter, alle Beine 
unten mit weisslichem Schimmer; Schwinger schwarzgrau mit weisser Spitze. 

Flügel 4 Mm. lang, in Form und Aderverlauf mit den Flügeln der 
übrigen Asphondylia-Arten übereinstimmend, schwärzlich tingirt, grau behaart 
und befranst; die graue Behaarung des Vorderrandes ist mit schwarzen Haaren 
gemischt. 

Abdomen fast ganz schwarzgrau und dicht lichtgrau behaart, nur die 
Seiten und die Segmenteinschnitte sind bräunlich oder röthlich. Zange des cT 
Behl klein. 

Kürperlänge des Männchens 4 2 Mm. 

Weibchen. — Das 9 ist ebenso gefärbt wie das <j\ nur sind bei ihm 
die Schenkel ganz braun und die Seiten und Einschnitte des Abdomen aus- 
gebreiteter roth oder bräunlichroth. Seine Fühler haben nur 2"6 Mm. Länge, 
und die Gei nelgliedei derselben nehmen nach der Fühlerspitze hin an Länge 
ab. Die Legr6hre ist wie bei allen anderen Asphondylia-Arten gebildet. 

Körperlänge des Weibchens 4*5 Mm. 



'*) Atti *oc. ital. HC nat. Milario II, 1860, p. 290. 



Ueber Gallmücken. 



31 



Larve und Galle. — Die röthlicke Larve erzeugt an den Enden der 
seitenständigen Triebe von Coronilla Emerns und minima L. knospenförinige 
Gallen, worin sie einzeln lebt und ihre ganze Verwandlung durchmacht. Diese 
Gallen sind in ihrer Form und in ihrem Baue mit denen der Aspliondylia 
ononidis m. vollkommen übereinstimmend, das heisst, sie entstehen ebenfalls 
durch Anschwellung und Vergrösserung der Blattstielbasis und der Nebenblätter 
eines an der Spitze eines Triebes stehenden Blattes. (Siehe Verh. d. zool.-bot. 
Ges. 1873, p. 140, Taf. IIc, Fig. 4 und 1874, p. 161). 

Aspliondylia coronülae Vall., welche von allen bis jetzt bekannten euro- 
päischen Arten dieser Gattung die grösste ist, wurde bisher nur in Italien und 
bei Dijon in Frankreich aufgefunden. 

Aspliondylia umbellatarum mihi. 

Asph. pimpinellae F. Low, Verh. d. zool.-bot. Ges. 1874, p. 157 und 326, 

Taf. II, Fig. 2. 

Ich erhielt diese Gallmücke zuerst aus blasig aufgetriebenen Früchten 
von Pimpinella saxifraga L. und beschrieb sie diesem Vorkommen entsprechend 
(1. c.) unter dem Namen Asph. pimpinellae m. Nachdem ich mich jedoch seither 
durch ihre wiederholte Zucht überzeugt habe, dass sie nicht auf diese Pflanzen- 
species allein angewiesen ist, vielmehr auch noch auf vielen anderen Umbelli- 
feren eine ganz gleiche Deformation der Früchte bewirkt, so halte ich es für 
zweckmässig, den damals für sie gewählten Namen als einen zu einseitigen 
und daher unpassenden zu verwerfen und sie von nun an Asphondylia umbella- 
tarum m. zu nennen. 

Die Umbelliferen, an denen ich bisher die Fruchtgallen dieser Gallmücke 
beobachtete, sind folgende: Bupleurum falcatum L., Daucus Carota L., Hera- 
cleum Sphondylium L., Pastinaca sativa L.. Pimpinella magna L., Pimp. 
saxifraga L., Seseli coloratum Ehrh., Thysselinum palustre Hoffm. und Toriiis 
Anthriscus GmeL Ausserdem haben Dr. Penis an Foeniculum officinale AU., 
Dr. G. Mayr an Laserpitium prutenicum L. und Dr. Scholz an Silaus pra- 
tensis Bess. blasig aufgetriebene Früchte gefunden, von denen es fast zweifellos 
ist, dass sie durch die obige Asphondylia-Art erzeugt worden sind. 

Wie so viele andere Gallmücken hat auch diese Art, schon bevor sie 
bekannt war, mehrere Namen erhalten. Bremi nannte sie in seiner Mono- 
graphie der Gallmücken 3 ) bei der Beschreibung ihrer Galle p. 21 Cecid. peri- 
carpiicola, in der Tafelerkiärung hingegen Cecid. dauci. Auch H. Loew gab 
ihr anticipando schon zwei Namen, nämlich : Cecid. pimpinellae und C. thysselini 
'Dipt. Beitr. IV. 1850, p. 30). Da diese beiden Autoren nur die Galle, aber 
nicht die Gallmücke beschrieben haben, so können auch die von ihnen für die 
letztere gebrauchten Namen keine Berücksichtigung finden. 



32 



Franz Low. 



Hormomyia millefolii H. Lw. 

Die Gallen dieser Gallmücke, welche bisher bloss au Achillea Mille fo- 
Uum L. beobachtet wurden, kommen in den Alpen auch auf Achill. Clavennae L. 
vor. Sie sind an dieser Pflanze ein wenig grösser und saftiger als an jener 
und haben auch eine tiefer in breite fleischige Lappen gespaltene Spitze. Ihre 
Aussenseite ist wie die ganze Pflanze mit zarten, weisslichen Haaren dicht 
bekleidet, die Innenseite der Lappen hingegen dicht filzig behaart, wodurch der 
an der Spitze der Galle zwischen diesen Lappen befindliche Gallenausgang völlig 
verdeckt und geschlossen wird. Die Gallen entstehen an Achill. Clavennae L. 
ebenso wie an Achill. Millefolium L. in den Blattachseln und sind nichts 
Anderes als missbildete Achseltriebe. Da an dieser Alpenpflanze die Internodien 
sehr kurz und daher die Blätter nahe aneinander gerückt sind, so stehen auch 
die in den Blattachseln sitzenden Gallen, wenn deren viele an einer Pflanze 
vorkommen oft sehr gedrängt. 

Herr Hofgärtner Franz Maly hatte die Freundlichkeit, mir ein von 
ihm auf der Alpe Stou in Krain gesammeltes Exemplar von Achill. Clavennae L. 
zu übersenden, welches so überreich mit den Gallen der Horm, millefolii H. Lw. 
besetzt war, dass es den Anschein hatte, als bestünde die ganze Pflanze nur 
aus Gallen; sie war gleichsam ein Rasen von Gallen. Ich erhielt aus denselben 
noch im August die tacken. 

III. Mittheilungen über Gallen von noch unbekannten 
Gallmücken. 

a) Neue, bisher noch nirgends beschriebene Gallen. 

1. Monströse Falten an den Blättern von Carpinus Betulus L. (Taf. I, Fig. 11.). 
Zwischen je zwei der Seitenrippen eines Blattes bilden sich schmale, hülsen- 
artige Falten nach oben, welche gewöhnlich von der Mittelrippe bis zum Blatt- 
rande reichen, unten der Länge nach geschlossen sind und eine grüne, gelbe, rothe 
oder auch braune Farbe haben. Diese monströsen Falten, deren Wandung etwas 
verdickt ist, werden von 1 — 2 weissen Gallmückenlarven bewohnt, welche im 
erwachsenen Zustande 2 Mm. Länge haben. Um die Mitte des Monats April 
findet man an den jungen, zarten Blättern der Hainbuche schon ihre ersten 
Spuren. Ende Mai hingegen sind die meisten derselben von den Larven, welche 
zur Verwandlung in die Erde gehen, schon verlassen; sie vertrocknen alsdann 
nach und nach und werden schliesslich braun und dürr. Ich fand dieses Ceci- 
diuin an vielen Orten der Umgebung von Wien, sowohl an schattigen als auch 
an norm igen Stellen, aber niemals zahlreich. 

Seine Entstehung erklärt sich aus der plicativen Knospenlago der Blätter. 
Die dem Ei entschlüpften Gallmückenlärvchen setzen sich nämlich in den Falten 
der jungen, noch in der Knospenlage befindlichen Blätter fest und verhindern 
durch ihren fSinflofl nicht bloss die Ausebnung der besetzten Falten, sondern 
verursachen noch überdicss eine Vergrösserung und Missbildung derselbon. 



Ueber Gallmücken. 



33 



Da die jungen Blätter von Carpinus in der Knospenlage derart fächerförmig 
gefaltet sind, dass an ihrer Unterseite die Blattrippen nebeneinander zu liegen 
kommen, und die monströsen Falten immer nur zwischen den Seitenrippen ent- 
stehen, so lässt sich mit Sicherheit voraussetzen, dass bloss die Rückseite der 
jungen Carpinus-Blätter von den Gallmücken besetzt wird, weil bei der er- 
wähnten Faltungsart an dieser Blattseite allein ein Eindringen in die zwischen 
den Seitenrippen liegenden Falten möglich ist. 

Die von mir schon früher in diesen Verhandlungen } ) 1874, p. 156, Nr. 1 
beschriebenen, monströsen Blattfalten von Fagus silvatica L. unterscheiden sich 
von den vorstehend besprochenen wesentlich dadurch, dass sie nicht oberseits, 
sondern unterseits vorragen, also diesen gerade entgegengesetzt stehen, und 
dass sie nicht aus der zwischen je zwei der Seitenrippen befindlichen Lamina 
gebildet werden, sondern auf den Seitenrippen selbst entstehen, und daher von 
diesen stets gekielt sind. Diese Unterschiede, so auffallend sie auch sind, 
können indessen, wie aus den weiter oben über Cecid. artemisiae Bche., C. ono- 
brychiäis Br. und G sisymbrii Schrk. gemachten Mittheilungen hervorgeht, noch 
nicht als ein genügender Beweis für die Verschiedenartigkeit der Erzeuger 
dieser beiden Cecidien angesehen werden, und nur die grosse Verschiedenheit 
der sie bewohnenden Larven in Form und Farbe lässt es nicht bezweifeln, dass 
sie von zweierlei Gallmückenarten herrühren. 

2. Pustel- oder pockenartige Gallen in den Blättern von Quercus Cerris L. 
Es sind diess 2%— 2 l l 2 Mm. breite, y 2 Mm. dicke, kreisrunde, äusserst flache 
Auftreibungen in der Blattfläche, welche, da auch ihre Farbe nur wenig dunkler 
als die des Blattes ist, so wenig Auffälliges an sich haben, dass sie nur mit 
Mühe wahrgenommen werden können. Es bedarf daher einiger Uebung, um sie 
aufzufinden, am Besten sind sie noch zu entdecken, wenn man die Blätter 
gegen das Licht besieht, weil sie dann wie schwarze, runde Flecke im etwas 
transparenten Blatte erscheinen. Sie sind oben und unten gleich flach erhaben 
und haben auch beiderseits in ihrer Mitte einen sehr stumpfen, fast nur mit 
der Loupe wahrzunehmenden Nabel. Ihre Wände sind sehr dünn, aber ausser- 
ordentlich spröde. Sie umschliessen eine Larvenkammer, welche so niedrig ist, 
dass es fast unbegreiflich erscheint, wie eine Mückenlarve in ihr zu existiren 
vermag. Dennoch findet sich in jeder solchen Galle eine blassrothe Gallmücken- 
larve, welche, ihrer Wohnung entsprechend, einen breiten, flachen Leib hat. 
Ich kann über sie aber nur berichten, dass sie Ende Juli und Anfangs August 
in den Gallen noch anzutreffen ist. Diese Galle kommt an verschiedenen Orten 
des Wienerwaldes, am Kahlenberge, in Weidling, in Dornbach, in Schönbrunn, 
etc., sowohl an Bäumen als auch an strauchigen Zerreichen und selbst an saf- 
tigen Wurzelschossen, aber nirgends zahlreich vor. 

3. Deformirte Triebspitzen von Silene acaulis L. Die nicht blühenden 
Triebe dieser Pflanze werden durch die Besetzung ihrer Spitzen mit Gallmücken- 
larven in ihrem Wachsthume gänzlich aufgehalten und erleiden noch überdiess 
eine Deformation, welche darin besteht, dass ihre obersten Internodien 
sich ausserordentlich verkürzen, und die an ihnen befindlichen Blätter dicht 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 5 



34 



Franz Low. 



aneinanderrücken. Da aber auch diese nicht normal bleiben, sondern auf Kosten 
ihrer Länge breiter und fleischiger werden und sich übereinanderlegen, so ent- 
stehen an diesen Triebspitzen kleine, artitschokenförmige Gallen, deren einzelne 
Blätter gewöhnlich nur an der Spitze grün, an der Basis hingegen ganz bleich, 
beinahe weiss sind. Die diese Gallen bewohnenden, rosenrothen Gallmücken- 
larven leben gesellig am Grunde der einzelnen, deformirten Blätter. Sie ver- 
lassen im September die Gallen und begeben sich zur Verpuppung in die Erde. 
Ich verdanke dieses Cecidium dem Herrn E. Berroyer, welcher es sowohl auf 
der Raxalpe (Schlangenweg), als auch auf dem Schneeberge (Ochsenboden) in 
Niederösterreich sammelte. 

4. Ovale, flache Ausbauchungen von 2 — 2 1 / 2 Mm. Durchmesser an den 
Fiederblättchen von Spiraea ßipendula L. Diese kleinen Ausbauchungen haben 
die normale Blattfarbe, die sie umgebende Blattfläche jedoch nimmt stets eine 
schöne, tiefgelbe, mehr oder weniger ausgebreitete Färbung an. Sie finden 
immer von unten nach oben statt, so dass hiedurch an der Blattunterseite 
flache, circa 3 / A Mm. tiefe Grübchen entstehen. In jedem derselben hält sich eine 
weisse, V/ 2 Mm. lange, etwas depresse Gallmückenlarve auf, welche im August 
zur Verwandlung in die Erde geht. Ich fand dieses Cecidium in wenigen 
Exemplaren im Wienerwalde nächst Weidling auf einer schattigen Waldwiese. 

5. Krause Blattfaltung an Geum urbanum L. Dieses Cecidium, welches 
ich im Schlossgarten von Schönbrunn bei Wien in einigen Exemplaren auffand, 
stimmt in seiner Bildung und im Aussehen mit der Blattfaltung, welche Gecid. 
plicatrix H. Lw. an Rubus caesius L. hervorruft, vollkommen überein. Es ist 
von gesellig lebenden Gallmückenlarven bewohnt, welche ebenso wie die der 
Cecid. plicatrix roth gefärbt sind, und zur Verwandlung in die Erde gehen. 
Da nun Geum und Rubus sehr nahe verwandte Pflanzen sind, so ist es gar 
nicht unwahrscheinlich, dass die genannte Gallmücke auch auf Geum urba- 
num L. vorkommt, und dort eben solche Blattfaltungen erzeugt wie an Rubus. 

6. Harte, fleischige, erbsengrosse, einkammerige Verdickungen an den 
Blättern von Populus alba L. Diese Gallen, welche ich im Prater bei Wien in 
ziemlicher Menge antraf, sind in jeder Beziehung denjenigen vollkommen analog, 
(reiche von Viplosis Iremulae Wtz. auf den Blättern von Populus tremula L. 
erzeugt werden. Sie öffnen sich wie diese unregelrnässig spaltförmig und ent- 
halten auch meist nur eine, anfangs gelbe, später roth werdende Larve, die 
zum Hehufe der Verwandlung die Galle verlässt. Ob nun die aus dieser Larve 
'•nt t< heride Mücke mit Dipl. Iremulae Wtz. identisch ist, kann ich vorläufig 



Ueber Gallmücken. 



35 



noch nicht definitiv beantworten, weil mir deren Zncht bisher noch nicht gelang. 
Die grosse Uebereinstimmung der Gallen und Larven, sowie die nahe Ver- 
wandtschaft beider Pflanzen lassen dies jedoch kaum zweifelhaft erscheinen. 

b) Bereits bekannte Gallen. 

7. Monströse Blüthen an Gdlium süvaticum L. (Taf. I, Fig. 12—14). 
Wie alle von Gallmückenlarven bewohnten Blüthen gelangen auch diese nicht 
zur Entfaltung. Sie behalten ein knospenartiges Aussehen, welches jedoch von 
dem der normalen Blüthenknospen dieser Pflanze darin abweicht, dass die 
Corolle nicht wie bei diesen kugelig geschlossen (Fig. 14), sondern eiförmig 
oder länglich-eiförmig erweitert ist, und dass auch die Zipfel derselben nicht 
nach einwärts gebogen sind, sondern sich zu einer Pyramide vereinigen (Fig. 13). 
Sie erreichen in der Regel fast die doppelte Grösse der normalen Blüthen- 
knospen, sind grün oder violett gefärbt und erscheinen in ihrem Innern wie 
ausgehöhlt, weil ihre Fruktifikationsorgane gar nicht zur Entwickelung kommen, 
oder blos als Rudimente vorhanden sind. 

Jede der wenigen, von mir bisher untersuchten Gallen dieser Art ent- 
hielt zwei ihrer Wohnung entsprechend kleine Gallmückenlarven, von denen 
die eine etwas depress und weisslich orangegelb, die andere hingegen walzen- 
rund und transparent honiggelb war. Diese beiden Larven gehören somit 
zweierlei Gallmückenarten an; erstere gewiss einer Cecidomyia, letztere wahr- 
scheinlich einer Diplosis. Die Frage : welche von beiden die eigentliche Gallen- 
erzeugerin, und welche bloss Einmietherin ist, bleibt noch eine offene und kann 
überhaupt nur durch zahlreiche und an verschiedenen Orten angestellte Beob- 
achtungen gelöst werden. Dass aber die erstere dieser beiden Larven, trotz 
ihrer grossen Aehnlichkeit in Gestalt und Farbe mit denen von Ceeid. gdlii H. 
Lw., nicht dieser Art angehört, geht schon aus ihrer viel geringeren Grösse 
hervor, die nicht viel mehr als die Hälfte derjenigen beträgt, welche die Larven 
der Cecid. gdlii H. Lw. im ausgewachsenen Zustande erreichen. 

Ich fand die oben beschriebenen Blüthengallen, welche oft mit den 
Stengel- und Blüthenstiel- Gallen von Cecid. galii H. Lw. zugleich an einer 
Pflanze vorkommen, im Wienerwalde nächst Weidling, wo Gdlium süvaticum L. 
sehr zahlreich wächst. 

Die erste Mittheilung über dieses Cecidium machte Dr. Fried. Thomas 
in einer Abhandlung über Phytoptus - Gallen (Nova Acta Leop.-Carol. Acad. 
d. Naturf. Dresden 1876, Bd. 38, p. 260). Er sammelte es am Traunsee in 

5* 



36 



Franz Low. 



Oberösterreich, nicht nur an Gdlium silvaticum L., sondern auch an G. Mol- 
lugo L. und fand in demselben, ebenso wie ich, sowohl gelbrothe als auch honig- 
gelbe Larven. 

8. Eiförmige, circa hanfkorngrosse, einkammerige Anschwellungen der 
Mittelrippen und Stiele der Blätter von Salix incana Schrk. (Taf. I, Fig. 15). 
Diese Gallen, von denen 1—4 an einem Blatte vorkommen, sind aussen kahl, 
gelblichgrün oder gelb, an der Sonnenseite meist geröthet, ziemlich hart und 
dickwandig und enthalten in ihrer ovalen Kammer eine anfangs weissliche, im 
erwachsenen Zustande rothe Gallmückenlarve, über deren Lebensweise ich jedoch 
keine weiteren Daten anzugeben vermag. 

Dr. Kriechbaumer, welcher diese Gallen in den Isarauen bei München 
und am Starnbergersee fand, beschrieb sie zuerst in Katter's Entom. Nachr. 1875, 
p. 157. In Niederösterreich wurden dieselben bei Christofen nächst Neulengbach 
vom Herrn Dr. G. Mayr gesammelt, welcher sie mir mit gewohnter Freund- 
lichkeit zur Untersuchung überliess. 

9. Vielkammerige Anschwellung der Mittelrippe der Blätter von Salix 
Caprea L. Diese Anschwellung tritt hauptsächlich an der Blattunterseite hervor, 
beschränkt sich entweder blos auf einzelne Partien der Mittelrippe, oder er- 
streckt sich auch über die ganze Länge derselben und erreicht eine Dicke, 
welche das 3 — 6fache der normalen Kippenstärke beträgt. Sie ist meist unregel- 
mässig, ziemlich hart, gelblich oder röthlich gefärbt und enthält viele Kammern, 
deren jede nur von einer weissen Gallmückenlarve bewohnt ist. 

Ich fand diese Galle im Preinthale nächst Reichenau. Man erkennt die 
mit ihr behafteten Blätter an einer mehr oder minder starken Krümmung nach 
aufwärts, welche sie durch die Missbildung ihrer Mittelrippe erleiden. Director 
H. Loew erwähnt ihrer in seinen Dipt. Beitr. IV. 1850, p. 25. Da er jedoch 
keinen Fundort angibt, so Jässt sich nur vermuthen, dass sie auch in Nord- 
deutschland vorkommt. 

10. Schmale Randumstülpungen nach oben an den Blättern von Quercus 
pedunculata Ehrh., Q. sessilißora Sm. und Q. pubescens Willd. (Taf. I, Fig. 16). 
Durch den Einfluss der Larve einer noch unbekannten Galhnückc wird der 
Blattrand in einer Länge von 9 — 13 Mm. derart nach oben umgestülpt, dass 
er ein röhre ii förmiges, an beiden Enden verschmälertes Gehäuse bildet, dessen 
innerer Hohlraum nur wenig breiter als die in ihm wohnende Gallmtickenlarve 
int. Diene Ik-formation ist in der Regel nicht verfärbt und auch nicht knorpelig 
vr rdickt. Sie kommt in der Umgebung von Wien fast allenthalben vor, findet 



lieber Gallmücken. 



37 



sich jedoch selten an den Blättern höherer Eichen, gewöhnlich nur an denen 
von niederen Büschen, oder den tief zur Erde reichenden Aesten alter Eich- 
bäume. Die in ihr lebende Gallmückenlarve ist sehr blass röthlich und geht 
gegen Ende Juni zur Verwandlung in die Erde. 

Bremi fand die vorstehende Galle zuerst in der Schweiz und erwähnt 
ihrer nur' ganz oberflächlich in seinen Mittheilungen über die Insekten der 
Eichen (Mitth. d. naturf. Ges. Zürich 1847, Nr. 14, p. 10). Er kannte die Er- 
zeugerin derselben nicht, gab ihr aber dennoch schon im Vorhinein den Namen 
Cec. inflexa. Auch Bach spricht (Natur u, Offbg. 1859, p. 252) nur so neben- 
her von dieser Galle, was ihn jedoch nicht hindert, die sie erzeugende Mücke 
mit dem Namen Cec. resupinans zu belegen. 



Erklärung der Abbildungen. 

Tafel I. 

Fig. 1. Galle von Cecidomyia genisticola m. auf Genista tinctoria L. (nat. Gr). 
„ 2. „ „ „ homocera m. auf Quercus Cerris L., im Durch- 

schnitte (etwas vergrössert). 
„ 3. „ „ „ cerris Koll. auf Quercus Cerris L., im Durch- 
schnitte (etwas vergrössert). 
„ 4. Zweig einer Trugdolde von Sambucus Ebulus L. mit einer normalen 
Blüthe und Knospe und einer durch Diplosis lonicerearum m. 
deformirten Blüthe (nat. Gr.). 

5. Blattlappen-Deformation an Quercus sessiliflora Sm. durch Diplosis 

dryobia m. erzeugt- (nat. Gr.). 

6. Gallen von Cecidomyia ulmariae Br. auf einem Blatte von Spiraea 

ßipendula L. (nat. Gr.). 
„ 7. Gallen von Cecidomyia Salicis Schrk. an einem Zweige von Salix 
Myrsinites L. (nat. Gr.). 

8. Galle von Cecidomyia artemisiae Bche. auf Artemisia scoparia W. 

et K. (nat. Gr.). 

9. Dieselbe im Durchschnitte (nat. Gr.). 

., 10. Gallen derselben Art auf Artemisia campestris L. (nat. Gr.). 

„ 11. Monströse Falten an einem Blatte von Carpinus Betulus L. durch 

eine noch unbekannte Gallmücke erzeugt, von oben gesehen 

(nat. Gr.). 



38 



Franz Low. Ueber Gallmücken. 



Fig. 12. Zweig einer Blüthenrispe von Gdlium siUaticum L. mit normalen 
Blüthenknospen nnd solchen, welche durch eine noch unbekannte 
Gallmücke missbildet sind (nat. Gr.). 
„ 13. Eine solche deformirte Blüthe (vergrössert). 

„ 14. Eine normale Blüthenknospe von Gdlium silvaticum L. (vergrössert). 
., 15. Gallen auf Salix incana Schrk. von einer noch unbekannten Gallmücke 
erzeugt (nat. Gr.). 

., 16. Umstülpungen des Randes eines Blattes von Quercus sessiliflora Sm. 

nach oben, erzeugt von einer noch unbekannten Gallmücke (nat. Gr.). 



Die Dipteren-Gattimg Medeterus Fischer. 



Vou 

Ferdinand Kowarz, 

k. k. Telegraphen -Beamten in Asch. 

(Hiezu Tafel IL) 

(Vorgelegt in der Versammlung am 7. Februar 1877.) 



Fischer von Waldheini hat im „Programme, contenant une notice sur 
une niouche carnivore nomee Medetere; Moscou 1819 u der Fab ricius'schen Musca 
rostrata den Gattungsnamen Medetera (pSsTspo? = keiner von beiden) ertheilt. 
Fallen begründete im Jahre 1823 auf die Merkmale: „Kurze Fühler mit geknieter 
zweigliedriger Borste und hintere Querader dem Flügelrande sehr genähert" 
die Gattung Hydrophorus und nahm Medetera rostrata F. in dieselbe auf; 
Hydrophorus Fll. enthielt der heutigen Systematik gemäss Arten aus den 
Gattungen Liancalus Lw., Hydrophorus Lw., Scellus Lw. und Medeterus Fisch. 
— Meigen hat — vielleicht ohne die Fallen'sche Publication über Hydro- 
phorus bereits gekannt zu haben — im IV. Theile seiner „systematischen 
Beschreibung der bekannten zweiflügeligen Insecten 1824" den Fisch ersehen 
Gattungsnamen zwar wieder angenommen, aber in Medeterus abgeändert und 
die Gattung folgendermassen charakterisirt: „Fühler vorstehend, dreigliederig; 
das dritte Glied kurz, flach, fast eirund; auf deai Rücken j ) mit zweigliederiger 
Borste. Augen getrennt. Hinterleib des Männchens mit zwei Fäden. Beine ver- 
längert, dünne. Flügel parallel aufliegend; nach jetziger Systematik enthält 
Medeterus Mg. ausser den unter Hydrophorus Fll. begriffenen Gattungen 
auch Campsienemus "Wik. und Xanthochlorus Lw.; hiezu kamen im VII. Theile 
seines citirten Werkes (1838), von den darin aufgenommenen Macquart'schen 
Arten abgesehen, noch die Gattungen Sympycnus Lw., Teuchophorus Lw., Anep- 
sius Lw., Saucropus Lw. und muthmasslich Thrypticus Gerst. — Macquart 
schloss sich in den „Insectes Dipteres du Nord de la France 1827" und in den 
„Suites ä Buffon 1834" wesentlich den Anschauungen Meigen's an, zerlegte 
aber Medeterus Mg. in zwei Gattungen und wählte für die Arten mit apicaler 



*) Meigen hatte bei Herstellung der Gattungsdiagnose offenbar Med. regius F. besonders 
im Auge, da er sonst nicht übersehen haben würde, dass bei einigen seiner Medeterus- Arten die 
Fühlerborste apical und nicht — wie er bei Med. ro&tratus F. und bei Med. truncorum Mg. selbst 
erwähnt — dorsal sei. 



40 



Ferdinand Kowarz. 



Fühlerborste irrthümlich den Gattungsnamen Hydrophorus und für jene mit 
dorsaler Fülilerborste den Gattungsnamen Medeterus; Macquart scheint sich 
hiebei auf eine genaue Selbstkenntniss der Arten nicht gestützt zu haben, weil 
er einerseits seinem Hydrophorus nebulosus Fll. (non Mg.), eine apicale und 
andererseits seinem Medeterus rostratus F. eine dorsale Fühlborste — im 
letzteren Falle wahrscheinlich durch Meigen's eigene Angaben irregeführt — 
zuschreibt. — Zetters te dt nahm in seinem Werke „Diptera Scandinaviae II. 1843" 
die Falle'n'sche Gattung Hydrophorus wieder auf und theilte sie in zwei 
Untergattungen; die Arten mit dorsaler Fühlerborste fasste er unter dem Namen 
Hydrophorus zusammen und die Arten mit apicaler Fühlerborste brachte er mit 
Recht zu Medeterus. — Walker führte im ersten Bande seiner „Diptera Bri- 
tannica 1851" die Gattung Medeterus als selbstständig, in beschränktem 
Umfange und mit Beibehaltung des von Meigen abgeänderten und seitdem 
allgemein eingebürgerten NameDs wieder ein. — H. Loew entschied sich in 
den „Neuen Beiträgen V. 1857" für die Walke r'sche Auffassung, begrenzte und 
sicherte in den „Neuen Beiträgen VIII. 1861" und in den „Monographs of the 
Diptera of North-Amerika Part. II. 1864" die Gattung Medeterus durch genaue 
Charakterisirung vollständig. 

Der von Haliday im „Zoological Journal Vol. V. 1831" für Medeterus 
eingeführte Name Toechobates ist mit Rücksicht auf Fischer's Publication für 
jetzt nicht verwendbar; x ) aus eben demselben Grunde muss auch der von 
Wahlberg in „Ofvers. Vet. Forh. 1844" für Medeterus angewendete Name Ortho- 
bates 2 ) vermieden werden. Anorthus — wie Loew in Stett. ent. Zeitg. XI. 1850, 
p. 117 und Rondani im „Prodr. I. 1856, p. 145" obige Gattung nennt, scheint 
ein bis dahin unpublicirter und von Staeger nur in litteris gebrauchter Name 
zu sein, weil dieser Name auch in von Marschairs Nomenciator als fraglich 
von Staeger herrührend aufgeführt ist 3 ). 

Die allgemeinen Merkmale der Gattung Medeterus sind folgende: Stirn 
und Gesicht beider Geschlechter breit, die Stirn gegen den Scheitel hin allmälig 
erweitert und daselbst mit den gewöhnlichen vier Scheitelborsten versehen; das 
Gesicht wird durch eine unterhalb seiner Mitte liegende Querleiste in das obere 
ffacies superior) und in das untere Gesicht (facies inferior) getheilt; die Augen 
sind nackt, im Leben meist olivengrün mit rothbraunen Reflexen und bisweilen 
bandirt; Fühler kurz, das erste Glied derselben unbehaart, das zweite transvers 
und am Vorderrande kurz beborstet, das dritte rundlich oder oval, am Ende 
zugespitzt oder stumpf oder ausgekerbt, dicht behaart und mit einer apicalen 
oder subapicalen, verbältnissmässig langen, mikroskopisch haarigen oder nackten 

•) I)' | II a 1 i d a y 'hcIio Name 'J'oechubales wird jedoch dann zu borückHiohtigen und wieder 
aufzunehmen Hein, worin die gegenwärtige Gattung Medeterus in zwei Gattungen zerlegt werden 
»ollte; er wird dann der kleineren Gattung gegeben werden mftHHon, zu wolcher Med. roatratua F. 
nicht gebort. 

'') W ;i h I I. <r g und Ro n d an i haben den Namen Mf.dcle.rus für die Gattung üampsicnemvs Wik. 
beibehalten, wa» Mich gar nicht rechtfertigen IfiH^t. 

in <J m erwähnten Nomenclator Hteht Htatt Anorthua „Anorthrna" (Slaogor ?) Kond. 



Die Dipteren-Gattung Mtdeitmi Fiscaer. 



41 



Borste versehen: Taster breit, aus der Mundööhung hervortretend und dem in 
der Regel sackartig hervorragenden, meist grossen Bussel aufliegend; Cilieu 
am hinteren Augenrande etwas schütter, das dem Mundrande nächststehende 
Borstchen ziemlich lang. — Thorax und Schildchen metallisch gefärbt und mit 
einer mehr oder weniger «lichten grauen oder braunen Bestäubung bedeckt: die 
längere Beborstung des Thoraxrüekens und des Schüdchens stets schwarz: die 
Mittellinie des ersteren von einer bis zu dem Eindrucke vor dem Schildchen reichen- 
den Doppelreihe kurzer steifer Härchen (setulae in thoracis dorso lineain mediani 
includentes) eingefasst. welche mehr oder weniger deutlich sind oder ganz zu 
fehlen scheinen: die gewöhnlichen heilen Borstenreihen des Bückens entweder 
von nur wenigen langen und ziemlich gleichartigen oder von zahlreichen am 
vorderen Theile des Bückens kurzen und auf dem hinteren Theile desselben allmälig 
längeren Borsten gebildet: am Prothorax über den Torderhüften zwei bis sechs 
übereinander stehende Haarborsten (prothoracis setae): Schildchen unbehaart 
und am Bande jederseits mit je einer einzigen langen oder wie bei den meisten 
Arten mit je einer längeren und einer kürzeren Borste versehen. — Flügel im 
Umrisse länglich elliptisch oder oval: die Bandader bis zur Mündung der ein- 
fachen vierten Längsader reichend : der letzte Abschnitt dieser ist völlig gerade, 
oder bildet einen sanften, mit seiner convexen Seite der dritten Längsader 
zugekehrten Bogen, mit welcher er stets deutlich cpnvergiii und an der Flügel- 
spitze mündet; die sechste Längsader unvollständig und verblasst; die hintere 
Querader dem Flügelrande sehr genähert oder höchstens um das doppelte ihrer 
eigenen Länge von demselben entfernt. — Deckschüppchen klein, am Bande 
gewimpert; Schwinger anbedeckt. — Die Hüften mehr oder weniger deutlich 
behaart, die hinteren überdiess auf der Ausienseite mit je einer abstehenden 
Borste bewehrt. Beine ziemlich schlank, mit kurzer anliegender Behaarung 
bekleidet und nur sparsam beborstet ; Schenkel ohne Präapicalborste. -\ aber 
auf der Hinterseite der Yorderschenkel und auf der Vorderseite der hinteren 
Schenkel mit nach abwärts gerichteter zarter, bisweilen steifer oder ziemlich 
langer Behaarung, bei manchen Arten auch die Hinterschenkel in der Nähe der 
Basis oberseits mit aufgerichteter wimperartiger Behaarung versehen : die Yorder- 
schienen ausser dem Borstchen auf der Unterseite der Spitze stets borstenlos. die 
hinteren Schienen ausser dem Bestellen au: ler Unterseite irr Stütze meist mit 
ein oder zwei Borstchen auf der Oberseite in der Nähe der Basis (setae subbasales, 
nnd die Männchen überdiess auf der Oberseite der Hinterschienen mit einem 
Borstehen in der Nähe der Spitze; die Tarsen der vorderen Beine einfach, der 
Metatarsus der Hinterbeine unbeborstet. kürzer als das folgende Tarsenglied 
und bei dem Männchen mehrerer Arten an der Basis ein wenig ausgekerbt und 
daselbst mit bei stärkerer Vergrößerung wahrnehmbaren Dörnchen oder 
Knötchen verziert. — Hinterleib ziemlich kurz, mehr oder weniger keselförniiz. 
bisweilen flach gedrückt, metallisch gefärbt selten lebhaft glänzend, mit kurzer, 
an den Seiten des ersten Hinterleibs ringe s längerer Behaarung: das unsymmetrische 



'-) Eine Lah-r v;, r i er Spitze ier S ziieniei s:e_e- ie B:-r«:e. 
Z B. Ges. B. iXTU. Abh. 



6 



42 



Ferdinand Kowarz. 



Hypopygium frei, glänzend schwarz und aus drei mit einander verwachsenen 
Theilen bestehend, von welchen der erste oder Basaltheil der kleinste ist und 
die Verbindung des Hypopygiums mit dem letzten Hinterleibsringe herstellt, der 
zweite meist grösste Theil bildet einen unregelmässig runden oder länglichen 
Körper und hat auf seiner linken Seite eine behaarte, gewöhnlich grau 
schimmernde Stelle; der dritte länglich kegelförmige oder fast herzförmige 
Theil trägt die gewöhnlichen vier *) Analanhänge, von denen die äusseren meist 
kurz, blättchenartig und gewimpert, die inneren aber ziemlich lang und an der 
Spitze gespalten sind und entweder griffelartig vorragen oder zangenartig 
zusammenneigen. Die Legeröhre des Weibchens ist in der Regel zurückgezogen. 
Die Gattung Medeterus unterscheidet sich von allen übrigen Dolichopoden- 
Gattungen 2 ) hauptsächlich durch die nackten Augen und durch die Beschaffen- 
heit des letzten Abschnittes der vierten Längsader, welcher mit der abwärts 
gebogenen dritten Längsader stets convergirt und gerade oder gebogen — ohne 
geschwungen, gebrochen oder wellenartig über die Flügelfläche erhoben zu sein 
— zur Flügelspitze lauft. 

Die bis jetzt noch unbekannten Larven einiger durch Zucht hervor- 
gegangener Medeterus- Arten scheinen unter Fichtenrinde zu leben; die ortho- 
raphen Puppen einer Art wurden in den Gängen von Bostrychen in einem 
feinen Gespinnste gelegen angetroffen. 3 ) Die entwickelten Fliegen halten sich 
vom Frühjahr bis zum Herbste an aufrecht stehenden Baumstämmen, Felsen- 
wänden, Mauern, Planken, auf Steinen und nur selten an Pflanzen auf; sie lauern 
oft stundenlang auf ihre, aus winzig kleinen Insecten bestehende Beute, ohne sich 
zu regen, den Kopf nach oben gerichtet und die Brust auf die aufgerichteten 
Vorderbeine gestemmt; beunruhigt bewegen sie sich rasch nach seitwärts, oder 
fliegen wie im Sprunge nach einem höher gelegenen Punkte ihres Auf- 
enthaltsortes. 

Es sei hier noch hervorgehoben, dass die Färbung der Beine und — mit 
Ausnahme der Borsten am Thoraxrücken und am Schildchen — selbst die 
Farbe der Behaarung bei mehreren Medeterus- kxten sehr veränderlich ist; dass 



') Dan Hypopygium hat bekanntlich vier Paare Analanhängo, hier sind nur die an der 
Spitze (Ioh Hypopygiums stehenden zwei Paare gemeint. 

l ) Die Gattung Thrypticus Gerst., von der mir nur eine Art und zwar Tlir. hellus Lw. 
bekannt ist, hat mit Mede.te.rxia die meiste habituelle Aehnlichkeit ; sie unterscheidet sich von 
iitt»m durch den parallelen Verlauf der dritten und vierten Längsader. (Fig. 24). 

*) Rudolf Damianitsch hat die Puppe von Medeterus tristis Ztt.? in den Vcrh. d. 
M#L tot Qet. XV 237 (1866) zuerst beschrieben und abgebildet. — Herr Prof. Kriechhaumer 
in München theilte mir mit, dass Med. signat.icornis Lw. aus Puppen schlüpfte, welcho Herr Kitter 
fOi Poiehingei im bairischen Wahle mit einor Masso Larven und Puppen von Borkenkäfern 
und solchen M-Ibht gefunden und an das Münchoner Museum zur Untersuchung eingesendet hatte. 
JLir MtUl fOB 1'oHchingor hatte die Gute auch mir eine Partie Fichtonrinde, welche mit 
ßatmm und Hnttrycltus- Larven reich besetzt war nnd aus welcher ich Med. jnnicola m. erzog, zuzu- 
•ehieken ; die zur Untersuchung abgesonderten, für Medeterus gehaltenen Larven gingen mir leider 
laattSeh zu Grund*. Med. paülpu Ztt. erzog ich ebenfalls aus mit Borkenkäfern besetzter 
\ i> htenrinde. — Lrwalmt sei noch, dass schon Ratzeburg in seinem Werke „die Waldvordorber" 
j.. <;i da* Vorkommen von Lipteronlarven neben Uorkenkäforii constatirt. 



Die Dipteren-Gattung Medeterus Fischer. 



43 



durch die zwischen der vierten nnd fünften Längsader gelegenen Flügelfalte je 
nach deren Tiefe die hintere Querader mehr oder weniger verkürzt und daher 
das Längenverhältniss zwischen der hinteren Querader und zwischen dem letzten 
Abschnitte der fünften Längsader schwankend erscheint und dass auch die 
Beborstung des Thoraxrückens bisweilen unbeständig ist; man verwende daher 
zum Bestimmen der Arten vollkommen entwickelte und gut conservirte Stücke, 
welche insbesonders die Beborstung des Thorax, des Schildchens und der Beine 
möglichst vollständig zeigen. 



Tabelle zum Bestimmen der männlichen und weiblichen 

Medeterus. 

Im Schildchen jederseits mit nur einer langen Borste 2 

Schildchen jederseits mit je einer längeren und einer kürzeren Borste 6 

2. Das ganze Gesicht mit dichter weisslicher Bestäubung bedeckt ... 3 
Das Gesicht nur über der Querleiste grau oder braun bestäubt, unter der 

Querleiste mehr oder weniger metallisch glänzend 4 

3. Vorderhüften und Beine lehmgelb sp. 1. plumbellus Mg. 

Vorderhüften und Beine schwarz sp. 2. seniculus n. sp. 

4. Die Haarborsten am Prothorax weisslich . . . . sp. 3. micaceus Lw. 
Die Haarborsten am Prothorax schwarz 5 

5. Schenkel ganz gelb sp. 4. chry sot imiformis Kow, 

Schenkel von der Basis her bis über die Mitte hinaus schwarz 

sp. 5. dichaetus n. sp. 

6. Mittelschienen mit keinem Borstchen in der Nähe der Basis .... 7 
Mittelschienen mit einem Borstchen in der Nähe der Basis .... 8 

7. Cilien am hinteren Augenrande schwarz, meistens aber rostgelb schimmernd, 

Brustseiten von oben gesehen schwärzlich . . . sp. 6. muralis Mg. 
Cilien am hinteren Augenrande weiss, Brustseiten meist wie der Thorax- 
rücken grau sp. 7. glaucellus n. sp. 

8. Die kurze Behaarung, welche die Mittellinie des Thoraxrückens einschliesst, 

deutlich *) 9 

Die kurze Behaarung, welche die Mittellinie des Thoraxrückens einschliesst, 
äusserst kurz und undeutlich 18 



J ) Dieses Merkmal kann bei Med. ambiguus Ztt. und infumatus Lw. zweifelhaft erscheinen, 
weil bei diesen beiden schwarzbeinigen Arten die gedachte Behaarung bald mehr bald weniger 
deutlich ist: Med. ambiguus ist wegen seiner dunkel metallisch glänzenden Stirn und silberweiss- 
schimmernden Vorderhüften nicht zu verkennen ; Med. infumatus kennzeichnet sich durch das 
schwarze, über der Querleiste — so wie die Stirn — braun oder grau bestäubte Gesicht. Bei den 
hieher gehörigen Arten bestehen die beiden gewöhnlichen Borstenreihen des Thoraxrückens ausser 
aus 2—6 längeren Borsten noch aus meist zahlreichen am vorderen Theile des Thoraxrückens be- 
findlichen kurzen Borstchen ; während bei den Arten, welche die Mittellinie mit keiner oder mit 
undeutlicher Behaarung eingefasst haben, diese Borstenreihen nur aus 3—6, in der Regel schon 
auf dem vorderen Theile des Rückens befindlichen, langen Borsten bestehen. 

6* 



44 



Ferdinand Kowarz. 



9. Der letzte Abschnitt der fünften Längsader mindestens anderthalb Mal so 

lang als die hintere Querader *) 10 

Der letzte Abschnitt der fünften Längsader nicht anderthalb Mal so lang 
als die hintere Querader 13 

10. Das Gesicht über der Querleiste grau, .unter derselben metallisch schwarz. 

sp. 8. glaucus Lw. 

Das ganze Gesicht metallisch glänzend 11 

11. Schwingerknopf wenigstens auf der Oberseite schwärzlich. 

sp. 9. tristis Ztt. 

Schwingerknopf ganz gelb 12 

12. Mittelgrosse Art sp. 10. apicalis Ztt. 

Kleine Art sp. 11. pallipes Ztt. 

13. Das ganze Gesicht grau bestäubt sp. 12. obesus n. sp. 

Das ganze Gesicht metallisch glänzend, höchstens an der Querleiste grau. 14 

14. Hinterleib lebhaft metallisch grün oder blau . . sp. 13. nitidus Macq. 
Hinterleib metallisch schwarz, düster grün oder grau schimmernd . 15 

15. Schwingerknopf schwarz sp. 14. signaticomis Lw. 

Schwingerknopf weisslich oder gelblich 16 

16. Hüften und Hinterleib beider Geschlechter schwarz und glänzend, Fühler 

des Männchens an der Spitze ausgekerbt. sp. 15. dichrocerus n. sp. 
Hüften schwarz, grau bestäubt, Hinterleib des Männchens metallisch 
schwarz, der des Weibchens grau oder grün schimmernd .... 17 

17. Hypopygium gross und dick, Hinterleib des Weibchens besonders an den 

Seiten und am Bauche grau sp. 16. obscurus Ztt. 

Hypopygium schmal, Hinterleib des Weibchens auch am Bauche dunkel 
metallisch grün sp. 17. pinicola n. sp. 

18. Beine gelb, höchstens die Schenkel an der Basis schwarz oder braun 19 

Beine schwarz, höchstens die Kniee gelb 21 

Gesicht lebhaft metallisch glänzend, nur ander Querleiste grau. 

sp. 18. diadema L. 

Das ganze Gesicht weisslich bestäubt 20 

20. Die Bestäubung des Gesichtes dünn, Taster schwarz sp. 19. flavipes Mg. 
Die BestäubuDg des Gesichtes dicht, Taster metallisch grün. 

sp. 20. lamprostomus Lw. 

21. Beine ganz schwarz 22 

Beine schwarz, mit gelben Knieen 23 

22. Stirn und das ganze Gesicht lebhaft glänzend, Vorderhüften mit silber- 

weißem Schimmel sp. 21. ambiguuB Ztt. 

Stirn und das Gesicht über der Querleiste braun oder grau bestäubt, Vorder- 
hiiftcn ohne HilberweisHen Schimmer .... sp. 22. infumalus Lw. 



In /.w<nfclh;ifti',m Falk: l>»:rnr,lcnic.htiK« man rli« ItaHchroibnnfM von v)/«/. ffMMMlilf. 
SU.d. j,inicola. m. 



Die Dipteren-Gattung Medeterus Fischer. 



45 



23. Das ganze Gesicht mit dünner grauer Bestäubung bedeckt. 

sp. 23. jaculus Mg. 

Das Gesicht mindestens unter der Querleiste unbestäubt und metallisch 
glänzend 24 

24. Der letzte Abschnitt der fünften Längsader länger als die hintere Quer- 

ader 1 ); Hypopygium ziemlich klein . . . sp. 24. truncorum Mg. 
Der letzte Abschnitt der fünften Längsader so lang oder kürzer als die 
hintere Querader 25 

25. Thorax dicht bestäubt, matt, am Rücken meist ungestriemt 2 ), Hypopygium 

schmal sp. 25. tenuicauda Lw. 

Thoraxrücken gestriemt, Hypopygium gross 26 

26. Der erste und zweite Abschnitt der vierten Längsader nahezu gleich lang; 

ziemlich kleine Art sp. 26. den drobaenus n. sp. 

Der erste Abschnitt der vierten Längsader auffallend länger als der zweite ; 
ziemlich grosse Art sp. 27. petrophilus n. sp. 



Beschreibung der Arten. 

I. Scutellum utrinque setä singulä instructum, tibiae inter- 
mediae prope basim setam distinctam ferentes. 

1. Med» plumbellus Mg. cTQ. Facie albo-pollinosa , coxis anticis 
pedibusque flavis. 

Long. corp. 2—2*5 mm. 

Syn. Hydrophorus jaculus. Fll. Dol. 5. 7. 1823. 9- Yar ' T- 

— Medeterus plumbellus. Mg. Syst. Beschr. IV. 69. 20. 1824. ^Q. 

— Hydrophorus minutus. Ztt. Dipt. Scand. II. 456. 17. 1843. Q. 

— Medeterus plumbellus. Lw. Neue Beitr. V. 54. 1857. tfQ. 

— Medeterus plumbellus. Schin. Fauna austr. I. 237. 1862. 

Stirn und Gesicht dicht weiss oder gelblichweiss bestäubt, Fühler schwarz, 
Taster weiss behaart und weiss schimmernd; Rüssel verhältnissmässig gross, 
Cilien am hinteren Augenrande weisslich. Thoraxrücken und das mit zwei 
langen Borsten versehene Schildchen mit dichter gelblichgrauer Bestäubung 
bedeckt, welche auf der Mittellinie des Rückens und oft auch neben den beiden 
von je drei gleichmässig langen Borsten gebildeten Borstenreihen striemenartig 
gelbbraun erscheint; Brustseiten grau bestäubt; Prothorax mit zwei oder drei 



J ) Med. dendrobaenus m. kann mit Med. truncorum verwechselt werden, wenn bei jenem 
die hintere Querader durch die zwischen der vierten und fünften Läugsader gelegene Flügelfalte 
erheblich verkürzt erscheint. 

2 ) Der Thoraxrücken des Männchens von Med. petrophilus m. ist wohl auch ziemlich 
dicht bestäubt und häufig ohne deutliche Striemen; in diesem Falle entscheidet die Gestalt des 
Hypopygiums, 



46 



Ferdinand Kowarz. 



weisslichen Haarborsten. Flügel bräunlichgelb gefärbt, mit schwarzbraunen an 
der Flügelbasis gelben Adern; dritte Längsader mit dem fast geraden letzten 
Abschnitte der vierten Längsader wenig convergirend ; der letzte Abschnitt der 
fünften Längsader so lang oder etwas kürzer als die hintere Querader. Deck- 
schüppchen und Schwinger gelblich, erstere blassgelb gewimpert. Vorderhüften 
lehmgelb, an der Basis bisweilen gebräunt, die hinteren Hüften schwarz, grau 
bestäubt; die Behaarung der Vorderhüften und die Börstchen an den hinteren 
Hüften weisslich ; Beine lehmgelb, nur die äussersten Spitzen der Schienen und 
der vier ersten Tarsenglieder und das letzte Tarsenglied schwärzlich; oft sind 
aber auch die Schenkel an der Basis und die Tarsen von der Spitze des ersten 
Gliedes an verdunkelt; die nach abwärts gerichtete Behaarung auf der Vorder- 
seite der Hinterschenkel weisslich und zart, die Borste in der Nähe der Basis 
der Mittelschienen deutlich; Metatarsus der Hinterbeine beim Männchen an der 
Basis ausgekerbt. Hinterleib erzgrün, fahlgelb behaart und wenig glänzend; 
bei trächtigen Weibchen ist der Vorderrand der Hinterleibsringe schwärzlich: 
Hypopygium verhältnissmässig gross und dick, die äusseren Anhänge schmal 
dreieckig, braun, an der Basis schmutziggelb, die inneren Anhänge lineal, 
etwas länger als die äusseren und schwarzbraun. 

Vaterland: Mir ist diese Art in Oesterreich bisher nur aus Altsandec 
in Galizien durch Herrn Dr. Grzegorzek bekannt geworden; in Deutschland 
ist sie sehr verbreitet: Herr Dr. A. Raddatz erwähnt in seiner „Uebersicht 
der in Mecklenburg bis jetzt beobachteten Insecten 1873. 62", dass Med. plum- 
bellus Mg. von Ende Juni bis Mitte August auf trockenem, sterilen Boden 
zwischen den spärlichen Pflanzen nicht selten sei; Herr Dr. A. Gerstaecker 
gibt in der „Uebersicht der in der Umgegend Berlins bis jetzt beobachteten 
Dolichopoden (Stettiner entom. Zeitng. 1864. 41. 6)" das Vorkommen obiger 
Art auf Baumstümpfen an. Schweden (Zetterstedt). 

Anmerkung. In der Sammlung des Herrn Dr. H. Loew befinden sieb 
drei aus der Umgebung von Berlin stammende und von Meigen selbst be- 
stimmte P^xemplare obiger Art; auch in der Wi nth em'schen Sammlung ist 
noch das Stück vorhanden, welches Meigen 1. c. beschrieben hat. — In der 
Zetter stedt'schen Beschreibung von Hydr. minutus finde ich Nichts, was 
der Annahme, dass minutus Ztt. mit plumbellus Mg. identisch sei, wider- 
spräche. 

2. Med. senicu/iis n. ip. rf. Facie albo-pollinosa, coxis anticis pedi- 
busque nif/ris. 

Long. corp. 2. mm. 

Stirn, Gesicht und Taster dicht weiss bestäubt, Fühler schwarz, Rüssel 
von mitte Gköff«, Cilien am hinteren Augenrando weiss. Thoraxrückon und 
das mit zwei langen Borsten versehene Schildchen dicht gelblichgrau bestäubt, 
auf «1er Mittellinie des Klickens und neben den beiden von je drei gleichmässig 
langen Hörnten gebildeten Borstenrcihen strionicnartig braun; Brustseiten 



Die Dipteren-Gattung Medeterus Fischer. 



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weisslichgrau; Prothorax mit zwei weisslichen Haarborsten. Flügel bräunlich 
gefärbt, mit schwarzbraunen Adern; dritte Längsader mit dem fast geraden 
letzten Abschnitte der vierten Längsader wenig convergirend ; der letzte 
Abschnitt der fünften Längsader etwa ein und einviertel Mal so lang, als die 
hintere Querader. Deckschüppchen und Schwinger gelblich, erstere sehr schmal 
braun gerandet und blassgelb gewimpert. Hüften schwarz, grau schimmernd, 
die Behaarung der Vorderhüften und die Börstchen der hinteren Hüften weiss; 
Beine schwarz, nur die äussersten Kniespitzen rostgelb und die Hinterschienen 
an der Basis dunkelbraun; die abwärts gerichtete Behaarung auf der Vorder- 
seite der Hinterschenkel weisslich und ziemlich undeutlich, die Borste in der 
Nähe der Basis der Mittelschienen auffallend; der Metatarsus der Hinterbeine 
an der Basis ausgekerbt. Hinterleib metallisch dunkelgrün, fahlgelb behaart 
und nur wenig glänzend; Hypopygiuni verhältnissmässig gross, die äusseren 
Analanhänge dreieckig, gelbbraun, am "Rande schwarz, die etwas längeren, li- 
nealen, gegen die Spitze hin allmälig und schwach erweiterten inneren Anhänge 
ganz schwarz. 

Vaterland: Die Art, welche sich in der Sammlung des Herrn 
Dr. H. Loew befindet, stammt aus dem südwestlichen Polen und wurde im 
Juli gefangen. 

Anmerkung. Med. seniculus unterscheidet sich von Med. plumbellus Mg. 
von der Farbe der Vorderhüften und Beine abgesehen durch sein deutlich 
schmäleres Gesicht und durch die braun gerandeten Deckschüppchen. 

3. jyied. micaceus Lw. cf9- Facie superiore ochraceo-pöllinosa, 
inferiore obscure viridi aut aeneo-nitida aut einer eo-micante, prothoracis setis 
albicantibus. 

Long. corp. P8— 2 mm. (Fig. 19, 20). 
Syn. Hydrophorus jaculus Fll. Dol. 5. 7. 1823. cT Q . var. ß. 
? „ apicalis Ztt. Dipt. Scand. II. 452. 12. 1843. tfQ. var. b. 

„ „ „ VIII. 3055. 12. 1849. cT9- 

— „ „ „ „ „ XII. 4616. 12. 1855. tf. 

— Medeterus micaceus Lw. Neue Beitr. V. 55. 1857. 

— „ „ Schin. Fauna austr. I. 238. 1862. 

Stirn und das Gesicht über der Querleiste braun oder bräunlichgrau 
bestäubt, das Gesicht unter der Querleiste schwarzgrün metallisch glänzend, in 
Folge einer dünnen Bestäubung bisweilen bräunlichgrau schimmernd; Fühler 
und Taster schwarz, Rüssel mässig gross; Cilien am hinteren Augenrande 
weisslich. Thoraxrücken und das mit zwei langen Borsten versehene Schildchen 
dicht gelblichgrau bestäubt, auf der Mittellinie des Rückens und neben den 
beiden von je drei gleichmässig langen Borsten gebildeten Borstenreihen mit 
mehr oder weniger deutlichen, braunen, manchmal dunkel eingefassten, Strie- 
men; Brustseiten grau; Prothorax mit zwei bis drei weisslichen Haarborsten. 
Flügel bräunlich oder grau gefärbt, mit schwarzen Adern; dritte Längsader mit 
dem fast geraden letzten Aoschnitte der vierten Längsader wenig convergirend, 



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Ferdinand Kowarz. 



der letzte Abschnitt der fünften Längsader ein und einviertel Mal so lang, als die 
hintere Querader. Deckschüppchen und Schwinger gelb, erstere fahlgelb ge- 
wintert. Hüften schwarz, grau schimmernd, die Behaarung der vordersten und 
die Börstchen der hinteren Hüften weisslich. Gewöhnlich sind die Schenkel von 
der Basis her bis über die Mitte hinaus schwarz, an der Spitze so wie die 
Schienen und die Basis der Metatarsen aller Beine heller oder dunkler rostgelb, 
die Spitzen der Vorder- und Hinterschienen und die Tarsen aller Beine von 
der Spitze des ersten Gliedes an braun; bisweilen aber sind ausser den Knieen 
nur die hinteren Schienen auf der Mitte rostgelb, oder die Beine sind ganz 
schwarz; die abwärts gerichtete Behaarung auf der Vorderseite der Hinter- 
schenkel weisslich oder fahlgelb und zart, die Borste in der Nähe der Basis 
der Mittelschienen auffallend; Metatarsus der Hinterbeine beim Männchen an 
der Basis ausgekerbt. Hinterleib metallisch blaugrün oder düster erzgrün, fahl- 
gelb behaart und wenig glänzend; Hypopygium ziemlich gross, die äusseren 
Analanhänge dreieckig und wie die schmal linealen und etwas längeren inneren 
Anhänge gelb oder braun. 

Vaterland: Die Art scheint über ganz Europa verbreitet zu sein; 
Zetterstedt hat sie in Schweden, Herr Prof. Zeller in Sicilien gefunden; 
mir ist sie ausser aus Oesterreich, Ungarn und Deutschland auch aus Russland 
bekannt geworden; man findet sie besonders in Waldgegenden während der 
Monate Juni, Juli und August, meistens auf Steinen und an Felsenwänden. 

Anmerkung. Ich habe sowohl die Type des Herrn Dr. H. Loew, als 
auch ein Zetterstedt'sches aus Esperöd stammendes und von ihm als Hydr. 
apicalis var. b. bezetteltes Exemplar untersucht. 

4. Med. chrysotimiformis Kow. cf Q. Facie superiore cinereo- 
pollinosa, inferiore aeneo - viridi et nitida, prothoracis setis nigris, femori- 
bus flavis. 

Long. corp. 1*8 — 2*2 mm. 
Syn. Medeterus chrysotimiformis Kow. Verh. d. zool.-bot. Ges. XVIII. 220. 9. 
1868 9. 

Stirn und das Gesicht über der Querleiste weisslichgrau bestäubt, das 
Gesicht unter der Querleiste dunkelgrün, metallisch glänzend, Fühler und Taster 
schwarz, Rüssel ziemlich gross, Cilien am hinteren Augenrande weisslich, die 
der Mundöh"nung nächststehenden zwei Börstchen schwarz. Thorax und das mit 
zwei Borsten versehene Schildchen metallischgrün, jedoch in Folge einer gelb- 
lichgrauen, massig dichten Bestäubung grünlichgrau erscheinend; die beiden 
Borstenreihen von je drei gloichmässig langen Borsten gebildet; Prothorax mit 
zwei bis drei schwarzen Haarborsten. Flügel hlass bräunlichgelb gefärbt, mit 
bräunlichen, an der Fli'igelbasis gelben Adern; dritte Längsader mit dem fast 
gmd6D letzten Abschnitte der vierten Längsader wenig convergirend ; der letzte 
Abschnitt d* r fünften LlBgMder ein und einviertel Mal so lang als die hintere Quer- 
-vler. Deck-chiippchen und Schwinger gelb, erstere blassgclb gewimpert. Hüften 



Die Dipteren-Gattung Medeterus Fischer. 



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schwarz, etwas grauschimmernd, die Behaarung derselben schwarz; Beine gelb, 
nur die äusserste Spitze der Schienen uud die vier ersten Tarsen und das 
ganze letzte Tarsenglied schwarz; bisweilen ist — besonders bei den Männchen — 
die Unterseite der Schenkel an der Basis geschwärzt; die nach abwärts ge- 
richtete Behaarung auf der Vorderseite der Hinterschenkel fahlgelb und zart, 
die Borste in der Nähe der Basis der Mittelschienen deutlich; der Metatarsus 
der Hinterbeine beim Männchen an der Basis nicht ausgekerbt. Hinterleib 
metallischgrün, gelblich behaart und wenig glänzend; Hypopygium ziemlich 
klein, mit schwarzbraunen Analanhängen. 

Vaterland: Herr von Frivaldszky entdeckte diese Art bei Ofen; 
Herr Prof. Mik traf sie Anfangs Juli auf der Türkenschanze bei Wien zahl- 
reich auf niedrigen Pflanzen, zumeist auf Papilionaceen (Onobrycliis, Lotus, 
Medicago) an. 

Anmerkung. Ausser durch die lebhaft gelbe Färbung der Beine unter- 
scheidet sich obige Art von Med. micaceus Lw. durch die etwas hellere und 
minder dichte Bestäubung des Thorax, hauptsächlich aber durch die schwarzen 
Haarborsten am Prothorax und an den hinteren Hüften und im männlichen 
Geschlechte durch keine bemerkbare Auskerbung des Metatarsus der Hinterbeine 
und durch das auffallend schmälere Hypopygium. — Das 1. c. beschriebene 
Exemplar war nicht vollkommen entwickelt und daher erschien die Farbe der 
Flügeladern und der Beine bleicher, und da das Gesicht über der Querleiste 
durch Eintrocknen verschrumpft war, schien auch die Bestäubung desselben 
dunkler zu sein. 

5. Med, dichaetus n. sp. (j\ Facie superiore cinereo-pollinosa, in- 
feriore obscure aenea, prothoracis setis nigris, femoribus inde a basi ultra 
medium nigris in apice flavis. 

Long. corp. 2 — 2'5 mm. 

Stirn und das Gesicht über der Querleiste gelblichgrau bestäubt, das 
Gesicht unter der Querleiste schwarz oder schwarzgrün, metallisch glänzend, 
Fühler und Taster schwarz, Rüssel ziemlich gross; Cilien am hinteren Augen- 
rande fahlgelb, die der Mundöffnung nächststehende Borste jedoch schwarz. 
Thorax und das mit zwei Borsten versehene Schildchen metallischgrün, aber 
in Folge einer mässig dichten, gelblichgrauen Bestäubung grünlichgrau er- 
scheinend; die beiden Borstenreihen von je drei gleichmässig langen Borsten 
gebildet; Prothorax mit zwei schwarzen Haarborsten. Flügel blass bräunlichgelb 
gefärbt, mit braunen an der Flügelbasis gelben Adern; dritte Längsader mit 
dem fast geraden letzten Abschnitt der vierten Längsader wenig convergirend ; 
der letzte Abschnitt der fünften Längsader fast anderthalb Mal so lang als die 
hintere Querader. Deckschüppchen und Schwinger gelb, erstere gelb gewimpert. 
Hüften schwarz und schwarz behaart; Beine gelb, nur die Schenkel von der 
Basis her bis über die Mitte hinaus, die äusserste Spitze der Schienen und der 
drei ersten Tarsenglieder und das ganze vierte und fünfte Tarsenglied schwarz; 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 7 



50 



Ferdinand Kowarz. 



die nach abwärts gerichtete Behaarung auf der Vorderseite der Hinterschenkel 
fahlgelb und zart, aber deutlich, die Borste in der Nähe der Basis der Mittel- 
schienen auffallend; der Metatarsus der Hinterbeine an der Basis nicht aus- 
gekerbt. Hinterleib metallisch grün, gelblich behaart und wenig glänzend; 
Hypopygium gross, mit schwarzbraunen, an der Basis bräunlichgelben Anal- 
anhängen. 

Vaterland: Herr Prof. Nowicki besitzt die Art aus Galizien, Scholtz 
sammelte sie bei Breslau und Herr Prof. Kriechbaumer in der Umgebung 
von München. 

Anmerkung. Die beschriebene Art hat ganz das Aussehen wie Med. 
clwysotimiformis m., von dem sie sich durch die Färbung der Beine und durch 
das grosse Hypopygium unterscheidet; mit Med. micaceus Lw. kann sie wegen 
der etwas geringeren Bestäubung des Thorax und wegen der schwarzen Farbe 
der Haarborsten am Prothorax nicht verwechselt werden. 

II. Scutellum utrinque setis binis instructum. 

A) Tibiae intermediae seta subbasali destitutae. 

6. Med, muralis Mg. c?Q. Thoracis dorso cinereo-pollinoso, glauco, 
pleuris nigricantibus, ciliis posticis oculorum fuscis, rufo-micantibus. 

Long. corp. 1-5—2 mm. (Fig. 21). 
Syn. Medeterus muralis Mg. Syst. Beschr. IV. 62. 5. 1824. 
? Hydrophorus muralis Ztt. Dipt. Scand. IL 455. 16. 1843. Q. var. c. 
— Medeterus melanopleurus Lw. Neue Beitr. V. 52. 1857. 

Stirn und das Gesicht über der Querleiste grau bestäubt, das Gesicht 
unter der Querleiste schwarz und entweder glänzend oder etwas grau schimmernd, 
Fühler und Taster schwarz, Rüssel klein, in die Mundöffnung oft ganz zurück- 
gezogen; Cilien am hinteren Augenrande dunkel, rostgelb schimmernd, die der 
Mundöffnung nächsten Börstchen meistens schwarz. Thoraxrücken und das mit 
vier Borsten versehene Schildchen metallisch blau oder blaugrün, weisslichgrau 
bestäubt, die Bestäubung der Brustseiten dunkelbraun, der Rücken daher bläu- 
lich grau, die Brustseiten — besonders von oben her betrachtet — schwarz er- 
scheinend ; von den die beiden Borstenreihen bildenden, am vorderen Theile 
des Rückens kurzen, gegen das Schildchen hin allmälig längeren Borsten sind 
nur die je zwei hintersten am auffallendsten; Prothorax mit zwei bis drei 
dunklen, rostgelb schimmernden Haarbörstchen. Flügel blassgrau gefärbt, mit 
schwarzbraunen Adern; die dritte Längsader mit dem nur wenig gebogenen 
letzten Abschnitte der vierten Längsader convergirend ; der letzte Abschnitt der 
fünften Längsader anderthalb Mal so lang als die hintere Querader. Dock- 
hchüppehen und Schwinger gelblich oder bräunlich, erstcre schwarz gerandet, 
mit bräunlichen, blassgelb schimmernden Wimpern, letztere mit auf der Ober- 
seite schwärzlichem Knopfe. Hüften Fchwarz, grau schimmernd, mit bisweilen 



Die Dipteren-Gattung Mecleterus Fischer. 



Ol 



rostgelbem Schenkelknopfe; die Behaarung der Hüften schwärzlich. Beine 
entweder ganz schwarz, oder die Schienen und Tarsen braun und nur der Meta- 
tarsus der Hinterbeine an der Basis gelb, oder auch die äussersten Kniespitzen, 
die Schienen — besonders die der Hinterbeine — an der Spitze in grösserer 
oder geringerer Ausdehnung und die vier ersten Tarsenglieder gelb; immer 
aber zeigen vorzugsweise die Schienen und Tarsen in Folge einer kurzen, fahlen 
Behaarung einen gelblichen oder weisslichen Schimmer; die nach abwärts ge- 
richtete Behaarung auf der Vorderseite der Hinterschenkel kurz und undeutlich, 
die Mittelschienen ohne Borstchen in der Nähe der Basis und der Metatarsus 
der Hinterbeine beim Männchen an der Basis ohne bemerkbare Auskerbung. 
Hinterleib metallisch schwarzgrün oder dunkelblaugrün , etwas glänzend; die 
Behaarung desselben dunkel, fahl schimmernd; Hypopygium von mittler Grösse, 
die äusseren Anhänge desselben dreieckig und rostgelb, die inneren, fast doppelt 
längeren, blassgelb, an der Basis schwarz. 

Vaterland: In Oesterreich und Ungarn, besonders in Gebirgsgegenden 
auf Steinen, an Felsenwänden und an Mauern vom Mai bis August; Herr 
Prof. Mik fand die Art bei Hammern in Oberösterreich häufig; Herr Scherfling 
in Oberitalien; Schlesien (Scholtz), Mecklenburg (Raddatz), Hamburg (Winthem), 
Schweiz (Zeller) und wahrscheinlich auch Scandinavien (Zetterstedt). 

Anmerkung. Ich habe das in der Winthem'schen Sammlung befind- 
liche typische Exemplar, welches Meigen als Med. murälis und die Type, 
welche Herr Dr. H. Loew als Med. melanopleurus beschrieben hat,' untersucht 
und mich daher von der Identität beider überzeugen können. 

7. Med* glaucellus n. sp. cTQ. Thorace glauco-cinereo , pleuris 
concöloribus, ciliis posticis oculorum dlbis. 
Long. corp. 2— 2'2 mm. 

Stirn und das Gesicht über der Querleiste grau bestäubt, das Gesicht 
unter der Querleiste schwarz und entweder glänzend oder etwas grau schimmernd; 
Fühler und Taster schwarz, Rüssel klein, Cilien am hinteren Augenrande weiss. 
Thorax und das mit vier Borsten versehene Schildchen metallisch blau, in Folge 
der weisslichgrauen Bestäubung auf der Oberseite und an den Brustseiten 
bläulichgrau erscheinend; von den die beiden Borstenreihen bildenden, am 
vorderen Theile des Rückens kurzen, gegen das Schildchen hin allmälig längeren 
Borsten sind nur die je zwei hintersten am auffallendsten; Prothorax mit zwei 
weissen Haarbörstchen. Flügel blassgrau gefärbt, mit schwarzbraunen Adern ; 
dritte Längsader mit dem fast geraden letzten Abschnitte der vierten Längs- 
ader convergirend ; der letzte Abschnitt der fünften Längsader nahezu andert- 
halb Mal so lang, als die hintere Querader. Deckschüppchen und Schwinger 
bräunlichgelb, erstere schwarz gerandet und mit bräunlichen, blassgelb schimmern- 
den Wimpern versehen, letztere mit auf der Oberseite schwärzlichem Knopfe. 
Hüften schwarz, grau schimmernd; die Behaarung der Vorderhüften und die 
B ^stehen an den hinteren Hüften weiss; Beine schwarz, höchstens an den 
hinteren Beinen die Basis der Metatarsen rostbraun; die kurze anliegende 

7* 



52 



Ferdinand Kowarz. 



Behaarung der Beine weisslich, die nach abwärts gerichtete Behaarung auf der 
Vorderseite der Hinterschenkel sehr kurz und undeutlich; Mittelschienen ohne 
Borstchen in der Nähe der Basis; der Metatarsus der Hinterbeine beim 
Männchen an der Basis nicht ausgekerbt. Hinterleib metallisch dunkelblau oder 
dunkelgrün, etwas glänzend, die Behaarung desselben hell schimmernd; Hypo- 
pygium Verhältnis smässig gross, mit rostgelben äusseren und schwarzbraunen 
inneren Analanhängen. 

Vaterland: Herr Prof. Mik entdeckte diese Art in Görz, wo sie schon 
Mitte April vorkommt, sammelte sie aber auch in Krain, Salzburg und Ober- 
österreich während der Monate Mai und Juni; ich fing sie im Kasan bei Orsova 
an Felsenwänden. 

Anmerkung. Med. glaucellus gleicht dem Med. muralis Mg. sehr, 
unterscheidet sich jedoch von diesem durch die reinweissen Cilien am hinteren 
Augenrande, durch die weissen Haarbörstchen am Prothorax und an den hinteren 
Hüften und durch die graue Bestäubung der Brustseiten, im männlichen Ge- 
schlechte durch sein verhältnissmässig grosses Hypopygium. 1 ) 

B) Tibiae intermediae seta subbasali instructae. 

a) Setulae in thoracis dorso lineam mediam includentes distinctae. 
a) Segmentum ultimum nervi longitudinalis quinti longitudinem nervi trans- 
versalis posterioris sesquialteram attingens. 

8. Med. glaucus Lw. 9- Facie superiore einer eo-pöllinosa, inferiore 
aeneo-nigra. 

Long. corp. 2 5 mm. 
Syn. Medeterus glaucus Lw. Beschr. europ. Dipt. I. 301. 179. 1869. Q. 

Stirn und das Gesicht über der Querleiste grau bestäubt, das Gesicht 
unter der Querleiste metallisch schwarz, mässig glänzend ; Cilien am hinteren 
Augenrande weiss oder weiss und nur das dem Mundrande nächststehende 
Borstchen schwärzlich; Fühler und Taster schwarz; Rüssel von mittler Grösse. 
Thorax und das mit vier Borsten versehene Schildchen metallisch blaugrün, 
mit mässig dichter, hellgrauer Bestäubung bedeckt und daher bläulichgrau oder 
grünlichgrau erscheinend ; die beiden Borstenreihen auf der Oberseite des 
Rückens von je fünf Borsten gebildet, von denen die vordersten kurz, die 
übrigen allmälig länger sind; die Behaarung, welche die Mittellinie einschliesst, 
.schütter aber sehr deutlich; Prothorax mit zwei weisslichen oder bräunlichen 
Haarbürsten. Flügel fast glashell, mit schwarzen, an der Flügelbasis bisweilen 
braunen Adern; dritte Längsader mit dem gebogenen letzten Abschnitte der 
vierten Liingsader ziemlich stark convergirend ; der letzte Abschnitt der fünften 

') Nach Vriii. Mik liad Iii Au^en von M. g lauctllu» im Leben unten zu zwei Dritt- 
thtfltl hdiöh DMtalUiefafrftn, iCMlbfi mit grösseren Facetten, am obersten Drittel rothbraun, Hehr 
\i-\n fa',"ttirt; 1,oj M. m u r a l i $ Mg. rlurchauH rlunkelrothhraun, zuweilen nach unton zu mit oliven- 

grtallefcMi BeUaaer, mit nicht auffaltend renohiedener Fa<,ottiruug. 



Die Dipteren-Gattung Medeterus Fischer. 



53 



Längsader etwa anderthalb Mal so lang als die hintere Querader. Deck- 
schüppchen nnd Schwinger blassgelb, erstere schwarz gerandet, mit braunen, 
fahlgelb schimmernden Wimpern. Hüften schwarz, etwas grau schimmernd, die 
Behaarung der vordersten und die Börstchen der hinteren schwarz; Beine 
schwarz, nur die äussersten Kniespitzen gelb; die kurze, anliegende Behaarung 
der Beine bleich, die nach abwärts gerichtete Behaarung auf der Vorderseite 
der Hinterschenkel schwarz und zart, das Börstchen in der Nähe der Basis 
der Mittelschienen vorhanden. Hinterleib dunkel metallisch blaugrün, fahl be- 
haart und ziemlich glänzend. 

Vaterland: Herr Prof. Zeller entdeckte die Art am 5. Juli 1867 in 
Kärnthen. 

Anmerkung. Ich habe die Art nach typischen Exemplaren, welche sich 
in der Sammlung des Herrn Dr. H. Loew befinden, beschrieben; sie gleicht 
im Colorit dem Med. muralis Mg. und noch mehr dem Med. glaucellus m., 
unterscheidet sich aber von diesen beiden genannten Arten hauptsächlich durch 
das Vorhandensein des Borstchens in der Nähe der Basis der Mittelschienen. 

9. Med, tristis Ztt. Q . Facie superiore aeneo-viridi, inferiore nigra 
et nitida, halterum cJava superne fusca. 

Long. corp. 2'5— 2 7 mm. 
Syn. Hydrophorus tristis Ztt. Ins. Lapp. 702. 9. 1840. tfQ. 

— „ „ „ Dipt. Scand. II. 454. 15. 1843. tfQ. 

— Medeterus tristis Lw. Neue Beitr. V. 53. 1857. Q. 

— „ „ Schin. Fauna austr. I. 238. 1862. 

? „ n Damianitsch Verh. d. zool.-bot. Ges. XV. 238. 1865. 

Stirn bräunlichgrau bestäubt, Gesicht metallischgrün, unter der Quer- 
leiste fast schwarz und glänzend; Cilien am hinteren Augenrande, Fühler und 
Taster schwarz; Rüssel von mittler Grösse. Thorax und das mit vier Borsten 
versehene Schüdchen metallisch schwarz, auf dem Rücken nur wenig bräunlich- 
grau, auf dem Eindrucke vor dem Schildchen und an den Brustseiten grau 
bestäubt; die beiden Borstenreihen auf dem vorderen Theile des Rückens von 
mehreren kurzen, auf dem hinteren Theile desselben von je vier allmälig 
längeren Borsten gebildet; die kurze Behaarung, welche die Mittellinie ein- 
schliesst, deutlich ; Prothorax mit zwei bis drei schwarzen, kurzen Haarbörstchen. 
Flügel Mass bräunlich oder grau gefärbt, mit braunen oder schwarzen Adern; 
dritte Längsader mit dem gebogenen letzten Abschnitte der vierten Läugsader 
siark convergirend; der letzte Abschnitt der fünften Längsader anderthalb 
Mal so lang als die hintere Querader; Deckschüppchen gelb, schwarz gerandet. 
mit bräunlichen oder schwärzlichen Wimpern; Schwinger gelblich, mit auf der 
Oberseite schwarzem Knopfe. Hüften schwarz, etwas glänzend; die Behaarung 
der vordersten und die Börstchen der hinteren schwarz; Beine ganz schwarz, 
die äussersten Kniespitzen bisweilen rostbraun; die nach abwärts gerichtete 
Behaarung auf der Vorderseite der Hinterschenkel schwarz und fast borsten- 



54 



Ferdinand Kowarz. 



artig, das Borstchen in der Nähe der Basis der Mittelschienen deutlich; Meta- 
tarsus der Hinterbeine beim Männchen ohne Auskerbung an der Basis. 
Hinterleib metallisch schwarz, mit schwachem blauen oder grünen Schimmer, 
schwarz behaart und mässig glänzend; Hypopygium ziemlich lang und schmal 
mit schwarzen oder braunen Analanhängen, die äusseren derselben — im 
trockenen Zustande — kurz und mit häkchenartigen Borstchen geziert; die 
inneren, mehr als doppelt länger und fadenförmig, sind zangenartig zusammen- 
geneigt. 

Vaterland: Ich sammelte die Art von Mai bis Juli bei Asch, Carlsbad 
und München an Baumstämmen, Herr Dr. H. Loew besitzt sie aus Schlesien und 
Zetterstedt erwähnt ihr Vorkommen noch während des August in Scandi- 
navien. R. Damianitsch erwähnt 1. c. , dass er Med. tristis aus Puppen, 
welche er unter Fichtenrinde gefunden hat, gezogen habe. 

Anmerkung. Ich hatte wohl Gelegenheit ein typisches weibliches Stück 
von Med. tristis Ztt. zu sehen, dasselbe- war aber so schadhaft, dass es sich 
für eine genaue Untersuchung nicht mehr eignete; ich habe daher meiner 
Auffassung die vollständig zutreffende Beschreibung Zetter stedt's zu Grunde 
legen müssen. 

10. Med. apicalis Ztt. 9- Fade aenea, superiore viridi, inferiore 
nigricante, halteribus flavis, magnitudine corporis mediocri. 

Long. corp. 3*2 — 3*5 mm. 
Syn. Hydrophorus apicalis Ztt. Dipt. Scand. II. 452. 12. 1843. Q. 
— Medeterus apicalis Lw. Neue Beitr. V. 53. 1857. 

Stirn grau bestäubt, Gesicht metallisch grün, unter der Querleiste dunkler 
und glänzender als über derselben; Cilien am hinteren Augenrande entweder 
braun und rostgelb schimmernd, oder fahlgelb, Fühler und Taster schwarz, 
Rüssel von mittler Grösse. Thorax und das mit vier Borsten versehene Schild- 
chen dunkel metallischgrün, nur wenig bräunlichgrau bestäubt; die beiden 
Borstenreihen auf dem vorderen Theile des Rückens von mehreren kurzen, auf 
dein hinteren Theile desselben von je drei oder vier allmälig längeren Borsten 
gebildet; die kurze Behaarung, welche die Mittellinie einschliesst, deutlich; 
Profhorai mit zwei bis drei schwarzbraunen oder fahlgelben, kurzen Haar- 
börstchen. Flügel blass bräunlichgrau gefärbt, mit schwarzbraunen, an der Basis 
bisweilen hellbraunen Adern; dritte Längsader mit dem gebogenen letzten 
Abschnitte der vierten Längsader stark convergirend; der letzte Abschnitt der 
(Hüften Längsader anderthalb Mal so lang als die hintere Querader. Deck- 
ichüppchen und Schwinger rostgelb, erstere schwarz gerandet, mit bräunlichen, 
fahlgelb schimmernden Wimpern. Hüften schwarz und schwarz behaart; Beine 
schwarz mit rost gelben Knieen; die Färbung an den Knieen jedoch bisweilen so aus- 
gedehnt, dass die Beine auch rostgelb, mit brauner Schenkelbasis und braunen 
Srhienenspitzen bezeichnet werden können; die kurze anliegende Behaarung der 
BeiM fahl schimmernd; die nach abwärts gerichtete Behaarung auf der Vorder- 



Die Dipteren-Gattung Medtttrus Fischer. 



55 



seite der Hinterschenkel schwarz, das Borstchen in der Nähe der Basis der 
Mittelschienen dentlich. Hinterleib metallisch schwarzgrün, schwarz oder fahl- 
gelb behaart und ziemlich glänzend. 

Vaterland: Vom Juni bis September in Oesterreich, Deutschland, Däne- 
mark und Schweden an Baumstämmen ziemlich selten. 

Anmerkung. Ob Med. apicalis Ztt. — wie ich vermuthe — nur eine 
Varietät von Med. tristis Ztt. sei, kann erst durch das Bekanntwerden des 
Männchens nachgewiesen werden; die Männchen , welche Zett erste dt im 
VIII. und XII. Bande seiner Dipt. Scand. erwähnt, gehören — wie ich mich 
theilweise uberzeugen konnte — nicht zu Med. apicalis, sondern zu Med. 
micaceus Lw.; nach meinen Untersuchungen unterscheidet sich der in der 
Färbung der Beine sehr veränderliche Med. apicalis von tristis durch die 
Körpergrösse, durch die im Allgemeinen hellere Körperfärbung und durch die 
einfarbig gelben Schwinger. — Bei obiger Beschreibung habe ich auch ein 
Staeger'sches aus Kopenhagen stammendes Exemplar von Med. apicalis, 
welches sich in der Sammlung des Herrn Dr. H. Loew befindet, benützt. 

11. Med, pallipes Zett. cf 9- Fade aeneo-viridi, kalter ibus flavis, 
magnitudine corporis parva. 

Long. corp. 2 mm. (Fig. 17). 
Syn. Hydroplwrus jaculus Ztt. Ins. Lapp. 702. 7. 1840. 9- var - D - 

— „ pallipes Ztt. Dipt. Scand. II. 453. 13. 1843. Q . 

— Medeterus muralis Lw. Neue Beitr. V. 55. 1857. 

— „ „ Schin. Fauna austr. L 238. 1862. 

Stirn weisslichgrau bestäubt; Gesicht metallischgrün, unter der Quer- 
leiste dunkler und glänzender als über derselben; Cilien am hinteren Augen- 
rande weisslich; Fühler und Taster schwarz, Rüssel ziemlich klein. Thorax und 
das mit vier Borsten versehene Schildchen metallischgrün oder blaugrün, 
massig dicht gelblichgrau bestäubt und daher graugrün oder graublau er- 
scheinend; die beiden Borstenreihen auf dem vorderen Theile des Rückens von 
einigen kurzen, auf dem hinteren Theile von je vier allmälig längeren Borsten 
gebildet; die kurze Behaarung, welche die Mittellinie einschliesst, noch ziem- 
lich deutlich; Prothorax mit zwei kurzen, fahlgelben Haarbörstchen. Flügel 
blass gelblichgrau gefärbt, mit braunen, an der Flügelbasis meist gelben Adern ; 
die dritte Längsader mit dem gebogenen letzten Abschnitte der vierten Längs- 
ader stark convergirend; der letzte Abschnitt der fünften Längsader reichlich 
anderthalb Mal so lang als die hintere Querader. Schwinger und die blassgelb 
gewimperten und bisweilen braun gerandeten Deckschüppchen gelblich. Hüften 
glänzend schwarz, die Behaarung der vordersten und die Borstchen der hinteren 
fahlgelb; Schenkel schwarz, an der Spitze sowie die Schienen und die ersten 
vier Tarsenglieder gelb, die äusserste Spitze der Schienen und das letzte 
Tarsenglied schwarzbraun; bisweilen sind aueb die Schienen und Tar?en in 
grösserer oder geringerer Ausdehnung braun oder schwarz; die kurze anliegende 



56 



Ferdinand Kowarz. 



Behaarung der Beine und die nach abwärts gerichtete fast borstenartige Be- 
haarung auf der Vorderseite der Hinterschenkel fahlgelb ; das Borstchen in der 
Nähe der Basis der Mittelschienen deutlich; der Metatarsus der Hinterbeine 
beim Männchen ohne Auskerbung. Hinterleib metallischgrün, oder blaugrün, 
seltener schwarzgrün und trotz der meistens fahlgelben Behaarung ziemlich 
lebhaft glänzend; Hypopygium lang und schmal mit rostgelben oder braunen 
Analanhängen. 

Vaterland: In Oesterreich, Ungarn, Deutschland, Dänemark und 
Schweden vom Mai bis September an Baumstämmen, seltener an Steinen; ich 
zog die Art Ende Juni 1867 aus Fichtenrinde, welche mir Herr Förster Czech 
in Moskau gefälligst zugeschickt hatte. 

Anmerkung. Med. pallipes ist an der geringen Grösse, an dem meist 
ziemlich lebhaft metallisch grün glänzenden und fahlgelb behaarten Hinterleib, 
der gewöhnlich durch Eintrocknen auffallend kurz und breit erscheint, an dem 
Flügelgeäder und an der fast borstenartigen Behaarung auf der Vorderseite der 
Hinterschenkel trotz der Veränderlichkeit in der Färbung der Beine gut zu 
erkennen. — Die Z etter st edt'sche Beschreibung gibt für die richtige Deutung 
obiger Art wohl zu keinem Zweifel Veranlassung. Das von Herrn Dr. H. L o e w 
1. c. ausgesprochene Bedenken gegen die Synonymie seines muralis Mg. mit 
pallipes Ztt. beruht auf einem Merkmale, welches Zetterstedt nicht von 
pallipes — wie Herr Dr. H. Loew irrthümlich voraussetzt — sondern von 
albipes Ztt. angibt. Erwähnt sei noch, dass sich diese Art auch in der Wie de- 
in an n'schen Sammlung mit der Bezeichnung „dendrophilus mihi"' ohne Vater- 
landsangabe befindet. 

ß) Segmentum ultimum nervi longitudinalis quinti longitudinem nervi trans- 
versalis posterioris sesquialteram non attingens. 
12. Med. obesus n. sp. 9- Facie einer eo-pollinosa. 
Long. corp. 4 mm. 

Stirn und das ganze Gesicht weisslichgrau bestäubt, Cilien am hinteren 
Augenrande weiss, Fühler und die lebhaft glänzenden Taster schwarz; Rüssel 
ziemlich gross. Die Bestäubung des Thorax und des mit vier Borsten versehenen 
Schildchens grau, auf der Mitte des Rückens jedoch und neben den beiden 
gewöhnlichen Borstenreihen braun; die Härchen, welche die Mittellinie ein- 
schliessen, deutlich ; die beiden gewöhnlichen Borstenreihen auf dem vorderen 
Theile des Rückens von mehreren kurzen, auf dem hinteren Theile desselben 
von je vier ziemlich langen Borsten gebildet; der vordere Theil des Rückens 
ist auch neben den beiden Borstenreihen deutlich und verhältnissmässig dicht 
mit kurzen borstenartigen Härchen besetzt; Prothorax mit vier bräunlichen, 
weiss schimmernden Haarborsten. Flügel blassgrau, gegen die Flügelspitze 
hin längs den schwarzbraunen Adern etwas dunkler gefärbt; die dritte Längs- 
ader mit dem gebogenen letzten Abschnitte der vierten Längsader stark conver- 
girend; der letzte Abschnitt der fünften Längsader etwas kürzer als die hintere 
Querader. Der:kschüppchen und Schwingel blassgelb, erstere schwarz gerandet 



Die Diptereu-Gattuug Medeterus Fischer. 



57 



und fahlgelb gewimpert; der Knopf der letzteren auf der Oberseite mit einem 
bräunlichen Fleckchen. Hüften schwarz, grau bestäubt und weiss behaart; Beine 
schwarz; die nach abwärts gerichtete weisse Behaarung auf der Vorderseite der 
hinteren Schenkel deutlich, an den Mittelschenkeln besonders auffallend; das 
Borstchen in der Nähe der Basis der Mittelschienen vorhanden. Hinterleib 
metallisch schwarzgrün, schwarz behaart und ziemlich glänzend, am Vorder- 
rande der Ringe breit grau schimmernd. 

Vaterland: Ich fing ein einziges Weibchen dieser Art im Juni 1873 
bei Bozen auf Steinen. 

Anmerkung. Med. obesus hat ganz den Habitus wie Med. obscurus Ztt., 
unterscheidet sich jedoch von diesem durch die weisslich graue Bestäubung des 
ganzen Gesichtes. 

13. Med. nitidus Macq. cT Q. Facie et abdomine aeneo-viridibus 
et nitidis. 

Long. corp. 3*5—4 mm. 

Syn. Hydrophorus nitidus Macq. Suit. ä BufF. I. 446. 4. 1834. 9- 
— Medeterus nitidus Mg. Syst. Beschr. VII. 156. 28. 1838. Q. 

Stirn grau bestäubt, Gesicht metallischgrün oder blaugrün, unter der 
Querleiste dunkler und glänzender als über derselben; Cilien am hinteren 
Augenrande weisslich; Fühler schwarz, das erste Glied derselben rothgelb; 
Taster schwarz, Rüssel ziemlich gross. Thorax und das mit vier Borsten ver- 
sehene Schildchen dunkel metallischgrün, massig grau bestäubt und daher 
etwas glänzend; die kurze Behaarung, welche die Mittellinie des Thoraxrückens 
einschliesst, deutlich; die beiden Borstenreihen auf dem vorderen Theile des 
Rückens von zahlreichen kurzen, auf dem hinteren Theile desselben von je 
fünf bis sechs allmälig längeren Borsten gebildet; der vordere Theil des Rückens 
ist überdiess ziemlich dicht mit kurzer steifer Behaarung bekleidet; Prothorax 
mit vier bis fünf schwarzen Haarborsten. Flügel blass gelbbräunlich gefärbt, 
mit braunen, an der Flügelbasis gelben Adern; die dritte Längsader mit dem 
gebogenen letzten Abschnitte der vierten Längsader stark convergirend ; der 
letzte Abschnitt der fünften Längsader und die hintere Querader fast gleich 
lang. Deckschüppchen und Schwinger gelb, crstere schmal braun gesäumt und 
gelb gewimpert. Hüften schwarz, grau bestäubt, die Behaarung der vordersten 
und die Börstchen der hinteren dunkel, fahlgelb schimmernd; Beine schwarz, 
höchstens die Kniegelenke rostgelb; die Behaarung auf der Vorderseite der 
hinteren Schenkel, so wie die auf der Hinterseite der Vorderschenkel zart, aber 
verhältnissmässig lang und schwarz; die Borste .in der Nähe der Basis der 
Mittelschienen deutlich; die äusserste Basis des Metatarsus der Hinterbeine 
beim Männchen verdünnt. Hinterleib kurz, metallischgrün oder blaugrün, lebhaft 
glänzend und schwarz behaart, der erste und zweite Hinterleibsring etwas grau 
schimmernd; Hypopygium ziemlich klein, mit rostgelben Analanhängen. 

Z. B. Gea. B. XXVII. Abb. 8 



Ferdinand Kowa r z. 



Vaterland: Herr Prof. J. Mik erhielt die Art aus Aachen; auch be- 
findet sich ein Pärchen derselben in der Sammlung des k. k Hofmuseums zu 
Wien; Frankreich (Macquart). 

Anmerkung. Med. nitidus ist ebenfalls mit Med. öbscurus Ztt. ver- 
wandt und diesem sehr ähnlich; nitidus hat jedoch besonders am Hinterleibe 
ein viel lebhafteres Colorit. — Macquart's Originalbeschreibung von Med. 
nitidus lautet: „Long. 2 lin. — D'un vert fonce, brillant. Les deux premiers 
articles des antennes testaces. Partie posterieure du thorax ä sillon dorsal et 
duvet gris. Pieds noires. Ailes ä bord exterieur des nervures d'un jaune pale"; 
Meigen übersetzt 1. c. die Ausdrücke „sillon dorsal" mit „Längsfurche" und 
„duvet gris" mit „graue Flaumhaare"; ich glaube aber, Macquart habe unter 
sillon den Eindruck vor dem Schild chen und unter duvet die Bestäubung dieses 
Eindruckes gemeint; das Wort duvet wendet Macquart in dem interpretirten 
Sinne z. B. auch bei Diaphorus Hoffmannseggii und Psilopus platypterus an. 

14. Med, signaticomis Lw. Q. Facie obscure aenea et nitida, 
hälterum clava et abdomine nigris. 

Long. corp. 3 mm. 
Syn. Medeterus signaticomis Lw. Neue Beitr. V. 51. 1857. 

Stirn ein wenig grau bestäubt und daher etwas glänzend, Gesicht dunkel 
metallischgrün, unter der Querleiste fast schwarz; das erste oder das erste und 
zweite Fühlerglied rothgelb, das dritte schwarz und verhältnissmässig klein; 
Taster schwarz, Rüssel ziemlich gross ; Cilien am hinteren Augenrand, fahlgelb, 
braun oder schwarz. Thorax und das mit vier Borsten versehene Schildchen 
metallisch schwarz, etwas bräunlichgrau bestäubt; die Behaarung, welche die 
Mittellinie des Thoraxrückens einschliesst, deutlich; die beiden Borstenreihen 
auf dem vorderen Theile des Rückens von einigen kurzen, auf dem hinteren 
Theile desselben von je vier oder fünf allmälig längeren Borsten gebildet; 
Prothorax mit drei bis vier schwarzen Haarborsteu, von denen bisweilen eine 
fahlgelb ist. Flügel blassgrau gefärbt, mit schwarzbraunen Adern; die dritte 
Längsader mit dem gebogenen letzten Abschnitte der vierten Längsader con- 
vergirend; der letzte Abschnitt der fünften Längsader fast so lang als die 
hintere Querader. Deckschüppchen schmutzig fahlgelb, schwarz gerandet, mit 
braunen, fahlgelb schimmernden Wimpern; Schwinger schwarz, höchstens die 
Unterseite des Knopfes und der Stiel schmutzig fahlgelb. Hüften und Beine 
schwarz und schwarz behaart, die Hüften kaum etwas bräunlich bereift und 
daher ziemlich glänzend; die nach abwärts gerichtete Behaarung auf der Vorder- 
seite der hinteren Schenkel und das Borstchen in der Nähe der Basis der 
Mittelschienen zart, aber deutlich vorhanden. Hinterleib verhältnissmässig kurz, 
in beiden Geschlechtern rnetallischschwarz , schwarz behaart und glänzend; 
Hjpopjgiaa kaum von mittler Grösse mit schwarzen Analanhängen. 

Vaterland: Herr Dr. EL Loew entdeckte die Art bei Meseritz, ich ling 
sie bei Asch im Juni an Baumstämmen; Herr Dr. Kriechbaumer zog die 



Die Dipteren-Gattung Medeterus Fischer. 



59 



Art aus Larven, welche mit den Larven des Borkenkäfers im bairischen Walde 
unter Fichtenrinde gefunden wurden. 

Anmerkung. Med. signaticornis erinnert, obwohl weniger robust, an 
dunkel gefärbte Exemplare von Med. obscurus Ztt., unterscheidet sich aber von 
diesem durch die Form der Fühler, durch die Farbe der Schwinger, durch die 
schwarzen und mehr glänzenden Hüften, durch den in beiden Geschlechtern 
glänzend schwarzen Hinterleib und im männlichen Geschlechte durch das 
kleinere Hypopygium. 

15. Med, dichrocerus n. sp. cT9- Facie obscure aenea, halteribus 
pallidis, coxis et dbdomine nigris et nitidis. 

(j\ Antennarum articulo tertio in apice emarginato. 
Long. corp. 4 mm. (Fig. 12, 13). 

Stirn etwas bräunlichgrau bestäubt, Gesicht dunkel metallischgrün, 
glänzend, unter der Querleiste fast schwarz; Cilien am hinteren Augenrande 
entweder schwarz oder braun und fahl schimmernd; Taster schwarz; das erste 
Fühlerglied rothgelb, das zweite und dritte schwarz, letzteres beim Männchen 
fast eiförmig mit einer kleinen Auskerbung am Ende, in welcher die Fühler- 
borste steht; Rüssel ziemlich gross. Thorax und das mit vier Borsten versehene 
Schildchen metallisch schwarz, nur wenig bräunlichgrau bestäubt; die beiden 
gewöhnlichen Borstenreihen auf dem vorderen Theile des Rückens von zahl- 
reichen kurzen, auf dem hinteren Theile von je vier oder fünf allmälig längeren 
Borsten gebildet; die Behaarung, welche die Mittellinie einschliesst, deutlich; 
Prothorax mit vier schwarzen Haarborsten. Flügel fast glashell, mit schwarz- 
braunen an der Flügelbasis rostgelben Adern; dritte Längsader mit dem ge- 
bogenen letzten Abschnitte der vierten Längsader stark convergirend; der letzte 
Abschnitt der fünften Längsader fast ebenso lang als die hintere Querader. 
Deckschüppchen schmutzig gelb, schwarzbraun gerandet, mit bräunlichen, gelb- 
lich schimmernden Wimpern; Schwinger weisslich oder gelblich. . Hüften und 
Beine schwarz und schwarz behaart, erstere ziemlich glänzend und nur sehr 
wenig bräunlich schimmernd; die Behaarung auf der Vorderseite der Hinter- 
schenkel kurz und undeutlich; das Borstchen in der Nähe der Basis der Mittel- 
schienen verhältnissmässig zart; das Männchen hat auch auf der Mitte der 
Mittelschienen ein eben solches Borstchen. Hinterleib in beiden Geschlechtern 
metallisch schwarz, schwarz behaart und glänzend; Hypopygium von nur mittler 
Grösse, dessen Basaltheil und der letzte Hinterleibsring auf der Bauchseite mit 
ziemlich auffallender wimperartiger Behaarung geziert; die inneren Analanhänge 
rostbraun, die äusseren schwarz. 

Vaterland: Ich habe diese hübsche Art bisher nur in Asch im Mai 
und Juni an Baumstämmen jedoch stets selten angetroffen. 

Anmerkung. Med. dichrocerus sieht dem Med. signaticornis Lw. sehr 
ähnlich, von dem er sich durch die geringere Bestäubung des ^Thorax, durch 
die weisslichen Schwinger und durch die kurze Behaarung auf der Vorderseite 

8* 



60 



Ferdinand Kowarx. 



der Hinterschenkel unterscheidet, ist aber besonders im männlichen Geschlechte 
durch die Form der Fühler, durch die Börstchen an den Mittelschienen und durch 
die Behaarung am Basaltheile des Hypopygiums ganz besonders ausgezeichnet. 

16. Med. obscurus Ztt. 9 • Facie aeneo-viridi, halteribus pallidis, 
coxis einer eo-pollinosis. 

cT- Aldomine nigro et nitido, hypopygio crasso. 

Q. „ praesertim in lateribus et in ventre cinerascente. 

Long. corp. 3 2— 4 5 mm. (Fig. 22, 23). 
Syn. Hydrophorus obscurus Ztt. Ins. Lapp. 701. 6. 1840. 9- 

— „ „ „ Dipt. Scand. II. 449. 8. 1843. c?9- 

— Medeterus robustus 1 ) Lw. Neue Beitr. V. 51. 1857. 

— „ obscurus Schin. Fauna austr. I. 237. 1862. 

Stirn grau bestäubt, Gesicht metallisch grün, unter der oft grau 
schimmernden Querleiste glänzender als über derselben; Cilien am hinteren 
Augenrande entweder weisslich, oder weisslich und nur das dem Mundrande 
nächststehende Börstchen schwarz, oder alle Cilien braun oder schwarz; Fühler 
entweder ganz schwarz, oder das erste Glied derselben ganz oder theilweise 
rothgelb; Taster schwarz, Rüssel gross. 2 ) Thorax und das mit vier Borsten ver- 
sehene Schildchen metallisch schwarz, mässig grau oder braun bestäubt; ist 
die Bestäubung des Rückens grau, so erscheinen auf der Mitte und neben den 
beiden gewöhnlichen Borstenreihen desselben oft braune Striemen; die beiden 
Borstenreihen auf dem vorderen Theile des Rückens von zahlreichen kurzen, 
auf dem hinteren Theile desselben von je fünf bis sechs allmälig längeren 
Borsten gebildet; die Behaarung, welche die Mittellinie einschliesst, sehr deut- 
lich; der vordere Theil des Rückens überdiess verhältnissmässig dicht mit 
kurzen Börstchen besetzt; Prothorax mit vier bis fünf schwarzen Haarborsten. 
Flügel glashell oder blassbräunlich gefärbt, mit schwarzen, an der Flügelbasis 
manchmal gelbbraunen Adern ; die dritte Längsader mit dem gebogenen letzten 
Abschnitte der vierten Längsader stark convergirend; der letzte Abschnitt der 
fünften Längsader etwas kürzer als die auswärts gebogene hintere Querader. 
Deckschüppchen und Schwinger gelblich, erstere braun gelandet und fahlgelb 
gewimpert. Hüften schwarz, jedoch mit einer ziemlich dichten, grauen oder 
bräunlichgrauen Bestäubung bedeckt und schwarz behaart; Beine schwarz, die 
Kniegelenke manchmal rostgelb; die nach abwärts gerichtete Behaarung auf 
der Vorderseite der hinteren Schenkel zart, aber verhältnissmässig lang und 
schwarz; die Borste in der Nähe der Basis der Mittelschienen deutlich; die 
Hinterschienen auf der Oberseite gegen die Spitze hin gewimpert. Hinterleib 
des Männchens metallisch schwarz, glänzend und schwarz behaart, der des 
Weibchens besonders an den Seiten und am Bauche grau; Hypopygium gross 



') Hchrnibffihlfir für obueunm Ztt. 

■) Kh M» ; i hier z o tt«r h te<i t'H Bttntrktrag über die Augtn ingeführt : „oouli in vivo aoiies- 

<y:rit<;H, macula in cantho nur>eriori violacea". 



Die Dipteren-Gattung Medeterus Fischer. 



61 



und dick, mit rostgelben oder braunen Analanhängen ; der Basaltheil des Hypo- 
pygiams und der letzte Hinterleibsring auf der Bauchseite schwarz behaart. 

Vaterland: Herr Dr. H. Loew hat die Art im Tatragebirge ange- 
troffen; ich fing sie bei Asch; in Deutschland ist sie. weit verbreitet und im 
ersten Frühjahre an Klafterholz und an Baumstämmen oft sehr zahlreich zu 
finden; in Scandinavien im August (Zetterstedt). 

17. Med. pinicola n. sp. cT Q. Facie aeneo-viridi, halteribus palli- 
dis, coxis einer eo-poUinosis, abdomine et in ventre obseure aeneo, nitido. 
cT« Hypopygio minusculo. 
Long. corp. 3 mm. 

Stirn grau bestäubt, das Gesicht metallisch grün, unter der grau 
schimmernden Querleiste dunkler und glänzender als über derselben; Cilien 
am hinteren Augenrande fahlgelb oder weisslich; das erste Fühlerglied ganz 
oder theilweise rothgelb, das dritte Glied und die Taster schwarz; Rüssel von 
mittler Grösse. Thorax und das mit vier Borsten versehene Schildchen dunkel 
metallisch grün, etwas grau bestäubt; die beiden Borstenreihen auf dem vorderen 
Theile des Rückens von mehreren kurzen, auf dem hinteren Theile von je fünf 
allmälig längeren Borsten gebildet; die Behaarung, welche die Mittellinie ein- 
schliesst, deutlich; Prothorax mit vier fahlgelben oder braunen Haarborsten. 
Flügel glashell, mit schwarzbraunen, an der Flügelbasis bisweilen braunen oder 
lehmgelben Adern; die dritte Längsader mit dem gebogenen letzten Abschnitte 
der vierten Längsader stark convergirend ; der letzte Abschnitt der fünften 
Längsader etwas länger als die hintere auswärts gebogene Querader. Deck- 
schüppchen und Schwinger gelblich, erstere braun gerandet, mit bräunlichen, 
fahlgelb schimmernden Wimpern. Hüften schwarz, grau bestäubt; die Behaarung 
der vordersten und die Börstchen der hinteren fahlgelb oder schwarz; Beine 
schwarz, die äussersten Kniespitzen rostgelb ; auch die vier ersten Tarsenglieder 
der Mittelbeine mit Ausnahme ihrer schwarzen Spitzen bisweilen dunkel rost- 
gelb; die kurze anliegende Behaarung der Beine fahlgelb, die nach abwärts 
gerichtete Behaarung auf der Vorderseite der hinteren Schenkel weisslich und zart, 
aber noch deutlich ; das Börstchen in der Nähe der Basis der Mittelschienen vor- 
handen; die Hinterschienen auf der Oberseite gegen die Spitze hin gewimpert. 
Hinterleib dunkel metallisch grün und glänzend, beim Weibchen an den Seiten 
etwas grau schimmernd, am Bauche wie auf der Oberseite gefärbt; Hypopy- 
giam ziemlich klein und schmal, am Basaltheile desselben und auf der Bauch- 
seite des letzten Hinterleibsringes einige ziemlich lange lockenartige Wimper- 
haare; Analanhänge rostbraun. 

Vaterland: Herr von Bergenstamm erbeutete die Art im Juni 1866 in 
der Ramsau bei Hainfeld V. 0. W. W.; Herr Senator von Heyden in Frankfurt 
am Main erzog sie im Mai angeblich aus faulem Holze; ich selbst erzog die 
Art Mitte Juni aus Fichtenrinde, welche mir Herr Ritter von Poschinger in 
Frauenau aus dem bairischen Walde gefälligst zugesendet hatte. 



62 



Ferdinand Kowarz. 



Anmerkung. Med. pinicola gehört auch zu den Verwandten des Med. 
dbscurus Ztt. ; das Männchen unterscheidet sich von diesem leicht durch das 
viel kleinere Hypopygium; beim Weibchen, das mit kleinen Exemplaren von 
dbscurus verwechselt werden könnte, achte man auf die minder dichte Be- 
stäubung der Hüften und auf die Farbe des Hinterleibes, der auf der Bauch- 
seite ebenso wie auf der Oberseite dunkel metallisch grün und glänzend ist 
und nur an den Seiten sehr wenig grau schimmert; beide Geschlechter zeichnen 
sich auch noch dadurch aus, dass die Entfernung der hinteren Querader vom 
Flügelrande eine verhältnissmässig grössere ist, als bei den ihnen nächst ver- 
wandten Arten. Von dunkelbeinigen Varietäten des Med. apicalis Ztt., dessen 
Verhältniss zwischen der hinteren Querader und dem letzten Abschnitte der 
fünften Längs ^ex pinicola nicht erreicht, unterscheidet sich dieser ausser durch 
andere Merkmale im Flügelgeäder, in der Behaarung des Thorax und der Beine 
durch die Farbe der Fühler. 

b) Setulae in thoracis dorso lineam mediam includentes indistinctae. 

18. Med. diadema L. Q. Facie aeneo-viridi et nitidissima, pedibus 
sordide flavis, femoribus plerumque piceis. 

Long corp. 42 — 4 5 mm. (Fig. 14—16). 
Syn. Musca diadema L. Syst. nat. XII. 982. 19. 1767. 

— „ rostrata F. Spec. ins. II. 448. 68. 1781. 

— Medetera Carnivora Fischer Progr. Moscou. 1819, p. 11. 

— Hydrophorus rostratus Fll. Dol. 4. 6. 1823. c?9- 

— Medeterus rostratus Mg. Syst. Beschr. IV. 61. 3. 1824. cum. syn. 

— Hydrophorus aeneivittatus Macq. Dipt. du Nord de Fr. 38. 2. 1827. tfQ. 

— Medeterus rostratus Macq. Dipt. du Nord de Fr. 42. 2. 1827. tf. 

— Medetera Carnivora Fisch. Wldh. Orvctogr. d. Gouv. Moscou pl. d'hist. nat. 

T. XV, f. 1. (Geäder und Genitalien falsch) 1830. 

— Medeterus aeneivittatus Mg. Syst. Beschr. VII. 156. 27. 1838. tfQ. 

— Hydrophorus rostratus Ztt. Dipt. Scand. IL 449. 9. 1843. 9. var. a. u. b. 

— Medeterus diadema Walk. Ins. Br. Dipt. I. 219. 1. 1851. 

Lw. Neue Beitr. V. 54. 1857. 

Schin. Fauna austr. I. 237. 1862. 
Gesicht lebhaft metallisch grün oder blaugrün, glänzend, nur an der 
Querleiste und die Stirn grau bestäubt; Cilien am hinteren Augenrande weiss- 
lich, verhältnissmässig lang und dicht; Rüssel sehr gross, Fühler und Taster 
schwarz. Thorax und das mit vier Borsten versehene Schildchen erzgrün oder 
metallisch blaugrün, wenig grau bestäubt; Thoraxrücken auf der äusserst kurz 
behaarten Mittellinie und neben den beiden gewöhnlichen Borstenreihen striemen- 
artig broncebraun; die beiden Borstenreihen des Rückens von je zwei kürzeren 
und je zwei längeren Borsten gebildet, das vorderste der kürzeren Börstchen 
bisweilen undeutlich; Prothorax mit drei bis fünf weisslichen Haarborsten- 
Flügel glashell, mit schwärzlichen, an der Flügellasis lehmgelben Adern; die 



Die Dipteren-Gattung Medet&rus Fischer. 



63 



dritte Längsader mit dem geraden oder fast geraden letzten Abschnitte der vierten 
Längsader convergirend; der letzte Abschnitt der fünften Längsader halb so 
lang als die hintere Querader. Deckschüppchen fahlgelb, weisslich gewimpert; 
Schwinger gelb. Vorderhüften gelbbraun oder wie die hinteren Hüften schwarz- 
braun, grau schimmernd; die kurze Behaarung der vordersten und die Borsten 
an den hinteren Hüften weisslich; Beine meistens vorherrschend lehmgelb 
gefärbt, die Vorderschenkel entweder allein, oder die Vorder- und Hinterschenkel, 
oder alle Schenkel von der Basis her bis in die Nähe der Mitte oder über die 
Mitte hinaus verwaschen braun oder schwarzbraun ; ebenso die äusserste Spitze 
der Schienen und der vier ersten Tarsenglieder gefärbt, das letzte Tarsenglied 
ganz schwarz; bei dunkelbeinigen Stücken sind auch die Schienen an der Spitze 
und die vier ersten Tarsenglieder in ausgedehnter Weise verwaschen braun; 
die nach abwärts gerichtete Behaarung auf der Vorderseite der Hinterschenkel 
kurz und undeutlich, dagegen die aufgerichtete, wimperartige, fahlgelbe Be- 
haarung in der Nähe der Basis dieser Schenkel auffallend; das Borstchen in 
der Nähe der Basis der Mittelschienen vorhanden; der Metatarsus der Hinter- 
beine beim Männchen an der Basis ausgekerbt. Hinterleib erzgrün oder metallisch 
blaugrün, fahlgelb behaart und nur massig glänzend; Hypopygium ziemlich 
gross, mit rostgelben Analanhängen. 

Vaterland: Med. diadema ist über ganz Europa verbreitet und kommt 
auch in Kleinasien vor; je nach der klimatischen Beschaffenheit der Gegend 
findet er sich vom Juni bis September an Mauern, Planken und Baumstämmen 
stellenweise sehr häufig. 

Anmerkung. Die Einführung des Linne'schen Namens diadema für 
rostratus F. beruht auf der Untersuchung des typischen Exemplares der 
Linne'schen Sammlung durch Haliday (Stett. entom. Zeitschr. XII. 138. 1851); 
die Beschreibung, welche Macquart 1. c. von Med. rostratus gibt, ist ledig- 
lich eine Uebersetzung der Meigen'schen (Lw. 1. c). 

19. Med. flavipes Mg. cf 9- Fade albo-pollinosa, palpis nigris, pedi- 
bus flavis. 

Long. corp. 3 — 4 mm. 
Syn. Medeterus flavipes Mg. Syst. Beschr. IV. 61. 4. 1824. <j\ 
— „ „ Lw. Neue Beitr. V. 54. 1857. 

Stirn und das im Grunde metallisch grüne Gesicht weisslichgrau bestäubt, 
Cilien am hinteren Augenrande weisslich; Fühler und Taster schwarz, Rüssel 
gross. Thorax und das mit vier Borsten versehene Schildchen erzgrün, etwas 
grau bestäubt, neben den beiden Borstenreihen des Rückens und bisweilen auch 
auf der Mittellinie desselben striemenartig broncebraun; die beiden Borsten- 
reihen von je vier ziemlich gleichartig langen Borsten gebildet; die Behaarung, 
welche die Mittellinie einschliesst, äusserst kurz ; Prothorax mit vier weisslichen 
Haarborsten. Flügel fast glashell oder blass gelblichgrau gefärbt, mit schwarz- 
braunen, an der Flügelbasis gelben Adern; die dritte Längsader mit dem fast 
geraden letzten Abschnitte der vierten Längsader wenig convergirend, der 



64 



Ferdinand Kowarz. 



letzte Abschnitt der fünften Längsader etwa halb so lang als die hintere Quer- 
ader. Das fahlgelb gewimperte Deckschüppehen und die Schwinger blassgelb. 
Vorderhüften und alle Beine gelb, nur die äusserste Spitze der Schienen und 
der vier ersten Tarsenglieder braun, die hinteren Hüften und das letzte Tarsen- 
glied aller Beine schwarz; die Behaarung der Hüften und Beine weisslich; die 
nach abwärts gerichtete Behaarung auf der Vorderseite der Hinterschenkel und 
die aufgerichteten Wimpern in der Nähe der Basis derselben Schenkel deutlich; 
das Borstchen in der Nähe der Basis der Mittelschienen vorhanden; der Meta- 
tarsus der Hinterbeine beim Männchen an der Basis ein wenig ausgekerbt. 
Hinterleib metallisch grün, weisslich behaart und wenig glänzend; Hypopygium 
gross, mit braunen äusseren und gelben inneren Analanhängen. 

Vaterland: Die Art scheint nur im südlichen Europa und in Klein- 
asien einheimisch zu sein; Herr Dr. H. L oew fing sie bei Constantinopel, Herr 
von Röder besitzt sie aus Barcelona und die Exemplare in der Winthem'schen 
Sammlung stammen aus Lyon; nach Roser käme sie auch in Würtemberg vor. 

Anmerkung. Med. flavipes Mg. ist von Med. jaculus Fll. nur durch 
die Farbe der Beine verschieden; ich vermuthe, dass jener nur eine Varietät 
von jaculus sein dürfte. 

20. Med. lamprostomus Lw. 9 • Facie albo-pollinosa, palpis aeneo- 
viridibus, pedibus flavis femoribus in basi nigris. 

Long. corp. 3*2 mm. 
Syn. Medeterus lamprostomus Lw. Beschr. europ. Dipt. II. 303. 165. 1871. Q. 

Stirn und das ganze Gesicht dicht weisslich bestäubt, Cilien am hinteren 
Augenrande weisslich; Fühler schwarz, Taster metallisch grün, lebhaft glänzend, 
am Rande weisslich behaart; Rüssel ziemlich gross. Thorax und das mit vier 
Börstchen versehene Schildchen mit weisslich grauer Bestäubung ziemlich dicht 
bedeckt, auf dem Rücken grünlichgrau, an den Brustseiten weisslichgrau er- 
scheinend, neben den beiden von je vier gleichartig langen Borsten gebildeten 
Borstenreihen striemenartig bräunlich; die Behaarung, welche die Mittellinie 
des Thoraxrückens einschliesst, sehr undeutlich; Prothorax mit drei oder vier 
weisslichen Haarborsten. Flügel glashell, mit braunen, an der Flügelbasis gelb- 
lichen Adern; die dritte Längsader mit dem nur wenig gebogenen letzten Ab- 
schnitte der vierten Längsader convergirend ; der letzte Abschnitt der fünften 
Längsader entschieden kürzer als die hintere Querader. Deckschüppehen und 
Schwinger blassgelb, erstere weisslich gewimpert. Alle Hüften schwarz, weisslich 
liehaart und grau schimmernd; Beine gelb, die Schenkel von der Basis her bis 
nahe zur Mitte hin schwarz, die äusserste Spitze der Schienen und der vier 
ersten Tarsenglieder braun, das letzte Tarsenglied aller Beine ganz schwarz; 
die kurze anliegende Behaarung der Beine und die aufgerichteten Wimpern in 
der Nähe der Basis der Hinterschenkel fahlgelb, die nach abwärts gerichtete 
IMiaarung auf der Vorderseite der Hinterschenkel undeutlich; das Borstchen 
in der Nähe der Basis der Mittelschicncn vorhanden; Metatarsus der Hinter- 
beine beim Männchen an $61 Basis ausgekerbt. Hinterleib metallisch grün, in 



Die Dipteren-Gattung Mthterus Fischer. 



65 



Folge seiner weisslichen Behaarung von der Farbe des Thorax wenig verschieden 
nnd kaum etwas glänzend; Hypopygium ziemlich gross, Analanhänge rostgelb, 
an der Spitze geschwärzt. 

Vaterland: Fedtschenko entdeckte die Art im Sarawschan-Thale. 

Anmerkung. Ich habe bei obiger Beschreibung die in der Sammlung 
des Herrn Dr. H. Loew befindliche Type benutzt. 

21. Med, ambiguus Ztt. <J Q. Froiüe et facie aeneis *t nitidis, coxis 
anticis argenteo-micantibus, pedibus nigris. 

Long. corp. 3'2 — 3 7 mm. 
Syn. Hydrophons ambiguus Ztt. Dipt. Scand. II. 456. 18. 1843. <j\ 

— Medeterus ambiguus Lw. Neue Beitr. V. 51. 1857. 

— „ r Schin. Fauna austr. L 237. 1862. 

Stirn und das ganze Gesicht metallisch blaugrün, glänzend, unter der 
Querleiste dunkler oder mit violettem Schimmer: Augen im Leben blaugrün, 
mit purpurnem Querbande: Cilien am hinteren Augenrande weiss: Taster und 
die beim Männchen etwas schlanken Fühler schwarz; Rüssel gross. Thorax 
und das mit vier Borsten versehene Schildchen metallisch schwarz, bisweilen 
mit grünlichem Schimmer, auf der Oberseite sehr wenig bestäubt und daher 
ziemlich glänzend; Brustseiten blaugrün, weissgrau schimmernd: die beiden 
Borstenreihen des Thoraxrücken vorn von einigen sehr kurzen, hinten von je 
vier allmälig längeren Borsten gebildet: die Behaarung, welche die Mittellinie ein- 
schliesst, kurz und meist undeutlich; Prothorax mit drei bis vier weisslichen 
Haarborsten. Flügel fast glashell oder bräunlichgrau gefärbt, mit schwarzen, 
an der Flügelbasis bräunlichen Adern; dritte Längsader mit dem geraden oder 
nur wenig gebogenen letzten Abschnitt der vierten Längsader convergirend: 
der letzte Abschnitt der fünften Längsader so lang als die hintere Querader. 
Deckschüppchen schmutzig gelb, schwarz gerandet, mit bräunlichen, gelb 
schimmernden Wimpern; Schwinger bräunlich, mit auf der Oberseite schwärz- 
lichem Knopfe. Hüften und Beine schwarz, die Vorderhüften auf der Vorder- 
seite auffallend silberweiss schimmernd; die Börstchen der hinteren Hüften 
weiss; die Behaarung auf der Vorderseite der Hinterschenkel kurz und un- 
deutlich, dagegen die aufgerichtete wimperartige Behaarung in der Nähe der 
Basis der Hinterschenkel und das Börstchen in der Nähe der Basis der Mittel- 
schienen ziemlich auffallend; der Metatarsus der Hinterbeine beim Männchen 
an der Basis nur wenig ausgekerbt. Hinterleib metallisch schwarz, mit grün- 
lichem oder blauem Schimmer, schwarz behaart und ziemlich glänzend: Hypo- 
pygium gross, mit schwarzbraunen Analanhängen. 

Vaterland: Die Art ist in Oesterreich bisher noch selten gefunden 
worden; Herr Dr. H. Loew fing sie im Tatragebirge, Herr Prof. Mik bei Zett- 
wing in Böhmen und bei Linz, ich selbst bei Asch: in Deutschland scheint sie 
häufiger zu sein, insbesonders in den Umgebungen von Berlin (Gerstäcker). 
München (Kriechbaum er) und an mehreren Orten in Schlesien, Russland und 

Z. B. Ges. B. XXVTI. Abh. 9 



66 



Ferdinand Kowarz. 



Schweden (Zetterstedt) ; sie kommt im Juli und August an Baumstämmen und 
an Klafterholz vor. 

Anmerkung. Ich habe Med. ambiguus Ztt. auch nach Exemplaren be- 
schrieben, welche Herr Dr. H. Loew mit einer Zetterstedt'schen Type genau 
verglichen hat. — Die Beschreibung des Männchens, welche Zetterstedt im 
XII. Bande seiner Dipt. Scand. 4616. 18 nachbringt, passt weder auf die obige 
Art, noch überhaupt auf einen Medeterus; denn das Merkmal „femora postica 
ad apicem unisetosa" kommt der Gattung Medeterus gar nicht zu. 

22. Med* infumatus Lw. c?9- Fronte et facie super iore fusco- vel 
einer eo - pöllinosis et opacis, facie inferiore nigra et nitida, coxis pedi- 
busque nigris. 

Long. corp. 2—2*2 mm. 
Syn. Hydrophorus muralis Ztt. Dipt. Scand. II. 455. 16. 1843. var. a u. b cT 9 • 
— Medeterus infumatus Lw. Neue Beitr. V. 52. 1857. Q. 
„ „ Schin. Fauna austr. I. 238. 1862. 

Stirn und das Gesicht über der Querleiste braun oder grau bestäubt, das 
Gesicht unter der Querleiste schwarz und glänzend; Cilien am hinteren Augen- 
rande weisslich, das dem Mundrande nächststehende Borstchen jedoch in der 
Regel schwarz; Fühler und Taster schwarz, Rüssel ziemlich gross. Thorax und 
das mit vier Borsten versehene Schildchen metallisch echwarz; der Rücken 
entweder braun, oder so wie der Eindruck vor dem Schildchen und die Brust- 
seiten grau bestäubt; die Behaarung, welche die Mittellinie des Thoraxrückens 
einschliesst, meist sehr kurz und undeutlich; die beiden gewöhnlichen Borsten- 
reihen auf dem vorderen Theile des Rückens von einigen kurzen, auf dem 
hinteren Theile von je zwei langen Borsten gebildet; sind jedoch die Börstchen 
auf dem vorderen Theile des Rückens etwas länger, dann pflegen auch die 
Härchen der Mittellinie etwas deutlicher zu sein; Prothorax mit zwei bis drei 
schwarzen Haarborsten. Flügel bräunlich oder blassgrau gefärbt, mit schwarzen 
Adern; dritte Längsader mit dem fast geraden letzten Abschnitte der vierten 
Längsader convergirend; der letzte Abschnitt der fünften Längsader so lang 
oder nur wenig länger als die hintere Querader. Deckschüppchen schmutzig 
gelb, schwarz gerandet, mit bräunlichen, hell schimmernden Wimpern; Schwinger 
bräunlich oder gelblich, meistens mit auf der Oberseite schwarzem Knopfe. 
Hüften und Beine schwarz und schwarz behaart; die ersteren nur wenig bräun- 
lich oder graulich bestäubt; die nach abwärts gerichtete Behaarung auf der 
Vorderseite der Hintcrschenkel kurz, zart und undeutlich, das Borstchen in der 
Nähe der Basis der Mittelschienen vorhanden; der Metatarsus der Hinterbeine 
Im im manchen an der Basis ein wenig ausgekerbt. Hinterleib schwarz, schwarz 
behaart und ziemlich glänzend; Hypopygium gross, mit schwarzbraunen oder 
rostbraunen Analanhängen. 

Vaterland: Oesterreich, Deutsehland, Russland und Scandinavicn vom 
Mai bis September (Zetterstedt) auf »Steinen und an Baumstämmen, nach meinen 
Beobachtungen meistens nahe dem Erdboden. 



Die Dipteren-Gattung Medeterus Fischer. 



67 



Anmerkung. Med. infumatus sieht dem tristis Ztt. sehr ähnlich, unter- 
scheidet sich aber von diesem durch das Flügelgeäder, durch das Fehlen einer 
^borstenartigen Behaarung auf der Vorderseite der Hinterschenkel und durch die 
Bestäubung des Gesichtes über der Querleiste, im männlichen Geschlechte 
überdiess durch das auffallend grosse Hypopygium. Die Varietät von Med. infu- 
matus 9 mit ganz und gar grau bestäubtem Thorax könnte nur mit glaucus Lw. 
verwechselt werden, insbesonders wenn bei jenem auch die Behaarung der 
Mittellinie etwas deutlicher als gewöhnlich ist; glaucus ist zwar nicht erheblich 
grösser, aber verhältnissmässig etwas kräftiger gebaut als infumatus, mehr 
blaugrau gefärbt und durch die Beschaffenheit der Behaarung des Thorax- 
rückens und durch das Flügelgeäder von diesem auffallend verschieden. — Ich 
habe Med. infumatus mit dem typischen Exemplare des Herrn Dr. H. Loew 
genau verglichen und auch zwei von Zetterstedt mit der Bezeichnung „Ostro- 
gothia JSydr. mwralis var. b Q" und „Lapponia Hydr. muralis var. a 
stammende Stücke untersucht, die obige Synonymie daher vollkommen sicher- 
zustellen vermocht. 

23. Med* jaculus Mg. c? 9 • Fade cinereo-pollinosa, pedibus nigris, 
genibus ferrugineis. 

Long. corp. 3*5—4 mm. (Fig. 1—11). 
Syn. Hydrophorus Jaculus Fll. Dol. 5. 7. 1823. cT Q var. a. 

— Medeterus Jaculus Mg. Syst. Beschr. IV. 66. 14. 1824. 

— „ nigricans Mg. Syst. Beschr. IV. 67. 16. 1824. 

— Hydrophtrus jaculus Macq. Dipt. du Nord de Fr. 37. 1. 1827. Q . 

— „ truncorum Ztt. Ins. Lapp. 702. 8. 1840. g 9. 

— „ jaculus Ztt. Dipt. Scand. EL 450. 10. 1843. $ 9. var. a. b. c. 

— Medeterus jaculus Wik. Ins. Br. Dipt. L 219. 2. 1851. 

— „ „ Lw. Neue Beitr. V. 53. 1857. 

— „ „ Schin. Fauna austr. L 238. 1862. 

Stirn und das ganze Gesicht mit dünner grauer Bestäubung bedeckt, 
Cilien am hinteren Augenrande weisslich, Fühler und Taster schwarz, Rüssel 
ziemlich gross. Thorax und das mit vier Borsten versehene Schildchen metallisch 
blaugrün oder erzgrün, etwas grau bestäubt, auf der Mitte und neben den beiden 
gewöhnlichen Borstenreihen des Rückens mehr oder weniger deutlich striemen- 
artig broncebraun; die Behaarung, welche die Mittellinie des Thoraxrückens 
einschliesst, äusserst kurz; die beiden gewöhnlichen Borstenreihen von je vier 
gleichmässig langen Borsten, vor welchen meistens noch ein oder zwei etwas 
kürzere Börstchen stehen, gebildet; Prothorax mit drei oder vier weisslichen 
Haarbürsten. Flügel blassgrau gefärbt, mit schwarzbraunen, an der Flügelbasis 
lehmgelben Adern; die dritte Längsader mit dem wenig gebogenen letzten Ab- 
schnitte der vierten Längsader wenig convergirend; der letzte Abschnitt der 
fünften Längsader fast nur halb so lang, als die hintere Querader, welche mit 
dem ersten Abschnitte der fünften Längsader einen spitzen inneren Winkel 

9* 



68 



Ferdinand Kowarz. 



bildet. Deckschüppchen und Schwinger gelblich, erstere blassgelb gewimpert. 
Hüften schwarz, die Behaarung der vordersten und die Börstchen der hinteren 
weisslich; Beine schwarz, nur die Kniee gelb; die Behaarung der Beine eben- 
falls weisslich; die nach abwärts gerichtete Behaarung auf der Vorderseite der 
Hinterschenkel und das Börstchen in der Nähe der Basis der Mittelschienen 
deutlich; beim Männchen sind die Hinterschienen auf der Oberseite der Länge 
nach kurz gewimpert und der Metatarsus der Hinterbeine ist an der Basis ein 
wenig ausgekerbt. Hinterleib metallisch blaugrün oder düstergrün, weisslich 
behaart und etwas glänzend; Hypopygium gross, mit rostgelben oder braunen 
Analanhängen. 

Vaterland: Med. j 'acutus kommt in ganz Europa vom Juni bis October 
an Baumstämmen, Planken und Mauern sehr häufig vor. 

Anmerkung. Fallen hat unter Hydr. Jaculus offenbar mehrere Arten 
vermengt; Meigen hat den Falle'n'schen Namen auf gegenwärtige, der 
Fallen'schen var. a. entsprechenden Art fixirt; ich glaube sie desshalb correcter 
als Med. jaculus Mg. statt als Med. jaculus Fll. bezeichnet zu haben. — In 
der Wiedemann'schen Sammlung des Wiener k. k. Hofmuseums befindet 
sich das von Meigen 1. c. erwähnte und mit „Wiedm. Type" und „nigri- 
cans M. Kiel" bezeichnete Männchen, welches aber nur ein fett gewordener 
Med. jaculus ist und in diesem Zustande der Meigen'schen Beschreibung 
vollkommen entspricht. — Ich habe auch von Zetterstedt und Stäger her- 
rührende Typen des Med. jaculus untersucht. 

24. Med, truncorum Mg. c? 9- Facie inferiore »aeneo-viridi et 
nitida, segmento ultimo nervi longitudinalis quinti quam nervus transversalis 
posterior longiore, pedibus nigris, genibus ferrugineis. 

c?. Hypopygio mediocri. 

Long. corp. 2—2*5 mm. 
Syn. Medeterus truncorum Mg. Syst. Beschr. IV. 67. 15. 1824. rf. 

— Hydrophorus truncorum Macq. Dipt. du Nord de Fr. 39. 4. 1827. <j\ 

Ztt. Dipt. Scand. II. 452. 11. 1843. <? Q. 
? Medeterus truncorum Walk. Ins. Br. Dipt. I. 219. 3. 1851. 

— Lw. Neue Beitr. V. 54. 1857. 
Schin. Fauna austr. I. 238. 1862. 

Gesicht metallisch grün, glänzend, auf der Querleiste weisslichgrau, neben 
dem Augenrande über der Querleiste und unter den Fühlern, sowie die Stirn 
brüunlichgrau bestäubt; Cilien am hinteren Augenrande weisslich, Fühler und 
Taster schwarz, Rüssel verhältnissmässig ziemlich gross. Thorax und das mit 
vier Borsten versehene Schildchen metallisch blaugrün, mit dünner Bestäubung 
bedeckt, auf der Mittellinie und neben beiden gewöhnlichen Borstenreihen des 
Kückens strinnenartig broncebraun und etwas glänzend; die Behaarung, welche 
die Mittellinie des Thoraxrückens cinschlieast, äusserst kurz und undeutlich; 
Mit beiden gewöhnlichen BefStenfeihen von je vier gleiohmfttfig langen Borsten 



Die Dipteren-Gattung Medetertu Fischer. 



69 



gebildet; Prothorax mit zwei oder drei weisslicheu oder bräunlichen Haar- 
borsten. Flügel blass bräunlichgrau gefärbt, mit schwarzbraunen, an der 
Flügelbasis lehmgelben Adern; die dritte Längsader mit dem fast geraden 
letzten Abschnitte der vierten Längsader nur wenig convergirend; der letzte 
Abschnitt der fünften Längsader etwas länger als die hintere Querader. Deck- 
schüppchen und Schwinger gelblich, erstere blassgelb gewimpert. Hüften schwarz, 
grau bestäubt und weisslich behaart, die Börstchen der hinteren Hüften bisweilen 
verdunkelt; Beine schwarz, nur die Kniee gelb; die nach abwärts gerichtete 
Behaarung auf der Vorderseite der Hinterschenkel weisslich, ziemlich kurz und 
nicht sehr deutlich; das Börstchen in der Nähe der Basis der Mittelschienen 
vorhanden; Metatarsus der Hinterbeine beim Männchen an der Basis ein wenig 
ausgekerbt. Hinterleib dunkel metallisch grün, fahlgelb behaart und ziemlich 
glänzend; Hypopygium von nur mittler Grösse mit schwarzbraunen Analanhängen. 

Vaterland: Med. truncorum ist mir aus Oesterreich, Ungarn, Deutsch- 
land, Frankreich, Kussland und Sicilien bekannt geworden und kommt vom 
Juni bis October an Baumstämmen vor; wenn obige Synonymie richtig, so 
wäre er auch in Schweden und Dänemark (Zetterstedt) and in England (Walker) 
einheimisch. 

Anmerkung. Med. truncorum macht sich schon durch seine geringe 
Grösse den verwandten Arten gegenüber kenntlich und unterscheidet sich 
ausserdem von dem ihm ähnlichen Med. jaculus Mg. durch die Farbe des 
Gesichtes, durch die Stellung der hinteren Querader und im männlichen Ge- 
schlechte ganz auffallend durch das viel kleinere Hypopygium. — Bei obiger 
Beschreibung wurde auf die in der Winthem'schen Sammlung befindlichen 
Stücke, welche M ei gen erwähnt, Rücksicht genommen. — Macquart be- 
zeichnet in seiner Beschreibung L c. die Kniee des Hydr. truncorum „noirs", 
was wohl mit Rücksicht auf seine Diagnose, wo dieselben „jaunes" genannt 
werden, auf einen Schreibfehler Macquart's zurückzuführen sein wird. 

25. Med. tenuicauda Lw. cT 9- Facie inferiore aeneo-viridi et 
nitida, thorace confertim pollinoso, opaco, in dorso plerumque non vittato, 
segmento ultimo nervi longitudincäis quinti quam nervus transversalis posterior 
breviore, pedibus nigris, genibus ferrugineis. 

cf- Sypopygio elongato. 

Long. corp. 3—4 mm. 
Syn. Medeterus tenuicauda Lw. Neue Beitr. V. 53. 1857. 

Gesicht metallisch grün, lebhaft glänzend, auf der Querleiste weisslich- 
grau, neben dem Augenrande über der Querleiste und unter den Fühlern so 
wie die Stirn bräunlichgrau bestäubt; Cilien am hinteren Augenrande weisslich, 
Fühler und Taster schwarz, Rüssel von mittler Grösse. Thorax und das mit 
vier Borsten versehene Schildchen mit dichter weisslichgrauer oder gelblich- 
grauer Bestäubung bedeckt, daher matt und nur selten mit einer Spur bräun- 
licher Striemen am Rücken; die beiden gewöhnlichen Borstenreihen von je 



70 



Ferdinand Kowarz. 



vier gleichmässig langen Borsten gebildet; die Härchen, welche die Mittellinie 
des Thoraxrückens einschliessen, äusserst kurz, weisslich und in der Kegel 
schwer wahrnehmbar; Prothorax mit drei bis vier weisslichen Haarborsten. 
Flügel blass gelblichgrau gefärbt, mit schwarzbraunen, an der Flügelbasis lehm- 
gelben Adern; dritte Längsader mit dem fast geraden letzten Abschnitte der 
vierten Längsader wenig convergirend; der letzte Abschnitt der fünften Längs- 
ader nahezu nur halb so lang als die hintere Querader. Deckschüppchen und 
Schwinger gelblich, erstere blassgelb gewimpert. Hüften schwarz, etwas grau 
bestäubt; Beine schwarz, nur die Kniee gelb; die Behaarung der Hüften und 
Beine weisslich; die nach abwärts gerichtete Behaarung auf der Vorderseite 
der Hinterschenkel und das Borstchen in der Nähe der Basis der Mittelschienen 
deutlich; der Metatarsus der Hinterbeine beim Männchen an der Basis ein 
wenig ausgekerbt. Hinterleib erzgrün oder blaugrün, weisslich behaart und fast 
matt; Hypopygium verhältnissmässig lang und schmal mit schwarzbraunen 
Analanhängen. 

Vaterland: Die Art wurde bisher in Oesterreich nur im Prater bei 
Wien und in Ungarn am Neusiedler-See gefangen; in Deutschland sammelte 
sie Herr Dr. H. Loew bei Dürrenberg häufig, Frankfurt a. 0.; Kussland, die 
Winthem'sche Sammlung enthält mehrere Stücke aus Frankreich; Med. tenui- 
cauda kommt im Juli und August vor. 

Anmerkung. Ich habe bei obiger Beschreibung typische Exemplare aus 
der Sammlung des Herrn Dr. H. Loew benützt. 

26. Med. dendrobaenus n. sp. $ Q- Facie inferiore aeneo-viridi 
et nitida, thoracis dorso trivittato, segmento ultimo nervi longitudinalis quinti 
quam nervus transversalis posterior breviore, pedibus nigris, genibus ferrugi- 
neis, magnitudine corporis minuscula. 

cf . Hypopygio magno. 

Long. corp. 2*5— 3 mm. 

Gesicht metallisch grün, glänzend, auf der Querleiste weisslichgrau, 
neben dem Augenrande über der Querleiste und unter den Fühlern sowie die 
Stirn grau bestäubt; Cilien am hinteren Augenrande weisslich, die der Mund- 
üflnurig nächststehende Borste bisweilen verdunkelt; Fühler und Taster schwarz, 
Bissel ziemlich gross. Thorax und das mit vier Borsten versehene Schildchen 
dunkel metallischgrün, mit dünner grauer Bestäubung bedeckt, auf der Mitte 
des Kückens und neben den beiden gewöhnlichen Borstenreihen jedoch striemen- 
artig broncebraun oder erzgrün und glänzend; die beiden gewöhnlichen Borsten- 
reihen von je vier gleichmässig langen Borsten, vor welchen bisweilen noch je 
eine etwas kürzere Borste steht, gebildet; die Behaarung, welche die Mittel- 
linie des Kückens einschliesst, äusserst kurz und undeutlich; Prothorax mit 
EWei bis vier weisslichen Haarborsten. Flügel blass bräunlichgrau gefärbt, mit 
schwarzbraunen Adern; die dritte Längsader mit dem fast geraden letzten Ab- 
schnitte der vierten Längsadcr meist stark convergirend; der letzte Abschnitt 



Die Dipteren-Gattung MedtUrus Fischer. 



71 



der fünften Längsader kürzer als die hintere Querader. Deckschüppchen 
schmutzig gelb, meistens schwarzbraun gerandet und fahlgelb gewimpert ; 
Schwinger blassgelb. Hüften schwarz, etwas grau bestäubt; die kurze Behaarung 
der Vorderhüften und die Börstchen der hinteren Hüften weisslich oder bräun- 
lich; Beine schwarz, nur die Kniee gelb; die Behaarung der Beine weisslich, 
die nach abwärts gerichtete Behaarung auf der Vorderseite der Hinterschenkel 
ziemlich kurz und meist undeutlich, das Börstchen in der Nähe der Basis der 
Mittelschienen vorhanden; der Metatarsus der Hinterbeine beim Männchen an 
der Basis ausgekerbt. Hinterleib dunkel metallisch grün, fahlgelb behaart und 
ziemlich glänzend; Hypopygium gross, mit schwarzbraunen Analanbängen. 

Vaterland: In Oesterreich und Deutschland vom Juli bis October in 
Gebirgsgegenden an Baumstämmen häufig. 

Anmerkung. Med. dendrobaenus kann im weiblichen Geschlechte mit 
dem ihm sehr ähnlichen und auch in der Körpergrösse übereinstimmenden Med. 
truncorum Mg. leicht verwechselt werden, besonders wenn — wie schon früher 
hervorgehoben — die hintere Querader durch die zwischen der vierten und 
fünften Längsader liegende Längsfalte erheblich verkürzt erscheint und dadurch 
das Längenverhältniss zwischen der hinteren Querader und dem letzten Ab- 
schnitte der fünften Längsader schwankend wird ; die Männchen der beiden ge- 
nannten Arten unterscheiden sich dagegen leicht durch die verschiedene Grösse des 
Hypopygiums. Von dem nächstfolgenden Med. petrophilus m. unterscheidet 
sich dendrobaenus hauptsächlich durch die geringere Körpergrösse und durch 
die Beschaffenheit der Flügel. 

27. Med* petvopliilus Q. n. sp. Fade inferiore aeneo-viridi et 
nitida, segmento ultimo nervi longitudinalis quinti quam nervus transversalis 
posterior breviore, pedibus nigris genibus ferrugineis, magnitudine corporis 
majuscula. 

cT- Thoracis dorso confertim pollinoso, plerumque unicolore, hypo- 
pygio magno. 

Q. Thoracis dorso trivittato. 
Long. corp. 3*5—4 mm. (Fig. 18). 

Gesicht metallisch grün, glänzend, auf der Querleiste weisslichgrau, neben 
dem Augenrande über der Querleiste und unter den Fühlern, sowie die Stirn 
grau bestäubt; 1 ) Cilien am hinteren Augenrande weisslich, Fühler und Taster 
schwarz, Rüssel ziemlich gross. Thorax und das mit vier Borsten versehene 
Schildchen ziemlich dicht grau bestäubt, auf der Mitte und neben den beiden 
gewöhnlichen Borstenreihen des Rückens mit broncebraunen Striemen, welche 
jedoch bei dem Männchen in der Regel nicht auffallend sind; die gewöhnlichen 
beiden Borstenreihen des Rückens von je vier gleichmässig langen Borsten, vor 
welchen bisweilen noch je eine kürzere Borste steht, gebildet; die Behaarung, 



*) Die Angen des cf im Leben prächtig blaugrün (teste Mik). 



72 



Ferdinand Kowarz. 



welche die Mittellinie einschliesst, äusserst kurz und undeutlich; Prothorax mit 
drei bis vier weisslichen Haarborsten. Flügel — an der Spitze verhältniss- 
mässig stumpfer und breiter als gewöhnlich — fast glashell, mit braunen, an 
der Flügelbasis helleren Aderig; die dritte Längsader mit dem fast geraden 
letzten Abschnitte der vierten Längsader nur wenig convergirend; dieser letzte 
Abschnitt der vierten Längsader auffallend kürzer als der erste Abschnitt der- 
selben Ader; der meist stark nach abwärts gebogene letzte Abschnitt der fünften 
Längsader deutlich kürzer als die meist etwas nach auswärts gebogene hintere 
Querader. Deckschüppchen und Schwinger blassgelb, erstere fahlgelb gewimpert 
und bisweilen braun gerandet. Hüften schwarz, grau bestäubt und weisslich 
behaart, die Börsteben der hinteren Hüften fahlgelb oder braun; Beine schwarz 
mit gelben Knieen und weisslich behaart; die nach abwärts gerichtete Be- 
haarung auf der Vorderseite der Hinterschenkel, sowie die aufgerichtete wimper- 
artige Behaarung in der Nähe der Basis derselben Schenkel deutlich; das 
Borstchen in der Nähe der Basis der Mittelschienen vorhanden, die Hinter- 
schienen des Männchens auf der Oberseite der Länge nach kurz gewimpert, 
der Metatarsus der Hinterbeine beim Männchen an der Basis ausgekerbt. Hinter- 
leib dunkel metallisch grün, fahlgelb behaart und etwas glänzend; Hypopygium 
gross, mit schwarzbraunen Analanhängen. 

Vaterland: Herr Prof. Zeller entdeckte die Art am 3. Juli 1867 in 
Kärnten; Herr Prof. Mik, der sie im August desselben Jahres bei Gastein 
fand, theilte mir mit, dass sie auf Steinen und an Felsenwänden vorkomme; 
Herr Scher fling fing sie in Ober-Italien. 

Anmerkung. Med. petrophilus hat viele Aehnlichkeit mit Med. ja- 
culus Mg., dem jener in der Körpergrösse, in der allgemeinen Körperfärbung 
und im männlichen Geschlechte auch in der Grösse des Hypopygiums gleicht; 
petrophilus hat aber ein mindestens unter der Querleiste glänzendes Gesicht 
und einen dichter bestäubten Thorax, unterscheidet sich aber auch noch wesentlich 
durch die Stellung der hinteren Querader, welche — meist ein wenig nach 
auswärts gebogen — mit dem ersten Abschnitte der fünften Längsader einen 
stets rechten — und nicht wie bei jaculus einen spitzen — inneren Winkel 
bildet. Von tenuicauda Lw. unterscheidet sich obige Art durch einen minder 
lebhaften Glanz des Gesichtes und im männlichen Geschlechte durch die Grösse 
des Hypopygiums, von truncorum Mg. und dendrobaenus m. durch erheblichere 
Körpergrösse und durch die Kürze des letzten Abschnittes der vierten Längs- 
ader, von truncorum überdiess durch die geringere Entfernung der hinteren 
Querader vom Fliigelrande und im männlichen Geschlechtc durch das viel 
grössere Hypopygium und endlich von allen den genannten Arten durch die 
ttmqrffrro Form der Flügelspitze. 



Die Dipteren-Gattimg Medeterus Fischer. 



73 



Anhang. 

Ueber die von den Autoren bisher zur Gattung Medeterus gebrachten 
und in den obigen Beschreibungen nicht erwähnten Arten sei Folgendes bemerkt: 

1. Med. albiceps Q. Mg. Syst. Beschr. IV. 68. 17. 1824. — Das 
typische Stück der Wiedemann'schen Sammlung bezeichnet mit „Holsatia" 
ist wie schon aus der Beschreibung Meigens selbst hervorgeht, eine Hydrellia 
und zwar H. Ranunculi Hai. 

2. Med. gratiosus c?Q. Mg. Syst. Beschr. VII. 158. 35. 1838. - 
Die Beschreibung Meigens lautet: „Untergesicht des Männchens silberweiss, 
des Weibchens grauweiss; Stirn stahlblau. Fühler schwarz. Rückenschild 
glänzend schwarzgrün ; Hinterleib metallischgrün. Schwinger und Beine blass- 
gelb. Flügel etwas graulich. — Aus Baiern. — 2 / 3 Lin." Da M eigen das 
Gesicht silberweiss resp. grauweiss und zugleich die Stirn stahlblau bezeichnet, 
welche beide Merkmale nach meiner Erfahrung bei Medeterus niemals vereint 
vorkommen, so vermuthe ich, dass obige Art nicht zu Medeterus, vielleicht 
aber zu Teuchophorus Lw., gehören dürfte. 

3. Med. aeneus 9- Mg. Syst. Beschr. VII. 159. 37. 1838. — Die 
Angabe Meigen's „glänzend goldgrün; Kopf, Fühler und Brust schwarz. 
Beine rothgelb; Schenkel schwarz, mit rothgelber Spitze. Schwinger weiss; Flügel 
fast glashell. — Stark 1 Lin." scheint — wenn nicht auf Med. pällipes Ztt. — 
auf einen Verwandten des Thrypticus bellus Lw. hinzudeuten. 

4. Med. bicolor 9. Mg. Syst. Beschr. VII. 159. 38. 1838. — Meigen 
beschreibt die Art wie folgt: „Stirn schwärzlich, Mittelleib ganz glänzend 
schwarz. Hinterleib grünlichgrau. Beine schwärzlich. Schwinger weiss. — Flügel 
glashelle. — iy 3 Lin." Mir ist keine Art bekannt geworden, auf welche diese 
Beschreibung bezogen werden könnte; wenn der Glanz des Thorax nicht von 
einer etwaigen Verfettung — wie diess bei Med. nigricans Mg. der Fall ist — 
herrührt, würde ich die Art überhaupt für keinen Medeterus halten, weil ein 
„glänzender Thorax" und gleichzeitig ein „grünlichgrauer Hinterleib" bei Mede- 
terus meines Wissens nicht vorkommt. 

5. Hydrophorus albipes 9. Ztt. Dipt. Scand. II. 454. 14. 1843. - 
Zetterstedt bemerkt über die Beschaffenheit der dritten und vierten Längs- 
ader Folgendes : „älarum nervis longitudinalibus 3 et 4 usque ad apicem exacte 
parallelis" ; aus dem Gesagten folgt, dass diese Art nicht zu Medeterus gehöre; 
da diese Art sich überdiess durch Präapicalborsten an den Schenkeln und durch 
mehr dorsale Stellung der Fühlerborste auszeichnet, so dürfte sie in der Gattung 
Sympycnus Lw. vorläufig besser untergebracht erscheinen. 

6. Medeterus chloropus v. Roser. Correspondenzblatt des k. würt. 
landw. Vereins 1840. I. 56. gehört offenbar zur Gattung Hydrophorus Whlbg. 
und ist wahrscheinlich mit Hydr. balticus Mg. identisch, was die nachfolgende 
Beschreibung vermuthen lässt: „thorace flavescente-viridi, hypostomate supra 
pedibusque viridibus, femoribus anticis incrassatis, spinosis u . 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 10 



74 



Ferdinand Kowarz. 



7. Med, unipunctatus v. Roser. I. c. kann ebensowohl zur Gattung 
Campsienemus Wik., als zur Gattung Hydrophorus Whlbg. gehören, wie aus 
„alis fuscescentibus , puncto 1 fusco in nervo longitudinali quarto" zu 
schliessen ist. 

8. Med, annulitarsus v. Roser. 1. c. „virescens, pedibus rufis, femori- 
bus fuscis; tarsis posticis nigro annulatis; alis basi flavescentibus" und 

9. Med. minutus v. Roser 1. c. „virescens, pedibus ferrugineis ; y 2 '" a 
werden Ohne Autopsie der typischen Exemplare wohl niemals mit Sicherheit 
erkannt werden. 

10. Med, Morio Fischer de Waldh. Oryctographie d. Gouv. d. Moscou 
1830. pl. hist. nat. Tab. XV. f. 2 ohne Beschreibung. Die Abbildung, welche 
ein 9 im vergr. Massstabe darstellt, ist bestimmt unrichtig; der Gesammt- 
Habitus und die Stellung der hinteren Querader lassen ohne Zweifel auf einen 
Medeterus schliessen — entweder auf M. infumatus Lw. oder auf 
M. tristis Ztt., auf letzteren jedoch wegen der Stellung der hinteren Quer- 
ader minder als auf ersteren; — während der Kopf und die Schwingung des 
letzten Abschnittes der vierten Längsader auf ein Acalypteron hindeuten. 

11. Dolichopus minutus F. Syst. Antl. 270. 19. 1805. Meigen 
bemerkt im VII. B. seiner syst. Beschr., p. 70, in einer Anmerkung, dass Dol. 
minutus F. wahrscheinlich auch in die Gattung Medeterus (ap. Mg.) ge- 
höre; dass diese Art jedoch in der Fabricius'schen Sammlung gefehlt habe 
und zu kurz beschrieben sei, um die Art zu bestimmen. — Auch mir ist es 
nicht gelungen, die Fabricius'sche Beschreibung auf eine Art der Gattung 
Medeterus im engeren Sinne oder auf eine Art der übrigen Dolichopoden- 
Oattungen zurückzuführen. Der Vollständigkeit wegen, sei jedoch die erwähnte 
Beschreibung hier reproducirt: „D. thorace atro, abdomine cineras cente 
immaculato. Habitat in Gallia muris, capta d. XIII. Jun. — 
Minutus. Caput obscurum, ore crasso prominulo atro. Oculi magni, 
globosi, i>rominuli. Antennae breves, atrae, apice seta elongata, 
obscura. Thorax pilosus, ater. Abdomen subconicum, einer cum, 
immaculatum. Alae hyalinae. Ilalteres nivei. Pedes nigri u . 



Arten- und Synonymen-Register. 

Seite 

1. Medeterus plumbellu s Mg. Lw. Schin 45 

j acutus Fll. (var. y). 
minutus Ztt. 

2. seniculus u. sp 46 

micaceus Lw. Schin AI 

jaculus VW. (var. fi). 

apipßUß Ztt. (var. b)V 

I — chry so timif ormis Kow 48 

• r >. dichactus Q, Kp 49 



Die Dipteren-Gattung Medeterus Fibener. 



75 



Seite 

6. Medeterus muralis Mg. Ztt. (var. c)? 50 

melanopleurus Lw. 

7. — glaucellus n. sp 51 

8. — glaucus Lw 52 

9. — trist is Ztt. Lw. Schin 53 

10. — apicalis Ztt. Lw 54 

11. — pallipes Ztt 55 

jaculus Ztt. (var. b). 
muralis Lw. Schin. 

12. — obesus n. sp 56 

13. — nitidus Macq. Mg 57 

14. — signaticornis Lw 58 

15. — dichrocerus n. sp 59 

16. — ob s cur us Ztt. (robustus) Lw. Schin 60 

17. — pinicola n. sp 61 

18. — diadema L. Walk. Lw. Schin 62 

rostratus F. Mg. Macq. Ztt. 
aeneivittatus Macq. Mg. 
carnivorus Fischer. 

19. — flavipes Mg. Lw . . . . 63 

20. lamprostomus Lw-. 64 

21. — ambiguus Ztt. Lw. Schin 65 

22. — infumatus Lw. Schin 66 

muralis Ztt. (var. a. b). 

23. — jaculus Mg. Fll. (var. a). Macq. Ztt. Walk. Lw. Schin. 67 

nigricans Mg. 
truncorum Ztt. 

24. — truncorum Mg. Macq. Ztt.? Walk.? Lw. Schin. . . 68 

25. — tenuicauda Lw 69 

26. — dendrobaenus n. sp . 70 

27. — petrophilus n. sp 71 

Anhang. 

Seite I Seite 

1. Medeterus alhiceps Mg. . . 73 | 7. Medeterus unipunctatus Roser 74 

2. — gratiosus Mg. . . — 8. — annulitarsus Roser — 

3. — aeneus Mg. ... — i 9. — minutus Roser . . — 

4. — bicolor Mg. ... — I 10. — Morio Fischer . . — 

5. — albipes Ztt. ... — 11. Dolichopus minutus . . — 

6. — chloropus Roser . — ! 

Nachschrift. 

Einer soeben eingetroffenen Zuschrift Herrn Rondani's zufolge, ist der 
Name Anorthus von Staeger nur in Briefen an Herrn Rondani zuerst vor- 
geschlagen worden. 

10* 



Ferdinand Kowarz. Die Dipteren-Gattung Medeterus Fischer. 



Erklärung der Tafel. 

1. Medeterus jaculus Mg. <j\ sammt Grösse. 

2. „ „ „ Kopf von vorn. 

3. „ „ „ „ Kopf von der Seite. 

4. „ „ „ Fühler. 

5. . „ „ „ Flügel. 

6. „ „ „ „ Hypopygium. 

7. „ „ „ „ Analanhänge des Hypopygiums. 

8. „ ,, „ Spitze der inneren Analanhänge. 

9. „ „ „ „ Metatarsus der Hinterbeine. 

10. „ „ „ „ Thorax und das vierborstige Schildchen 

von oben. (Die Punkte bezeichnen die 
Stellung der Borsten, aus welchen die 
beiden gewöhnlichen Borstenreihen be- 
stehen.) 

11. „ „ „ „ Eine der beiden gewöhnlichen Borsten- 

reihen des Thoraxrückeus und die Be- 
borstung des Schildchens von der Seite. 

12. „ dichrocerus m. Fühler. 

13. „ „ „ „ Flügel. 

14. „ diadema L. Q. Fühler. 

15. „ „ „ „ Eine der beiden gewöhnlichen Borsten - 

reihen des Thoraxrückens und die Be- 
borstung des Schildchens von der Seite. 

16. „ „ „ „ Hinterleibsende von der Seite. 

17. „ paUipea Ztt. tf. Flügel. 

18. „ petrophilus m. tf. Flügel. 

19. Medeterus micaceus Lw. . Thorax und das zweiborstige Schildcheu 

von oben. 

20. „ ff n m Eine der beiden gewöhnlichen Borsten- 

reihen des Thoraxrückens und die Be- 
borstung des Schildchens von der Seite. 

21. „ numdis Mg. tf. Hypopygium. 

22. „ obscurus Ztt. 9 ■ Eine der beiden gewöhnlichen Borsten- 

reihen des Thoraxrückens und die Be- 
borstnng des Schildcliens von der Seite. 
* n tfi Hypopygium. 

24. Thrypticus hcllus Lw. tf. Flügel. 



Zur Pilz-Flora Wiens- 



Von 

Wilhelm Voss, 

Professor. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 3. Januar 1877.) 

Vorliegende Zeilen erlaube ich mir als Nachtrag zu meiner im letzten 
Jahre gegebenen Aufzählung der bis jetzt in den Umgebungen Wiens aufge- 
fundenen Brand-, Rost- und Mehlthaupilze *) zu überreichen. Sie sind das 
Resultat eines längeren Aufenthaltes in Wien, den ich zu weiteren Beobach- 
tungen über diesen Gegenstand benützte. Da sämmtliche Arten und Formen 
in den Monaten August und September gesammelt wurden, so konnte ich im 
Texte nähere Zeitangaben übergehen. 

Die mit Sternchen bezeichneten Species finden sich in oben erwähnter 
Arbeit nicht, sind somit als für die Wiener Flora neu zu betrachten ; wo dieses 
Zeichen fehlt, sind es andere Nährpflanzen, die ich von bekannten Arten be- 
fallen fand. Wie früher habe ich die Belege dazu in das Herbar des k. k. botani- 
schen Hofcabinetes hinterlegt. 

Bezüglich meiner vorjährigen Abhandlung möchte ich noch Folgendes 
bemerken. Bei Puccinia Bhododendri Fckl. wurden irrthümlicher Weise 
Teleutosporen angegeben, die sich an den untersuchten Exemplaren nicht finden. 
Uebrigens scheint es nicht gerechtfertigt den sehr verbreiteten Uredo ühodo- 
dendri DC. zur sehr seltenen Puccinia B. Fckl. zu ziehen, dem wahrscheinlich 
eine Melampsora folgen dürfte. Da Fuckel unter Uromyces tuberculatus zwei 
verschiedene, wohl zu unterscheidende Arten vereinigte, so möchte ich für den 
von mir aufgeführten, den Namen U. scutellatus (Pers.) Lev. gebraucht wissen. 
Dass Aecidium leucospermum DC. zu Puccinia Anemones Pers. gehört, davon 
konnte ich mich im Laufe dieses Sommers überzeugen. 

Ferner fand ich auf den Blättern von SÜer trilobum Crantz., neben der 
von mir aufgestellten Puccinia, Pusteln, von denen ich es für sehr wahrschein- 
lich halte, dass sie identisch sind mit den, durch v. Heufler auf dieser Pflanze 
aufgefundenen, Spermogonien. Leider waren sie schon zu weit vorgeschritten, 



l ) Verh. der k. k, zool.-bot. Ges. 1876, 105 ff. 



78 



Wil keim Voss. 



als dass mir eine genauere Untersuchung möglich gewesen wäre. Ob diese 
Spermogonien mit der darauffolgenden Puccinia im Zusammenhange stehen, 
kann ich nicht entscheiden. Würde dieses der Fall sein, so wäre es ein inter- 
essantes Analogon zu P. öbtegens Tul. und einigen anderen Puccinia-Arten, 
denen gleichfalls Spermogonien — bei ersterer Sphaeronema Cirsii Lsch. — 
ohne bekanntes Aecidium vorangehen. 

Nicht ohne allgemeines Interesse dürften einige Mittheilungen sein, die 
ich der Güte des Herrn Dr. P. Magnus in Berlin verdanke, und wofür ihm 
an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank auszusprechen, mir angenehme 
Pflicht ist. Nach Fuckel's Vorgehen Aecidium Stellariae Kirchn. mit Uredo 
St. Fckl. zu P. Stellariae Duby zu ziehen, dürfte nicht rathsam sein, da diese 
Puccinia ihrem Baue nach zur Gruppe Leptopuccinia Schrtr. gehört. Die 
Form von Puccinia Chondrillae Cda. auf Taraxacum officinale Wigg. schliesst 
sich an P. Hieracii Mari, und Puccinia Prenanthis Fckl. dürfte neben der 
ersteren kaum aufrecht zu erhalten sein. Uredo Gircaeae Alb. et Schw. gehört 
nach Schröter nicht zu Puccinia G. Pers. , sondern wahrscheinlich einer 
Melampsora an. Uebrigens vegetiren auf Circaea lutetiana L. zwei Puccinien, 
eine mit vorangehenden Aecidium, die andere ohne eines solchen. 1 ) Aecidium 
Euphorbiae Pers. auf E. amygdaloides L. unterscheidet sich durch die Keimung 
seiner Sporen mit Sporidien von den übrigen auf Euphorbien lebenden, und 
gehört zu Endopliyllum?) Das Aecidium auf lianunculus bidbosus L. ent- 
wickelt so wie jenes auf Ii. repens L., den Uromyces Dactylis Otth. 

So mögen auch diese Zeilen als das genommen werden was sie sind, 
nicht was sie sein könnten, 



I. Brandpilze: Ustilaginei Tulasne. 

1. Ustilago Link. 

(Ist. Caricis (Pers.) Fckl. In den Früchten von: 

Carex püosa Scop. Im Walde bei Vorder-Haimbach. 

2. Tilletla Tul. 

"T de Marijana Fisch, v. Waldli. In den Blättern von: 

liromus inermis Leys. Heim Ausstellung«^cbäude im Prater. 

') Die in meinem VerzoiclmiHHo aufgeführte Puccinia Circaeae (Job. stimmt in ihrem Haue 
mit -len El LsptOpUcdnta gehörigen Arten uboroiii. Somit wftre jene, wozu Aecidium V. Gen. ge- 
hört, zu Miellen. 

'') Uk-ho Kilt ;uu;li i'ur Ar.cidium Jüiplmrhin mß. I)C. nach ilem Nachweine von de Hary. 
(UltMS. "her DradiMM. Monathh. -I. Acad. z. borlin. Vi. Jan. IKIrt, S. U> l'J. Kol', d. Hot, 



Zur Pilz -Flora Wien*. 



79 



3. Z'rocysti* Rabenh. 

U. pomphol ygode* Rbh. An der unteren Seite lebender Blätter von: 

Anemone hepatica DC. Am Ostabhange des Leopoldsberges (v. Thüraen). 

4. Entyloma De Bary. 

"E Eryngii de Bary (PhysvJerma Eryngii Corda'. An Blättern und Stengelu von: 
Eryngium campestre L. .An sonnigen Abhängen zwischen Hadersdorf 
und Haimbach. 

5. Melanotaenium De Bary. 

*JC endogenum de Bary (Protomyces endogenus Ung.). In den Stengeln von: 
Gdlium MoJlugo L Auf Wiesen und an Waldrändern bei Manerbach. 

0. Protomyres De Bary. 

'P. macrozporus Unger (Physoderma gibbosum Wallr.l. An den Blattrippen 
und den Stengeln von: 

Aegopodium Poaagraria L. Am Sumpfe beim Rondean im Prater. nicht 
selten. 

II. Rostpilze : Uredinei Tulasne. 

1. Coleosporittm Le'v. 

C. Campanulacearum Fr. Auf der Unterseite grandständiger Blätter von: 
Phyteuma spieahm L. Im Walde bei Yorderhaimbach. 
*C. Inulae Fekl. An der Unterseite der Blätter von: 

Inula ensifolia L. Bei Klosterneuburg am Fusse des Leopoldsberges 
gemein. 

2. Melampsora Cast. 

M. Euphorbia e Cast. 

Fung. stylosporiferus und Fung. teleutosporiferus an den Blättern von: 
Euphorbia Esula L. In Auen bei Moosbrunn. 

3. Puccinia Pers. 

*P. Primulae Grev. 

Fung. stylozporiferus und Fung. teleutosporiferus anf der Unterseite der 
Blätter von : 

PrimuJa acaulis Jacq. Nicht selten auf Wiesen im Parke zu Hadersdorf. 



80 



Wilhelm Vos 



P. Hieracii Mart. 

Fung. stylosporiferus und Fung. teleutosporiferus. An den Blättern und 
Stengeln von: 

Crepis biennis L. Im Wienthale bei Hütteldorf. 

— setosa Hall. Auf sandigen Plätzen im Prater gemein. 
Hieracium sdbaudum L. ß. lanceolatum. Häufig im Walde bei Hinter- 
haimbach. 
P. Cirsii Lsch. 

Fung. stylosporiferus und Fung. teleutosporiferus. An den Blättern von: 
Cirsium canum M. B. Auf feuchten Wiesen bei Weidlingau. 
*P. Lapsanae Fckl. 

Fung. stylosporiferus und Fung. teleutosporiferus. Gemeinsam an beiden 
Blattflächen, den Blattstielen und Stengeln von: 

Lapsana communis L. Häufig in Gebüschen des Parkes zu Schönbrunn. 
P. Caricis DC. 

Fung. stylosporiferus und Fung. teleutosporiferus. An den Blättern von: 
Carex maxima Scop. An Bächen bei Weidlingau. 
P. straminis Fckl. 

Fung. stylosporiferus und teleutosporiferus. An den Blättern, BJattscheiden 
und Stengeln von: 

Arrhenatherum elatius M. K Im Ausstellungsräume des Praters. 

Festuca elatior L. Ebenda. 
P. graminis Pers. 

Fung. stylosporiferus und Fung. teleutosporiferus. An den Stengeln von: 
Dactylis glomerata L. Im Hadersdorfer Parke. 
Lolium perenne L. Auf Schutthalden im Prater. 
*P. Magnusiana Kcke. 

(Hedwigia 1876, p. 179 = P. striola Pass. in Rabh. Fungi europ. 
n. 2164; P. arundinacea Hedw. p. p.) 
Auf dürren Blättern von: 

Vhragmites communis Trin. Ende October 1875, in den Auen des unteren 
Praters beim k. k. Schiessplatze. 

In meiner vorjährigen Arbeit findet sich auf p. 118 die Bemerkung, 
ia.ss ich Vhragmites communis Trin. mit Puccinia arundina- 
cea Hedw. von obigen Fundorte an L. Fuckel sandte, welcher 
mir die Mittheilung machte, diese Puccinia sei verschieden von 
der genannten und gehöre zu einer noch nicht beschriebenen Art.. 
Vor Kurzem kam ich durch die Güte des Herrn Prof. Saccardo im 
Besitze <ler V. Magnusiana und hei Revision meiner Sammlung 
konnte ich feststellen, dass die unter V. arundinacea Hedw. darin 
befindlichen Exemplar»; zum Theile orsteren angehörten. Sie ist 
nicht allein durch die Form der Sporen, sondern auch schon durch 
ihr habituelles Aussehen sicher zu unterscheiden. 



Zur Pilz -Flora Wiens. 



81 



*P. Conti Fckl. 

Fung. stylosporiferus und Fung. teleutosporiferus. An den Blättern und 
Blattstielen von: 

Conium maculatum L. Im botanischen Garten. 
*P. Endiviae Pass. 

Fang, stylosporiferus und Fung. teleutosporiferus (unter P. Clionäriüae Corda). 
Auf den grund- und stengelständigen Blättern von: 
Cichorium Endivia L. Im botanischen Garten. 
*P. mixta Fckl. 

Fung. stylosporiferus (Uredo Älliorum DC.). Auf den Blättern und an den 
Stengeln von: 

Allium Schoenoprasum L. In Küchengärten bei Mauer. 
Fung. teleutosporiferus. Nicht beobachtet. 
*P. Salviae Ung. 

Auf der unteren Blattfläche lebender Blätter von: 

Sahna glutinosa L. (P. salviae glutinosae Ges.). Im Walde bei Hinter- 
haimbach und Steinbach, nicht häufig. 

4. Uromyces Lev. 

.* 

*U. Calystegiae de Bary. 

Fung. hymeniferus (Aecidium Convolvulacearum Ges.) gleichzeitig mit 
Fung. stylosporiferus und Fung. teleutosporiferus (Uredo Convolvuli Str.) 
an der Unterseite der Blätter von: 

Convolvulus Sepium L. An Hecken beim Rondeau im Prater. 

*U. Dactylis Otth. 

Fung. hymeniferus (Aecidium Banunculacearum DC.) auf den Blättern von: 

EanUnculus bulbosus L. Bei Dörnbach. 1 ) 
Fung. stylosporiferus und Fung. teleutosporiferus, an den Blättern und 
Blattscheiden von: 

Dactylis glomerata L. Auf Schutthalden des Ausstellungsplatzes im 
Prater; wurde auch von Dr. P. Magnus auf den Gründen der Donau- 
regulirung im Jahre 1873 beobachtet, und mir gütigst mitgetheilt. 
U Orobi Fckl. 

Fung. stylosporiferus und Fung. teUutosporiferus (Uredo Orobi Schum.). 
Auf der oberen Blattete von: 

Orobus niger L. An Waldrändern bei Vorder-Haimbach. 



*) Siehe meine cit. Abb. p. 131. 
Z. B. Ges. B. XXVII. Abb. Ii 



82 



Wilhelm Votss. 



U. Trifolii Fckl. 

Fung. stylosporiferus und Fung. teleutosporiferus, an den Blättern von: 

Trifolium montanum L. Im Halterthale. 1 ) 
U. Verbasci Niessl. 
Fung. hymeniferus und Fung. teleutosporiferus. Auf den Blättern von: 

Verbascum sp. Im Weltausstellungsraume des Praters von Dr. P.Magnus 

im October 1873 gefunden. 
U. ambiguus Fckl. 
Fung. teleutosporiferus. An den Blättern und Schäften von: 

Allium Scorodoprasum L. Am Abhänge des Wolfers Berges bei Maria- 

brunn und auf dem Laaerberge. , 



*A. Magelhaenicum Berk. Auf den Blättern von: 
Berberis vulgaris L. 

Nach den Untersuchungen von Dr. P. Magnus ist dieses Aecidium 



verschieden von A. Berberidis Pers., welches zu Puccinia grami- 
nis Pers. gehört. Es erscheint früher und die Vegetation desselben 
verursacht nestartige Hexenbesen an den Sauerdornsträuchern. 
Bald nach dem Entfalten der Knospen der inficirten Aeste, sind 
die rosettenartig dicht übereinander stehenden Blätter auf der 
Ober- und Unterseite mit Spermagonien bedeckt. Die befallenen 
Blätter bleiben kleiner als die gesunden, und Anfangs Mai erscheinen 
zwischen den Spermogonien die Aecidien. Diese Aecidien scheinen 
zum Getreideroste in keiner Beziehung zu stehen. Da in den in- 
ficirten Zweigen ein dauerndes Mycel vegetirt, so erscheint der 
Pilz mehrere Jahre hintereinander. 
In Ich Umgebungen Wiens wurde er schon zwischen den Jahren 
1815 — 1820 gesammelt und ist hier einheimisch. Baron v. Thümen 
sammelte ihn neuerdings bei Krems. (Genaueres siehe in Hedwigia 
1876, Nr. 1.) 



U. Iridis DC. 

Auch im heurigen Jahre fand ich diese Art, leider wieder ohne weiterer 
Entwicklung, im botanischen Garten auf folgenden Nälirpflanzcn : 



5. Aecidium Pers. 



6. üredo Pers. 



Ins nur r<i J. EL 

JJaeurensis Hoiss. 

japonica Thnob. 
Uvida Botb. 



Iris Mandralisceae Tod. 
not ha M. B. 

— pomeridiana Eisch. 

— trigonocarpa Koch et, Boaohä. 



'i BoWOhl 11 'li«Hnr Art hirnl i<"li Bt/loiDOfOl, iblOlQ wi« ;in moiBOlD jltllgOll Aufenthalt« 

u rwwiMoflni Tnj<iiiurn Bpicitij irnhilb lob dii Bonirlrang in molnov foijihrigon Ari»oit auf 

(i. l ;i, zur im kziolif. 



Zur Pilz -Flora Wiens. 



83 



Dabei möchte ich mir die Bemerkung erlauben, dass sämintliche zwischen 
diesen Irideen gepflanzten mitteleuropäischen Arten vollkommen frei davon 
waren. Es wären somit diese Pflanzen im Spätherbste, oder die dürren Beste 
im Winter auf die Teleutosporen zu untersuchen. 



III. Mehlthaupilze : Erysiphei Tulasne. 
1. Sphaerotheca Lev. 

Sph. Castagnei Lev. 
* Veronicae. 

Fang, conidiophorus und Fung. ascophorus (E. fuliginea Rbh.). An 
beiden Blattflächen von: 

Veronica spicata L. Im Wiener Stadtparke. 

2. Erysiphe (Hedw.) Tul. 

E. Martii Lev. 
*Cruciferarum. 

Fung. conidiophorus und Fung. ascophorus. An den Blättern von: 
Hesperts tristis L. An Wegen bei Klosterneuburg. (Ges. mit von 
Thümen.) 
Trifolii. 

Fung. conidiophorus und Fung. ascophorus. An den Blättern von: 
Trifolium alpestre L. Im Parke zu Schönbrunn. 
*Chaerophylli. 

Fung. conidiophorus und Fung. ascophorus (E. communis l. Umbelli- 
ferarum Rbh.). Auf der Oberseite grundständiger Blätter von: 
Chaerophyllum temulum L. Am kalten Gange bei Moosbrunn. 
*Pastinacae. 

Fung. conidiophorus und Fung. ascophorus. An den Blättern und 
Stielen von: 

Pastinaca sativa L. Auf Wiesen bei Moosbrunn. 



IV. Peronosporei De Bary. 

1. JPeronospora Corda. 

*P. Dianthi de Bar} r . Auf der Unterseite der Blätter von: 
Silena inflata Sm. Auf Wiesen bei Mauerbach. 

*P. Dipsaci de Bary. Auf der Unterseite der Blätter von: 
Dipsacus sylvestris Huds. Ebenda. 

11* 



84 



Wilhelm Voss. Zur Pilz -Flora Wieiib. 



P. gangliformis de Bary. Auf der Unterseite der Blätter von: 
Centaurea Jacea L. Auf Wiesen im Mauerbaehthale. 
Cirsium canum M. B. Auf Wiesen bei Weidlingau. 

2. Cystopus Lev. 

C. spinulosus de Bary. An den Blättern von: 

Cirsium oleraceum Scop. Auf Wiesen im Mauerbaehthale. 



Einige Spinnen von Madagascar» 



Beschrieben von 

Graf Eugen Keyserling. 

(Mit Taf. III.) 

(Vorgelegt in der Versammlung am 7. März 187V1 



Von Herrn Bösenberg in Hamburg erhielt ich eine kleine Sammlung 
Spinnen von der Insel Madagascar zur Bestimmung, bei deren Durchsicht sich 
ausser mehreren bereits von Herrn Dr. A. Vinson 1 ) und Herrn Professor 
T. T höre II 2 ) beschriebenen Arten noch einige neue fanden, deren Beschreibungen 
in folgenden Zeilen enthalten sind. 

1. Gasteracantha vittata ThorelL 
Tab. HI, Fig. 1 und 16— c 

Konglige Svenska Fregatten Eugenies Kesa etc. Arachnider p. 13. 
Weib: 

Totallänge ohne Mandibeln und Dornen 8'3 Mm. 

„ mit Mandibeln und Dornen 10 8 „ 

Cephalothorax lang . . 2 9 „ 

„ hinten breit 2 9,. 

vorn breit 2 3., 

Hintere Dornen 1*8 „ 

Lange Seitendornen 2*6 „ 

Kurze Seitendornen 8 „ 

Abdomen lang ohne Dornen 5"8 „ 

Kv \'~' I- r : . . . ". : y (' 1 9-8 1 

Mandibeln lang 1*8 r 





Fem. 


Tat. 


Tib. 


Metat. 


Tar. 


Summa 


h Fuss .... 


. • : ; - . . . 2-6 


11 


15 


1-5 


10 = 


7 7 Mu 


9 


.... 22 


1-0 


13 


15 


1-0 = 


7-0 „ 






0-7 


10 


1-0 


0-8 = 


50 „ 


4. „ .... 


.... 2-7 


1-0 


1-7 


17 


11 = 


8-2 „ 



") Araneides des lies de la Keuuion, Maurice et Madagascar, 1S63. 

*) On some Spiders from New Caledonia, Madagascar and Reunion. (Proceed. of the Zool. 
Soc. of London 1875.) 



86 



Graf Engen Keyserling. 



Das mir von der Insel Madagascar vorliegende Exemplar passt sehr gut 
zu der von Thor eil gegebenen Beschreibung und zeigt nur geringe Ab- 
weichungen in der Färbung. Die Schenkel aller Beine, ebenso wie die Palpen 
sind roth, während die übrigen Glieder eine schwarze Farbe besitzen, ferner 
ist bei dem Thier von Madagascar das Sternum ringsherum breit schwarz 
gesäumt und in der Mitte mit einem ziemlich grossen, ovalen, röthlichgelben 
Fleck geziert. Das Sternum der Thiere von Java hat nach Thorell nur vorn 
einen ziegelrothen Fleck. 

In meiner Sammlung befinden sich acht weibliche Exemplare derselben 
Art von den Philippinen, die genau mit denen von Java beschriebenen über- 
einstimmen. 

Da diese Art bisher noch nirgend abgebildet wurde, so hielt ich es nicht 
für überflüssig die genauen Masse nebst einer Abbildung zu geben. 

Vielleicht gehört auch Plectana Sturii Doleschal 1 ) zu derselben Art, da 
aber nur eine schlechte Abbildung ohne Beschreibung in seinem Werke existirt, 
so lässt es sich nur vermuthen. 



2. Cercidia versicolor n. sp. 
Tab. III, Fig. 2 und 2 a. 

Weib: 

Totallänge 7-0 Mm. 

Cephalothorax lang 2 8 „ 

„ in der Mitte breit 2'2 „ 

„ vorn breit l'ß n 

Abdomen lang . 5?5 „ 

„ breit 4*3 „ 

Mandibeln lang 1"2 „ 

Fem. Tat. Tib. Metat. Tai*. Summa 

1. Fuss 20 10 1*6 17 1-0 - 7 3 Mm. 

2. „ 2-0 0-9 1*3 T6 0-9 — 6'7 „ 

3. „ 1-6 0-8 TO 11 0-8 - 53 „ 

4. 22 11 17 1*8 10 = 78 „ 

Dei Cephalothorax gelb gefärbt mit vorn braunen und im hinteren Thei] 

mit weissen Härchen spärlich bekleideten Kopftheil, an dessen Seiten sich die 
braune Färbung als ein nach hinten zu immer schmäler werdendes Band fast 
Ml zur Mittelritze erstreckt. Die Mandibeln, die Maxillen und die Lippe 
kastanienbraun, das Sternum gelb, in der Mitte mit einem unregelmässigen 
helleren Fleck, von dem aus zum hinteren Rande einer und zu den Seiten- 
rändern je zwei ebenso gefärbte .schmale Linien laufen. Die Coxcn der Beine 
gelb mit runden braunem Fleck an der I5asis der beiden Hinterpaare; die 
TfOChaatei brau) mit gelbem Fleck an den beiden Vorderpaaren; die Schenkel 
der beiden Vonlerpaare an der Bania gelb, sonst dunkelbraun und zwar etwas 



A< l.i ;:>,>. In<lo-N<M:ilari.liciic V. l. V pl. VIII, Vig. 1. 



Einige Spinnen von Madagascar. 



87 



dunkler als die übrigen auch braun gefärbten Glieder. Die beiden Hinterpaare 
etwas heller braun als die Vorderpaare, die Schenkel derselben weiter hinauf 
gelb und mit gelbem Ringe an der Basis der Patellen und Tibien geziert. Das 
Abdomen oben schwarz mit schmalem, in der Mitte breitern als an beiden 
Enden, weissem Längsbande über der Mitte und jederseits am Rande mit 
weissen Flecken und Strichen, die sich zu einem unregelmässigen Längsbande 
vereinigen. Die Haarbekleidung des Rückens ist sehr spärlich und besteht aus 
kleinen schwarzen Borsten und feinen weissen Härchen. Der Bauch ist mit 
einem grossen, weissen, viereckigen Fleck geschmückt, der vorn an der roth- 
braunen Epygine beginnt und nach hinten zu schmäler werdend bis zu den 
dunkelbraunen Spinnwarzen reicht, die von einem Ringe weisser Flecken um- 
geben werden. Die faltigen Seiten des Bauches sind schwarz mit einzelnen 
weisslichen Flecken und Stricheln. 

Der Cephalothorax ebenso lang wie Patella und Tibia des vierten Bein- 
paares, in der hinteren Hälfte zwischen dem zweiten und dritten Fusspaare, wo 
er am breitesten ist, um den vierten Theil schmäler als lang, aber nicht doppelt 
so breit als vorn. Der Kopftheil ist ziemlich hoch gewölbt, vom Brusttheil 
durch recht tiefe Seitenfurchen getrennt, die quere Mittelgrube nicht tief und 
an den Seiten liegen einige flache Furchen, die von dieser auslaufend, zu den 
Rändern hinabsteigen. 

Die vier gleichgrossen Mittelaugen sitzen im Quadrat an den Seiten 
eines stark vorspringenden Hügels um wenig mehr als Augenbreite von ein- 
ander entfernt und höchstens sind die beiden vorderen unbedeutend weiter von 
einander als die beiden hinteren. Die Seitenaugen auch fast gleich gross, 
sitzen ebenfalls an einem vorspringenden Hügel um kaum halbe Augenbreite 
von einander und zwei und einhalb Mal so weit von den unteren Mittelaugen 
als diese von einander. Betrachtet man die Augen von vorne, so erscheint die 
untere Reihe gerade, die obere nach hinten gebogen (recurva), während von 
oben gesehen beide Reihen sich stark nach vorn gekrümmt (procurvae) zeigen. 

Die Mandibeln kräftig, aber nicht über den Stirnraud hervorgewölbt, fast 
so lang als der Kopf vorne breit und etwas länger als die Patella des ersten 
Fusspaares. 

Die Maxillen ebenso breit als lang, vorn gerade abgestutzt, am Aussen- 
rande leicht gerundet, am Innenrande in der vorderen Hälfte gerade und in der 
hinteren etwas ausgeschnitten, so dass sie die vorn gerundete, bedeutend breitere 
als lange Lippe zum Theil einschliessen. 

Das kaum längere als breite Sternum hat eine herzförmige Gestalt. 

Die Beine sind mit einzelnen Stacheln, Borsten und feinen, weissen, an- 
liegenden Härchen bekleidet. Das vierte Paar nicht ganz um seinen Tarsus 
länger als das erste und fast dreimal so lang als der Cephalothorax. 

Der Hinterleib, um etwas mehr als den fünften Theil länger als breit, 
hat eine kurze ovale Gestalt, ist hoch gewölbt, dabei aber oben und unten ein 
wenig abgeplattet und mit einer recht festen matt glänzenden Haut bekleidet. 
Auf dem Rücken sieht man vier kleine, runde, braune Grübchen im Viereck, 



88 



Graf Eugen Keyserling. 



von den die beiden vorderen näher an einander gerückt sind als die beiden 
hinteren. 

Die Epygine besteht aus einem wenig längeren als breiten, hinten zum 
grösseren Theil die Bauchfalte überragenden, wurstförmigen , quergefurchten 
Körper, an dessen hinterem Ende ein kurzer, stumpfer, nach unten gekrümmter 
Fortsatz die beiden rundlichen Geschlechtsöffnungen zum Theil verdeckt. 

Ausser diesem von Madagascar stammenden Exemplar befinden sich in 
der Sammlung des Herrn Bösenberg noch mehrere weibliche Thiere aus der 
Umgegend von Montevideo, die vollständig in der Zeichnung, den Verhält- 
nissen der einzelnen Körpertheile zu einander und der Gestalt der Epyginen 
übereinstimmen und nur darin abweichen, dass das Mittelband über dem Rücken 
und der Bauch roth sind. Die Beine der aus Uruguay kommenden Thiere haben 
meist eine gelbe Farbe und dunkle Ringe am Ende der Glieder bis auf die 
Schenkel und Patellen der beiden ersten Paare, die auch dunkel braun ge- 
färbt sind. 

3. Chiracanthiam argenticomum n. sp. 
Tab. III, Fig. 3. 

Mann : 

Totallänge . . 110 Mm. 

Cephalothorax lang 47 „ 

in der Mitte breit 3*9 „ 

„ vorn breit 2*8 « 

Abdomen lang 5 - G „ 

breit .... : i 7' 2'd # 

Mandibeln lang 2*1 „ 

Fem. Pat. Tib. Metat. Tar. Summa 

l Fuss 5-1 22 4-8 4-3 1 8 « 18 2 Mm. 

2. „ 4-3 18 40 3-9 VI* =* 15-7 „ 

3. „ 30 14 24 28 11 — 10'7 „ 

\. r 4-3 1-8 38 47 P3 «* 159 „ 

Der Cephalothorax hell rothbraun mit feinen, weissen, silberglänzenden 
Bärchen bedeckt, die Mandibeln roth, am Ende etwas dunkler; die Lippe, die 
Marillen und das Sternum hell röthlichbraun, das letztere etwas heller als die 
beiden ersteren; die Coxen, Schenkel, Patellen und das Ende der Tibien, be- 
sonders an den beiden Vorderpaaren, hell rothbraun, die übrigen Glieder hellgelb, 
ebenso wie die Palpen, an denen nur das Endglied an der unteren Seite dunkel 
braun gefärbt ist. Der Hinterleib hell grau mit gelben Spinnwarzen. Die Beine 
sind ebenso wie der Cephalothorax mit feinen anliegenden silberglänzenden 
Märchen bekleidet. 

Der glänzende Cephalothorax bedeutend kürzer als Tibia + Patella des 
vierten Beinpaares, vorn weit mehr als halb so breit als in der Mitte, in der 
vorderen Hüfte recht hoch gewölbt, fällt an der Stirn steiler ab als an dem 
kurzen und fast geraden Ilinterrande. Die Seitenfurclien, die den Kopftheil vom 
lirusttheil trennen unten sehr deutlieh and recht tief, verschwinden oben fast 



Einige Spinnen von Madagascar. 



89 



ganz. Die am Anfang des Enddrittheils gebogene Mittelritze ist recht tief und 
von ihr aus laufen jederseits ein Paar flache, schmale Furchen nach den Seiten- 
rändern, die von einem schmalen Wulst eingefasst werden, der vorn auch den 
Stirnrand umgibt. 

Die vordere Augenreihe gerade, kaum um Augenbreite über dem Stirn- 
rande, die Mittelaugen derselben rund, ebenso gross oder unbedeutend grösser 
als die etwas ovalen Seitenaugen, von denen sie fast um doppelte Augenbreite 
entfernt liegen, während der Abstand von einander nur Augenbreite beträgt. 
Die obere Augenreihe etwas nach oben gebogen und breiter als die untere; 
die Augen derselben gleich gross aber sichtlich kleiner als die der anderen, 
die Mittelaugen liegen doppelt so weit von einander als die mittleren der 
unteren Reihe, einander aber etwas näher als von ihren Seitenaugen entfernt. 

Die Mandibeln glänzend, sehr kräftig, in der oberen Hälfte blasenförmig 
aufgetrieben, weit dicker als die Vorderschenkel, so lang als die vorderen 
Patellen, abwärts gerichtet, stark divergirend und am Ende mit ziemlich langer 
gekrümmter Klaue. Nur oben am inneren Falzrande sind einige kleine Zähn- 
chen sichtbar, während der äussere mit langen Haaren besetzt ist. 

Die Maxillen in der Mitte stark eingezogen, wenig gewölbt, vorn er- 
weitert und am Aussenrande gerundet, sind um etwas mehr als den dritten 
Theil länger als die vorn ausgeschnittene, kaum längere als breite Lippe, die 
in der hinteren Hälfte am breitesten ist und nach vorn und hinten zu sehr 
wenig schmäler wird. 

Das längere als breite, herzförmige Sternum ist ebenfalls glänzend, 
ziemlich hoch gewölbt und am Rande, gegenüber den Ansatzstellen der Beine, 
mit deutlichen Eindrücken versehen. 

Die ersten Glieder der Palpen sehr dünn, der sonst nichts Besonderes 
bietende Femuraltheil oben am Ende mit zwei Stacheln, der Tibialtheil am 
Ende nach unten gekrümmt, bedeutend länger als der ebenso dicke Patellar- 
theil, hat aussen am Ende einen kleinen, mit einer stumpfen Spitze versehenen 
zahnartigen Fortsatz. Das Endglied verhältnissmässig sehr entwickelt, viel 
breiter und etwas länger als die beiden vorhergehenden zusammen, hat einen 
etwas abwärts gekrümmten Schnabel, der ebenso lang ist als der hintere Theil, 
der den Geschlechtsknoten aufnimmt. 

Die Beine recht lang, das erste Paar fast vier Mal so lang als der 
Cephalothorax, um etwas mehr als seinen Metatarsus länger als das vierte, das 
ungefähr gleich dem zweiten ist. Das erste Paar ist gleichzeitig auch etwas 
dicker als die übrigen und besonders übertreffen seine Coxen die der anderen 
Beine bedeutend an Länge und Dicke. Die Bestachelung ist folgendermassen : 
Erster Fuss: Femur oben 1, innen 1. 1, aussen 1, Patella keine; Tibia unten 

2. 2. 2. 2, Metatarsus unten 2. 2. 1, wenn der letzte am Ende sehr klein ist. 
Zweiter Fuss: Femur oben 1. 1, vorn 1. 1; Patella keine; Tibia unten 2. 2. 2. 2, 

vorn 1; Metatarsus unten 2. 2. 
Dritter Fuss: Femur oben 1. 1. 1, vorn 1. 1, hinten 1, Patella keine; Tibia 

unten 2. 2, vorn 1. 1, hinten 1. 1; Metatarsus unten 2. 2 und jedetseits 3. 

Z. B. Ges. B. XXVII. Anh. 12 



90 



Graf Eugen Keyserling. 



Vierter Fuss: Femur oben 3, jederseits 1; Patella keinen; Tibia unten 1. 1. 2, 
jederseits 2; Metatarsus wie bei III. 

Beide Klauen am Ende der Tarsen sind gezähnt, aber die Zahl der 
Zähnchen kann ich nicht angeben, da diese von den Haarbürsten fast ganz 
verdeckt werden. Eine sehr dünne und kurze Scopula sitzt an den Metatarsen 
und Tarsen der beiden Vorderpaare, an den beiden Hinterpaaren aber nur an 
den Tarsen und da auch so schwach, dass sie schwer zu bemerken ist. 

Das mehr als doppelt so lange als breite Abdomen ist vorn gerundet und 
läuft hinten recht spitz zu. 

Die unteren Spinnwarzen sind etwas dicker aber ebenso lang als die 
beiden oberen, die mittleren ganz kurz und zwischen den anderen verborgen. 

4. Segestria Madagascarensis n. sp. 



Weib: 

Totallänge 14*0 Mm. 

Cephalothorax lang 6*8 „ 

„ in der Mitte breit 4*6 „ 

„ vorn breit 3 2 „ 

Abdomen lang . 7*8 „ 

„ breit 4'8 „ 

Mandibeln lang 3*8 „ 

Fem. Pat. Tib. Metat. Tar. Summa 

1. Fuss 6'8 2*7 6-2 5 5 2 = 23-2 Mm. 

2. „ ........ 6-3 2-7 6-2 5-3 2-0 = 22*5 „ 

3. „ 5*2 2-3 50 4-2 1$ = 185 „ 

4. „ 57 2-5 5-5 4-2 1'8 = 197 „ 

Der Cephalothorax rothbraun, oben auf dem Rücken heller mit dunkelem 



Strich über der Mitte und mit langen Haaren, besonders an den Seiten recht 
dicht bekleidet, die Augenhügei und die Seitenränder schwarz; die Mandibeln 
rothbraun vorn grün und blau metallglänzend; die Lippe, die Maxillen und das 
Sternum rothbraun; die Beine und Palpen ebenso, nur sind die Hinterpaare 
etwas heller und haben fast ganz gelbe Metatarsen und Tarsen. Die Tarsen 
der beiden Vorderpaare sind auch etwas heller gefärbt als die übrigen Glieder 
und die Schenkel haben an der Hinterseite ein schmales bräunlichgelbes Längs- 
band. Das lang und dicht behaarte Abdomen ist oben braun, unten etwas heller 
und oben über der Mitte des Rückens mit einem Längsbande geziert, das 
ebenso wie bei S. ßorentina aus kleinen schwarzbraunen Dreiecken besteht. 

Der Cephalothorax ebenso lang als der Femur des ersten Fusspaares, 
ungefähr um den dritten Theil länger als breit, vorn gerundet, ungefähr um 
den dritten Theil schmäler als in der Mitte, an den Seiten gleichrnässig ge- 
schwungen, oben hoch gewölbt, bald hinter den Augen am höchsten, fällt zu 
den Seitcnrändem recht steil ab, während er zu dem gerundeten nicht aus- 
geschnittenen Hinteirande ziemlich alhnälig niedriger wird. Die sehr flache und 
undeutlich* Mittelgrube ist vom Hinterrande ungefähr halb so weit entfernt als 



Einige Spinnen von Madagascar. 



91 



vom Stirnrande und von ihr aus laufen strahlenförmig flache Furchen nach den 
Seitenrändern. 

Alle Augen so ziemlich gleich gross, die untere Augenreihe recht stark 
nach hinten gekrümmt, indem die beiden an stark vorspringenden Hügeln 
sitzenden, vom Stirnrande um Augenbreite und den beiden dicht bei einander 
liegenden Mittelaugen ebenso weit entfernten Seitenaugen deutlich tiefer stehen. 
Die beiden Augen der oberen etwas breiteren Reihe sitzen an demselben Hügel- 
chen mit den seitlichen der unteren Reihe und sind von ihnen um den dritten 
Theil ihres Durchmessers entfernt. 

Die kräftigen, vorn lang behaarten, etwas schräg nach vorn gerichteten 
Mandibeln sind länger als der Kopf vorne breit und die Patellen des ersten 
Fusspaares, mindestens so dick als die Schenkel I, ragen ein wenig über den 
Stirnrand hervor, werden nach unten zu kaum dünner und sind am Ende an 
der Innenseite schräg abgestutzt. Die Klauen an denselben kräftig, kurz und 
recht stark gekrümmt. 

Die sehr langgestreckten Maxillen sind vorn gerundet, in der Mitte sehr 
schmal und werden in der Vorderhälfte allmälig breiter. 

Die Lippe ungefähr doppelt so lang als breit, 2 / z so lang als die Maxillen, 
in der Mitte nicht breiter als an der Basis und an dem gerade abgestutzten 
Vorderrande, ist in der Mitte der ganzen Länge nach recht gewölbt und jeder- 
seits am Seitenrande mit einer deutlichen Längsrinne versehen. 

Das fast doppelt so lange als breite Sternum ist mässig gewölbt, glatt 
mit einzelnen kleinen Grübchen, an den Seiten ziemlich behaart und gegenüber 
den Ansatzstellen der Beine mit Erhöhungen versehen. 

Der Patellartheil der Palpen % so l an g als der ziemlich dicke Tibialtheil, 
das Endglied sehr dünn, fast so lang als die beiden vorhergehenden zusammen 
und am Ende mit einer kleinen, ungezähnten Klaue versehen. Der Femuraltheil 
ist unten mit langen abstehenden Haaren besetzt und die beiden Endglieder 
sind auch recht lang und dicht behaart. 

Die Beine recht kräftig, dicht und lang behaart, besonders die der beiden 
Vorderpaare; das erste Paar fast 3 72Üial so lang als der Cephalothorax. An den 
Metatarsen und Tarsen der beiden Vorderpaare befindet sich eine recht dichte 
Scopula, an denen des dritten Paares ist sie dagegen sehr dünn und fehlt 
ganz an denen des vierten. Die äussere der grossen Klauen am Ende der 
Tarsen des vierten Fusspaares hat 6, die innere 6 oder 7 und die kleine 
1 Zähnchen. An den Klauen des ersten Paares befinden sich an den grossen 
je 8 — 9 und an den kleinen keine Zähnchen. Die Bestachelung ist folgende: 
Erster Fuss: Femur oben 1. 1, an der Innenseite am Ende 2; Patella keine; 

Tibia unten 2. 2. 2, aussen 1. 1. 1, innen 1. 1. 1; Metatarsus unten am 

Anfange 2 und am Ende 2. 
Zweiter Fuss: Ebenso, nur haben die Tibien innen keine. 
Dritter Fuss: Femur und Patella ebenso; Tibia unten 1. 1. 1. 2, aussen 1. 1. 1. 

innen keine; Metatarsus einige als an I und II. 

12* 



92 



Graf Engen Keyserling. 



Vierter Fuss: Ebenso, nur haben die Tibien aussen keine und innen 1. 1. 

Die Spinnwarzen sind alle kurz und die oberen und unteren von gleicher 

Länge. 

Der Hinterleib hat eine längliche ovale Gestalt. 

Die oben beschriebene Art hat so grosse Aehnlichkeit mit unserer euro- 
päischen S. Florentina Rossi, dass man sie für identisch mit derselben halten 
müsste, wenn die Längenverhältnisse der Beine nicht erhebliche Verschieden- 
heiten bieten würden. Bei S. Florentina ist das erste Fusspaar 9 1 /i mal so 
lang als der Cephalothorax, Femur I bedeutend kürzer als derselbe und ebenso 
lang als Tibia I, während bei S. Madagascarensis das erste Fusspaar 2 9 /mrnal 
so lang als der Cephalothorax. Femur I ebenso lang als dieser und länger als 
Tibia I ist. 

5. Phrynarachne laevis n. sp. 
Tab. III. Fig. 5 und ha— d. 



Weib: 

Totallänge 12*0 Mm. 

Cephalothorax lang 4'5 „ 

„ in der Mitte breit 3 9 „ 

„ vorn breit . 2*8 „ 

Abdomen lang 8*2 „ 

breit 7'3 „ 

Mandibeln lang 2*0 „ 

Fem. Pat. Tib. Metat. Tar. Summa 

1. Fuss 4-2 1-8 2-6 2 1 1 5 — 12*2 Mm. 

2. „ 4-2 1-8 29 22 1 5 — 126 „ 

3. „ 3'0 15 1-9 1*3 1*1 = 8*8 „ 

4. „ 32 1-5 2-1 1-6 1-2 = 9*6 „ 



Der Cephalothorax und die Mandibeln dunkel schwarzbraun mit bläu- 
lichem Metallschimmer, wenn man sie von der Seite betrachtet; die Maxillen 
rothbraun, die Lippe, das Sternum und die Beine schwarzbraun und nur die 
Coxen und Tarsen am Anfange etwas heller. Der Hinterleib oben schmutzig 
gelb mit einem grossen schwärzlichen, vorne runden, an den Seiten und hinten 
tief ausgeschnittenen Fleck. Der Bauch und die Seiten bräunlich, bestreut mit 
ganz kleinen dunkelbraunen Pünktchen, auf denen kleine Härchen sitzen und 
einzelnen grösseren gelben, unregelmässig liegenden, runden Flecken. Die Spinn- 
warzen und die Epyginc schwarzbraun, die Lungendecken rothbraun. 

Der Cephalothorax glänzend mit spärlichen Härchen besetzt; die in kleinen 
Grübchen sitzen, an den Seiten mit staehelartigen Borsten besetzt vorn wenig 
schmäler als in der Mitte, ist oben sehr hoch gewölbt, in der hinteren Hälfte 
im höchsten, füllt zu dem geraden Hinterrande recht steil ab, nach vorn etwas 
weniger steil bis zu den Augen, dann aber fast senkrocht bis zum unteren 
Stirnrand". 

Dil beiden Augnnroihon massig nach vorn oder unten gekrümmt und 
zwar die Untere etwas mehr, deren Augen fast doppelt ho gross sind. Die 



Einige Spinnen von Madagascar. 



93 



Mittelaugen der unteren Eeihe nm ihren Durchmesser vom Stirnrande, doppelt 
so weit von den oberen Mittelaugen, um das Dreifache von einander und um 
das zwei und einhalbfache von ihren Seitenaugen entfernt. Die 4 Mittelaugen 
bilden ein etwas breiteres als langes Viereck und die beiden oberen stehen 
etwas weiter auseinander als die unteren, ebenso auch weiter als ihre Seiten- 
augen von ihnen. Der Abstand der Seitenaugen von einander ist etwas weniger 
als der der Mittelaugen, die alle vier in einem ganz flachen, sehr wenig be- 
merkbaren Hügel liegen. Die Seitenaugen sitzen jedes für sich auf einem ganz 
kleinen kaum wahrnehmbaren Hügelchen. 

Die Mandibeln etwas länger als die vorderen Patellen, bedeutend kürzer 
als die Stirne vorne breit, ebenso dick als die Schenkel des ersten Paares, 
sind der Länge nach, besonders oben, stark gewölbt, mit Borsten und am 
Innenrande mit einigen Stacheln besetzt. Oben am Aussenrande befindet sich 
ein scharfer Kiel, der bis über die Hälfte des Gliedes hinabreicht. 

Die Maxillen dreimal so lang als in der Mitte breit, wo sie am schmälsten 
sind, vorn am Aussenrande gerundet, innen in der Endhälfte gerade und um 
die Lippe herum ein wenig ausgeschnitten. 

Die Lippe 2 / 3 so lang als die Maxillen, ist massig gewölbt, beträchtlich 
länger als breit, vorn gerundet, und in der Mitte am breitesten. 

Das fast um den dritten Theil länger als breite, dreieckige Sternum ist 
ziemlich gewölbt und ebenso wie die Lippe und die Maxillen mit nicht sehr 
dicht stehenden braunen Borstenhaaren besetzt. 

Die Palpen recht kurz, der Tibialtheil derselben unbedeutend dünner und 
kaum länger als der Patellarthei], das Endglied auch etwas dünner und nur 
wenig länger als der Tibialtheil. An allen Gliedern sitzen einzelne Stacheln und 
Borsten, die am letzten besonders dicht stehen, so dass sie die kleine Endklaue 
vollständig verdecken. 

Die Beine kurz und kräftig, dünn und kurz behaart, die Schenkel deutlich 
fein granulirt, die übrigen Glieder ziemlich glatt, das zweite Beinpaar, welches 
das längste ist, 2 s / l() mal so lang als der Cephalothorax. Alle Beine sind be- 
stachelt und zwar folgendermassen: 

Erster Fuss : Femur vorn an der Seite 8 — 12, von denen die meisten am Anfange 
und in der ersten Hälfte des Gliedes sitzen; Patella keine; Tibia unten 
zwei Reihen von je 4 — 7, innen 3 und aussen 3; Metatarsus unten zwei 
Reihen von je 5 — 6, an der Innenseite und Aussenseite auch einige. 
Die drei anderen Fusspaare sind ganz ähnlich bestachelt nur fehlen die 
Stacheln an der Vorderseite der Schenkel und sind dafür oben 1—2 vorhanden, 
die Tibien des dritten Paares haben einige weniger und die Patellen der 
beiden Hinterpaare hinten 1. Die Klauen des letzten Fusspaares haben jedes 
12 Zähnchen. 

Das Abdomen hat eine fast runde Gestalt, ist vorn unbedeutend breiter 
als hinten und oben und unten ein wenig flach gedrückt. Die sehr kleine Epy- 
gine besteht aus zwei durch eine Vertiefung von einander getrennten und mit 
mehreren Längsfurchen versehenen Platten. 



94 



Eugen Graf Keyserling. 



6. Eris praedatoria n. sp. 
Tab. III, Fig. 4 und 4a-c. 



Mann. 

Totallänge . . • 6 Mm. 

Cephalothorax lang 2*8 „ 

„ in der Mitte breit 2"4 „ 

„ vorn breit 2*0 ,. 

Abdomen lang 3'0 „ 

„ breit 1*4 '^ >i 

Mandibeln lang 1*1 „ 

Fem. Pat. Tib. Metat. Tar. Summa 

h Fuss 2-0 13 1-7 11 10 = 7-1 Mm. 

2. „ 1-8 ro Tl 0'9 0-8 = 5-6 „ 

3. „ 2-0 1-0 11 1-2 1-0 =* 63 „ 

4. „ 20 11 12 1-3 10 = 66 „ 



Der Cephalothorax rothbraun, um die Augenhügeln herum etwas dunkler 
mit blauem Schimmer, hinter den obersten Augen mit einem schwarzen Quer- 
bande, in dessen Mitte, ein vorn spitzer und hinten runder, von weissen Härchen 
gebildeter, Fleck sich einschiebt. Die Bekleidung dieses Körpertheils besteht 
aus wenigen grauen Schuppenhärchen und einzelnen langen Borstenhaaren, die 
an den Seiten "hinter den Augen und besonders vorn in der Nähe der Stirn, 
unterhalb der Augen, am zahlreichsten sind. Die Augen schmutzig weiss mit 
Metallschimmer, wenn das Licht von der Seite auf sie fällt. Die Mandibeln 
rothbraun, die Lippe und Maxillen braun, letztere mit weissem Rande vorn an 
der Innenseite, das Sternum bräunlich gelb, die Beine rothbraun mit schwärz- 
lichen Schenkeln und gelben Coxen und Tarsen, die Palpen bräunlich gelb. 
Das Abdomen oben grünlich braun mit schwärzlicher Seiteneinfassung und fünf 
weissen, schmalen Querbändern, von denen eines vorn in der Mitte und zwei 
jederseits am Rande liegen. Der Bauch silbergrau, vorn mit braunem Fleck in 
der Mitte und hinten gelb. Dicht vor den Spinnwarzen befindet sich eine gelbe 
runde buckeiförmige Erhöhung von beträchtlicher Grösse. Der ganze obere Theil 
des Abdomens ist mit braunen, weissen und grünlichen Härchen dicht bekleidet, 
an den Seiten sitzen viele längere schwarze Borstenhaare, die dieselben dunkler 
gefärbt erscheinen lassen. Die Behaarung des hinteren Theils des Bauches ist 
zwar auch dicht aber kurz, mit Ausnahme einiger schwarzer Härchen, die etwas 
länger sind als die hellen. Die unteren Spinnwarzen rothbraun, das Basalglied 
der oberen ebenso, aber mit langen schwarzen Haaren besetzt und einem 
schmalen, von kurzen weissen Härchen gebildeten Längsbande, das Endglied 
ganz weiss bekleidet. 

Der Cephalothorax etwas kürzer als Patella -f~ Ti bia I, wenig länger als 
in der Mitte gleich hinter den obersten Augen breit, vorn wenig schmäler als 
in der Mitte, hoch gewölbt, an den Seiten sehr steil, fällt hinten auch recht 
.schräge ab. Der Kopftheil ist wenig kürzer als der Brusttheil, oben zwischen 
fad Augen deutlich vertieft und sehr wenig nach vorne geneigt. 



Einige Spinaen von Madagaskar. 



95 



Die beideD grossen Mittelaugen der vordersten Reihe sitzen dicht neben- 
einander in geringer Entfernung über dem Stirnrande, die Seitenaugen reichlich 
um halbe Augenbreite von diesen und auch etwas höher als sie. Eine über den 
oberen Rand der grossen Augen gezogen gedachte Linie würde die Seitenaugen 
ungefähr in der Mitte durchschneiden. Die beiden Augen der hintersten Reihe 
sind fast ebenso gross und ebenso weit von einander entfernt als die Seiten- 
augen der vordersten. Die ganz kleinen Augen der Mittelreihe sitzen etwas 
näher, die Vorderreihe und der ganze Raum, den alle Augen einnehmen, ist nicht 
viel breiter als lang, während das Viereck, das die vorderen Seitenaugen und 
die der hintersten Reihe bilden, ungefähr um den vierten Theil breiter als lang 
ist Die Entfernung der Augen der hintersten Reihe vom Seitenrande ist etwas 
grösser als die von einander. 

Die Mandibeln fast senkrecht, unbedeutend nach vorn gerichtet, stark 
divergirend, vorn flach und deutlich lederartig granulirt, sehr sparsam fein be- 
haart, an der Aussenseite gewölbt, am Ende innen schräg abgeschnitten und 
mit einem tiefen scharfrandigen Falz versehen, an dessen oberen Ende zwei recht 
grosse Zähne sitzen, von denen der an der Vorderseite in zwei kurzen Spitzen 
endet. Die ziemlich lange, wenig gekrümmte Klaue hat oben eine geringe Ein- 
buchtung und unten, etwas hinter der Mitte, einen zahnartigen Vorsprung. 

Die Maxillen etwas länger als breit, massig gewölbt, in der vorderen 
Hälfte am breitesten, sind vorn an der Innenseite schräg abgeschnitten und an 
der Aussenseite gerundet. 

Die Lippe etwas länger als breit, kaum mehr als halb so lang als die 
Maxillen, in der Mitte am breitesten, hinten etwas eingeschnürt, nach vorn zu 
verjüngt, endet vorn recht schmal und ist am Ende gerade abgestutzt. 

Das Sternum ganz flach, höchstens um den dritten Theil länger als breit 
und mit spärlichen feinen schwarzen Härchen besetzt, zwischen denen an jeder 
Seite 3 — 4 stärkere kurze Börstchen bemerkbar sind. 

Die Beine haben eiue sehr dünne Bekleidung von schwarzen Härchen. 
Die Coxen des ersten Paares sind die längsten und dicksten, die des letzten 
die kürzesten und dünnsten, ebenso sind auch die Patellen und die an der 
Innenseite bauchig erweiterten Tibien I bedeutend dicker und länger als die der 
übrigen Beine. Die Bestachelung ist folgendermassen: 

Erster Fuss: Femur oben 1. 1. 1, vorn 3, hinten keine: Patella keine; Tibia 
unten zwei Reihen von 3 und 4, vorn 1. 1, hinten keine; Metatarsus unten 
2. 2 sehr starke. 

Zweiter Fuss: Femur oben 1. 1. 1, vorn 3, hinten 2; Patella keine; Tibia unten 
zwei Reihen von je 2 und 3, vorn 2 und hinten keine; Metatarsus 
unten 2. 2. 

Dritter Fuss: Femur obenl. 1. 1, vorne 3, hinten 3; Patella keine; Tibia unten 
1. 2, vorn am Ende 2—3, hinten keine; Metatarsus unten am Ende 2 
und jederseits 1. 

Vierter Fuss : Ebenso bis auf den Metatarsus, der nur zwei unten am Ende hat. 



96 



Graf Eugen Keyserling. Ueber einige Spinnen Ton Madagascar. 



Der Tibialtheil der Palpen, etwas länger als der Patellartheil, ist an der 
Basis schmäler als dieser, gegen das Ende hin leicht gekrümmt und dicker 
und hat vorn am Ende, oben an der Aussenseite, einen kurzen zahnartigen, ein 
wenig gekrümmten Dorn. Die Decke des Endgliedes ungefähr ebenso lang als das 
vorhergehende, vorn schräg abgestutzt, besitzt einen nur sehr kurzen- Schnabel 
und ist oben mit spärlichen schwarzen Börstchen und vorn mit kurzen, dichten, 
feinen Härchen bekleidet. Der fast runde, sehr wenig gewölbte Geschlechtsknoten 
wird am unteren und inneren Seitenrande von einem langen dünnen Fortsatz um- 
geben, der am Aussenrande entspringt und mit seiner feinen Spitze bis ungefähr 
zur Mitte des Schnabels reicht. 

Das doppelt so lange als breite Abdomen läuft hinten ziemlich spitz zu. 

Die unteren Spinnwarzen haben eine etwas konische Gestalt und sind 
doppelt so lang als dick, die oberen dagegen cylinderförmig , etwas dünner, 
zweigliedrig und um das Endglied länger. 



Erklärung der Abbildungen. 
Tab. IH. 

Fig. 1. Gasteracantha vittata Th. a. Kopf von vorn, b. Cephalothorax von der 
Seite, c. Epygine. 

„ 2. Cercidia versicolor n. sp. a. Epygine. 

„ 3. Chirocanthium argenticomum n. sp. Männliche Palpe. 

ff 4. Eris praedatoria n. sp. a. männliche Palpe, b. Mundtheile c. Augen- 
stellung. 

„ 5. Phrynarachne laevis n. sp. a. Epygine, b. Mundtheile, c. Augenstellung, 
d. Cephalothorax von der Seite. 



Mycologische 



B e i t r ä g e. 1 ) 



Von 

Stephau Schulzer vou Müggenburg. 

(Fortsetzung. 2 ) 



(Vorgelegt in der Versammlung am 6. März 1877.) 

37. Agaricus (Psathyrella) biformis n. sp. Hygrophanus, Occurrit 
mense Junio post pluviam, sparsim et gregatim, in locis graminosi*. Fragilli- 
mus; post horas 36 ßaccescens. Pileus camosulus, glaber, nec striatus, cine- 
rascente-albidus vertice fulvescente, saepe margine ßssus, int er dum superficie 
concentrice dehiscens. Udus aut totus, aat solum in parte supera fuligineus; 
nunquam explanatus, inferne T2 — 3 Cm. latus, forma semiglobata 7—17 Cm. 
alta, conoidea parce ältiora. Provenit socialiter crescens formis duabus; pileo 
conico et pileo semiglobato. LaweUae nec confertae, postice adfixae, antice 
3 — 7 Mm. I., primitus albidae, deinde purpureo-fuscae, acie integra alboprui- 
nata. Stipes non contiguus, flexuosus . fisttdosns, ubique 1—4 Mm. crassus, 
3'5—7'8 Cm. longus , albus, sub lente, praesertim apice, pruinosus, tandem 
glaber et sericeo-nitens. Caro parca albido-grisea ; odore et sapore normali 
fungorum; posterior subnauseosus. Sporae nigrae inaequilaterali-ellipjsoideae, 
circa 014 Mm. long., 0'007 Mm. crass. 

Dieses Schwämmchen erschien im vergangenen Sommer zum ersten Male 
in meinem mit Rasen bewachsenen Haushof, und zwar in der ersten Hälfte des 
Juni sehr, in der zweiten weit weniger reichlich.. — Die kegelförmige und die 
halbkuglige Form wachsen zwischen einander, doch sieht man auch Uebergänge. 
Ueber dieses spricht die völlige Gleichheit der Sporen für die Zusammen- 
gehörigkeit beider. Die Sporen sind am unteren Ende etwas mehr verschmä- 
lert, als am oberen; die Lamellen vorn am breitesten, jedoch gleichsam bogig- 
schief abgestutzt. Der Stiel des Schwämmchens ist dessen zerbrechlichster 
Theil und nur mit grosser Vorsicht unverletzt auszuheben. 

J ) Siehe Band XXVI, Seite 415. 1876. 

*) Alle Arten stammen aus der Umgegend von Vinkovce in Slavonien und ihre colorirten 
Abbildungen befinden sich noch in meinem Besitze. 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 13 



98 



Stephan Schulzer von Müggenhurg. 



38. A. (Ps.) gracilis P. var. n. medius. Hygrophanus, Provenit 
Octobre et Novembre catervatim in locis graminosis. Pileo membranaceo, 
conico, nunquam expanso, 12—3 5 Cm. lato, 9 — 18 Cm. dito, laevi, glabro, 
in marcescentia spurie striato, dilute aut obscure umbrino lamellis adnatis, mox 
liberis, subeonfertis, fuligineo-nigricantibus, acie pruinata obscuriore subventri- 
coso-linearibus, 2— 4' 5 Mm. latis; stipite discreto, albo, substricto, glabro, sub- 
nitente, apice 1 — 3 Mm. er., deorsum leniter incrassato, 6 — 11 5 Cm. I., fistuloso, 
valde fragili. Sporae nigrae, irregulariter ellipsoideae , 0'009 — 0012 Mm. I., 
O'OOo — 0'006 er. Sine odore et supore distineto. 

Meistens kleiner als die in den Karpatben gesehene Normart, übrigens 
hauptsächlich durch die nicht oblong-ovalen Sporen sowohl von dieser, als auch 
von meiner eben dort angetroffenen Spielart „minimus" abweichend. Siehe 
Verhandlungen der zool.-bot. Ges. 1870, Seite 186. 

Am Rande der Weinberge zwischen Neudorf und Jarmina unweit Vinkovce. 

39. A. (Psilocybe) agrarioides n. sp. Mense junio gregarius aut 
subcaespitosus , id est parca individua ad basim conjuneta, in hortis locis 
umbrosis. Non hygrophanus ; pileo submembranaceo, e semiglobato explanato, 
subinde fere umbonato, 2—6 Cm. lato, luteolo-albido, non nitente, vertice dilu- 
tissime umbrino, glabro, sub lente irregulariter ruguloso; lamellis postice late- 
adnatis imo uncinatim subdecurrentibus , linearibus , usque 3 — 4 Mm. latis, 
antice subangustato-rotundatis, confertis, primitus albidis, demum saturate 
fusco-purpureis, acie irregiäariter serratibus et albopruinatis ; stipite cartila- 
gineo, discreto, suhflexuoso, fistuloso, plerumque aequali, glabro sub lente apice 
striatulo, albo, serieeo-nitido, 4 usque idtra 8 Cm. longo, 2'5~6'5 Mm. crasso, 
mycelio albo byssoideo insidente. Odor subnauseosus ; sapor bonus. Sporae 
ohsinre-purpureofuscae, ellipsoideae, O m 007 Mm. I., circa 0-0035 er. Totus 
fungus valde fragilis; absque velo. 

Weicht vom A. agrarius Fr. nur durch etwas grössere Dimensionen und 
dichte Lamellen ab;' dann erwähnt Fries den auch hier nicht immer bemerk- 
baren Umbo nicht, endlich ist unser Schwamm wirklich beinahe fleischlos und 
die Farbe der Lamellen am Ende dunkel purpurbraun. Erscheinungszeit gibt 
er keine an. Vielleicht sind alle angegebenen Abweichungen blos dem ver- 
schiedenen Standorte und Klima zuzuschreiben. 

Selbst bei den jüngsten Individuen traf ich keine Spur eines Velum an. 

40. t. ( HypJwl&ma ) cast us Fr. var. d. stipite brevi. Gregarius 
aut Caespittll08U8, posl pluirias, mense Junio et Julio ad truncos vitis velustas 
jam putre8C€fti68 et in vieiwitdte ea/rwn in terra nuda. Valde fragilis, non 
hygroj)hanus, pileo fere membranaCCO (Mit camosido, e globoso eonvcxo-expla- 
HtttO, m vetustis marginc snhlililrr corrugato , corlina albida membranacea 
fugace append iculato , iquamulis floecoris super ßcialibus mox secedentibus 
pra<:difo; lamellis ex (Übido vioheco- fuscis dein nigrofuscis, acie inlegra et 
albo-pruinata f adfLcii, ventricoso-li murihus, anlice obluso-acaminalis, (andern 



Ideologische Beiträge. 



99 



haud confertis, 4-5 Mm. I.; stipite cartilagineo , fistuloso, saepe curvato- 
adscedente, ubique 2' '5— 6 Mm. crasso, 4-4 5 Cm. I., dlbido, serieeo-nitente, 
sub lente evanescente-pruinoso. Caro albida; sapor et odor fungorum, debilis. 
Sporae atro-purpureae, ellipsoideae, 0-007 — 01 Mm. I., 0035— 005 er. 

Wohl mit dem im abgewichenen Jahre veröffentlichten Waldbewohner 
A. cadueus (Nr. 10) sehr nahe verwandt, obschon die Sporen bedeutend grösser 
und die Hüte mitunter gerunzelt sind. Letzterer Umstand beurkundet die Zu- 
sammengehörigkeit mit A. cascus Fr. = A. macropus P., dessen Stiele indessen, 
bei ungefähr gleicher Dicke, um Vieles länger, die Lamellen fast doppelt so 
breit sind. Bei meinen beiden Formen, so wie bei der nächsten Art, ist der 
Stiel entschieden knorpelig; sie können jedoch wegen dem deutlichen Vorhange 
zur Sippschaft Psilocybe nicht gestellt werden. 

41. Jl. (H.) subrugosus n. sp. Prorenit autumno in terra ad basim 
truncorum. Gregarius, pileo subcarnoso, e luteo-albo dilute ochraceo , nee 
hygrophano, glabro, haud nitido, e fere globoso late-conoideo, tandem explanato, 
margine fisso, 4 — 7 Cm. lato, interdum inter verticem et marginem ruguloso; 
lamellis confertis, adnatis, postice 3 — 4 Mm. latis, antice leniter cuspidatis, 
ex albido einer eo-violaceis, dein purpureo-fuscis et pruinatis. Velum in telam 
margini pilei adhaerentem contextum, sub fugax, albidum. Stipes cartilagineus 
fistulosus, ad basim plerumqiie curvatus et cum radicuUs terrae et quisquüiis 
adhaerens, basi cuspidatus, apice tenerrime sulcatus, cylindraceus, 3 5—5 Mm. 
crassus, 4—7 Cm. longus, ab pileo discretus, albus, subnitidus. Sporae valde 
saturato-atropurpureae, ellipsoideae, OW4—0005 Mm. longae. Sine odore; 
sapor gratus. Fragiiis. 

Da Fries derlei mit einem häutigen Vorhange versehene Schwämme in 
seiner letzten Epicrisis mit klaren Worten von der Sippschaft Psilocybe aus- 
schliesst, so muss diese Art, ungeachtet des knorpeligen und in den Hut nicht 
übergehenden Stiel , zu Hypholoma gestellt werden. Im Walde Vidor bei 
Vinkovce. 

% 

42. A» (Chitonia) maneus n. sp. Gregarius Junio et Julio post 
pluvias in silvis ad terram. In gregem individua aut disjuneta, aut plura ad 
basin in tuberculo coalita. Volva (velum univeisale) tota friabilis, in frustulis 
latis membranaeeis partita. Velum partiale membranaceum, laceratum, pars 
una restat cortiniformis in margine pilei, altera format ad stipitem annulum 
hiuleum imperfectum. Primitus totus fungus extus intusque albus. Dein pi- 
leus fuscescens aut dilute luteus, caro margine etiam fuscescens, lamellae pallide- 
carneae, tandem obscure fusco-purpureae. Pileus carnosus, irregulariter ex- 
pansus, tandem depressus, margine fissus, 5 5— 11 Cm. et ultra l., a stipite 
discretus; frustulae volvae mox secedentes. Lamellae remotae, satis confertae, 
sublineares , 4 — 15 Mm. latae, acie integra. Stipes faretus, cylindraceus, 
8—12 Mm. et ultra, crassus, saepe curvatus, 4' 5 — 6 5 Cm. longus, ad basim 
primitus immarginato-bulbosus , tandem nonnisi subincrassatus , sed Semper 

13* 



100 



Stephan Schulzer von Müggenburg. 



raäiculosus, in medio concentrice squamulosus mox glaber. Odor in adultis 
Pruni Armeniacae, sapor prorsus Agarici campestris. Sporae umbrino-pur- 
pureae, ellipsoideae, inaequilateralae, 005 longae. 

Zuweilen sind mehrere (2—4) Stielknollen verwachsen und bilden einen 
grösseren Körper, aus welchem eben soviele Individuen erwachsen , was in be- 
scheidenem Masse an A. coalescens Viv. erinnert. Im Beginne besteht der 
Schwamm, wie bei der Person'schen Amanita- A.hth eilung Myoper da, aus zwei 
auf einander sitzenden Kugeln, wovon die obere kleinere und regelmässigere 
der künftige Hut, die untere der gerandete Stielbasisknollen ist, aus welchem 
später der Stiel erwächst und den Hut hebt. In diesem Zustande ist die all- 
gemeine Volva eine allen oberen Theilen fest angeschmiegte, daher sich anfangs 
in ihre Formänderung fügende, feuchte, nicht leicht ablösbare Haut schwacher 
Construction. Wie sich der Stiel streckt, springt sie an dessen Oberfläche 
überall ringförmig auf und bildet lose, sehr bald völlig verschwindende, kleine 
Schüppchen. Am entwickelten Hute dagegen sieht man sie sich zu anliegenden, 
dann, besonders bei trocknem Wetter, sehr bald spontan abfallenden, ziemlich 
grossen Täfelchen zerreissen. Die nun kahl zurückgebliebene Hutoberhaut zer- 
springt zuweilen stellenweise zu kleinen Schüppchen. Das häutige Velum 
partiale zerreisst beim Oeffnen des Hutes; ein beträchtlicher Theil desselben 
bleibt für einige Zeit fetzenförmig am Hutrande hängen, der kleinere am Stiele, 
wo er keinen ringsum geschlossenen Ring, sondern an dessen Stelle einzelne 
Lappen darstellt, die gewöhnlich bald ganz verschwinden. Das Hutfleisch hat 
nicht unmittelbar am Stiele, sondern in einiger Entfernung davon, die grösste 
Dicke, welche dann gegen den Rand allmälig abnimmt. Der Durchschnitt 
völlig entwickelter Individuen lässt kaum daran zweifeln, dass wir es hier mit 
einem nahen Verwandten des A. campestris zu thun haben. 

Im Walde Vidor bei Vinkovce. 

43- A. (Naucoria) pratorum n. sp. Solitarius Octobri et No- 
vembri mense in pascuis. Pileo carnosulo, regulari, convexo, glabro, laete 
ferrugineo-fidvo, non nitido, nec hygrophano, parum ultra 2 Cm. I.; lamellis 
BubUberis, subventricosis, ellipsoideis, non confertis, circa 3 Mm. latis, dilu- 
tioribus; stipite cavo, cylindraceo, 2 Mm. aut parum ultra crasso, plerumque 
2'7 Cm. longo, glabro, cum hymenophoro spurie contiguo, flavescente-albido ; 
gporis fufoo-ferrugineis, ellipsoideis, 0007 — 0'008 Mm. longis, circiter dimi- 
dium crassis. Sine odore et sapore. 

Die Hotob erfläch e Ist nicht klebrig, in der Mitte dunkler gefärbt und 
besteht aus eingewachsenen Fädchen. 

\\. A. (N.) pusiolus Fr- v;ir. D, major. Serotmus, <"/ flnem No- 
cembris in pascuis. Gregarius, in ipsa grege saepe individua discrela et altera 
2—8 ba.si conjuHCla; subhygrophanus ; pileo e lade, ochracco expallente medio 
obscuriore, membranaceo , t subscmiglobato lale conoideo dcmum convexo-ex- 
planatOf S - 12 Mm. I, glabro, nec slrialo seil jove pluvio lamellis translucenti- 



Mycologisctie Beiträge. 



101 



bus striatus apparet, in sicco tandem interdum spurie et subtiliter ruguloso; 
lamellis prorsus adnatis, subventricosis, distantibus, usque 2'5 Mm. latis, laete 
alutaceis; stipite farcto, dilute luteo, expallente, subnitido, plerumque flexuoso, 
glabro, ubique 75—1 Mm. er., 2—3'3 Cm. I.; sporis ferrugineo-fulvis, oblongo- 
ovoideis, 0-006 — 009 Mm. longis. Sine odore et sapore. 

Der Hut ist bei Regenwetter wohl etwas feucht, doch nicht klebrig. 
Dieses schöne Schwämmchen scheint, von der Normart nur in Folgendem abzu- 
weichen: Dort ist der Hut etwas fleischig, ein wenig klebrig und nur 3'" breit 
angegeben; die Lamellen werden als flach bezeichnet, während sie hier etwas 
bauchig sind, ferner als dicht, was in Berücksichtigung der Kleinheit des Pilzes 
hier nicht gesagt werden kann; endlich fand ich den Stiel voll, wobei jedoch 
die Möglichkeit späteren Hohlwerdens nicht ausgeschlossen zu sein schien; 
Klebrigkeit bemerkte ich keine daran. Auf einer mageren, hochgelegenen Trift 
zwischen Neudorf und Jarmina bei Vinkovce. 

45. A* (Leptoma) lazulinoides n. sp. Septembri et Octobri inter 
muscos et folia pinea coacervata putrescentia gregarius. Mycelio byssoideo, 
pileo regulari e semiglobato apice umbilicato expanso in medio depresso, 
TS — 2'8 Cm. I., submembranaceo , umbrino , minute fibrüloso - squamoso , nec 
hugrophano; lamellis satis confertis, denticulo adnexis , postice 2 — 4 Mm. I., 
antice cuspidatis , e albide-violaceo albidis; stipite contiguo, cylindraceo, ad 
basim bidboso et ab mycelio albo-vestito , eminente cartilagineo et fistuloso, 
15— 2' 5 Mm. er., 3' 5 — 6 m 5 Cm. I., nitide chalybeo, basi excepta glabro; sporis 
dilute sordide-carneis, subanguloso-ellipsoideis, basi parum lateraliter prolon- 
gatis (pleurotropibus) , 008 — 01 Mm. longis. Sine odore aut sapore. 

Ist vielleicht die vom Fries in seiner neuesten Epicrisis angeführte 
Form des A. lazulinus Fr. mit dunkel mäusefarbigem Hute. Hat mit dem 
Wortlaute der Diagnose des genannten Schwammes Vieles gemein, aber der 
vom Beginne an am Scheitel nabeiförmig eingedrückte Hut ist nicht gestreift, 
auch in der Jugend nicht glockenförmig, sondern halbkuglig. Im Walde Crni 
gaj bei Vinkovce. 

46. A, (Entoloma) nigro-cinnamomeus Schlzr. var. n. nemo- 
rens. Mense Septembri et Octobri in silvis frondosis. Gregarius; interdum 
2—3 individuis conjunetis caespitulos formantibus aut dispersus ; hygrophanus; 
pileo carnosulo , umbonato, ex obtuso- aut acuto-campanulato irregidariter 
expanso margine repando et fisso, 6—7 Cm. lato, glabro, nec striato, jove sicco 
fuligineo, pluvio obscuriore, fusco, margine et centro, rarior totus, saturate- 
brunneo-vel subfusconigro ; lamellis uncinatim adfixis , tandem subdistantibus, 
acie valde inaequalibus, sed non regulariter serratis, saepe deformatis, 6— 10 Mm. 
latis, ex albido sordide-carneis; stipite farcto, passim in vetustis subcaro, nun- 
quam fistuloso, Semper albo, rede aut spiraliter fibrüloso, cum hymenophoro 
contiguo, cylindraceo sed inaequali, ad basin cuspidato et vulgo curvato, 
4-13 Mm. er., 4:5—8 Cm. longo. Interdum proveniunt monstra stipite com- 



102 



Stephan Schulzer von Müggenburg. 



presso inferne usque 18, superne 31 Mm. lato. Sporae in Strato tenui laete-, 
in denso sordide-carneae,irregidariter quinqueangulosae, diam. 006— 008 Mm. 
Caro alba; odor farinae recentis, sapor didciculus. 

Die vor Decennien im Spätherbste auf offenem Rasenboden mir vorge- 
kommene Normart ward von der Pester Akad. d. Wissensch, im zweiten Hefte, 
Tab. XI, Fig. 1 des Bilderweikes „Icon. sei. hymenom. Hung. per St. Schulzer 
et C. Kalchbrenner" gegeben. 

Die vorliegende Form ist sicherlich derselbe Schwamm und die Ab- 
weichungen reduciren sich wesentlich nur auf die hier weder frei werdenden, 
noch sich hinten abrundenden, auch nicht ins Zimmetbraune neigenden La- 
mellen, dann auf die reinweisse Farbe des Stieles, die selbst im Alter sich 
nicht ändert, was dem so sehr verschiedenen Standorte zugeschrieben werden 
kann, auf dessen Rechnung auch wohl die im Ganzen dunklere Hutfärbung der 
Normart zu stellen wäre, falls diese nicht etwa bei Regenwetter beobachtet 
wurde, worauf ich mich nicht mehr besinne. 

In seinem letzten Werke citirt Fries zum A. clypeatus Linn., als eine 
kleine Form, aus Berkeley's Outl. Tab. 6, Fig. 7, welche, die Anheftungs- 
weise der Lamellen und die gelblichweisse Stielfarbe ausgenommen, gut genug 
zu meinem letzten Funde passt; ferner Bolton's A. mammosus T. 69, welcher 
Autor in den Ansichten, nicht aber im Durchschnitte, weit entschiedener zu- 
gespitzte Hüte gibt, als mir vorkamen; auch sind die Lamellen frei, doch mit 
einer so ungleichen Schneide versehen, wie bei meiner Spielart; die Farbe des 
Hutes und Stieles entspricht beiläufig meiner Normart; endlich erwähnt Fries 
A. phonospermus Bull. T. 534, von welchem Fig. A bis E habituell allerdings 
meine Spielart zu sein scheinen, während der Rest entschieden abweicht. Diffe- 
renzen bei A — E sind: gefärbte Stiele, dann bildet Bulliard nebst glatten 
Hüten auch einen am Rande gekerbten ab, was mir nicht vorkam. 

Alles erwogen, glaube ich an die Möglichkeit: dass meine Schwämme 
Herbstformen des im Frühjahre vegetirenden A. clypeatus L. sind, umsomehr, 
da auch Bolton den seinigen, von dem unsrigen kaum verschiedenen, nicht 
im Lenze, sondern im September fand. Jedenfalls bei uns ein seltener Pilz. 

47. Am (Ent.) infrequens n. Bp. In silvis mensibus 3fajo et Junio 
gregatim ad terram. Non hygrophanus ; pileo irregulari, umbonato, in centro 
Carn080, ad marginem dejlexum tenui, 3'5 — 7 Cm. lato, ex albido maculale- 
hUeo, intcrdiim dirupto , glabro, jove pluvio viscidulo; lamellis adnatis, 
~> — 10 Mm. latis, interdum paree ventricosis, acie inaequali sed non serratis, 
cUsfantibuS, ex CÜbO dilute-incamatis; stipite ubique 7 — 10 Mm. er., basi prae- 
moriOf reell) auf, flexiioso, fare.to, glabro, (j . r > 8 Cm. /., fibrilloso, serieeo-nitente, 
albo, tundem fnsccscrute-lulcolo. Caro alba, pilei compacta, slipüis scissüis; 
odor pecid iuris, quasi farinae recentis, sed debilis; sapor e dideidulo amarus. 
OdOT et SapOT ttdtnodwn A. leuCOCephalum, Butt, in memoriam redigens. Sporae 
• ordide- incarnatae, qui uqueangulalo-globosae, angulo infero slipüiformi-elon- 
gaiOy 0006 {7008 Mm. lonqac. 



Mycologische Beiträge. 



103 



Zwischen dem ünterliolze des aus Eichen und Weissbuchen bestehenden 
Waldes Vidor bei Vinkovce. Selbst an alten, bereits faulenden Individuen, sah 
ich keine Trennung der Lamellen vom Stiele. 

48. A. (Tluteus) chrysophaeoiües n. sp. Habitat subgregatim in 
Junio et Julio ad truncos putridos Carpini Betuli. Subhygrophanus, pileo 
regulari orbicidari, umbonato, carnosulo, margine deflexo, saturate-ceraceo, 
media fusco, sub lente ad marginem spurte striato et e centro venoso-virgato, 
2-5—3 Cm. et parum ultra lato; lamellis liberis , fere linearibus , confertis. 
plerumque 2'5 Mm. latis, ex albido sordide-carneis, acie integra; stielte älbo, 
subnitido, farcto, in adultis subtüissime fistuloso , a hymenophoro discreto, 
cartilagineo, apice circiter 2 Mm. er., deorsum leniter incrassato, 3'3—3'8 Cm. I, 
glabro, laevi, substricto. Carne alba, jove pluvio grisea aut fuscescente. Odor 
acris, fere Nasturtii, sapor bonus, simüis Lactarii volemi. Sporae sordide- 
incarnatae, irregulariter globosae, diametro 005— 006 Mm. 

Hat die ruthenförmig- aderige dunkle Zeichnung am Scheitel und den 
gekerbten Rand, was Alles hier nur mit der Lupe deutlich wahrnehmbar ist, 
mit A. chrysophaeus Schflr. gemein, auch ist der Stiel nicht entschieden hohl, 
aber die Grösse und die Färbung, besonders des Hutes und des Stieles, weichen 
ab. Jedenfalls ein naher, im Walde Vidor bei Vinkovce gefundener Verwandter 
desselben. 

49. A. (Pf*) JPatricius Schlzr. var. n. Carpini. Solitarius, ad finem 
Septenibris ad truncos firmiores Carpini 'Betuli. Non hygrophanus; pileo mox 
explanato, margine lacero , eximie carnoso, evanide umbonato, inaequali, 
10 Cm. I., albido, cuticula difracta primitus squamidis applanatis, fuscescenti- 
bus, dein squarrosis, tandem secedentibus, iwaeeipue in centro, obtecto; lamellis 
valde remotis, subventricosis, utrimque rotundatis, haud confertis, 15 Cm. I., 
ex älbo pallide-incarnatis. 3—5 coalitis, oriundis propriemodo postice e protu- 
berantiis veniformibus hymenopfiori. Stipite cum hymenophoro haud contiguo 
tarnen superne parce incrassato, ceterum cylindraceo, 15 Cm. aut parum ultra 
crasso, circa 9 Cm. longo, subeurvata, farcto, albo, glabro, laevi, in vetustate 
sub lente fibrilloso, fibrillis fuscescentibus et secedentibus, nec nitido. Caro 
tenera pure alba; odor et sapor nullus. Sporae sordide -rubescentes, irregu- 
lariter globoso-ellipsoideae, 003 — 004 Mm. longae. 

Die Normart an Eichen- und Eschen-, nebst einer Spielart an Wallnuss- 
stöcken, ist in dem bei Nr. 46 citirten, durch die ungarische Akademie der 
Wissenschaften herausgegebenen Bilderwerke, im ersten Hefte, Tab. X, Fig. 2. 
veröffentlicht. Diese Form fand ich vereinzelt, in bereits ausgebreitetem Zu- 
stande, im Walde Crni gaj bei Vinkovce. Das Fleisch hat nicht unmittelbar 
am Stiele, sondern in einiger Entfernung davon, die grösste Dicke, was an 
A. (Chitonia) maneus, A. (Psalliota) campestris, A. (hepiota) procerus und 
andere mit diesen verwandte Formen erinnert. Das Merkwürdigste ist aber die 
Anheftungs weise der Lamellen an den Hut. Sie entspringen nämlich hinten 
partienweise zu 3 bis 5 an dicken, aderförmigen Erhabenheiten des Hutfleisches. 



104 



Stephan Schulzer von Müggenburg. 



50. A. Omp7ialia oniscoides n. sp. Mense Septembri post pluvias 
subgregarius in graminosis. Mox flaccescens, extus intusque umbrinus; pileo 
membranaceo, profunde-umbilicato, margine deflexo, striato, sub lente innato- 
flocculoso, opaco, 4 — 9 Mm. lato; lamellis distantibus, breviter decurrentibus, 
utrimque attenuatis, in medio 15—2 Mm. aut parum ultra latis; stipite sub- 
recto, stricto, cartilagineo, cum hymenophoro contiguo, basi bulbosula et radi- 
culosa, usque 0'5 Mm. aut parum ultra crassa, 1—14 Cm. alto, glabra, dein 
subtilissime fistulosa. Odor et sapor nullus. Sporae ellipsoideae, 004— 0-005 Mm. 
longae. 

Hat mit dem nicht rasenförmig wachsenden, auf Torferde vorkommenden 
A. caespitosus Bolton = A. oniscus Fr. eine sehr nahe Verwandtschaft, ist 
jedoch bedeutend kleiner. Die Farbe stimmt zu jener des A. retostus Fr., der 
aber etwas fleischig und am Rande nicht gekerbt ist. Uebrigens kann ich auch 
dessen Dimensionen aus keinem mir zu Gehote stehenden Werke ersehen. Die 
Kerbung am Hute correspondirt mit den ganzen Lamellen, ist daher etwas 
weitschichtig. Die eingeschobenen kürzeren Lamellen sind merkbar schmäler 
als die ganzen. 

51. A. (Omph,) tardissimus n. sp. Provenit mensibus Novembri 
et Decembri in hortis et pomariis graminosis gregarie. Hygrophanus, ut plu- 
rimum primitus umbrino-griseus, pilei margine stipiteque saepe violaceo-griseis, 
lamellis valde dilute aut vix culoratis; tandem ulterioribus Semper lutescente- 
albidis, pileo ad aut juxta marginem et stipite in apicem expallentibus, pileo 
e fere semiglobato explanato, saepe umbilicato aut margine tenui reßexo cu- 
puliformi, carnosulo, usque 4 Gm. lato, glabro, nec laevi, nec nitido, sub lente 
innate-flocculoso ; lamellis lanceolatis, utrimque cuspidatis, adfixis aut sub- 
decurrentibus, normaliter circa 2 Mm. latis, passim subventricosis et usque 
5 Mm. latis, subconfertis ; mycelio byssoideo, albo, terram et ramenta conglo- 
bante; stipite diu farcto, tandem exacte fistuloso, saepe compresso et sulcato, 
2—5 Mm. er., in statu compresso usque 11 Mm. et ultra lato, interdum ad 
hu, nn incrassato, 2'5—5'5 Cm. I., glabro excepta basi mycelio albo involuta, 
sub lente rede- aut tortuose-fibrilloso, cartilagineo. — Caro alba, jove pluvio 
fuscescens; odor aut subgravis nauseoso - fungosus , aut fere nullus; sapor 
nuUu8, Sporae oblongo - ellipsoideae , circa 006 Mm. I., 0025 er. Exstal 
forma pileo interdum in centro fusco, ad marginem dilute umbrino, lamellis 
jam juvenili iutcscentc-allndis, stipite apice albido, deorsum dilute umbrino. 

Nach einer Vormerkung fand ich in früheren Jahren die Sporen kuglig- 
oval. Der Durchschnitt des A. hariolarum T. 5G bei Bulliard entspricht 
überraschend den Individuen unseres Schwauirnes mit schmalen Lamellen, ob- 
schon es eine ganz verschiedene Art ist. Bfttsob fand von seinem A. cine- 
raHcem im September ein einziges Exemplar, welches zu unserer Form völlig 
gut stimmt, bis auf den Umstand, dass der zur Zeit des Auflindens volle Stiel 
mit graubraunen Fasern bekleidet war. Unseren Schwamm benannte ich ur- 
iprfiDgttcb „lardissimus", änderte jedoch, mehr aus Abneigung gegen Aufstellung 



Mycologische Beiträge. 



105 



neuer Arten, als aus voller Ueberzeugung, diese Benennung in „A. brumdlis Fr. 4 "', 
wogegen sich nun, bei erneuertem Auffinden, manche Bedenken erheben. Vor 
allem Anderen ist die Kinde des Stieles knorpelig; auch ist dieser sehr oft 
plattgedrückt und mit einer Furche oder Kinne nach der Länge versehen, was 
bei fleischigen Stielen äusserst selten vorkommt. Dann ist hier das mitunter 
vorkommende Herablaufen der Lamellen keineswegs ein so entschiedenes, wie 
ich mir es nach der Diagnose beim A. brumdlis vorstelle. Auch ist die Ent- 
wicklung des Hutes zur Trichterform keine normale , immer erfolgende. In 
meinem ersten, an die ung. Akad. der Wissensch, abgetretenen Werke stellte 
ich diesem vermeinten A. brumalis Fr. noch eine unter Nadelholz wachsende 
Spielart an die Seite, deren Lamellen hinten abgerundet an den Stiel anstossen. 
Diese dürfte zum A. (Collybia) coracinus Fr. Beziehung haben, ist indessen 
auch ein Spätling. Ueberhaupt scheint es mir, dass manche, zu verschiedenen 
Sippschaften einzutheilende Spätlinge nicht ohne Beziehung unter einander 
sind, wie z. B. A. (CoTlybia) rancidus Fr. und A. (Clitocybe) putidus Fr., 
schliesse mich übrigens der Ansicht von Fries an, wornach in solchen Fällen 
vor der Hand die Eintheilung nach der Beschaffenheit des Stieles vorzu- 
nehmen ist. 

52. A. (Mycena) viticola n. sp. Occurrit ad truncos putrescentes 
Vitis in mensibus Septembri et Octobri post pluvias. Gregarius et suscae- 
spitosus, albus, nec hygrophanus, pileo e campanulato explanato, subumbonato, 
margine lacerato, nec striato sed lamellis translucentibus, glabro, 9—17 Mm. 
lato, excepte umbone applanato membranaceo. Lamellae liberae, antice rotun- 
dato-subventricosae, postice attenuato-acuminatae, subdistantes, usque 2 Mm. 
latae; stipites filiformes, nonnuili basi in caespitulos connati, subtiliter fistu- 
losi, plerumque e basi curvata adscendentes, evanescente-flocculosi, T25—4 Cm. I. 
et 5—1 Mm. er. Odor et sapor nidlus. Sporae ellipsoideae, 0006 Mm. 
longae. 

Die Weinstöcke waren wohl mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt, 
aber daneben auf nackter Erde erschienen keine Pilze; es ist ein wahrer Holz- 
bewohner. Beim räschenförmigen Vorkommen sind 2—4 Stücke am Grunde 
derart verwachsen, dass sie einen gemeinschaftlichen Mutterkörper bilden. 

53. A. (Myc.) amoenipes Schlzr. var. n. hirtipes. Mensibus Maja 
usque Decembrem ad truncos quercinos vetustos; caespitosus, subhygrophanus, 
pileo membranaceo, conico, 1—3 Cm. dito, subtus 1 — o Cm. lato, nonnisi diu- 
turno tempore humido explanato, margine fisso, centro umbonato , primitus, 
praesertim jove sicco, luteolo-albido vertice dilute-cinnamomeo et non striato, 
deinde et post pluviam striato ad marginem fere dlbido sursum laete cinna- 
momeo; lamellis laxe-adnexis , distantibus, albidis, antice subventricosis et 
rotundatis usque 5 Mm. et ultra latis; stipite rigido, nonnunquam stdeato, 
apice circa 3, basin 4 - — 4 5 Mm. crasso, 10—18 Cm. et ultra longo, fistnloso, 
excepta basi glabro, nitido, in medio laete-cinnamomeo, apicem versus dihdiori. 

Z. B. Gea. B. XXVII. Abb. 14 



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Stephan Schulzer von Müggenburg. 



ad basim albo-tomentoso. Ab hoc tomento communi nonnulla individua con- 
juncta in rimas vel putretudinem ligni penetrantia. Rima et putredine 
äbsente caespes et individua minora, stipite 1 Mm. crasso et 4 Cm. longo, 
tomento vix conspieuo. Sapor et odor nullus. Sporae pleurotrope-ellipsoideae, 
plerumque 0'0065 Mm. I. 

In ungarischen und slavonischen Wäldern. Wegen seiner ziemlichen 
Hygrophanität ist der Hut bei trocknem Wetter lichter und undeutlicher ge- 
kerbt, als bei nassen. Verfaulen sah ich ihn nicht, wohl aber verwelken. Ist 
unzweifelhaft, trotz der Hygrophanität mit A. galericulatus nahe verwandt. 
Nebst dieser Varietät ist auch die Normart in meinem ersten, bei der Pester 
Akademie der Wissensch, befindlichen Werke gegeben. Sie ist im Ganzen 
kleiner; die Lamellen sind zwar ebenfalls locker angeheftet, aber deutlicher als 
hier mit einem Zahne versehen, die Stiele am Fusse nicht durch Filz partien- 
weise verbunden, sondern wirklich zusammengewachsen; Geruch und Geschmack 
sind rübenartig mit einer Beimengung des Geruches vom frischen Mehle. 
Hygrophanität beobachtete ich keine. 

54. A» (31») marcescens n. sp. Subsparsus in mensibus Septembri 
et Octobri in silvis; mycelio byssoideo, albo, acus pini folia et ramenta con- 
jugente, ad plures centimetros inferne et lateraliter extenso; pileo membrana- 
ceo, conico, nunquam explanato, cinereo, 2' 5— 3 Cm. lato, 1'3—T5 Cm. dito, 
glabro, sub lente inuate-floccoso, e laevi in vetustate. ad medium marginemque 
rugoso, mox emarcescente; lamellis albis, distantibus, uncinato-adfixis, antice 
subventricosis et usque 6 Mm. latis; stipite fistuloso, recto, basi curvato, ri- 
gido, subcylindraceo, 2—2 5 Mm. crasso, 7' 5— -8- 5 Cm. longo, apice albo, in- 
ferne fascescente, excepta basi, ab mycelio albo villosa, glabro. Odor nullus; 
sapor raphani, debilis. Sporae ellipsoideae, O'OOQ — 008 Mm. I. 

Im Walde Crni gaj, wo sich zwischen Laubholz auch einige Nadelholz- 
bäume vorfinden. Kann A. fagetorum Fr. oder verwandt damit sein, aber die 
in seinem letzten Werke gegebene Diagnose berechtigt mich nicht, dieses als 
sicher anzunehmen. Der Stiel meiner Art scheint im Verhältniss zur Länge 
stärker zu sein, die Lamellen sind ganz und deutlich angewachsen, auch durch 
kein Collarium verbunden. Wahrscheinlich ist auch der Hut anders geformt. 

55. A* (Myc) rugosua Fr. var. n. stipite elongato. Provenit in 
silvis juxta truncos quercinos gregarifer mense Octobri. Pileus e conico- 
r </„,/,(/, rxhilo repando-c.r plana Ins, dislüiric. umbonatus, extra umbonem mem- 
branaceus, 275—5 Cm. latus, fuligineus aut fusco-cinereus , saepe cenlro 
obscuriore ei margine fere oübidus. Ulterior jove pluvio ob lamellas irans- 
lucentes tenue striatus, tempore sicco inaequalüer rugosus. Lamellae distantes, 
uncinate-adnatae, ad basin venoso-conjunctae, in medio sav.pc subvenlricosae, 
'i—0 Mm lata», antice attenuatae, ex albido aut cinerco-griseae auf fmcescen- 
te§. Stipes levitcr flexuosus, subrigidus sed fragilis, fistulosus, glaber, laevis, 
nitiduK, sursum Hubtiliter allcnuatus, graeilis, in medio 2 — 4 Mm. crassus, 



Mycologische Beiträg« 



107 



6 5—9'5 Cm. longus, interdum subcompressus , ex albido ab imo rubescente- 
fuligineus, radicatus; radix fusiformis, cava, plus minus curvata, T7 — 4 Cm. 
longa. Odor acris, subnauseosus. Sporae globoso-ellipsoideae , plerumque 
0W5 Mm. longae. 

Völlig mit A. fistulosus Bull. Tab. 518, Fig. K und M, welche Fries 
zur Normart citirt, stimmend, bis auf den bei uns doppelt so langen und doch 
nicht dickeren Stiel. 

56. A, (Collybia) platyrhizus n. sp. Subsparsus Augusto et Sep- 
tembri in silvis occurrit. Pileo ex irregulariter-subgloboso eonvexo fere semi- 
globato, vertice elevato, sed non umbonato, carnoso, 4 — 5'3 Cm. lato, vaccino, 
p>rimitus valde obscuro, deinde ad marginem dilutiore, nec nitido, glabro, 
laevi, sub lente innate-floccoso ; lamellis praecipue ad marginem confertis, 
subliberis, postice rotundatis, antice cuspidatis, e fuscescenti-albido acie laete 
cinnamomeis, sed ad latera multum dilutioribus, saepe sordide-lutescentibus ; 
stipite non distincte cartilagineo , cum hymenophoro contiguo, subtiliter et 
subventricoso-conoideo, basi cuspidato et mycelio albido ramoso passim laminae- 
formi-compresso et dilatato praedito, apiee 7—11 Mm. crasso, Q—7'3 Cm. 
longo, cavo, apiee albo et pulverulento , ad basin dilute sulphureo, in medio 
pallide- cinnamomeo afflato. Superficies oculo inarmato apparet laevis et 
glabra, sub lente sicut pileus innato-floccosa, pars sulphurea ad basin strigoso- 
tomentosa. Hoc tomentum coalligit folia et ramenta. Caro sordide-albida, 
firma; odor fortis, quasi Agarici fusipedis; deinde debilior et fere farinae 
recentis; sapor dulcidulus. Sporae pure albae, obovatae, 0'0045 Mm. longae. 

Im jungen Walde Crkvenac bei Vinkovce. 

Die Sporen besitzen ein sehr zartes, dünnes, mitunter nur beim Licht- 
wechsel wahrnehmbares Episporium und führen einen grosseD, kugligen, licht- 
brechenden Kern mit starkem Contour, welchen man sehr leicht für die Spore 
selbst ansehen könnte. Ungeachtet diese Form fast nur vereinzelt vorkommt, 
auch im Habitus abweicht, halte ich sie doch für verwandt mit A. fusipes Bull. 
Geruch und Sporenform stimmen überein, auch die Grösse der letzteren weicht 
gar nicht erheblich ab, endlich hat A. fusipes eben auch keinen ausgezeichnet 
knorpeligen Stiel. 

57. A. (Coli*) radiculans n. sp. Gregarius interdum dua individua 
basi connata, juxta quercus vetustas post pluvias in mense Augusto occurrit ; 
hygrophanus, pileo carnoso e hemisphaerico irregulariter explanato, T8 — 3 Cm. I., 
glabro, secundum coelum saturate aut dilute rubescente-cinnamomeo , margine 
subalbido; interdum jove pluvio zona marginali spuria öbscura notato; lamellis 
confertis, postice rotundato - attingentibus , 1 — 2 Mm. et parum ultra latis, 
antice cuspidatis, albis; stipite curvato - adscendente , subdiscreto , fistuloso, 
apiee 2—3 Mm. er., deorsum leniter incrassato, basi radiculoso, radiculis, 
fibrilliformibus longis, 2' 5— 3 4 Cm. longo, apiee subalbido, in medio pileo 

14* 



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Stephan Schulz er von Müggenburg. 



concolore, deorsum valde obscuro; glabro, laevi. Odor aromaticus, fortis, mihi 
ingratus; sapor bonus, dulcidulus. Sporae globoso-ellipsoideae, 002—0 004 Mm. 
longae. 

Im Walde Kimjevce bei Vinkovce. 

58. A.. (Coli.) candicnlus n. sp. Provenit in mense Septembri et 
Octobri in silvis frondosis. Sparsus, nec hygrophanus, albidus, pileo carno- 
sulo, subumbonato, umbone planiusculo, orbiformi 2—3 Cm. lato, glabro, laevi, 
subnitido, in vetustate vix conspicue dilute-umbrino ; lamellis confertis, denta- 
tim adnatis, fere linearibus, 3—4 Mm. latis, tandem sublutescentibus ; stipite 
recto auf subflexuoso, basi curvata ad fragmenta foliis adfixo, contiguo, subtus 
5—6 Mm. crasso, superne sensim attenuato, 4'2 — 6 Cm. I., laevi, glabro, sub- 
nitido, in adultis subcavo, nec fistuloso , et dilute fuscescente. Odor nullus, 
sapor gratus. Sporae ellipsoideae, plerumque 0'006 Mm. longae. 

Im Walde Crni gaj. 

59. A. (C.) platy phylloides n. sp. Häbitat tempore verndli, mense 
Aprili et Majo, in pagis ad sudes quercinos fabrefactas. Gregarms, nec 
hygrophanus; pileo subcarnoso, e hemisphaerico irregulariter explanato, tan- 
dem multipliciter fisso, margine deflexo, 3 3 usque ultra 1t Cm. lato, sericeo- 
nitido, fuligineo, glabro, cuticula ab medio versus marginem saepe dirupta et 
carne albissima oculis exposita; lamellis distantibus, albis, subsinuato-adfixis 
mox liberis et rotundatis, usque ultra 13 Mm. latis; stipite e farcto tardissime 
fistuloso, cum hymenophoro contiguo, rigido, sericeo-nitido, rede aut contorte- 
fibrilloso aut longitudinaliter sulcato, cylindraceo, saepe subventricoso , basi 
cnrrato et attenuato, 7—22 Mm. er., 5'5 usque ultra 11 Cm. I., ex albido 
deorsum fuligineo afflato. Odor et sapor fungorum vidgaris, nec malus. 
Sporae globoso-ellipsoideae, plerumque 0'008 Mm. longae. 

Obschon der Stiel, selbst bei alten IndividueD, noch voll ist, so besteht 
doch dessen innere Masse aus einer lockeren Substanz, welche beim Verwelken 
ohne Mühe ganz herausgenommen werden kann und eine reine röhrige Höhlung 
zurückliisst. Der Durchschnitt erinnert lebhaft an A. platyphyllus P. In meinem 
ersten, nun bei der Pester Akademie der Wissenschaften befindlichen Werke, 
that ich dieser Form den Zwang an: sie, allerdings mit einem Fragezeichen, 
als .1. muHicolor P. aufzuführen. Sie ist es absolut nicht. 

1 " A. (Coli.) drei iis i). sj». Sp<W8U8 wense Junio et Julio in silnis 
ad terram. Nim hygrojihanus, pileo mox convexe-expanso , regulari, carnosulo, 
glabro, In evi, circa 4 Cm. lato, albido praesertiin in adultis dilut e- fuscescente 
ii/ /lato; lamellis ralde disln nt ibus f nlhis, uncinato-adfixis , ventrieosis antice 
rOtiunfrUiSf 6 B Min. latis, acie inlegra; stipite cum, hymenophoro exaeie 
eontiguo, deorsum inflato, basi in radieem subuli forniem eirca . r > Cm. longam 
prohtigaio, in medio 2-3 Mm. crasso, 5 Cm. et purum ultra longo, carlila- 
ginco, to) hioso-fibrüloso, c farcto cavo, albo, tandem basi fuscescente, glabro, 



Mycologische Beiträge. 



109 



rigido. Caro alba subnitens in basi stipitis tandem fuscescens. Odor nullus; 
sapor didciduhts, bonus. Sporae fere citroniformes, 0-015 Jim. I, 0009 Jim. er. 
Im Walde Crni gaj. 

Sicherlich nächst verwandt mit A. radicutus Reih., aber schon dnreh die 
ebene Oberfläche des Hutes und den gänzlichen Mangel eines Umbo abweichend. 

61. A. (Coli.) electus var. subumbonatus. Inveni in mense Julio 
juxta truncos putridos Carpini Betuli. A priori recedit pileo umbonato, 
partim ultra 2 Cm. lato, non vere striato sed ad marginem submemhranaceam 
aere humido lamellis translucentibus striatulo, jove pluvio viscido et nitida, 
luteolo; lamellis haud ventricosis, 2 5 Jim. latis; stipite apice 2 Jim. crasso, 
deorsum leniter, basi usque 6 31m. incrassato, usque terram 7 5 Cm. longo, 
minus nitido quam püeus et non viscoso. 

Im Ostrovoer Walde. 

62. A. (Coli.) longiptes Bull. var. n. inornatus. Jlulto rarior quam 
A. longipes. Inveni sparsim in agris qni olim fuerunt silvae, mense Oetobri. 
Pileo irregulariter campanulato, subumbonato, carnoso, nec expAanato, 4—5 Cm. 
lato, fuligineo vertice parum obscuriori, margine non striato, glabro, non vdu- 
tino sed infra apicem et marginem ruguloso, sub lente innato-floceuloso ; la- 
mellis albidis, remotis sed non in collarium junetis, distantibu*. 7—^ Jim. 1.. 
flaccide-flexuosis ; stipite fareto, rigide-elastico, plerumque extra terram 6 Cm. 
longo, apice circa 5 Jim. er., deorsum parum et sensim incrassato, radiceque 
luteo-cinnamomeis et velutinis. Radix subtiliter attenuata, tenax, longissima. 
Caro pure alba; odor et sapor raphani, debilis. Sporae subglobosae, interdum 
subellipsoideae, saepe verruciüaeformis pedicellatae, 0006 — O'OOS Jim. longae. 

Yon der Normart durch den unbekleideten Hut und die weit beträcht- 
lichere Länge der Wurzel abweichend, welch' beides mit meinem im ersten 
Werke gegebenen A. exquisitus stimmt, indessen fehlt hier das bei letzterem 
sehr ausgebildete Collarium gänzlich, nämlich ein ringförmiger, knorpeliger, 
die Stielspitze umwallender Vorsprang des Hutfleisches, von welchem die La- 
mellen ausgehen. Die Wurzel ist sehr lang, es gelang mir nicht sie ganz 
herauszuheben; bis auf 9 Cm. lockerte ich die Erde auf. wo sie dann beim 
Anziehen riss, ohne an Dicke viel abgenommen zu haben, denn ganz oben 
hatte sie 7, an der abgerissenen Stelle 5 Mm. im Durchmesser. 

63. A. (Clitocybe) humicola n. sp. Oetobri et Xovembri tempore 
pluvioso et ingrato ad marginem silvae in fimo animali. jam mutato in humo 
pulveroso, gregem magnam. inveni: nonnulla individua ad basim coalita in 
grege caespitulos Simulant. Yalde hi/grophanus, pileo carnoso. ex nmlionato- 
convexo explanato, tandem irregulariter-infundibuliformi et absque umbone, 
13 — 43 Cm. 1., glabro, laevi, rix nitido, sv.b lente innato-flocculoso, juvenili 
umbrino, deinde secundum coelum sordide rubescente auf luteo; lamellis con- 
fertis, utrimque cuspidatis, adnatis sed non decurrentibus, 1'25 — 3'5 Jim. latis, 



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Stephan Schulzer von Müggenburg. 



tandein laceratis, ex albo pallescentibus, jove pluvio parum rubescentibus ; 
stipite in prima infantia plerumque deorsum parum incrassato, deinde sub- 
cylindraceo basi cuspidato, cum hymenophoro evidenter contiguo, 3—10 Mm. er., 
2' 5 — 4'5 Cm. I., recto, adscedente aut subflexuoso, e fareto cavo, fibrilloso, 
albido. Caro sordide-albida, post pluviam fusca. Odor fungi recentis nullus, 
marcescentis fungorum, sed bonus; sapor nullus. Sporae oblongoellipsoideae, 
plerumque O'OOo Mm. I. 

Die vom Fries neuestens zum A. hortensis P. citirten Abbildungen 
stehen mir nicht zu Gebote, um sie mit der meinigen zu vergleichen. Persoon 
sah den Hut 5'3 Cm. breit, den Stiel 4 — 7 Mm. dick und dabei 6*7 Mm. lang, 
endlich die Lamellen 6'5 Mm. breit, was wohl gegenüber meiner Beobachtung 
etwas starke Abweichungen sind. Auch von dem „subcontortae" der Lamellen 
fand ich keine Spur. Endlich stellt Fries die Art zu den Nichthygrophanen. 
Trotz alledem kann indessen zwischen beiden Formen vielleicht eine nahe 
Beziehung vorhanden sein. 

64. A. (CL) brumalis Fr. var. n. slavonicus. In mense Novembri 
et Decembri, a'ere jam frigido, coelo nubiloso, in collibus graminosis provenit. 
Gregarms, vdlde hygroplianus , pileo carnosido , irregulariter -fornicato , mox 
depresso-expanso, tandem infundibidiformi, 2'7 — 5 Cm. lato, glabro, sub lente 
innato-flocculoso, nec nitido, jove sicco albido, pluvio fusco, margine inaequali; 
lamellis decurrentibus , subconfertis , utrimque acuminatis, acie inaequali, 
3 — 5 Mm. I., secundum tempus düutius aut saturius fuscescentibus ; stipite 
exaete continuo, cylindraceo sed saepe compresso aut sulcato, ad basim obtuse- 
attenuato aut subbidboso, 4 — 9 Mm. er., l'G — 3 Cm. Z., plerumque subeurvato, 
pileo concolori, nec cartilagineo sed tenaci, c fareto cavo. Caro tenax, colorem 
mutans ut pileus. Odor fungorum; sapor dulcidulus. Sporae globoso- 
ellipsoideae, 0'0026 Mm. longae, in sporophoris clavatis brevibus vix 013 Mm. 
longis. 

Trift zwischen Neudorf und Jarmina. 

Bei frischen Schwämmen ist der gewöhnliche Pilzgeruch stark, sonst 
passt wohl die Diagnose der zweiten Ausgabe der Epicrisis fast wörtlich auf 
unsere Form, wenn man die dortige Varietät B mit nackter Stielbasis ins 
Auge fasst, nur gibt Fries nicht an, dass der Stiel nicht selten mehr oder 
weniger plattgedrückt oder mit einer Furche versehen ist. In wiefern der Ha- 
bitus entspricht, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, weil mir die citirten 
Abbildungen nicht zu Gebote stehen; die im Syst. myc. angegebenen Dimen- 
sionen lassen hier einigem Zweifel Kaum. Beim Stiele beobachtete ich, dass 
er sich in trockner Witterung nicht ganz so sehr abbleiche wie der Hut, indem 
er immer etwas Färbung behält, daher der Ausdruck „lividus" im Sj'st. myc. 
hieher besser passt, als „albidus" der erwähnten Epicrisis; auch kann man 
ihn bei unserem Schwämme, im Vcrhältniss zur Länge, die hier geringer zu 
Hein scheint, nicht füglich „tenuis" nennen. 



Mycologische Beiträg« 



111 



65. A. (Cl.) obliquus P. var. n. slavotiicus. Occurrit in mensibus 
Octobri et Novembri in collibus graminosis. Gregarius, passim in lineain 
crescens, nec hygrophanus, albidus, pileo submembranaceo, ex umbilicato-plano 
subinfundibuliformi, nec regulari, margine äeflexo saepe lacerato, l'l—2'4 Cm. 
lato, furfuraceo-inaequali sed non squamoso, sub lente innato- flocculoso, 
absolute-sicco, nec udo, nec viscido ; lamellis decurrentibus, utrimque cuspi- 
datis , plerumque 2 Mm. latis, confertis; stipite farcto, tenaci, cylindraceo, 
basi bulbosulo et radicitloso, cum hymenophoro contiguo, interdum subexcen- 
trico, fibrilloso, 9—15 Mm. I., 1—2 er. Odor et sapor fortis farinae recentis. 
Sporae cylindraceo-ellipsoideae, 0'004 Mm. longae. 

Auf der Trift zwischen Neudorf und Jarmina. 

Die innere Substanz des Stieles ist bedeutend lockerer als die äussere; 
hohl sah ich ihn indessen nie, obschon ich das Schwämmchen bis zum Absterben 
beobachtete. Den Pers oon'schen Schwamm citirt Fries neuestens, als ver- 
wandte Form, zu seinem A. parilis, dessen Diagnose, den mehr fleischigen Hut 
und die Farbe ausgenommen, im Ganzen der unsrigen entspricht. Letztere 
stimmt genau mit Persoon's Abbildung, bis auf den Umstand, dass diese 
einen ziemlich fleischigen und am Rande gekerbten Hut darstellt. Der weit 
grössere A. sinopicus Fr. scheint mit unserem Schwämme einen ähnlichen 
Habitus zu besitzen und hat denselben Geruch. Alle genannten Formen sind 
Waldbewohner und wahrscheinlich, sammt der unsrigen, unter sich nahe 
verwandt. 

66. A. (Tricholoma) sejunetus Fr. var. n. sajridiis. Aestate et 
autumno in süvis. Sölitarius aut gregarius, nec hygrophanus; pileo e con~ 
vexo expanso, inaequdli, umbonato, umbone camoso, margine tenui, viscidulo, 
pallide- aut laete-flavo, in medio, praeeipue sub lente, fibrillis nigris virgato, 
fere nigro, 4 — 16 Cm. lato; lamellis emarginatis, saepe dein rotnnäato-liberis, 
subdistantibus, 9—13 Mm. I., albis; stipite solido, valido, cylindraceo, interdum 
basi bulboso aut cuspidato, 11 — 2'6 Cm. er., 6'5 — 16 Cm. I., saepe curvato, 
glabro, dlbo aut luteolo, aut luteo-maculato. Caro alba; odor fortis farinae 
recentis; sapor bonus. Sporae globosae, interdum subovatae et 0'003—0'004 Mm. 
longae. 

Ein seltner Schwamm. Vor mehr als vierzig Jahren sah ich ihn häufig 
in den Wäldern bei Grosswardein, dann wieder vor achtzehn Jahren bei Ka- 
menitz unweit Peterwardein in der Fruska gora, endlich neuerlich in den 
hiesigen Waldungen. 

In meinem ersten Werke führte ich ihn, allerdings mit einem Frage- 
zeichen, irrig als A. flavovirens P. an. Er scheint mir von der Normart nur 
dadurch abzuweichen, dass er nicht bitter schmeckt und auffallend nach frisehem 
Mehle riecht. Obschon die gelbe Färbung des Hutes gewöhnlich eine sehr 
lichte ist, so trifft man doch auch Individuen an, welche stellenweise, besonders 
am Rande, recht lebhaft gelb sind. Der Scheitel oder die Mitte ist immer 



112 Stephan Schuher von Müggenburg. 

schwärzlich. Manchmal löset sich die netzförmige Faserzeichnung daselbst in 
Schüppchen auf. Die angeführten Abweichungen der Stiele von der Normal- 
form, kann man zuweilen mit dieser in derselben Gruppe beobachten. 

67. A. (Armillaria) üerodus n. sp. Provenit in mensibus Octobri 
et Novembri in pascuis aridis. Subsparsus, nee hygrophanus, pileo carnosulo, 
ex irregulari-semiglobato explanato, margine tenui deflexo, 4 — 5 5 Cm. lato, 
glabro, laevi, serieeo-nitido, obscure fusco fere spadiceo; lamellis albidis acie 
subeöloratis , margine pilei subconfertis , utrimque cuspidatis, subadnexis, 
5 — 7 Mm. latis; stipite cum hymenophoro contiguo, curvato, apice 8 — 12 Mm. er., 
deorsum subventricoso basi cuspidato, fareto, 8'5 — 9 5 Cm. I., superne albido, 
inferne fuscescente-cinnamomeo, glabro, laevi, supra annulmn striato; Velum 
partiale annuliforme; annulus membranaceus, persistens, subdecumbens, albi- 
dus dein margine fuscescente. Caro albida, sub cute colorata. Odor fere 
Lactarii volemi, sapor debilis, raphani. Sporae ellipsoideae, 004 — 005 Mm, 
longae. 

Auf den Anhöhen zwischen Neudorf nnd Jarmina. 

Zuweilen entstehen die Individuen paarweise, am Fusse vereinigt. Die 
rindenartige äussere Schicht des Stieles ist weit fester als die innere Substanz ; 
hohl sah ich ihn indessen noch nicht. Kaum aus der Erde hervorgetreten, 
wird der Hut von nackten Schnecken gierig angegriffen. 

68. Am (Leplota) cupreus n. sp. Ex ipso mycelio oriunttir individua 
identidem in mensibus Augusto et Septembri. Inveni in trunco ulmi jam 
prorsus usque terram usto et interne in humum mutato, socialiter e terra 
emergentem, aut in caespitulis exstantibus e 2—3 individais ad basin connatis. 
Pileus e subeylindraeeo umbonate- et late-campanulatus ; totum explanatum 
non vidi, 4 — 8 Cm. latus; umbo insignis. Extra umbonem fere membrana- 
ceus, ab origine glaber et totus cupreus, demum, cuticula in squamas rupta, ad 
marginem albidus aut flavescens. Squamis latis, fibrillosis, quasi imbricatis, 
nec secedentibus. Lamellae remotae, utrimque attenuatae, 4—7 Mm. latae, 
confertae, ex albo pallidae. Stipes ab hymenophoro discretus, e fareto cavus, 
5—11 Cm. longus, apice 4—6 Mm. et param ultra crassus, deorsum clavato- 
incrassatus, saepe curvulus, juvenilis valde dilule-, dein ab basim saturate- 
cupreus apice dilutiori, glaber, laevis, cuticula in marcescentia rugosa. Annulus 
non magnus sed validus, primitus errectus, margine subtiliter crenatus, ex 
(t/ht'lo cupreus. Caro ex albo cuprea; odor et sapor nullus. Sporae crasso- 
eüipsotdeae, 0"006 OOO!) Mm. longae. 

Einer unserer schönsten Schwämme. 

In der zu Erde gewordenen Mitte eines alten ausgebrannten Rustenstockea 
am BoHutufer fand ich im August zwei Individuen, die ich unberührt Hess, 
weil sie noch nicht ganz ausgebildet waren. Als ich ein paar Tage später 
nachsah, fand ich sie herausgehoben und zerschlagen. Knapp neben dem 
Standorte führt nämlich eine Strasse vorbei. Im September kam ich wieder 



Mycologische Beiträgt 



113 



an dieselbe Stelle und zu meiner grössten Freude vegetirten neuerdings da- 
selbst, nebst einem getrennten Individuum, auch ein Eäschen von drei am 
Grunde verbundenen, und später noch einige. Der Umbo ist sehr auffallend 
gebildet und schon bei der jugendlichen Cvlinderform durch eine sanfte Ein- 
schnürung markirt. Das Zerspringen der kupferfarbigen Oberfläche des Hutes 
entsteht durch dessen Ausdehnung, beginnt am Eande und erstreckt sich nach 
meiner Beobachtung nicht bis zum Scheitel. Die Räume zwischen den dunkelen 
Schuppen haben die lichte Farbe des Hutfleisches, daher der Hutrand bei ent- 
wickelten Individuen lichter ist als der Scheitel. Ob sich der Hut zuletzt ganz 
flach ausbreitet, weiss ich nicht, denn auch die zur vollen Ausbildung zurück- 
gelassenen Exemplare des zweiten Fundes erlitten durch muthwillige Hände 
eine unliebsame Störung. Aus derselben Ursache sah ich auch keinen voll- 
kommen röhrig-hohlen Stiel, jedoch den deutlichen Beginn des Hohlwerdens im 
oberen Stieltheile eines Individuums. Jedenfalls bleibt der Stiel lange Zeit 
ausgefüllt. In späteren Jahren fanl ich den Schwamm nicht mehr und im 
Laufe der Zeit ist auch die letzte Spur des einstigen Standortes verschwunden. 



Wie jederzeit, wird es mir auch rücksichtlich dieser für neu angesehenen 
Formen höchst willkommen sein, wenn Jemand die Identität der Einen oder der 
Anderen davon, mit einer schon bekannten nachweiset und die Gefälligkeit hat, 
mir die Gründe brieflich mitzutheilen, um was ich recht sehr bitte, weil mein 
Zweck nur Erweiterung des Wissens ist, eitle Speciesmacherei aber mich gründ- 
lich aneckelt. Nichts gewährt mir mehr Befriedigung, als wenn ich aus eigener 
Beobachtung oder durch Befunde Anderer in die Lage komme, den Xanien 
eines für neu angesehenen Pilzes mit dem ihm rechtlich zukommenden zu ver- 
tauschen, mit anderen Worten: eine die Wissenschaft fordernde Berichtigung 
vorzunehmen. Selbstverständlich zolle ich daher meinem geehrten Freunde, 
dem Herrn Professor Hazslinszky, aufrichtigen, freudigen Dank dafür, dass 
er in seinen vorjährigen, Seite 217 hier eingerückten, Beiträgen zur ungarischen 
Pilz-Flora versuchte, mir einige Irrthümer nachzuweisen. Ohne derlei Contro- 
versen stagnirt die Wissenschaft und wir gelangen weder zu Wahrheit noch Licht. 

Da ist vor Allem meine Gattung Pachy 'derma. Den betreffenden Pilz 
fand ich gegen Mitte October 1874, und da er morphologisch keiner bis dahin 
bekannten Gasteromvceten -Gattung entspricht, war ich gezwungen eine neue 
aufzustellen. Mit Mucenastrum Desv. stimmte, nach den dürftigen mir damals 
zu Gebote gestandenen Diagnosen, blos die namhafte Dicke und die Substanz 
des Peridiums, aber es fehlte das stirnförmig-lappige Oeffnen, ein Umstand, 
auf dessen Wesentlichkeit schon Desveaux's Gattungs-Benennung, wie auch 
die später aufgefundenen Arten deuten. So gleicht Myc. Corhtm D. in reifem 
Zustande einem Becher mit unregelmässig geschlitztem Eande, und vom 
M. Beccarii sagt Passerini: ..in lacinias irreguläres dehiscens". Ich Hess 
dem Pilze Zeit zur allenfallsigen Nachentwicklung, denn erst zwei Monate nach 

Z. B. Ges. B. XXYU. Abh. 15 



114 



Stephan Schulzer von Müggenburg. 



dem Auffinden des völlig reifen, weil schon spontan vom Boden getrennten 
Exemplars, schritt ich zu dessen innerer Untersuchung; aber mein genauestes 
Besehen konnte keine Andeutung zu einer späteren Oeffnung irgend welcher 
Form entdecken. Und doch ist mein Pilz ein My cenastrum, wenn auch 
keineswegs Myc. Corium, welches, wie gesagt, in reifem Zustande pezizen- 
förmig, überdies auffallend grösser ist, indem es selbst den Riesen Lycoperdon 
Bovista an Grösse weit übertrifft. Möglicherweise ist in der Jugend ein äusseres, 
weiches, später verschwindendes Peridium vorhanden, wie ich es an dem im 
Tolnaer Comitate gefundenen und in meinem ersten, an die ungar. Akad. der 
Wissensch, abgetretenen Werke mit einem Fragezeichen als Myc. CoriumDesv. 
aufgeführten Pilze fand, beschrieb und abbildete. Dieses zugegeben, kann doch 
mein Pilz auch in dieser Beziehung M. Corium nicht sein, denn bei letzterem 
sieht man noch zur Zeit des Oeffuens Fragmente des äusseren Peridiums, wo- 
von ich hier, trotz allsogleichem emsigstem Suchen darnach, nicht die leiseste 
Spur zu finden vermochte. Zwei Jahre später publicirte Dr. Hesse seine, der 
höchsten Anerkennung werthe Entdeckung, wornach sich bei Gasteromyceten 
aus nur wenigen Fäden des reifen Capillidiums mit vollster Sicherheit die 
Gattung bestimmen lässt. Da die Hyphen des Mycenastrum ganz jenen meines 
Pilzes entsprechen und wie ich mir durch Autopsie des Myc. Corium die Ueber- 
zeugung verschaffte, auch die Sporen in Farbe, Gestalt, Grösse und Beschaffen- 
heit bei beiden Pilzen völlig gleich sind, so glaube ich, dass es sehr gefehlt 
wäre, unseren Pilz, wenn er sich auch nicht sternlappig öffnet, anderswohin, 
als zu Mycenastrum einzuteilen, und ändere nun die Benennung in Mycena- 
strum clausum. Jedenfalls ist mein zufälliger Fund auch als Mycenastrum 
für unser Vaterland nicht uninteressant. Wenn mein geehrter Freund findet, 
die Gattung Mycenastrum schliesse sich durch ihren ganzen Bau den Scleroderma- 
Arten an, so kann ich dieser Ansicht nicht beistimmen. Denn, abgesehen von 
anderen Verschiedenheiten, sind die Capillitium - Hyphen des Mycenastrum, 
gegenüber jenen des Scleroderma, sehr auffallend stark und erzeugen an Wärz- 
chen die Sporen einzeln, die somit zerstreuet im ganzen Inneren vor- 
kommen, während die Hyphenzüge des Scleroderma überall Loculamente, be- 
kleidet mit viersporigen Basidien, bilden. Da sich diese Höhlen mit reifen 
Sporen dicht anfüllen, so sieht man letztere, vor dem Zerfallen des Capillitiums, 
immer nur zu Klumpen gesammelt. 

Diploderma Link mag immerhin, bis zum allenfallsigen Wiederauffinden, 
für einen abortiven Geaster gehalten werden, wogegen übrigens die dunkel- 
gefärbten, somit reifen Sporen zu sprechen scheinen — mein als D. Ungeri 
publicirter, später, aufgetauchter Bedenken wegen, in dem bei der Pester Aka- 
demie der Wissensch. befindlichen Werke in Hazslinszkytes Ungeri umgetaufter 
Pilz kann indessen für derlei keineswegs gelten. Er ward völlig wohlerhalten 
mitten im Winter gefunden, zu welcher Zeit mir bisher höchstens kümmerliche 
Rudera vom Geaster vorkamen. Er hat eine bis zur halben Höhe reichende, 
über 9 Mm. dicke, holzharte Columella — der Stiel oder Hals des inneren 
Peridiams beim Geaster (Flecostoma der Autoren) reicht nur bis zu dessen 



Mycologische Beiträge. 



115 



Basis und ist bei allen bekannten Arten leder- nie holzartiger Substanz. 
Das innere Peridium ist bei allen Geastrideen eine vorn oberen Ende des 
Stieles oder Halses ausgehende, unmittelbare, an Substanz völlig gleiche Fort- 
setzung desselben — hier entspringt es beiläufig in der halben Höhe der 
Columella und ist, im Gegensatze zu dieser, biegsam, fasrig-häutig. Endlich 
ist mir nicht bekannt, dass irgend Jemand bisher einen Geaster gesehen habe, 
der mit einem Büschel dauerhafter, selbst dem Winter trotzender Faser- 
wurzeln am Standorte haftet. Alle Geastrideen besitzen nach dem Trennen 
vom Entstehungsorte nur ein äusserst zartes, woll- schimmelähnliches Mycelium 
an der Oberfläche der äusseren Hülle — Wurzeln fehlen absolut. Das 
dürften wohl Gründe genug sein, um meine Gattung Hazslinszlcytes nicht auf- 
zugeben, und wer in der Lage ist, den Nyärader Wald bei Mohäcs im Spät- 
herbste zu durchsuchen, möge mehr darauf, als auf Geäst er-Formen seine 
Aufmerksamkeit richten, obschon ihn auch diese reichlich lohnen dürften. Ich 
fand nämlich dort, alljährlich an derselben Stelle, den schönen Geaster (Ple- 
costoma) fornicatus Fr. Er erschien regelmässig in den letzten Tagen des 
Juli zahlreich in einem ausgefaulten Eichenstocke auf dem kuchenförmigen, 
über 2 Decim. im Durchmesser und über 5 Cm. in der Dicke messenden, 
humusbedeckten, perennirenden, grobfasrigen, braunen, mit Erde untermengten 
Mycelium. Hier fand ich auch die von meinem geehrten Freunde der typischen 
Form a) zugeschriebenen, wulst- oder kuchenföimig auffallend deutlich abgesetzte 
Basis des inneren Peridiums an vielen Individuen, während ihre Geschwister 
dieser Zier entbehrten, was Alles klar und naturgetreu in meinem ersten Werke, 
nun Eigenthum der Pester Akademie, zu sehen ist. Hieraus folgt von selbst 
der Schluss, dass diese Bildung einerseits in Ungarn nicht fehlt, andererseits 
aber sich nicht zur Aufstellung als besondere Form eignet. Eben so trügerisch 
ist bei Geastrideen in einigen Fällen die Gestalt der Mündung. Man kann zu- 
weilen in derselben Gruppe mehr oder weniger erhabene und auch ganz flache 
beobachten. Meine Benennung der aufgefundenen Arten, basirt sich in dem 
mehrmal bezeichneten Werke auf die mir zu Gebote gestandenen Abbildungen, 
besonders Bulliard's, mit Rücksicht auf die Citate von Persoon und Fries. 
Nun noch die Bemerkung, dass der durch mich entdeckte grosse, kuchenförmige 
Myceliumkörper , die alljährliche Mutter einer ganzen Generation, nicht blos 
dem Geaster fornicatus Fr. eigen ist, indem ich ihn auch bei dem meinerseits 
für Geaster limbatus Fr. angesprochenen Gebilde antraf, während er bei anderen 
Arten fehlt, oder vielleicht übersehen wurde. Jedenfalls ein den Mykologen 
zur Beachtung empfehlenswerthes Organ. 

In meinem ersten Werke ist der Name Secotium Thunii Schlzr. bereits 
vor zehn Jahren in S. acuminatum Mont. abgeändert, weil ich mir bei 
meiner Anwesenheit in Wien, durch Einsicht der herrlichen Arbeiten der Ge- 
brüder Tulasne die Ueberzeugung von der Identität beider verschaffte und 
immer herzlich froh bin, der Aufstellung neuer Species ausweichen zu können. 
Im Briefwechsel machte ich meinen geehrten Freund wiederholt vergebens auf 
diese Thatsache aufmerksam und legte gegen seine Absicht, meinen Pilz sammt 

15* 



116 Stephan Schulzer von Müggenburg. Mycologische Beiträg« 



dem seinigen „acaule" zu benennen, entschieden Protest ein. Das kann man 
doch kein Zurückziehen meiner Benennung in dem Sinne nennen, dass nun 
ein Anderer berechtigt sei, damit zu schalten; im Gegentheile verweigerte ich 
es mit klaren Worten, ihm die Benennung meiner Form zu überlassen, weil sie 
schon eine fixe hat. — Uebrigens bitte ich von unseren Verhandlungen 
Band XV, Seite 796 und Tab. 16 einzusehen, um sich zu überzeugen, ob mir 
schon 1865 irgend etwas in Bezug auf die Entwicklung und den Bau dieses 
merkwürdigen Pilzes unbekannt war. Da wird man auch finden, dass ein stets 
abgerundeter Scheitel keineswegs zum Hauptkennzeichen desselben gehört 
und dass für dieses Gebilde der Name „acaule" der möglichst unpassendste 
wäre. Nur die Grösse der in völlig reifem Zustande dunkel purpurbraunen 
Sporen ward damals nicht ziffermässig angegeben. Die längere Achse, denn 
nicht alle sind in reifem Zustande kugelrund, variirt von 007 — O'Ol Mm. 

Dieses Differiren gegen die Messung meines geehrten Freundes, so wie 
seine Angabe von Farblosigkeit der Sporen bei durchfallendem Lichte, wo sie 
doch in der That lichtbraun sich darstellen, kann sich darauf gründen, dass 
er kein natürlich gereiftes Exemplar zur Hand hatte. Ersteres ist vielleicht 
auch der Eigenthümlichkeit des ihm zu Gebote stehenden Instrumentes zuzu- 
schreiben. Siehe Verhandlungen Band XXV, Seite 66. — Meine Messungen 
stimmten bisher beinahe in allen vorgekommenen Fällen genau, oder wenigstens 
genügend mit jenen deBary's, der Gebrüder Tulasne und Anderer. Zwischen 
dem Secotium acuminatum Mont. und dem Szabolcser-Pilze mögen Verschieden- 
heiten obwalten, worüber ich jedoch kein Urtheil abzugeben vermag, da ich 
letzteres nicht sah. — Namentlich scheint die Erscheinungszeit beider sehr zu 
differiren: Montagne's Pilz erscheint bei uns erst in den heissesten 
Tagen des August, See. Szäbolcsiense bereits im Frühjahre. Uebrigens 
scheint letzterem mein geehrter Freund wiederholtes Entstehen während eines 
ungewöhnlich langen Zeitraumes zuzuschreiben, wenn er erst neuerlich im 
December nach jungen Exemplaren suchte. Nur in dem einzigen Falle, 
wenn es sich erweisen sollte, das S. acuminatum Mont., etwa wie S. erythro- 
cephalum Tul., eine hohle Säule besitzt, wäre die Notwendigkeit vorhanden, 
der von mir beobachteten Form einen anderen Namen zu geben, was ich natür- 
lich mir selbst vorbehalte. 

Zum Schlüsse hofFe ich in Nachfolgendem dem Streben meiner geehrten 
ungarischen Freunde nach Licht einen willkommenen Dienst zu erweisen. 

Phacidiopsis Hazsl. ist als selbstsiändige Gattung nicht haltbar, weil 
sie sich nicht wesentlich von Triblidium Rebent. nach Karsten's Auffassung 
unterscheidet; denn dass letzterer die Schläuche bisher nur 2 — 4sporig, mein 
geehrter Freund aber bei einer Art 8sporig antraf, kann die Nothwendigkeit 
eines neuen Genus kaum begründen. 

Ag. (Collybia) caesiellus Kalchbr. in Szepesi gombäk jegyzeke, 
drittes Heft des fünften Bandes der Veröffentlichungen der Pester Akademie im 
Jahre 1867, Seite 222, Tab. I, Fig. 1 ist A. purpureus Bolt. Seite 65, 
Tab. XLI, Fig. B im ersten Bande. Bolton's Abbildung citirt Fries zwar 
neuesten« zum Agar, jonides Bull., was jedoch nicht passt, denn der Hut ist 
nicht „umbonatiih", der Stiel hohl. 

Ag. (Mycena) caesiellus Kalchbr. in Sei. hym. Ilung. Heft I, Tab. VII, 
Fig. 1 scheint etwas ganz und gar Verschiedenes zu sein, denn schon die 
Lamellen .sind dicht, während sie bei der Collybia weit sind. 



Beiträge zur Holothurien - Fauna des Mittelmeeres. 

Von 

Dr. Emil t. Marenzeller. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 7- März 1877.) 

(Mit Tafel V.) 

Cueumaria Marionii n. sp. 

(Fig. 1.) 

Der weissliche Körper des einzigen Exemplares 6 Mm. lang, in der Mitte 
nicht ganz 3 Mm. breit, von zahlreichen Kalkplatten ziemlich starr, stumpf 
fünfeckig, der Quere nach gerunzelt, vorn abgestumpft, nach hinten etwas 
spitz zulaufend. Das Trivium leicht bauchig vorgetrieben. Die Füsschenreihen 
auf den Radien des Bruches und des Rückens, wenigstens in der vorderen 
Hälfte des Körpers, deutlich angeordnet, doch stehen sie überhaupt mehr alter- 
nirend als nebeneinander, dichter im Trivium des Bivium. Die Interambulacral- 
räume ohne Füsschen. Von den zehn weisslichen Tentakeln sind zwei ven- 
trale nur unbedeutend kleiner. Die Tentakel schlank mit wenigen, einfach- 
lappigen Nebenästen. Der Kalkring aus zehn sich nicht berührenden 1 Mm. 
langen Stücken zusammengesetzt. (Fig. 1.) Die Radialia in der vorderen Hälfte 
etwas breiter als hinten, nach vorne in drei Spitzen auslaufend, von welchen 
die beiden seitlichen einfach konisch sind, die mittlere hingegen noch einmal 
ausgezackt ist. Der Hinterrand ausgeschweift, jedoch nicht so tief als jener 
der Interradialia. Diese nach vorne einfach zugespitzt. An der ventralen Hälfte 
des Kalkringes sind zwei Interradialia dem medialen Radiale etwas mehr ge- 
nähert, sonst ist kein Unterschied mit den übrigen Gliedern des Kalkringes. 
Eine Poli'sche Blase von 1*5 Mm. Länge. Sie ist anfangs eng, erweitert sich 
sodann, nimmt aber am Ende wieder in einem gekrümmten Anhange die Dimen- 
sionen wie an ihrem Ursprünge an. Ein Steincanal. Die Retractoren setzen 
sich etwas nach vorne von der Stelle wo die Yerschmälerung der Radialia be- 
ginnt an diese fest. Die Verbindung mit den Radiärmuskeln findet in dem 
contrahirten Thiere etwas hinter dem ersten Körperdrittel statt. Die Radiär- 
muskel relativ kräftig, breit. Die Geschlechtsorgane waren entwickelt und be- 
standen aus kurzen, ziemlich dicken, unverästelten Röhren. 

In der Haut des Körpers ^ findet sich dicht gedrängt nur eine Art von 
Kalkkörpern. (Fig. \A.) Es sind Stühlchen, die eine abgerundet rhombische. 



118 



Emil v. Marenzelle r. 



ziemlich regelmässig durchlöcherte Scheibe besitzen, mit einem nur von zwei 
Schenkeln gebildeten Stiele in der Mitte. Der stumpfen Spitze des Stieles sitzen 
mehrere Dörnchen auf. In den Wandungen der Füsschen liegen neben selte- 
neren, breiteren, lange schmale gekrümmte durchlöcherte Scheiben, welche mit 
einem ähnlich gebauten Stiel versehen sind. (Fig. 12?.) Doch sieht man häufig 
statt der Dornenkrone eine einfache Spitze. Die Enden der Füsschen sind mit 
einer vielfach durchlöcherten Platte versehen. 

Ich benenne diese neue* Art ihrem Entdecker, Herrn Professor A. Marion 
in Marseille, zu Ehren, welcher sie im Vereine mit der folgenden Art aufge- 
funden und mir zur Untersuchung einzusenden die Freundlichkeit gehabt hatte. 

Fundort: Marseille; Schlammgrund, 108 Meter Tiefe. 

Thyone raphanus. 
Düben et Koren, Holoth. Hudskelett, p. 217, Taf. 5, Fig. 49—55; öfversigt 

af Skand. Echinod. p. 311-312, Taf. 11, Fig. 53 in Kongl. Vetensk. Akad. 

Handling. för aar 1844. Stockholm 1846. 
Thyone raphanus Düb. et Kor.; Hodge George, Cat. of the Echinoderm. of 

Northumberland and Durham. Natural Histor. Transact. of Northumb. 

and Durh. Vol. IV. London 1872, p. 146. PI. III, fig. 22—30. 

Das einzige, offenbar noch nicht ausgewachsene Exemplar, ist 11 Mm. 
lang, in der Mitte 4*5 Mm. breit. Das Vorderende des contrahirten Thieres 
etwas zugespitzt, das Hinterende in einen schwanzartigen Anhang von 2 Mm. 
Länge ausgezogen. Der Rücken ziemlich gerade, die Bauchfläche vorgewölbt. 
Füsschen finden sich über dem ganzen Körper zerstreut, sind jedoch am Rücken 
viel spärlicher und kürzer. Sie erstrecken sich auch zum Theile auf das ver- 
jüngte hintere Ende, fehlen jedoch dessen äusserster Hälfte. Um den After 
fünf grosse Kalkplatten („Zähne"). Von den zehn Tentakeln sind die zwei 
mittleren ventralen etwas kleiner. Der Kalkring besteht aus zehn Stücken, von 
welchen die zwei ventralen Interradialia mit dem medianen Radiale verschmel- 
zen, die übrigen sind frei. Die Radialia in ihrem vorderen Antheile schmal, 
mit einer Randleiste jederseits; sie verbreitern sich sodann plötzlich und gehen 
nach hinten in zwei lange Schenkel aus. Die vordere Spitze ist ausgerandet. 
Die Interradialia sind einfach konisch zugespitzt, am Hinterrande schwach 
concav. Der Zerfall der Radialia in Stücke ist nicht deutlich, eigentliche Näthe 
sind nicht sichtbar, wohl aber Stellen wo die Kalkablagerung spärlicher ist, 
so dass immerhin wenigstens eine Andeutung einer Gliederung gegeben ist. 

Die vorderen Spitzen der Radialia liegen etwa 3 Mm. hinter dem schein- 
baren vorderen Körperende. Ein schmales Rohr führt, sich allmälig verbreiternd, 
zu dem Schlundkopfe, in welchem die retrahirten Tentakel sich vorfanden. 
Dieses Bohr ist nichts als der eingestülpte vordere Antheil des Leibes. Der 
Bau seiner Wände ist tibereinstimmend mit denen des übrigen Körpers, nur 
fehlen die Kalkplatten. Man sieht die Radiärmuskeln umbiegen und etwas 
verschmälert bis zu den Spitzen der Radialia ziehen, wo sie sich festsetzen. 
Difl der Leibeshöhle zugekehrte Fläche des Rohres ist mit den Ampullen der 



Beiträge zur Holothurien-Fauna des Mittelmeeres. 



119 



im Innern befindlichen Füsschen versehen. Diese sind gebant wie die der Periferie 
des Leibes, nur sind sie sehr klein und die Endscheiben rudimentär. Es wird 
somit das Thier, wenn es seinen Tentakelkranz entfaltet hat, nach vorne ebenso 
verjüngt zulaufen wie nach rückwärts. 

An dem Wassergefässringe eine cylindrische in eine dünne Spitze endende 
Poli'sche Blase, gemeinschaftlich mit ihr entspringt eine zweite viel schmäch- 
tigere, am Ende kuglig aufgetriebene. Ein dorsal gelegener Steincanal. (Fig. 2.) 

Die Retractoren setzen sich etwas oberhalb der Stelle, wo die Verbreite- 
rung der Eadialia beginnt, an. Die Radiärmuskeln sind schmächtig. Sie 
geben, etwas vor der Mitte des Leibes, die Retractoren ab. Die Geschlechts- 
organe bestehen aus ziemlich langen ungetheilten Röhren. 

Das Hautskelet wird von dicht gelagerten, derben einfachen, durchlöcherten 
Platten gebildet. (Fig. 2 A.) Sehr selten trifft man sogenannte xförmige Körper- 
chen an. (Fig. 2 A a, b.) In dem sehwanzartigen Hinterende sind die Kalkplatten 
grösser, mit mehr Löcher versehen, jedoch dünner. Die „Zähne" des Afters 
werden von sehr grossen, vielfach durchlöcherten und stellenweise mit Leisten 
an ihrer Oberfläche versehenen Platten gebildet. (Fig. 2 B.) In ihrer Nähe 
findet man auch einige wenige kurze, an den Enden verbreiterte und durch- 
löcherte Stäbe. (Fig. 2Ba.) Die Füsschen führen ausser zierlichen, sternförmigen, 
durchbrochenen Endplatten (Fig. 2 0) keine Kalkgebilde. Die Platten des 
Körpers in vorliegendem Exemplare sind, wie es scheint, kleiner und mit 
weniger Löcher versehen, als jene der von Düben und Koren beschriebenen 
Exemplare; xförmige Körper werden von diesen Autoren nicht erwähnt. 

Zum Vergleiche konnte ich eine, allerdings nicht sehr gut conservirte, 
Thyone raphanus aus Norwegen untersuchen. Der innere Bau stimmte voll- 
kommen mit meinem Befunde an dem Individuum von Marseille; der Körper 
jedoch fühlt sich weicher an, die Kalkplatten waren wenig dicht gelagert, 
zarter und groblochiger, in ihrer ganzen Erscheinung nicht unbeträchtlich von 
den Abbildungen Düben's und Koren's abweichend. 

Fundort: Marseille; Schlammgrund, 108 Meter Tiefe. (A. Marion.) 
Thyone raphanus Düb. et Kor., bisher nur bekannt von der Küste 
Norwegens, Englands, der Shetlandsinseln und Hebriden, gehört somit auch 
der Fauna des Mittelmeeres an. 

Holothuria Heilert mihi. 
Holothuria affinis Heller C. Die Zoopbyten und Echinodermen des adriatischen 
Meeres. Wien 1868, Seite 73. Tafel III, Fig. 7. 

In einer früheren Arbeit 1 ) sprach ich aus, dass falls die mir damals noch 
nicht bekannte H. affinis Heller von H. intestinalis Asc. et Rathke aus der 
Nordsee verschieden sei, sie neu benannt werden müsse, da der Artname be- 
reits von Brandt für eine Holothurie vergeben sei. 

*) Kritik adriatischer Holothurien. Verh. d. k. k. zool.-bot. Ges. in Wien. XXIV. Band. 
1874, Seite 320. (S. 22 d. Sep.). 



120 



Emil v. Marenzeller. 



Seitdem fand ich JE. affinis Heller bei Triest und Lussin, sowie in einer 
kleinen Sammlung von Holothurien aus Lesina, welche mir Herr Professor 
C. Heller freundlichst zur Verfügung stellte. Ich konnte ausserdem ein Indi- 
viduum der JE. intestinalis Asc. et Rath., das ich der Güte Dr. Lütken's in 
Kopenhagen danke, vergleichen, und gebe nun, da ich mich für die Auseinander- 
haltung der beiden Arten entschieden, der JE. affinis den Namen JE. Helleri. 
Heller hatte nur jugendliche Exemplare vor sich. Das grösste Individuum, 
das ich besitze, ist 55 Mm. lang und stammt aus dem Hafen von Lussin 
piccolo; bei Triest fand ich nur Individuen von 8 und 11 Mm. Die Exemplare 
von Lesina erreichten die Grösse von 20 Mm. 

Die unausgewachsenen Formen von Triest, beobachtete ich während des 
Lebens. Der Habitus war nicht so sehr holothurienartig, als einer Cucumaria 
ähnlich. Der ziemlich rauhe und körnige Körper fünfseitig, 8 Mm. lang, 3 Mm. 
breit, die Füsschen in undeutlichen Doppelreihen angeordnet. Die Farbe licht 
graugelblich mit einem Stiche ins Grünliche, hie und da kleine braune Pünkt- 
chen. In den Füsschen und auch der Körperwand schwefelgelbes Pigment 
stellenweise eingelagert. Haftete das Thier mit dem Trivium an der Wand des 
Behältnisses, so streckte es einzelne Füsschen des Bivium bis zu der Länge 
von iy 2 Mm. aus. 

Bei den heranwachsenden Individuen ändern sich manche Verhältnisse. 
Die Färbung wird dunkler. Bücken und Bauch sind braungefleckt. Ersterer 
jedoch immer viel intensiver und auf grössere Strecken. In einem Falle waren 
die Warzen, aus welchen die Rückenfüsschen austreten, heller als die Um- 
gebung. Die Stellung der Füsse am Bauche in drei Reihen wird weniger 
alterirt, da interambulacrale Füsschen selten sind; am Rücken hingegen kommen 
solche zahlreich hinzu. Die Rückenfüsschen treten aus niederen, warzenartigen 
Erhebungen aus, sie waren an denselben Weingeist -Exemplaren retrahirt, an 
welchen die Bauchfüsschen lang vorragten. Auch sie besitzen übrigens gleich- 
falls eine, wenn auch kleinere (in einem Falle braungefärbte) Endscheibe. Die 
Endscheibe der Bauchfüsschen ist gross, gelb. Die Farbe der Tentakel ist 
gleichfalls intensiv gelb. 

Die Radialia des Kalkringes sind vorne breit, wagrecht abgeschnitten, 
und mit einem Ausschnitte versehen, hinten ausgerandet, die Interradialia etwas 
kürzer in eine scharfe schmale Spitze rasch ausgezogen. 

Bei allen Individuen constant eine Polfsche Blase, bei den kleineren 
immer nur ein Steincanal links, bei dem grossen ausserdem noch zwei rechts. 
Bei den jugendlichen Individuen war der linke Lungenbaum nur wenig ent- 
wickelt; er blieb übrigens auch bei dem Individuum von 55 Mm. an Länge 
hinter dem rechten zurück. Büschelförmige Cuvier'sche Organe bei allen unter- 
suchten Exemplare. Die Geschlechtsorgane nicht entwickelt. 

Auf die Kalkkörpcr der Haut muss ich mich etwas ausführlicher ein- 
lassen. Charakteristisch für die Art sind die Stühlchen, und zwar dadurch, dass 
von einer meist sehr regelmässig gebauten zierlichen Scheibe ein langer schlanker 
Stiel abgeht, welcher vorwiegend drei Querstäbe unterhalb einer terminalen 



Beiträge zur Holothurien-Fauna des Mittelmeeres. 



121 



Dornenkrone zeigt (Pyramide mit drei Stockwerken). Die Scheibe misst durch- 
schnittlich 0-0528—0*0627 Mm., ihr Band enthält in der Regel acht Löcher. 
In den Füsschen, besonders nahe deren Ende, finden sich auch grössere Scheiben, 
welche durch Bildung neuer Ringe an der Periferie entstehen. Der Stiel ist 
meist - 0495— 0'00561 Mm. lang; ich sah ihn übrigens auch bis zur Länge von 
0825 Mm. entwickelt. Die Breite der Spitze ist gering: 0'0099 selten 0-0165 Mm. 
Die Spitze wird von einer Dornenkrone geziert; Dörnchen kommen übrigens 
auch manchmal an den Längsstäben des Stieles unterhalb dieser vor. Bei den 
ganz jungen Thieren findet man Stiele, welche noch wenig ausgebildet sind, 
kurz und mit nur einem Querstabe. Diese Stühlchen erfüllen, dicht und regel- 
mässig gelagert, die Haut und erzeugen mit ihren Spitzen das Rauhe und Ge- 
körnte der Oberfläche. Sie lassen die H. Heilert sofort von allen anderen 
Mittelmeerarten der Gattung HoJothuria leicht unterscheiden. Aasser diesen 
Stühlchen fand ich, jedoch unter sieben Exemplaren nur in zweien, und zwar 
dem 55 Mm. langen von Lussin und einem 20 Mm. langen von Lesina, welche 
beide in keiner anderen Richtung von den übrigen abwichen, knotige Schnallen 
mit einer Doppelreihe von 3—4 Löchern. Sie sind 0363—0 0561 Mm. lang 
und circa 0"0231 Mm. breit. Auch die Stäbe der Füsschen variiren. Ursprüng- 
lich sind es schwach geschwungene Querstäbe, welche in der Mitte und an den 
Enden anfangen Ringe und Spangen zu bilden bis zur Herstellung grosser, 
breiter mit zahlreichen OefTnungen versehenen, meist glatten, manchmal auch 
schwach knotigen Platten. Solche sah ich an jenen zwei Exemplaren gut aus- 
gebildet, bei denen auch Schnallen vorhanden waren; doch fanden sich an 
denselben in den Wärzchen des Rückens ebensowohl weniger entwickelte Stäbe. 
Bei den ganz jungen Individuen fehlen die Stäbe in manchen Füsschen. Die 
Endscheibe der Füsschen. zumal der ventralen, ist eine wohl entwickelte, durch- 
löcherte Platte. 

Die Stühlchen meines Exemplares von H. intestinalis haben eine gewisse 
Aehnlichkeit; die Scheibe ist jedoch im Verhältnisse durchaus grösser, die Stiele 
sind kürzer breiter, selten - 0561 Mm. lang, in diesem Falle 0-0231 Mm. an 
der Spitze breit. Es ist nur ein Querstab unter der Dornenkrone vorhanden. 
Stäbchen in den Wandungen der Füsschen sah ich nicht. Während der 
Kalkring, Poli'sche Blase (1), Steincanal (1) nichts Besonderes bieten, sind 
es die Lungen, welche sofort durch ihr Aussehen und ihren Bau in die Augen 
fallen. Sie entspringen mit dickem Stamme aus der Cloake. Die rechte Lunge 
allein zeigte an der Basis zwei kurze Seitenäste, sonst finden nur dicht ge- 
drängt, von dem Stamme selbst, kurze aber breite, stumpflappige Ausstülpungen 
statt, die manchmal auch ganz bläschenförmig werden. Die Lungen bekommen 
dadurch ein grobbeeriges Aussehen, aufweiche Eigentümlichkeit schon Düben 
und Koren hingewiesen. Die Lungen bei H. Helleri hingegen sind mehrfach 
verzweigt und mit kurzen spitzen Ausbuchtungen versehen. 

Fundort: Lesina (Heller); Lussin piccolo, Triest (Marenzeller) mit Algen 
aus einer Tiefe von 2—3 Meter. 



Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 



16 



122 Emil von Marenzeller. Beiträge zur Holotlmrien-Fauna des Mittelmeeres. 



Erklärung der Abbildungen. 

Tafel V. 

Fig. 1. Cucumaria Marionii n. sp. Drei Glieder des Kalkringes. 20 : 1. 
„ 1 A. „ „ Kalkkörper aus der Haut. 220 : 1. 

„IB. „ „ „ aus der Wand der Füss- 

chen. 220 : 1. 

„ 2. Thyone raphanus Düb. et Kor. Kalkring, Polfsche Blasen, Steincanal, 

Retractoren, Eadiärmuskel in ihrem Verlaufe zu 
den Spitzen der Radialia. 10 : 1. 

„ 2 A. „ „ Kalkkörper aus der Haut. a. b. xförmige Körper- 

chen. 220 : 1. 

„ 2B. „ „ Grosse Kalkplatte um den After (Zähne); a. ein 

vereinzelter kurzer Stab von derselben Stelle. 
220 : 1. 

„ 2 (7. „ „ Endplatte der Füsschen. 220: 1. 



Beiträge zur Kenntniss der Psylloden. 



Von 

Dr. Franz Lö w. 
(Mit Tafel VI.) 

(Vorgelegt in der Ver6ammlnng am 7. März 1877.) 

I. Bemerkungen über einige bekannte Arten. 

Wie ich bereits in meiner jüngsten Publikation über Psylloden >) erwähnt 
habe, sind die Artbeschreibungen älterer Autoren, weil nur auf Farbenunter- 
schiede fussend, so ungenügend, dass es sehr schwierig, ja in vielen Fällen 
geradezu unmöglich ist, Psylloden darnach zu bestimmen. Diess wird am besten 
dadurch illustrirt, dass selbst die volle Uebereinstimmung einer Artbeschreibung 
mit einem zu bestimmenden Individuum noch gar nicht dessen Identität mit 
jener darthut, während deren Nichtübereinstimmung keineswegs ein Beweis für 
das Gegentheil ist. Es passen eben die meisten älteren Beschreibungen auf 
mehrere Psylloden-Arten zugleich. Unter diesen Umständen ist es unerläßlich, 
die Typen jener Autoren zu Rathe zu ziehen, was aber nur in sehr beschränktem 
Masse möglich ist, da von sehr wenigen der älteren Autoren solche Typen 
noch existiren. 

Was die Typen Förster's betrifft, so war ich so glücklich, wenigstens 
einen Theil derselben untersuchen und vergleichen zu können. Ich verdanke 
diess dem freundlichen Entgegenkommen des Herrn Custos Rogenhofe r, 
welcher mir mit gewohnter Bereitwilligkeit die Untersuchung sämratlicher im 
k. k. zoologischen Hof-Museum zu Wien vorhandener Psylloden gestattete, unter 
denen sich eine grosse Anzahl Förster'scher Typen befindet. Dieses Museum 
besitzt nämlich, ausser vielen von verschiedenen Entomologen gesammelten 
Blattspringern, auch die ganze Psylloden-Sammlung des verstorbenen Senators 
C. H. G. v. Heyden, welche Förster, wie aus seinen eigenen Angaben hervor- 
geht, zur Vervollständigung seiner im Jahre 1848 erschien nen Publikation über 
Psylloden 2 ) vorwiegend benützte, und welche daher als eine Sammlung von 



*) Verhandl. d. zool.-bot. Ges. 1876, Bd. 26, p. 187 -2 16, Taf. I und II. 
') Dr. A. Förster, Uebersicht der Gattungen und Arten in der Familie der Psylloden. 
(Verh. d. naturh. Ver. d. preuss. Rheinlande. V. 1848, p. 65—98.) 

16* 



124 



Franz Low. 



Förster'schen Typen angesehen werden muss, umsomehr als jede darin ent- 
haltene Art von Forstels Hand etiquettirt ist. 

Während ich diese Sammlung, welche sich trotz ihres Alters in einem 
für Vergleiche noch ganz brauchbaren Zustande befindet, einer Revision unter- 
zog, erhielt ich durch die Güte des Herrn Prof. Dr. C. Stäl die Psylloden des 
Stockholmer Museums, unter denen sich die Typen Bohemann's befanden, 
zur Determinirung zugesendet. Ausserdem verdanke ich der Freundlichkeit der 
Herren Dr. Flor, Dr. Puton, Dr. Lethierry und John Scott typische 
Exemplare vieler von ihnen und von Meyer-Dür beschriebener Arten, welche 
mir im Vereine mit den oben erwähnten Typen die richtige Beurtheilung so 
mancher zweifelhafter Art ermöglichten. 

Da mich Herr Custos Rogenhofer auch in Hinsicht auf die Erlangung 
der einschlägigen Literatur freundlichst unterstützte und mir überdiess auch 
noch die unter G. v. Frauenfeld's hinterlassenen Papieren befindlichen, auf 
Psylloden Bezug habenden Zeichnungen und Notizen zur Verfügung stellte, so 
war mir ein ziemlich reichliches Materiale geboten, dessen Untersuchung und 
Vergleichung Resultate lieferte, durch deren Publikation ich in der Lage bin, 
zur genaueren Kenntniss einiger Arten und ihrer Synonymie beitragen zu 
können. 

Bevor ich jedoch zu den Einzelheiten derselben übergehe, spreche ich 
allen den vorgenannten Herren für ihr bereitwilliges Entgegenkommen, 
sowie auch Herrn Meyer-Dür, welcher mir seine bezüglichen Notizen freund- 
lichst zur Benützung überliess, meinen verbindlichsten Dank aus. 

Aphalara subpunctata Frst. 

Diese Art wurde von Förster (1. c. p. 91) so unzureichend beschrieben, 
das8 ihr Wiedererkennen ohne Typen fast unmöglich ist. Er legte auf die 
bräunlichen Punkte, welche an den Einmündungssteilen der Nervenenden in 
den Flügelrand auftreten, ein besonderes Gewicht und benannte diese Art auch 
darnach. Diese Punkte sind aber meistens so unscheinbar, dass sie nur bei 
sehr aufmerksamer Betrachtung einigermassen wahrgenommen werden können. 
Unter diesen Umständen wird wohl die Mittheilung, dass diese Art von 
Dr. Lethierry nicht erkannt, sondern neuerlich unter dem Namen Aph. pal- 
Udo als nova species beschrieben wurde, Niemanden überraschen. Das mir 
von Dr. Lethierry freundlichst überlassene Exemplar seiner Aph. pallida, 
welches ich mit den Förster'schen Typen der Aph. subpunctata verglich, 
stimmt mit diesen in jeder Hinsicht überein, wesshalb ich keinen Anstand 
nehme, beide Arten als identisch zu erklären. 

Aphalara pul« Zett. 

Wie sehr diese Art der Variation unterliegt, beweisen am besten die 
vielen Synonyma derselben. Als solche kann ich mit voller Ueberzeugung 
Aph. fUwipennis l'Yst., Apfh toncki Frst., Aph. innoxia Frst. und Aph. alpi- 



Beiträge zur Kenntniss der Psylloden. 



125 



gena M. D. bezeichnen, welche nach meinen Beobachtungen und Untersuchungen 
nichts anders als mehr oder minder auffällige Farbenvarietäten einer Art, 
nämlich der Aph. picta Ztt. sind. 

Man kann sich alle diese Varietäten leicht verschaffen, wenn man während 
des Sommers und Herbstes auf Wiesen, besonders auf Bergwiesen, die Blüthen- 
schäfte von Leontodon hastüis Koch und autunnalis L. aufmerksam absucht. 
An diesen saugen die Imagines meist zu mehreren, man kann sagen ausschliess- 
lich, denn es ist mir noch nie gelungen, auch nur ein einziges Exemplar an 
den Blüthenschäften anderer Compositen anzutreffen. Auf diese Weise erhielt 
ich braune, gelbe und grüne, verschieden gefleckte und variirte Individuen, 
deren Flügel entweder mehr oder weniger braun gefärbt oder auch glashell 
waren, und welche, da sie nicht nur in ihren plastischen Merkmalen völlig 
übereinstimmen, sondern sich auch häufig in Copula befinden, als zu einer Art 
gehörend angesehen werden müssen. 

Obgleich ich mir viele Mühe gab, die Juugen dieser Art aufzufinden, so 
ist mir diess bisher doch noch nicht gelungen. Ich vermag daher die Nährpflanze 
derselben vorläufig noch nicht anzugeben; mit Bücksicht auf das konstante 
Vorkommen der Imagines auf den beiden genannten Leontodon-Arten hat jedoch 
die Voraussetzung, dass ihre Jungen gleichfalls auf diesen Pflanzen leben, viele 
Aussicht, bestätigt zu werden. 

Psylla radiata Frst. 

In dem von Achille Costa im Jahre 1.863 in Neapel unter dem Titel: 
„Nuovi studii sulla Entomologia della Calabria ulteriore 11 erschienenen Werke ist 
auf p. 47, pl. IV, Fig. 9 eine Psylla lactea Costa beschrieben und abgebildet, 
welche ich in keiner Hinsicht von Psylla (Arytaina) radiata Frst. zu unter- 
scheiden vermag und daher für identisch mit dieser halte. Man begegnet der Ps. 
radiata Frst. aber auch noch unter einem anderen Namen. Sie findet sich 
nämlich in vielen Sammlungen mit der Etiquette: „Psylla cytisi Beck." Dieser 
Name kommt meines Wissen in keiner Publikation vor, sondern findet sich nur 
in Sammlungen an solchen Exemplaren, welche von Becker in Sarepta ver- 
bendet wurden. Becker fing diese Art wahrscheinlich auf Cytisus und benannte 
sie nach diesem Vorkommen, ohne zu wissen, dass sie schon von Förster 
benannt und beschrieben worden ist. 

Um einer Verwechslung vorzubeugen, mache ich schliesslich noch darauf 
aufmerksam, dass Dr. Puton in den Ann. de la Soc. entom. de France, se'r. 5, 
T. VI, 1876, p. 284 eine Psylla cytisi n. sp. beschrieben hat, welche jedoch 
eine selbstständige Art und mit obiger nicht im entferntesten verwandt ist. 

Psylla genistae Latr. 

Latreille hat zu Beginn dieses Jahrhunderts bei Paris und im Süden 
von Frankreich eine auf dem Ginster lebende Psyllode entdeckt und in der 
Histoire naturelle, generale et particaliere des Crustaces et des Insectes (Suites 



126 



Franz Low. 



ä Buffon de Sonniui) T. XII, 1804, p. 382 als neue Species wie folgt be- 
schrieben: „Psylla genistae: Jaunätre, variee de noirätre; elytres blancbes, avec 
une bände longitudinale et des taches le long du bord interne, noirätres. Sur le 
genet aux environs de Paris, au midi de la France". Diese Beschreibung fand 
später in dem von Guerin -Meneville et Percheron erschienenen Werke 
,,Genera des Insectes oü exposition detaille'e de tous les caracteres propres ä 
chacun des genres de cette classe d'animaux" 1835, Hdraipt. Liv 4, Nr. 8, pl. 4 
Aufnahme, wo ihr eine colorirte Abbildung des geflügelten Insektes beigegeben 
ist, und befindet sich auch in der von Guerin allein herausgegebenen Icono- 
graphie du regne animal de G. Cuvier, Part VII, 1843, p. 375. In allen übrigen, 
bis heute erschienenen Publikationen wird der obgenannte Latreille'sche 
Speciesname auffallenderweise nicht erwähnt. 

Vergleicht man aber die obige Beschreibung und die erwähnte Abbildung 
mit derjenigen Beschreibung, welche Curtis von seiner Psylla ulicis gibt, und 
mit jener der Ps. spartii Hartig, so findet man, dass diese beiden Arten mit 
der Latr eil le'schen Ps. genistae vollkommen identisch sind. Da von diesen 
drei Namen der letztere der älteste ist, so hat er auch vor den anderen die 
Priorität und muss dieser Species erhalten bleiben. Diese wurde bisher in ver- 
schiedenen Werken und Publikationen unter folgenden Namen beschrieben, 
und zwar: 

Psylla genistae Latreille. Hist. nat. gen. part. Crust. et Ins. XII. (1804),p. 382. 

— ulicis Curtis, Brit. Entom. XII. (1835), tab. 565, 22 a. 

— genistae Latr. Guerin et Percheron, Genera Ins. Hemipt. Liv. IV, 

Nr. 8. (1835), pl. 4. 

— spartii Hartig, Germar's Zeitsch. f. d. Entom. III. (1841), p. 375. 

— genistae Latr. Guerin, Iconogr. Part VII. (1843), p. 375. 

— genistae Burmeister, Zool. Handatlas (1843), tab. 29, Fig. 28. 
Arytaina spartii Hart. Förster, Verh. nat. Ver. preuss. Rheinl. V. (1848), p. 69. 
Psylla spartii Hart. Flor, Bull. Soc. Imp. Nat. Moscou. XXXIV. (1861), p. 358. 
Arytaena ulicis Curt. Scott, Trans. Ent, Soc. London (1876), p. 529. pl. VIII, 

Fig. \a~f. 

Psylla spartii Guerin. 
Taf. VI, Fig. 1 a-c. 

Kurze Zeit nachdem Hartig seine Psylla spartii beschrieben hatte, be- 
nannte Guerin -Meneville eine andere, von dieser gänzlich verschiedene Art, 
deren Beschreibung und Abbildung in seiner Iconographie du regne animal de 
G. Ca vier, Part VII, 1813, p. 370, pl. 59, Fig. \\a-d enthalten ist, gleich- 
falls Psylla spartii*). Er gab ihr diesen Namen, weil ihm bereits bekannt war, 

*) Auf der oitirten Tafel 59 iHt dieHe Art, im WiderHprucho mit dorn Texte auf p. 870, mit 
<\fm Namen Pi. qmintaf. Guerin bezeichnet Diese Ungleichheit in der Benennung wird von Guörin 
wie folgt erklart: „Qnand nouH avonK fait gravor la lettre de notre planclio, nous n'avionB pas 
fait a*»ez de recherche* mir c«h inwecteH enoore vagiioment 6tudieH sous le poirit de vue ßyste- 
matiqne; noun ne connaiwjions pa« l'onpoce que Latreille a nommee Pnylla gtnitta« dann les 



Beiträge zur Eenntniss der Psylloden. 



127 



dass Hartig's Ps. spartii keine selbstständige Art, sondern identisch mit der 
schon 1804 von Latreille beschriebenen Ps. genistete ist 4 ). 

Auffallenderweise findet sich die Ps. spartii Guerin (nec Hartig) in keiner 
Publikation über Psylloden wieder. Sie wurde seither gänzlich übersehen, was 
nur durch die Annahme erklärlich ist, dass Guerin's Iconographie ein seltenes, 
Wenigen zugängliches Werk sein müsse. 

Wie ich nun aus einem Vergleiche der oben erwähnten Beschreibung 
und Abbildung Guerin's mit den Förster'schen Typen ersehe, hat Förster 
diese Art auch gekannt. Da ihm jedoch die durch Guärin bereits erfolgte 
Publikation derselben nicht bekannt war, so hielt er sie für noch unbeschrieben 
und gab ihr den Namen Ps. spartiophila, welcher somit nur ein Synonym von 
Ps. spartii Guerin ist. Ich halte es für zweckmässig, diese Art hier ausführ- 
licher zu beschreiben, weil sowohl Gue rin's als auch Förster's Beschreibung 
zur sicheren Bestimmung derselben nicht ausreicht. 

Psylla spartii Guer. (nec. Hart.) == Ps. spartiophila Frst. (Taf. VI, 
Fig. la— c.) — Scheitel flach, halb so lang als breit, mit den gewöhnlichen 
zwei Eindrücken. — Augen blass röthlichbraun. — Stirnkegel (Taf. VI, 
Fig. la) sehr kurz, kaum halb so lang als der Scheitel, stumpf abgerundet, an 
der Basis von einander entfernt stehend. — Clypeus schwarz. — Fühler 
lang, reichen bis an das Ende des Thorax oder ein wenig darüber hinweg, in 
der Basalhälfte gelb, in der Endhälfte mehr oder weniger braun, manchmal 
deren Glieder vom fünften an ganz schwarzbraun; drittes Glied V/ i —l 1 / 2 ^ n ^ 
so lang als das vierte. — Pronotum fast überall gleichbreit, zuweilen in der 
Mitte unbedeutend nach vorn erweitert. — Vorderflügel (Taf. VI, Fig. ib) 
schmutzigweiss getrübt, zuweilen an der Spitze in den Zellen mit mehr oder 
minder deutlichem, bräunlichem Anfluge; Adern gelb oder bräunlichgelb; Stiel 
des Cubitus kürzer als das Discoidalstück derSubcosta; Radius fast gerade, von 
der Flügelspitze weiter entfernt als die vierte Zinke ; Stiel der ersten Randzelle 
zweimal so lang als die erste Zinke; Stiel der zweiten Randzelle 2V3mal so 
lang als die dritte Zinke; zweite Zinke lang, schwach gebogen; Rand der ersten 
Randzelle 2 1 2 mal so lang als die erste Zinke; Radialzelle fast durchaus gleich- 
breit; Discoidalzelle am Ende unbedeutend breiter als die Radialzelle; Ptero- 
stigma kurz, kaum die Hälfte des Radialstückes der Costa einnehmend, ist 



Suites ä Buffon de Soimini, Ins. T. XII, p. 382, et, comme nous avions trouve aussi notre espece 
sur un genet, le Spartium scoparium, nous lui avions donne provisoirement le nom de Ps. genistae 
dejä employe et qui doit xester ä l'espece decrite par Latreille et figuree depuis par M. Perche- 
ron dans notre Genera des Insectes. Depuis ce tenips, M. Hartig a publie un travail sur les 
Phytophthires qui est suivi de la description de quelques especes, parmi lesquelles il y a une 
Ps. spartii qui n'est autre que la Ps. genistae de Latreille". 

*) Guerin bespricht 1. c. p. 372 die Unterschiede zwischen seiner Ps. spartii und der 
Ps. genistae Latr. wie folgt: „Notre Ps. spartii est tont ä fait semblable ä la Ps. genistae Latr. 
pour la forme et pour la taille ; mais eile s'en distingue au premier coup d'oeil par sa couleur et 
surtout par ses ailes transparentes et incolores, tandis qu'elles ont une bände longitudinale et 
de6 taches le long du bord interne, d'une couleur brune assez foncee chez la Ps. genistae de 
Latreille". 



128 



Franz Low. 



eigentlich nur eine Verdickung der Costa. — Genitalplatte des cf gerade, 
ohne seitliche Fortsätze oder Erweiterungen, fast Vl 2 ma\ so hoch als die Länge 
des Genitalsegmentes (Tai VI, Fig. 1 c). — Zange des cf fast ebenso hoch als 
die Genitalplatte, sehr schmal, sechsmal so hoch als an der Basis breit, nach 
oben ein wenig verschmälert und mit ihrer Spitze unbedeutend nach hinten 
gebogen, so dass ihr Vorderrand in der Endhälfte schwach convex und ihr 
Hinterrand daselbst ebenso concav ist. — Untere Genitalplatte des Q so 
lang als die drei vorhergehenden Abdominalsegmente zusammen, allmälig aus 
breiter Basis zugespitzt; die obere ragt um ein Fünftel ihrer Länge über die 
untere hinaus. 

Körperlänge des cf 2 l / 4 — 2%j desQ 2V 2 -2 3 / 4 Mm. 

Die Färbung dieser Art ist entweder grün, gelb oder röthlichgelb mit 
röthlichen oder bräunlichen Streifen und Flecken auf dem Rücken. Das Pro- 
notum meist grünlichgrau, zuweilen auch graugelb. Die Beine sind gelb mit 
braunem Endgliede. Das Abdomen ist beim cf meist gelb oder bräunlich gelb, 
beim 9 & run m ^ mehr oder minder dunklen, braunen bis fast schwarzen 
Binden, welche nur die Hinterränder der Segmente schmal frei lassen. Beim cf 
sind solche Binden in der Regel auf der Ober- und Unterseite des Abdomen, 
beim 9 hingegen treten an der Unterseite der Abdominalsegmente meist nur 
braune Seitenflecke auf. Die Genitalien des cf sind gewöhnlich hornbraun, mit 
geschwärzter Zangenspitze; die des 9 g run m ^ braunen Spitzen. 

Dr. Puton stellt (Ann. soc. ent. France 1871, ser. 5, T. I, p. 437) die 
Ps. torifrons Flor als Synonym zu Ps. spartiophila Frst., ohne die Gründe 
dieser Vereinigung anzugeben. Nach einer Vergleichung der mir von Dr. Flor 
freundlichst gesandten Type von Ps. torifrons mit den Förster'schen Typen 
von Ps. spartiophila kann ich dieser Vereinigung nicht beipflichten, weil ich 
zwischen diesen beiden Arten nicht die geringste Aehnlichkeit zu entdecken 
vermag, im Gegentheile ihre Unterschiede als sehr bedeutend bezeichnen muss. 
Die hervorstechendsten dieser Unterschiede sind folgende: 



Ps. spartii Gue'r. = spartiophila Frst. 
cf 2'/ 4 -2V 3 ; 9 2V 2 -23/ 4 Mm. 
Kopf und Thorax nicht punktirt. 

Stirnkegel kegelförmig, stumpf, an 
der Basis einander nicht berührend 
(Taf. VI, Fig. \a). 

Fühler reichen bis an das Endo 
des Thorax und meist etwas darüber 
hinaus. 

Vorderflügel 28 Mm. lang, 2V 2 mal 
ho lang als breit, in der Spitzenhälfte 
am breitesten; Pteroßtigma vorhanden 
(Tlf. VI, Fig. 



Ps. torifrons Flor, 
cf 2; 9 e i n wenig über 2 Mm. 
Kopf und Thorax fein, eingestochen 
punktirt. 

Stirnkegel von der Form einer 
halben Kugel, an der Basis aneinander- 
Blassend (Taf. Vi, Fig. 2a). 

Fühlet reichen nur ein wenig über 
die Basis der Hinterilügel hinweg. 

Vörderflügel 1*7 Mm. lang, l^mal 
so lang als breit, in der Basalhälfte 
am breitesten; Pterostigma gänzlich 
fehlend (Taf. VI, Fig. 2b). 



Beiträge zur Kenntniss der Psylloden. 



129 



Zange des sehr hoch und schmal, Zange des cT massig hoch , etwa 
sechsmal so hoch als breit, nach der dreimal so hoch als breit, an der Spitze 
Spitze zu ein wenig verschmälert etwas breiter als vorher. 
(Taf. VI, Fig. lc). 

Sehr grosse Aehnlichkeit mit Ps. spartii Guer. hat hingegen die Ps. 
cytisi Put. in Hinsicht auf Grösse, Länge der Fühler und Form und Länge 
der Stirnkegel und Genitalien. Sie unterscheidet sich jedoch von ersterer ge- 
nügend durch das Flügelgeäder, indem bei ihr die Radial- und die zweite 
Bandzelle deutlich grösser sind. 



JPsylla hippophaes Frst. 
(Taf. VI, Fig. 3). 

Diese Art wurde von Förster (1. c. p. 73) nach Exemplaren beschrieben, 
welche, wie er selbst angibt, v. Heyden auf den Dünen von Scheveningen auf 
Hippophae rhamnoides L. gefangen hatte, und welche heute noch in der ein- 
gangs besprochenen v. Heyden'schen Sammlung existiren. Durch einen Ver- 
gleich dieser Typen mit Förste r's Beschreibung derselben überzeugt man sich, 
dass die letztere zu ungenügend ist, um diese Art darnach mit Sicherheit be- 
stimmen und von anderen, mit ihr gleichgefärbten Arten unterscheiden zu 
können. 

Da mir ausser den oberwähnten Exemplaren der v. Heyd e n'schen Samm- 
lung auch Individuen dieser Art vorliegen, welche in Niederösterreich und 
solche, welche von J. Scott in England gesammelt wurden, so bin ich in der 
Lage, eine ausführlichere Beschreibung der Ps. Jrippophaes Frst. zu geben, was 
ich für um so nöthiger halte, als die mangelhaften Angaben Förster's über die- 
selbe bereits Ursache eines Irrthums geworden sind, welcher sich in einige auf 
Psylloden Bezug habende Schriften eingeschlichen hat. Ich meine die Identifi- 
zirung von Ps. Hartigii Flor mit Ps. hippophaes Frst. 

Durch die Vergleichung der oberwähnten typischen Exemplare der letz- 
teren mit Flor's Beschreibung der Ps. Hartigii habe ich mir die Ueberzeugung 
verschafft, dass von einer Identität dieser beiden Arten nicht die Rede sein 
kann, indem sie in den wichtigsten Merkmalen sehr auffällig von einander ab- 
weichen. Bevor ich jedoch ihre Unterschiede näher bespreche, schicke ich die 
Beschreibung von Ps. hippophaes Frst. voraus. 

Scheitel kaum halb so lang als zwischen den Augen breit, hinten 
schwach ausgeschnitten, mit einer feinen, vertieften Mittellinie und zwei ziem- 
lich starken Eindrücken. — Augen silbergrau oder röthlichgrau. — Stirnkegel 
ein wenig länger als der Scheitel, gerade, nicht divergirend, von der Basis bis 
zur Mitte allmälig verschmälert, kegelförmig, in der Endhälfte fast gleich dick, 
cylindrisch, mit gerundeter Spitze. — Clypeus schwach erhaben, nicht 
dunkler als der übrige Körper. — Fühler lang, reichen über den Hinterrand 
des Thorax ein wenig hinaus , gelb oder etwas bräunlich mit gelben Basal- 
gliedern; die Glieder vom dritten oder vierten ab an der Spitze schwarz oder 

Z. B. Ges. B. XXVII. At>h. 17 



130 



Franz Löw. 



braun, die zwei letzten ganz schwarz; drittes Glied iy 2 — l 3 /4 ma l so lang als 
das vierte. — Pronotum überall gleichbreit. — Vorder flügel ein wenig 
getrübt und kaum merklich weingelb tingirt, mit gelblichen oder auch braunen 
Adern; der Vorderrand bis über die Spitze des Pterostigma hinaus mit feinen 
Härchen besetzt; die Flügelfläche sparsam und sehr fein punktirt; Stiel des 
Cubitus kürzer als das Discoidalstück der Subcosta; Stiel der zweiten Rand- 
zelle höchstens zweimal so lang als die dritte Zinke ; Rand der ersten Randzelle 
und die dritte Zinke gleichlang, zweimal so lang als die erste Zinke; Cubital- 
stück der Costa nur etwas kürzer als der Rand der zweiten Randzelle; Dis- 
coidalzelle in der Nähe der Flügelspitze IV2 — l^mal so breit als die Radialzelle; 
Pterostigma kurz, unbedeutend länger als die Hälfte des Radialstückes der 
Costa, anfangs breit, dann allmälig und gleichmässig verschmälert, deutlich 
callös. — Genitalplatte des $ höher als das Genitalsegment lang ist, 
gerade, ohne seitliche Fortsätze oder Erweiterungen; — Zange des cT (Taf. VI, 
Fig. 3) unbedeutend niederer als die Genitalplatte, schmal, durchaus gleichbreit, 
fünfmal so hoch als breit, leicht gebogen, so dass ihr Vorderrand convex und 
ihr Hinterrand entsprechend concav ist. — Untere Genitalplatte des 9 
so lang oder fast so lang als alle vorhergehenden Abdominalsegmente zusammen, 
allmälig zugespitzt, aber nicht in eine lange, feine Spitze ausgezogen; die obere 
ragt über die Spitze der unteren weit vor. 

Körperlänge des cT 27 4 — 2 l / a ; des Q 2%— 3 Mm. 

Die Färbung dieser Art ist durchaus gelb, schmutziggelb oder blass- 
grün; Rücken mit mehr oder minder deutlichen, röthlichgelben oder bräunlich- 
gelben Flecken, von denen in der Regel zwei am Vorderrande des Mesonotums 
und vier zwischen der Basis der beiden Vorderflügel liegen; Stirnkegel grün 
oder gelb, bleich behaart; Beine grün oder gelb, Klauen und Schienendörnchen 
schwarz. Genitalien des Q an der Spitze gebräunt. 

Was nun die Unterschiede betrifft, welche zwischen den beiden in Rede 
stehenden Arten bestehen, so werden dieselben am besten durch folgende 
Gegenüberstellung ersichtlich: 



Ps. Hartigii Flor. 
Kleinere Art: cT l 2 / 3 ; 9 2»/ 4 Mm. 

Scheitel ein wenig mehr als halb 
so lang als breit. 

Stirnkegel so lang oder kaum so 
lang als der Scheitel, divergirend, scharf 
zugespitzt. 

Fühler reichen nur zur Basis der 
Hinterflügel oder kaum darüber hinaus. 



Ps. hippophaes Frst. 
Grössere Art: 2 , / 4 -2 1 / 2 Mm.; 

Q 2 3 / 4 -3 Mm. 
Scheitel kaum halb so lang als breit. 

Stirnkegel ein wenig länger als der 
Scheitel, nicht divergirend, bis zur 
Mitte allmälig verschmälert, in der 
Endhälfte fast cylindrisch, mit abge- 
rundeter Spitze. 

Kühler reichen über den Hinterrand 
des Thorax ein wenig hinweg. 



Beiträge zur Kenntni6s der Psylloden. 



131 



Vorderflügel mehr oder weniger 
gelbbraun gefärbt; Stiel der zweiten 
Randzelle 2 1 2 mal so lang als die dritte 
Zinke; Pterostigma lang, über % des 
Radialstückes der Costa einnehmend. 

Zange des cT ganz gerade, sehr 
schmal. 



Vorderflügel ein wenig getrübt und 
kaum merklich weingelb tingirt; Stiel 
der zweiten Randzelle höchstens zwei- 
mal so lang als die dritte Zinke; Ptero- 
stigma kurz, unbedeutend länger als 
die Hälfte des Radialstückes der Costa. 

Zange des cf mit der Spitze ein 
wenig nach hinten gebogen, mässig 
schmal (Taf. VI, Fig. 3). 



Nach solchen plastischen Unterschieden ist es, abgesehen von der gänz- 
lich verschiedenen Färbung, wohl unmöglich, diese beiden Arten bloss als 
Varietäten einer einzigen Species anzusehen. 

Dr. Flor spricht am Schlüsse der Beschreibung seiner Ps. Hartigii die 
Vermuthung aus, dass diese Art vielleicht identisch mit Ps. alaterni Frst. sei, 
oder ihr wenigstens sehr nahe stehe. Ich vermag hierüber kein bestimmtes 
Urtheil abzugeben, weil mir noch nie eine Type der letzteren zu Gesichte kam. 
Aus einer unter G. v. Frauenfeld's nachgelassenen Papieren befindlichen 
Abbildung eines Flügels und des Rückenschildes von Ps. alaterni Frst. lässt 
sich jedoch schliessen, dass diese, falls sie nicht etwa eine selbstständige Art 
ist, eher noch mit Ps. hippophaes Frst., aber keinesfalls mit Ps. Hartigii Fl. 
identisch ist. 

Ich erhielt durch die Güte des Herrn Dr. Puton Exemplare einer 
Psylla, welche Meyer-Dür nach seinen mir freundlichst mitgetheilten Notizen 
in der Schweiz im Garten des Lochbades auf Hippopha'e rhamnoides L. in allen 
Stadien der Entwicklung gesammelt hatte. Diese Art stimmt weder mit den 
in der v. Heyden'schen Sammlung befindlichen Typen der Ps. hippophaes Frst. 
noch mit den Beschreibungen der Ps. Hartigii Fl. und Ps. alaterni Frst. überein 
und ist somit eine von diesen dreien verschiedene Art. 

Psylla costatopunctata Frst. 

Wie bei der Mehrzahl der Psylloden variiren auch die Individuen dieser 
Art je nach ihrem Alter oder nach der Jahreszeit bedeutend in der Färbung. 
Man findet unter ihnen daher nicht bloss gelb oder röthlichgelb gefärbte, das 
heisst solche, welche der Beschreibung Försters entsprechen, sondern auch 
grüne, rothe, braune und rothbraune. Auch die Fleckenreihe am Hinterrande 
der Vorderflügel, nach welcher diese Art benannt wurde, hat nicht bei allen 
Individuen die gleiche Intensität. Sie ist manchmal sehr dunkel, nicht selten 
aber völlig verblasst und daher undeutlich. Unbekannt mit dieser Variabilität 
hat Förster, welcher, wie bekannt, auf die Färbung der Psylloden zum 
Zwecke der Artunterscheidung den grössten Werth legte, die dunkleren mehr 
braunroth gefärbten Individuen als eine selbstständige Art angesehen, welche 
er Ps. ferruginea nannte. 

17* 



132 



Franz Low. 



Einen dritten Namen erhielt diese Psylla hierauf von B oh e man, welcher 
sie auf einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Schweden sammelte. Da 
ihm die bereits durch Förster erfolgte Publikation derselben unbekannt war, 
so beschrieb er sie als nova species und gab ihr den Namen Chermes (Psylla) 
annulicomis 5 ). 

Wie wenig genügend die Fö r st er'schen Beschreibungen für die Wieder- 
erkennung dieser Art sind, beweist auch noch der Umstand, dass diese in neuester 
Zeit noch einen vierten Namen erhielt, indem sie von Dr. Lethierry in der 
im Jahre 1874 erschienenen zweiten Edition seines Catalogue des Hemipteres 
du Departement du Nord, p. 89 unter dem Namen Ps. triozoiäes nochmal als 
neue Art beschrieben wurde. 

Ich habe im Vorstehenden vorerst bloss diejenigen Namen aufgeführt, 
welche der Ps. costatopunetata von Förster und den späteren Autoren gegeben 
wurde. Hält man Umschau unter den älteren Autoren, so findet man, dass diese 
Art schon lange vor Förster bekannt war. Schrank hat das Verdienst, sie 
zuerst entdeckt zu haben; er determinirte sie jedoch irrigerweise als Chermes 
crataegi Scop. und beschrieb sie unter diesem falschen Namen in seiner Fauna 
Boica, Bd. II, 1801, p. 142. Da der Chermes crataegi Scop., wie ich schon in 
meiner jüngsten Publikation über Psylloden 1 ), p. 206, Anm. 17 hervorhob, gar 
keine Psyllode ist, sondern zur Familie der Aphiden gehört und der Name 
Psylla crataegi schon an eine andere Förster'sche Art, von der man mit Gewiss- 
heit weiss, dass ihre Jungen auf Crataegus leben, vergeben ist, so kann der 
vorstehende Schrank'sche Name, obgleich er die Priorität hätte, zur Benennung 
der Ps. costatopunetata nicht Anwendung finden. Es muss daher für diese Art 
der letztere, als der nächstälteste Name beibehalten werden. 

Psylla saliceti Frst. 
(Taf.VI, Fig. Aa-b.) 

Ich habe mir durch die Vergleichung von typischen Exemplaren die 
Ueberzeugung verschafft, dass die Art, welche Förster mit diesem Namen 
bezeichnet hat, nicht mit derjenigen identisch ist, welche Flor als Ps. sali- 
ceti Frst. beschrieb. Die Flor'sche Art unterscheidet sich sowohl in der Grösse, 
als auch durch anders geformte Genitalien und Flügel von der Forst er'schen 
und ist somit eine andere Art. Da Förster in allen seinen Beschreibungen, 
wie bekannt, nur Nebensächliches angibt, die wirklich charakteristischen Art- 
merkmale aber, wie: Grösse, Kopfbildung, Flügeladerverlauf, Form der Geni- 
talien etc., ganz unerwähnt lässt, so wird es bei dem Umstände, dass die Flor'sche 
Art zu einer gewissen Jahreszeit nahezu dieselbe Färbung zeigt wie die 
Ps. saliceti Frst., kaum Jemanden befremden, dass Dr. Flor seine Species für 
die letztere hielt, denn auch ich würde sie heute noch dafür halten, wenn ich 



') Hohor/ian, KntomolotfiHka Anteckriin^ar urider en resa i Hödra Sveripo 18. r >J (K. Vetennk. 
Akad. Handling. ftf är 1851 [Stockholm IHM] p. lSJ4-l2. r >). 



Beiträge- zur Keuntnise der Psylloden. 



133 



nicht Gelegenheit gehabt hätte, die Typen dieser beiden Arten mit einander 
zu vergleichen. 

Es gibt sonach eine Ps. saliceti Frst. nec Flor und eine Ps. saliceti Flor 
nec Frst. Nachdem aber beide selbstständige Arten sind und zwei gleiche Namen 
in einer Gattung nicht beibehalten werden können, so ändere ich den Namen 
der Flor'schen Art, als der später entdeckten, mit Bezug auf ihre im Verhält- 
niss zur Körpergrösse kleinen Flügel in Ps. parvipennis um. Von dieser besitze 
ich nur ein typisches Paar, welche ich dem Herrn Dr. Flor selbst verdanke, 
und einige andere Exemplare, welche Dr. Lethierry im nördlichen Frankreich 
sammelte. Die Ps. saliceti Frst. (nec Flor) hingegen fand ich in der Nähe von 
Wien, sowohl in den Donau-Auen als auch auf dem längs dem Wienflusse wach- 
senden Weiden ziemlich häufig, aber meist vereinzelt. 

Um das Erkennen der letzteren auch denjenigen zu ermöglichen, welchen 
keine Typen, sondern nur Förster's ganz* und gar ungenügende Angaben 
zugänglich sind, lasse ich, gestützt auf das von mir gesammelte Materiale und 
auf die in der v. Heyden'schen Sammlung befindlichen Förster'schen Typen, 
eine ausführlichere Beschreibung derselben hier folgen: 

Psylla saliceti Frst. (nec Flor). — Scheitel flach, mit den zwei gewöhn- 
lichen Eindrücken, hinten schwach ausgeschnitten, halb so lang als zwischen 
den Augen breit. — Augen braun oder grau. — Stirnkegel im Vergleiche 
mit der Ebene des Scheitels nur wenig nach abwärts geneigt, so lang oder 
unbedeutend länger als der Scheitel, aus breiter Basis bis zur Mitte rascher 
verjüngt als in der Endhälfte, welche beinahe cylindrisch ist, am Ende kurz 
zugespitzt, oft aneinander liegend, zuweilen mit etwas divergirenden Spitzen. — 
Clypeus mässig erhaben, in der Regel geschwärzt. — Fühler kurz, sie 
reichen kaum über die Basis der Hinterflügel hinweg, gelb oder vom vierten 
Gliede ab mehr oder minder gebräunt, an den Gliederspitzen braun oder schwarz 
geringelt, ihre Basalglieder häufig braun (die Verdunklung der Fühler ist manch- 
mal so stark, dass diese beinahe ganz schwarz erscheinen); das dritte Glied 
l 3 / 4 — 2mal so lang als das vierte. — Pronotum überall gleichlang, bandförmig, 
stets etwas graulich. — Vorderflügel (Taf. VI, Fig. Aa) in der Spitzenhälfte 
breiter als in der Basalhälfte, am Ende breit abgerundet, glashell mit bräun- 
lichen bis schwarzbraunen Adern, welche jedoch stets an der Flügelbasis viel 
lichter als gegen die Flügelspitze zu sind; Stiel des Cubitus kürzer als das 
Discoidalstück der Subcosta; Radius in der Mitte ein wenig nach vorn aus- 
gebogen; Cubitalstück der Costa unter allen Randabschnitten der kürzeste; 
Rand der ersten Randzelle und die dritte Zinke gleichlang, l 2 / 3 — 2mal so lang 
als die erste Zinke; Radialzelle nur unbedeutend schmäler als die Discoidalzelle; 
Pterostigma lang, beinahe 2 / 3 des Radialstückes der Costa einnehmend, etwas 
callös, ungefärbt nur an seiner Spitze etwas gebräunt, bis etwas über die Hälfte 
gleichbreit, dann allmälig zugespitzt; Spitze des Clavus ungefärbt. — Genital- 
platte des c? (Taf. VI, Fig. 4 fr) ungefähr so hoch als das Genitalsegment lang 
ist, um kaum V 4 ihrer Länge höher als die Zange, ohne seitliche Fortsätze 
oder Erweiterungen, mit der Spitze nur wenig nach hinten geneigt. — Zange 



134 



Franz Low. 



des c? gerade, schmal, an der Spitze verbreitert; ihr Hinterrand hat an seiner 
Basis eine grosse, runde, lappige, behaarte Erweiterung und ein wenig oberhalb 
seiner Mitte ein kleines, vorstehendes Zäpfchen. — Untere Genitalplatte 
des Q so lang als die zwei vorhergehenden Abdominalsegmente, allmälig 
zugespitzt; die obere ragt nur ein wenig über die untere vor. 
Körperlänge des $ 2y 2 ; des 9 3 Mm. 

Die Färbung dieser Art ist sehr verschieden. Im Sommer sind Kopf 
und Thorax meist gelb, letzterer mit mehr oder minder dunklen, rötblichen 
Striemen; das Abdomen sammt den Genitalien grün, mit oder ohne dunklere 
Binden; die Beine gelb. Alle Individuen verdunkeln sich jedoch allmälig und 
erlangen im Spätherbste jene Färbung, welche Förster in der Beschreibung 
dieser Art angibt. Bei den überwinterten Exemplaren, welche schon Anfangs 
April aus ihren Verstecken hervorkommen, ist nicht nur der ganze Leib, sondern 
sogar die ganze Flügelfläche mit einem zarten, weissen Eeif überzogen. 

Vergleicht man die vorstehende Beschreibung mit derjenigen Art, welche 
Dr. Flor irrigerweise für die Förster'sche Ps. saliceti hielt und beschrieb, so 
findet man folgende, wesentliche Unterschiede: 



Ps. saliceti Frst. (nec Flor). 
Grössere Art: $ 2%; Q 3 Mm. 

Stirnkegel von der Basis bis zur 
Mitte rascher verjüngt als in der End- 
hälfte, welche beinahe cylindrisch ist, 
ain Ende kurz zugespitzt. 

Fühler reichen ein wenig über die 
Basis der Hintern 1 ügel hinweg; das 
dritte Glied P/4— 2mal so lang als das 
vierte. 

Vorderflügel glashell, lang und breit, 
reichen über die Hintcrleibsspitze weit 
hinaus (Taf. VI, Fig. 4 a). 

Zange des cf gerade, an der Spitze 
verbreitert, mit einer grossen, runden, 
Uppig6H Erweiterung an der Basis 
und einem kleinen, vorstehenden Zäpf- 
chen oberhalb der Mitte ihres Hinter- 
randes (Tat VI, Fig. 46). 



Ps. %>arvipennis m. = saliceti Fl. 
(nec Frst.) 
Kleinere Art: g l 2 / 3 -2 Mm.; 

Q P/4-2% Mm. 
Stirnkegel von der Basis bis zur 
Mitte sehr wenig, von da bis zur Spitze 
nicht oder kaum merklich verschmälert, 
am Ende breit abgerundet. 

Fühler reichen kaum bis zur Basis 
der Hinterflügel; das dritte Glied wenig 
länger als das vierte. 

Vorderflügel gelblich oder bräun- 
lich tingirt, kurz und schmal, reichen 
über die Hinterleibsspitze nur sehr 
wenig hinaus (Taf. VI, Fig. 5a). 

Zange des cf 1 stark nach hinten 
gebogen, nach der Spitze hin etwas 
verschmälert, an der Basis des Hinter- 
randes mit einer runden, lappigen Er- 
weiterung (Tat. VI, Fig. 5//) ,; ). 



\)r. Ploi hat 'Ii'; eigentliche Zange hIh einen nach vom gerichteten Portiatz denelben 
ni üe Itweiterang an «kr Munin ihrei Einte rrandei Irrigetweiie ;iIh <lio Zange angoHohon und 

nach 'lieHcr AijK(;hauuri|f aucJi kcHchriebeii. 



Beiträge zur Kenntniss der Psylloden. 



135 



JPsylla malt Schmdbg. 

Fast in allen Publikationen, in denen die Ps. mali erwähnt wird, findet 
man Förster als ihren Autor angegeben. Diese Angabe verletzt jedoch die 
Prioritätsrechte eines älteren Autors, denn diese Art wurde nicht erst durch 
Förster bekannt, sondern schon viele Jahre früher von Schmidberger ent- 
deckt und beschrieben. Die Beschreibung, welche letzterer in dem im Jahre 
1836 zu Linz erschienenen IV. Hefte seiner „Beiträge zur Obstbaumzucht und 
zur Naturgeschichte der den Obstbäumen schädlichen Insekten" p. 186 — 199 
unter dem Titel: „Naturgeschichte der Apfel - Afterblattlaus , CJiermes mali" 
von ihr gibt, beschränkt sich nicht bloss auf das vollkommene Insekt, sondern 
umfasst auch alle seine Entwicklungsstadien. Sie ist daher ungleich werth- 
voller als die dürftige Mittheilung, welche Förster über diese Psylla macht. 

Wie die meisten Psylloden erleidet auch die Ps. mali gegen den Herbst 
zu eine Aenderung in ihrer Färbung. Schmidberger, welchem diess nicht 
entgangen war, nennt die dunklere, herbstliche Färbung ihr hochzeitliches 
Kleid, weil er die Beobachtung machte, dass diese Art in der Regel nicht 
überwintert, sondern sich schon im September begattet und, im Gegensatze zur 
Mehrzahl der übrigen Psylloden - Species, noch im Herbste ihre Eier an die 
Zweige des Apfelbaumes absetzt. Da nun Förster bei Beschreibung seiner 
Psylloden fast ausschliesslich die Färbuug derselben berücksichtigte und nicht 
nur ganz unbedeutende Farbenunterschiede, sondern bei gleicher Färbung der 
Individuen auch sogar das blosse Vorkommen derselben auf verschiedenen 
Pflanzen schon für hinreichend hielt, sie als verschiedene Arten zu betrachten, 
so kann es nicht befremden, wenn die Ps. mali in seiner eingangs erwähnten 
Publikation auch noch unter mehreren anderen Namen beschrieben erscheint. 
Durch eine sorgfältige Vergleichung der Förster'schen Typen und aus 
G. v. Frauenfeld's nachgelassenen Schriften habe ich mir denn auch die 
Ueberzeugung verschafft, dass die von Förster unter den Namen Ps. mali, 
ulmi, aeruginosa und crataegicola beschriebenen Exemplare mit der Ps. mali 
Schmdbg. identisch sind. 7 ; Hiermit ist jedoch die Synonymie dieser Art noch 
nicht erschöpft. Meyer-D ür erklärt in seinen handschriftlichen Notizen, 
welche er über eine Anzahl von Psylloden-Arten machte und mir freundlichst 
zur Benützung mittheilte, die zwei von ihm aufgestellten Species Ps. rubida 
und claripennis als blosse Farbenvarietäten der Ps. mali. 

Man wird mir vielleicht einwenden, dass es Dr. Flor nicht möglich 
gewesen sein würde, die Ps. crataegicola Frst. als eine durch plastische Unter- 
schiede von der Ps. mali völlig verschiedene Art zu beschreiben, wenn sie mit 
dieser wirklich identisch wäre, weil er danu wohl keine solchen Unterschiede 
hätte auffinden können. Ein solcher Einwand würde jedoch nur dann zulässig 



') Dasjenige Insekt, welches von Linne, Fabricius, Gmelin und Schrauk unter 
dem Namen Chermes ulmi aufgeführt wird, gehört nicht zu den Psylloden, sondern zu den Aphiden. 



136 



Franz Low. 



sein, wenn die von Dr. Flor unter dem Namen Ps. crataeyicola (Frst.) 
beschriebene Art auch wirklich dieselbe wäre, welche Förster mit diesem 
Namen bezeichnete. Diess ist aber nicht der Fall. Dr. Flor, welchem keine 
Typen, sondern nur die ungenügenden Artbeschreibungen Förster's zu Gebote 
standen, war nicht im Stande diese Species mit Sicherheit darnach wieder zu 
erkennen und hat daher eine andere mit ihr verwechselt. Dass er über die 
Richtigkeit seiner Determinirung selbst im Zweifel war, beweist die Bemerkung, 
welche er der Beschreibung seiner vermeintlichen Ps. crataegicola (Frst.) folgen 
lässt und welche lautet: „Zu beachten ist, dass Förster von den Stirnkegeln 
sagt, sie seien stumpf zugespitzt, so dass er doch vielleicht eine andere Art 
meint, obgleich im Uebrigen seine Diagnose passt". 

Es gibt sonach eine Ps. crataegicola Frst. nec Flor und eine Ps. cratae- 
gicola Fl. nec Frst. Erstere ist, wie schon oben besprochen wurde, identisch 
mit Ps. mali Schmdbg. Letztere hingegen habe ich nach eingehender Ver- 
gleichung von typischen Exemplaren derselben, welche ich von Dr. Flor erhielt, 
mit den in der v. Heyden'schen Sammlung befindlichen F örster'schen Typen 
von Ps. peregrina Frst. als vollkommen übereinstimmend mit dieser gefunden 
und nehme daher keinen Anstand, sie als ein Synonym zu Ps. peregrina Frst. 
zu stellen. 

Psylla pineli Flor. 
(Taf. VI, Fig. 6.) 

Wie ich in meiner jüngsten Publikation über Psylloden (Verh. d. zool.- 
bot. Ges. 1876, Bd. 26, p. 193) schon erwähnt habe, ist der Name dieser Art 
kein glücklich gewählter, weil er nicht ihre eigentliche Nährpflanze andeutet, 
sondern sich auf eine andere Pflanze bezieht, auf welcher die Imagines nur 
ganz zufällig angetroffen wurden. Um jedem durch diesen Namen möglicher- 
weise entstehenden Irrthume vorzubeugen, wäre daher seine Aenderung erwünscht. 
Die eigentliche Nährpflanze von Ps. pineti FL, das ist jene Pflanze, auf welcher 
ihre ganze Metamorphose vor sich geht, ist nach meinen Beobachtungen Salix 
purpurea L. Auf dieser Pflanze fand ich ihre Jungen zu Hunderten in allen 
Stadien der Entwicklung im Weidlingbachthale nächst Wien, also in einer Partie 
des Wienerwaldes, welche bloss aus Laubholzwald besteht. Die Ps. pineti Fl. 
bedarf sonach zu ihrem Bestände der Coniferen nicht, ja ich suchte ihre Jungen 
sogar vergebens auf anderen Salix- Arten, deren mehrere im vorgenannten Thale 
wachsen. Werden die Imagines derselben irgendwo auf Pinns angetroffen, so 
sind sie als zufällig angeflogen zu betrachten. 

Die Jungen sitzen entweder an den Triebspitzen in den Blattachseln, 
an den Achsen der Kätzchen oder auf der Unterseite der Blätter. Sie sind 
ziemlich flach linsenförmig, breit oval und einfärbig grün. Ihre Fühler, Beine 
und Flflgelicheideo sind gelblich, erstere an der Spitze schwarz, letztere sehr 
wenig transparent; die Augen dunkelgrau. Die Abdominalsegmente sind sowohl 
oben aln unten und die Flügelscheiden am Rande mit gelben, am Ende 
geknüpften Haaren besetzt. An der BasiH und Spitze der Mittel- und Hinter- 



Beiträge znr Kenntniss der Psjlloden. 



137 



schieuen steht aussen je ein langes, am Ende geknöpftes Haar. Die geflügelten 
Insekten entwickeln sich aus diesen Jungen gegen Ende Mai. Sie bleiben nur 
kurze Zeit auf ihrer Nährpflanze und treiben sich später auf allen in der Nähe 
derselben wachsenden Pflanzen herum. Die überwinterten Imagines hingegen 
finden sich im Frühlinge, nicht selten schon im März, auf den um diese Zeit 
noch völlig blattlosen Zweigen ihrer Nährpflanze, nämlich der Salix purpurea L. 
wieder ein, um sich zu begatten. Jedes Individuum ist nach dem Ausschlüpfen 
einfärbig grün; es verändert aber mit dem Aelterwerden und unter dem Ein- 
flüsse der Jahreszeit nach und nach seine Farbe, indem es durch Gelb und 
Orange in's Braunrothe übergeht und endlich im Spätherbste jene dunkelroth- 
braune Färbung zeigt, welche es dann über Winter und bis zu seinem Lebens- 
ende behält. 

Psylla apiophila Frst. 

Die Vereinigung von Ps. apiophila Frst. mit Ps. pyricola Frst. und 
Ps. pyri L., welche Dr. Puton (Ann. soc. ent. Fr. 1871, ser. 5, T. I, p. 437) 
zuerst vollzog, muss ich nach den mir vorliegenden Typen als nicht gerecht- 
fertigt bezeichnen, weil diese drei Arten von einander durch plastische Merkmale 
hinreichend verschieden sind, um nicht als identisch angesehen werden zu 
können. Die Ps. apiophila Frst. stimmt zwar in der Färbung und in vielen 
anderen Merkmalen mit Ps. pyricola Frst. nahezu überein, ist jedoch im Ver- 
gleiche mit dieser so auffällig klein, dass mir eine Vereinigung beider in eine 
Art unthunlich erscheint, weil eine so bedeutende Grössendiflerenz unter den 
Individuen einer Psylloden-Species bisher noch nicht beobachtet wurde. 

Durch ihre Kleinheit unterscheidet sich diese Art von allen bisher auf 
Pyrus aufgefundenen Psyllen und es ist daher kaum möglich, sie mit irgend 
einer derselben zu verwechseln, am wenigsten aber mit Ps. pyri L. selbst, 
deren Männchen durch seine sichelförmige Zange (Taf. VI, Fig. 12), welche schon 
von Degeer 8 ) mit ziemlicher Naturtreue abgebildet wurde, besonders aus- 
gezeichnet ist, und welche sich durch dieses eine Merkmal schon hinreichend 
auch von Ps. pyricola Frst., Ps. pyrisuga Frst. und Ps. mali Schmdbg. unter- 
scheiden lässt. 

Dagegen habe ich gefunden, dass die mir von Dr. Flor gütigst gesandten 
Typen seiner Ps. notata mit denen von Ps. apiophila Frst. vollkommen über- 
einstimmen und dass sonach diese zwei Arten identisch sind. Dr. Flor, 
welcher am Schlüsse der Beschreibung seiner Ps. notata sagt: „Ich würde 
diese Art für Ps. apiophila Frst. halten, wenn Förster nicht besonders hervor- 
gehoben hätte, dass die Ränder des Abdomens bei apiophila zinnoberroth 
gefärbt sind", hielt sich da an ein Merkmal, welches nach meinen Beobachtungen 
kein konstantes ist, wie auch selbst die För ster'schen Typen zeigen, welche 
in Bezug auf das Abdomen auch nicht gleich gefärbt sind, indem ein Exemplar 
derselben ein ganz schwarzes Abdomen ohne lichtere Segmentränder hat, bei einem 
anderen diese Ränder bleich, bei den übrigen mehr oder weniger dunkelroth sind. 



8 ) Degeer, Abhandl. z. Gesch. d. Ins. 1780, T. III, pl. IX, Fig. 10 und 11. 
Z. B. Ges. B. XXVII. Abb. 18 



138 



Franz Low. 



Psylla fraacinicola Frst. 

Nicht nur durch die Vergleichung von Typen, sondern auch aus Zeich- 
nungen und Notizen, welche sich unter den nachgelassenen Papieren v. Frauen- 
feld's befinden, habe ich ersehen, dass die Ps. fraxinicola Frst. mit Ps. viri- 
dula Frst., Ps. unicolor Fl. und Ps. chlorogenes M. D. identisch ist. Alle diese 
Namen gehören sonach nur einer Art an, für welche der erstgenannte am 
passendsten erscheint, weil sie ihre ganze Entwicklung auf den Blättern von 
Fraxinus durchmacht. 

Obgleich ich noch keine direkten Beobachtungen über das Eierlegen 
dieser Art angestellt habe, so scheint dasselbe wohl erst im Frühlinge nach 
der Ueberwinterung der Imagines stattzufinden, weil die Entwicklung der Jungen 
verhältnissmässig spät erfolgt, so dass die ersten aus der Frühlings-Generation 
hervorgehenden Imagines in der Regel erst im Juni auftreten. 

Die Jungen setzen sich an der Unterseite der Fiederblättchen von 
Fraxinus excelsior L. meist in kleinen Colonien neben der Mittelrippe fest, 
ohne eine Missbildung der Blättchen zu verursachen. Sie sind ganz unbehaart, 
einfärbig blassgrün, ohne Flecken, mit transparenten Flügelscheiden, Beinen 
und Fühlern. Ihre Augen sind roth oder röthlichgrau, ihre Fühler und Beine 
an der Spitze schwarz. Sowohl am Rande der Flügelscheiden, als auch am 
Rande und auf der hinteren Hälfte des Abdomen entstehen durch Sekretion 
äusserst zarte, lange, weisse Fäden, welche sich zu Flocken vereinigen und 
schliesslich nicht nur das ganze Insekt einhüllen, sondern oft auch noch von 
den Blättern 1—3 Cm. lang herabhängen und so die Anwesenheit der Jungen 
dieser Psylla verrathen. Ausser dieser Sekretion findet noch eine zweite statt, 
durch welche der ganze Leib der Jungen wie mit einem zarten, weissen Reif 
überzogen erscheint. 

Trioza albiventris Frst. 

Aus der Vergleichung der Fö rster'schen Typen von Tr. albiventris Frst. 
und Tr. sanguinosa Frst. habe ich mir die Ueberzeugung verschafft, dass diese 
beiden identisch, das heisst nur Farbenvarietäten einer Art sind, was auch 
schon von Förster selbst vermuthet wurde, wie aus einer von ihm herrührenden, 
in v. Frauenfeld's nachgelassenen Papieren befindlichen Notiz ersichtlich ist. 

Ich habe diese Art in den Donau-Auen bei Wien in grosser Menge auf 
Weiden angetroffen und die Beobachtung gemacht, dass in der Regel bloss die 
Männchen den Angaben, welche Förster über die Tr. albiventris macht, ent- 
sprechen, die Weibchen hingegen zu der Beschreibung von Tr. sanguinosa Frst. 
passen, das heisst, dass die Männchen stets viel dunkler gefärbt sind als die 
Weibchen; ein neuer Beweis für die Wertlosigkeit derjenigen Psylloden- 
Beschreibungen, welche sich bloss auf Farbenangaben beschränken. 

Welche Gründe Dr. Puton veranlasst haben, in seinem Kataloge 9 ) die 
Tr. sanguinosa Frst. als Synonym zu Tr. femoralis Frst. zu stellen, vermag 



•) Dr. Pnton, Catalojroo den Hämipteres (Heteroptere«, Cicadinee et PiyllideB) d'Europe 
«t du ba*nin de )a Mediterrane^, II* edit. Paris 1875 



Beiträge zur Kenntniss der Peylloden. 



139 



ich nicht zu beurtheilen. Nach dem mir vorliegenden Materiale weichen diese 
beiden Arten, abgesehen von anderen plastischen Merkmalen, schon durch die 
Flügelform von einander ab und sind daher nicht leicht mit einander zu 
verwechseln. 

Trioza remota Frst. 

Ein weiteres Ergebniss der Untersuchung der Förster'schen und Flor- 
schen Typen ist, dass die Triozen, welche Förster als Tr. remota, cinnabarina 
und haematodes beschrieb, nicht drei verschiedenen Arten angehören, sondern 
nur Farbenvarietäten einer einzigen Art sind, und dass mit dieser auch die von 
Dr. Flor beschriebene Trioza dryobia identisch ist. Dr. Flor war nämlich 
bei der Unzulänglichkeit der Beschreibungen, welche Fö rster unter den obigen 
drei Namen von dieser Art gibt, nicht im Stande, seine Tr. dryobia darnach 
zu bestimmen und vermuthete nur, dass sie mit Tr. remota Frst. grosse Aehn- 
lichkeit haben müsse, indem er am Schlüsse seiner Beschreibung sagt: „von den 
Försterschen Arten ist ihr Tr. remota die nächststehende". 

Da die Förster'schen Namen die Priorität haben, so muss einer der- 
selben zur künftigen Benennung dieser Art beibehalten werden. Ich gebe hierfür 
dem ersteren den Vorzug, weil die beiden anderen bloss auf die Körperfarbe, 
mithin auf ein sehr variables Merkmal Bezug nehmen und daher mit der 
jeweiligen Färbung der einzelnen Individuen im Widerspruch stehen würden. 

Ausser den Typen von Förster und Flor standen mir auch noch 
mehrere andere theils von mir selbst nächst Wien, theils von Dr. Puton in 
Algerien und von Dr. Lethierry in den Vogesen gesammelte Exemplare dieser 
Art für die Untersuchung und Vergleichung zu Gebote. Der ausführlichen 
Beschreibung, welche Dr. Flor von Tr. dryobia (das ist Tr. remota Frst.) 
gibt, habe ich nur noch beizufügen, dass diese Art mit dem Vorrücken der 
Jahreszeit in ihrer Färbung von hellgelb bis roth und braunroth variirt. 

Trioza pinicola Frst. 
(Taf. VI, Fig. 7.) 

Dr. Puton betrachtet diese Art als Varietät von Tr. femoralis Frst. und 
stellt sie in seinem Kataloge 9 ) dem gemäss als Synonym zu dieser. Ich kann 
dieser Ansicht nicht beipflichten, denn die mir vorliegenden Typen der beiden 
genannten Arten zeigen nicht nur in der Körper-, Fühler- und Flügel- Färbung 
keine Aehnlichkeit, sondern weichen auch in der Flügelform und dem Geäder 
wesentlich von einander ab, wie aus den beigegebenen Abbildungen Taf. VI, 
Fig. 7 und 8 zu ersehen ist. 

Da alle mir zur Verfügung stehenden Individuen Weibchen sind, so bin 
ich jetzt noch nicht in der Lage, eine ausführliche Beschreibung der Tr. pini- 
cola Frst. geben zu können und beschränke mich desshalb einstweilen auf die 
citirte Abbildung eines Vorderflügels derselben. 

18* 



140 



Franz Löw. 



Trioza acutipennis Zett. (nec. Prst.). 

Aus den Exemplaren von Tr. acutipennis Zett., welche Dr. Flor die 
Güte hatte, mir zu übersenden, ersehe ich, dass diese Art der Tr. pinicola Frst. 
sehr nahe steht und daher mit dieser leicht verwechselt werden kann. Da von 
letzterer noch keine so ausführliche Beschreibung existirt, wie die, welche 
Dr. Flor (Rhyn. Livl. TL Bd. 1861, p. 516) von Tr. acutipennis Zett. gibt, so 
halte ich es, etwaigen Irrungen zu begegnen, für zweckmässig, hier wenigstens 
einige der wesentlichsten Unterschiede dieser beiden Arten anzugeben. Ihre 
Unterschiede liegen hauptsächlich im Flügelgeäder, in den Fühlern und in den 
Stirnkegeln. Bei Tr. pinicola ist nämlich der Radius mehr geschwungen, die 
Radialzelle ein wenig breiter, der Stiel der ersten Randzelle viel kürzer und 
die Stirnkegel schmäler und spitzer als bei Tr. acutipennis Zett.; an ihren 
schwarzen, ein wenig längeren Fühlern sind nur das dritte, vierte und fünfte 
Glied weiss, während die letztere Art weisse Fühler hat, an denen höchstens 
die beiden Basal- und die zwei letzten Glieder schwarz sind. Auch ist die 
Tr. pinicola Frst. nie ganz schwarz gefärbt, sondern vorherrschend dunkelroth. 

Als identisch mit Tr. acutipennis Zett. muss ich hingegen, übereinstimmend 
mit J. Scott, 10 ) die von Meyer-Dür (Mitth. d. Schweiz, entora. Ges. Schaff- 
hausen 1871. III, p. 390) unter dem Namen Tr. Saundersii beschriebene Art 
erklären. Von letzterer habe ich zwei Typen, eine, welche Dr. Lethierry mir 
freundlichst zukommen Hess und eine, welche sich im hiesigen k. k. zoologischen 
Hof-Museum befindet, mit den obgenannten Flor'schen Exemplaren von Tr. acuti- 
pennis Zett. eingehend verglichen, konnte aber nicht die geringsten Unter- 
schiede zwischen ihnen entdecken. 

Was nun die Tr. acutipennis Frst. betrifft, so ist sie, wie schon Dr. Flor 
richtig erkannte, und wie ich mich durch die Untersuchung einer in der 
v. Heyden'schen Sammlung befindlichen Type (cf) derselben überzeugt habe, 
eine von der Z etterstedt'schen gänzlich verschiedene Art. Da Förster in 
der Beschreibung jedoch bloss ihre Färbung angibt, so kann diese Art nicht 
mit Sicherheit darnach determinirt werden. Ich glaube daher durch die Auf- 
zählung ihrer plastischen Merkmale zu ihrer leichteren Erkennung wesentlich 
beizutragen. Diese Förster'sche Art, für welche von Dr. Puton in seinem 
Kataloge ) zur Vermeidung von Irrthümern der Name Tr. angulipennis ein- 
geführt wurde, schliesst sich an Tr. galii und velutina Frst. an, indem auch 
sie eine verhältnissmässig breite Radialzelle und spitze Flügel hat. Ihre Stirn- 
kegel sind nur halb so lang als der Scheitel, scharf zugespitzt und gerade 
vorgestreckt; die Fühler so lang wie Kopf und Thorax zusammen. Die Flügel 
glashell, schmal, dreimal so lang als breit; der Radius kurz, sehr schwach wellig 
gebogen, weit vor der Flügelspitze in den Vorderrand mündend, so dass das 
Radialwtück der Costa nur l 1 / d mal so lang als das Discoidalstück dersolben ist; 
die EUdi&lzelle an der breitesten Stelle zweimal so breit als die Discoidalzelle 

i") John Scott, Monograph of tho Britinli HpocieH belonging to tho Hemiptera-IIomoptora, 
f.imily pMjrllidae. (Trannact. Knt. 9oc. London 1870, p. 5W>.) 



Beiträge zur Kenntni68 der Pßylloden. 



141 



an der schmälsten; Stiel der ersten Randzelle 2V2Hial so lang als die erste 
Gabelzinke; die dritte Gabelzinke l'/^mal so lang als die erste; diese liegt 
genau in der halben Flügellänge und ist in dem Rande der ersten Randzelle 
l 2 / 3 mal enthalten; die zwischen den vier Gabelzinken liegenden Abschnitte der 
Costa sind fast gleichlang; die Spitze des Flügels ist scharf und liegt nur 
wenig hinter der Mittellinie desselben. Genitalplatte des niedrig, stumpf, an 
ihren Seitenrändern nach hinten stark convex erweitert. Zange nur wenig 
niedriger als die Genitalplatte, zweimal so hoch als an der Basis breit, aus 
breiter Basis scharf zugespitzt, ihre Spitze ein wenig nach vorn gebogen. 

Trioza urticae L. 

Ich habe die in meinem Besitze befindlichen, zahlreichen, von mir sowohl 
aus Jungen gezogenen, als auch zu verschiedener Jahreszeit im Freien gesammelten 
Individuen der Tr. urticae L. mit den Förste r'schen Typen der Sammlung 
v. Heyden's verglichen und gefunden, dass ausser der Tr. eupoda Hart., 
Tr. forcipata Frst. und Tr. protensa Frst., welche schon Dr. Flor ganz richtig 
als Synonyma dieser Art aufführt, auch noch die Tr. crassinervis Frst. mit ihr 
identisch ist. Mit diesen vier Namen wurden sonach bloss Farbenvarietäten 
bezeichnet, welche bei Tr. urticae L. in ausserordentlicher Mannigfaltigkeit 
vorkommen. 

Die von Förster Tr. crassinervis benannte Varietät, tritt nach meinen 
Beobachtungen im Spätherbste und nach der Ueberwinterung auf. Hauptsäch- 
lich sind es die im Frühlinge aus ihren Winterverstecken hervorkommenden 
Weibchen, welche jene Färbung zeigen, die in der Förs ter'schen Beschreibung 
von Tr. crassinervis angegeben ist. 

Zu dieser grossen Synonymie hat Meyer- Dür noch einen weiteren 
Beitrag geliefert, denn nach Dr. Puton 9 ) ist Meyer-Dür's Tr. bicolor eben- 
falls nur eine Varietät von Tr. urticae L. Man sieht hieraus am deutlichsten 
bis zu welchem Grade von Artzersplitterung die fortgesetzte Beschreibung der 
Psylloden nach der Färbung schliesslich führen müsste und es kann daher nicht 
genug betont werden, dass die Färbung bei dieser Insektengruppe nur ganz 
untergeordneten Werth für die Erkennung der Species hat, indem zwei gänzlich 
verschieden gefärbte Individuen bloss einer Art, hingegen zwei ganz gleich 
aussehende verschiedenen Arten angehören können. 

Trioza proxima Flor. 

Nachdem Meyer-Dür erst nach dem Abschlüsse seines im dritten Bande 
der Mittheilungen d. Schweiz, entomol. Gesell, zu Schaffhausen 1871 erschienenen 
Aufsatzes über Psylloden und erst nach dem Drucke desselben Kenntniss von 
Flors Arbeiten über dieselbe Insektenfamilie erhielt, so ist es begreiflich, dass 
er manche Flor'sche Art abermals als neu beschrieb. Ich erinnere hier 
beispielweise nur an seine Ps. terminalis, welche der Flor'schen Art Ps. brevi- 
antennata entspricht, wie von mir bereits dargethan wurde. 1 ) 



142 



Franz Low. 



Auch die Tr. proxima Fl. erscheint in Meyer- Dür's Arbeit unter einem 
anderen Namen, nämlich als Tr. juniperi M. D. beschrieben. Ich erhielt durch 
die Freundlichkeit des Mr. Scott eine Meyer-D ür'sche Type von Tr. juni- 
peri M. D., welche ich nach sorgfältiger Vergleichung mit meinen zahlreichen 
Individuen von Tr. proxima Fl. als vollkommen identisch mit letzterer erkannte. 
Ihr Vorkommen auf Juniperus kann nur ein zufälliges sein, denn ihre eigent- 
lichen Nährpflanzen sind Hieracium-Arten, an deren untersten Blättern ihre 
Jungen oft in grosser Zahl anzutreffen sind. 

Aus den vorstehenden Mittheilungen über Psylloden ergibt sich folgende 
Synonymie: 



Aphalara subpunctata Frst. 
Aph. pallida Leth. 

— picta Zett. 

Aph. flavipennis Frst. 

„ sonchi Frst. 

„ innoxia Frst. 

„ alpigena M. D. 
Psylla radiata Frst. 
Ps. lactea A. Costa. 

— genistae Latr. 
Ps. ulicis Curt. 

„ spartii Hart, (nec Guer.). 

— spartii Gue'rin (nec Hart.). 
Ps. spartiophila Frst. 

— co statopunctata Frst. 
Ps. ferruginea Frst. 

„ annulicornis Bohem. 
„ triozoides Leth. 
Cherm. crataegi Schrk.(nec Scop.) 

— parvipennis F. Lw. 
Ps. saliceti Fl. (nec Frst.). 

— mali Schmdbg. 
Ps. mali Frst. Fl. 

„ ulmi Frst. (nec L.). 

„ aeruginosa Frst. 

„ crataegicola Frst. (nec Fl.). 



Psylla mali Schmdbg. 
Ps. rubida M. D. 
„ claripennis M. D. 

— peregrina Frst. 

Ps. crataegicola Fl. (nec Frst.). 

— apiophila Frst. 
Ps. notata Fl. 

— fraxinicola Frst. 
Ps. viridula Frst. 

„ unicolor Fl. 
„ chlorogenes M. D. 
Trioza albiventris Frst. 
Tr. sanguinosa Frst. 

— remota Frst. 

Tr. cinnabarina Frst. 
„ haematodes Frst. 
„ dryobia Fl. 

— acutipennis Zett. (nec Frst.). 
Tr. Saundersii M. D. 

— urticae L. 

Ps. eupoda Hart. 
Tr. forcipata Frst. 

„ protensa Frst. 

„ crassinervis Frst. 

„ bicolor M. D. 

— proxima Fl. 

Tr. juniperi M. D. 



II. Beschreibungen von neuen Arten. 

Ich gebe im Nachstehenden die Beschreibungen von sechs neuen Psylloden- 
Arten, welche ich theils selbst in Niederüsterreich gesammelt, theils durch die 
Güte des Herrn Gustos Rogen hofer aus der Sammlung des k. k. zoologischen 
Hof-MuseumH zur Untersuchung und Beschreibung erhalten habe. 



Beiträge zur Kenntniss der Psylloden. 



143 



JPsylla pulchella n. sp. 

(Taf. VI, Fig. 9 a— d.) 

Flava vel rufo- flava, supra rufo-brunnea vel fusca. Vertex fere bis 
tarn latus quam longus. Coni frontales flavescentes , % longitudinis verticis, 
apice obtusi, non divergentes. Antennae basin alarum attingentes, articulus 
tertius quarto i ( 2 — Z U longior. Pronotum in medio paulo longius quam ad 
latera. Elytra hyalina, nervis flavis et maculis nigro-fuscis ad apicem ptero- 
stigmatis et omnium nervorum et in angulo furcae secundae; macula oblonga 
ad apicem radii ramum für edlem quartum 11 ) in medio attingit et illa in ramo 
furcali primo maxima est; clavus ad basin et in medio puncto nigro; petiolus 
eubitus parte discoidali subcostae brevior ; ramus furcalis secundus antrorsum 
valde excurvatus; pterostigma longum, 2 / 3 partis radialis costae occupans. 
Alarum hyalinarum appendix basi fusca. Lamina genitalis $ sine ullo 
processu, longitudine segmenti genitalis vix altior. Forceps recta, ter tarn 
alta quam lata, ad apicem paulo angustior quam ad basin, margo ejus anterior 
in apicem attenuatus, posterior superne rotundatus. Vdlvula Q inferior sensim 
acuminata, longitudinem trium segmentorum praecedentium aequans, superiore 
non brevior. — Long. corp. 2 3, Q 2 6 Mm. 

In Asia minore prope Brussa (leg. Mann). 

Scheitel in der Mitte halb so lang als zwischen den Augen breit, flach, 
hinten ziemlich tief ausgeschnitten, ganz gelb oder bräunlichgelb bis braun mit 
gelbem Seiten- und Vorderrande. — Augen rothbraun oder röthlichgrau. — 
Stirnkegel (Taf. VI, Fig. 9a) im Vergleiche zur Ebene des Scheitels nur 
unbedeutend nach abwärts geneigt, 3 / 4 so lang als der Scheitel, aus breiter 
Basis allmälig stumpf zugespitzt, nicht divergirend, am Aussen- und Innenrande 
gerade, lichtgelb oder weissgelb. — Clypeus flach gewölbt braun. — Fühler 
1 Mm. lang, reichen bis zur Basis der Hinterflügel, gelb; die Glieder derselben 
vom dritten oder vierten ab an der Spitze mehr oder weniger dunkel braun 
geringelt; die drei Endglieder meist ganz schwarz; das dritte Glied IV2— l 3 / 4 mal 
so lang als das vierte. — Thorax gelb, röthlichgelb oder röthlichbraun, oben 
stets dunkler mit noch dunkleren bis schwarzbraunen Striemen, von denen 
bloss die den Flügelwurzeln zunächst befindlichen breit sind, unten zwischen 
den Hüften der Beine mehr oder weniger ausgebreitet gebräunt bis schwarz- 
braun. — Pronotum in der Mitte länger als an den Seiten, genau in den 
Ausschnitt des Scheitels passend, entweder einfärbig gelb oder dunkelgelb, oder 
mit bräunlichen Fleckchen. — Vorder flügel (Taf. VI, Fig. 9b) 2V2 mal so 
lang als breit, in der Spitzenhälfte am breitesten, glashell mit gelblichen Adern 
und mit schwarzbraunen Flecken, welche folgendermassen angeordnet sind: an 
der Spitze des Radius ein länglicher Fleck, der bis zur Mitte der vierten Gabel- 
zinke reicht; an der Basis der zweiten Gabel ein rundliches Fleckchen, welches 



") Für die deutschen Ausdrücke: erste, zweite, dritte und vierte Gabelzinke gebrauche 
ich der Kürze halber die Bezeichnungen: Ramus furcalis primus, secundus, tertius und quartus. 



144 



Franz Low. 



den von der dritten und vierten Gabelzinke gebildeten Winkel ausfüllt; in der 
Mitte der zweiten Gabelzinke ein punktförmiges Fleckchen; am Hinterrande 
ein grosser, fast rhombischer Fleck, welcher durch die erste Gabelzinke in zwei 
nahezu gleiche Theile getheilt wird (alle diese Flecken liegen in der Richtung 
von der Spitze des Eadius bis zur ersten Gabelzinke und bilden gewissermassen 
eine schiefe Fleckenbinde) ; an den Spitzen des Pterostigma, der zweiten, dritten 
und vierten Gabelzinke je ein rundliches Fleckchen; auch der Clavus hat an 
seiner Basis und in der Mitte ein Fleckchen, seine Spitze ist aber nur schwach 
gebräunt. Stiel des Cubitus kürzer als das Discoidalstück der Subcosta; dieses 
l l /2 m al s0 l an » a ^ s deren Radialstück; Radius etwas wellig geschwungen, ganz 
nahe der Flügelspitze mündend, sein Abstand von der Mitte der vierten Zinke 
so gross als die geringste Breite der Radialzelle; erste Gabelzinke ausserhalb 
der halben Flügellänge; zweite Gabelzinke stark nach vorn ausgebogen; Stiel 
der ersten Gabel dreimal so lang als die erste Gabelzinke; Pterostigma lang, 
% des Radialstückes der Costa einnehmend, massig hreit, allmälig verschmälert. 
— Hinter flügel glashell, die Basalhälfte ihres Anhanges braun oder schwarz- 
braun. — Beine licht- oder weissgelb; die Schenkel bis in die Nähe ihrer 
Spitzen bräunlich bis schwarzbraun; Schienendörnchen schwarz; zweites Tarsen- 
glied etwas gebräunt. — Abdomen licht- oder weissgelb, oben entweder auf 
allen oder nur auf den mittleren Segmenten mit mehr oder minder dunklen, 
braunen, die Hinterränder der Segmente schmal freilassenden Binden. — 
Genitalplatte des (Taf. VI, Fig. 9c) fast gerade, ohne seitliche Fortsätze 
und Erweiterungen, kaum höher als die Länge des Genitalsegmentes, braun 
bis schwarzbraun. — Zange gelb, 3 / 4 so hoch als die Genitalplatte, gerade, 
einfach, nach oben nur wenig verschmälert, dreimal so hoch als an der Basis 
breit, ihr Vorderrand gerade, ihr Hinterrand in % der Höhe etwas concav; 
das Ende der Zange schmal geschwärzt, hinten abgerundet, vorn in eine dünne, 
scharfe, etwas nach einwärts gebogene Spitze ausgezogen. — Genital- 
segment des unten gelb, an seinem oberen Rande schwach gebräunt bis 
schwarzbraun. — Untere Genitalplatte Q (Taf. VI, Fig. 9d) gelb, so lang 
als die drei vorhergehenden Segmente, allmälig scharf zugespitzt; die obere 
braun oder schwarzbraun, nicht länger als die untere. 

Diese Art, welche sich im k. k. zool. Hof-Museum zu Wien befindet, 
wurde von Herrn Mann bei Brussa in der asiatischen Türkei gesammelt. 

Psylla stenolabis n. sp. 12 ) 
(Taf. VI, Fig. 10a— b.) 

Caput et thorax pallide aurantiaci, supra striis obscurioribus; abdomen 
pallide viridc, marginibus segmeniorum albidis vel flavescentibus . Vertex bis 
tarn latus, auam longus. Cotti frontale* fere longitudine verticis, basi lati, in 
apieetn obtutum attenuati, paulo divergentes. Antennae basin alarum attin- 

") Kme kurz« Diakon« <1 lener Art habe ich schon frilhnr in den I'etiteH nouvellea ento- 
■oltfffMf, T. II, an. 8, 187«, p. (>f> puhlicirt. 



Beiträge zur Kenutuiss der Pnylloden. 



145 



gentes; articulus tertius quarto 1 / 2 longior. Pronotum ubique eadem longitu- 
dine. Elytra dilute flavescentia, basi dilutiora; nervis flavis, apicem versus 
fuscescentibus ; petiolus cubitus parte discoidali subcostae brevior; cellula 
radialis cellula discoidali vix angustior; pterostigma longum, 3 / 5 partis radialis 
costae occupans. Lamina genitalis cf sine ullo processu, forcipe vix altior. 
Forceps angustissima, quinquies vel sexies tarn alta quam ad basin lata, recta, 
sensim in apicem acutum attenuata, altidudinem laminae genitalis fere aequans. 
Valvula Q inferior longitudinem duorum segmentorum praecedentium aequans, 
sensim aeuminata, superiore V 6 brevior. — Long. corp. $ 2, 9 Mm. 

Hab. in Salice Caprea L. et S. incana Schrie. 

In Austria prope Viennam (leg. F. Low). 

Scheitel hinten flach ausgeschnitten, halb so lang als breit, mit den 
gewöhnlichen zwei kleinen Eindrücken. — Stirnkegel (Taf. VI, Fig. 10a) im 
Vergleiche zur Ebene des Scheitels nur wenig nach abwärts geneigt, aus breiter 
Basis bis zur Mitte rascher verschmälert als in der Endhälfte, welche fast 
cylindrisch ist, am Ende abgerundet, so lang oder fast so lang als der Scheitel, 
unbedeutend divergirend, innen fast gerade, in der Mitte des Aussenrandes 
coneav. — Clypeus wenig erhaben, mit dem Körper gleichfarbig. — Fühler 
0'9 Mm. lang, reichen bis zur Basis der Hinterflügel, gelb, nach der Spitze 
hin dunkler; die 2 — 3 letzten Glieder schwarz, zuweilen einige der vorhergehenden 
an ihrer Spitze bräunlich; das dritte Glied Vj^mal so lang als das vierte. — 
Pronotum überall gleichlang. — Vorder flügel sehr blass trübgelb tingirt, 
an der Basis lichter, an der Spitze dunkler; Adern bleich, nach der Flügelspitze 
hin mit schwachem, bräunlichem Anfluge; Stiel des Cubitus kürzer als das 
Discoidalstück der Subcosta; Stiel der ersten Randzelle V/ 2 — P/ 4 mal so lang 
als die erste Zinke; Radialzelle ebenso breit als die Discoidalzelle; Pterostigma 
ziemlich stark getrübt, allmälig gleichmässig verschmälert, 3 / 5 des Radialstückes 
der Costa einnehmend. — Genitalplatte des cT (Taf. VI, Fig. 10 b) ohne 
Fortsätze oder Erweiterungen, gerade, unbedeutend höher als die Zange. — 
Zange schmal, 5 — 6mal so hoch als an der Basis breit, beinahe so hoch als 
die Genitalplatte, gerade, allmälig ein wenig verschmälert und scharf zugespitzt. 
— Untere Genitalplatte des 9 f as * so lang als die zwei vorhergehenden 
Abdominalsegmente, das ist etwas kürzer als die Hinterschenkel, allmälig 
zugespitzt; die obere ragt über die untere nur sehr wenig (kaum % ihrer 
Länge) hinaus. 

Kopf und Thorax sind meist blassorangegelb ; der Rücken mit dunkleren 
Striemen; die Stirnkegel an der Spitze meist grün. Der Hinterleib ist licht- 
grün mit weisslichen oder gelblichen Segmenträndern; die Genitalien des <f 
einfärbig grün oder gelbgrün, die des 9 an der Spitze etwas gebräunt. Die 
Beine sind blassgelb ; die Schienendörnchen und das letzte Tarsenglied schwarz 
oder braun. Es gibt aber auch Exemplare, welche durchaus lichtgrün sind und 
bloss auf dem Rücken einige gelbe Streifen haben. Alle vorstehenden Farben- 
angaben beziehen sich auf die sommerliche Färbung dieser Art. Ihre herbst- 
liche Färbung ist mir noch unbekannt. 

Z. ß. Ges. B. XXVil. Abh. 19 



146 



Franz Low. 



Ich fing die Ps. stenoldbis m. Ende Mai und Anfangs Juni im Wiener- 
walde bei Weidling und Pressbaum auf Salix Caprea L. und S. incana Schrk. 
und erhielt sie auch vom Herrn J. Scott aus England. 

Psylla pyrastri n. sp. 12 ) 
(Taf. VI, Fig. 11 a-c.) 

Aestate viridis, supra maculis flavis, rufis vel brunneis, post hiemationem 
caput et thorax nigrofusci, fulvo- vel rufo-variegati, abdomen nigrum, mar- 
ginibus segmentorimi cinnabarinis. Vertex bis tarn latus quam longus. Coni 
frontales fere longitudine verticis, basi lati, sensim attenuati, vix divergentes. 
Antennae basin alarum attingentes; articulus tertius quarto V 6 — V4 longior. 
Pronotum ubique eadem longitudine. Elytra hyalina, nervis virescentibus 
vel brunneis vel fuscis; petiolus cubitus parte discoidali subcostae brevior; 
cellula radialis cellula discoidali angustior; pterostigma longum, 2 / 3 partis 
radialis costae occupans. Lamina genitalis sine ullo processu, semel et 
dimidio fere tarn alta quam forceps. Forceps vix ter tarn alta quam in medio 
lata, apice profunde excisa, bidens. Valvula Q inferior longüudinem segmenti 
praecedentis aequans vel paulo superans, sensim acuminata, superiore 1 ( 4 bre- 
vior. — Long. corp. $ 2*15—2% 9 2 x U—&k Mm. 

Insectum imperfectum secretione lanuginosa caret et sub folliis Pyri 
Mali habitat. 

In Austria prope Viennam (leg. F. Low). 

Scheitel flach, hinten schwach ausgeschnitten, halb so lang als zwischen 
den Augen breit, mit den gewöhnlichen Eindrücken. — Stirnkegel im Ver- 
gleiche zur Ebene des Scheitels nur wenig nach abwärts geneigt, so lang als 
der Scheitel, aus breiter Basis allmälig zugespitzt, beinahe aneinanderliegend, 
am Innenrande gerade, am Aussenrande in der Nähe der Spitze etwas convex. — 
Clypeus schwach erhaben, mit dem Körper gleichfarbig. — Fühler 1 Mm. 
lang, reichen bis zur Basis der Hinterflügel oder nur wenig über diese hinweg; 
das dritte Glied V/ Q — iy 4 mal so lang als das vierte. — Pronotum bandförmig, 
überall gleichlang. — Vordefflügel (Taf. VI, Fig. IIa) 2 1 / 2 mal so lang als 
in der Mitte breit, in der Spitzenhälfte am breitesten, glashell mit grünen 
braunen oder schwarzbraunen Adern; Stiel des Cubitus kürzer als das Discoidal- 
stück der Subcosta; Kand der ersten Randzelle l 3 / 4 — 2mal so lang als die erste 
Gabelzinke; diese steht in der halben Flügellänge senkrecht auf dem Hinter- 
rande; zweite Gabelzinke stark nach vorn ausgebogen; Radialzelle deutlich 
schmäler als die Discoidalzelle ; Pterostigma lang, fast 2 / 3 des Radialstückes der 
Costa einnehmend, allmälig zugespitzt. — Genitalplatte des beinahe 
l'/jmal so hoch als die Zange, ohne seitliche Fortsätze oder Erweiterungen, 
gerade. — Zange (Taf. VI, Fig. 116 und 11c) kaum dreimal so hoch als in 
der Mitte breit, gerade, am Vorder- und Hinterrande wellenförmig geschwungen, 
M dass hie in der Mitte etwas breiter als an der Basis ist, an der Spitze in 
BWel Lappen gespalten, von denen der hintere viel schmäler als der vordere 



Beiträge zur Kermtniss der Psylloden. 



147 



und stets geschwärzt ist; ihr ganzer Hinterrand ist mit längeren Haaren besetzt. 
(Die Form der Zange hat, von der Seite gesehen, einige Aehnlichkeit mit der 
eines Stiefelziehers). — Untere Genitalplatte des Q so lang oder nur 
etwas länger als das vorhergehende Abdominalsegment an der Bauchseite, aus 
breiter Basis allmälig scharf zugespitzt. — Die obere ragt mit ihrer Spitze 
über die untere um V4 der Länge der letzteren hinaus. 

Nach dem Ausschlüpfen ist jede Imago einfarbig grün. Sie erhält erst 
später auf dem Scheitel und Rücken gelbe oder bräunliche Flecken und Striemen. 
Allmälig verändert sieb ihre ganze Färbung; Kopf und Thorax werden immer 
mehr röthlich, das Abdomen bräunlich, die anfangs bleichen Flügeladern immer 
dunkler, bis endlich im Spätherbste und nach der Ueberwinterung folgende 
Färbung auftritt: Kopf und Thorax ziegelroth; Scheitel mit zwei schwarzen 
Flecken; Stirnkegel schwarzbraun, oben je mit einem röthlichgelben, runden 
Fleck in der Mitte; Fühler bräunlichgelb, deren Glieder vom vierten ab an der 
Spitze schwarz geringelt, das erste Glied und die drei letzten meist ganz schwarz. 
Thorax oben mit breiten, schwarzen Striemen und Flecken, welche nur schmale 
Striche und Punkte der Grundfarbe freilassen, unten und an den Seiten mehr 
oder weniger ausgedehnt schwarz gefleckt; Metathorax unten und an den Seiten 
beim gelb, beim Q roth; Pronotum mit einer Reihe schwarzer Punkte, von 
denen einige zuweilen zusammengeflossen sind. Beine gelb, an den Schenkel- 
wurzeln und Schienenspitzen in grösserer oder geringerer Ausdehnung schwarz 
oder braun. Vorderflügel glashell, mit schwarzbraunen Adern und etwas gebräun- 
tem Stigma. Abdomen sammt dem Genitalapparate schwarz, beim mit gelben, 
beim 9 mit zinnoberrothen Seiten und Segmenträndern. 

Die Jungen dieser Art fand ich Anfangs Juni im Schlossparke zu 
Schönbrunn bei Wien an der Unterseite der Blätter strauchiger, wilder Aepfel- 
bäume zugleich mit den überwinterten, noch eierlegenden Weibchen. In dem 
ersten Stadium nach dem Ausschlüpfen aus dem Ei sind diese Jungen einfarbig 
blassgrün. Später, wenn sie Flügelscheiden erhalten, werden sie etwas dunkler 
grün und über den ganzen Rücken hin gelblich. Ihre Flügelscheiden sind 
bleich, trüb transparent, und ihre Augen röthlich. An den gelblichen Fühlern, 
deren Länge ungefähr Vs der Körperlänge beträgt, sind die beiden letzten 
Glieder schwarz; an den Beinen die Tarsen etwas gebräunt. Der ziemlich scharfe 
Rand ihres Abdomens ist mit 16 Haaren besetzt, welche strahlenartig abstehen 
und von denen 10 kurz, am Ende geknöpft und etwas bräunlich, 6 hingegen 
lang (dreimal so lang als die anderen), nicht geknöpft und rein weiss sind. 
Die Anordnung dieser Haare ist jederseits von vorn nach hinten eine derartige, 
dass auf 3 kurze 1 langes und dann zweimal auf 1 kurzes 1 langes folgt, so 
dass an der Abdominalspitze 2 lange Haare unmittelbar nebeneinander zu 
stehen kommen. Am Rande der Flügelscheiden stehen 5 kurze, geknöpfte Haare 
und zwar 3 an dem der Vorderflügelscheide (1 nahe der Basis, 1 in der Mitte 
und 1 an der Spitze derselben) und 2 an der Spitze der Hinterflügelscheide. 
Der Leib ist sonst ganz nackt bis auf den vorderen Theil des Scheitels, 
welcher wenige, kurze Härchen trägt, und hat auch keine flockigen Sekretionen. 

19* 



148 



F r a ii z Low. 



Diese Jungen, welche sich gegen Ende Juni zu Imagines verwandeln, 
leben 1 — 6 an der Zahl auf der Unterseite der Blätter von Pyrus Malus L., 
ohne eine Deformation der letzteren zu bewirken. 

Meyer-Dür fand diese Art auch in der Schweiz; er verwechselte sie 
jedoch mit Ps. pyri L. und versandte sie unter diesem falschen Namen. Um 
einer abermaligen Verwechslung vorzubeugen, stelle ich im Folgenden die auf- 
fälligsten Unterschiede beider Arten einander gegenüber: 



Psylla pyrastri m. 

Stirnkegel so lang als der Scheitel, 
kaum divergirend. 

Vorderflügel glashell, ohne Schatten 
in den Zellen; Spitze des Clavus un- 
gefärbt. 

Zange des cT gerade, stiefelzieher- 
förmig (Taf. VI, Fig. 116). 



Psylla pyri L. 

Stirnkegel etwas kürzer als der 
Scheitel, divergirend. 

Vorderflügel mit mehr oder minder 
deutlichen braunen Schatten in den 
Zellen; Spitze des Clavus braun oder 
schwarz. 

Zange des cf nach vorn gebogen, 
sichelförmig (Taf. VI, Fig. 12). 



Psylla rhois n. sp. 
(Taf. VI, Fig. lda-d). 

Caput et thorax ruß; dbdomen unicölor, flavum. Vertex fere bis tarn 
latus quam longus, paulo convexus. Coni frontales brevissimi,^ fere 1 / 3 longitu- 
dinis verticis, valde divergentes. Antennae brevissimae, subclavatae, longitudine 
verticis cum pronoto, omnino flavescentes, apice non nigrae; articulus tertius 
bis et dimidio tarn longus quam quartus. Elytra fere hyalina, vix flavescentia, 
subtilissime denseque punctata, nervis pallide flavis; petiolus cubitus parte 
discoidali subcostae brevior ; cellula basalis anterior minima; cellula marginalis 
prima maxima; pterostigma longum, fere 3 / 4 partis radialis costae occupans; 
nervus clavalis prope basin et in medio puncto nigro. Alarum hyalinarum, 
appendix basi nigra. Lamina genitalis cT sine ullo processu, '/ 3 forcipe 
altior. Forceps bis et dimidio tarn alta quam ad basin lata, margine anteriore 
convexo, posteriore recto, apice acuto. Valvula 9 inferior scnsim acuminata, 
longitudinem segmcnti praecedentis aequans, superiore vix brevior. — Long, 
corp. cf et 9 ZVi Mm. 

Hab. sub foliis Rhois cotini L. 

In Austritt (leg. liogenhofer et F. Low). 

Scheitel halb so lang als zwischen den Augen breit, nicht flach, sondern 
etwas gewölbt, hinten kaum merklich ausgeschnitten, in der Mitte mit einer 
Seinen, vertieften Längslinie und mit zwei kleinen, punktförmigen Eindrücken 
beiderseits derselben. — Augen röthlichbraun, meist etwas lichter eingefasst. 
— Stirnkegel (Taf. VI, Fig. 13a) sehr kurz, fast nur l/fc s0 lan £ als der 
Scheitel, dick, stark divergirend, mit scharfer Spitze, am Innenrande convex, am 
Aussenrande concav, etwas lichter gefärbt als der Scheitel. — Clypeus massig 
erhaben, sehr dunkel, fast schwarzbraun gefärbt. - Fühler sehr kurz, nur so 



Beiträge zur Kenntnis* der Psylloden 



149 



lang als der Scheitel und das Pronotum zusammen (sie reichen daher nicht bis 
zur Basis der Vorderflügel), durchaus bleichgelb, ohne schwarze Spitze; ihre 
beiden Basalglieder verhältnissmässig sehr dick; das dritte Glied 2y 2 mal so 
lang als das vierte; die drei Endglieder etwas verdickt und nicht so deutlich 
abgesetzt als die vorhergehenden, bilden zusammen eine schwache Keule; das 
an der Fühlerspitze befindliche Borstenpaar verhältnissmässig gross und stark. 
— Pronotum durchaus von gleicher Länge. — Vorder flügel (Taf. VI, 
Fig. 13 b) fast wasserhell, schwach weingelb tingirt, sehr fein aber dicht punk- 
tirt, mit lichtgelben Adern ; Stiel des Cubitus kürzer als das Discoidalstück der 
Subcosta; die Subcosta verhältnissmässig kurz, daher die vordere Basalzelle sehr 
klein, so dass das Basalstück der Costa nicht ganz V3 des Vorderrandes ein- 
nimmt; die erste Randzelle auffallend gross, dagegen die zweite verhältniss- 
mässig viel kleiner als diess bei der Gattung Psylla gewöhnlich der Fall ist; 
Stiel der ersten Randzelle nur unbedeutend mehr als halb so lang als die erste 
Gabelzinke; Stiel der zweiten Randzelle viermal so lang als die dritte Gabel- 
zinke; diese so lang als der Rand der zweiten Randzelle, welcher unter allen 
Randabschnitten der kürzeste ist; Rand der ersten Randzelle so lang als die 
erste Gabelzinke; die zweite Gabelzinke sehr lang, halbkreisförmig gebogen; 
Radialzelle schmal, nur so breit als die Discoidalzelle in der Basalhälfte; der 
Radius, der Stiel der zweiten Randzelle und die zweite Gabelzinke sind in der 
Mitte des Flügels nahezu gleichweit von einander entfernt; Pterostigma lang 
und schmal, allmälig verschmälert, circa 3 / 4 des Radialstückes der Costa ein- 
nehmend; der Nerv des Clavus in der Mitte und nahe der Basis mit einem 
mehr oder minder deutlichen, schwarzen Punkt; am Hinterrande zwischen den 
vier Gabelzinken kleine, strichförmige Anhäufungen von gelblichen Pünktchen. — 
Hinterflügel glashell, die Basalhälfte seines Anhanges schwarz oder schwarz- 
braun. — Genitalplatte des cT einfach, ohne Fortsätze oder Erweiterungen 
an den Seiten, deutlich höher als die Zange, ungefähr IV4 — lVsinal so hoch 
als diese. — Zange (Taf. VI, Fig. 13c) gerade, 2y 2 mal so hoch als an der 
Basis breit, am Vorderrande convex, am Hinterrande gerade, erst in der End- 
hälfte verschmälert, mässig scharf zugespitzt; Spitze mit einem schwarzen 
Pünktchen. — Untere Genitalplatte des 9 (Taf. VI, Fig. 13 d) nur so 
lang als das vorhergehende Abdominalsegment, allmälig zugespitzt; die obere 
steht über die untere kaum merklich vor. 

Kopf und Thorax sind oben rothbraun, mit undeutlichen, dunkleren 
Striemen, unten röthlichgelb; an den Seiten des Metathorax ist die letztere Farbe 
am lichtesten. Das Abdomen ist sammt den Genitalien einfärbig lichtgelb. 
Die Beine sind gelb; ihre Schenkel in der Basalhälfte mehr oder weniger 
gebräunt. 

Diese Art, welche unter allen bis jetzt bekannten Arten der Gattung Psylla 
die kleinste ist, wurde zuerst im Jahre 1870 vom Herrn Custos Rogenhofer in 
Herrn Conradi's Parke bei Piesting nächst Wiener-Neustadt auf Bhus cotinus L. 
aufgefunden. Im verflossenen Jahre sammelte ich sie in grosser Menge bei 
Mödling in Niederösterreich und in einigen Wiener Gärten auf derselben Pflanze. 



150 



Franz Low. 



Die Imagines sitzen auf der Ober- oder Unterseite der Blätter mit Vorliebe an 
deren Mittelrippe, meist in einer Reihe knapp hintereinander, und verlassen die 
einmal innegehabte Stelle oft sehr lange Zeit nicht. Man kann Blätter, welche 
von ihnen besetzt sind, oft stundenlang frei in der Hand tragen, ohne dass 
diese Insekten davonfliegen, ja sie verlassen sogar die Blätter ins Wasser 
gestellter Zweige auch dann noch nicht, wenn diese bereits zu welken beginnen. 

Trioza tripunctata n. sp. 
(Taf. VI, Fig. 14 a— 6). 

Tota pallide ochracea, supra brunneo-variegata. Vertex dimidia latitu- 
dine paulo longior. Coni frontales dimidia verticis longitudine vix longiores, 
obtusi. Antennae basin alarum paululo superantes, apice nigrae; articulus 
tertius ter tarn longus quam quartus. Pronotum in medio brevius quam ad 
latera. Elytra pallidissime ochracea, nervis concoloribus ; margo posterior inter 
ramos furcarum tribus punctis fuscis omatus; margo anterior arcuatus, margine 
posteriore fere recto mülto longior, ita ut elytron circuli segmenti formam 
habeat; pars radialis costae parte discoidali costae 3 / 4 longior; radius fere 
rectus; ramus furcalis primus tarn longus quam tertius. Lamina genitalis 
utrinque processu lato, obtuso, sursum curvato et forcipem attingente. Forceps 
altitudinem laminae genitalis aequans, quater tarn alta quam ad basin lata, 
valde acuminata, paulo antrorsum curvata. Valvula 9 inferior sensim acuminata, 
longitudinem trium segmentorum praecedentium aequans, superiore vix brevior. 
— Long. corp. <$ 2'5, Q 3 Mm. 

In Tiroli meridionali (leg. Richter), in Gallia meridionali (leg. 
Dr. Signoret). 

Scheitel ein wenig länger als die Hälfte seiner Breite zwischen den 
Augen beträgt, am Hinterrande seicht ausgebuchtet, mit einer feinen Mittel- 
furche und den zwei gewöhnlichen Eindrücken, licht-mergelgelb, zuweilen mit 
bräunlichen Flecken. — Augen röthlichbraun oder röthlichgrau. — Stirn- 
kegel kurz, von wenig mehr als halber Scheitellänge, mehr nach vorn als 
nach abwärts gerichtet, stumpf, sehr bleich-mergelgelb, zuweilen fast weiss. — 
Clypeus stark vortretend, mehr oder weniger gebräunt. — Fühler lang, 
reichen etwas über die Basis der Hinterflügel hinaus, blass-mergelgelb, nach 
der Spitze hin mehr oder minder gebräunt, auch die beiden Basalglieder zuweilen 
gebräunt; Glied 4—8 oder bloss das vierte, sechste und achte Glied an der 
Spitze schwarz; die beiden Endglieder ganz schwarz und kaum merklich verdickt; 
das dritte Glied dreimal so lang als das vierte. — Thorax blass-mergelgelb 
mit mehr oder minder dunklen, braunen Flecken und Striemen; der Hinter- 
rücken meist etwas dunkler. — Pronotum in der Mitte seines Hinterrandes 
tief ausgeschnitten, daher in der Mitte kürzer als an den Seiten, meist nur 
einfarbig blass-mergelgelb, an den Seiten mit vertieften Punkten. — Vorder- 
flügel (Taf. VI, Fig. 14a) an ihrer breitesten Stelle nicht ganz halb so breit 
all lang, nicht puuktirt, sehr schwach mergelgelb tingirt, mit gelben Adern ; 



Beiträge zur Keuntnies der Psylloden. 



151 



an der Ursprungsstelle der NerveD stricheln kleine, schwarzbraune Punkte; die 
Flügelspitze scharf, stark nach hinten gerückt, daher der Vorderrand viel 
länger als der Hinterrand ; dieser nahezu gerade, nur in seiner Endhälfte etwas 
convex; der Vorderrand durchaus gleichmässig rund gebogen, wodurch der 
Flügel die Form eines Kreisabschnittes erhält; die Subcosta kurz, mündet in 
V 3 des Vorderrandes; Radius kaum etwas geschwungen, ziemlich lang, seine 
Einmündungsstelle in den Vorderrand liegt in gerader Linie gegenüber dem 
Nervenstrichel der Cubitalzelle ; Radialstück der Costa P/4 so lang als das Dis- 
coidalstück derselben; die erste und dritte Gabelzinke gleichlang, oder die dritte 
kaum merklich länger als die erste; die vierte Gabelzinke zweimal so lang als 
die dritte, wodurch die zweite Randzelle beinahe die Form eines Rechteckes 
erhält; Stiel der ersten Randzelle viermal so lang als die erste Gabelzinke; 
Rand der ersten Randzelle zweimal so lang als die erste Gabelzinke und ebenso 
lang als das Cubitalstück der Costa; die breiteste Stelle der Radialzelle unbe- 
deutend breiter als die schmälste der Discoidalzelle. — Beine entweder einfärbig 
blass-mergelgeib oder an der Hinterseite der Schenkel und an den Spitzen der 
Schienen und Tarsen mehr oder minder stark gebräunt. — Abdomen mergel- 
gelb oder grünlich-mergelgelb, oder bloss die zwei letzten Segmente unten 
grünlich. Die Oberseite desselben auf allen oder bloss auf den mittleren Segmenten 
mit mehr oder weniger dunklen, braunen Binden, welche die Hinterränder schmal 
frei lassen; die Bauchplatten zuweilen an den Seiten gebräunt. — Geni tal- 
platte des cT (Taf. VI, Fig. 14 b) niedrig, nicht so hoch als das Genitalsegment 
lang ist, beiderseits an ihren Rändern in einen etwas nach aufwärts gebogenen, 
am Ende stumpf abgerundeten Fortsatz verlängert, welcher fast so breit als 
die Genitalplatte hoch ist und bis zur Zange reicht. — Zange so hoch als die 
Genitalplatte, schmal, etwas mehr als viermal so hoch als an der Basis breit, 
nach der Spitze hin alimälig verschmälert und sehr scharf zugespitzt, etwas 
nach vorn gebogen, so dass ihr Vorderrand schwach concav und ihr Hinterrand 
dem entsprechend convex ist. — Untere Genitalplatte des Q blass- 
mergelgelb oder grünlich, ziemlich lang, so lang als die drei vorhergehenden 
Segmente, alimälig scharf zugespitzt; die obere kaum länger, entweder ebenso 
gefärbt oder verschieden stark gebräunt; die eigentliche Legröhre ragt mit ihrer 
dünnen Spitze zuweilen weit über die Enden der Genitalplatten hinaus. 

Die Psylloden- Sammlung des k. k. zoologischen Hof- Museums in Wien 
besitzt mehrere Exemplare dieser Art, welche bei Torbole in Südtirol von 
Herrn Richter auf der Unterseite der Blätter von Bubus gesammelt wurden. 
Dr. Signoret sandte mir ein Exemplar derselben Trioza, welches er in Süd- 
frankreich auf Urtica fing. 

Trioza Chrysanthemi n. sp. 
(Taf. VI, Fig. 15 a-c). 
Caput et thorax rubro-flavi vel fulvi, supra vittis rufis vel brunneis; 
abdomen totum viride. Vertex dimidia latitudine paulo longior. Coni frontales 
vertice V* breviores, in apicem obtusum attenuati. Antennae basin alarum 



152 



Franz LÖw. 



paido superantes, albido-flavae ; articuli 1, 9 et 10 fusci vel nigri; articulus 
tertius bis tarn longus quam quartus. Pronotum in medio brevius quam ad 
latera. Elytra hyalina, subtilissime punctata, apice rotundata, nervis flaves- 
centibus; pars radialis costae bis et dimidio tarn longa quam pars discoidalis 
costae; ramus furcalis tertius semel et dimidio tarn longus quam primus; 
cellula radialis prope basin cellula discoidali vix latior. Lamina genitalis cf 
apice obtuso, lateribus modice dilatatis, convexis. Forceps fere longitudine 
laminae genitalis, circiter bis tarn alta quam ad basin lata, ad 2 / 3 ejus altitu- 
dinis latissima, dem in mucronem obtusum repente angustata. Valvula Q 
inferior longitudinem duorum segmentorum praecedentium fere aequans, apice 
obtusa; superior acuminata, inferiore vix longior. — Long. corp. c? 17, 
Q 19 Mm. 

Hab. sub foliis Chrysanthemi Leucanihemi L. 
In Helvetia (leg. Bremi). 

Scheitel nur wenig mehr als halb so lang als zwischen den Augen 
breit, mit einer etwas vertieften Mittellinie, welche vorn ein wenig erweitert 
ist, und mit zwei seitlichen, nahezu viereckigen Eindrücken, gelb, hie und da 
röthlich gefleckt oder schattirt. — Augen rothbraun. — Stirnkegel % so 
lang als der Scheitel, aus mässig breiter Basis gleichmässig stumpf lich zugespitzt, 
kaum divergirend, im Vergleiche zur Fläche des Scheitels nur schwach nach 
abwärts geneigt, gelb oder grün, an der Spitze und unten mehr oder weniger 
gebräunt. — Clypeus braun, wenig erhaben. — Fühler 0'7 Mm. lang, 
reichen ein wenig über die Basis der Hinterflügel hinweg, weissgelb; das erste 
und die beiden letzten Glieder braun; das zweite und achte Glied manchmal 
am Ende etwas gebräunt; das dritte zweimal so lang als das vierte. — Pro- 
no tum in der Mitte nur halb so lang als an den Seiten, gelb, hie und da röthlich 
schattirt. — Thorax rothlichgelb oder licht-bräunlichgelb, am Kücken mit 
mehr oder minder deutlichen, röthlichen oder bräunlichen Striemen. — Vorder- 
flügel (Taf. VI, Fig. 15 a) wasserhell, sehr fein punktirt, ohne deutliche Nerven- 
strichel und mit sehr stumpfer, fast abgerundeter Spitze; Flügeladern gelblich; 
Subcosta sehr kurz, mündet zwischen % und l / 3 der Länge des Vorderrandes; 
Radius lang, in seiner Endhälfte etwas nach vom ausgebogen; Radialstück der 
Costa 272mal so lang als das Discoidalstück derselben; Stiel der ersten Rand- 
zelle dreimal und die dritte Gabelzinke V^meX so lang als die erste Gabelzinke; 
vierte l'/ 3 — l'/^inal so lang als die dritte; Radialzelle an ihrer breitesten Stelle 
kaum breiter als die Discoidalzelle an der schmälsten; Rand der ersten Rand- 
zelle und das Cubitalstück der Costa gleichlang, 1 V^mal so lang als dio erste 
GtabeLrinke, welche fast genau in der halben Flügellänge liegt. — Beine gelb 
bin bchmutzig grünlichgelb; letztes Tarsenglied schwach gebräunt. — Abdomen 
sarnmt den Genitalien einfarbig grün. Genitalplatte dea cf (Taf. VI, 
Fig. Ibb) so hoch als das Genitalsegment lang ist, am Ende sehr stumpf 
abgestutzt, an ihren Seitenräiulern massig stark convex erweitert. Zange 
mit der Genitulplatte fast gb:ichhoch, circa zweimal so hoch als an ihrer Basis 
breit, bis zu a /a ihrer flöhe tehr breit, dann plötzlich zu einem dünnen, parallel- 



Beiträge zur Kenntniss der Psylloden. 



153 



seitigen, stumpfen Zäpfchen verschmälert, welches am Ende geschwärzt ist; 
der Vorderrand des breiten Basaltheiles der Zange ist gerade, der Hinterrand 
desselben ein wenig nach einwärts gebogen und convex. — Untere Genital- 
platte des 9 ungefähr so lang als die zwei vorhergehenden Abdominalsegmente 
an der Bauchseite, am Ende stumpf abgerundet; die obere zugespitzt, kaum 
länger als die untere (Taf. VI, Fig. 15 c). 

Die im k. k. zoologischen Hof-Museum zu Wien befindlichen Exemplare 
dieser Art stammen von Bremi, welcher sie am Rigi in der Schweiz in einer 
Höhe von 1250 Meter auf Chrysanthemum Leucanthemum L. sammelte. Sie 
sassen an der Unterseite der Blätter in kleinen Grübchen, denen oberseits 
pustelartige Erhabenheiten entsprachen. 

Dr. Thomas bespricht in einem in Giebels Zeitschr. f. d. ges. Xaturwiss. 
Bd. 46, 1875 enthaltenen Artikel über „durch Psylloden erzeugte Cecidien an 
Aegopodium und anderen Pflanzen 1 * p. 444 auch pustelartige Ausstülpungen 
auf den Blättern von Chrysanthemum Leucanthemum L., in welchen er junge 
Triozen mit den für dieselben charakteristischen, aus feinen, weissen, haar- 
formigen Sekretionen bestehenden Strahlenkranze geziert antraf. Er fand sie 
im hinteren Ptainthale bei Partenkirchen in Oberbaiern in einer Höhe von 
950— 1000 Meter. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese von Dr. Thomas auf- 
gefundenen jungen Triozen der vorstehend beschriebenen Art angehören. 



Z. B. lies. B. XXVII. Abh. 



20 



154 



Franz Low. Beiträge zur Kenntniss der Psylloden. 



Erklärung der Abbildungen. 13 ) 

(Taf. VI.) 

Fig. la. Kopf (obere Ansicht) ) 
„ 16. Vorderflügel l von Ps ^ a s P artii Gue ' r - 

„ lc. Genitalien des cf (Seitenansicht) J (nec Hart) ' 

„ 2 a. Kopf (obere Ansicht) \ « „ . :„ _.. 

. 26. Vorderflügel / V °" FsyUa tmfr0nS Flor - 

„ 3. Genitalien des c? von Psylla hippophaes Frst. (Seitenansicht). 

" ff" J or ^ er ^ a £ e ] . \ von Psylla sdliceti Frst. (nec Flor). 

„ 46. Genitalien des cT (Seitenansicht) J 

„ 5 a. Vorderflügel 1 ^ 17 . . ~ T 

n. ^ -j. t j ?! zw -j. • i_ja <• von Psylla parvipennis F. Lw. 
„ 56. Genitalien des cT (Seitenansicht) J 

„ 6. Genitalien des von Psylla pineti Flor (Seitenansicht). 
„ 7. Vorderflügel von Trioza pinicola Frst. 
„ 8. Vorderflügel von Trioza femoralis Frst. 
ii 9 a. Kopf (obere Ansicht) 

" V*' y^ 1 ^ 1 ^ ^! V von Psylla pulchella F. Lw. 

„ 9 c. Genitalien des rf ,„ .. . . , . ' 
I 9* Genitalien des Q } (^tena„ S1 eht) 

„ 10 a. Kopf (obere Ansicht) ) _ - . 7 , . „ T 

1A . ~ ., \. , 7i /ct -i. • i ja > von Psylla stenolabis F. Lw. 

„ 106. Genitalien des cT (Seitenansicht) J 

„ IIa. Vorderflügel | 

„ 116. Genitalien des cf (Seitenansicht) l von Ps^/ZZa pyrastri F. Lw. 

h 11c. Zange des c? (hintere Ansicht) J 

„ 12. Genitalien des c? von Psylla pyri L. (Seitenansicht). 

„ 13 a. Kopf (obere Ansicht) 

" y" or( |^ r ^ ü ^ e ^ \ von Psylla rhois F. Lw. 

„ 13 c. Genitalien des r? 1 /ct . , , x I 

" fl , n t (Seitenansicht) I 

„ 13cZ. Genitalien des Q J 

„ 14 a. Vorderflügel \ m . . . . . ^ T 

«j«. n *x i> j 7i '/ct -j. . ,,i } von Trioza tripunctata F. Lw. 
„ 146. Genitalien des cf (Seitenansicht) J 

„ 15 a. Vorderfiügel j 

„ 156. Genitalien des cT \ /g e it enails i cn n / von Trioza chrysanthemiF Am. 
„ 15 c. Genitalien des Q j I 



'*) Alle Figuren Hin<l bedeutend vergrößert. 



Die Chalcidier- Gattung Olinx. 

Von 

Dr. Gustay Mayr. 

(Vorgelegt in der Versammlung am 4. April 1877.) 

Ein mehrfaches Interesse ist es, welches mich veranlasst, die Gattung 
Olinx, aus der Gruppe der Tetrameren der Familie Chalcidier, herauszugreifen 
und einer näheren Untersuchung zu unterziehen. 

Insbesondere sind es gewisse gelbe Linien am dunkeln Kopfe, welche 
vorzüglich bei einer Art (0. lineaticeps) auftreten und sich als weiche 
Streifen der Chitinschale des Kopfes erweisen, ähnlich so wie die noch 
weichen Nähte am jungen unentwickelten Schädel der Vertebraten. Es zieht 
sich nämlich von dem Hinterrande der Fühlergelenks pfanne je eine gelbe Linie 
nach hinten und einwärts, dann verbinden sich beide Linien in der Mitte der 
Stirn zu einer Linie, welche in der Medianlinie des Kopfes, als Sulcus fron- 
talis, zum vorderen Punktauge zieht; von da setzt sich jederseits eine Linie 
nach auswärts quer zum Innenrande des Netzauges fort, wo auch eine quere 
bogige Linie endet, welche hinter den Ocellen liegt, so dass die letzteren durch 
diese Querlinie und die Ocellar-Ocular-Linien eingeschlossen werden. Im Tode 
schrumpft der Kopf in der Weise ein, dass derselbe sich nach diesen Linien 
faltet, wobei die hintere quere Scheitellinie eine schneidige vortretende Kante 
bildet und der hinter dieser Linie liegende Theil des Scheitels mit dem 
Ocellartheile so geknickt ist, dass beide einen sehr spitzen Winkel zu einander 
bilden. Bei den anderen Arten fehlen diese weichen Verbindungslinien der 
Kopfskelettheile theilweise oder ganz und sind im letzteren Falle nur als feine 
Furchen angedeutet, oder lassen sich nur als feine anders wie der Kopf ge- 
färbte Linien erkennen. Diese Linien finden sich auch bei anderen Tetrameren 
der Chalcidier, so dass die Frage aufzuwerfen wäre, ob diese weichen 
Verbindungslinien der einzelnen Kopftheile (Nähte) von tieferer 
phylogenetischer Bedeutung seien. Ich werde es nicht unterlassen, diese 
Frage in Sicht zu behalten und ich halte sie auch für genug interessant, zu- 
nächst die Hymenopterologen darauf aufmerksam zu machen. 

20* 



156 



Gustav Mayr. 



Weiters ist hervorzuheben, dass sich die sechs mir bisher bekannten 
Arten, welche nur in Eichengallen leben, durch gewisse Merkmale unterscheiden, 
die sich in der Weise verhalten, dass fast jedes Merkmal bei mehreren Arten 
charakteristisch ist, während es bei anderen Arten wechselnd ist. So kommt 
die schwarze Längslinie am Beugerande der Mitteltibien bei allen (150 von mir 
untersuchten) Exemplaren der 0. pulchra vor und fehlt bei 0. trilineata und 
0. gallarum gänzlich, während sie bei 0. Uneaticeps vorhanden ist oder fehlt, 
und bei 0. scianeurus fast immer fehlt, nur bei manchen Männchen an der 
unteren Hälfte der Mitteltibien auftritt. Ebenso verhält sich die Länge der 
letzteren Fühlerglieder bei gewissen Arten ziemlich constant, bei anderen 
wechselnd, in gleicher Weise verhält sich die Trübung der Flügel, die Linien 
am Scutellum, das Einschrumpfen oder Unverändertbleiben des Kopfes nach 
dem Tode. Derselbe bleibt unverändert bei 0. trilineata, pulchra, scianeurus 
und öbscuripes, bei 0. Uneaticeps hingegen schrumpft er immer ein, bei 
0. gallarum aber bleibt er entweder intact oder er schrumpft ein. Schon aus 
dem hier Angeführten dürfte es klar sein, dass es nur durch die Zucht möglich 
war, die nachfolgend beschriebenen sechs Arten zu fixiren, denn bei gefangenen 
Stücken wäre man gar nicht in der Lage, zu beurtheilen, in welchem Falle 
gewisse Eigenschaften als Artcharaktere aufzufassen seien. 

Die Gattung Olinx wurde von Dr. Förster im Jahre 1856 in dessen 
Hymenopterologisehen Studien II. Heft auf den Ichneumon gallarum Linne 
{Pteromalus gallarum Latr., Eulophus gallarum Nees) begründet und zur Sub- 
familie Elachistoidae gestellt. Dr. Förster begreift darunter folgende Gattungen : 
Euplectrus Westw., Elachistus Spin., Aulogymnus Forst., Olinx Forst, und 
Teleogmus Forst. — Euplectrus unterscheidet sich von den anderen Gattungen 
in beiden Geschlechtern durch zwei lange Sporne am unteren Ende der Hintertibien, 
von welchen der innere länger als das erste Tarsenglied ist, wozu noch als gutes 
Merkmal beigefügt werden kann, dass das Scutellum nur mit einer Ecke an 
das Mesonotum stösst, während es sich bei den anderen Gattungen mit einer 
Seite breit an das Mesonotum legt. Die Gattung Elachistus unterscheidet 
Dr. Förster dadurch von den übrigen Gattungen, dass dieselbe den Hinterleib 
kurz gestielt habe, die anderen Genera sollen aber ein sitzendes Abdomen 
haben und dass das Scutellum zwei Seitenfurchen habe, die den anderen 
Gattungen fehlen sollen. Nun kann man aber schon mit einer guten Lupe, 
sowohl bei Aulogymnus als auch bei Olinx, ein kleines Ringel sehen, so dass 
daher nur ein unmerklicher Unterschied zwischen Elachistus und den anderen 
Gattungen besteht. Die Seitenfurchen am Scutellum kommen aber auch bei 
mehreren Arten der Gattung Olinx vor. Aulogymnus soll sich nach Förster 
von Olinx durch die zweiringligen Fühler und auch dadurch unterscheiden, 
• I i 'Ii- Furchen der Parapsiden auf das Schildchen stossen, während bei Olinx 
<\\". Kühler nur ein Ringel haben und die Furchen der Parapsiden weit vom 
.Schildehen ah auf die Achseln stossen sollen; im weiteren Texte lässt wohl 
Dr. Förster die Möglichkeit zu, dass die Fühler zweiringlig sein könnten. 
Wenn man Exemplare von Olinx (auch getrocknete und im Wasser aufgeweichte) 



Die Chalcidier-Gattung Olinx. 



157 



unter dem Mikroskope untersucht, so sieht man zwei dünne aber deutliche 
Ringel, so dass daher dieses Merkmal in Wegfall kommt. Aber auch das 
andere Merkmal ist nicht richtig, denn bei Aulogymnus stossen die Furchen 
der Parapsiden nicht auf das Schildchen, sondern auf die Achseln, wenn auch 
sehr nahe dem Schildchen. Ich halte es aber für zweckmässig, indessen an 
dem Bestände dieser zwei Gattungen nicht zu rütteln, bis mir von den 
Elachistoiden ein grösserer Formenkreis vorliegt. Die Gattung Teleo gmus. 
welche nach Förster mit Olinx sehr nahe verwandt sein soll, kann nicht als 
wissenschaftlich aufgestellt betrachtet werden, da dazu keine Art beschrieben 
wurde, doch möge bemerkt werden, dass dieselbe, von welcher Förster nur 
Weibchen kannte, durch einen viergliedrigen Fühlerfaden, durch ein flaches 
Mesonotum und Scutellum und einen anders gebildeten Ramus stigmaticus 
unterschieden sein dürfte. 

Die Gattung Olinx zeigt folgende Merkmale: Der Kopf ist höher als 
lang und etwa so breit als der Thorax. Der Clypeus ist klein, flach, breiter 
als lang, mit in der Mitte ausgeschnittenem Vorderrande. Die Fühler ent- 
springen in massiger Entfernung vom Clypeus. Der Schaft der neungliedrigen 
Fühler ist stielförmig, das Wendeglied mehr oder weniger länger als dick, dann 
folgen die zwei kleinen Eingel, die Geissei besteht aus fünf Gliedern, von 
welchen beim Weibchen die zwei letzten mitsammen verwachsen sind, ihre 
Glieder sind ziemlich cilindrisch, das erste Geisselglied stets länger als das 
zweite oder dritte, sie sind, ausser wenigen kurzen Härchen, mit fast mikro- 
skopischen, kurzen, ziemlich anliegenden Stachelchen bedeckt, welche am Ende 
der einzelnen Glieder, mit Ausnahme des Endgliedes, vorstehen und theilweise, 
besonders an der beim Weibchen aus zwei Gliedern zusammengesetzten Keule, 
in Querreihen gestellt sind, wodurch man vermuthen könnte, dass die Keule 
aus mehr als zwei verwachsenen Gliedern bestehe; die Geisseiglieder sind 
durch sehr kleine Gelenke mitsammen verbunden. Die Ocellen stehen in eiuem 
sehr stumpfwinkligen Dreiecke. Die Stirn und der Scheitel sind breit, die 
erstere senkrecht, der letztere krümmt sich im Bogen von vorne nach hinten 
und hat hinten keine quere Kante. Die Netzaugen . stehen seitlich am Kopfe. 
Das Pronotum ist massig gross, quer, fast halbmondförmig. Die scharf einge- 
prägten Furchen der Parapsiden stossen in massiger Entfernung vom Scutellum 
an die Achseln. Diese sind von einander entfernt, so dass der Vorderrand des 
Scutellum an das Mesonotum stösst. Das Scutellum hat zwei parallele Längs- 
furchen oder Linien, bei gewissen Arten auch eine mehr oder weniger deutliche 
abgekürzte mittlere Furche oder die Furchen fehlen vollständig. Das Meta- 
notum ist quer, mit einem Mittelkiele. Der Hinterleib ist an der Basis mittelst 
eines kleinen Ringels mit dem Thorax verbunden, die übrigen Segmente weichen, 
in Betreff der Länge, nicht bedeutend von einander ab. Die Bohrerklappen 
sind meistens fast ganz versteckt, doch besonders bei einer Art ( 0. scianeurus) 
sind sie aus der Spitze des Abdomen meist stark vorstehend. Der Ramus 
humeralis der oft bräunlich gefleckten Vorderflügel ist gebogen, der R. margi- 
nalis mässig lang, der R. postmarginalis dünn, und der R. stigmaticus mässig 



158 



Guatav M a, y r. 



lang, kürzer als der R. marginalis und an der Endhälfte keulig verdickt. Die 
Vorder- und Hinterschenkel sind dicker als die Mittelschenkel. Die zwei 
Sporne der Hintertibien sind viel kürzer als das erste Tarsenglied. Die Tarsen 
sind viergliedrig. Die Farbe des Körpers ist bei allen Arten grün, theilweise 
blau, mehr oder weniger stellenweise erz- oder kupferfarbig angelaufen; die 
Fühler sind braunschwarz, der Schaft ist bei den Weibchen meist mehr oder 
weniger gelb, die Tibien bei den meisten Arten (ausser 0. obscuripes) gelb, 
die Vorder- und oft auch die Mitteltibien an der Beugekante mit einem schwarzen 
oder braunen Längsstreifen. 

Die Arten leben parasitisch in Eichengallen. 

Zur beiläufigen Unterscheidung der Arten möge folgende Uebersicht 
dienen : 

1. (10.) Tibien hellgelb. 

2. (7.) Scutellum mit zwei scharfen Längslinien. 

3. (6.) Mitteltibien ganz gelb. 

4. (5.) Gross (Weibchen 4—4*6, Männchen 3—4 Mm. lang); die Furche 
zwischen dem Netzauge und dem seitlichen Punktauge schwarz oder 
theilweise grün; Scutellum mit einem mittleren linieiiförmigen Längs- 
eindrucke . . * 1.0. trilineata n. sp. 

5. (4.) Klein (1'4— 2'3 Mm.). Die Furche zwischen dem Netz- und 
seitlichen Punktauge gelb; Scutellum ohne Mittelfurche. 

3. 0. gallarum L. 

6. (3.) Mitteltibien am Beugerande mit einem schwarzen Längsstreifen. 
Mittelgross; Scutellum meistens nur vorne mit einer Mittellängslinie. 

2. 0. pulchra n. sp. 

7. (2.) Scutellum ohne Längslinien, oder nur mit Spuren der äusseren; 
kleinere Arten. 

8. (9.) Länge des Weibchens 2'4— 3, des Männchens 1*8 -2'7 Mm.; der 
Kopf im Leben ohne gelbe Linie, im Tode nicht eingeschrumpft; die 
Flügel, besonders beim Weibchen, mit Rauchflecken. 

4. 0. scianeurus Ratz. 

9. (8.) Länge des Weibchens 14— 2 3, des Männchens 12— 16 Mm.; der 
Kopf im Leben mit gelben Linien, im Tode stark eingeschrumpft; 
die Flügel ohne Rauchflecken .... 5. 0. lineaticeps n. sp. 

10. (1.) Tibien braun. Länge des Weibchens 16— 18 Mm.; Scutellum 
mit zwei feinen Längslinien 6. 0. obscuripes n. sp. 

i. OHnx trilineata nov. spec. 

Länge des Weibchens 4—4-6 Mm., des Männchens 3—4 Mm. Beim 
Weibchen ist das Endglied der Fühlergeissel (die zwei letzten mitsammen ver- 
waelisenen Glieder) kaum anderthalb Mal so lang als das vorletzte (dritte) 



Die Chalcidier-Gattung Olinx. 



159 



Geisseiglied oder nur wenig länger wie dieses, beim Männchen ist es fast 
immer kürzer als das vorletzte (vierte) Geisselglied. Die Furche zwischen dem 
Netzauge und dem seitlichen Punktauge ist schwarz, theilweise grün. Der 
Kopf ist bei todten getrockneten Stücken nie eingeschrumpft, auch die Augen 
sind nicht eingefallen. Das Scutellum hat jederseits eine durchlaufende Längs- 
linie und einen mehr oder weniger deutlichen mittleren linienförmigen Längs- 
eindruck, welcher beim Männchen viel öfter weniger deutlich ist als beim 
Weibchen. Die Vorderflügel haben bei den Weibchen an der Uebergangsstelle 
des R. humeralis in den R. marginalis meistens einen kleinen braunen Fleck, 
der beim Männchen undeutlich ist oder fehlt, ferner meistens eine rundliche 
bräunliche Wolke in der Verlängerung des länglichen Knopfes des R. stignia- 
ticus, welche aber den Männchen oft fehlt. Der Hinterleib nähert sich beim 
Weibchen der Kreisform und ist deutlich breiter als der Thorax. Die Tibien 
sind gelb und nur die Vordertibien haben am Beugerande einen schwarzen 
Längsstreifen. 

Diese Art, welche durch ihre bedeutende Grösse von den anderen Arten 
auffallend abweicht, lebt ziemlich häufig einzeln in den Gallen von Cynips 
caput Medusae, aus welcher ich 46 Stück erhielt, wobei ich aber die Vor- 
sicht gebrauchte, die Innengallen vorher auszulösen, weil sich die Thierchen 
aus den im Zimmer trocken aufbewahrten Gallen oft nicht durchbeissen können: 
die meisten Stücke erhielt ich kurz nach dem Erscheinen der Gallwespe, zu 
Ende Februar bis zum April, obschon ich auch Exemplare im darauffolgenden 
Winter und auch erst im Frühlinge des dritten Jahres (seit dem Erscheinen 
der Galle) erhalten habe. Seltner habe ich sie aus den Gallen von Cynips 
calicis, aber erst im Frühlinge des dritten Jahre?, erzogen" Aus den Gallen 
von Cynips glitt inosa erhielt ich zwei Stücke dieses Parasiten. Aus den 
Gallen von Aphilothrix gemmae erzog Herr Oberförster Wachtl zehn 
Exemplare im dritten Jahre vom Jänner bis zum August, auch Herr von 
Schlechtendal in Zwickau erzog einige Stücke und ich eines. Aus den 
Gallen von Aphilothr ix Sieboldi erhielt Herr Wachtl ein Stück im 
Sommer des zweiten Jahres. Aus solchen von Aphilothr ix Clement i na e 
erzog Custos Rogenhofer ein Stück, und ich eines im Februar des dritten 
Jahres. Aus Gallen von Aph. solit aria erzog ich ein Exemplar im März des 
zweiten Jahres und Herr Oberförster Wachtl aus jenen von Aph. albo- 
punctata, zwei Stücke im Februar des zweiten Jahres. Aus den eigenthüm- 
lich gebildeten (noch unbeschriebenen) Gallen von Aph. lucida an den 
Staubblüthenkätzchen erhielt ich zwei Stücke. Aus einer Galle von A ndri cu s 
quadril ineat us erzog ich ein Stück. 

Nees hat in Hvm. lehn. afF. Mon. II, p. 170 einen EulopJius gallarum 
beschrieben, von welchem ich nicht angeben kann, zu welcher Art er gehöre, 
obschon Nees denselben aus einer Galle von Ajjhilothrix gemmae erzogen zu 
haben angibt. Er führt nämlich an, dass er aus einer Galle viele Exemplare 
des Ealophus (nebst Eurytoma) erzogen habe, während Olinx trüineata nach 
meinen Erfahrungen stets einzeln in einer Galle lebt. 



160 



Gustav Mayr. 



2. Olinx ptilchra nov. spec. 

Länge der Weibchen und Männchen 2-4 — 2'8 Mm. (ein einziges unter 
vielen mir vorliegenden Weibchen misst nur T8 Mm.). Das Endglied der 
Geissei ist beim Weibchen fast doppelt so lang wie das vorletzte Glied, beim 
Männchen ist es nicht oder kaum kürzer als dieses. Die Furche zwischen dem 
Netzauge und dem seitlichen Panktauge ist schwarz und grünblau. Der Kopf 
ist im Tode nie eingeschrumpft, die Augen sind selten eingefallen. Das 
Scutellum hat jederseits eine durchlaufende Längslinie und einen meistens nur 
an der vorderen Hälfte des Scutellum deutlichen mittleren linienförmigen Längs- 
eindruck. Die Vorderflügel sind so wie bei der vorigen Art gebräunt, aber die 
Wolke in der Verlängerung des R. stigmaticus ist schmal und tritt mehr 
streifenartig auf. Die Form des Hinterleibes beim Weibchen ist ähnlich der der 
vorigen Ait. Die vier vorderen Tibien haben am Beugerande einen schwarzen 
Längsstreifen. 

Diese Art ist durch die constant viel geringere Grösse, durch die grössere 
Länge des Endgliedes der Geissei und die Färbung der Mitteltibien leicht von 
0. trilineata zu unterscheiden. 

Ich habe sie in grosser Anzahl aus den Gallen von Andricus aesti- 
valis im März d«s zweiten Jahres (Herr Wachtl im Februar) erzogen. Aus 
den Gallen von Spathegaster glandif ormis habe ich 21 Stück erzogen, 
welche ich für weniger gut entwickelte Exemplare dieser Art halte, sie sind 
kleiner als die aus A. aestivalis-G allen erzogenen und der Hinterleib ist mehr 
gestreckt. Jedenfalls sehe ich die in A. aestivalis lebenden als die Stammart an. 

3. Olinx gallarum Linne. 

Ichneumon gallarum Linne Faun. suec. Edit. altera p. 409, Nr. 1638. 

Länge des Weibchens P8— 2'3, des Männchens 1*4 — 1*7 Mm. Das End- 
glied der Geissei ist beim Weibchen so lang oder etwas länger als das vor- 
letzte (dritte) Geisselglied, beim Männchen ist es etwas länger als das vorletzte 
(das vierte) Geisselglied. Die Furche zwischen dem Netzauge und dem seit- 
lichen Punktauge ist gelb (aber bei Exemplaren mit eingeschrumpftem Kopfe 
oft nicht sichtbar). Der Kopf ist bei todten getrockneten Stücken oft ein- 
geschrumpft, so sind auch die Augen oft eingedrückt. Das Scutellum hat zwei 
Längslinien, welche öfters ziemlich undeutlich sind und erst bei richtiger Be- 
leuchtung deutlich sichtbar werden. Der Hinterleib ist beim Weibchen mehr 



Die Cbalcidier-Gatturig Olinx. 



161 



gestreckt, wie bei der vorigen Art, nicht breiter als der Thorax, öfters deutlich 
schmäler. Die Vorderflügel haben beim Weibchen meistens eine von der 
Uebergangsstelle 'des B. humeralis in den B. marginalis entspringende und 
gegen den Hinter- (Innen-) Eand des Flügels ziehende braune, etwas bogige 
Binde und einen vom R. stigmaticus ausgehenden braunen Fleck, welcher mehr 
als querbindenartiger oder als rundlicher Fleck auftritt. In weniger häufigen 
Fällen ist von diesen gebräunten Stellen nur ein kleiner Fleck am Ende des 
R. humeralis vorhanden und der Fleck am E. stigmaticus fehlt. Beim Männchen 
sind die Flügel ganz wasserhell oder wenig getrübt. Die Mitteltibien sind 
ganz gelb. 

Aus den Gallen von Andricus ramuli in grosser Anzahl vom Ende 
Mai bis anfangs Juli desselben Jahres erzogen. Aus den Gallen von Andricus 
amenti erhielt ich Ende Mai desselben Jahres zwei Stücke. 

Aus einer grösseren Zucht von A. ramuli-Gallen, aus welcher ich viele 
Stücke des Olinx erhielt, zeigt sich bei einem Dutzend Weibchen eine mehr 
oder weniger stark auftretende Verblassung der vorderen Hälfte des Körpers, 
welche damit beginnt, dass nur das Gesicht gelb ist, während bei den hellsten 
Exemplaren der ganze Kopf und der Thorax mit Ausnahme der Mittelbrust und 
des Metathorax gelb sind, und nur das Mittelstück des Mesonotum, die Achseln 
und das Scutellum mehr oder weniger grün angelaufen sind^ auch die vier vor- 
deren Beine haben an dieser Verblassung theilgenommen und sind fast ganz gelb. 
Solche Stücke haben mit Aulogymnus Aceris Forst., welcher in den Gallen von 
Bathyaspis Aceris parasitisch lebt und im April des zweiten Jahres ausfliegt, in 
Betreff der Farbenvertheilung viele Aehnlichkeit und zeigen auch dadurch in 
Anbetracht der Abwesenheit wesentlicher Gattungsunterschiede die ungemein 
nahe Verwandtschaft von Olinx mit Aulogymnus. 

4. Olinoc scianenrus Ratz. 
Eulophus skianeuros Eatzeb. lehn. d. Forstins. I. 1844, p. 164. 
Entedon scianeurus Ratz. lehn. d. F. II. 1848, p. 158, III, 1852, p. 205 
(theilweise). 

Olynx gallarum Forst. Hym. Stud. II. 1856, p. 74. 

Cyniphoctonus gallarum Eeinh. Berl. ent. Z. 1858, p. 22 (theilweise). 

Eulophus Euedoreschus Walk. Mon. Chalc. 1839, p. 188 (theilweise). 

Länge des Weibchens 2*4 — 3, des Männchens 18— 2 - 7 Mm. Das zwei- 
ringlige Endglied der Geissei ist beim Weibchen anderthalb- bis fast zweimal 

Z. B. Ges. B. XXVII. Ahh. 21 



162 



Gustav May r 



so lang als das vorletzte Glied, welches so laug als dick, oder wenig länger 
oder kürzer als dick ist; das einfache letzte Geisselglied des Männchens ist 
etwas länger als das vorletzte Glied. Die Furche zwischen dem Netzauge und 
dem seitlichen Punktauge ist dunkel gefärbt oder gelb. Die Querfurche hinter 
den Ocellen ist meistens gänzlich unsichtbar, manchmal aber doch recht deut- 
lich, obschon stets dunkel gefärbt. Der Kopf ist an todten getrockneten Stücken 
nicht eingeschrumpft, die Augen aber oft eingefallen. Das Scutellum hat ge- 
wöhnlich keine parallelen Linien, doch manchmal zeigen sich Spuren derselben. 
Die zwei bräunlichen Flecken an den Vorderflügeln sind klein oder fehlen, was 
besonders bei den Männchen oft der Fall ist. Der Hinterleib ist beim Weibchen 
ziemlich parallelrandig und nicht breiter als der Thorax. Die Bohrerklappen 
stehen fast immer mehr oder weniger vor und der Bohrer ist oft weit 
herausgestreckt, während bei den vorhergehenden Arten die Klappen nur mit 
ihrer Spitze aus dem Hinterleibe vorragen und der Bohrer nicht heraus- 
gestreckt ist. Die Mitteltibien sind ganz gelb, nur bei wenigen Männchen fand 
ich an der unteren Hälfte des Beugerandes der Mitteltibien eine schwarze 
Längslinie. 

Diese Art lebt in den Gallen von Anäricus terminales und fliegt 
im März und April des zweiten Jahres aus, bei Zimmerzuchten fliegt sie oft 
schon im December. Ein Weibchen fand ich, am 22. April 1874 eine junge, 
erst erbsengrosse A. terminalis-GaMe anstechend. 

Ich erhielt diese Art aus eben erwähnten Gallen, die ich in Nieder- 
österreich, Steiermark und Ungarn und Dr. Forel am Genfer See gesammelt 
hatten; Herr Senator v. Heyden erzog sie aus denselben Gallen, bei Frank- 
furt am Main gesammelt, Herr Walker sandte mir Stücke aus solchen in 
England gesammelten Gallen, als Eulophus Gallarum determinirt, und Herr 
Oberforstmeister Tischbein Stücke, welche von Ratzeburg als Entedon 
scianeurus bestimmt wurden. 

5. Olinx UneaUceps nov. spcc. 

Entedon sciancurus Hui:/., lehn. d. Forstins. III. 1852, p. 205 (theilweise). 
Cyniphoetotms gallarum Reinh. Berl, cnt. Z. 1858, p. 22 (theilweise). 

Länge des Weibchens 14 — 2 :i, des Männchens 12— I G Mm. Das End- 
glied drr Geilte! ist beim Weibchen zweimal so lang als das vorletzte Glied, 

irelehei io bog all dick oder etwti dickei als lang ist; beim Männchen ist das 



Die Chalcidier-Gattuug Olinx. 



163 



Endglied etwas länger als das vorletzte Glied. An den lebenden, frisch getödteten 
oder im heissen Wasser aufgeschw eilten Thierchen sieht man von jedem Fühler- 
gelenke eine gelbe Linie schief nach hinten und einwärts zur Mitte der Stirn 
gezogen, wo sich beide Linien vereinigen und von der eine einzige Linie in 
der Medianlinie der Stirn zum vorderen Punktauge zieht, daselbst gehen dann 
zwei Linien ab, indem eine gelbe Linie an jeder Seite nach aussen zum Innen- 
rande des Netzauges verläuft, an welcher Stelle auch eine gelbe Linie endet, 
welche querbogig hinter den Ocellen nach aussen zieht. Im getrockneten Zustande 
sind bei diesen Thierchen die eben besprochenen Linien meistens nicht oder 
nur theilweise zu sehen, weil der Kopf, diesen Linien entsprechend, einschrumpft, 
nur die hinter den Ocellen liegende Querlinie ist gewöhnlich deutlich als eine 
durch das Einschrumpfen entstandene scharfe, gelbe Scheitelkante zu erkennen. 
Das Scutellum hat keine parallelen Linien. Die Vorderflügel sind entweder ganz 
wasserhell oder haben bei Weibchen öfters dem R. stigmaticus zunächst einen 
kleinen bräunlichen Fleck. Der Hinterleib ist beim Weibchen mässig gestreckt. 
Die Bohrerklappen stehen öfters ziemlich weit heraus und an einem (erzogenen) 
Stücke tritt auch der gelbe Bohrer über die Spitze der Klappen hervor. Die 
Mitteltibien sind ganz gelb oder haben am Beugerande eine feine braunschwarze 
Längslinie. 

Aus den Gallen von Andricus crispator habe ich 68 Exemplare im 
März und April des zweiten Jahres erzogen. Aus den Gallen von Andricus 
curvator erzog ich in früheren Jahren 14 Stücke, doch nur an einem Stücke 
ist „Ende Mai" notirt, und ich glaube, dass der Olinx zur Flugzeit der Gall- 
wespe und nicht ein Jahr später hervorkam. Drei Stücke erhielt ich aus den 
Gallen von Spathegaster baccarum. Dieser Parasit kommt auch noch in 
anderen Gallenarten vor, doch habe ich nur einzelne Exemplare erzogen. 

Da ich nur die aus A. crispator-G&Wen erzogenen Stücke im lebenden 
Zustande genau untersucht habe, so betrachte ich diese als die typische Form. 

6. Olinx obscuripes nov. spec. 

Weibchen. Länge 1*6 — 1*8 Mm. Das erste Geisselglied ist nicht länger 
als das Wendeglied, das zweite etwa so lang als dick, das dritte dicker als 
lang. Die Furche zwischen dem Netzauge und dem seitlichen Punktauge ist 
dunkel gefärbt. Der Kopf schrumpft im Tode ein oder bleibt intact. Das 
Scutellum hat zwei feine Längslinien. Die Flügel sind wasserhell. Der Hinterleib 

21* 



164 



Gustav Mayr. Die Chalcidiev-Gattung Olinx. 



ist kaum oder wenig breiter wie der Thorax; die Bohrerklappen treten mehr 
oder weniger heraus. Die Beine sind dunkel, die Tarsen an der Basalhälfte 
mehr oder weniger gelb. 

Ich besitze nur drei Weibchen, welche ich vor mehreren Jahren aus Gallen 
von Andricus grossulariae erzog, und, obschon ich seither diese Gallen- 
art mehrmals in zahlreichen Stücken in Zucht hatte, erhielt ich kein weiteres 
Exemplar dieser Olinx. 



Coleopterorum species novae. 



Von 

Edmund Reitter 

in Paskau (Mähren). 



(Vorgelegt in der Versammlung am 4. April 1877.) 

Histeridae. 

1. Murmidius irregularis n. sp. 

Breviter ovalis, convexus, nitidus, ferrugineus, antennis pedibusque 
paululum dilutioribus , capite prothorace deme subtilissime punctatis, hoc 
antrorsum angustato, angulis anticis profunde excisis, linea impresso, submargi- 
nali nulla, punctis majoribus prope angulos anticos remotis intermixtis ; elytris 
castaneis, distincte irregulariter punctatis. Long. 1'2 Mm. 

Patria: Teapa. 

Dein Murm. ovalis Beck, in Grösse, Körperform und Farbe ähnlich, dem 
Halsschilde fehlt jedoch die leicht vertiefte Längslinie unweit dem Seitenrande; 
in der Nähe der zur Aufnahme der Fühlerkeule tief ausgeschnittenen Vorder- 
winkel befinden sich grössere, zerstreute Punkte zwischen der feinen Punktirung 
untermischt und die Flügeldecken haben keine Punktreihen, sondern sind ziem- 
lich dicht und deutlich irregulär punktirt. Die Oberseite hat eine höchst feine, 
kurze, fast staubartige Behaarung. Die zweite nordamerikanische Art hat eben- 
falls deutliche Punktreihen. 

Von Teapa; in meiner Sammlung. 

Nitidulidae. 

2. Brachypeplns (Tasmus) Haagi n. sp. 

Oblongus, subparallelus, postice paululum latior, crebre subtilius puncta- 
tus, subtiliter pubescens, lateribus ferrugineo ciliatis; elytris levissime striatis; 
nigro-fuscis, ore, thoracis lateribus elytrorum basi, antennis pedibusque piceo- 
rufis; subtus piceo-ferrugineis. Long, vix 4 Mm. 

Patria: Australia. 



166 



Edmund Reitter. 



Mit B. Macleayi zunächst verwandt, aber viel kleiner, die Seiten des 
Halsschildes sind vor den Hinterwinkeln deutlicher geschwungen ; von B. basalis 
durch die Färbung der Flügeldecken und der Beine abweichend. 

Von Queensland; durch Herrn Dr. Haag mitgetheilt. 

3. Conoteltis parvulus n. sp. 

Niger , nitidus, pedibus piceis , capite prothorace confertim subtiliter 
punctatis, elytris vix striatis, confertissime subtilissime punctulatis et subrugosis. 
Long. 2S Mm. 

Patria: Bogota. 

Die kleinste bekannte Art, meist substriatus und nitidus verwandt, von 
beiden jedoch durch den Mangel wirklicher Streifen auf den Flügeldecken 
abweichend. Der Hinterleib ist wie die Flügeldecken höchst subtil aber weit- 
läufiger punktirt, und hautartig genetzt. Die schwarze, feine Behaarung ist auf 
den Decken fast in Reihen geordnet. 

Von Herrn Dr. Haag mitgetheilt. 

4. Amartus (Heterhelus) morio n. sp. 

Piceo-niger, nitidus, einer eo-pubescens, confertissime subtiliter, sat 
profunde punetatus; prothorace lateribus leviter late rotundatis, medio haud 
angulatis, angulis posticis rectiusculis ; elytris prothorace latioribus et fere 
triplo longioribus ; antennis pedibusque rufo-testaeeis. Long. 2 Mm. 

Patria: Japonia. 

Ebenfalls dem A. Solani und dem Japonicus ähnlich, aber ganz braun- 
schwarz, mit tieferer Punktirung, das Halsschild ist etwas kürzer, die Flügel- 
decken etwas breiter als das letztere und bedeutend länger. Von angusiicollis 
durch Färbung, Grösse und breiteres Halsschild gut verschieden. 

Von meinem Freunde Hill er in Japan entdeckt. 

5. Amartus (Heterhelus) Japonicus n. sp. 

Fusco-testaceus, cinereo pubesecns, nitidulus, confertim subtüius puneta- 
tus; prothorace lateribus rotundatis, haud' subangulatis , angUlis posticis 
rectiusculis, elytris latis, prothorace minime latioribus et plus quam duplo 
longioribus. Long. 2 Mm. 

Var. b. Fuscus, antennis pedibusque rufo-testaeeis. 

Patria: Japonia. 

Dem Am. Solani Heer (Sambuci Er.) täuschend ähnlich, ganz ebenso 
punktirt und boliaart, aber die Flügeldecken sind etwas kürzer, und die Seiten 
fk's Halsschildes gleichmässig gerundet, in der Mitte keinen stumpfen Winkel 
bildend. 



Coleopterornm species novae. 



167 



Es kommt bei dieser Art auch eine dunkle Varietät vor, welche sich 
von rubiginosus Er. durch schmäleres, weniger gewölbtes Halsschild und durch- 
geh ends feinere Punktirung unterscheidet. 

Von Herrn Hill er in Japan entdeckt. 

6. Amartus (Heterhelus) angusticollis n. sp. 

Castaneo-fuscus, nitidus, einer eo-pubescens, confertim subtiliter elytris 
purum profunde punetatis, prothorace lateribus rotundatis, haud subangulatis, 
angulis posticis rectiusculis; elytris prothorace distinete latioribas et triplo 
longioribus; antennis pedibusque rufo-testaeeis. Long. 2' '8 Mm. 

Patria: Japonia. 

Dem pennatus Murray in Grösse und Körperform sehr ähnlich, aber 
dunkler, kastanienbraun, das Halsschild ist noch etwas schmäler, in der Mitte 
weniger stark gerundet und die Punktirung der Flügeldecken ist stärker 
und tiefer. 

Von Herrn Hill er in Japan entdeckt. Ein einzelnes Stück in meiner 
Sammlung. 

Ericmodes nov. gen. 

Sulci antennarii breves, convergentes. Labrum transversum, integrum. 
Mandibulae apice bicuspi. Steinum simplex. Prothorax leviter transversus, 
lateribus rotundatus, crenatus, dorso multum foveolato. Elytra elongata, apice 
singulim, subacuminate rotundata, supra inaequalia, subirregularitei- striato- 
punctata. Coxae anticae cylindricae, reeeptae. Tibiae muticae. Tarsi 5articu- 
lati, leviter dilatati, articulo 4° minuto. Corpus elongatum, minus convexum, 
tenuiter pubescens. 

Körper länglich, ziemlich gleichbreit, wenig gewölbt, mit feiner Pubescenz 
bekleidet. Fühler viergliedrig, von der gewöhnlichen Form der Nitiduliuen, mit 
dreigliederiger, länglicher Keule. Die Fühlerrinnen kurz aber deutlich, conver- 
girend. Die Lefze sehr breit, in der Mitte kaum ausgerandet. Die Mandibeln 
mit zweizahniger, ziemlich schwarzer Spitze. Die Maxillartaster mit etwas ver- 
dicktem Gliede, dieses wenig länger als breit. Die Lippentaster schwach verdickt, 
Kopf schmäler als das Halsscbild, ziemlich dreieckig, zwischen den Fühler- 
wurzeln eingedrückt, die Augen rund. Halsschild fast von der Breite der Flügel- 
decken, oder etwas schmäler; ober der Mitte am breitesten, breiter als lang, 
der Vorderrand gerade abgestutzt, oben mit mehreren flachen Gruben, die Seiten 
schwach gekerbt. Schildchen deutlich, schwach quer, fünfeckig. Flügeldecken 
an der Spitze einzeln, neben der Naht etwas gespitzt abgerundet, den Hinter- 
leib vollkommen bedeckend; Oberseite uneben, gewöhnlich von dicht in ein- 
ander verflossenen starken Punktreihen durchzogen. Die Vorderbrust einfach, 
die Prosterumspitze hinter den Vorderhüften wie bei Omosita und Epuraea 
verflacht. Schienen ziemlich schmal, ganz unbewehrt, gegen die Spitze sehr 
schwach verbreitert, mit sehr kleinen Enddörnchen. Füsse fünfgliedrig, die drei 



168 



Edmund ßeitter. 



ersten leicht erweitert, das vierte klein; Klauen einfach. — Diese neue Gattung 
der Nitidulinen gehört in die erste Gruppe, mit einfacher Vorderbrust und 
kommt vor Perilopa zu placiren. Die chilenischen Arten derselben erscheinen 
in den Sammlungen als fragliche Synchita - Speeles , denen sie in der That 
recht ähneln. 

7. Ericmodes synchitoides n. sp. 

Elongatus fusco-ferrugineus, nitidus, tenuiter pubescens ; capite prothorace, 
que crebre punetatis, hoc leviter transverso, obsolete 5foveolato , foveolis tribus 
dorsalibus, (una paulo ante medium, duabus ante basin positis), una utrinque 
sublaterali, angulis anticis haud produetis, posticis obtuso-rectis; elytris oblongis, 
pone medium levissime ampliatis, crebre sat profunde striato-punetatis, striis 
valde approximatis, apice tenuioribus, dorsalibus inaequaliter confluentibus. 
Long. 4—4'5 Mm. 

Patria: Chili. 

Einfarbig braunlich rostroth, nur die Augen schwarz. Die Seitenränder des 
Halsschildes mit sehr kleinen, nicht dicht gestellten kerbartigen Zähnchen; die 
Scheibe mit fünf seichten, manchmal ziemlich tiefen Gruben, wovon sich eine 
ober der Mitte des Halsschildes, zwei vor dem Hinterrande und je eine an den 
Seiten befindet. Neben dem Seitenrande ist die Scheibe schwach längs vertieft. Die 
Flügeldecken mit kräftigen sehr genäherten Punktstreifen, welche eine ungleich- 
mässige Oberfläche darbieten, indem dieselben überall, namentlich auf der 
Scheibe unregelmässig in einander verfliessen. 

Diese Art ist in den Sammlungen die verbreiteste. 

Ericmodes fiiscittirsis n. sp. 

Elongatus, nitidus, tenuiter pubescens bruneo-ferrugineus, oculis nigris, 
antennarum clava tarsisque leviter infuscatis; capite prothoraceque crebre 
punetatis, hoc leviter transverso, obsolete 8 foveolato, foveolis quatuor dorsalibus 
et duabus sublateralibus, linea longitudinali obsolete subelevata in medio in- 
strueta, angulis anticis haud produetis, posticis obtuso-rectis; elytris oblongis, 
pone medium levissime ampliatis, crebre regulariter et sat profunde striato- 
punetatis, striis crenatis approximatis, vix confluentibus, apicem versus tenui- 
oribus, supra ante medium et ante apicem dislincte oblique impressis. Long. 5 Mm. 

Patria: Chili. 

Der vorigen Art täuschend ähnlich, aber ein wenig grösser, heller 
gefärbt, die Tarsen und die Flügelkeule schwach gebräunt, die Mitte des Hals- 
schildes hat einen obsoleten Längskiel, daneben gruppiren sich regelmässig 
gestellt jederseits zwei Grübchen und zwei weitere stehen unfern dem Seiten- 
rande. Die Flügeldecken sind durch einen schräg gestellten Eindruck vor der 
Mitte und knapp vor der Spitze uneben, die Punktstreifen sind gleichmässig 
und nicht in einander verflossen. 

In der Sammlung de« Herrn Jekel in Paris. 



Coleopterorum species novae. 



169 



8. JLasiodactylus attenuatus n. sp. 

Ovatus, subdepressus, apice valde attenuatus, pubescens, testaceo-brunneus, 
elytra fusca, macula magna basali semilunari et macula minore, transverse 
ovali in medio sita lateribusque testaceo brunneis. Long. 5 — 6 Mm. 

Patria: Dorey. 

Eiförmig ziemlich niedergedrückt, fein gelbgrau behaart, gelbbraun, die 
Flügeldecken, schwarzbraun, der Seitenrand, eine grosse gemeinschaftliche halb- 
kreisförmige Mackel an der Basis und eine kleinere, querovale in der Mitte 
über der Naht, welche gewöhnlich mit der grösseren in Verbindung steht, 
gelbbraun. Manchmal ist auch die Fühlerkeule gebräunt, häufig sind auch einige 
dunkle Flecken auf dem Halsschilde, selten in der grossen Basalm ackel auf 
den Flügeldecken sichtbar. Kopf mit zwei Eindrücken und sowie das Halsschild 
sehr gedrängt punktirt. Das letztere an der Basis von der Breite der Flügel- 
decken nach vorne gerundet verengt, mehr wie doppelt so breit als lang, die 
Seiten kaum aufgebogen. Schildchen dicht und fein punktirt. Flügeldecken von 
der Basis gegen die Spitze stark verschmälert, wie bei keiner andern mir 
bekannten Art, dicht punktirt gestreift, die Zwischenräume schmal, fein gestreift 
und in Reihen behaart, vor der Spitze jederseits ausgerandet, an der Basis in 
der Mitte mit einem kurzen Basaleindruck. 

Bei dem Männchen sind die Schienen einfach, nur kräftiger als beim Q, 
das Pygidium aber an der Spitze tief ausgerandet, so dass es in zwei Spitzen 
endiget; bei dem 9 ist es einfach zugespitzt. 

Von Herrn Dr. G. Haag eingesendet. 

9. Camptodes trilineatus n. sp. 

Convexus, subquadratus, nitidus, niger, protliorace lateribus elytrisque 
rufo-flavis, his obsoletissime substriatis, interstitiis subtilius vix seriatis puncta- 
tis, vitta dorsali et vitta communi suturali nigris, vittis antice apiceque 
abbreviatis; unguiculi dentati. Long. 6 Mm. 

Var. b. Prothorace macula transversa ante scutellum rufa. 

Patria : Brasilia. 

Eine neue Art aus der Verwandtschaft des vittatus und phaleratus Er.; 
von derselben Körperform, die feine Punktirung auf den Flügeldecken ist aber 
nirgends gereiht und durch die Färbung abweichend. 

Die Unterseite ist sammt Fühlern und Beinen schwarz, dicht punktirt 
und dicht, ziemlich lang weiss behaart. Der umgeschlagene Rand des Hals- 
schildes und der Flügeldecken ist gelbroth. Der Kopf, das Halsschild bis auf 
den breiten gelbrothen Seitenrand und das Schildchen schwarz; die Flügeldecken 
gelbroth zusammen mit drei breiten, schwarzen Längsstreifen, welche weder 
die Basis noch die Spitze erreichen. Je einer steht jederseits auf der Mitte der 
Scheibe, die dritte auf der Mitte der Naht. 

Eine durch die Färbung schon sehr leicht kenntliche Art. 

Ist vor plagiatus Er. in meiner Bestimmungstabelle einzureihen. 

Von Herrn Dr. G. Haag gütigst eingesendet. 

Z. B. Ges. B. XXVII. Ahh. 22 



170 



Edmund Reitti 



10. Camptodes adustulus n. sp. 

Breviter ovatus, convexus, rufo-ferrugineus, nitidus, capite prothorace 
sübtilissime punctatis, elytris substriatis, interstitiis sat parce sübtiliter puncta- 
tis, Stria suturali haud impressa; elytris apice obsolete nigro-fuscis aut tenuiter 
nigris; pygidio subtiliter punctidato; unguicidis vix dentatis. Long. 4' 5 Mm. 

Patria: Mexico. 

Dem C. communis recht ähnlich, aber Kopf und Halsschild gleichmässig 
und sehr fein, die Zwischenräume der höchst subtilen Streifen auf den Flügel- 
decken nur wenig stärker, das Pygidium wieder feiner punktirt. Die Spitze der 
Flügeldecken ist mehr oder minder deutlich, bald stärker, bald schwächer 
schwärzlich gefärbt. Die dunkle Färbung ist in der Regel schmal, transversal. 
Nahtstreifen nicht vorhanden. Klauen einfach. 

"Wurde von Herrn D. Bilimek in Mexico gesammelt. 

11. Strongyltis ruber n. sp. 

Breviter ovatus, valde convexus, rubro-ferrugineus, nitidissimus, antenna- 
rum clava nigro-fusca; capite prothorace dense sübtilissime punctatis, elytris 
distincle striato-punctatis, apice singulim rotundatis, pygidium partim öbte- 
gentibus; prost ernum carinatum. Long. 3' 5 Mm. 

Patria: Bogota. 

Mit S. pallodoides m. zunächst verwandt, aber glänzender, dunkler braun- 
roth. Die Fühlerkeule braunschwarz. Die Mandibeln nicht vorragend. Kopf, 
Halsschild und Schildchen sehr fein und dicht punktirt. Flügeldecken an der 
Spitze einzeln abgerundet, das Pygidium nur zur Hälfte bedeckend, aber ziem- 
lich kräftig gestreift-punktirt, die Zwischenräume breit, äusserst fein, schwer 
sichtbar zerstreut punktirt. Prosterum fein gekielt. 

Von Herrn Dr. G. Haag eingesendet. 

12. Amphicrossus punctulatus n. sp. 

Suborbicularis, convexus, subtus fusco-fcrrugineus, supra fuscus, aeqaa- 
Wer confertissime subtilissimeaue punctulatus, dense breviter jwbescens, püis 
sublongioribus seriatis paullo errectis intermixtis, lateribus dihitioribus. Long. 
B'5 Mm. Mas. Yasciculo tenuissimo pilorum fulvorum prope suturam ■paullo 
ante elytrorum medium silo notatus; fasciculis subdistantibus. 

Patria: Sarawak. 

Dem A. Japonicus tu. täuschend ähnlich, ebenso gefärbt und punktirt 
und behtart, aber noch etwas kleiner, <li(! Wurzel der Decken ist aber nicht 
lichter gefärbt and durch die Geschlechtaauezeichnung des Männchens abweichend. 
Bei denwelben ist. dei llinterrand des vorletzten Bauchringes gerade, entsendet 
also nicht wie bei JapOMÜiUt ein dreieckiges Zähnehen gegen das letzte Bauch- 
s-egment; in der Aushöhlung <les letzteren tritt wie gewöhnlich in Form eines 



Coleopterorum species novae. 1 < 1 

Halbkreises ein sechstes Bauchsegnientchen hervor. Ferner ist der Haarpinsel, 
obgleich ebenso situirt, länglicher, kürzer und nicht ganz an der Naht stehend, 
sondern von dieser etwas entfernt. 

Aus der Collectiou von Wallace stammend; von Herrn Dr. Haag 
mitgetheilt. 

13. Cryptarcha uniformes n. sp. 

Oblongo-ovata, nitidula, tenuiter fulvo-pubescens, rufo-testacea, capite. 
clava antennarum subiafuscatis; prothorace transverso, antrorsum rotundatim 
angustato, dense subtüiter punctato; elytris subtilissime seriatim punctatis et 
pubescenSj interstitiis latis, vix punctatis subelutaceis. Long. 4 Mm. 

Patria: Bogota. 

Der G. circelaris Er. äusserst ähnlich aber weniger breit, der 'Kopf und 
die Fühlerkeule sind leicht gebräunt, das HaUschild ist ähnlich geformt und 
ebenso punktirt, die Flügeldecken haben aber sehr feine Puuktreihen, deren 
Zwischenräume breit und kaum punktirt sind. 

Kommt vor striato-punctata Ettr. in meiner Bestimmungstabelle zu stellen. 

Von Herrn Dr. G. Haag eingesendet. 

14. Ipsimorpha *) Schaum i n. sp. 

Oblonga, sat depressa, nitida, testacca, subtus piceo ferruginea, antenua- 
rum basi pedibusque testaceis; proilwrace longitudine indistincte latiore, dense 
subtilissime punctulato, lateribus subrependus basin versus angustato, angulis 
anticis rotundatis, xjosticis valde obtusis; elytris subtüiter striato-punctati*. 
Long. 3'2 Jim. 

Patria: Columbia. 

Etwas grösser und viel flacher als J. (Rhizophagus) humeralis Fairm. 
ockergelb, die Fühlerkeule und die Unterseite mit Ausnahme der Beine dunkel 
rostfarbig. Kopf nur wenig schmäler als das Halsschild und wie dieses sehr 
fein und dicht punktirt. Das letztere undeutlich schmäler als die Flügeldecken, 
gegen die Basis ziemlich stark verengt und zwar ist der Seitemand, namentlich 
gegen die Hinterwinkel bemerkbar wellenförmig geschlängelt. Die Yorderwinkel 
sind abgerundet, die hinteren sehr stumpf. Die grösste Breite desselben liegt 
im oberen Drittel. Flügeldecken dreimal so lang als zusammen breit, oben 
gestreift punktirt, die Streifen an den Seiten viel feiner und an der Spitze 
allmälig verschwindend. Die Zwischenräume ziemlich breit, gleichmässig. Die 
Fühlerkeule sehr kräftig abgesetzt. 

Aus der ehemaligen Sc haum'schen Sammlung; in meinem Besitze. 

15. l2)simorpha Scribae n. sp. 
Oblonga, subparallela depressa, nitida, piceo- ferruginea, antennis pedibus 
elytrisque paullo dilutioribus, prothorace leviter transverso, subtüiter irunctato, 
basin versus minus angustato, angulis anticis subrotundatis, posticis minutis, 

*) Reitter, System. Eüitheil. d. Nitidularien. Brünn 1873, p. 1G5. 

22* 



172 



Edmund Reitter. 



rectiusculis ; elytris prothorace haud latioribus, subtiliter striato-punctatis, 
interstitiis Cercatius parce siibtilissime punctulatis. Long. 3'5 Mm. 
Patria: Venezuela. 

Der vorigen Art ähnlich, aber mehr gleichbreit, kastanienbraun mit etwas 
helleren Fühlern, Beinen, Flügeldecken. Das Halsschild ist deutlich quer, im 
oberen Viertheil am breitesten, die Hinterecken als eine kleine rechtwinkelige 
Kante jederseits an der Basis vorragend. Die Flügeldecken sind kaum dreimal 
so lang als zusammen breit. Fühlerkeule mässig stark abgesetzt. 

Von Venezuela; von Herrn Decan Scriba in Wimpfen erhalten und 
denselben zu Ehren benannt. 

Trogositidae. 

16. Airora 1 ) aequalis n. sp. 

JElongdta, cylindrica, nigra aut pieeo-castanea, nitida, subtus cum 
antennis pedibusque fusco-ferrugineis; capite remote punetato, margine medio 
antice depressa; prothorace elongatim quadrato, sat dense fortiter punetato; 
elytris aequaliter punetato-striatis, striis apice paulo tenuioribus, interstitiis 
angustis, aequalibus, uniseriatim punctulatis; tibiis subrectis. Long. 6 Mm. 

Patria: California. 

Wegen der gleichmässigen Punktstreifen auf den Flügeldecken mit 
A. procera Rttr. und cylindrica Serv. verwandt, aber doppelt kleiner noch als 
die letztere, die Zwischenräume sind aber nur mit einer feinen Punktreihe 
besetzt und der Nahtstreifen ist nur wenig stärker als die ferneren eingedrückt. 

Von Herrn Dr. C. Dohm eingesendet; ist angeblich aus Californien. 

17. Tenebrioides lineolata n. sp. 

Elongata, sat depressa, pieeo-nigra, fere opaca, subtus castanea, anten- 
nis jjedibusque piceo -ferrugineis ; capite thoraceque crebre fortiter punetatis, 
punetis plus minusve oblongis; hoc transverso, basin versus angustato, lateribus 
suberenatis , angulis anticis produetis, posticis aeuto-rectis; linea marginali 
ante scutellum interrupta; elytris pone medium minime subampliatis, striato- 
punctatis et lenuiter elevato-lineolatis, interstitiis sat latis, aequalibus, sub- 
tilissime biscriatim punctulatis ; prost ernum grosse punetatum. Long. 10 5 Mm. 

Palria: Columbia. 

Ist neben T. opaca Rttr. einzureihen. Unterscheidet sich von derselben 
durch die Seulptur der Flügeldecken. Diese sind gestreift punktirt; knapp 
neben den Punktstreifen befindet sich je eine feine erhabene Längslinie, die 
/v i cheorftume sind, wie gewöhnlich, mit zwei feinen Punktreihen besetzt. 

Von Ocaffa, durch Herrn E. Steinheil eingesendet. 

') Silin- FerbftodL dM NuturforHcbondon V«roin«H in JJrünii. XIV, p. I. 



Coleopterorum species novae. 



173 



18. Ancyrona extensa n..sp. 

Oblonga, subparallela, depresso flavo-pubescens, fusca, lateribus corporis, 
subtus cum antennis pedibusque ferrugineis; capite prothorace fortiter puncta- 
tis; hoc valde transverso, antrorsum angustato, areolis oblongiuscidis dorsalibus 
depressis, impunctatis inderminate instructis , angiüis anticis prominidis; 
scutellum vix punctato, ferrugineo; elytris crebre punctato-striatis, striis valde 
approximatis, interstitiis angustissimis, subaequalibus , dorso utrinque oblique 
obsoleteque biimspresso, sutura ferruginea. Long. 4' 7 Mm. 

Patria: Bogota. 

Von den bekannten Arten durch die längliche Gestalt abweichend. Der 
Käfer ist dunkel rostbraun, der Mund, alle Ränder des Körpers, das Schildchen 
und die Naht der Flügeldecken, Unterseite sammt Fühlern und Beinen rostroth. 
Die Punktirung auf dem Halsschilde lässt drei breite, glatte Längsrunzeln über 
der Mitte, gegen die Basis zu von derselben frei; diese sind nach vorne zu 
abgekürzt. Die Flügeldecken sind sehr gedrängt und deutlich punktirt gestreift, 
die Zwischenräume sind mit einer ebenso starken Punktreihe besetzt, wesshalb 
die Flügeldecken durchaus einförmig gestreift erscheinen. Die Behaarung ist 
gelblich, wenig dicht; die Seiten des Körpers sind mit spärlichen Härchen 
befranst. 

Von Herrn Dr. Haag eingesendet. 

Peltostoma nov. gen. 

Clypeus apice truncatus, frons inter oculos inpressa. Mandibulae vix 
prominentes. Antennae decemarticulatae, clava triarticulata. Palpi maxillares 
elongati. Thorax valde transversus, antice truncatus, angulis rotundatis> 
lateribus crenatis. Prosternum inter coxas tenuissime eleratum. Tibiae sub- 
linearae , extus breviter inaequaliterque spinulosae , anticae apice in dentem 
productae. Tarsi omnes elongati, articulis sensitn majoribus, unguiculi magni, 
intus fortiter unidentati. 

Ganz von der Körperform von Micropeltis und Ostomodes , aber wegen 
den zehngliederigen Fühlern zwischen Ancyrona und Leptonyxa einzureihen. 
Die Fühler haben eine dreigliedrige Keule. Die Kiefertaster sind verlängert, 
mit gestrecktem linearen Endgliede. Oberkiefer nicht vorragend. Halsschild 
wie bei Ostomodes, die Seiten jedoch gekerbt. Schildchen leicht quer, fast 
halbrund. Flügeldecken in sehr gedrängten, undeutlichen Reihen stark punktirt. 
Schienen fast linear, an der Aussenkante unregelmässigen, sehr kurzen, auf 
den Vorderschienen deutlicheren Dörnchen besetzt, an der Spitze aussen in 
einen Zahn endigend. Füsse die Hälfte der Schienenlänge überragend, die 
Glieder allmälig länger werdend, das Klauenglied das längste. Die Klauen 
gross, immer mit einem gestreckten sehr deutlichen Zahne. 



174 



E diu und Kei tter. 



19. Peltostoma unguicularis n. sp. 

Fusco- picea, elytris fusco - testaceis, antennis pedibusque testaceo-rußs, 
longius errecte griseo pilosis, capite sparsin punctato, prothorace valde trans- 
versa, confertim fortiter sed minus profunde, in medio parce subtiliter punctato, 
lateribus rotundatis, antrorsum paulo magis angustatis, angulis rotundato- 
obtusis, anticis haud prominulis, elytris seriatim crebre grosse punctatis, striis 
valde approximatis. Long. S Mm. 

Patria: Chili. 

Die Punktreihen der Flügeldecken werden gegen die Spitze und an den 
Seiten feiner. 

In meiner Sammlung. 

Ostomodes nov. gen. 

Clypeus apice truncatus. Antennae 11 articulatae, clava triurticulata. 
Prothorax coleopteris parum angustior, transversus ; antice basique fere trun- 
catus, angidis fere rotundatis, haud productis, lateribus serrulatis. Prosternum 
inter coxas anticas tenuissimis. Coxae simplicae. Tibiae fere muticae. TJngui- 
culi haud dentati. 

Diese neue Gattung kommt unmittelbar neben Micropeltis zu stehen, 
der sie sehr verwandt ist. Sie entfernt sich von derselben durch die einfachen, 
nicht gezahnten Klauen und die Sculptur der Oberseite. Diese besteht aus 
einfacher grober verworrener Punktirung, während die Flügeldecken bei Micro- 
peltis entweder Punktreihen besitzen oder mit in Reihen gestellten Tuberkeln 
geziert sind. Die Stirn ist zwischen den Fühlern tief, quer eingedrückt. 
Körperform mit Micropeltis übereinstimmend. 

20. Ostomodes Dohmi n. sp. 

Rufo-testaceus , tenuiter breviterque fulvo-pubescens et pilis longioribus 
errectis intermixtis; capite prothoraceque parce subtiliter punctatis, hoc capite 
latiore, valde transversa, antice basique subtruncato, antrorsum parum angu- 
stato, lateribus subreflexis, serrulato, angidis anticis haud productis et posticis 
fere rotundatis; scuteüo subtransverso, vix evidenter punctato ; elytris prothorace 
parum latioribus, confertissime foveolalim punctato, lateribus subtilissime serru- 
lato et tenuiter marginato. Long. 3 5 Mm. 

Palria: California. 

Von der Gestalt einer länglichen Peltis. Rüthlich braungelb, ziemlich 
glänzend, spärlich und fein gelblich behaart und überdies mit langen ver- 
einzelten und aufstehenden Haaren, besonders in der Nähe des Seitenrandes 
besetzt. Der Kopf ist halb so breit als das Halsschild, massig fein und nicht 
dicht punktirt. Die Stirn Ist zwischen den Fühlerwurzeln tief, quer eingedrückt. 
Die Fühler den Hinterraud des Halsschildes nicht erreichend, die dreigliedrige 
Keule gut abgesetzt. Augen rund, gross, vorstehend, schwarz. Halsschild etwas 
BChmllei als die Flügeldecken, 27att&] so breit als lang, der Vorderrand gerade 



(>lenpterornm species novae. 



175 



abgestutzt*, die Scheibe schwach gewölbt, massig fein und nicht dicht punktirt, 
die Seiten nach vorne etwas verengt, schwach abgesetzt und aufgebogen, fein 
sägeartig gezähnelt, die Yorderwinkel nicht vorragend und sowie die hinteren 
fast abgerundet. Schildchen deutlich, quer fünfeckig mit verrundeten Kanten, 
undeutlich punktirt. Flügeldecken sehr dicht, fast grubenartig, verworren 
punktirt, die Seiten schmal abgesetzt und sehr fein gesägt. Unterseite mit der 
oberen gleichfarbig, die Schienen äusserst undeutlich und spärlich bedornt, die 
Füsse ziemlich lang, das zweite bis vierte Fussglied unter sich gleichlang, das 
Klauenglied fast von der Länge der vorhergehenden zusammen, Klauen gross, 
einfach. 

Aus Califomien; ein schönes Exemplar in der Sammlung des Herrn 
Dr. Dohrn. 

21. Micvopeltis inaequnlis n. sp. 

Fusco-ferruginea, tenuiter flavo-pubescens, capite prothorace grosse sed 
minus profunde punctatis, hoc antrorsum angustato, lateribus flavo-marginatis, 
margine distincte serrulato , elytris dense fortiter inaequaliterque punctatis, 
nigris, margine laterali tenue, vitta arcuata prope basin connexa et macida 
transversa communi ante apicem flavis; subtus ferrugiuea, antennis pedibus- 
que rufo-testaceis. Long. 2 6—3 Mm. 

Patria: Chili. 

Von den bekannten Arten durch die verworrene Punktirang der Flügel- 
decken und die Färbung abweichend. Der Käfer ist rostbraun, die Unterseite 
etwas heller, Fühler und Beine gelbroth, der breite Seitenrand des Halsschildes, 
der schmälere der schwarzen Flügeldecken, dann eine bnchtige langgestreckte 
Mackel auf der Scheibe jeder einzelnen Decke, welche sich an der Naht 
berühren und ein querer, gemeinschaftlicher, lappiger Flecken vor der Spitze 
bräunlichgelb gefärbt. 

Von Herrn Jekel in Paris eingesendet. 

22. Xosodes spinifera n. sp. 

Oblongo-quadraia, scabra, opaca, nigra, subtus cum antennis pedibusque 
fusco- ferrugineis , supra tubcrculatis , tuberculis omnis spiniformibus ; pro- 
thorace margine antice, dorso biseriatim tuberculato, tuberculo unico utrinque 
in medium instructo ; elytris tenuiter elevatim punctato-striatis, dense seriatim 
tiiberculatis, tuberculis valde elevatis, spinosis; suturali parvis. Long. 6 Mm. 

Patria: Cap. bonae spei. 

Viel kleiner als N. africana; ausgezeichnet durch die gerade empor- 
gerichteten, hohen dornförmigen Tuberkeln. Auf der Scheibe des Halsschildes 
bilden sie zwei Längsreihen, ebenso ist der mittlere Theil des Vorderranties 
von denselben besetzt und ausserdem befindet sich in der Mitte jederseits näher 
gegen die Seiten zu gelegen ein Höckerchen. Die Flügeldecken haben dichte 



176 



Edmund Reit.ter. 



Reihen von ebensolchen Höckern; dieselben sind ebenso gross als jene des 
Halsschildes, nur die Reihe jederseits neben der Naht besteht aus viel kleineren 
Erhabenheiten. 

In der Sammlung des Herrn E. vom Bruck. 

Cucujidae. 

23. Catogenus planus n. sp. 

Elongatus, subparallelus , nitidus, obscure castaneus , planus; capite 
punctato, haud canaliculato, sulcis duobus brevibus antice insculptis, antennis 
valde elongatis, nigropiceis, articulis oblongis, extus apice subincrassatis ; pro- 
thorace subquadrato, aequdliter punctato, lateribus subrectis, postice arcuatim 
subito angustatis, angulis posticis rectis, infra fortiter plicatis, elytris disco 
profunde 7 striatis. Long. 14 Mm. 

Patria: Mexico. 

Von dem mexicanischen C. longicomis Grouvelle durch die niedergedrückte, 
platte Körperform und die Färbung abweichend. 

Von Herrn Dr. Haag freundlichst mitgetheilt. 

24. Laemophloeus Hilleri n. sp. 

Mufo-testaceus, gldberrimus, nitidus, sat dense punctulatus, fronte apice 
emarginata et utrinque subsinuata, medio haud canaliculata, prothorace trans- 
verso, depresso, antice basique aequdliter subangustato, utrinque unistriato, et 
prope lateribus ante medium subfoveolato, lateribus subrepend (aut levissime 
fere subtrisinuato) , angulis posticis rectiusculis, anticis subacutis extrorsum 
productis; scutello breviter triangulari; elytris ovalibus, depressis, subtiliter 
pmnctato-striatis, stria submarginali obsolete costata; antennis elongatis, arti- 
culis ultimis paululum majoribus, omnibus oblongis. Long. 2'2 Mm. 

Patria: Japonia. 

Dem L. laevior Rttr. von Japan täuschend ähnlich, aber die Fühler sind 
länger, drei Viertheile des Körpers erreichend, die einzelnen Glieder gestreckt, 
die Keule wenig abgesetzt, lang, die Seiten des Halsschildes sind nach vor- 
Dnd rückwärts gleich, aber im Ganzen wenig verengt, der Seitenrand ist 
schwach geschlängelt und bildet gewöhnlich drei undeutliche Buchten, die 
Vorderecken sind zugespitzt und treten nach vor- und auswärts deutlich vor, 
und die Flügeldecken sind einfach und ziemlich dicht und fein punktirt gestreift. 

Von meinem Freunde Hiller in Japan entdeckt. 

25. Platatn/UB humeralls n. sp. 

Nigfo- piceus, BÜbdepressus, nitidus, temdter fidvo-pubescens, antennis 
rufii C" n icido & et 5 leviter infuscatis), capite subtiUssime punctato, utrinque 
obsolete longilwlitmliier impresso, angulis pone oculos prominulis ; prothorace 



Coleopterorum species novae. 



177 



subtransverso, basin versus leviter angustato, confertim punctato et utrinque 
obsolete biimpresso, lateribus denticulatis; elytris striato-punctatis, pubescens, 
striis apicem versus subevanescentibus, plaga humer tili fusco-testacea; pedibus 
obscure-ferrugineis, femoribus infuscatis. Long. 3' 7 Mm. 
Patria: Columbia. 

Dem P. Schaumi Grouvelle recht ähnlich, aber kürzer, mehr nieder- 
gedrückt, schwarz, die Flügeldecken mit einem grossen braungelben Schulter- 
fiecken. 

Muzo; von Herrn Ed. Steinheil eingesendet und in dessen Sammlung. 

Platamops nov. gen. 

Maxillae liberae, Antennae 11 articulatae, apice sensim vix evidenter 
incrassatae, articulo primo simplici, haud elongato. Palpi maxillares articulo 
ultimo securiformi. Prothorax suboblongus, ante basin leviter constrictus, 
lateribus obtuse denticulatus et pilosus. Scutellum minutum. Elytra oblongo- 
ovales, apice rotundata, vix seriatim punctata. Coxae anteriores approxi- 
matae. Tarsi 5 articulati, simplices, articulo primo oblongo, tertio leviter lobato. 

Diese neue Gattung ist mit Parabrontes und Platamus verwandt, nament- 
lich der ersteren sehr ähnlich, aber die Fühler haben ein kürzeres erstes Glied, 
welches nur so lang ist, als das dritte, und die Füsse sind deutlich fünfgliedrig 
mit ziemlich langem ersten Gliede, das dritte ist schwach gelappt, das vierte 
am kleinsten. Von Platamus entfernt sie sich ebenfalls hauptsächlich durch 
das kurze erste Fühlerglied und die gestreckten Füsse. 

26. Platamops decoratus n. sp. 

Piceo-niger, longius erecte nigro pilosus, capite prothorace vix angustiore, 
hoc latitudine parum longiore, fusco-ferrugineo, ante basin transversim impresso, 
constricto, subcordato, lateribus obtuse denticulatis, nigro-pilosis, dorso confertim 
subrugoso-punctato, linea media longitudinali sublaevi; elytris thorace latiori- 
bus, oblongo-ovalibus, subtiliter irregulariterque punctatis et errecte pilosis, fasciis 
duabus transversis, sutura, basi apiceque ferrugineis, antennarum basi tarsisque 
rufis. Long. 4'2 Mm. 

Mas. Prothorace magis oblongo. 

Patria: Columbia (La Luzera). 

Der Kopf sammt den stark vorspringenden Augen von der Breite des 
Halsschildes, dicht punktirt, braunschwarz, mit zwei queren, flachen Ein- 
drücken zwischen den Fühlerwurzeln. Die Fühler an den Seiten, unter dem 
Rande vor den Augen eingefügt, llgliedrig, die Basis des Halsschildes über- 
ragend, braun mit hellen Wurzeln, die einzelnen Glieder sehr wenig gegen die 
Spitze breiter werdend, das erste Glied nur wenig dicker und länger als das 
dritte oder vierte; das zweite klein. Das Halsschild beim cT sehr deutlich, bei 
dem Q nur etwas länger als breit, dunkel rostbraun, ziemlich herzförmig, vor 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 23 



178 



Edmund Reitter. 



der Basis eingeschnürt, die Seiten stumpf gezähnt und mit langen, vereinzelten, 
schwarzen Haaren bewimpert. Die Scheibe gedrängt längsrunzelig punktirt, mit 
schmaler unpunktirter Mittellinie, am Grunde vor der Basis quervertieft. Schild- 
chen dunkel, klein, quer dreieckig. Flügeldecken viel breiter als das Halsschild, 
lang oval, abstehend schwarz behaart, an der Basis ziemlich tief, gegen die 
Spitze erloschener und kaum in Reihen punktirt, schwarzbraun, die Naht, die 
Basis und Spitze, sowie zwei Querbinden, wovon die obere den Seitenrand nicht 
erreicht, gelbbraun oder rostroth. Unterseite und Beine schwarzbraun, die Hüften, 
namentlich die vordersten und Tarsen rostroth. 

Von Herrn E. Steinheil gesammelt und eingesendet. 

27. Platamops vittattis n. sp. 

Piceo-niger, erecte fulvo pilosus, capite prothorace vix angustiore, hoc 
latitudine parum longiore, ante oasin transversim impresso, constricto, subcor- 
clato, lateribus obsolete denticulatis, pilosis, dorso fortiter sublongitudinaliter 
rugoso-punetato , linea media longitudinali laevi; elytris thorace latioribus, 
elongato-ovatis, distinete subseriatim punctatis, punctis apice evanescentibus , 
ferrugineis, sutura lateribusque lato piceo-nigris, antennis pedibusque ferrugi- 
neis. Long. 5 Mm. 

Patria: Columbia. 

Dem vorigen sehr ähnlich, aber anders gefärbt, braunschwarz, die Fühler, 
Beine und ein Längswisch über jede Flügeldecke rostroth. Die Punktirung auf 
dem Halsschilde ist stärker, die der Flügeldecken weitläufiger und undeutliche 
Reihen bildend. Endlich ist hier die Behaarung eine helle. 

Aus Columbien; in meiner Sammlung. 

28. Psammneetis breviusculus n. sp. 

Breviusculus, dilute ferrugineus, sat longius pubescens ; capite prothorace 
vix angustiore, dense punctato, oculis nigris rotundatis, valde prominulis; 
prothorace transverso, crebre fortius punctato, lateribus inaequaliter spinosis, 
elytris hrariusculis, dense fortiter slrialo-punctatis, lateribus pilosis, fascia 
media arcuato-lobata et macula apice nigris. Long. £3 Mm. 

Patria: Dorey. 

Mit P. faeeiatus Rttr. nahe verwandt, die Flügeldecken ähnlich gezeichnet, 
aber von auffällig gedrungener Körperform; der Kopf ist sammt den grossen 
vorgequollenen Augen kaum breiter als das Halsschild, das letztere an den 
SdieD mit ziemlich langen Domes ungleichmässig bewaffnet, die Flügeldecken 
mit einer Isppigei Qnorbinde in oder knapp unter der Mitte, die Rieh auch in 

drei getrennte Ifackeln wohl auflösen kann and die Spitze glänzend schwarz. 

Die Fühler sind bei dein mir durch Herrn Dr. Haag mitgetheilten 

Eiemplsre Lncomplett, ireiibalb nicht gesagt werden kann ob einige Glieder 
dunkel gefftrbl lind, mm ;ils ivafaTBcheinliöb anzunehmen ist. 



Coleopterorum speeies novae. 



179 



29. Myrabolia *) Grouvelliana n. sp. 

Fusco-ferruginea, submtida, oblonga, subtiliter fulvo-pubescens, leviter 
depressa, capite prothorace confertim subtiliter punctatis, hoc transversim 
quadrato, lateribus vix parallelis, subtilissime marginatis, angulis rotundato- 
obtusis, dorso medio subdepresso , aequali; elytris vix triplo longioribus, 
subtilissime indistincte striatis, interstitiis dense subtilissime seriatim 
punctatis. Long. 2'6 Mm. 

Patria: Tasmania. 

Der M. Haroldiana sehr nahe stehend und in folgendem abweichend: 
der Körper ist kleiner, das Halsschild an den Seiten weniger gerade, die Scheibe 
ober der Mitte ohne Spur eines Eindruckes und die Streifen der Flügeldecken 
viel undeutlicher und feiner ausgeprägt. 

Von meinem Freunde Grouvelle eingesendet, der das Thier von Dey- 
rolle erhalten hat. 

Amydropa nov. gen. 

Antennae 11 articulatae, clava triarticulata. Oculi nulli. Palpi maxil- 
lares articulo ultimo subacuminato. Prothorax oblongo-quadratus, lateribus 
subcrenatus, ante medium lote rotundatus, basin versus leviter angustatus, 
margine antice truncato, angulis anticis rotundatis, posticis minutis, rectius- 
culis. Scutellum triangidare, minutissimum. Elytra oblonga, irregidariter 
punctata, apicem versus subampliata, apice conjunctim rotundata, pygidium 
obtegentia. Abdomen segmentis ventralibus quinque, subaequalibus. Tarsi 
5 articulati, articulis quatuor primis subaequalibus. Corpus fere ut in genere 
Hypocoprus. 

Die Körperform dieser neuen Gattung entspricht fast vollkommen jener 
von Hypocoprus, der zunächst sie dicht zu stehen kommt. Auch erinnert 
dieselbe im Umriss äusserst an Airaphilus. Sie unterscheidet sich von der 
ersteren nur durch den Mangel sichtbarer Augen, die den Hinterleib voll- 
ständig bedeckenden Flügeldecken, kürzeren ersten Hinterleibsring und die Form 
der ersten vier Fussglieder. Diese sind unter sich ziemlich gleich, nicht gerundet 
dreieckig, sondern sind von einfacher fast quadratischer Form. Die Klauen ein- 
fach, klein. 

Die Fühler sind ebenfalls ganz wie bei Hypocoprus gebildet, aber das 
fünfte Glied ist kaum aufgetriebener als die umgebenden. Wie dieselben 
Motschulsky bei Hypocoprus abbildet, so hat sie nur das Männchen gebildet. 
Vom fünften Gliede au sind die einzelnen nach aussen eckig verlängert. Die 
Fühler des Männchens bei Amydropa sind ebenso gebildet. 

Ich stelle die neue Gattung zu den Cucujiden, neben Airaphilus, wohin 
sie sammt Hypocoprus 2 ) auch richtig gehört. Die Cryptophagiden werden 

!) Harold, Col. Heft XV, p. 55. 

l ) Siehe auch meine Kev. der eur. Cryptophagiden, Deutsche ent. Zeitschr. 1875. III, p. 3. 

23* 



180 



Edmund Reitter. 



von den Cucujiden hauptsächlich nur durch das bedeutend längere erste Bauch- 
segment abgetrennt. Bei Hypocoprus ist dasselbe etwas länger als das zweite 
oder die nächstfolgenden Segmente, aber viel kürzer als bei den eigentlichen 
Cryptophagiden, bei welchen es gewöhnlich doppelt so lang ist, als das nächste. 
Bei Amyäropa, die von Hypocoprus nicht entfernt werden darf, sind die ein- 
zelnen Bauchsegmente ziemlich von gleicher Länge und das erste kaum länger 
als das nächste. Ebenso passen die weiteren Merkmale der Silvaniden vor- 
trefflich auf beide Gattungen; die Lefze, das Endglied der Maxillartaster, die 
erloschene Naht des Prothorax zwischen dem Prosternum, die Form der Schenkel 
und der Schienen, die Stellung der Hüften sind alle so wie sie Erichson bei 
dieser Gruppe charakterisirt. 

30. Amyäropa anophthalma n. sp. 

Elongata, subdepressa, subparallela , confertim punctulata, tenuissime 
griseo pubescens, testacea, antennis pedibusque parum dilutioribus , capite 
aequali, prothorace leviter oblongo, ante medium late rotundato, apicem versus 
parum angustato , angulis anticis rotundatis , posticis rectiusculis margine 
laterali subcrenulato, elytris thorace plus quam duplo longioribus, subparallelis, 
apicem versus levissime ampliatis. Long, l'l — 1'2 Mm. 

Mas. antennarum articulis 5° — 8° extus subappendiculatis. 

Patria: Chili. 

Ganz vom Aussehen eines Hypocoprus, länglich, ziemlich gleichbreit, 
gleichmässig dicht und deutlich punktirt, sehr fein und kurz grau behaart, 
rothgelb mit lichteren Fühlern und Beinen. Die Fühler wie bei Hypocoprus, 
aber das fünfte Glied kaum dicker als die nächstfolgenden. Bei dem Männchen 
sind die Glieder vom fünften bis achten nach aussen schwach verlängert. 
Kopf länglich dreieckig, kaum oder wenig schmäler als das Halsschild. Die 
Stirn eben, ohne Eindrücke. Halsschild etwas länger als breit, ober der Mitte 
am breitesten. Flügeldecken von der Breite des letzteren, gegen die Spitze 
allmälig ein wenig breiter werdend. Das Pygidium nicht sichtbar. 

Von Herrn Dr. Haag als Amydropa integricolle (Germain) mitgetheilt. 

Ich besitze einen echten Hypocoprus, angeblich aus Chili, den ich vom 
H. lathridioides in Nichts zu trennen vermag. 

An dieser Stelle mag noch eines gallischen Hypocoprus gedacht sein. 

81- Hypocoprus quadricolliß n. sp. 

OblongiM, subdcpressus, obsolete punctulatus, sut »pubescens, nigro fuscus; 
tkornrc quadrato, latcrUms ante medium late rotundato, basin versus leviter 
angustato, elfftris thorace distincte latioribus; antennis (clava nonnunquam 
subinfuscata exccptaj pedibusque piceo-testaceis. Long. 1 Mm. 

Patria: QaÜÜt mcr. 

Dcrn //. lathridioides Mötsch, sehr ähnlich, aber kürzer, gedrungener, 
da« Halsvchild ist nur so lang als breit, und in seiner grössten Breite (ober 



Coleopterorum species novae. 



181 



der Mitte) noch viel schmäler als die Flügeldecken; die letzteren sind breiter 
und kürzer. Die Punktirung der Oberseite ist noch obsoleter, höchst subtil, 
und die Behaarung dunkler. 

Den echten H. lathridioides Mosch, erhielt ich von Hochhuth aus 
Kiew, und bei demselben ist das Halsschild, sowie es Mots chulsky beschreibt, 
deutlich länger als breit und der ganze Käfer ist gestreckter, mehr gleich- 
breit, die Flügeldecken an der Basis nur unmerklich breiter als das Halsschild, 
die Punktirung ist bei starker Vergrösserung gröber, aber nur sehr flach, wo- 
durch sie mit der Lupe kaum bemerkbar wird, ebenso ist die Behaarung heller 
grauweiss. 

Motschulsky beschreibt auch die Flügeldecken des Hypocoprus, sowie 
seine Coluocera formicaria als unbehaart, obgleich es Niemanden ausser ihm 
einfallen könnte sie so zu bezeichnen. Ich mache hier auf diesen Umstand 
deshalb aufmerksam, weil ihm die Schaffung dreier Synonyme bei Coluocera 
zuzuschreiben sind. 

Wurde von meinem geehrten Freunde Bauduer bei Sos in reichlicherer 
Anzahl gesammelt. 

Cryptophagidae. 

32. Ephistenus Japonicus n. sp. 

Breviter ovdlis, convexus, rufus aut rufo-testaceus, nitidus, subglaber, 
parce, vix perspicue punetulatus; prosternum longitudinaliter laminatum, 
lamina lata lateribus marginata, medio laevi; prothorax angulis posticis 
subacutis, humeris subamplectentibus. Long. 1 Mm. 

Patria : J aponia. 

Gewöhnlich etwas kleiner als unsere globulus und ihm recht ähnlich, 
aber einfarbig gelbroth; die mittlere Längsplatte des Prosternums ist auch viel 
breiter. 

Von Herrn Hiller gesammelt. 

Lathridiidae. 

Hyplathrinus nov. gen. 

Äntennae 10 articulatae, articulis duabus basalibus magnis incrassatis, 
3—7 minutis, subglobosis; clava abrupte triarticulata. Oculi distincti. Frons 
plana, linea semicirculari haud impressa. Scutellum transverse semiellipticum. 
Prosternum inter coxas tenuiissimum, breve. Mesosternum simplex, latum. 
Coxae posticae valde distant. Thorax transversus, basin versus angustatus, 
planus, haud foveolatus. Elytra apice singulim rotundata, pygidium haud 
obtegentia; Stria suturali vix perspicua. Corpus ut in. gen. Holoparam ecus. 



182 



Edmund Reitter. 



Mit Holoparamecus sehr nahe verwandt und dieser Gattung sehr ähn- 
lich; sie unterscheidet sich von derselben durch den Mangel des halbbogen- 
artigen schwärzlichen Eindruckes auf der Stirn, die Fühler sind zehngliedrig 
mit dreigliederiger Keule und auffallend grossen, stark und unregelmässig ver- 
dickten zwei Basalgliedern, das Halsschild ist durchaus ohne Eindrücke, die 
Flügeldecken haben keinen deutlichen Nahtstreifen und lassen das Pygidium 
zum grössten Theile unbedeckt; endlich ist das Prosternum nicht über die 
Hüften hinaus verlängert und die Hinterhüften sind viel weiter von einander 
entfernt. 

Ist zwischen Holoparamecus und Äbromus m. einzureihen. 

33. Hyplathrinus planicolis n. sp. 

Oblongo-ovalis, sat depressus, testaceus, nitidulus, subpubescens, capite 
prothorace subtilissime sat dense punetatis, hoc transverso, aequali, lateribus 
ante medium late rotundatis, basin versus leviter angustatis, angulis posticis 
rectis, anticis rotundatis ; elytris dense paullo fortius punctulatis, ante medium 
subampliatis ; pygidium obsolete alutaeeo. Long. 1 Mm. 

Patria: Mendoza. 

Von Herrn Dr. C. A. Dohm freundlichst mitgetheilt. 

34. Metophthalmus plicatuhis n. sp. 

Oblongus, depressus, ferrugineus, capite thorace duplo angustiore, fronte 
lineis duabus curvato - elevatis , antrorsum convergentibus instrueto; pro- 
thorace transverso, lateribus explanato, ante medium rotundato, basin versus 
paulo magis angustato, angulis posticis rectis, disco longitudinaliter elevato 
et quinquies transversim plicatulo , ante basin transversim sulcato; elytris 
oblougu-ovalibus , sat elongatis (ante medium dilatatis)', striis crebre grosse 
punetatis, interstitiis ailgustissimis, dltemis parum elevatis; humeris obhtsis. 
Long. 13 Mm. 

Patria: Bogota . 

Länglicher als die bekannten Arten, rostroth mit gelben Fühlern und 
deinen. Kopf viel schmäler als das Halsschild, mit zwei halbmondförmig nach 
innen gebogenen Kielen, welche sicli am Vorderrande fast berühren. Halsschild 
«jinr, mit stark verbreitertem, gerundeten Seitenrande, ober der Mitte am 
breitesten, nach der Basis zu etwas mehr als gegen die abgerundeten Vorder- 
winkel verengt, der mittlere Theil der Scheibe ist schwach erhöhet und mit 
fünf qnerefl Kielcben durchzogen, wovon die unteren drei und der oberste 
rudimentär, der zweite vom Vorderrande der längste und deutlichste ist. 
Dazwischen sind seichte Furchen bemerkbar. Flügeldecken länglich, ober der 
Mitte am breiteten und hier etwas breiter als das Halsschild, die Schultern 



roleopteromni c pecies noTae. 



183 



stumpfwinkelig, oben mit gedrängtem, dicht grübchenartig punktirten Streifen, 
die Zwischenräume sehr schmal, die abwechselnden nur ein wenig erhabener 
als die anderen. 

In meiner Sammlung. 

35. Coninomus subfasciatus o. sp. 

Elongatus, nitidulus, äüute fusco-ferrugineus, capite prothorace crebre 
rugulosis, hoc subquadrato , costis dorsalibus obtuso-elevatis , angulis anticis 
rotundaio-ampUatis, lateribus in medio auf fere ante medium siibconstricto, 
angulis posticis acato-rectis; elytris profunde punctato- striatis, interstitiis 
angustis, alternis valde elevato-carinatis, testaceis, fusco-subfasciatis ; femoribus 
subinfuscatis; clava antennarum triarticulatä , articulis sensim majoribus. 
Long. 2 2 Mm. 

Patria: Chili. 

Mit unseren Arten: carinatus und constrictus verwandt, aber die Fühler- 
keule ist dreigliedrig mit allmälig grösser werdenden Gliedern. Das Halsschild 
ist nur so lang als breit, die erhabenen Dorsal-Längsliuien deutlich erhaben 
aber ziemlich stumpf, fast parallel, vorne gegen einander convergirend; jeder- 
seits befindet sich noch an den Seiten ein erhabenes Kielrudiraent. Die 
Vorderecken gerundet erweitert, die Einschnürung ist gering, knapp ober der 
Mitte, die Seiten von da gegen die Hinterwinkel fast gerade, gegen dieselben 
leicht divergirend. Die Flügeldecken sind blasser braungelb mit einer undeut- 
lichen, schrägen, dunkleren Querbinde über der Mitte und angedunkelter Spitze. 

Von Herrn Dr. G. Haag freundlichst mitgetheilt. 

36. Cartodere bicostata n. sp. 

Elongata, angusta, depressa, testacea, capite elongato, oculis minutissimis, 
temporibus magnis, ante oculo siibconstricto ; prothorace capite haud latiore, 
crebre punctato, aequali, oblongo, basin versus angustata, angulis rotundatis ; 
elytris oblongo ellipticis, prothorace duplo latioribus, subpüosulis, strii* valde 
approximatis fortissime punctatis , interstitiis angustissimis , crenatis, inter- 
stitiis 2° et 6° acute elevatis. Metasternum et segmentis ventralibus basi vix 
fossidatis. Long. 16 Mm. 

Mas. Antennarum articulo 7° parum incrassato. 

Patria: Mexico. 

Diese Art, aus der Verwandtschaft von C. elongata weicht vom Gattungs- 
typus durch das Fehlen der transversalen Furchen auf den einzelnen Bauch- 
ringen und dem Metasternum etwas ab. Sie ist langgestreckt, niedergedrückt, 
röthlichgelb, häufig blassgelb, mit sehr schmalem Kopfe und Halsschilde. Der 
Kopf ist von der Breite des letzteren, fast doppelt so lang als breit, mit sehr 



184 



Edmund Keitter. 



kleinen im uuteren Drittel des Seitenrandes stehenden Augen; vor denselben 
ist der letztere leicht eingeschnürt, die Wangen unter diesen sind viel grösser 
und länger als bei den bekannten Arten. Fühler ziemlich lang, die Glieder 
länglich, die Keule dreigliedrig, die zwei ersten Glieder der letzteren etwas 
länger als breit, das letzte sehr gestreckt, doppelt so lang als das vorhergehende. 
Bei dem Männchen ist das siebente Glied der Fühler leicht verdickt. Hals- 
schild etwas länger als breit, sowie der Kopf dicht und deutlich punktirt, oben 
ohne Furchen, gegen die Basis leicht verengt, mit gerundet abgestumpften 
Ecken. Die Flügeldecken langelliptisch mit abgerundeten Schultern, zusammen 
mehr wie doppelt so breit als das Halsschild, die äusserst groben Punktstreifen 
sehr gedrängt, ebenso die grübchenartigen Punkte sehr genähert, die Zwischen- 
räume äusserst schmal, undeutlich, gekerbt, der zweite und sechste, stark kiel- 
förmig erhaben; die Scheibe bei starker Vergrösserung mit einzelnen feinen 
Härchen fast in Reihen besetzt. 

Aus Mexico in meiner Sammlung. Wurde von Bilimek gesammelt. 

Cartodere filum Aube, besitze ich in ziemlicher Anzahl ebenfalls aus 
Mexico durch Bilimek gefangen. Die mexicanischen Stücke unterscheiden sich 
in Nichts von den europäischen. Diese Art variirt in der Länge des Hals- 
schildes: bald ist es so lang als breit, häufig aber deutlich breiter. Sie ist 
durch die tiefe runde Dorsalgrube, welche jedoch in selteneren Fällen nur 
schwach ausgeprägt ist, leicht erkennbar. 

Mycetophagidae. 

37. Myrmecoxenus calvus n. sp. 

Breviusculas, subgldber, nitidus, ferugineus, oculis nigris; capite protho- 
race dense subtilissime punetulatis, elytris sat brevibus, confertim apicem 
versus obsolete punetatis. Long. T8 Mm. 

Patria: Celebes. 

Dem M. vaporariorum äusserst ähnlich und nahe verwandt, aber von 
kürzerer, gedrungener Kürperform, einfarbig ,rostroth, kaum behaart, das Hals- 
BChild nach der Basis zu mehr verengt, quer, die Flügeldecken kürzer etc. 

Von Herrn Dr. Haag mitgetheilt. 

Phallestus Wollastont n. sp. 

(Jldongo-ovatus, lesfaeeus, dense cinereo-pubescens ; prothorace punetato, 
linea $ybmarginaU a margine artiiee et poütice subaeguaUter remota; elytris 
longitU dense pÜOStß, o/ncem versus angustatis, striato-punclatis, concoloribus. 
Long. 2 Mm. 

Patriß: Ceylon. 



Coleopterorum species novae. 



185 



Dem Th. throscoides Wall, ähnlich, aber breiter, die Gesammtkörperform 
ist eiförmig, einfarbig blass braungelb, lang und dicht behaart. Das Halsschild 
ist fast etwas schmäler als die Flügeldecken, stark transversal, die erhabene 
Seitenlinie mit dem Seitenrande fast parallel verlaufend; die Flügeldecken kurz, 
von den Schultern ab gegen die gerundete Spitze stark verengt. 

Von Ceylon ; in meiner Sammlung. 

39. Thallestus subfasciatus n. sp. 

Oblongo-ovatus, piceo-niger, pube subdepressa cinerea et fusca sat dense 
obsitus; prothorace punctulato, valde transverso, antrorsum angustato; linea 
submarginali postice versus marginem gradatim currente; elytra apicem versus 
angustata, fusco-pubescentes, pube cinerea fasciis duabus indeterminatis latis, 
una basali altera pone medium sita formantibus ; supra subtiliter seriatim 
punctatis, punctis longe remotis et minus profunde impressis, interstitiis latis, 
confertissime et minutissime punctulatis; pedibus antennisgue rufo-testaceis, 
his articulis 3 ultimis sensim crassioribus, articulo 9° praecedente vix evidenter 
latioribus. Long. 2 Mm. 

Patria: Mexico. 

Diese Art entfernt sich von den bekannten orientalischen Arten durch die 
Bildung der Fühler und die Punktirung der Flügeldecken. Die ersteren sind 
ziemlich dünn, die ersten zwei Glieder leicht verdickt, das dritte länglich, 
dünner, die nächsten fast quadratisch, die letzten zwei eine wenig abgesetzte 
Keule bildend ; das neunte ist an der Wurzel so breit als das vorhergehende 
und an der Spitze etwas breiter und hier fast so breit als das zehnte. Die 
Flügeldecken haben sehr weitläufige Punktreihen, die Punkte stehen weit aus- 
einander, die breiten Zwischenräume überall dicht und sehr fein punktirt. Die 
Behaarung ist eine doppelte, weissgrau und schwarzbraun, die erstere bildet 
an der Basis der Flügeldecken und hinter der Mitte eine schlechtbegrenzte 
Querbinde. 

Von Herrn Dom. Bilimek in Mexico entdeckt; in meiner Sammlung. 

40. Thallestus convexus n. sp. 

Oblongus, fere parallelus, convexus, fusco-ferrugineus, sat longius et 
densissime pubescens, antennis pedibusque dilutioribus ; prothorace sat profunde 
punctato, transversus, parallelo, antice angustato, margine antice truncata, 
basali leviter bisinuata, lineis duabus submarginalibus a margine antice et postice 
subaequaliter remotis, linea inferiora basin versus obsolet a; impressione tenu- 
issima transversa ante basin conspicua; scutellum valde transversa, minuto, 
lineölato; elytris thorace haud latioribus, parallelis, apice conjunctim rotunda- 
tis, supra striato punctatis, interstitiis crebre subtilissime , vix perspicue 
punctulatis et punctulis majoribus subseriatis intermixtis; antennarum clava 
biarticulata. Long. 2'5 Mm. 

Patria: Ceylon. 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 24 



186 



Edmund Reitter. 



Weicht durch die gewölbte und parallele Körperform, zwei feine erhabene 
Längslinien an den Seiten des Halsschildes, das quere, lineale Schildchen und 
die auffällig dichte und ziemlich lange Behaarung, welche auf den Flügeldecken 
Spuren von Längsreihen bildet, vom Gattungstypus ein wenig ab und kommt 
dadurch dem Diplocoelus amphicollis m. und mus m. sehr nahe, der aber eine 
dreigliedrige Fühlerkeule besitzt. 

Die feine, lange und wellige Behaarung ist bei reinen Stücken so dicht, 
dass dadurch die Sculptur ganz verdeckt wird. 

In meiner Sammlung. 

41. Diplocoelus grandis n. sp. 

Ovalis, leviter convexus, errecte fulvo-pilosus, fusco-castaneus, antennis 
pedibusque parum dilutioribus : capite parce punctato; leviter biimpresso; 
prothorace coleopteris paullo angustiore, transverso, antrorsum subrotundatim 
angustato, rcmote, prope lat er ibus fortit er punctato, dorso medio sublaevi, basi 
bisinuato, linea transversa ante basin impressa, linea submarginali postice 
marginem versus gradatim currente, antice subelevata, basin versus obsoletissima, 
angulis anticis leviter prominulis, posticis rectis; scutello transverso, longitu- 
dine duplo breviore; elytris striis sat fortiter punctatis, vix impressis, apicem 
versus obsoletioribus, interstitiis sat latis, confertim minutissime punctulatis. 
Long. 5 — 5 5 Mm. 

Patria : Mexico. 

Durch die besondere Grösse sehr leicht kenntlich, im Uebrigen mit den 
kleinen Arten recht übereinstimmend. Der Vorderrand des Halsschildes ist fein 
gerandet, die Randlinie geht vor den Seiten in die erhabene Längslinie über, 
diese divergirt allmälig gegen die Hinterwinkel und ist vorne deutlich, in der 
unteren Hälfte jedoch ziemlich erloschen. Erinnert namentlich durch seine Grösse 
an die Mycetophagus- Arten. 

In meiner Sammlung. 

42. Diplocoelus Haagi n. sp. 

Oblongo-ovalis, sat latus, subdepressus, nitidus, fusco-ferrugineus, pube 
suberecta fulva minus subtilitcr vestitus; capite parce punctato, longitudinaliicr 
obsolete buwprcsso; prothorace valde transverso, longitudine plusquam duplo 
latiore, latcribus distinetc marginatis, antice rotundatim angustatis, utrinque 
Hubtdissime bicarinulato , sujna dense subtilitcr punctatis, punetis magnis sed 
minus profundis subseriatis intermixtis, angulis posticis rectis, subaculis, 
anticis distinete produetis ; scutello valde transverso, lineolato; elytris striis sat 
fortiter punctatis et paululum impressis; interstitiis (uni) seriatim subtilissime 
jmnctulatis ; pedibus autenuis'/w: dilulioribus, his clava distinete 3 articulata 

Long. b% Mm. 

Patria: Mexico. 



Coleopteromm apecies novae. 



187 



Dem D. brunneus Lee. ähnlich, aber breiter, niedergedrückter, die 
Behaarung heller rostfarbig, das Halsschild reichlich doppelt so breit als lang, 
die erhabenen Seitenlinien undeutlicher und nur jederseits zwei an Zahl, die 
Punktstreifen tiefer etc. 

Wurde mir von Herrn Dr. G. Haag freundlichst mitgetheilt. 

43. Diplocoelus foveolatus n. sp. 

Oblongus, subdepressus , ferrugineus, breviter fulvo-pubescens, pilis 
majoribus erectis, in elytris seriatis intermixtis; capite sat magno, oculis sub- 
setosis; prothorace valde transverso, longitudine plusquam duplo latiore, sub- 
alutaceo, sat fortiter punetato , lateribus distinete crenatis, angidis anticis 
rotundatis, posticis fere rectis, lineis duabus submarginalibus a margine sub- 
aequaliter remotis , dorso ante scutellum bi- postice unifoveolato , utrinque 
canalicula longitudinale , antice angustata, basin versus lata, perspicua 
instrueta; scutello transverso, elytris striato-punetatis , striis vix impressis, 
interstitiis minutissime vix perspicue punetulatis; clava antennarum distinete 
triarticulata. Long. 2'8 Mm. 

Patria: Chili. 

Ausgezeichnet durch die Sculptur des Halsschildes. In meiner Sammlung. 

44. Diplocoelus tessellatus n. sp. 

Oblongo-ovalis, fuscus, antennis gracilioribus pedibusque rufo-ferrugineis, 
pube brevi fusca albidaque dense vestitus, capite dense punetulato, oculis vix 
setosis; prothorace fusco-ferrugineo, leviter transverso, confertim punetulato, 
lateribus suberenato, in medio rotundato, angulis subacutis, linea sübmarginali 
a margine antice et postice subaequaliter remota; dorso antice utrinque subtüis- 
sime tricostulato, costulis deorsin versus evanescentibus ; scutello minuto, trans- 
verso ; elytris ovatis, ampliatis, convexis, subtiliter striato-punetatis, interstitiis 
minutissime vix perspicue punetulatis, albo tessellatis, pilis longioribus erectis 
subseriatis intermixtis ; antennarum clava distinete abrupta. Long. 3 Mm. 

Patria: Chili. 

In meiner Sammlung. Auf dem Halsschilde befinden sich ausser dem 
Streifen in der Nähe des Seitenrandes jederseits drei sehr feine, schwach erhabene 
Längslinien, welche vom Vorderrande ausgehen und beiläufig in der Mitte der 
Scheibe verschwinden; die Flügeldecken sind auffällig gewölbter, eiförmig^ 
unter den Schultern gerundet erweitert, fein und dicht braun behaart, die 
Zwischenräume mit dicht gestellten, viereckigen, kleinen, weissen Haarmackeln 
geziert. Ausserdem zeigt das vorliegende Exemplar auf den Flügeldecken hinter 
der Mitte eine schmale rostrothe, wenig begrenzte, gegen die Naht convergirende 
Querlinie, deren Färbung hier verloschen, an dem Seitenrande hingegen deut- 
licher und breiter ist. Die Fühler sind bei dieser Art auffällig schlank. 

24* 



188 



Edmund Reitter. 



45. Diplocoelus mus n. sp. 

Oblongus, convexus, fuscus, pube brevissima et densissima cinerea 
vestitus, interstitiis punctorum supra omnino subtilissime et confertissime 
punctulatis; antennis pedibusque ferrugineis; capite sparsim punctato ; protho- 
race minus dense, prope lateribus sat crebre punctato, transverso, lateribus 
subtiliter marginalibus lote rotundatis, antrorsum angustatis angulis anticis vix 
productis, posticis fere obtusis. (subrectis), linea unica submarginali a margine 
subaequaliter remota, margine antice subrecta, basali bisinuata, dorso lineis 
pluribus sat perspicuis longitudinalibus dense pubescentibus ornato; scutello 
valde transverso, lineolato; elytris seriatim punctatis, dense puberulis et pube 
brevi seriata intermixta. 3'5 — 4 Mm. 

Patria: Amer. occJ 

Steht dem D. costulatus gewiss sehr nahe, ist aber grösser, von den 
Linien auf dem Halsschilde ist nur die in der Nähe des Seitenrandes befindliche 
erhöht, die andern acht sind aus kurzen gereihten Härchen gebildet und die 
Punktreihen der Flügeldecken sind kaum vertieft. Die Fühlerkeule ist drei- 
gliedrig, etwas zusammengedrückt, das erste Glied derselben wenig abgesetzt, 
das zweite grösser quer, das letzte rundlich. 

Von Dr. Kraatz erhalten; wahrscheinlich von den Westindischen Inseln 
stammend. 

46. Diplocoelus amplicollis n. sp. 

Oblongus, fere parallelus , convexus, fusco-ferrugineus, dense fulvo- 
pubescens, antennis pedibusque rufis; capite subtiliter punctulato; prothorace 
sat subtiliter punctato punctis majoribus, remotus, subseriatis prope lateribus 
intermixtis, leviter transverso, lateribus subtiliter marginatis, aequaliter lote 
rotundatis, angulis anticis paululum productis, posticis rectis; margine antice 
in medio levissime rotundato, basali fortiter bisinuato, linea unica submarginali 
abbreviata antrorsum leviter impressa; ante basin utrinque oblique, sub- 
foveolatim impresso; scutello valde transverso, lineolato; elytris thorace haud 
latioribus, subparallelis ; apice conjunctim rotundatis, supra striato-punctatis, 
interstitiis dense seriatim punctulatis ; clava antennarum triarticulata, articulis 
primis latis, transversis, ultimo ovato. Long. 3 5 Mm. 

Mas. /trothorace amplo, capite lateribus prope antennarum basi tuber- 
culatim elevatis, tuberculis lineolatis, parallelis. 

Patria: Mio Janeiro, Columbia. 

In meiner Sammlung. In der Körperform dem Thallestus convexus von 
Ceylon Behl ähnlich; auch ist das Schildchen ebenso gebildet: linienförmig, 
quer. Die feine hier vertiefte Seitenlinie des Halsschildes ist nur in der Nähe 
des Vorderrandes deutlich, gegen die Basis zu erloschen. Das Halsschild ist 
dicht und enge an die Flügeldecken gefügt. Bei dem Männchen ist der Seiten- 
rand des Kopfed hoch aufgebogen. 



Coleopterorum species novae. 



189 



Wegen dem Mangel einer erhabenen Linie neben dem Seitenrande des 
Halsschildes käme diese Art richtiger unter Marginus anzuführen ; diese Gattung 
scheint mir jedoch, da nur darauf basirt, nicht haltbar zu sein. Bei jenen 
Arten, denen diese Linie fehlt, ist ein vertieftes, rudimentäres Strichelchen in 
der Nähe der Vorderecken vorhanden, welche gewissermassen die andere 
ersetzen soll. 

47. Diplocoelus oblongus n. sp. 

Oblongus, subovatus, leviter depressus, fulvo-pubescens , ferrugineus, 
antennis pedibusque rufo-testaceis ; capite subtiliter punctato, prothorace valde 
transverso, antrorsum rotundatim angustato, parce fortiter, lateribus remote 
subseriatim punctato, utrinque ante basin longitudinaliter subimpresso, angulis 
anticis paululum productis, posticis subacutus, linea unica submargindli 
abbreviata prope angulos anticos leviter impresso,; scutellum valde transverso; 
elytris prothorace haud latiore, apicem versus attenuatis, striis distincte 
punctatis vix impressis, apicem versus et prope suturam evanescentibus ; 
interstitiis punctorum corporis supra confertim minutissime punctulatis. 
Long. 2'8 Mm. 

Patria : Brasilia. 

Ausgezeichnet durch die länglich eiförmige, oben niedergedrückte Gestalt, 
die weitläufige, an den Seiten fast in Reihen gestellte, grobe aber seichte 
Punktirung des Halsschildes, den Mangel einer erhabenen Längslinie neben 
dem Seitenrande, und die stark gegen die Spitze verschmälerten Flügeldecken, 
deren Punktreihen gegen die Spitze zu erlöschen, und die an der Naht gelegenen 
ebenfalls undeutlicher sind. 

Wurde mir von Herrn vom Bruck als Selenoderus oblongus Deyr. i. 1. 
mitgetheilt. Diese Art gehört eigentlich ebenfalls in die Gattung Marginus, 
die ich vorläufig als Subgenus betrachte. 

48. Diplocoelus philothermoides n. sp. 

Oblongus, subovatus, leviter convexus, erecte fulvo-pilosus, ferrugineus, 
nitidus, capite prothorace crebre fortiter punctato, hoc longitudine duplo 
breviore, linedli submarginali abbreviata prope angulos anticos vix perspicua, 
lateribus aegualiter rotundatis, in medio latissimis; scutello valde transverso, 
lineolato; elytris striis valde approximatis, fortiter punctatis, vix impresso, 
apicem versus evanescentibus; interstitiis punctorum corporis supra laevibus. 

Long, vix 2 Mm. 

Patria: Amer. bor. 

Dem vorigen recht ähnlich, ebenfalls zu Marginus gehörend, aber 
kleiner, gewölbter, die Punktirung überall tief und dicht, das Halsschild an den 
Seiten gerundet und in der Mitte bedeutend breiter als die Flügeldecken; die 
Punktreihen der Flügeldecken sind dicht an eineinander gedrängt. 

Von Dr. Kratz erhalten; angeblich aus Nordamerika. 



190 



Edmund Reitter. 



Eine Uebersicht der mir bekannten Diplocoelus - Arten wäre etwa 
folgende: 

A. Halsschild etwas schmäler als die Flügeldecken. 

a. Scheibe des Halsschildes mit mehreren Gruben, foveolatus n. sp. (Chili.) 

aa. ohne Gruben. 

b. Die Behaarung der Oberseite ist eine einfache. 
c. Dieselbe ist ziemlich lang, etwas abstehend. 

d. Auf dem Halsschilde befindet sich in der Nähe des Seiten- 
randes nur eine, gegen die Basis zu, undeutliche Längslinie. 

grandis n. sp. (Mexico.) 
dd. Auf dem Hals Schilde befinden sich jederseits zwei bis 
drei feine erhabene Längslinien. 

e. Das Halsschild ist höchstens doppelt so breit als 
lang, neben dem Seitenrande mit drei feinen Längs- 
linien, wovon die innerste undeutlich. 

brunneus Lee. (Amer. bor.) 
ee. Das Halsschild ist mehr als doppelt so lang als 
breit, jederseits neben dem Seitenrande mit zwei 
feinen deutlichen Längslinien. Haagi n. sp. (Mexico.) 
cc. Die Behaarung ist sehr fein und anliegend. 
d. Flügeldecken unter den Schultern kaum 
erweitert . . . Fagi Guerin. (Europa.) 
dd. Flügeldecken unter den Schultern plötz- 
lich stark erweitert, und von der Mitte 
ab nach der Spitze zu sehr verschmälert. 

liumerosus Rttr. (Caucasus.) 
bb. Die Behaarung ist eine doppelte: 
Die Oberseite ist äusserst dicht und 
kurz scheckig behaart, dazwischen 
mit längeren, aufstehenden, auf den 
Flügeldecken in Reihen gestellten 
Borstenhärchen. 

tesselatus n. sp. (Chili.) 

AA. Halsschild an der Basis oder in der Mitte fast etwas breiter als die 
Flügeldecken in ihrer grössten Breite. 

a. Oberseite äusserst dicht und kurz, sehr anliegend behaart; die Behaarung 
bildet auf der Scheibe des Halsschildes feine Längslinien; vor dorn 
Seitenrande des letzteren mit einer deutlichen erhabenen Längslinie, 
welche gegen die Basis zu nicht abgekürzt ist mus n. sp. (Am. bor.?) 
aa. Oberseite mit längerer, leicht abstehender Behaarung. Die Seiten- 
linie des Halsschildes ist höchstens nur in der Nähe der Vorder- 
winkel als ein Strichclchen angedeutet. 

b. Die Seiten des Halsschildes gleichmäßig gerundet, in der Mitte 
um breitesten. Körper gewölbt. 



Coleopterorura species novae. 



191 



c. Zwischenräume der Panktstreifen auf den Flügeldecken mit 
einer deutlichen Punktreihe amplicollis n. sp. (Amer. merid.) 
cc. Punktreihen der Flügeldecken äusserst gedrängt; Zwischen- 
räume sehr schmal, gekerbt, ohne Punktirung. 

philothermoides n. sp. (Amer. bor.) 
bb. Halsschild knapp vor der Basis am breitesten, nach 
vorne verengt. Körper fast niedergedrückt. 

oblongus n. sp. (Brasilia.) 

Parnidae. 

49. Dryops (Parnus) corpulentus n. sp. 

Oblongus, convexus, longius et dense suberrecte-pubescens, niger, pedi- 
bas piceis; capite prothorace minus dense distincteque punctato, punctis, 
minutissimis intermixtis, elytris apicem versus subampliatis, basi substriatis, 
fortiter subseriatim, apice sensim subtus punctatis , interstitiis punctorum 
obsolete punctidatis. Long. 5 Mm. 

Patria: Mendoza. 

Von der gedrungenen Form des auriculatus, schwarz mit langer und 
dichter abstehender, schwärzlicher Behaarung. Die Spitzen der Härchen sind 
heller gefärbt. Fühler einander ziemlich genähert. Stirn eben. Halsschild an 
der Basis von der Breite der Decken an der Wurzel, nach vorne gerundet ver- 
engt, im unteren Drittel am breitesten, oben kissen artig gewölbt, kräftig, aber 
wenig dicht punktirt, dazwischen mit minutiösen Pünktchen untermengt, die 
eingegrabene Seitenlinie sehr stark markirt und wenig gebogen, die Seiten, 
sowie die Flügeldecken mit langen Haaren bewimpert. Die letzteren gedrungen, 
gegen die Spitze etwas breiter werdend, an der Basis mit Spuren von Längs- 
linien, sehr grob, aber nicht allzu dicht und fast in Reihen punktirt, die 
Punktirung wird gegen die Spitze zu erloschener, die Zwischenräume derselben 
ebenfalls mit feineren Pünktchen besäet. Die Behaarung der Unterseite ist 
viel feiner, heller grau, die Beine rostbraun. 

Von Herrn Dr. Dohm eingesendet. 

Tenebrionidae. 

50. Corticeus Mexicanus n. sp. 

Elongatus, convexus, subcylindricus, castaneus, nitidus antennis apice 
pedibusque rufis; prothorace oblongo, sat dense distincte punctato, ante basin 
prope angulos rectos posticos subfoveolato, angulis anticis acutis prominulis ; 
elytris regulariter striato-punctatis, striis dorsalibus paullo magis impressis, 
interstitiis subtilissime, seriatim punctidatis; subtus praesertim sternum con~ 
fertissime fortiter punctatum. Long. 5-5 Mm. 

Patria: Mexico. 



192 



Edmund Reitter. 



Unserem C. cimeterius Hrbst. (castaneus Fabr.) in Grösse, Form und 
Färbung sehr ähnlich, aber die Hinterwinkel des Halsschildes sind bei der 
neuen Art scharfrechteckig, die vorderen spitz vorgezogen, an der Basis, in der 
Nähe der Hinterecken, befindet sich ein kleines, flaches, aber bemerkbares 
Grübchen, die Flügeldecken sind viel regelmässiger gestreift-punktirt, die ersten 
zwei bis drei Streifen an der Naht sind stärker vertieft als die folgenden, die 
Zwischenräume sind gleichmässiger breiter, jeder mit einer weitläufigeren, 
höchst subtilen Punktreihe besetzt. Alle Streifen werden gegen die Spitze 
feiner und erlöschen hier beinahe. Die Unterseite, namentlich die Vorderbrust, 
ist äusserst gedrängt und stark punktirt. 

Wurde von D. Bilimek in Mexico gesammelt. In meiner Sammlung. 

51. Corticeus cylindricus n. sp. 

Oblongus, subcylindricus, nitidus, castaneus, antennis pedibusque dilu- 
tioribus, capite prothorace dense subtiliter punctatis, hoc latitudine parum 
longiore, basin versus vix perspicue angustato, lateribus fere rectis, angulis 
anticis paululum productis , posticis acutis, subprominulis ; elytris subtiliter 
punctato- striatis , striis apice et basin versus öbsoletioribus , interstitiis vix 
punctatis. Long. 6' 5 Mm. 

Patria: Columbia. 

Unserem C. cimeterius täuschend ähnlich, das Halsschild ist jedoch etwas 
kürzer, die Seiten mehr gerade, die Hinterwinkel spitzer, vorstehender, die 
Punktstreifen auf den Flügeldecken gegen die Spitze und Basis zu erloschener, 
die Zwischenräume sind kaum punktirt und die Beine sind heller. 

Scheint auch von C. rufipes Fabr., den ich nicht kenne, verschieden 
zu sein. 

Aus Columbien; in der Sammlung des Herrn vom Bruck in Crefeld. 

Corylophidae. 

52. Arthrolips polUus n. sp. 

Ovalis, postice obtusus, nitidus, glaberrimus, niger, margine elytrorum, 
apice antennis pedibusque testaceis, prothorace rufo , semicirculari , macula 
parva ante medium infuscata, elytris crebre punctulatis, fascia transversa 
comrnuni, extus abbreviata paulo pone medium rufa. 13 Mm. 

Patria : Japonia. 

Den nachfolgenden drei Arten ähnlich, aber sehr glänzend, ganz unbehaart, 
schwarz, der Spitzenrand der Flügeldecken, der Mund, Fühler und Beine gelb- 
lich, das Halsschild mit Ausnahme einer über dem Kopfe liegenden kleinen 
dunklen Mackel und ein Querband über die gemeinschaftliche Scheibe der 
Flügeldecken knapp unter deren Mitte roth. Der letztere erreicht die Seiten nicht. 

Ein Stück von Hiller in Japan entdeckt, in meiner Sammlung. 



Coleopteromm species novae. 



193 



53. Arthrolips similaris n. sp. 

Oblongo-ovalis , breviter pubescens, fuseus, prothorace, (macula oblonga 
in medio sita excepta) fascia elytrorum transversa communi, extus abbreviata, 
paulo pone medium et margine apicali; pygidio, antennis pedibusque plus 
minusve rufo-testaceis. Long, plus 1 Mm. 

Patria: Mendoza. 

Dem Nachfolgenden in Form und Färbung ganz ähnlich, aber kleiner, 
dichter und feiner punktirt und hauptsächlich durch die kürzere, zartere Be- 
haarung unterschieden. Die Basalflecken der nächsten Art scheinen dieser auf 
den Flügeldecken zu fehlen. 

54. Arthrolips Oberthüri n. sp. 

Oblongo-ovalis, dense minus breviter pubescens, fuscus, subtics dilutior, 
prothorace semicirculari, vix transverso, rufo-testaceo, macula oblonga in medio 
fusca; elytris margine apicali, fascia transversa communi, extus abbreviata, 
paulo pone medium et maculis dudbus parvis, nonnunquam obsoletis, pygidioque 
testaceo-rufis; antennis pedibusque testaceis. Long. 17 Mm. 

Patria: Mexico. 

Länglich oval, dicht und fein punktirt, am Grunde nicht hautartig genetzt, 
ziemlich lang und dicht anliegend behaart, schwarzbraun, die Unterseite meist 
gelbbraun mit hellen Fühlern und Beinen. Das Halsschild ist halbkreisförmig, 
undeutlich breiter als lang, gelbbroth oder gelbbraun mit dunklem Dorsalfleck; 
die Flügeldecken hinter der Mitte mit einem schmalen röthlichen Querbande, 
welches den Seitenrand nicht erreicht; ebenso ist die Spitze röthlichgelb 
gesäumt und gewöhnlich stehen auch zwei kleine, häufig in deutliche, manchmal 
selbst fehlende, helle, längliche Mackeln an der Basis. Das Pygidium braungelb. 

55. Arthrolips fenestratus n. sp. 

Ovalis, postice obtusus, pubescens, fuscus, subtus dilutior, prothorace 
semicirculari, transverso, rufo-testaceo, dorso indeterminate fusco; elytris 
margine apicali et macula subquadrato paulo pone medium in singulis flavidis, 
antennis pedibusque fusco-testaceis. Long. 11 — 12 Mm. 

Patria : Mexico. 

Ebenfalls der vorigen Art sehr ähnlich, aber kürzer, unten stumpfer, 
knapp unter den Schultern breiter, das Halsschild ist breiter, das Pygidium 
dunkel und statt des Querbandes steht auf jeder Decke in derselben Tiefe eine 
gelbe, mehr oder weniger viereckige Mackel. 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abb. 25 



194 



Edmund Keitter. Coleopterorum species novae. 



56. Sericoderus pallidus n. sp. 

Ovatus, latus, subtilissime pubescens, testaceus; prothorace semicirculari, 
transverso, macula parva antice nigricante, angulis posticis acuminatis, elytris 
subtüiter minus dense punctulatis. Long. 0'7 — 0'8 Mm. 

Patria: Japonia. 

Dem lateralis sehr ähnlich, aber um die Hälfte kleiner, einfarbig röth- 
lichgelb nur am Halsschilde, in der Nähe des Vorderrandes, mit einem dunklen 
Flecken; die Flügeldecken sind deutlicher aber minder dicht punktirt und 
behaart. 



Der Zug des Bosenstaars (Pastor roseus Temm.) 
durch Oesterreich und Ungarn und die angrenzenden 
Länder im Jahre 1875. 

Von 

Victor Ritter v. Tschusi zu Schinidhofen. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 4. April 1877.) 

Der Rosenstaar {Pastor roseus Temm.) gehört zu jenen gesellig lebenden 
Arten, welche in unregelmässigen Zwischenräumen in Schaaren, in Flügen oder 
als versprengte einzeln bei uns erscheinen. Sein schönes, auffallendes Gefieder 
ist wohl die Hauptveranlassung, dass er selbst von Laien nicht leicht übersehen 
wird, zumal sich die einzelnen gewöhnlich zu den Staaren schlagen und sich 
mit diesen auf Wiesen, Viehweiden und in Gärten herumtreiben. 

Der Rosenstaar heimatet im südöstlichen Europa und in Asien. De 
Filippi traf ihn sehr häufig im Kaukasus, in Armenien und dem Westen 
Persiens und Jerdon in dem grössten Theile Indiens, am zahlreichsten in dem 
südlichen und südwestlichen Theile, seltener in dem nördlichen und nordwest- 
lichen. Nach Tristram ist er auch in Palästina häufig. In Afrika dagegen 
gehört sein Vorkommen zu den grössten Seltenheiten und beschränkt sich das- 
selbe nur auf wenige Exemplare. In den unteren Donauländern und in Dal- 
matien erscheint er alljährlich auf dem Durchzuge. 

Wenn im Süden oder Südosten Europas verschiedene Heuschreckenarten 
verheerend auftreten, so erscheinen auch bei uns kleinere und grössere Flüge 
Rosenstaare, und ist ersteres bei uns der Fall, so finden sich diese Vögel auch 
bei uns in Menge ein, da die Heuschrecken ihre bevorzugte Xahrung bilden. 
Von der Hauptmasse, welche nicht selten nach vielen Tausenden zählt, trennen 
sich oft schon sehr bald grössere und kleinere Flüge, die meist in nördlicher 
Richtung weiter wandern und plötzlich da und dort erscheinen. Diese in 
weit von ihrer Heimat gelegenen Ländern erscheinenden Wanderer haben dort 
natürlich nichts mehr mit der Verfolgung der Heuschrecken zu thun und sind 
als vollständig verirrte anzusehen. Die kleineren Flüge mögen wohl grössten- 
theils aufgerieben werden, während die grösseren und das Gros wahrscheinlich 

25* 



196 



v. T schusi. 



auf anderem Wege zurückkehren, nachdem sie noch vorher an geeigneten 
Oertlichkeiten in der Fremde dem Brütegeschäfte obgelegen hatten. 

Die Zeit ihres Erscheinens bei uns ist gewöhnlich die zweite Hälfte des 
Mai und der Juni; später zeigen sie sich meist nur vereinzelt. In kleinen 
und grösseren Flügen erscheinen sie fast alljährlich im Süden Oesterreichs 
und Ungarns und brüten dort, wahrscheinlich auch viel häufiger, als man 
gewöhnlich annimmt. 

Als die Zeitungen im Jahre 1875 die Nachricht von dem massenhaften 
Erscheinen der Rosenstaare brachten, bemühte ich mich möglichst viel Material 
über das Vorkommen dieser Fremdlinge in den verschiedenen Ländern Oester- 
reichs und Ungarns zu erhalten. Dank dem regen Eifer meiner ornithologischen 
Correspondenten, bin ich in der angenehmen Lage ausführlich über diesen 
letzten bemerkenswerthen Zug des Rosenstaars berichten zu können. Um ein 
annähernd vollständiges Bild seiner Verbreitung über das centrale Europa im 
genannten Jahre zu liefern, habe ich hier auch alle mir bekannt gewordenen 
Mittheilungen aufgenommen, welche über sein Vorkommen in Deutschland, der 
Schweiz und Italien berichten. 

Allen, welche durch Beiträge zur Bereicherung dieser Arbeit beigetragen 
haben, spreche ich hier meinen verbindlichsten Dank aus. 

I. Oesterreich und Ungarn. 

Bukowina. Nach brieflichen Mittheilungen des Herrn Dr. Lazarus 
in Czernowitz wurden im Sommer Eosenstaare gesehen und erlegt. 

Siebenbürgen. Sie erschienen im Mai, jedoch nur in einzelnen Theilen 
des Landes. Den 27. des genannten Monats erlegte Herr von Czynk ein cT 
bei Kronstadt (v. Czynk in litt.). 

Ungarn. Ueber ihr Vorkommen in Ober -Ungarn erhielt ich durch 
Herrn Oberforstmeister W. Rowland in Ärva-Väralja folgenden Bericht: „Bei 
der Stadt Rosenberg (Lipt. Com.) erschien am 29. März eine zahlreiche Schaar 
Bosenstaare in einem Obstgarten, in welchem sich Vogelsteller befanden, deren 
einei ein Gewebt bei sich hatte und damit ein Exemplar erlegte. Nach dem 
Schusse theilte sich die Schaar und schlug die eine Hälfte eine östliche Rich- 
tung (gegen Szt.-Mikltfs) ein, während die andere gegen Westen nach dem 
Mönch sberge zog". 

„Um dieselbe Zeit schoss der herrschaftlich Ärvaer Unterförster Herr 
Seifarth in Parnitza in einem Obstgarten einen Rosenstaar; ein zweites 
Exemplar, das sich ebenfalls daselbst befand, entkam. Einige Tage später traf 
derselbe Unterförster auf einer zur Tatrakette gehörigen hochgelegenen, felsigen 
Hutweide fOkrulilicza-Zwadlevä) einen kleinen Flug von 10—12 Rosenstaaren, 
die aber so scheu waren, das» sie ihn nicht auf Schussweite nahekommen 
Hessen. Sie standen einzeln in grosser Entfernung auf und fielen, gleich den 
Lerchen, bald wieder ein, wobei sie ihren Lockruf hören liessen". — „In der 
1< t/t< n Mär/.woehe scho38 der k. k. Jäger-Oberlieutenant Herr Baron v. Wachen- 



Der Zug des Rosenstaar6 im Jahre 1875. 



197 



husen zwei Rosenstaare in Neusohl, die Maikäferreste *) (?) im Magen hatten". — 
Prof. H. Beyer am k. Staats-Gymnasium zu Neusohl hat über das Erscheinen 
des Rosenstaars in der Umgebung genannter Stadt einen grösseren Artikel im 
«Hon- veröffentlicht, der zum Theil auch in dem r Pester Lloyd- und in der 
„Neuen freien Presse" reproducirt wurde. Laut den brieflichen Mittheilungen 
des Herrn Prof. Beyer zeigten sich Mitte Mai grössere Schwärme Staare und 
ihnen beigemischt ein anderer Vogel, den jedoch Niemand in dieser Gegend 
kannte. Ende Mai gelang es nun in einem Garten, wo sich diese Vögel auf 
Erbsen und Krautsaaten herabliessen. vier Stück zu erlegen, die dem Professor 
gebracht wurden und worunter sich ein cf , ein Q und zwei Nestjunge befanden. 
Den nächsten Tag wurde noch ein 9 un( i e i n junger Vogel nach der ersten 
Mauser (?) erlegt und letzterer, da er nur leicht verletzt war, in einen Käfig 
gesetzt. Derselbe vertilgte täglich 40 — 50 und mehr Maikäfer. Beim Anblicke 
der Käfer sträubte er die Federn — seine Gier war in jeder Bewegung und im 
Ausdrucke des Gesichtes sichtbar — griff mit den Krallen nach der Beute, riss 
ihr zuerst die Deckflügel ab. dann die Füsse (letztere verzehrte er. erstere da- 
gegen nicht) und schluckte hernach den Körper, nachdem er ihn vorher nach 
Art des Wiedehopfes emporgeworfen und aufgefangen hatte, herab. Im Uebrigen 
ist der Vogel ein langweiliger Patron, der ruhig in seinem Käfer sitzt und 
unangenehm kreischt. Der um Neusohl beobachtete Schwann soll eine Stärke 
von 600 — 1000 Stück gehabt haben. Sehr zu bedauern ist es, dass über das 
Brütegeschäft keine Beobachtungen angestellt wurden; denn gebrütet musste 
er doch dort haben, da Prof. Beyer erwähnt, dass junge Rosenstaare erbeutet 
worden. 

Ausser diesen Mittheilungen erhielt ich noch von Herrn O. v. Hermann, 
Custos am k. zool. Museum in Pest, welcher über den Zug der Rosenstaare 
durch Ungarn eine Arbeit in den Schriften der k. ung. naturwissenschaftl. 
Gesellschaft in Pest veröffentlichte, die Nachricht, dass diese Vögel auch bei 
Zenta und Gyoma in Unter-Ungarn nach Hunderttausenden erschienen und wurde 
dort besonders bemerkt, dass dieselben dem drohenden Raupenfrasse vor- 
beugten, indem sie die Raupen gierig verzehrten. Sie zeigten sich so wenig 
scheu, dass sie beinahe mit der Hand zu greifen waren. 

„Das Erscheinen in diesem Jahre", schreibt v. Hermann, ..fällt wieder 
mit dem der Heuschrecken zusammen, und zwar erschien die Wanderheuschrecke 
theils in Zügen um Tultscha, theils endemisch vermehrt, und ausserdem ver- 
mehrten sich die einheimischen Acridier, besonders Caloptenus itcdicus und 
Stenobothr us -Arten bis ins Unglaubliche - . 

Slavonien. In Sid in Syrmien beobachtete Herr M. Stic Ende Mai 
und Anfangs Juni zwei Exemplare in einem Schwarme junger Staare. (Brusina 
in litt.) 

Herr Pfarrer Joh. Franetic in Cadjavica berichtet in einem Briefe an 
Herrn Brusina, Custos am zool. Museum in Agram : ..Eines Frühlingstages, als 



*) Wohl andere Eäferrette ! 



198 



v. Tschusi. 



der Schnee bereits zu schmelzen begann (also wahrscheinlich Ende März) und 
ich in Dienstsachen in meinem Filialort Dolnje Barzje fuhr, bemerkte ich auf 
einer öden, sumpfigen Wiese des genannten Ortes eine sehr grosse Menge 
Rosenstaare. Es können ihrer ungefähr 30.000—40.000 gewesen sein. Wie lange 
sie sich dort aufhielten, kann ich leider nicht angeben". 

Croatien. Gegen Mitte März beobachtete der k. Förster Herr Stefan 
Dean in einem Obstgarten im Orte F uz ine zwei Stück. (Brusina in litt.). 

Militär gr enze. Einem mir von Herrn Brusina mitgetheilten Schreiben 
des Oberlieutenants Herrn Mil. Turic aus Pocitely in der Lika entnehme ich 
folgende Angaben: „Diese Vögel", schreibt der genannte Beobachter, „haben 
sich den ganzen August und einen Theil des Septembers in der Lika auf- 
gehalten. Als ich von Gospic nach Pocitely fuhr, bemerkte ich auf einem Baume 
unweit des Dorfes Bilaj diese Vögel in Schwärmen von 10 — 12 Stück. Sie 
waren gar nicht scheu, so dass man ihnen ganz nahe kommen konnte". 

„Ende October und Anfangs November", schreibt Herr Joh. Grganovic 
in Alt-Gradiska an Herrn Brusina, „habe ich auf den städtischen Wiesen, auf 
einem Areale von 100 Joch, schaarenweise über 700 Rosenstaare gesehen. Sie 
waren so zahm, dass man sich ihnen bis auf 10 Schritte nähern konnte. Auf 
den städtischen Wiesen verweilten sie drei Wochen lang, nachher verschwanden 
sie auf einmal. Die Ursache ihres plötzlichen Verschwindens mag die 
bereits eingetretene Kälte oder die Ueberschwemmung durch den Savefluss^ 
gewesen sein." 

Dalmatien. Aus Fort Opus theilt Herr Mich. Franicevic mit: „Diese 
Vögel sind jedes Jahr im Monate Mai auf der Durchreise und zwar in Schwärmen 
von 40—50 Stück, zuweilen aber auch nur in kleinen Gesellschaften zu sehen. 
Ich habe voriges Jahr (1875) beiläufig 10 Stück geschossen." (Brusina in litt.) 

Küstenland. Nach einer Mittheilung des Herrn Prof. Lazar in Görz 
soll ein dortiger Wildprethändler 12 Stück aus einer am Fusse des Karstes 
gelegenen Ortschaft erhalten und sofort an einem Fremden verkauft haben. Es 
dürfte dies im September oder Anfangs October gewesen sein. 

Kärnten. Anfangs Juli erlegte der Gutsbesitzer Herr Schmid zu 
Guttenstein bei Bleibnrg zwei Stück. (Wien. Jagdzeit. 1875, p. 412.) 

Salzburg. Wie mir der k. k. Förster Herr Pensch in Stuhlfelden 
(Ober-Pinzgau) erzählte, zeigte sich bei Mittersiel in der zweiten Hälfte des 
Mai ein Schwärm von 40 Stück, der sich dort durch zwei Tage aufhielt, und 
aus dem ein Q erlegt wurde, das man dem Förster zur Agnoscirung brachte. 
Hernach zog der Schwann in westlicher Richtung gegen Hollersbach und Neu- 
kinhen zu, wo er gleichfalls beobachtet wurde. 

ObcrO st erreich. In Diersbach wurden, wie die „Wiener Jagdzeitung" 
Wim 81. Juli 1875 berichtet, zwei und ein 9 geschossen. In einem Schwarme 
von .'100—400 Staaren zeigten sich 12—15 Rosenstaare. Ein Exemplar, an- 
icneinend i ri rf, hielt sich durch längere Zeit in einem Garten auf, wo man 
M schonte. 



Der Zug des Rosenstaars im Jahre 1875. 



199 



Böhmen. Nach Mittheilungen des Herrn Apothekers Hellich in Podie- 
brad an Dr. A. Fritsch in Prag traf dort Ende Mai eine grosse Schaar dieser 
Vögel ein und Hess sich in dem herrschaftlichen Garten nieder. Nachdem dort 
mehrere erlegt worden waren, übersiedelten sie in den nahen Fasangarten, wo 
sie auch genistet haben sollen. (Gab. Journ. f. Orn. 1876, p. 78.) 

In der „Wiener Jagdzeitung- 4 (Aug. 1875, p. 468) berichtet Herr Forst- 
meister v. Scheure, dass Herr Förster Wollner zu Cepp bei Wittingau auf 
einem Vogelbeerbaume sechs Stück beobachtete und ein Paar erlegte, das an 
das fürstl. Museum nach Wohrad abgeliefert wurde. 

Nach Prof. Talsky in Neutitschein (Mittheii. d. Neutitsch. Jandwirth. 
Ver. XIII. Jahrg., p. 51) erschienen sie auch um Kvetinau bei Deutschbrod. 

Mähren. Im Juni beobachtete der Oberförster des Freiherrn v. Dalberg 
in Datzschitz 20 — 30 Stück, die auf den an der Strasse stehenden Pappel- 
bäumen sassen. Derselbe erlegte ein 9» das in die Sammlung des Barons 
kam. (Bar. v. Dalberg in litt.) 

Ueber das weitere Vorkommen der Rosenstaare in Mähreu schreibt Prof. 
Talsky in den „Mittheilungen des Neutitscheiner landwirthschaftlichen Vereines" 
(XHI. Jahrg., p. 51): 

„Wie in den meisten Ortschaften der Umgebung von Neutitschein, besteht 
auch in Ehrenberg die löbliche Sitte, Nistkästen für Staare in Gärten und auch 
ausserhalb derselben an Bäumen aufzuhängen. So wie jec^es Jahr, fanden 
sich auch heuer in dem Garten eines mir persönlich bekannten Grundbesitzers 
die Staare ein, um in Ruhe und Bequemlichkeit in den sicheren Kästen ihr 
Brutgeschäfc zu verrichten. Am 31. Mai gegen 5 Uhr Nachmittags vernahmen 
plötzlich die im Hofraume beschäftigten Hausleute, dass die sonst so friedlichen 
und ruhigen Staare im Garten etwas zu laut und unruhig wurden. Auch fiel 
ihnen ein eigenthümliches, fremdartiges Gekreische und Pfeifen auf, welches 
unmöglich von den bekannten Staaren herrühren konnte. Als nun einer der 
Hausbewohner in den Garten trat, um nach der Ursache zu sehen, da erblickte 
er 5 — 6 unbekannte, auffallend befiederte, staargrosse Vögel, welche über die 
friedlichen Staare hergefallen waren und sie im ganzen Garten herumtrieben. 
Rasch wurde eine alte Flinte geholt und mit leichter Mühe, da die Vögel nicht 
scheu waren, einer herabgeschossen. Die anderen flogen weiter, ohne durch 
den Knall des Gewehres und den Verlust eines Reisegefährten scheu geworden 
zu sein. Nun sah der ländliche Sonntagsschütze, dass seine Beute kein gewöhn- 
licher Vogel war und trotz des Versuches, denselben für sich auszustopfen, 
trieb ihn doch die Neugierde mit dem Vogel zu mir zu kommen, um zu 
erfahren, was er eigentlich erlegt habe. Auf diese Weise kam ich in den Besitz 
eines Rosenstaars, eines ziemlich alten, schönen Männchens. Ich untersuchte 
den Vogel und fand ihn gut genährt und ziemlich fett. Der Magen enthielt nur 
die halb verdauten Reste eines Maikäfers," 

„Durch diesen Fall aufmerksam gemacht, gingen nachträglich einige 
Naturfreunde täglich das Dorf ab, um Rosenamseln zu suchen. Allein nur 
einmal noch gelang es einem derselben eine einzelne anzutreffen und auch zu 



200 



v. Tschusi, 



erlegen. Es war den 3. Juni. Dieses Exemplar gehörte offenbar mit zu dem 
ersten Trupp, welcher, wie zu sehen, schon gesprengt worden war. Er wurde 
auf einem anderen Platze auf einer Eiche angetroffen, wo er wahrscheinlich 
den zahlreich vorhandenen Maikäfern nachging." 

Schlesien. Laut einer brieflichen Mittheilung des leider inzwischen 
verstorbenen Herrn Dilles jun. in Bielitz erhielt derselbe den 24. Mai zwei 
Rosenstaare aus der Umgegend zugeschickt. 

Galizien. Vom 21. Mai bis 2. Juni kam der Rosenstaar in Schaaren, 
besonders in Ost-Galizien vor. Den 31. Mai wurden 14 Exemplare in Zarzecze 
beobachtet. 

Aus einem Schreiben des erzherzogl. Albrecht'schen Försters Herrn Schwab 
in Sohl bei Saybusch theilte mir Herr Oberforstmeister W. Rowl and folgende 
auf das Erscheinen der Rosenstaare in dortiger Gegend bezügliche Stelle mit: 

„Es war am 24. Mai, Nachmittags gegen 3 Uhr, als auf einer vis-ä-vis 
der Sohler Brettsäge unmittelbar bei einer Kapelle stehenden Pappel circa 
25 Rosenstaare einfielen und sich dort längere Zeit aufhielten, bis sie endlich 
durch ihr auffallendes Gefieder dem bei der Säge beschäftigten Heger auf- 
fielen, so dass er hinging und auf sie schoss. Er erlegte einen, den ich aus- 
stopfte, und ein zweites Exemplar fiel in die Wachholdersträucher und konnte 
nicht aufgefunden werden; die übrigen zogen gegen Süden. Im Magen des 
erlegten befanden sich Wacbholderbeeren." 

TL Deutschland. 

Baiern. Nach Pfarrer Jäckel (Zool. Gart. 1876, p. 30) erhielt Herr 
Leu in Augsburg am 30 April ein altes in der Gegend von Augsburg bei 
Westheim erlegtes Männchen. 

Württemberg. In einem Schreiben an Vogel in Zürich theilt Baron 
König-Warthausen mit, dass im Mai und Juni bei Kissleg und Trauchberg, 
Oberamt Tettnang, Rosenstaare in kleineren Flügen erschienen; zwei wurden 
ausgestopft (Dr. Stölker, „Ornith. Beobacht." III. — Verhandl. d. St. Gallischen 
naturwissenschaftl. Gesellsch. 1874 — 1875.) 

Preussen. Den 25. Mai beobachteten der Forstmeister Hauschild 
und dei Oberförster Krebs von Dippmannsdorf in der Nähe der Kreisstadt 
Beizig in der Mark Brandenburg eine Gesellschaft von circa 18 Rosenstaaren 
;iiif den Chau.s.-ee-J'appeln, <lie eifrig mit der Vertilgung der dort sehr zahl- 
reich* n Maiküfer beschäftigt waren (Baron v. Droste-HülshofF, „Illustr. Jagd- 
zeit." tt 1875, p. 177 und „Zool. Gart." 1875, p. 390). 

Wie J. Schumi iin „Zool. Gart." (1875, p. 236) berichtet, wurde bei 
Kumpenheim unweit Offcnbach Anfangs Juni ein junges Männchen aus einer 
Gesellschaft gewöhnlicher Btaare erlegt. 

Hei Hohenfeld, in der Nähe von Torgau, wurden in der ersten Hälfte 
• les Juni aus einem Schwärm Rosenstaare zwei Junge erbeutet und ein 
angeschossenes Kxemplar entkam. Im Magen fanden sich Bruchstücke von 



Der Zug deB Rosenstaars im Jahre 1375. 



201 



Maikäfern vor. (Monatsschr. d. sächs.-thüring. Ter. f. Vogelk. v. Schlechtendal. 
t 1876, p. 13.) Nach Bau (Cab. Journ. f. Ornith. 1876. p. 101) wurde Mitte Mai 
bei Zschepen, in der Nähe von Delitzsch, ein Rosenstaar aus einem Fluge von 
30 Stück erlegt. Der Schwärm hielt sich drei Tage hindurch in einem kleinen 
Wäldchen auf. Holztheim theilt in der ..Gefied. Welt" (1875. p. 411) mit, 
dass in der Nähe von Tonischewo bei Pawlowo ein Rosenstaar aus einer Schaar 
gewöhnlicher Staare herausgeschossen wurde. Wie E. v. Horn eye r im r Zool. 
Gart." (1875, p. 450) berichtet, wurden in Pommern nach genauen Nachrichten 
Rosenstaare beobachtet, und zwar in grossen Schwärmen bei Stettin, bei 
Blasewitz unfern Anclam, bei Thalberg unfern Treptow a. T., bei Zarrentin 
unfern Demmin, einzeln bei Cüslin u. s. w. 

HL Schweiz. 

In den Verhandl. d. St. Gallischen naturwissenschaftlichen Gesellschaft 
(1874—1875, „Ornith. Beobachte HL Reihenfolge) führt Dr. Stoiker folgende 
Fälle an: 

-,Den 5. Juni erhielt Präparator Stauffer in Luzern ein Paar Rosen- 
staare, die etwa eine Viertelstunde ausserhalb der Stadt aus einem Finge von 
15 — 20 Stück erlegt wurden. Dieselben befinden sich jetzt in seinem sehr 
sehenswerthen Museum der Thiergruppen der Alpenwelt. Im Magen hatten sie 
Ueberreste von kleinen Heuschrecken und Käfern." 

„Anfangs Juni, während der Vogelausstellung des Toggenburger ornith. 
Vereines in Flawyl, wurde ein weiblicher Rosenstaar eingeliefert, der in dortiger 
Gegend mit der Hand gefangen wurde. Er hatte den einen Oberarm gebrochen, 
dessen Knochen aus der Haut hervorstand: wahrscheinlich war die Verletzung 
durch Anprall an einen Telegraphendraht, dem so viele Vögel zum Opfer fällen, 
entstanden und lieferte den Vogel in die Gefangenschaft. Sein nunmehriger 
Besitzer überliess mir aufs Zuvorkommendste den seltenen Gast, und nach 
einigen Beobachtungstagen tödtete ich den Vogel, um ihn noch in gutem 
Gefieder meiner Sammlung einzuverleiben. Während der Zeit meiner Beobachtung 
war der Vogel sehr munter, der Flügelbruch schien ihn wenig zu belästigen, 
und der Flügel lag auch auffallend gut am Leibe an. Er nahm gleich das 
gewöhnliche Iusectenfutter zu sich und liebte besonders Quark. Ein Zeichen 
durchgemachten Brütens war nicht vorhanden, der Eierstock gut entwickelt.** 

IV. Italien. 

Nirgends bot sich so reiche Gelegenheit zur Beobachtung dieser inter- 
essanten Fremdlinge als in Ober-Italien, und zwar hauptsächlich in der Provinz 
Verona, wo sie nicht nur in grosser Menge erschienen, sondern sich dort auch 
durch längere Zeit aufhielten, um dem Brütegeschäfte zu obliegen. 

Herr E. de Betta hat über das Auftreten der Heuschrecken und der 
Rosenstaare eine sehr interessante Arbeit „Le cavallete e lo storno roseo in 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 26 



202 



v. Ts chus i. 



provincia di Verona nell' anno 1875". — Atti del R. Istituto veneto di scienze, 
lettere et arti — Vol. II, Serie V — veröffentlicht, die ich der Güte des Ver- 
fassers verdanke und hier das Wichtigere in deutscher Uebersetzung wiedergebe. 

Der Rosenstaar erscheint nur sehr selten in der Provinz Verona und 
dann gewöhnlich in kleinen Flügen von 6, 10—12 Exemplaren im Mai und 
Juni und hält sich da nur kurze Zeit auf. „Es war daher", wie Betta schreibt, 
„eine wahre Ausnahme, als im Juni 1875 hundert und mehr solcher Vögel 
bemerkt wurden, die ungefähr eine Woche hindurch auf den Feldern längs des 
Strandes des Gardasees herumstreiften. In Villafranca erschien der Rosenstaar 
am 3. Juni, an welchem Tage 12.000 — 14.000 anlangten, die von den Mauern 
des Castells Besitz ergriffen und die dort brütenden gemeinen Staare, Schwalben, 
Sperlinge und Tauben vertrieben. Diejenigen, die keinen Platz mehr fanden, 
besetzten die Dächer der angrenzenden Häuser und verdrängten auch hier die 
Staare und Sperlinge. Die im Umkreis des Castells verbliebenen, machten 
sich gleich an die Reinigung der in den Mauern befindlichen Löcher und 
Spalten und beseitigten jedes Hinderniss, indem sie Steine, selbst von grösserem 
Gewichte, Scherben, Holzwerk, Stroh, Schädel und andere Skelettheile, die von 
hier verendeten oder von Mardern und Eulen umgebrachten Thieren herrührten, 
herabwarfen. Nach vollbrachter Reinigung begannen sie am 5. Juni in den 
Mauern ihre Nester anzulegen, die aussen aus Reisern, Stroh, Heu, Hundegras etc. 
bestanden. Der Napf war mit Grasfasern, Blättern, Moos und Federn aus- 
gefüttert. Erst am 17. Juni konnte ich die in manchem Neste vollzählige 
Eierzahl constatiren. Das Gelege besteht aus 5 — 6 Eiern von weissgrünlicher 
Farbe. Am 14. Juli waren die Jungen schon vollständig flügge, so dass sie 
alle mit den Alten in die Umgebungen von Gazol, Palü, Teze und Isola della 
Scala übersiedelten und von dort in einigen Tagen in südlicher Richtung weiter 
wanderten. 

„Um nicht einige Bermerkungen über die bisher nur wenig bekannten 
Gewohnheiten des Rosenstaars zu unterlassen, füge ich noch folgende, von mir 
gemachte, Beobachtungen bei. 

„Der Rosenstaar ist, so wie der gemeine Staar, der geselligste, lustigste 
und lebhafteste Vogel. Man sieht ihn immer geschäftig und unruhig herum- 
streifen. Der Gesang des Männchens ist ein ununterbrochenes Geschwätz, 
gemischt mit kreischenden unangenehmen Tönen. Der Ruf des Weibchens ist 
quiekend. Sowohl die Männchen, als auch die Weibchen beginnen ihr lang- 
andauerndes Geschwätz mit dem frühesten Morgen, das sie nach genommener 
Nahrung in Intervallen wieder erneuern. Die Männchen leben in beständigem 
Kampfe mit einander und versetzen sich gegenseitig unter den curiosesten 
Stellungen und indem sie die schwarze Federhaube erheben und ausbreiten 
Hiebe mit dem Schnabel. Für die Weibchen, welche während der Brütezeit 
das Nest nicht verlassen, zeigen die Männchen eine grosse Zuneigung und ver- 
teidigen und füttern sie mit grosser Sorgfalt. Während der ganzen Dauer 
der Blütezeit verliessen fast alle Männchen Abends die Niststelle und begaben 
sich nach den einig« Kilometer von Villafranca entfernten Umgebungen von 
Custozza und .St. Lucia dei Monti, um dort auf den hohen Bäumen zu über- 
nachten. Die .Jungen wurden von beiden Alten reichlich mit Nahrung ver- 
sorgt, die grösstenthcils aus Heuschrecken bestand. Es war äusserst interessant 
zu sehen, wie diese Menge von Rosenstaaren in Flügen von 10, 20 bis 40 sich 
zu diesem Zwecke auf die näher und weiter gelegenen Felder begab und dann 
vereint zu ihren Jungen zurückkehrte. Bei dieser Gelegenheit kann ich die 
Bemerkung nicht, unterlassen, dass sich auf so manchem Hausdache in Villa- 
franca der Boienitaai in der Gesellschaft des gemeinen Staares aufhielt. 
Ucbrigens beobachtete ich gleich nach ihrer Ankunft 3 — 4 dieser Vögel in 
i.i selbst, wo nie sieh einige Tage hindurch aufhielten und mit den Staaren, 
die in den Dächern älter öeb&ttde alljährlich nisten, in bester Harmonie lebten. 



Der Zug des Rosenstaars im Jahre 1875. 



203 



„Ich habe früher erwähnt, dass die vollständige Abreise der Rosenstaare 
von Villafranca am 14. Juli stattfand. Hiezu füge ich noch bei, dass schon 
am 12. in der Frühe ein allgemeiner Ausflug aufs Land unternommen wurde, 
von wo Abends nur einige Alte zurückkehrten. Auch wurde bemerkt, dass 
sich am 13. Nachmittags die Rosenstaare in sehr grosser Zahl auf den im 
Garten des Castells befindlichen Obstbäumen versammelten, was gleichsam das 
Signal zur allgemeinen Abreise in andere Gegenden war. 

„Dem massenhaften Fange dieser Vögel durch die Bewohner Villafrancas 
und der Umgebung wurde durch ein Gesetz Schranken gesetzt, um die Ver- 
mehrung der Vögel zu protegiren. Dessenungeachtet wurden viele gefangen 
und per Stück um 2—5 Lire verkauft; in letzterer Zeit verlangte man für ein 
Paar sogar 12, 15 — 18 Lire. Mit den jungen Rosenstaaren wurde ein förm- 
licher Handel getrieben und man konnte bei jedem ankommenden Eisenbahn- 
zuge auf der Station von Villafranca Männer und Kinder sehen, welche diese 
Vögel unter dem Namen „Famosi storlini di Villafranca" in kleinen Käfigen 
den Reisenden anboten. 

„Einige hielten die Jagd auf die Rosenstaare zum Schutze des Obstes für 
nöthig, da sie behaupteten, dass der an demselben verursachte Schaden weit 
grösser sei, als der Nutzen, den sie durch Vertilgung der Heuschrecken leisteten. 
Dieser Ansicht widersprechen jedoch sowohl die Aussagen der Landleute von 
Villafranca, als auch meine eigenen Beobachtungen, und ich kann versichern, 
dass, wenn sich auch manchmal die Rosenstaare von Kirschen nährten, ihr 
Schaden in dieser Richtung ein sehr geringer, kaum nennenswerther war, im 
Verhältniss zu dem Nutzen, den sie durch das Wegfangen der Heuschrecken 
leisteten. In der Gefangenschaft waren sie auf Obst sehr lüstern und jeder 
konnte es beobachten, mit welcher Begierde die Vögel über die ihnen gereichten 
Kirschen, Feigen, Birnen und Maulbeeren herfielen; sie verschmähten diese 
Früchte jedoch, so bald sie hinreichende Insectennahrung erhielten. 

„Was das Gefangenleben des Rosenstaares anbelangt, so will ich noch 
erwähnen, dass er sich so wie der gemeine Staar zähmen lässt, dieselbe Leb- 
haftigkeit und Beweglichkeit besitzt, besonders im Suchen und Sichstreitig- 
machen des Futters mit seinen Gefährten. Er badet sich oft und fast übermässig, 
nährt sich von jeder Art von Speise, z. B. von türkischem Weizenmehl, 
gekochtem Reis oder gekochter Polenta, von rohem gehackten Fleisch etc. 

„Ungeachtet der Leichtigkeit, sich schnell an die Gefangenschaft zu 
gewöhnen, darf man aber nicht glauben, dass alle Rosenstaare dieselbe ohne 
Folgen auf längere Zeit ertragen; denn schon in den ersten zwei Monaten zeigte 
sich eine Sterblichkeit von 80 Procent. Die jungen Vögel besonders litten 
häufig an geschwollenen Füssen und diese Krankheit zog gewöhnlich nach 
kurzer Zeit den Tod nach sich." 

Die in der Provinz Verona auftretenden Heuschrecken bestanden haupt- 
sächlich aus Acridium italicum. In welch 1 fabelhafter Menge sie dort vor- 
kamen, ersieht man aus den Angaben v. Betta's, nach welchen in zehn 
Communen 39.722 Kilogramm Heuschrecken gesammelt wurden. 



Obwohl die Rosenstaare auch früher öfters in grösserer Menge in 
Oesterreich und Ungarn beobachtet wurden, wir sogar Nachrichten über ihr 
Brüten bei uns besitzen, und sie in Dalmatien alljährlich im Mai beim Durchzuge 
in kleineren und grösseren Flügen beobachtet werden, so hat man doch nie- 
mals dem Zuge dieses Vogels besondere Aufmerksamkeit zugewendet, weshalb 
meist nur jene Fälle • zu unserer Kenntniss gelangten, wo es sich um ein 
massenhaftes Auftreten dieser Vogelart handelte. Es war mir daher sehr 
erwünscht, dass ich diesmal durch die Unterstützung meiner ornithologischen 

26* 



204 



v. TschtiBi. Der Zug des Rosenstaars im Jahre 1875. 



Correspondenten so reiches Material zusammenbringen konnte, wodurch man 
einen ziemlich genauen Ueberblick über die letzte bemerkenswerthe Immigration 
gewinnt. 

Das Gros zeigte sich, wie es scheint, zuerst in Slavonien und zwar sehr 
zeitig, bereits im März — eine Schaar von 30.000 — 40.000 — und mag sich 
dort in mehrere grössere Schwärme aufgelöst haben, die in der Lombardei und 
Ungarn erschienen, wo sie auch brüteten. Von diesen immerhin noch bedeutenden 
Schwärmen trennten sich wieder kleinere und grössere Flüge — wir treffen 
welche bereits gegen Ende März in Ober-Ungarn — welche als verirrte ziel- 
und planlos weiter wanderten. In grösseren Gesellschaften wurden sie in 
Deutschland bis Pommern (E. F. v. Homeyer) und einzeln in der Schweiz 
(Dr. Stölker) beobachtet, die grösste nach Norden vorgedrungene Schaar finden 
wir in Böhmen (Dr. Fritsch), wo die Rosenstaare auch genistet haben sollen. 
Leider ist über letzteres nichts Näheres bekannt geworden. Die nördliche und 
die westliche Grenze der österreichisch -ungarischen Monarchie haben grosse 
Flüge nicht überschritten. 

Auch über den Rückzug eines Theiles liegen zwei Beobachtungen vor 
und zwar aus der Lika (Oberlieutenant Turic), laut welchen den ganzen August 
und einen Theil des Septembers hindurch Flüge von 10—12 Stück beobachtet 
wurden und aus Alt-Gradiska (Joh. Grganovic), wo auf einer Wiese Ende 
October und Anfangs November über 700 Exemplare angetroffen wurden. 

Aus dem hier zusammengestellten Material ergibt sich, dass auch dies- 
mal wieder das Erscheinen der Rosenstaare theilweise mit dem massenhaften 
Auftreten verschiedener Heuschreckenarten im Süden und Südosten zusammen- 
fiel, dass sich jene hauptsächlich dort in Schaaren niederliessen und auch zur 
Fortpflanzung schritten, wo die Heuschrecken wirklich verheerend auftraten, 
und dass ferner nicht das massenhafte Erscheinen der Heuschrecken die Ver- 
anlassung zu einer Immigration der Rosenstaare gab, da diese bereits zu einer 
Zeit bei uns erschienen (im März in Slavonien, Croatien und Ungarn), wo sie 
ihre Lieblingsnahrung, die Heuschrecken, noch nicht finden konnten. Das 
massenhafte Auftreten der Heuschrecken ist daher diesmal und wahrscheinlich 
niemals die Veranlassung zu einer Immigration der Rosenstaare gewesen, wie 
man meist angenommen hat; sondern das plötzliche Eintreffen dieser ist, 
meiner Ansicht nach, nur ein Analogon zu einer gleichen Erscheinung: dem 
in manchen Wintern schaarenweisen Einwandern verschiedener nordischer 
Arten, z. B. der Leinfinken, der Seidenschwänze u. m. a. 

Früher hätte man ihr Eintreffen vor den Heuschrecken einem Ahnungs- 
vermögen zugeschrieben, doch dies ist eben der „gute alte Deckmantel" für 
so manche, wahrlich oft wunderbar scheinende Vorgänge im Thierleben, zu 
deren richtigem Verständnisse uns leider nur zu oft der Schlüssel fehlt. 



Amerikanische Spinnenarten aus den Familien der 
Pholcoidae, Scytodoidae und Dysderoidae. 

Von 

Graf Eugen Keyserling. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 4. April 1877.) 

(Mit Taf. VII.) 

Familie Pholcoidae. 

Thoreil 1 ) und ebenso L.Koch 2 ) bringen die Pholciden und Scytodiden 
in eine Familie und lassen beide nur als Unterfarnilien gelten, ebenso wie es 
schon früher E. Simon 3 ) gethan hatte, der sie aber neuerdings 4 ) in zwei weit 
von einander getrennte Familien theilt, indem er die Pholcoidae in der Nähe 
der Theridoidae lässt, die Scytodoidae dagegen an die Seite der Dysderoidae stellt. 

Die vollständige Trennung scheint mir das Richtigste zu sein, obgleich 
beide Familien im äusseren Habitus manche Aehnlichkeit besitzen. In den 
wichtigsten Organen aber sind sie, wie zum Beispiel in der Bildung der 
Geschlechtstheile und der Spinnwarzen, sehr verschieden. Alle Pholcoidae 
zeichnen sich durch den hohen schmalen Clypeus aus, während derselbe bei 
den Scytodoidae niedrig ist und die Augen dicht über dem Stirnrande oder 
wenigstens niemals hoch über demselben sitzen. Die Augenstellung ist bei 
beiden eine wesentlich verschiedene, ebenso die Klauenbildung, wie L. Koch 6 ) 
richtig bemerkt hat. Die Pholcoidae besitzen alle eine mehr oder weniger 
ausgebildete Epygine, die bei den Scytodoidae fehlt, die männlichen Geschlechts- 
theile der ersteren sind sehr complicirt, die der letzteren wiederum sehr ein- 
fach, ganz in der Art gestaltet wie bei den Dysderoidae und den Territelariae. 
Die Spinnwarzen der Pholcoidae stehen in drei Reihen und sind ähnlich 



On European Spiders p. 101. 
2 ) Arachn. Australiens p. 281. 
*) Histoire nat. des Araignees p. 43. 
*) Les Arachnides de France p. 14. 
s ) Araclmiden Austral. p. 291. 



206 



Graf Eugen Keyserling. 



geformt wie bei den Theridoidae, die der Scytodoidae bilden nur zwei Reihen, 
indem in der oberen sich vier, in der unteren zwei befinden, zwischen denen 
noch ein kleiner, konischer Körper sitzt, der bei der Gattung Scytodes 1 ) am 
Ende stumpf, bei Loxosceles spitz ist. Dieses eigentümliche Gebilde, dessen 
Zweck und Gebrauch mir unbekannt ist, finde ich in keiner der früheren 
Schriften erwähnt. Bei allen Arten, die ich Gelegenheit zu untersuchen hatte, 
findet sich dieser corpus intermamillare, wie ich ihn nennen will und bietet, 
meiner Ansicht nach, eines der wichtigsten Merkmale dieser Familie. 

Welche Stelle die Scytodoidae im System einnehmen sollen, ist schwierig 
zu entscheiden, da sie trotz ihrer Eigenthümlichkeiten, in vielen Punkten den 
Theridoidae, in anderen dagegen den Dysderoidae, namentlich in der Bildung 
der Geschlechtstheile, ähnlich sind. Jedenfalls halte ich es für nöthig sie als 
besondere Familie zu betrachten und lieber in die Nähe der Dysderoidae zu 
stellen, wenn auch nicht, wie E. Simon, sie mit diesen in einer besonderen 
Unterordnung zu vereinigen, da sie durch den Besitz von nur ein Paar Lungen- 
öffnungen, vorn an den Seiten des Bauches, von diesen doch wesentlich ver- 
schieden sind. 



Gen. Pholcus Walck. 

Pholcus annulipes n. sp. 
Tab. VII, Fig. 1—1 a. 

Weib: 

Totallänge 6-8 Mrn. 

Cephalothorax lang 2 9 „ 

„ in der Mitte breit 3*1 „ 

„ vorn breit 1*0 „ 

Abdomen lang 4*0 „ 

„ hoch 4*4 „ 

„ breit 3*1 „ 

Mandibeln lang 1*0 „ 

Fem. Pat. Tib. Metat. Tar. Summa 

1. Fuss 7-3 13 7 3 10 3-5 = 29'4 Mm. 

2. „ 6-1 i-3 60 80 2-2 23'6 n 

3. „ 48 1-1 4'2 60 1 7 178 „ 

4. „ 73 12 52 7-2 20 22'9 „ 

Der Cephalothorax gelb mit braunem in der Mitte etwas eingeschnürtem 
Längsbande und ebenso gefärbten, meist dreieckigen Flecken an den Seiten; 
die Seitenränder aber, ebenso wie die Ränder des Clypeus, gelb gesäumt. Die 

') I'.ei den von mir unterduohten amerikaniHchen Arten der Gattung Scytodes Latrl. ist 
nifhttr BOffUI IntflUlWlUlMM ziemlich gtOU und deutlich hichtbar, während er bei Sc. thoracica Latrl. 
irnmT *#>hr kltifl Ift und daher leicht tibernehen werden kann. 



Amerikanische Spinnenarten. 



207 



Mandibeln rothbraun, die Maxillen und die Lippe röthlich, das Sternum gelb, 
roth gesäumt und mit drei kleinen röthlichen Flecken an jeder Seite. Die 
Palpen rothbraun, die Beine gelbröthlich mit je vier dunkelrothen Ringen an 
den Schenkeln und Tibien. Der Hinterleib braun, unten etwas heller, an den 
Seiten mit undeutlichen netzartigen Linien weitmaschig überzogen, die von 
kleinen gelben Pünktchen gebildet werden und einem länglichen gelben Fleck 
über den rötblichen Spinnwarzen. Die Epygine roth. 

Der Cephalothorax etwas breiter als lang, kürzer als der Tarsus I, an 
den Seitenrändern etwas wulstartig erhöht, in der Mitte von einer tiefen Längs- 
rinne getheilt, die vom hinteren Ende des Kopftheils bis zum Hinterrande 
reicht. Der Brusttheil ziemlich gewölbt, der Kopftheil durch Seitenfurchen 
sehr deutlich markirt, erhebt sich vorn ziemlich bedeutend, der Clypeus fällt 
sanft nach vorn geneigt ab und ist bedeutend länger als die Mandibeln. 

Die auf kleinen Hügelchen sitzenden Augen bilden zwei Querreihen, von 
denen die vordere ziemlich gerade und die hintere deutlich nach hinten gebogen 
(recurva) ist. Die Mittelaugen der vorderen Reihe sind sehr klein, liegen dicht 
bei einander und um ihren Durchmesser von den Seitenaugen, die ebenso gross 
als die hinteren Seitenaugen sind aber grösser als die hinteren Mittelaugen, 
die von einander um mehr als ihren Durchmesser und ebenso weit von den 
vorderen Seitenaugen sitzen. Die hinteren Seitenaugen werden von den vorderen 
Seitenaugen und hinteren Mittelaugen nur durch einen geringen Zwischenraum 
getrennt. 

Die Mandibeln so lang als der Kopftheil vorne breit, kürzer als die 
Patellen I, sind vorn recht flach und besitzen am Ende, an der Innenseite, 
einen spitzen Dorn, wie auch die anderen Arten dieser Gattung. 

Die Maxillen an der Basis etwas gewölbt, ziemlich schmal, vorne 
zugespitzt, neigen sich gegen einander über die Lippe, bleiben aber doch vorne 
ziemlich weit von einander entfernt und haben vorn an der Innenseite gerade 
parallele Ränder. 

Die mit Sternum verwachsene Lippe, vorn leicht gerundet, nicht ganz 
halb so lang als die Maxillen. 

Das Sternum etwas breiter als lang, hinten recht tief ausgeschnitten, 
ziemlich gewölbt, ist glänzend und mit sehr wenigen kleinen dunkel gefärbten 
flachen Grübchen überstreut, aus denen sich kleine Borstenhärchen erheben. 

Die Beine kurz behaart, kräftiger und mässiger lang als bei den anderen 
Arten, das erste Paar ungefähr nur zehnmal so lang als der Cephalothorax, 
das zweite Paar etwas länger als das vierte. Die Klauen am Ende der Tarsen 
sind ebenso wie die unserer europäischen Arten gebildet. 

Die Palpen sehr kurz und dünn, besonders dünn das Endglied, das an 
der Spitze, statt der Klaue, mit einem kurzen stumpfen Dorn bewehrt ist. 

Der vorzüglich hinten sehr hohe und wenig längere als breite Hinterleib, 
scheint nur sehr spärlich behaart gewesen zu sein. Die Epygine besteht aus 
einer grossen herzförmigen, recht stark gewölbten Platte. 



208 



Graf Engen Keyserling. 



Ausser diesem beschriebenen Exemplar besitze ich noch mehrere un- 
entwickelte männliche und weibliche Thiere, die ganz ebenso gestaltet und 
gefärbt sind, von denen aber einige darin abweichen, dass bei ihnen sich die 
braunen Flecken am Rande des Cephalothorax zu Seitenbändern vereinigen. 

Südamerika, St. Fe de Bogota. 



JPh* gibbosus n. sp. 
Tab. VII, Fig. 2—2«. 

Weib: 

Totallänge 3-8 Mm. 

Cephalothorax lang 15 „ 

„ in der Mitte breit 16 „ 

„ vorn breit 0*7 „ 

Abdomen lang 2*3 „ 

hoch 2-0 „ 

breit 1*8 „ 

Mandibeln lang 0*7 „ 

Fem. Fat. Tib. Metat. Tar. Summa 

1. Fuss 6-2 0-8 6-3 8'8 H = 23'5 Mm. 

2. „ 48 0-8 4-3 6-2 H == 17"2 „ 

3. „ 3-6 0'7 3-1 4.6 1-0 = 13-0 „ 

4. „ 50 0-7 4-7 63 11 = 179 „ 



Der Cephalothorax gelb mit bräunlicher Mittelritze, bräunlichen Seiten - 
furchen des Kopftheils und einigen ebenso gefärbten undeutlichen Flecken 
jederseits über dem Seitenrande. Die Mandibeln röthlichgelb, die Maxillen gelb, 
die Lippe und das Sternum bräunlich. Die Beine und Palpen hell gelb mit 
röthlichen Ringen am Anfange und etwas vor dem Ende der Schenkel und 
Tibien. Der Hinterleih gelblich braun, am Bauche etwas heller, auf dem Rücken 
und an den Seiten mit vielen kleinen schwarzen Flecken überstreut, die 
auf dem hinteren Theil an den Seiten in schrägen hinabsteigenden Reihen 
geordnet sind. 

Der Cephalothorax massig gewölbt, an den Seitenrändern ziemlich breit 
wulstförmig erhöht, etwas breiter als lang, mit breitem, massig hohem Kopf- 
theil, der an den Seiten durch tiefe Furchen und hinten von einer kurzen aber 
tiefen Mittelgrube begränzt wird. Am hinteren Ende dieser Mittelgrube erhebt 
sich ein, von der Seite betrachtet, konisch geformt erscheinender Höcker, der 
an der Vorderseite einen tiefen Einschnitt besitzt und etwas höher emporragt 
als der Kopftheil. 

Die Augen stehen sehr gedrängt in zwei wenig nach vorn gekrümmten 
(procurvaej Reihen. Die vorderen sehr gewölbten Mittelaugcn, wenig kleiner 
;ils dfc hinteren, iSteen dicht bei einander und ebenso auch sehr nahe an den 
Seitenwagen, 'Ii'- etwas grösser sind als die ziemlich gleich grossen der hinteren 



Amerikauische Spinuenarteu. 



209 



Reihe, deren Mittelaugen um ihren Durchmesser von einander und kaum mehr als 
halb so weit von den vorderen Mittelaugen entfernt liegen. Die hinteren Seiten- 
augen berühren fast die vorderen Seitenaugen und die hinteren Mittelaugen. 

Die Mandibeln, so lang als die Patellen, sind vorn an der Basis etwas 
gewölbt und haben am Ende an der Innenseite, wie gewöhnlich, einen Dorn. 

Die Maxillen schmal, über die Lippe geneigt, an der Basis oder nur sehr 
unbedeutend gewölbt, vorn zugespitzt und mit ihren parallelen Innenrändern 
einander ziemlich genähert. 

Die mit dem Sternum verwachsene, fast so lange als breite Lippe, wird 
nach vorn zu allmälig schmäler, endet mit einer abgerundeten Spitze und ist 
mehr als halb so lang als die Maxillen. 

Das Sternum wenig gewölbt, nicht glänzend, ist etwas breiter als lang 
und endet hinten mit einem breiten nicht ausgeschnittenen Rande. 

Die kurz und spärlich behaarten Beine recht lang und dünn, das erste 
Paar fast 16mal so lang als der Cephalothorax und das vierte etwas länger als 
das zweite. 

Die mässig langen und dünnen Palpen besitzen ein spitz endendes 
Endglied. 

Der hochgewölbte, spärlich behaarte, fast ebenso hohe als lange Hinterleib 
ist an den Seiten etwas zusammengedrückt und oben an zwei Stellen der Quere 
nach unbedeutend vertieft, so dass der Rücken von der Seite betrachtet, ein 
wellenförmiges Ansehen bietet. Die grosse Epygine besteht aus einer stark 
gewölbten herzförmigen Platte, deren vordere Ecke in einen kurzen hakenförmigen, 
nach unten gekrümmten, flachen Fortsatz verlängert ist, der mit zwei kleinen 
Spitzen endet. 

Südamerika. St. Fe de Bogota. 

Folgende Arten sind noch ausserdem in Amerika heimisch: 

Pholcus atlanticus Hentz. A Collection of the arachnological writ- 
ings of N. M. Hentz by Edw. Burgess, p. 157, pl. 17 Fig. 7 und pl. 21 Fig. 18. 
J. H. Emerton hält diese Art für identisch mit Ph. phalangoides Fuessl. 
(Psyche. Organ of the Cambridge Entomological Club. Vol. I, p. 129. 1876) 
Nach der Zeichnung der männlichen Palpen, die er in dem oben citirten Werk 
gegeben hat, zu urtheilen, hat er wohl auch recht, Ph. phalangoides scheint 
überhaupt sehr weit verbreitet zu sein; in der Sammlung des Herrn Bösen- 
berg in Hamburg befinden sich viele Exemplare aus Uruguay und wahr- 
scheinlich ist auch 

Pholcus americanus Nicolet in Gay hist. fis. et pol. de Chile p. 463, 
pl. 4, Fig. 8 nichts anderes als Ph. phalangoides. 

Pholcus globulosus Nicol. loc. c. p. 464, pl. 4, Fig. 7. 
Artema atlanta Walck. Ins. apt. Tom. I, p. 656. 

Z. B. Ges. B. XXVII. Ahh. 27 



210 



Eugen Graf Keyserling. 



Farn. Scytodoidae. 

Genus Scytodes Latrl. 

Sc. longipes Lucas. 
Tab. VII, Fig. 3-3 a. b.c. 
Ann. Soc. entom. de France. Serie II, tom. 3. 1845. 
Sur une nouvelle espece d'araneiide, appartenant au genre Scytodes, 
par Lucas, p. 71. pl. I, flg. 2. 



Weib: 

Totallänge 85 Mm. 

Cephalothorax lang 4*0 „ 

„ in der Mitte breit 3*3 „ 

„ vorn breit 1*0 „ 

„ hinten hoch 2*7 „ 

Abdomen lang 4 6 „ 

; breit 2*6 „ 

hoch . Vo 2.3 „ 

Mandibeln lang 0'9 „ 

Fem. Pat. Tib. Metat. Tar. Summa 

1. Fuss 9*5 1-0 9-6 12 9 1"7 = 34*7 Mm. 

2. „ 7*6 1-0 7-2 9-7 1-4 = #9 „ 

3. „ . 5'3 1-0 45 6-0 1*3 = 181 „ 

4. „ 7-2 1-0 6-7 8-0 1 4 = 243 . 



Der Cephalothorax gelb mit unregelmässigen, länglich ovalen, braunen 
Flecken an den Seiten und einem ebenso gefärbten Längsbande oben über dem 
Rücken, das in der Mitte durch ein schmales gelbes Band getheilt und durch 
gelbe Flecken vielfältig unterbrochen wird. Die hintere Abdachung des Brust- 
theils dunkler braun ; die Mandibeln gelb mit braunem, innen gelbem Kreisfleck 
im oberen Theil, die Maxillen gelb mit braunem Strich an dem Aussenrande, 
die Lippe auch gelb, in der Vorderhälfte braun und am Vorderrande ganz 
hellgelb. Das braune Sternum ist in der Mitte mit einem vorn breiteren, hinten 
spitz zulaufenden, gelben Längsfleck geziert und ausserdem hat es an den 
Seiten je drei und vorn an der Lippe einen ebenso gefärbten ovalen Fleck. Die 
Beine gelb mit fein braun gefleckten Schenkeln, ziemlich dunklen Patellen, 
drei undeutlichen, schmalen, braunen Ringen an den Tibien der beiden Hinter- 
paare und etwas dunklqrem Ende der Tarsen. Die Palpen gelb, undeutlich 
dunkler gerunzelt, besonders an den Tibien und Tarsen. Der schmutziggelbe 
Hinterleib hat unten schwarze Längendecken, hinten in der Mitte ein V-förmiges 
und jederseits ein von den Spinnwarzen nach den Längendecken hinaufreichendes, 
oft unterbrochenes schwärzliches Längsband. Der erhabene Rand, der beiden 
hinter der Bauchfalte befindlichen Vertiefungen, ist auch schwarz, während sie 



Amerikanische Spianenarten. 



211 



innen braun gefärbt sind. Der Rücken und die Seiten des Hinterleibes sind mit 
vielen kleinen ovalen oder unregelmässig geformten schwarzen Fleckchen übersäet, 
von denen sich oben vor den Spinnwarzen einige grössere ovale auf der Mittellinie 
schräg einander gegenüber gestellt befinden. Alle Spinnwarzen gelb und nur 
die beiden grossen, unteren an der Aussenseite braun. 

Der Cephalothorax um den fünften Theil länger als breit, vorn sehr 
schmal, hinten mässig hoch, bedeutend niedriger als in der Mitte zwischen dem 
zweiten und dritten Fusspaare breit, erhebt sich hinten ganz steil, hängt aber 
mit dem oberen Theil nur unbedeutend über und fällt nach der Stirn zu etwas 
gewölbt, sanft geneigt ab. Die BehaaruDg ist ganz abgerieben, scheint aber nur 
spärlich gewesen zu sein. 

Die Augen sind alle ziemlich gleich gross, höchstens die hinteren seit- 
lichen etwas kleiner als die anderen. Die beiden mittleren sitzen nicht ganz 
um ihren Durchmesser vom Stirnrande und fast um das Vierfache desselben 
von den seitlichen entfernt, die von einander nicht ganz doppelt so weit als 
von den mittleren und um mehr als das Vierfache des Durchmessers eines ihrer 
vorderen Augen über dem Seitenrande liegen. 

Die Mandibeln schwach, so lang als die Patellen, an der Aussenseite 
mit einer Eeihe kleiner Querwülstchen versehen, etwas nach vorn gerichtet und 
vorn nur mit einzelnen Härchen besetzt. 

Die Maxillen an der Basis recht dick, werden nach vorn zu allmälig 
schmäler, stehen gegen einander geneigt, umschliessen aber die Lippe nicht 
so sehr wie bei den anderen Arten dieser Gattung, auch sind ihre vorderen 
Innenränder weniger einander genähert. Der Aussenrand ist auch nicht gerundet, 
sondern ein wenig ausgebuchtet. 

Die Lippe vorn stumpf, gerundet, wird nach hinten zu breiter und ist kaum 
zwei Drittel so lang als die Maxillen. Die Grenze zwischen der mit dem 
Sternum verwachsenen Lippe und diesem ist durch eine flache wenig bemerkbare 
Furche angedeutet. 

Das in der vorderen Hälfte etwas breitere, um den dritten Theil höchstens 
längere als breite Sternum vorn und hinten gerundet, sehr wenig gewölbt und 
am Rande, gegenüber den Ansatzstellen der Beine, mit geringen Erhöhungen 
versehen. 

Das eiförmige Abdomen läuft hinten ziemlich spitz zu. Unten am Bauch, 
gleich hinter der Stelle, wo sonst die Epygine sich befindet, liegen neben 
einander zwei recht lange, flache, ovale, innen glänzende Vertiefungen, deren 
innere und untere Ränder wulstförmig erhöht sind. 

Die mit kurzen Härchen bekleideten Beine sehr lang und dünn, das 
erste Paar 8V 2 mal so lang als der Cephalothorax, das vierte Paar mehr als um 
seinen Metatarsus kürzer als das zweite. Die drei Klauen am Ende der Tarsen 
sitzen an einem ziemlich langen, besonderen Gliede, die kleine Klaue ist mit 
einem Zähnchen, die eine grosse mit einer Reihe und die anderen mit zwei 
Reihen von je 8—9 bewehrt. So ist die Bezahnung des ersten Fusspaares, das 

27* 



212 



Graf Engen Keyserling. 



vierte Paar hat an jeder der grossen Klauen nur drei Zähnchen, die eine 
derselben ist oben auch zweireihig. 

Am Ende der Palpen befinden sich wie gewöhnlich keine Klauen, sondern 
statt derselben, zwei starke, am Ende gekrümmte und knopfförmig verdickte, 
Dornen. 

Südamerika. Neu- Granada. 

Ausser einem entwickelten, weiblichen Exemplare besitze ich noch 
mehrere jüngere, deren Cephalothorax weit höher gewölbt und verhältnissmässig 
weit kürzer ist, sonst aber in der Zeichnung und Färbung mit dem beschriebenen 
übereinstimmen. 

Sc. vittata n. sp. 
Tab. VII, Fig. 4. 

Weib: 

Totallänge . . . ■ . . 5"0 Mm. 

Cephalothorax lang 2'3 „ 

„ hinten hoch 1*7 „ 

„ in der Mitte breit 1*9 „ 

7 , vorn breit 0*7 „ 

Abdomen lang 3'0 „ 

'j breit. . . . . . . . . . . . . . . 21 „ 

„ hoch ." . ^ . .... /;V' s v? 2 * 3 » 

Mandibeln hoch • - 7 „ 

Fem. Pat. Tib. Metat. Tar. Summa 

1. Fuss 2-8 0-8 2-4 2'8 0*9 = 9*7 Mm. 

2. „ 21 0-8 1-8 2-2 0-9 ±= 7*8 „ 

3. „ . 1-7 0-7 1-2 1-4 0-9 = 5*9 „ 

4. „ 21 0-8 1-9 2 0-9 *= 7*7 „ 

Die Grundfarbe des Cephalothorax ist gelb, die Seitenränder und der 
Hinterrand sind breit braun gesäumt, oben über der Mitte läuft ein ziemlich 
breites, bisweilen unterbrochenes Längsband, das in der Mitte durch ein gelbes 
Längsband getheilt wird, in dem wiederum ein brauner schmaler Längsstrich 
liegt, der an den Mittelaugen beginnt und bis zur höchsten Höhe des Rückens 
hinaufreicht. An den Seiten bemerkt man einige schmale braune Bänder, die 
von dem Seitenrande zu dem braunen Mittelbande hinaufstreichen und ovale 
gelbe Flecken bilden. Die Mandibeln braun mit gelber Spitze, die Maxillen 
gelb, die Lippe bräunlich mit hellem Vorderrande, das Sternum braun, hell 
gefleckt, gegenüber den Ansatzstellen der Coxen. Die Beine gelb mit braunen 
Schenkeln und undeutlichen dunkleren Ringen am Anfange, in der Mitte und 
am Ende der Tibicn, besonders der beiden Hinterpaare. Bei den beiden jüngeren 
und heller gefärbten Exemplaren sind alle Glieder mehr oder weniger deutlich 
gefleckt und ebenso auch die Schenkel, die Palpen braun, nur an der Spitze 
de» Endgliedes gelb. Der Hinterleib des einen dunkleren Exemplares, dessen 
Cephalothorax auch fast ganz braun ist und die oben beschriebene Zeichnung 
nur undeutlich erkennen lässt, ist bläulich schwarz mit sehr wenig sichtbaren 



Amerikanische Spinnenarteu. 



213 



Querbändern, während die helleren Exemplare einen schwarzen Hinterleib besitzen, 
der oben und an den Seiten von drei schmalen weissen Querbändern umgürtet 
wird, von denen das vorderste unten am Bauche, etwas vor den Spinnwarzen, 
vereinigt ist und die beiden hinteren jederseits bis in die Nähe derselben 
reichen. Oben auf dem Rücken bilden diese weissen Querbänder eine nach 
vorn gerichtete Spitze und hinter ihnen auf dem hintersten Theil des Rückens 
liegen noch ein Paar solcher Bänder, die aber weit kürzer und wenig deut- 
lich sind. 

Der Cephalothorax um den sechsten Theil länger als breit, vorn sehr 
schmal, hinten sehr hoch, fast so hoch als in der Mitte zwischen dem zweiten 
und dritten Beinpaare breit, erhebt sich hinten sehr steil, hängt mit dem 
oberen Theil sogar etwas über, fällt nach der Stirn zu recht gewölbt, erst 
sanft, dann aber steiler geneigt ab. Die Oberfläche desselben ist mattglänzend 
und scheint sehr wenig behaart gewesen zu sein. 

Alle Augen ziemlich rund und weiss gefärbt, die beiden mittelsten 
unbedeutend grösser als die seitlichen , sind vom Stirnrande kaum mehr als 
um ihren Halbmesser entfernt. Die Seitenaugen, von denen das hintere unbe- 
deutend kleiner als das vordere ist, sitzen an einem ziemlich hervorragenden 
Hügel um das anderthalbfache des Durchmessers einer ihrer Vorderaugen über 
dem Seitenrande und ebenso weit von den Mittelaugen. 

Die Mandibeln so lang als die Patellen, vorn ziemlich flach, haben am 
Ende, ebenso wie die anderen Arten dieser Gattung, eine sehr kleine an der 
Basis ziemlich dicke und mit feiner dünner Spitze endende Klaue. 

Die an der Aussenseite gerundeten Maxillen umschliessen die Lippe und 
stossen vorn fast aneinander. 

Die vorn gerundete Lippe, kaum mehr als halb so lang als die Maxillen, 
ist mit dem Sternum verwachsen und nur durch eine deutliche Furche von 
diesem getrennt. 

Das Sternum oval, spärlich behaart, hinten gerundet, fast doppelt so 
lang als breit und am Seitenrande, gegenüber den Coxen mit Erhöhungen 
versehen. 

Das Abdomen hat eine ovale Gestalt und ist etwas höher als in der 
Mitte breit. 

Die Spinnwarzen sitzen in zwei Reihen, oben 4 und unten 2. Die 
beiden unteren, zwischen denen der kleine, stumpfe, kegelförmige Körper sitzt, 
bedeutend dicker aber kaum länger als die beiden oberen seitlichen. Die 
unteren, sowie auch die beiden oberen seitlichen Spinnwarzen, haben ein ganz 
kurzes zweites Glied. 

Der an der Basis verdickte Femoraltheil der Palpen etwas kürzer als das 
dünne vorn spitze Endglied, das bedeutend länger ist als der dickere Tibial- 
theil. Der Patellartheil kaum mehr als halb so lang als die Tibia. Am Ende 
des Tarsaltheils sitzen zwei nur am Ende gekrümmte stumpfe Dornen. 

Die Beine dünn, die Schenkel etwas gekrümmt, das erste Paar 4 2 / 10 mal 
so lang als der Cephalothorax, das vierte Paar um seinen Metatarsus kürzer 



214 



Graf Eugen Keyserling. 



als das erste, ebenso lang als das zweite, das dritte das kürzeste. An allen 
sind keine Stacheln vorhanden und die Bekleidung besteht nur aus kurzen 
Härchen. Die drei Klauen an den Tarsen des ersten Fusspaares sitzen an einem 
ziemlich langen frei beweglichen Gliede, die kleine derselben hat ein Zähnchen, 
die eine grosse eine Reihe und die andere zwei Reihen von je 7 — 8. 

Südamerika. St. Fe' de Bogota. Sämmtliche drei Exemplare in meiner 
Sammlung, von denen das eine ein Männchen ist, sind noch nicht ganz aus- 
gebildet. 

Ausserdem sind noch folgende Arten als in Amerika vorkommend be- 
schrieben worden: 

Scytodes fusca Walck. Ins. apt. Vol. I, p. 272. 

Scytodes globula Nicolet. Hist. fis. et pol. de Chile par Cl. Gay. 
p. 347, tab. II, fig. 1—2. 

Scytodes cameratus Hentz. A collection of the arachnological writ- 
ings of N. M. Hentz edit. by E. Burgess. Boston 1875, p. 141, tab. 15, fig. 17. 
Nach J. H. Emerton (Psyche, Organ of the Cambridge Entom. Club. Cambridge, 
Massachusets 1876, p. 129.) diese Art identisch mit unserer europäischen 
Sc thoracica Ltrl. 

Gen. Loxosceles Hein et Lowe. 

Lox. rufipes Luc? 
Tab. VII, Fig. 5. 
Lucas, Magazin de Zoologie p. Gue'rin Cl. VIII. pl. 6. 
Nicolet, Hist. fis. et pol. de Chile par Cl. Gay. p. 348. tab. I, Fig. IT. 



Weib: 

Totallänge 10 8 Mm. 

Cephalothorax lang 5'5 „ 

„ in der Mitte breit 4 '5 „ 

„ vorn breit 2*0 „ 

Abdomen lang 6'6 „ 

breit 4'1 

Mandibeln lang 1"8 „ 

Fem. Pat. Tib. Metat. Tar. Summa 

1. Fuss 6*2 2*0 6-0 ü-0 1-9 -\ 221 Min. 

2. „ 6 5 2 6 3 6-3 19 230 „ 

3. „ 61 18 50 5-8 1-8 205 „ 

4. , 7-1 2-0 6'3 80 1-9 25*3 „ 



Der Cephalothorax und das Sternum gelb oder rötlilich gelb, die Mandibeln 
schwarzbraun, die Lippe und die Maxillen rothbraun, die Beine bräunlich gelb 
mit rOtblichem Anflug an der Basis dos Fomura des ersten Beinpaares und an 
allen Tarsen und Metatarsen, aber besonders an denen der beiden ersten Paare; 
die Palpen gelb mit rothbraunem TibialOieil und Endgliede. Bei den jungen 



Amerikanische Spinnenarten. 



215 



Thieren sind Beine und Palpen einfach gelb. Das bellbraune Abdomen unten 
mit dunkleren Härchen spärlich bekleidet. 

Der Cephalothorax um den sechsten Theil länger als breit, vorn nicht 
halb so breit als in der Mitte zwischen dem zweiten und dritten Fusspaar, 
ziemlich gewölbt mit massig tiefer Mittelritze. Denkt man sich den schmal 
vorspringenden und durch Seitenfurchen deutlich begrenzten Kopftheil weg- 
geschnitten, so hat der Cephalothorax eine runde Gestalt und fällt an den 
Seiten und hinten gleichmässig gewölbt ab. Dieser ganze Körpertheil ist spar- 
sam mit feinen Härchen bekleidet, zwischen denen stärkere Borstenhaare stehen, 
besonders deutlich sind solche auf dem Kopftheil in Längsreihen geordnet. 
Auch an den Seiten befinden sich ein Paar, aber weniger deutlicher Borsten- 
reihen, die von der Mittelritze nach den Seitenrändern hinabsteigen, ohne jedoch 
diese zu erreichen. 

Die paarweise dicht bei einander liegenden Augen sind alle von ziemlich 
gleicher Grösse, die mittelsten von den seitlichen doppelt so weit entfernt als 
der Durchmesser einer derselben beträgt und liegen viermal so hoch über dem 
Stirnrande. 

Die Mandibeln, etwas kürzer als die vorderen Patellen, sind vorn unbe- 
deutend gewölbt und am Ende an der Innenseite mit einem spitzen Dorn bewehrt. 

Die schmalen Maxillen umschliessen ebenso wie L. rufescens Duf. die 
beträchtlich längere als breite, vorn gerundete Lippe, die ganz ebenso wie bei 
dieser Art gestaltet ist. 

Das Sternum etwas länger als breit, hinten spitz, mässig gewölbt und 
mit kleinen braunen Grübchen überstreut, aus denen sich Borstenhärchen erheben. 

Die Beine stachellos, mit feinen, in regelmässigen Reihen geordneten 
Härchen ziemlich dicht bekleidet. Das vierte Paar 4 6 /io ma l so l an g als der 
Cephalothorax, sichtlich länger als das zweite, Metatarsus III etwas länger als 
der Cephalothorax. Die innere Klaue am Ende der Tarsen des ersten Fuss- 
paares hat 11 und die äussere 10 Zähnchen, beide sitzen an einem besonderen 
beweglichen Gliede, das an der unteren Seite nach vorn gerichtete, sägeförmige 
Borsten trägt. Die Klauen am Ende des vierten Fusspaares haben nur 5 und 
6 Zähnchen. 

Die Palpen bieten nichts Besonderes und an der Spitze des Endgliedes 
befindet sich, wie bei den anderen mir bekannten Arten dieser Gattung, keine 
Klaue, sondern nur einige stachelartige Borsten. 

Das länglich ovale Abdomen ist hinten stumpf zugespitzt, vorn abgerundet. 

Die beiden untersten eingliedrigen, cylinderförmigen, fast mehr als 
doppelt so langen als dicken Spinnwarzen sind bedeutend länger und etwas 
dicker als die beiden äusseren zweigliedrigen der oberen Reihe, zwischen denen 
das ganz kleine dritte Paar sitzt. Zwischen den beiden unteren Paaren befindet 
sich das konisch geformte, mit Borstenhaaren besetzte und spitz endende 
corpus intermamillare. 

Südamerika. Uruguay. Zahlreiche weibliche und einige unentwickelte 
männliche Exemplare in der Sammlung des Herrn Bösenberg in Hamburg. 



216 Graf Eugen Keyserling. 

Lox. lutea n. sp. 

Weib: 

Totallänge . 7'7 Mm. 

Cephalothorax lang 3 3 „ 

„ in der Mitte breit 2'9 „ 

„ vorn breit 1*5 „ 

Abdomen lang . . . 4*4 „ 

breit 2*6 „ 

Mandibeln lang . 1/2 „ 

Fem. Pat. Tib. Metat. Tar. Summa 

1. Fuss 3-9 1-1 3-9 3-8 1*5 = 14*2 Mm. 

2. „ 4-2 11 4-0 4-0 1-5 = 14'8 „ 

3. „ 3-8 1-0 32 3-2 1*8 — 12*5 „ 

4. „ . 4-0 11 4-0 4-3 1-4 = 14*8 „ 



Der Cephalothorax röthlich gelb mit dunklerer Mittelritze und dunkleren 
Seitenfurchen des Kopftheils, die Mandibeln roth, die Lippe, die Maxillen und 
das Sternum gelb mit rothem Anflug, die Beine gelb bis auf die Tarsen und 
der Spitze der Metatarsen, die roth sind, die Palpen ebenfalls gelb mit rothen 
Tibial-Tarsalgliedern, der Hinterleib hellgelb unu sehr spärlich behaart. 

Der Cephalothorax um den achten Theil länger als in der Mitte zwischen 
dem zweiten und dritten Fusspaare breit, vorn ungefähr halb so breit als in 
der Mitte, ziemlich hoch gewölbt, jedenfalls höher als bei rufipes Luc; die 
Mittelritze deutlich vorhanden aber flach. Die den Kopftheil vom Brusttheil 
trennenden Seitenfurchen auch recht flach. Die Behaarung ist bei allen mir 
vorliegenden Exemplaren fast ganz abgerieben, scheint aber auch nicht dicht 
gewesen zu sein; auf dem Kopftheil sieht man einige Längsreihen kleiner 
Grübchen, in denen höchst wahrscheinlich Borstenhärchen gesessen haben. 

Die Augen gleich gross und das mittlere Paar vom Stirnrande fast 
doppelt so weit entfernt als von den Seitenpaaren. 

Die Mundtheile und das Sternum ganz ebenso gestaltet wie bei der 
vorigen Art. 

Das vierte Fusspaar ebenso lang als das zweite und 4 2 /io™ a l so lang 
als der Cephalothorax. Metatarsus III ebenso lang als der Cephalothorax. Die 
beiden an einem besonderen kurzen Gliede sitzenden Klauen haben am ersten 
Fusspaare 9 und am vierten G Zähnchen. 

Das Endglied der Palpen hat aucli am Ende keine Klaue. 

Das Abdomen länglich oval, hinten stumpf zugespitzt. 

Die Spinnwarzen ähnlich wie bei der vorigen Art in zwei Reihen gestellt, 
die beiden unteren aber kaum dicker und nicht länger als die beiden oberen 
:-; eitliohen. 



Amerikanische Spinnenarten. 



217 



St. Fe de Bogota. Sechs weibliche Exemplare, die aber grösstentheils 
nicht vollständig entwickelt sind. 

Diese Art hat viel Aehnlichkeit mit der vorhergehenden, unterscheidet 
sich aber wesentlich von dieser durch den kürzeren und verhältnissmässig höher 
gewölbten Cephalothorax, die fast gleich langen oberen und unteren Spinnwarzen, 
die kürzeren Beine und besonders dadurch, dass bei ihr das vierte und zweite 
Fusspaar gleich lang sind, während bei rufipes das vierte Paar mehr als um 
seinen Tarsus länger als das zweite ist. 

Folgende amerikanische Arten gehören noch in diese Gattung: 

Scytodes omosites Walckenaer Ins. apt. Vol. I, p. 273. Nach der 
Beschreibung ist Sc. omosites sehr ähnlich, L. rufipes unterscheidet sich aber 
dadurch, dass bei ihr das zweite Fusspaar das längste ist, welches Verhältniss 
bei L. rufescens Duf. stattfindet, aber bei keiner mir bekannten amerikanischen Art. 

Soytodes laeta Nicolet. Hist. fis. et pol. de Chile p. 349, tab. II, 
fig. 3. Längenverhältniss der Beine: 4. 1. 2. 3. 

Scytodes nigella Nicolet. loc. c. p. 350, tab. II, fig. 4. Verhältniss 
der Beine: 4. 2. 1. 3. Vielleicht ist diese Art nur ein junges Thier von 
rufipes Luc. 

Familie Dysderoidae. 

Bereits Walckenaer 1 ) erkannte, dass die Gattung Nops MacLeay in 
die Nähe der Gattungen Dysdera und Segestria gehört, auch Thor eil 2 ) zählt 
sie zur Familie der Dysderoidae. Durch ihren ganzen Habitus und den Besitz 
von zwei Athemöffnungen hinter einander an jeder Seite des Bauches zeigt 
Nops allerdings sehr grosse Verwandtschaft mit dieser Familie, weicht aber 
in der Zahl der Augen, Bildung der Spinnwarzen und dem Vorhandensein 
eigentümlicher häutiger Organe an den Endgliedern der Vorderbeine so sehr 
ab, dass ich mich nicht entschliessen kann, sie einfach unter die Gattungen 
dieser Familie einzureihen und es vorziehe aus den Dysderoidae zwei Unter- 
familien zu bilden, die sich folgendermassen charakterisiren lassen: 

1. Nur zwei Augen vorhanden, Spinnwarzen in zwei Reihen geordnet, 
und zwar oben 2, unten 4; die letzten Glieder der beiden vorderen Fusspaare 
mit häutigen Anhängseln versehen Nopsinae. 

2. 6 oder gar keine Augen vorhanden; Spinnwarzen in drei Reihen 
geordnet oder wenn nur in zwei, so oben 4 und unten 2; an den Beinen 
keine häutigen Anhängsel vorhanden Dysderinae 



!) Ins. apt. Vol. II, p. 443. 
2 ) On European Spiders p. 153. 
Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 



28 



218 



Graf Eugen Keyserling. 



Unterfamilie Nopsinae. 

Gen. Nops MacLeay. 

Annais of nat. hist. tom. II, p. 2. 1838 (Isis 1844, p. 657). 
Walckenaer, Ins. apt. Vol. II, p. 442. 

Lucas H. Observ. etc. in ann. soc. ent. Fr. VIII. 1839, p. 119. 



N* variabilis n. sp. 
Tab. VII, Fig. 8-8 a-d. 

Weib: 

Totallänge 6*3 Mm. 

Cephalothorax lang 26 „ 

„ in der Mitte breit 2'0 „ 

„ vorn breit 07 „ 

Abdomen lang 3'8 „ 

breit .23,, 

Mandibeln lang 0*5 „ 

Fem. Pat. Tib. Metat. Tar. Summa 

1. Fuss T9 0-9 T3 11 0-6 = 5*8 Mm. 

2. „ 1-7 0-8 1-2 l'O 0-6 = 5-3 „ 

3. „ 1-3 0-8 0-9 1-0 0-6 = 4'6 „ 

4. „ 2'0 1-0 15 T5 0'8 = 6-8 „ 

Der Cephalothorax heller oder dunkler rothbraun, der Augenhügel schwarz, 
die Augen schwarzgrau, die Mandibeln, die Lippe und das Sternum roth, 
letzteres mit dunkelem Saum an »den Seitenrändern; die Palpen und Beine 
röthlich gelb, die beiden Vorderpaaro aber etwas dunkler als die hinteren. Das 
Abdomen oben braun mit schmalem gelbem Längsbande über der Mitte, von 
dessen hinterem Theil jederseits drei kurze gelbe Striche sich abzweigen oder 
dieses gelbe Mittelband ist in seinem hintersten Theil in gelbe Dreiecke oder 
auch nur Bogenstrichel aufgelöst. An den Seiten bemerkt man noch undeut- 
lich begrenzte, schräge gestellte gelbe Flecken von verschiedener Grösse. Die 
Seiten und der Bauch sind schmutzig gelb und nur an den gelben Spinnwarzen 
zieht sich die braune Färbung des Rückens bis auf die Bauchseite und umgibt 
Die jungen Thiere haben eine weit hellere Färbung, die Beine und 
Palpen sind gelb, der Cephalothorax hellroth oder auch gelb und die Zeichnung 
des Ptückens meist weniger deutlich; aber doch sehr ähnlich der der erwachse- 
nen ; nur bei einem Exemplar ist der Rücken bläulich grau mit vier schwarzen 
Querbändern, die an den Seiten stark nach hinten gekrümmt sind und oben in 
der Mitte einen spitzen nach vorn gerichteten Winkel bilden. 

Dar mattglärizende, sehr fein granulirte und mit wenigen Härchen 
besetzte Cephalothorax ist wenig mehr als um den fünften Theil länger als 
breit, vorn gerundet, ein Drittel so breit als in der Mitte, massig gewölbt, in 
der Mitte am höchsten, am Hinterrande gerundet und an den Seitenrändern 



Amerikanische Spinnenarten. 



219 



mit einer schmalen wulstförmigen Einfassung versehen. Die den Kopftheil vom 
Brusttheil trennenden Seitenfurchen sind nur im unteren Theil sichtbar, ver- 
schwinden nach oben zu ganz, so dass beide Theile unmerklich in einander 
übergehen. 

Die beiden ziemlich grossen Augen sitzen vorn in der Mitte des Kopfes 
auf einem gemeinschaftlichen Hügelchen, sehen seitwärts, sind von einander 
um ihren Radius und vom Stirnrande um das Dreifache ihres Durchmessers 
entfernt. 

Die senkrecht abwärts gerichteten, spärlich behaarten Mandibeln sind 
ungefähr halb so lang als die Patellen des ersten Fusspaares, kaum dicker als 
der Metatarsus am Anfange, divergiren unbedeutend und tragen am Ende eine 
mässig lange, an der Basis ziemlich dicke, gegen die Spitze zu schnell an 
Dicke abnehmende, ziemlich gekrümmte Klaue. Die Falzränder sind, wie viel 
ich sehen kann, unbezahnt. 

Die Maxillen doppelt so lang als breit, umschliessen die Lippe vollständig 
und stossen vorn mit ihren gerade abgestutzten Enden zusammen. 

Die flach gewölbte ebenso lange als breite Lippe, ist in der hinteren 
Hälfte am breitesten, läuft nach vorn mit gerundeten Seitenrändern allmälig 
schmäler werdend zu und endet mit einer gerundeten Spitze. 

Das Sternum etwas länger als breit, ziemlich gewölbt, grob granulirt 
und mit flachen runden, nicht sehr deutlichen Grübchen überstreut, aus denen 
schwarze Borstenhärchen hervorragen. 

Die Beine ohne Stacheln, mässig lang, das vierte Paar das längste 2 75mal 
so lang als der Cephalothorax, die Coxen des dritten Paares kaum länger als 
dick, die der anderen fast doppelt so lang als dick, die Tibien der beiden 
Vorderpaare weit dicker als die der Hinterpaare und die Tarsen sämmtlicher 
Beine deutlich zweigliedrig mit zwei Klauen am Ende, von denen jede mit 
6—7 Zähnchen besetzt ist und zwischen denen an der Basis ein eigenthümlicher 
ovaler häutiger Lappen a (Fig. 8b) sitzt. Aehnliche häutige Anhängsel befinden 
sich auch unten am Metatarsus und Tarsus (Fig. 8&, ß und y), von denen der unten 
an der Basis des Tarsus sitzende ein Gelenk besitzt und vorwärts und rückwärts 
bewegt werden kann. Diese sonderbaren Organe finden sich nur an den beiden 
Vorderpaaren, an den Hinterbeinen ist keine Spur von ihnen zu sehen. 

Der Tibialtheil der Palpen hat eine cylinderförmige Gestalt, ist deutlich 
länger als der wenigstens am Ende ebenso dicke Patellartheil und beide zu- 
sammen sind etwas länger als das in der Mitte sichtlich dickere und vorn mit 
einer stumpfen Spitze endende, spindelförmige Endglied, das am Ende keine 
Klaue besitzt, mit starken borstenartigen und oben in der Endhälfte mit ganz 
feinen dichtstehenden Härchen besetzt ist. 

Die sechs Spinnwarzen stehen in zwei Reihen, von denen die oberste 
aus zwei und die unterste aus vier gebildet wird. Die beiden obersten etwas 
länger als an der Basis breit, sind weit dicker und länger als die anderen und 
mit einem ganz kurzen zweiten Gliede versehen. Die vier unteren eingliedrigen 
bilden einen schwach gekrümmten Bogen, indem die kleineren seitlichen etwas 

28* 



220 



Graf Engen Keyserling. 



höher stehen als die mittleren, die ebenso lang als dick und nur halb so lang 
als die beiden obersten sind. Die Spinnröhren befinden sich bei allen Spinn- 
warzen nur ani Ende auf einer gewölbten Fläche. 

Der länglich ovale Hinterleib ist spärlich mit kurzen Härchen bekleidet. 
Mann: 

Totallänge 5'0 Mm. 

Cephalothorax lang 21 „ 

„ in der Mitte breit 1*7 „ 

„ vorn breit 07 „ 

Abdomen lang 2'9 „ 

breit 13 „ 

Mandibeln lang 0*4 „ 

Fem. Pat. Tib. Metat. Tar. Summa 

1. Fuss 1-6 0-9 1'2 1-0 0*6 = 5'3 Mm. 

2. „ 1-5 0-8 1-1 0-9 0-6 = 4-9 „ 

3. „ 12 0-7 1-0 1 0-6 = 4 5 „ 

4. „ 1-7 0-9 1-6 1-5 0-8 = 6'5 „ 

Der Mann ist ebenso gestaltet wie das Weib, nur etwas kleiner und 
schlanker, die Lippe desselben etwas schmäler und daher fast länger als breit. 
Der Hinterleib oben röthlich grau mit gelben Querbänden, die an den Seiten 
stark nach hinten gekrümmt sind und oben in der Mitte einen nach vorn 
gerichteten spitzen Winkel bilden, also ganz ähnlich der oben erwähnten Varietät 
des Weibes. Die Tarsen und Metatarsen der beiden ersten Fusspaare besitzen 
auch diese häutigen Organe, nur sind sie etwas kleiner und an den Klauen des 
letzten Fusspaares kann ich nur vier Zähnchen bemerken. Die Tibien der 
Vorderpaare haben eine verhältnissmässig schlankere Gestalt und sind wenig 
dicker als die der hinteren Paare. 

Der cylinderförmige, unbedeutend gekrümmte Tibialtheil der Palpen 
sichtlich länger aber nicht dicker als der Patellartheil. An dem Endgliede, das 
viel dicker, breiter, auch etwas länger ist als die beiden vorhergehenden Glieder 
zusammen, sitzt unten ein kugelförmiger, in einen stumpfen nach vorn und 
unten gekrümmten Fortsatz verlängerter Geschlechtsknoten, dessen Ende in 
zwei kurze Spitzen getheilt ist. 

Die Spinnwarzen sind ganz ebenso wie bei dem Weibe gestaltet, nur die 
beiden obersten etwas länger und ganz cylinderförmig. 

Südamerika : Neu-Granada. 

Nopn guanabacoac MacLeay, scheint eine andere Art zu sein, denn 
Walckenaer (Ins. apt. Vol. II, p. 442) gibt an, dass das Sternum zweimal 
so lang als breit und die Lippe länger als breit sei, was beides bei N. varia- 
hilift durchaus nicht der Fall ist. Ebenso wenig passt seine Angabe, dass zwei 
der Spinnwarzen sehr lang sind. Die oben citiite Arbeit von MacLeay konnte 
ich leider nicht vergleichen, da es mir nicht möglich war dieselbe zu erhalten. 



Amerikanische Spinnenarten. 



221 



ünterfamilie Dysderinae. 

Gen. Segestria Latrl. 

S. vuficeps Guerin. 
Segestrie ä tete rouge Guerin Magazin de Zoologie Cl. VIII, pl. 1, 
Segestria ruficeps Walkenaer. Ins. apt. Vol. I, p. 267. 



Weib: 

Totallänge 20'3 Mm. 

Cephalothorax lang 8 „ 

„ in der Mitte breit 5*2 „ 

„ vorn breit 3'8 „ 

Abdomen lang 12*5 „ 

„ breit . 6*6 „ 

Mandibeln lang 4*0 „ 

Fem. Pat. Tib. Metat. Tar. Summa 

1. Fuss 7-5 3-0 6-8 6*3 2 = 25-6 Mm. 

2. „ 7-0 2-8 6-8 6-1 2-0 = 247 ; 

3. , 58 27 56 5 1-8 = 20*9 „ 

4. , 6-2 2-8 5'9 5*6 2'0 = 225 „ 



Der Cephalothorax oben roth, an den Eändern dunkeler rothbraun, die 
Mandibeln rothbraun, vorn fast in der ganzen Länge grün metallschimmernd, 
Beine und Palpen auch rothbraun, nur sind die hinteren Paare heller und die 
vorderen, mit langen schwarzen Haaren bekleidet, erscheinen fast schwarz. An 
den äusseren Seiten der Schenkel bemerkt man, besonders an denen der beiden 
Vorderpaare, ein schmales helleres Längsband. Das Abdomen gelbbräunlich, 
oben etwas dunkler als unten an den Seiten und am Bauch, mit unregelmässig 
zerstreuten, kleineren und grösseren, runden, braunen Flecken und einem Längs- 
bande über die Mitte des Rückens, das ebenso wie bei S. florentina von Vier- 
ecken und Dreiecken gebildet wird. Unten am Bauche laufen zwei gelbe 
Längslinien, die ein bisweilen etwas dunkeler gefärbtes Längsband einschliessen. 

Der ziemlich dicht behaarte Cephalothorax etwas länger als der Femur 
des ersten Beinpaares, um den dritten Theil länger als in der Mitte breit, vorn 
gerundet, ungefähr um den vierten Theil schmäler als in der Mitte, oben 
recht hoch gewölbt, bald hinter den Augen am höchsten, fällt zu den Seiten- 
rändern recht steil ab, zu dem gerundeten Hinterrande aber sehr allmälig. Die 
Mittelgrube so flacb, dass sie kaum zu bemerken ist und ebenso sind die von 
ihr nach den Seitenrändern hinabsteigenden Furchen kaum bemerkbar. 

Alle Augen ziemlich gleichgross, die beiden nahe bei einander liegenden 
Augen der etwas nach oben gekrümmten vorderen Reihe sind nicht ganz um 
ihren Durchmesser von den seitlichen • entfernt, die vom Stirnrande um ihren 
Durchmesser und von den, eine etwas breitere Reihe bildenden, oberen um den 



222 



Graf Eugen Keyserling. 



dritten Theil desselben abliegen. Die Seitenaugen sitzen ebenso wie bei den 
anderen Arten dieser Gattung an den beiden Enden eines länglichen schräge 
gestellten Hügelchens. 

Die Mandibeln, Lippe, Maxillen und Sternum ganz ebenso wie bei 
S. florentina Rossi und Madagascarensis Keys. 

Die Beine recht kräftig, erstes Paar SVsinal so laug als der Cephalo- 
thorax. An den Tarsen und Metatarsen der drei Vorderpaare ist eine Scopula 
vorhanden, die an dem letzten fehlt. Die innere grosse Klaue am Ende des 
vierten Fusspaares hat 8, die äussere 9 Zähnchen und die kleine nur ein 
kleines Höckerchen. Die Bestachelung ist ganz ebenso wie bei florentina und 
Madagascarensis. Auch die Palpen und das Abdomen bieten nichts Abweichendes. 



Mann: 

Totallänge 11*5 Mm. 

Cephalothorax lang 60 „ 

„ in der Mitte breit 4*0 „ 

„ vorn breit 2'8 „ 

Abdomen lang 55 „ 

„ breit 35 „ 

Mandibeln lang 3'0 „ 

Fem. Pat. Tib. Metat. Tar. Summa 

1. Fuss 6-8 2-6 6-9 6'4 19 = 24*6 Mm. 

2. „ 6-3 2-4 7-0 6-4 1-9 = 24-0 „ 

3. „ 53 22 5-7 57 2'0 = 209 „ 

4. „ 5-3 2-4 5-8 50 20 = 20'5 „ 



In Färbung und Gestalt des Körpers stimmt der Mann ganz mit dem 
Weibe überein, unterscheidet sich nur durch den kleinen stark behaarten Hinter- 
leib, die verhältnissmässig weit längeren Beine und zahlreichere Stacheln an 
denselben. Das erste Paar 4Viomal so lang als der Cephalothorax, der Femur 
desselben sichtlich länger als dieser und das vierte Fusspaar etwas kürzer als 
das dritte. 

Die Bestachelung ist fast ganz dieselbe, wie bei den Männern von 
S. florentina, die Patellen tragen ebenfalls einige Stacheln und die anderen 
Glieder einige mehr als die der Weiber. Ebenso verhält es sich mit den Palpen 
und Geschlechtstheilen die nicht die geringste Verschiedenheit von denen der 
8. /lorentina zeigen, wie auch die Mandibeln vorn mit langen, starken ab- 
stehenden Stacheln besetzt sind. 

*S'. florentina Kossi, S. rußceps Guerin und S. Madagascarensis Keys, 
sind in Gestalt, Färbung und Bestachelung der Beine so ähnlich, dass man sie 
fast für dieselbe Art oder wenigstens für Varietäten halten könnte. Die einzigen 
Unterscheidungsmerkmale bestehen in den Längenverhältnissen der einzelnen 
Beinglieder zu einander und zu dem Cephalothorax. Der leichteren Uebersicht 
wegen stelle ich hier die hauptsächlichsten Charaktere, wodurch sich diese 
Alton unterscheiden lassen, nebeneinander. 

/ 



Amerikanische Spinnenarten. 



223 



Männer. 



ruficeps Guerin. 

1. Erstes Fusspaar 4 1 / 10 mal so lang 
als der Cephalothorax. 

2. Femur I länger als der Cephalo- 
thorax und auch länger als Femur II. 

3. Tibia III ebenso lang als Meta- 
tarsus III. 



florentina Rossi. 

1. Erstes Fusspaar 37i6mal so lang 
als der Cephalothorax. 

2. Femur I ebenso lang als der 
Cephalothorax und Femur II. 

3. Tibia III etwas länger als Meta- 
tarsus III. 



ruficeps Guer. 



1. Das erste Fusspaar 
3 2 l0 mal so lang als der 
Cephalothorax. 

2. Femur I etwas kürzer 
als der Cephalothorax. 

3. Femur I länger als 
Tibia I. 

4. Metatarsus III kürzer 
als Metatarsus IV. 



Weiber. 
florentina Rossi. 



1. Das erste Fusspaar 
3 9 / 10 mal so lang als der 
Cephalothorax. 

2. Femur I bedeutend 
kürzer als der Cephalo- 
thorax. 

3. Femur I ebenso lang 
als Tibia I. 

4. Metatarsus III ebenso 
lang als Metatarsus IV. 

Uruguay. Zahlreiche Exemplare in der Sammlung des Herrn Bösenberg. 
Folgende Arten sind noch als in Amerika heimisch beschrieben worden: 
Segestria pusilla Nicolet. Hist. fis. et pol. de Chile, p. 345, pl. 2, fig. 9. 
— singularis Nicolet. Hist. fis. et pol. de Chile, p. 346. 



Maäagascaren- 
sis Keys. 

1. Das erste Fusspaar 
3 4 /ionaal lo lang als der 
Cephalothorax. 

2. Femur I ebenso lang 
als der Cephalothorax. 



3. Femur I länger als 
Tibia I. 

4. Metatarsus III ebenso 
lang als Metatarsus IV. 



Gen. Ariadne Sav. et Aud. 



Ar. JBöseribergii n. sp. 
Tab. VII. Fig 7 und 7 a— l. 

Weib: 















. 9-2 


Mm 


Cephalothorax lang 














n 


„ in de 














n 


„ vorn 














n 
















n 














. 3-0 


T> 


Mandibeln lang 












. 11 


n 




Fem. 


Pat. 


Tib. 


Metat. 


Tar. 


Summa 


1. Fuss .... 


. . . .23 


1-2 


2-0 


1-9 


0-9 


- 8-3 


Mm 


2- „ .... 


.... 22 


1-2 


19 


17 


0-9 


= 7-9 


V 


3. „ m . . . 


.... 1-8 


0-9 


1-3 


1-1 


07 


= 5-8 


V 


4. „ . . . . 


.... 22 


H 


1-8 


1-4 


0-8 


= 7-3 





224 



Graf Eugen Keyserling. 



Der Cephalothorax rothbraun mit schmalem weisslichem Saum an den 
Seitenrändern, die Mandibeln in der hinteren Hälfte gelb, in der Vorderhälfte 
rothbraun mit weissem Saum an der Spitze, die Maxillen schwarz, die Lippe 
rothbraun, vorn in der Mitte etwas heller, das Sternum hell röthiich braun. 
Die Füsse gelb mit rothbraunen Tarsen und Metatarsen an den beiden Vorder- 
paaren und zwar sind die des ersten Paares bedeutend dunkler als die des 
zweiten. Die Palpen gelb, das vorletzte Glied rothbraun und das Endglied fast 
schwarz. Der Hinterleib oben hell blau und unten fast weiss, nur bläulich 
schimmernd. 

Der Cephalothorax um drei Siebentel länger als breit, vorn ungefähr um, 
den vierten Theil schmäler als in der Mitte, am Hinterrande etwas ausgeschnitten, 
an den Seiten leicht geschwungen, etwas länger als Tibia + Metatarsus des 
vierten Beinpaares, von der Stirn bis zu dem Anfange des Enddritttheils recht 
hoch gewölbt, fällt nach dem Hinterrande ziemlich schräg, nach den Seiten- 
rändern dagegen, die von einer schmalen Wulst umgeben werden, recht steil 
ab. Seine Oberfläche ist glänzend und mit einzelnen schwarzen Härchen besetzt. 
Die Mittelritze oder Grube sehr undeutlich und nur durch einen runden wenig 
vertieften dunkleren Fleck angedeutet, ebenso die Seitenfurchen sehr flach. 

Die vier Augen der hinteren Reihe sind ziemlich gleich gross und bilden 
von vorn und oben gesehen eine fast gerade Linie. Die seitlichen Augen der- 
selben liegen von den dicht bei einander sitzenden Mittelaugen fast um Augen- 
breite entfernt. Die beiden Augen der unteren Reihe sitzen mit den Seitenaugen 
der oberen an einem gemeinschaftlichen Hügelchen, und zwar an dem unteren 
Rande desselben. Sie sind kaum grösser als die anderen, von den oberen 
Seitenaugen um ihren halben Durchmesser und von einander um das Dreifache 
desselben entfernt. 

Die konisch geformten Mandibeln sichtbar kürzer als der Kopf vorne 
breit, länger als Patella IV, vorn der Länge nach nicht gewölbt, sehr glänzend 
mit langen schwarzen Haaren besetzt, an der Basis kaum so dick als die 
Tibien I am Ende. Die Klaue ist kurz, kräftig und wenig gekrümmt. 

Die Maxillen sehr lang, vorn gerundet, in der Mitte sehr schmal, erweitern 
sich gegen das Ende hin an der Aussenseite während die Innenränder in der 
Endh&lfte gerade und in der Mitte etwas ausgeschnitten sind. Die Basalhälfte 
derselben ist stark gewölbt und die Mitte ziemlich eingedrückt. 

Die Lippe fast doppelt so lang als breit, zwei Drittel so lang als die 
Maxillen, in der Mitte am breitesten und vorn ziemlich gerade abgestutzt. 

Das ebenfalls fast doppelt so lange als breite, wenig gewölbte und glatt 
glänzende Sternum ist mit einzelnen kleinen Grübchen versehen, aus denen 
schwarze Borstcnhärchen hervorragen. 

Die mäflig langen aber recht kräftigen Beine sind mit kurzen und 
längeren Härchen spärlich besetzt. Diese längeren Härchen machen sich besonders 
bemerkbar unten und oben am Ende der Schenkel, auch an den Tibien und 
Metatarsen <l< r beiden Vorderpaare. Das erste Paar nicht ganz zwei und ein halb 
Mal so lang als der Cephalothorax ; Feniur I kaum länger als Fernur II und IV. 



Amerikanische Spinnenarten. 



225 



Der Femur des ersten Paares ist sehr stark gekrümmt und die Tibia bedeutend 
dicker als die des zweiten Paares. Die Bestachelung der Beine ist folgender- 
massen : 

Erster Fuss: Femur vorn am Ende an der Innenseite 1; Patella keine: Tibia 
unten 2. 2. 2. 2 kräftig; die nicht ganz so lang sind als der Durchmesser 
des Gliedes : Metatarsus unten zwei Reihen von je 7 — 8 sehr kräftigen 
von verschiedener Länge. Der erste in jeder Reihe am Anfange des 
Gliedes ist der längste, und zwar halb so lang als dieses selbst, die 
anderen werden successiv kurzer. 

Zweiter Fuss: Ebenso, nur hat der Femur vorn am Ende 2. 

Dritter Fuss: Femur vorn 1, Patella keine, Tibia unten 1. 1. 1, Metatarsus 
unten 1. 1. 2. 

Vierter Fuss: Hat nur unten am Ende der Metatarsen 2, sonst gar keine. 

Die beiden grossen Klauen am Ende der Tarsen des ersten Fusspaares 
haben jede neun und die kleine ein Zähnchen, während am letzten Paare die 
beiden grossen fünf Zähnchen besitzen und die kleine zahnlos ist. 

Die Palpen ziemlich kurz aber kräftig, der Patellartheil ebenso lang als 
der Tibialtheil, der ungefähr zwei Drittel so lang als das mit einer ungezähnten 
Kralle versehene Endglied, das besonders in der Endhälfte dicht mit langen 
Borstenhaaren besetzt ist. 

Das Abdomen noch einmal so lang als breit, hat eine cylinderförmige 



Gestalt und ist mit kurzen dunklen Härchen sparsam bekleidet. 
Mann: 

Totallänge . 8'0 Mm. 

Cephalothorax lang 37 „ 

„ in der Mitte breit 2*3 „ 

„ vorn breit 1*2 9 

Abdomen lang 4*4 „ 

breit 26 „ 

Mandibeln lang 12 „ 

Fem. Pat. Tib. Metat. Tar. Summa 

1. Fuss 3-2 1-3 2 7 3'0 10 = 112 Mm. 

2. n 3-0 T3 2-7 2-8 1-0 = 108 „ 

3. „ 22 1 1-8 2-0 0-8 *= 7'8 „ 

4. „ 2'8 T2 2-1 20 9 = 9"0 „ 



Der Cephalothorax vorn schwarzbraun, hinten etwas heller, mit schmalem 
schwarzem Saum am Hinterrande und an den Seitenrändern. Die Mandibeln 
schwarzbraun, die Lippe, die mit weisser Spitze versehenen Maxillen und das 
Sternum hellbraun, die Beine und Palpen gelb, die Endglieder des Yorderpaares 
rothbraun. Der Hinterleib weiss mit schwärzlichem schmalem Längsstrich über 
der Mitte des Rückens, der in der hinteren Hälfte von ebenso gefärbten kurzen 
Querstrichen durchschnitten wird. 

Z. B. Ges. B. JLXVII. Abb. 29 



226 



Graf Eugen Keyserling. 



Der Cephalothorax sehr fein granulirt, matt glänzend, mit ganz kleinen 
Grübchen, aus denen schwarze Härchen hervorragen und die auf dem Kopf- 
theil in nicht ganz regelmässigen Längsreihen geordnet sind. Er ist um etwas 
mehr als die Hälfte länger als breit, vorn halb so breit als in der Mitte, kürzer 
als Tibia -}- Metatarsus des vierten Beinpaares, an den Seiten vom Stirnrande 
an gleichmässig geschwungen, am Hinterrande etwas ausgeschnitten, oben 
mässig gewölbt, vorn gleich hinter den Augen am höchsten, fällt nach dem 
Hinterrande zu sehr sanft ab und nach den Seitenrändern auch nicht sehr steil. 
Die Mittelgrube deutlich vorhanden, von länglicher Gestalt und die Seiten- 
furchen am Kopftheil sehr flach. 

Die hellgelben fast weissen Augen sehr glänzend. Die vier oberen bilden 
eine etwas nach hinten gekrümmte Eeihe, da die Seitenaugen, die von den 
nahe bei einander liegenden mittleren um Augenbreite entfernt sind, etwas 
niedriger stehen. Die beiden Augen der unteren Eeihe, um fast das 2 1 / 2 fache 
ihres Durchmessers von einander und um das Einfache desselben vom Stirn- 
rande, kaum grösser als die übrigen, liegen an dem unteren Rande eines 
länglichen Hügelchens an dessen oberem, kaum um den vierten Theil ihres 
Durchmessers entfernt, sich die seitlichen der oberen Reihe befinden. 

Die Mandibeln so lang als die Stirn vorne breit oder die Patellen IV 
lang, sehr dünn, gegen die Spitze zu schwächer werdend, an der Basis nicht 
ganz so dick als die Tibien des ersten Beinpaares und vorn mit feinen, weissen, 
anliegenden und etwas längeren abstehenden braunen Härchen besetzt. Die 
Endklaue kurz aber kräftig und mässig gekrümmt. 

Die Maxillen um den vierten Theil länger als die fast doppelt so lange 
als breite Lippe, die in der Mitte etwas breiter als an der Basis und fast dreimal 
so breit ist als an dem gerade abgestutzten Ende. 

Das glänzende, fast doppelt so lange als breite, mässig gewölbte Sternum 
ist mit schwarzen Borstenhärchen nicht sehr dicht besetzt, die in kleinen runden 
Vertiefungen entspringen. 

Die mit feinen kurzen dunkelen Härchen bekleideten Beine sind ziemlich 
dünn, das erste Paar dreimal so lang als der Cephalothorax, Femur I etwas 
länger als Femur II und beträchtlich länger als Femur IV. Die Schenkel des 
ersten Paares sehr wenig gekrümmt und die Tibien kaum dicker als die des 
zweiten, in der Endhälfte aber stark nach unten gebogen. Die Bestachelung 
der Beine ist folgende: 

Erster Fuss: Femur oben in der Mitte 1 und am Ende 1, an der Innenseite 3, 
an der Aussenseite 1; Patella keine; Tibia unten 2. 1. 2. 2. 2 und noch 1 
dicht neben dem ersten der äusseren Reihe, an der Aussenseite 6 und 
an der Innenseite 4; Metatarsus unten jedcrseits 3—4, an der Innenseite 
und Aussenseite je 1. 

Zweiter Fuss: Fr-mur oben 2, vorn 2 und hinten 2, Patella keine; Tibia unten 
2. 2. 2. 2, aussen 5 und innen \ ; Metatarsus wie bei dem ersten 
Fus.spaar. 



Amerikanische Spinnenarten. 



227 



Dritter Fuss: Femur oben 3, vorn 1—2, hinten keinen; Patella keine; Tibia 
unten 1. 1. 2, vorn 2, hinten 1; Metatarsus unten und an der Innen- 
seite 3, 2 und 3. 

Vierter Fuss: Femur oben eine Reihe von 9 und noch 1 neben derselben in 
der Mitte an der Innenseite ; Patella keine; Tibia unten 2—3; Metatarsus 
nur unten in der Mitte 1. 

Die innere Klaue am Ende der Tarsen des ersten Fusspaares hat 12 
oder 13, die äussere 10 und die kleine 1 Zähnchen, während die beiden 
grossen am vierten Paare jede nur 5 haben und die kleine ungezähnt ist. 

Der Tibialtheil der Palpen, weit dicker und länger als der Patellartheil, 
ist an der Basis blasenförmig aufgetrieben und wird gegen das Ende hin 
dünner. Das ganz kurze Endglied ebenso lang als der Patellartheil, überragt 
nicht mit seinem stumpfen Ende den birnförmigen Geschlechtsknoten, dessen 
Spitze sehr lang und etwas gekrümmt ist. 

Der länglich ovale Hinterleib mit feinen, kurzen, lichten Härchen spär- 
lich bekleidet. 

Südamerika: Uruguay. In der Sammlung des Herrn Bösenberg befinden 
sich ein Weibchen und mehrere Männchen. 





Ar» caerulea n. sp. 






Weib: 












. ... 71 Mm. 








\ 'V ..34 „ 


„ in der Mitte breit 




. . . . 20 „ 


., vorn breit 






. ... H n 


Abdomen lang .... 






. ... 37 , 








2*1 n 








. ... 1-2 




Fem. Pat. Tib. 


Metat. 


Tar. Summa 


1. Fuss 


2-8 12 21 


1-9 


1-0 = 9-0 Mm. 


2. „ 


2-3 1-2 21 


1-9 


PO = 85 n 


8 


. . 1-9 10 1-3 


1-2 


0-8 == 6-2 „ 


4. „ 


2-3 1*2 18 


1-6 


0-9 - 7-8 „ 


Der Cephalothorax rothbraun, die Mandibeln 


ebenso, 


die Maxillen und 


die Lippe gelb, letztere an 


der Basis bräunlich, das Sternum 


in der Mitte braun, 



am Piande gelb, die Beine gelb mit röthlichen Endgliedern der beiden Vorder- 
paare, die Palpen ebenfalls gelb mit bräunlich rothem Endgliede: der Hinterleib 
hell graublau mit breitem undeutlichem dunklerem Längsbande über der Mitte 
des Rückens, das nur auf der hinteren Hälfte deutlicher hervortritt und dort 
aus schwärzlichen, gekrümmten Querbändern besteht. 

Der Cephalothorax matt glänzend, mit ganz kleinen runden Grübchen über- 
streut, in denen wahrscheinlich Härchen gesessen haben, um drei Siebentel länger 
als breit, vorn ungefähr um den vierten Theil schmäler als in der Mitte, am Hinter- 

29* 



228 



Graf Eugen Keyserling. 



rande unbedeutend ausgeschnitten, ebenso lang als Tibia -f- Metatarsus des 
vierten Beinpaares, oben von der Stirn bis zu der am Anfange des letzten 
Dritttheils gelegenen, kleinen runden, aber deutlich vorhandenen Mittelgrube, 
recht hoch, fällt nach dem Hinterrande etwas weniger steil ab als nach den 
Seitenrändern, die von einer schmalen Wulst eingefasst werden. Die Seiten- 
furchen des Kopftheils sehr flach. 

Die hell gefärbten Augen sitzen auf schwarzen Hügelchen paarweise bei 
einander, ähnlich wie bei der vorigen Art. 

Die Mandibeln etwas länger als der Kopf vorne breit, ebenso lang als 
Patella IV, von konischer Gestalt, der Länge nach nicht gewölbt, mit einem 
länglichen Höcker oben an der Aussenseite, glänzend und spärlich mit langen 
Borstenhaaren besetzt, die an der Innenseite am längsten sind und auch am 
dichtesten stehen. Oben an der Basis sind sie fast dicker als die Tibien des 
ersten Fusspaares. Die Klaue kräftig aber wenig gekrümmt. 

Die Maxillen ebenso wie bei Ar. Bösenbergii in der Mitte stark einge- 
schnürt und vorn erweitert. 

Die Lippe zwei Drittel so lang als die Maxillen, ziemlich gewölbt, in 
der Mitte nicht breiter als an der Basis, nach vorn zu verjüngt, an der Spitze 
nicht ganz halb so breit als in der Mitte und ziemlich gerade abgestutzt. 

Das hochgewölbte Sternum ist nicht ganz doppelt so lang als breit, sehr 
glänzend und mit sehr wenigen, ganz kleinen runden Vertiefungen versehen, in 
denen kleine Härchen sitzen. 

Die Beine scheinen nur mit wenigen langen Härchen bekleidet gewesen 
zu sein, die bei dem mir vorliegenden Exemplar grösstenteils abgerieben sind. 
Das erste Paar etwas mehr als zwei und 'ein halb Mal so lang als der Cephalo- 
thorax, Femur I bedeutend länger als Femur II und IV, die beide ganz gleich 
lang sind. Auch bei dieser Art sind die Schenkel des ersten Paares stark 
gekrümmt und die Tibien dicker als die des zweiten Fusspaares. Die Bestachelung 
ist folgendermassen : 

Erster Fuss: Femur oben am Ende und an der Innenseite 5—6; Patella keine; 
Tibia unten 2. 2. 2. 2 kräftige, an der Innenseitc 2—3 und an der Aussen- 
seite 1 ganz kurzen und schwachen; der Metatarsus unten zwei Reihen 
von je 9—10 sehr kräftigen Stacheln, von denen das erste Paar an der 
Basis und darauf das fünfte die längsten sind. 

Zweiter Fuss: Femur am Ende oben 3; Patella keine; Tibia unten 1. 2. 2. 2 
längere aber weniger kräftige als am ersten Fusspaar, an der Innen- 
seite 1—2 ganz kleine schwache; Metatarsus unten zwei Reihen von 

je 8-10. 

Dritter Fuss: Femur am Ende, an der Innenseite 1; Patella keine; Tibia 
unten 2-^-8, innen 1; Metatarsus unten 1. 1. 2. 

Vierter Fuss: Gar keine. 



Amerikanische SpinneDarten. 



229 



Die beiden grossen Klauen am Ende des ersten Fusspaares haben jede 
8 und die kleine nur 1 Zähnchen. Die grossen Klauen des vierten Fusspaares 
sind mit 5 und die kleine mit keinen Zähnchen bewehrt. 

Die Palpen und der Hinterleib ähnlich, wie bei der vorigen Art. 

Südamerika: St. Fe de Bogota. 



Ar. rubella n. sp. 

Weib: 

Totallänge . 77 Mm. 

Cephalothorax laug 3*7 „ 

u in der Mitte breit 2'1 „ 

„ vorn breit 1*3 „ 

Abdomen lang 40 „ 

: n - breit 21 „ 

Mandibeln laDg 1'3 „ 

Fem. Pat. Tib. Metat. Tar. Summa 

1. Fuss ........ 2-7 1-2 2-0 1*7 09 == 85 Mm. 

2. „ 2-4 12 20 1-7 0-9 = 8-2 „ 

3. „ 2-0 10 15 12 07 = 64 , 

4. „ 2-2 1-2 19 13 08 = 74 „ 

Der Cephalothorax und die Mandibeln rostbraun, die Lippe und die 
Maxillen etwas heller, das Sternum am Rande dunkelrothbraun, in der Mitte 
mehr röthlichgelb. Die beiden hinteren Fusspaare gelb und die vorderen ebenso 
wie die Palpen hell rothbraun mit dunkleren Endgliedern; besonders dunkel 
sind die Endglieder des ersten Paares. Der Hinterleib schmutzig gelb mit 
braunen Flecken am Bauche. 

Der Cephalothorax hat ganz dieselbe langgestreckte und ziemlich hoch 
gewölbte Form, wie bei den anderen Arten und ist beträchtlich länger als 
Tibia -f- Metatarsus des vierten Beinpaares. Die fein granulirte mattglänzende 
Oberfläche desselben ist mit einzelnen Härchen besetzt und die weit hinten im 
letzten Dritttheil befindliche Mittelgrube ist so flach, dass man sie kaum bemerkt. 

Die bernsteinfarbigen Augen alle ziemlich gleich gross, höchstens die 
beiden mittleren der etwas nach hinten gebogenen oberen Reihe unbedeutend 
kleiner und von den Seitenaugen um ihren Durchmesser entfernt. Die Augen 
der unteren Reihe um zwei und ein halb Durchmesser von einander und etwas 
mehr als ihren Durchmesser vom Stirnrande liegend, berühren fast die mit 
ihnen an einem gemeinschaftlichen Hügelchen sitzenden Seitenaugen der 
oberen Reihe. 

Die Mandibeln mässig behaart, ebenso lang als die Stirn vorne breit 
oder die Patellen IV lang, konisch geformt, im oberen Theil etwas gewölbt, 
an der Basis so dick wie die vorderen Tibien und oben an der Aussenseite mit 
einer länglichen Wulst versehen. 



230 



Graf Eugen Keyserling. 



Die Maxillen ebenso gestaltet, wie bei den vorhergehenden Arten, aber 
nur um den vierten Theil länger als die Lippe, die in der Mitte kaum breiter 
als an der Basis, nach vorn zu verjüngt und am Ende gerade abgestutzt ist. 

Das ungefähr doppelt so lange als breite, mässig gewölbte Sternum ist 
sehr glänzend und am Rande mit einzelnen Borsten besetzt. 

Die mässig langen aber kräftigen Beine, besonders die beiden Vorder- 
paare mit langen feinen abstehenden Härchen bekleidet. Das erste Paar kaum 
2 73inal so lang als der Cephalothorax, Femur I bedeutend länger als Femur II 
und IV. Auch bei dieser Art der Femur des ersten Paares stark gekrümmt 
und die Tibia bedeutend dicker als die des zweiten Paares. Die Beatachelung 
der Beine ist folgende: 

Erster Fuss: Femur am Ende an der Innenseite 1 starken; Patella keine; 

Tibia unten 2. 2. 2. 2; Metatarsus unten zwei Reihen von je 8 sehr 

kräftigen aber verschieden langen. 
Zweiter Fuss : Ebenso bis auf die Tibia, die unten an der Aussenseite 4 und an 

der Innenseite 3 hat, von denen die letzteren in der Endhälfte nahe bei 

einander sitzen. 

Dritter Fuss: Femur und Patella keine, Tibia unten 2—3; Metatarsus unten 

1. 1. 2 und innen an einem Bein 1. 
Vierter Fuss: Nur unten an den Metatarsen 2. 

Die beiden grossen Klauen am Ende der Tarsen des ersten Fusspaares 
haben 6 und die kleine nur 1 Zähnchen, die grossen Klauen des vierten Paares 
dagegen nur 4 und die kleine ist zahnlos. 

Am Ende der Palpen sitzt eine unbewehrte Klaue. 

Das längliche ovale Abdomen ist oben, besonders hinten, mit langen 
braunen Härchen bekleidet, der Bauch dagegen weit dünner und kürzer behaart. 
Nordamerika: New-Orleans. 

Folgende amerikanische Arten gehören noch in diese Gattung: 
Pylarus bicolor Hentz Collect, of the arachnological writings ofN. M. Hentz 
edit. by E. Burges. p. 21, pl. II, Fig. 3—4. 

— pumilus Hentz. 1. c. p. 23. pl. II, Fig. 5. 

Dysdera maxima Nicolet. Hist. fis. et pol. de Chile, p. 341. lam. 2, Fig. 6. 

— virens Nicolet. 1. c. p. 342. 

— incerta Nicolet. 1. c. p. 342. 

— longipes Nicolet. 1. c. p. 343. lam. 2, Fig. 8. 

— co ar etat a Nicolet. 1. c. p. 344. lam. 2, Fig. 7. 



Gen. Dysdera Latrl. 
Dys, magna a. sp. 



Weib: 



TotillAnge . . 

Cephalothorax 1 



in der Mitte breit 
vorn breit . . . 



M O Mm 

5-0 „ 

4-0 „ 

2-8 „ 



Amerikanische Spinnenarteu. 



231 



Abdomen lang 
„ breit 
Mandibeln lang 



9 Mm 
5-0 „ 
2-8 „ 



Fem. 



Pat. 
24 

2-2 
1-8 
21 



Tib. 



Metat. 



Tar. 



Summa 



2. 
3. 
4 



1. Fuss 



3-8 
3-6 
2-9 
33 



3-0 
2-8 

1- 8 

2- 8 



3-1 
3-0 

2- 6 

3- 



0-8 = 

0-7 = 

0-8 ta 

0-8 == 



131 Mm. 
12-3 ■„ 
9*9 fi 
120 



Der Cephalothorax dunkel roth mit schmalem schwarzem Saum an den 
Seitenrändern, die Mandibeln auch roth. die Maxillen, die Lippe und das 
Sternum etwas heller, letzteres an den Rändern schwarz gesäumt. Die Beine 
und Palpen röthlich gelb und zwar die beiden Vorderpaare etwas dunkler als 
die anderen. Das Abdomen ganz hellgelb. 

Der Cephalothorax mattglänzend, fein granulirt, mit ganz kleinen, flachen, 
runden Grübchen überstreut aus denen feine kurze Härchen hervorragen, die 
auf dem Kopftheil in mehr oder weniger regelmässigen Längsreihen geordnet 
sind. Er ist um den fünften Tbeil länger als breit, so lang als Patella -j- Tibia 
des vierten Fusspaares, vorn bedeutend mehr als halb so lang als in der Mitte. 
Der lange hochgewölbte Kopftheil durch deutliche Seitenfurchen und hinten 
durch die sehr flache und daher undeutliche Mittelgrube begränzt. Die Abdachung 
des Brusttheils nach den Seitenrändern hin und dem gerundeten nur in der 
Mitte ein wenig ausgeschnittenen Hinterrande, ist eine sehr sanfte. 

Alle sechs Augen sitzen an einem flachen Hügel. Die Mittelaugen der 
stark nach hinten gebogenen oberen Reihe berühren einander, sind ein wenig 
kleiner und liegen um den dritten Theil ihres Durchmessers von den Seitenaugen 
entfernt. Die beiden Augen der unteren sitzen um ein und ein halb Durchmesser 
von einander, um einen über dem Stirnrande und sehr genähert den ebenso 
grossen oberen Seitenaugen, ohne sie jedoch zu berühren. 

Die Mandibeln divergirend, schräg nach vorn gestreckt, so lang wie der 
Kopf vorne breit, etwas länger als die Patellen des ersten Fusspaares, oben an 
der Basis ziemlich bauchig gewölbt, nach unten zu schnell an Dicke abnehmend, 
sind sehr glänzend und mit wenigen kurzen Borstenhärchen bekleidet, die auf 
kleinen dunklen Höckerchen sitzen. Der mit langen feinen gelb gefärbten Haaren 
befranste Falzrand hat nur oben am oberen Rande einen stumpfen Zahn. Die 
Klauen dünn, schwach gebogen und fast so lang als die Mandibeln selbst. 

Die Maxillen fast dreimal so lang als in der Mitte breit, wo sie am 
schmälsten sind, in der vorderen Hälfte am Aussenrande erweitert, vorn zugespitzt, 
indem der Innenrand schräg nach aussen abgeschnitten ist. Der hintere Theil 
derselben dagegen sehr breit, recht hoch gewölbt und hinten gleichmässig 
gerundet. 

Die Lippe ungefähr zwei Drittel so lang als die Maxillen. um die Hälfte 
fast länger als an der Basis breit, wird nach vo^n zu allmälig schmäler und ist 
am Vorderrande tief ausgeschnitten. 



232 



Graf Eugen Keyserling. 



Das ovale, um die Hälfte längere als breite Sternum ist mattglänzend, 
lederartig granulirt und rings am Rande mit wenigen Härchen besetzt. 

Die Beine fast nackt, sehr sparsam behaart, haben verhältnissmässig sehr 
lange Patellen. Die beiden Vorderpaare besitzen gar keine Stacheln, das dritte 
Paar an den Tibien unten 1. 2, vorn und hinten je 2, an den Metatarsen mehrere 
aber unregelmässig gestellte. Die Bestachelung des vierten Paares ist ebenso, 
nur hat bei diesem auch der Femur oben am Anfangs 1 — 2 ganz kurze schwache. 
Aehnlich wie bei anderen Arten dieser Gattung, befinden sich am Ende der 
Metatarsen, besonders denen der beiden Hinterpaare, dichte und recht lange 
Härchen. Die Zähnchen an den beiden Klauen am Ende der Tarsen sind stumpf 
und kurz, ihre Zahl kann ich nicht genau angeben, da sie von Haarbürsten zu 
sehr verdeckt werden. 

Die Palpen haben gar keine Stacheln und sind ebenso wie die Beine sehr 
spärlich behaart, bis auf das Endglied, das dicht mit feinen kurzen Härchen 
bedeckt ist. Der Patellartheil unbedeutend länger als der Tibialtheil und nicht 
viel kürzer als das mit ungezähnter Klaue bewaffnete Endglied. 

Das länglich ovale Abdomen ist nur dünn mit kurzen bräunlichen Härchen 
bekleidet. Die Spinnwarzen stehen deutlich in drei Reihen, die beiden unteren 
etwas kürzeren als die dünneren zweigliederigen oberen, deren zweites Glied 
unbedeutend länger als breit ist. Die mittelsten sind fast ebenso lang als die 
unteren und wenig dünner als die oberen. 

Südamerika : Uruguay. Mehrere Exemplare in der Sammlung des Herrn 
Bösenberg. 

Bisher aus Amerika bekannte Arten dieser Gattung sind: 
Dysäera solers Walckenaer Ins. apt. Vol. I, p. 263. 

— interrita Hentz. 1. c. p. 20, pl. 2, Fig. 1. 

— gracilis Nicolet. 1. c. p. 340, lam. 2, Fig. 5. 

Gen. Oonops Templeton. 

Oon» globosus n. sp. 
Tab. VII, Fig. 6-6a-d. 



Weib: 

Totallänge 2'2 Mm. 

Cephalothorax lang l'O „ 

„ in der Mitte breit 8 „ 

„ vorn breit 3 „ 

Abdomen lang W * 

breit <fe l'O „ 

Mandibeln lang 03 „ 



Dei Cepbftlothohu braunlich roth, oben bedeutend heller als an den 
.Seiten, rings am Rande herum mit schmalem dunklem Saum. Die beiden Mittel- 
augen der oberen Reihe schwarzgrau, die anderen bernsteingelb, die Mandibeln 
rothlich gelb ebenso wie die Maxillen, die Lippe und das Sternum, die Beine 



Amerikanische Spinnenarten. 



233 



und Palpen gelb. Der oben und unten hellgelbe Hinterleib bat unten am Bauche 
einen grossen, runden, orangefarbenen Fleck, der in weitem Umkreise die Athem- 
öffnungen und die Ansatzstelle des Cephalothorax umschliesst. Etwas vor den 
gelben Spinnwarzen zeigen sich zwei kleine, runde, dunkele Flecken als End- 
punkte eines sehr wenig bemerkbaren dunkleren Längsbandes über der Mitte 
der hinteren Bauchhälfte. 

Der Cephalothorax wenig länger als breit, so lang als Patella -f- Tibia 
des letzten Fusspaares, oben recht hoch gewölbt, fällt nach dem Hinterrande 
etwas steiler ab als nach der Stirne zu. Der vorn recht schmale Kopftheil, an 
den Seiten nur, durch kaum bemerkbare Seiteneindrücke markirt, geht fast 
unmerklich in den Brusttheil über. 

Die sechs Augen sitzen paarweise dicht bei einander, die beiden ovalen 
Mittelaugen berühren sich und bilden mit den sehr nahe liegenden oberen Seiten- 
augen eine gerade Reihe. Die beiden unteren etwas grösseren und eine sichtlich 
kürzere Reihe bildenden Augen sitzen um ihren Durchmesser über dem Stirn- 
rande und etwas weniger weit von einander. 

Die Mandibeln nicht dicker als die vorderen Tibien, so lang als die 
Stirn vorne breit, oben wenig stärker als am Ende, stehen abwärts gerichtet 
und sind am Ende mit einer mässig langen, recht dünnen, schwach gekrümmten 
Klaue bewehrt. 

Die gegeneinander geneigten Maxillen, wenig länger als die Lippe, mehr 
als doppelt so lang als breit, vorn gerundet und in der Mitte unbedeutend 
schmäler als gegen das Ende hin. 

Die Lippe fast dreieckig, vorn an dem schmalen Ende ausgeschnitten, 
ist an der Basis ebenso breit als lang. 

Die Palpen dünn und mässig lang, der Patellartheil unbedeutend kürzer 
als der ebenso dicke cylinderförmige Tibialtheil und beide zusammen ebenso 
lang als das nicht dickere Endglied, das am Ende keine Klaue hat und nur 
mit sägeförmigen Borsten besetzt ist. 

Die Füsse mässig lang, 4. 1. 2. 3. Ihre genauen Maasse ist mir wegen 
der Kleinheit des Thieres nicht möglich anzugeben. Nach ungefährer Schätzung 
ist das vierte Paar zwei und ein halb Mal so lang als der Cephalothorax. Die 
Bestachelung der Beine ist folgende: 

Erster Fuss: Femur vorn am Ende 2 recht lange hintereinander; Patella keine ; 

Tibia unten 2. 2. 2. 2, von denen besonders die ersten Paare sehr lang 

sind; Metatarsus unten 2. 2. 2, fast noch längere, von denen das erste 

Paar wenig kürzer als das ganze Glied ist. 
Zweiter Fuss: Ebenso, nur sind die Stacheln weniger lang. 

Die beiden Hinterpaare haben gar keine. Am Ende der Tarsen sitzen 
nur zwei schlanke, ziemlich stark gekrümmte Klauen mit 4—5 Zähnchen an 
den Vorderpaaren und 3—4 an den beiden Hinterpaaren. Die Klauen sind an 
einem kleinen besonderen Gliede am Ende der Tarsen befestigt und statt der 
Afterklaue befinden sich am Ende dieses Klauengliedes stumpfe oder kolben- 
Z. B. Ges. B. XXVII. Abb.. 30 



234 



Graf Eugen Keyserling. Amerikanische Spinuenarten. 



formiere Haare, aber kein solches Haftorgan wie es Templeton 1 ) abbildet. 
Alle Borstenhaare am Ende der Tarsen sind sägeförmig. 

Die Spinnwarzen stehen in drei Reihen, sind dünn cylinderförmig und 
die beiden längeren Paare mit einem ganz kurzen zweiten Gliede versehen. Das 
obere und untere Paar gleich lang, das letztere etwas dünner und fast dreimal 
so lang als dick. Das mittlere Paar ist ganz klein und sitzt zwischen den 
beiden anderen. 

Das kurz eiförmige, fast kugelförmige Abdomen ist mit sehr wenigen 
kurzen Härchen besetzt. Am Bauche befindet sich eine Epygine, die aus einer 
nicht ganz halbkreisförmigen Grube besteht, in der zwei am hinteren Ende 
gerundete, unbedeutend gewölbte Platten liegen. Dieses Vorhandensein einer 
Epygine ist sehr auffallend, da sie sonst bei keiner Art dieser Familie vor- 
zukommen pflegt. 

Südamerika: New-Granada. 



Erklärung der Abbildungen. 

Tafel VII. 

Fig. 1. Pholcus annulipes n. sp. Hinterleib, la. Augenstellung. 
„ 2. — gibbosus n. sp. Seitenansicht des Abdomens und Cephalothorax. 
2 a. Augenstellung. 

„ 3. Scytodes longipes Luc. Seitenansicht, 3 a. Mundtheile, 3b. Gruben am 

Bauch, 3 c. Spinn warzen. 
„ 4. — vittata n. sp. Seitenansicht. 
„ 5. Loxosceles rufipes Luc. Spinnwarzen. 

•J. Oonops glÖb08U8 n. sp. 6a. Epygine, 6b. Klauen stark vergrössert, 

6 c. Augen, 6d. Mundtheile. 
7. Äriadne Bösenbergii n. sp. männliche Palpe, la. Spinnwarzen, Ib. Mund- 
theile. 

„ 8. Nops variabilis n. sp. 8a. männliche Palpe, 8b. Endglieder des ersten 
Fusspaares, 8c. Spinnwarzen, Sd. Mundtheile. 



') On the spiderH of the Genus Dyndcra etc. Zoological Journ. Vol. V, pl. VII, flg. 18. 



Ornithologische Notizen. 



Der Vogelzug am Furtteiche bei Mariahof in Obersteiermark im 

Jahre 1876. 

Von 

P. Blasius Hanf. 



(Vorgelegt in der Versammlung am 4. April 1877.) 

Ich war in diesem Jahre wieder so glücklich meine Localsammlung nm 
zwei Novitäten: Limicola pygmaea und Parus pendulinus zu vermehren, und 
dieselbe auf 232 Arten zu bringen. Unter diesen sind nur fünf Arten, welche 
nicht in meiner unmittelbaren Umgebung vorkamen, und zwar: 

1. Falco fulvus. Wurde von einem Jäger des Herrn Baron Dickmann 
mittelst eines ausgestopften Uhus am 17. September 1870 auf der Sau-Alpe 
in Kärnten erlegt. Ich fand im Kröpfe und Magen desselben die Beste, sogar 
die Tarsen sammt den Krallen, eines Mäuse-Bussards (Falco buteo). 

2. Strix uralensis , ein altes 9 in lichtgrauer Färbung; durch Herrn 
Grafen Gustav Egger in Treibach in Kärnten am 12. Jänner 1864 eingesendet. 

3. Otis tarda juv. Von Herrn Dr. Wewenau in Feldkirchen in 
Kärnten am 11. December 1862 erhalten. 

4. Mergus albellus Im Februar 1858 von Obdach in Steiermark 
eingesandt. 

5. Pufßnus cinereus cT. Am 17. Mai 1858 durch Rittmeister Celm 
von Bruck an der Mur erhalten. Dieser pelagische Vogel wurde, wie sich der 
Herr Einsender ausdrückt, ..erschlagen, als er ans Heufuder angeflogen kam". 

Die anderen 227 Arten kamen in der Umgebung des Furtteiches vor, 
und wurden grösstentheils von mir erlegt. 

Die verhältnissmässig grosse Zahl der hier gesammelten Vögel liefert 
einen auffallenden Beweis, dass der Teich auf einer ihrer Zugstrassen gelegen 
sein dürfte. Seine hohe Lage (888*89 Meter Meereshöhe) ladet den ermüdeten 
Wanderer ein, hier eine Eaststation zu halten. Er liegt auf einem von massigen 
Hügeln unterbrochenen Hochplateau zwischen 47°, 13' nördl. Br. und 31°, 57' 
östl. L., welches von Südosten gegen Nordwesten offen ist, und im Osten von 

30* 



236 



Blasius Hanf. 



dem Gebirgszuge des Zirbitz-Kogels (7578 Wiener Fuss) und im Westen von 
der schon zur Hälfte in Kärnten gelegenen Grebenzen-Alpe (5900 Fuss) beengt 
wird. Diese hohe Lage erleichtert besonders den sich schwer erhebenden 
Taucherarten das Einfallen und das Wiedererreichen einer bestimmten Zughöhe, 
und der reichliche Fischeinsatz stärket sie für ihre Weiterreise. 

Beobachtungen im Frühjahre. 

(Die römische Ziffer I bedeutet die erste Beobachtung, f bedeutet erlegt. — Alle angeführten 
Strand-, Sumpf- und Wasservögel, so wie auch die Calamoherpen sind nicht Brutvögel meiner 

Umgebung.) 

22. Februar. Älauda arvensis I. 28. Februar. Motacilla alba I, Thau- 
wetter. 5. März. Vanellus cristatus I. 7. März. Scolopax gallinula I. f. 
8. März. Ardea cinerea I. 9. und 10. März. Schneefall. 10. März. Falco 
lagopus I, wird immer seltener. 11. März. Falco buteo I und Falco tinnun- 
culus I. 18. März. Starker Schneefall mit Nordwind. 19. März. — 8 Grad; die 
Lerchen und Bachstelzen verlassen uns wieder und der heitere Gesang, der 
Mistel-Drossel verstummt. Die Kälte hält an bis 22. März. 23. März. Sylvia 
rubicola I. 27. März. Anthus pratensis I. 28. März. Sylvia tithis I. 29. März. 
Anas boschas I, bisweilen Brutvogel. 

1. April. Anthus aquaticus I, Brutvogel in der Alpenregion. 4. April. 
Fringilla serinus I. Ardea cinerea. 5. April. Hirundo rustica I. Die erste 
Rauchschwalbe habe ich gewöhnlich zwischen dem 3. und 7. April beobachtet. 
Nur einmal sah ich schon am 29. März eine kleine Schaar über den noch 
zugefrorenen Teich ohne Aufenthalt vorüberziehen. 

Diese ersten Ankömmlinge sind aber nur die Avantgarde, das Gros trifft 
gewöhnlich erst mit der Hirundo urbica gegen Ende April ein. Die ersten 
Schwalben haben bei uns öfters viel zu leiden, nicht blos von der kalten 
Witterung (man erwartet bei uns gewöhnlich noch den sogenannten „Schwalben- 
Schnee"), sondern bisweilen auch von den um diese Zeit eintreffenden Lerchen- 
falken, wie ich dies zu meinem grössten Leidwesen in diesem Jahre beobachtete. 
Wenn die ganze Natur sich unerwartet wieder in winterliche Decke hüllt, und 
nur der Teich den armen vor Kälte halb erstarrten und von Hunger ent- 
kräfteten Schwalben, mit den im Wasser nur sparsam entwickelten Insecten 
noch wenig Nahrung bietet; da ist es diesem fluggeübten Edelfalken eine 
Leichtigkeit die ganz ermattete Schwalbe im Fluge zu fangen, was mich bewog, 
fliesen bei gewöhnlichen Witterungsverhältnissen den Vögeln nicht sehr schäd- 
lichen Räuber zu verfolgen; das ich für gewöhnlich nicht thue, da er ohnedies 
nicht häufig vorkommt, und sich im Sommer grösstentheils von grösseren 
Kerbthieren, besonders Libellen, nährt; nur zuweilen unternimmt er um diese 
Zeit in Vereinigung mit seiner Lebensgefährtin, gleichsam zur Flugübung, auf 
eine alte Schwalbe eine Jagd, welche ich aber niemals mit Erfolg gekrönt 
beobachtete. Erst im Spätsommer, wenn ei selbst Junge hat, und die jungen 
Schwalben kaum das Nest verlassen hab^n, dann fällt wohl manche derselben 



Ornithologische Notizen. 



237 



der gemeinschaftlichen Jagd dieses Falkenpaares zur Beute, dann ist er wohl 
auch so dreist, dem Jäger die aufgejagte Wachtel oder Lerche gleichsam vor 
der Nase wegzufangen, ja ich beobachtete ihn einmal, wie er selbst den ihm 
an Grösse gleichen, ängstlich jammernden grünfiissigen Wasserläufer (Totanus 
glottis), doch ohne Erfolg, verfolgte. 

Das Sprichwort „Gelegenheit macht Diebe" findet wohl auch bei manchem 
Vogel seine Anwendung. Ungewöhnliche Lebensverhältnisse, besonders günstige 
Gelegenheiten bestimmen manches Vogel-Individuum von seiner naturgemässen 
Lebensweise abzuweichen. So beobachtete ich im Jahre 1875 einen Hühner- 
habicht (Astur palumbarius), welcher sich als besonderen Leckerbissen die in 
alten Krähennestern auf ihren Eiern sitzende sehr nützliche Waldohreule 
(Strix otus) auserwählte, und so die Anzahl dieser, früher ziemlich häufig vor- 
kommenden Eulen, bedeutend verminderte. Sollte jene Eule, von welcher im 
Ornith. Centraiblatt vom 1. Jänner 1877 mitgetheilt wird, dass sie sich im 
sogenannten Habichtskorbe, in welchem sich eine Taube befand, gefangen habe, 
und dass sie „mehr als andere Arten den Vogelraub betreibt", wirklich die 
Waldohreule (Otus sylvestris) gewesen sein, so glaube ich mit Bestimmtheit 
annehmen zu dürfen, dass dieses und ähnliche Ereignisse im Leben dieser 
Eule unter die sehr seltenen individuellen Ausnahmsfälle zu zählen sein dürfte. 
Da ich in meiner langjährigen Jagdpraxis nie einen solchen Fall erlebt habe, 
und im Gegentheil dieser in meiner Umgebung am häufigsten vorkommenden 
Eule hinsichtlich ihrer Nützlichkeit das beste Zeugniss geben kann, da ich 
mehrere hundert Gewölle derselben zu untersuchen Gelegenheit hatte, und nie 
die Reste eines Vogels in denselben gefunden habe; wohl aber habe ich in 
dem Magen der bei uns sehr seltenen Sumpfeule (Strix brachyotus Lath.) die 
Reste einer Feldlerche gefunden. Auch jene in der Gartenlaube (Jahrg. 1873. 
Nr. 25, p. 408) mitgetheilte Thatsache, „dass Kukuke als Nestplünderer auf- 
treten, und dabei selbst junge Vögel ihrer eigenen Art verzehren" möchte ich 
zu den individuellen Ausnahmen zählen. Und so dürften solche individuelle 
Abweichungen von der naturgemässen Lebensweise wohl noch bei mancher 
anderen Art, besonders aus der Ordnung der Omnivoren zu verzeichnen sein. 

5. April. Sylvia suecica tf. I. f 7. April. Dieser nördliche Sänger kommt 
nur einzeln, und zwar gewöhnlich zwischen dem 5. und 15. April; nur im Jahre 
1855 habe ich ihn vom 5. — 20. April fast täglich beobachtet. Im Herbste 
kommt er selten, und gewöhnlich Ende August in den Kartoffelfeldern vor. 
9. April. Endlich ist der Furtteich wieder vollkommen eisfrei. 12. April. 
Falco subbuteo I. 13. April. Grosser Schneefall, anwesend Ardea cinerea, 
Anas accuta cf 1 f, Anas crecca. 14. April. Anas fuligula Q. Es schneit 
noch. 15. April. Anas accuta. 16. und 17. April den Teich nicht besucht. 
18. April. Pandion haliaetos , Anas accuta, Oedicnemus crepitans I, Cala- 
moherpe cariceti I. 20. April. Pratincola rubetra I, Hirundo urbica I, Cu- 
culus canorus I. 21. April. Sylvia phönicurusl, Actitis hypoleucos I. 25. April. 
Mergus serrator tf. f, Cdlamoherpe turdoides I, Sylvia cinerea I, Lanius 
spinitorquus I, Lanius minor I, Totanus glareola I. 26. April. Ardea 



238 



Blasius Hanf. 



cinerea vier Stück, Anas querquedula. 27. April. Ardea cinerea zwei Stück, 
Anas boschas. 28. April. Perdix coturnix I, Anas penelope. 29. April. 
Charadrius minor I, Calamoherpe phragmitis I. 30. April. Cypsellus murarius I. 

4. Mai. Ardea cinerea f- 5- Mai. Oriolus gdlbula I. 6. Mai. 
Mergus serrator vier Stück, 1 9 t,- Kalt und regnerisch, Schneefall im Gebirge. 
9. Mai. Anthus rufogularis cT f> ein seltener Gast, öfter an der Hungerlache 
als am Teich. 11. Mai. Falco cineraceus juv. Q f, seltener Gast. 12. Mai. 
Ardea cinerea drei Stück, Sterna nigra, Anas leucophthalma Q. Muscicapa 
grisola I. 13. und 14. Mai bedeutender Schneefall. Fringilla montifringilla 
kommt wieder zur Fütterung auf das Fenster meiner Wohnung. Diesen Futter- 
platz besuchte in diesem strengen Wiuter nebst Parus major, caeruleus, 
palustris und ater auch Picus major ; ja das in Obers geweichte Weizenbrot 
bekam ihm so wohl, dass er selbst im Sommer noch kam, um seine Jungen 
mit demselben zu füttern. Er brachte endlich auch seine ganze Familie auf 
den Futterplatz, aber nur für kurze Zeit, denn er verschwand sammt derselben 
bald darauf, um leider nicht mehr zu kommen. 

15. Mai. Anas penelope, Ardea minuta 9- Diesen dreistdummen 
Vogel, da er glaubt, durch seine Stellung und Wendungen sich unsichtbar zu 
machen, habe ich absichtlich verschont. Limicola pygmaea Q f. Neu für 
meine Sammlung. Dieser seltene Gast wurde an der Hungerlache erlegt, und 
nur durch einen glücklichen Zufall von mir vom Untergange gerettet; da man 
glaubte eine kleine Moosschnepfe geschossen zu haben. 19. Mai. Coracias 
garrula, Ardea cinerea. 20. und 21. Mai — 3°, das Trinkwasser in der Brut- 
anstalt meiner Kreuzschnäbel gefroren. Schluss des Frühjahrzuges, welchen 
gewöhnlich Ardea minuta und Coracias garrula machen. 

So wie im Frühjahre hatte auch im Herbste die abnorme Witterung 
einen günstigen Einfluss auf den Vogelzug. Schon am 14. August erschien auf 
dem Moose, ob dem Furtteich, Ciconia nigra, wurde aber leider durch einen 
Fehlschuss verscheucht. Auch beobachtete derselbe Jäger einen ihm unbekannten 
grossen Schwimmvogel am Teiche. 

Im Monate September habe ich nichts Mittheilungswerthes notirt. Nur 
Anas boschas und grecca besuchten auf ihren im Herbste beliebten Rundreisen 
einige Mal den Teich. 

Erst am 3. October erfreute mich der erste seltene Gast Totanus fuscus Q 
noch im lichten Jugendkleide mit rothen Ständern. Diesen Vogel beobachtete 
ich noch niemals auf seinem Zuge im Herbste, da überhaupt Strandvögel im 
Herbste weit seltener als im Frühjahre bei uns erscheinen. Er vermehrte meine 
Sammlung um eine neue Form. Auch schoss ich an diesem Tage noch eine 
Sylr/ta suecica Q an der Hungerlache. Am 20. October beobachtete ich noch 
Saxicola rupicola, welche in meiner Umgebung nicht brütet. Bis 21. October 
hatten wir ununterbrochen schöne 'Jage. Nuu aber änderte sich das Wetter. 
Der Himmel umhüllte sich, dichte Wolkenmassen bedecken die höheren Gebirgs- 
züge, und unter Staubregen lagern sich die Nebd in den Niederungen, die 
ganze Natur bekommt ein düsteres Aussehen; ein vorzügliches Vogelzugswetter. 



Ornithologische Notizen 



239 



Es erregt in dem Zugvogel den Trieb seine Heimat zu verlassen, und in der 
Ferne seinen Lebensbedürfnissen besser zusagende Gefilde aufzusuchen, und 
der sehr wahrscheinlich auf einer Vogelzugstrasse gelegene Furtteich bietet dem 
ermüdeten Wanderer einen ersehnten Euheplatz. Und wirklich schon am 
23. October belebten zahlreiche Wanderer, und zwar einige aus dem hohen 
Norden, den Teich. Schon von Ferne erkannte ich durch das Fernrohr, in 
grössere und kleinere Gesellschaften nach den verschiedenen Arten abgesondert, 
Anas boschas, querquedula, grecca, fuligula, dang ula und Mergus serrator 2 Q. 
„Heute," sagte ich zu meinem Begleiter, „könnten wohl auch noch Taucher 
kommen; da diese oft erst unter Tags anlangen, während die Enten- Arten 
gewöhnlich schon früh Morgens am Teiche anwesend sind". Und ich täuschte 
mich nicht in meiner Erwartung. Nach einen Aufenthalt von beiläufig einer 
Stunde erblickte ich noch in hoher Ferne eine Schaar grosser Vögel, welche 
sich immer mehr dem Teiche näherten, bis sie sich auflösten, und einzeln im 
spitzen Winkel mit solcher Schnelligkeit in den Teich sich stürzten, dass sie 
noch eine gute Strecke mit offenen Flügeln auf der Oberfläche des Wassers 
dahin glitten, und dann sich tauchend und ausflatternd wieder vereinigten, um 
in Gesellschaften ihre unterseeischen Jagden auszuführen. 

Es waren 21 arktische Seetaucher ( Colymbus arcticus), und wie ich durch 
das Fernrohr sehen konnte, trug nicht ein einziges Exemplar noch das voll- 
kommene Sommerkleid. Nur die alten Vögel waren an den noch nicht ver- 
mausten fensterartig weiss gezeichneten Schulterfedern und an den weiss punktirten 
Flügeldeckfedern zu erkennen. Jedoch, so schön die Hoffnung, so betrübt war 
der Erfolg an diesem Tage (Dies nefas). Nachdem ich den ersehnten Gästen 
einige Zeit ihre unterseeischen Jagden zu betreiben gestattete, damit sie die 
Oertlichkeit mehr lieb gewinnen und das Treiben besser aushalten, machte ich 
auf die in gedrängter Schaar vorbei schwimmenden aus meinem Hinterhalte 
einen übereilten Schuss. — Alles stob auf denselben auseinander, einige auf 
der Oberfläche des Wassers fortplätschernd, andere tauchend; ja einige blieben 
ruhig vor mir sitzen, wodurch sie mich in der Meinung, getroffen zu haben, 
täuschten; bis auch diese tauchend sich von mir entfernten, und endlich alle, 
wie sie gekommen sind, wieder ihr Heil in der Flucht sachten. Doch über dieses 
Missgeschick versöhnte mich zum Theile der bessere Erfolg am darauffolgenden 
Tage, den 24. October, an welchem noch gleich günstiges Vogelzugwetter 
herrschte, und der Teich von vielen Gästen besucht war, und zwar: Anas 
boschas, querquedula, grecca, fuligula, Galinula chlor opus, Podiceps cristatus 
juv. t, und zwei Exemplare Colymbus arcticus, nämlich ein merklich kleinerer 
junger Vogel, und ein altes cf f> an den noch vorhandenen, weissgezeichneten 
Federn des Rückens erkennbar. 

Uebrigens ist der arktische Seetaucher kein gar seltener Gast am Furt- 
teiche, obschon er nicht alle Jahre erscheint. Er kommt öfter und in grösserer 
Zahl im Herbste als im Frühjahre, und in letzterer Jahreszeit gewöhnlich nur 
einzeln. Nur einmal, während meiner vieljährigen Beobachtungen; und zwar am 
29. April 1863 Nachmittags erschienen fünf Polartaucher schon im vollkommenen 



240 



Blasius Hanf. Ornithologische Notizen. 



Hochzeitskleide. Dagegen belebten grössere Gesellschaften im Herbste, besonders 
am 11. und 12. November 1863, wohl ein halbes Hundert den Teich. Im Früh- 
jahre war die früheste Beobachtung am 11. April 1852, und zwar schon im 
vollkommenen Hochzeitskleide, und die späteste am 30. Mai 1842 im Jugend- 
kleide. Im Herbst beobachtete ich ihn am frühesten am 5. October 1840, und 
am spätesten am 28. November 1872. Ich muss aber auch bemerken, dass der 
Teich gewöhnlich erst Anfangs April aufthaut, und oft Mitte November schon 
zufriert. Daher deren Aufenthalt am Teiche an diese Zeit beschränkt ist. 

28. October. Es fängt an kalt zu werden und die Kälte nimmt zu 
bis 12. November ( — 10°), der Teich ganz zugefroren, gewährt dem Wanderer 
keinen Aufenthalt mehr. Doch war ich so glücklich noch früher, und zwar am 
4. November Anas fusca cf juv. und am 8. November Parus pendulinus juv. 
(neu für meine Local Sammlung) zu erlegen. Das kleine unansehnliche Vögelein 
erweckte meine Aufmerksamkeit, da der Teich im Rohr schon vereiset, und 
eine Calamoherpe wohl nicht mehr zu vermuthen war, und das Betragen des 
Vogels mehr der merklich grösseren Emberica schöniclus als einer Calamo- 
herpe glich. 

Ich entschloss mich daher, das Kaliber der Schrotte zu wechseln, und 
dem mir noch Unbekannten nachzustellen. Wie gross war meine Freude als ich 
in dem erlegten Vogel einen an den so hoch gelegenen Furtteich verirrten 
Bewohner der süd-östlichen Rohrwälder erkannte. 

13. November. Die Kälte Dimmt wieder ab. 14. November, Abends, 
-f- 5 U . In der Ebene kein Schnee, selbst am Zirbitz-Kogel und seinen Ausläufern 
sind nur einzelne zusammengewehte Schneefelder zu sehen. Am 15. November 
beobachtete ich noch einen Flug Lerchen. 20. November. Der Teich thaut 
stellenweise wieder auf; und ich erlegte in einer vom Eise umschlossenen 
Lache eine Anas marilla juv., welcher ich aber erst nach schwerer Arbeit 
habhaft werden konnte, indem ich wie ein Nordpolfahrer das Eis bis zur Lache 
durchbrechen musste. Doch dieser seltene Gast war der Arbeit werth, da ich 
ihn erst zum zweiten Male erlegte. 22. November. Anas clangula sieben Stück, 
darunter ein altes ein 9 t» Scolopax gallinago f, Scolopax gallinula f. 
Diese letztere und Anas clangula beschliessen gewöhnlich den Herbstzug. 
23. November. Nordwind mit Schneegestöber — 2°. 25. November. Heiter — 5°. 
De* Teich legt sich zum zweiten Male in Winterschlaf, um für dieses Jahr 
nicht mehr zu erwachen. 



Die Flora von Süd-Istrien 



Von 

Josef Freyn. 

(Vorgelegt in der Versammlung am 6. Juni 1877.) 



I. Einleitendes. 

1. Lage. Von allen Ländern, welche Koch's grosses Florengebiet in 
sich schliesst, vereinigt wohl keines für den Pflanzenfreund eine solche Fülle 
von Abwechslung, bietet keines durch die auf kleinen Raum zusammengedrängten 
Gegensätze dem Forscher so viel Anregung zum Studium, als jener schmale 
Landstrich, welcher von Kärnten, Krain, Kroatien, Venetien und dem adriatischen 
Meere eingeschlossen, durch die Halbinsel Istrien einerseits weit in das Gebiet 
der Mittelmeer-Flora hineinreicht, anderseits, mit dem nördlichen Theile der 
südlichen Alpenkette angehörend, die reichste Alpenvegetation beherbergt. Ver- 
möge dieser besonders günstigen geographischen Lage treffen sich auf dem 
engbegrenzten Räume des österreichischen Küstenlandes zwei grosse Vegetations- 
gebiete: die „Waldzone des östlichen Continentes" (vgl. Grisebach, Vegetation 
der Erde. I. Theil) übergeht rasch in das pflanzenreiche Gebiet der Mittelmeer- 
Flora. Während daher eine ganze Reihe von mediterranen Arten dahier die 
Nordgrenze ihrer Verbreitung erreichen , sehen wir ebenso die Bürger der 
kühleren Waldzone allmälig zurücktreten und ganz verschwinden. 

Einer der interessantesten Theile dieses Landes ist nun dort zu suchen, 
wo sich die Südspitze Istriens einem Keile gleich zwischen die Gewässer der 
westlichen Adria und des stürmischen Quarnero hineindrängt und mit ihrem 
Reichthum an Buchten und Inseln schon vielfach auch dem äusseren Aussehen 
nach an jenen Pflanzenreichen Küstenstrich erinnert, dem sie botanisch so nahe 
steht: an Dalmatien. Der 45° nördl. Br. bildet beinahe genau die Nordgrenze 
dieses Dreieckes (soweit es hier in Betracht kommt), dessen drei Ecken Torre 
Barbarigo, Castel vecchio am Canale dell'Arsa und Punta Chermada sind. Dieser 
Raum gehört schon vollständig dem Gebiete der Mittelmeer-Flora an, die hier 
auftretenden Pflanzen nördlicherer Klimata sind meist sehr untergeordnet, 
selten und für das Vegetationsbild ohne Einfluss. Vier Inselgruppen wett- 
eifern mit dem festen Lande im Reichthume an seltenen Pflanzen, wenn sie 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 31 



242 



Josef Frey 11. 



sich mit diesem auch an Artenzahl — wie natürlich — nicht messen können. 
Alle diese Inseln liegen im Westen und Süden des Festlandes, und zwar sind 
es folgende: Die Brionisclien Inseln, bestehend aus den Inseln Brioni 
maggiore und Brioni minore, dann aus den Scöglien S. Marco, Gaza, Toronda, 
Zupin grande und Z. piccolo, Gallia, Grongera, Vanga, Madonna del Deserto, 
Orsera, S. Girolamo und Cosada. Die Inseln von Pola, nämlich: S. Catta- 
rina, Sc. Francesco, S. Pietro und Sc. Olivi. Die Inseln bei Veruda: Ma. di 
Veruda, Bisse und Frascir. Die Inseln bei Medolino: Zucconi, Pomer, 
Levano grande und L. piccolo, S. Marina, Trombolo, Cielo, Zulkovac, Fenera, 
Felonego und Porer, letztere beide ganz isolirt. 

2. Orographische und geologische Verhältnisse. Bewässerung. 
In orographischer Beziehung bietet Süd-Istrien keine besonders bemerkenswerthe 
Abstufung dar. Es ist ein unregelmässiges Hügelland, welches allmälig gegen 
das Innere zu bis 170 Meter ansteigt und dessen sanfte Abhänge durch zahl- 
reiche trichterförmige Einstürze (?) (Dolinen, Foiben) zerrissen und unterbrochen 
sind. Thalbildungen mangeln beinahe vollständig, weil die oberirdischen 
Wasserläufe fehlen. Diese auffallende Erscheinung hängt wiederum innig mit 
der geognostischen Bildung des Landes zusammen, welches ausschliesslich aus 
Kreidekalk (Karstformation) besteht, der hie und da dolomitisch wird. Durch- 
gehends jedoch ist dieses Gestein zerklüftet und höhlenreich, weshalb die 
Gewässer ihren Abfluss unterirdisch finden. Münden sie nun in schmalen, ein- 
geschlossenen Baien, so gelingt es ihnen häufig diese zeitweise fast vollkommen 
auszusüssen, immer jedoch brakisch zu machen. Auf diese Weise wirken die 
Gewässer doch auf die Bildung einer — sehr untergeordneten — Sumpf- 
vegetation ein, während sie sonst ihre Anwesenheit durch nichts verrathen. 
Nur an wenigen Stellen treten die unterirdischen Wasserläufe oberhalb des 
Meeresniveau zu Tage — und sind dann die Begründer und Erhalter der 
wenigen feuchten Wiesen, welche das Land aufzuweisen hat, nämlich im 
V. Rancon und der Prato grande bei Pola. In einem einzigen Falle vereinigen 
sieb mehrere solcher Quellen zu einem oberirdischen Wasserlaufe (Valle Bado), 
aber auch dort kommt das Wasser nur zeitweise und auf kurze Zeit zum Vor- 
scheine, um bald wieder unterirdisch weiterzufiiessen. 

Der Mangel an oberirdischen Gewässern ist auch die Ursache, warum 
die Karstformation nur an ganz unbedeutenden zerstreuten Stellen von (frucht- 
baren) Alluvionen bedeckt ist. Zu dieser Formation wären wohl auch die 
Anhäufungen von Kalkgeröll am Meeresstrande zu zählen — für die Vegetation 
jedoch sind diese oft ziemlich bedeutenden Ablagerungen gewöhnlich ganz 
bedeutungslos, weil sie dem zerstörenden Einflüsse der sich immer wieder 
erneuernden Brandung ausgesetzt sind. 

Von besonderem Interesse ist das örtliche Auftreten von Kieselsand 
(Sflldjune). Er kommt stets in Gängen und unterirdischen Hohlräumen vor und 
wird massenhaft erzeugt und nach Venedig verfrachtet, um bei der Glas- 
fabrikation Verwendung zu linden. Des meist nur unterirdischen Vorkommens 
wegen ist jedoch auch dieser Sand auf die Vegetation vollkommen einflusslos. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



243 



Von weit grösserer Bedeutung ist eine Erdart, welche nicht selten gang- 
förmig im Kalke vorkommt, gewöhnlich jedoch als scheinbares Verwitterungs- 
product desselben beträchtliche Flächen überdeckt und in muldenförmigen 
Vertiefungen oft ansehnliche Mächtigkeit erlangt. Wegen der rothen Farbe 
hat diese Erdart den Namen terra rossa (rothe Erde) erhalten, und das Vor- 
kommen derselben ist für den westlichen und südlichen Theil von Istrien so 
eigenthümlich, dass dieser Landestheil seit Alters her auch das ..rothe Istrien" 
genannt wird. Die ,,rothe Erde" ist lehmartig, enthält etwa 70% Kieselsäuere 
und der Rest hauptsächlich diverse Metalloxyde. Sie ist knetbar und, wenn 
sie gehörig gestampft wird, wasserdicht. Auch in nicht comprimirtem Zustande 
ist sie sehr wasserundurchlässig, erhärtet aber in der Sonnenhitze fast stein- 
artig und bekommt dann grosse Risse, durch welche sich das Regenwasser 
rasch nach abwärts verliert. Wegen der vielen Kieselsäuere kann die rothe 
Erde unmöglich als Verwitterungsproduct des Kalkes allein gelten, wohl aber 
mag sie ein Gemenge aus diesem und verwitterten Eruptivgesteinen sein. Dass 
hierbei Eruptivgesteine eine Rolle spielen, erhellt aus dem oft gangförmigen 
Vorkommen und dem Kieselsäueregehalte. Wie dem auch sein mag, so ist doch 
so viel gewiss, dass der Einfluss einer solchen Bodenart auf die Vegetation 
kein günstiger sein kann. Süd-Istrien hat wenigstens keine Pflanze hervor- 
gebracht, welche ihre Lebensbedingungen an dieses Substrat binden würde, 
und der Augenschein lehrt, dass jene Landstriche, auf welchen mächtigere 
Lagen der rothen Erde lagern, die ödesten, pflanzenärmsten des ganzen Gebietes 
sind. Für dieses ärmliche und ermüdende Vegetationsbild kann als Typus ganz 
besonders das Plateau gelten, welches westlich vom Walde Siana, nördlich vom 
Walde Munisca, östlich vom Walde Magran begrenzt wird und sich südwärts 
weit, fast bis Lissignano erstreckt. Im Frühjahre — zur günstigen Jahreszeit 
— pflanzenarm, ist dieser Landstrich später nur von distelartigen Gewächsen 
und spärlichen Gräsern bedeckt und nur in zerstreuten Gruppen oder vereinzelt 
sind darüber Gehöfte vertheilt, von denen aus die öden Triften meist als 
Weideland bewirtschaftet werden. 

Einen viel günstigeren Einfluss auf die Vegetation übt das überall 
dominirende Kalkgestein selbst. Sehr erwärmungsfähig, verwittert es zu einem 
sehr fruchtbaren Boden, welcher längs der Klüfte durch die Gewässer weit in 
das Innere eindringt und auf solche Weise selbst an scheinbar durchaus felsigen 
Stellen oft die überraschendste Fruchtbarkeit (Wein, Oliven etc.) und Ueppigkeit 
hervorbringt. Vermöge dieser guten Eigenschaften wäre wohl der Kalkboden 
von ganz unvergleichlichem Einflüsse auf das Pflanzenleben, wenn nicht die 
allzu grosse Zerklüftung desselben ein Correctiv zum Nachtheile abgeben würde. 
Denn wegen der so bedingten Unmöglichkeit, fliessende Gewässer zu bilden, 
hängt das Gedeihen der Pflanzendecke auf dem Kalke allzu sehr von den atmo- 
sphärischen Niederschlägen ab, deren Menge wechselt und in dürren Jahren 
oft nur in der dürftigsten Weise erfolgt. Indessen ist es einer von grossen 
Gesichtspunkten geleiteten Landeskultur gewiss möglich, diese Nachtheile zu 
mildern und die Vortheile zu steigern, so dass die Zukunft, wenn namentlich 

31* 



244 



Josef Freyn. 



auch eine grössere Bevölkerungsdichtigkeit zur ausgiebigen Ausnützung des 
Grundes zwingen wird, dem scheinbar so unfruchtbaren Boden nachhaltige 
Ernten wird entringen können. — In der Gegenwart sind freilich — besonders 
in Süd-Istrien — kaum die Anfänge einer rationellen Bodenkultur bemerkbar 
und es geschieht Nichts, nachtheilige Einflüsse zu hemmen, man begnügt sich 
mit den thunlichst mühelos gewonnenen Erträgnissen. 

3. Klima. Schon die geographische Lage des Landes bedingt an und 
für sich günstige klimatische Verhältnisse; diese erfahren aber noch dadurch 
eine Steigerung, dass Süd-Istrien als Halbinsel der Vortheile des Seeklimas 
theilhaftig wird, ohne von gewissen Nachtheilen leiden zu müssen, welche die 
Situirung von Triest und Fiume unter der steilen Gebirgsmasse des Karstes 
mit sich bringt. Die mittlere Jahrestemperatur *) von Pola beträgt + 14"8° C. 
(nach dem Thermographen), sie ist also gegen jene von Triest um 0*6° C, und 
auch gegen Fiume um etwas höher. Viel beträchtlicher sind hingegen die 
Unterschiede der Minimaltemperaturen, welche doch für das Pflanzenleben von 
massgebendstem Einflüsse und in Süd-Istrien viel günstiger sind. Denn die (nur 
einmal erreichte) geringste Temperatur war in Pola — 8 4° (1869), ist aber für 
gewöhnlich weit höher und beläuft sich dann kaum auf — 2 bis 3°; in manchen 
Wintern sinkt sie nicht einmal so tief. Für den Küstengürtel und die Inseln 
gestalten sich die Minima noch beträchtlich günstiger, wie jetzt aus den Beob- 
achtungen erhellt, welche am Semaphor Porer seit wenigen Jahren angestellt 
werden. Diese Beobachtungsstelle befindet sich auf der gleichnamigen Insel und 
ist von Pola in der Luftlinie nur 12*5 Kilometer entfernt. Gleichwohl sind die 
mittleren Temperaturen 2 ) der Monate September bis Februar um 1*5 — 2'4°, jene 
des März und August um 1*3 — 1*2° und die der übrigen Monate um 0'5— 0*9° 
höher als in Pola, der Jahresdurchschnitt aber um 1*4° C, und die Minima 
um 2'8— 60°. Da nun die grössten Temperaturunterschiede zu Gunsten der 
Küste gerade in die Herbst- und Wintermonate fallen, so erklärt es sich, warum 
eine so grosse Zahl von Pflanzen den Küstengürtel bisher nicht landeinwärts 
überschreiten konnte; ihre Organisation fügt sich nämlich nicht den dort alljähr- 
lich eintretenden negativen Temperaturen, während sie längs des Meeres wenig 
von Kälte zu leiden haben. Es gilt dies nicht nur von zarten Gewächsen, sondern 
leibst von einer Reihe von Sträuchern, welche auf solche Weise ihre empfind- 
lichere Organisation bekunden. Es kann keine Rede davon sein, dass etwa ein 
Gebundensein dieser Gewächse an die Seeluft die Ursache dieses Verhaltens 
sein könnte, denn sie erfüllen in anderen Gegenden der Mittelmeer-Flora das 
ganze Land. 

') Btrolt&te aus den rnotoorologiHchen Beobachtungen zu Pola 1804— 1 87", zuHammen- 
K<>st'-llt von Friedridi Josef Tick. I'ola 1874. Verlag des Hydrographischen AmtoH St. Majestät 

EilotMimlim 

S.u Ii <l«'n Daten von 1872. Die mittleren Temperaturen der einzelnen Monato in 
I'ola betragen: Jänner 6-0°, Februar dfi", März 9r, April KM", Mai l8'0°, Juni 21«, Juli 24'8, 
Au^tiht 2:v»i. S«pteml>M 10*0, Octol.er 15'ß, November 10-7. Docembor 7'i. DÜ Differenz des 
wärmten und kältesten Monate« 18-4" <-'. (= 14-!)" lt.). 



Die Flora von Süd-Istrien. 



245 



Weit weniger als die Minima, sind die Maxima der Temperatur von 
Einfluss auf die Vegetation, denn während die ersteren überhaupt die Möglich- 
keit der Existenz bedingen, scheinen die letzteren hauptsächlich nur die ein- 
zelnen Vegetations-Epochen zu beeinflussen. In dieser Hinsicht bezeichnet in 
Istrien der Eintritt der höchsten Temperaturen die völlige Samenreife der meisten 
Gewächse und demzufolge, wenü sie monokarpisch sind, das Absterben der Indi- 
viduen, wenn sie aber ausdauern, ein Vertrocknen der oberirdischen Organe 
oder überhaupt den Beginn der Kuhezeit. Es hängt dies damit zusammen, dass 
mit den höchsten Temperaturen die geringste Zahl der Niederschläge *) verbunden 
ist, beziehungsweise, dass die oft sehr beträchtlichen Regenmengen nur bei 
Gewittern gussartig herabfallen und in den Rissen des vertrockneten Erdbodens 
rasch wieder verschwinden, ohne erheblichen Nutzen gewähren zu können. Nur 
für eine Reihe tiefbewurzelter Gewächse, welche also unabhängig von der 
jeweiligen Beschaffenheit der oberen Erdschichte, in der Tiefe immer noch 
genügend Feuchtigkeit finden, ist im Sommer (-}- 23 - 5 u C.) die Möglichkeit 
stetiger Weiterentwicklung gegeben. In ihrem Gefolge entfaltet sich jedoch 
auch eine eigenthümliche Vegetation von Arten, welche die vorhergegangene 
Zeit (Winter und Frühjahr) dazu benützt haben, Nahrungsstoffe anzusammeln 
und nun in den eingetretenen hohen Temperaturen die Bedingungen zur Blüthen- 
entfaltung erfüllt finden. Häufig sind dies nur monokarpische Gewächse, welche 
aber zwei Jahre zu ihrer vollständigen Entwicklung benöthigen. Diese, häufig 
in grossen Heerden auftretenden Pflanzen (Compositen, Euphorbia nicaeensis, 
diverse Disteln, Labiaten etc.) sind wenig geeignet, den Schmuck der Frühlings- 
epoche zu ersetzen; sie ermüden das Auge durch ihre Einförmigkeit und das 
abwechslungslose Auftreten, und nur jene Flächen verursachen einen noch trost- 
loseren Eindruck, deren Vegetation in der Sommerhitze scheinbar völlig aus- 
gestorben ist. 

Erst im Herbste (-\- 16° C), wenn sinkende Temperaturen und nachhaltige 
Regen zusammentreffen, entfaltet sich wieder neues Leben. Die einjährigen 
Gewächse, namentlich Gräser, beginnen zu keimen und unter den fahlen Resten 
der abgestorbenen Vegetation überzieht sich der Boden neuerdings mit frischem 
Grün und hie und da schmückt er sich mit einem Teppich von Blumen, wie 
im Frühjahre. Mitte November ist aber auch diese Blüthenepoche vorbei und 
die nun folgende Zeit ist fast ausschliesslich dem Keimen und der ersten 
Entwicklung gewidmet. — Für eine Reihe von Pflanzen, z. B. Thrincia tuberosa 
und Sdlvia clandestina führt der nun eintretende Winter (+ 6 9 ft ) normal eine 
Unterbrechung der Blüthezeit herbei, welche sich erst wieder fortsetzt, wenn 
im Frühjahre (-[- 13 o°) die erforderliche Temperatur eintritt, also Mitte April 
bis Anfang Mai. Nur wenige Pflanzen blühen im Winter, wie die beiden gemeinen 
Wachholder, Ruscus und noch andere. 



J ) Die Zahl der Regentage während der drei Sommermonate Juni his August beträgt 22, 
das Frühjahr hat 28*3, der Herbst 29-5, der Winter 27-4, das Jahr 107 2 Regentage (Minimum 74, 
Maximum 140). 



246 



Josef Freyn. 



Ein die Vegetation wesentlich beeinflussender Factor der Nachbargegenden 
(Triest und Fiume), nämlich die Bora, macht sich in Süd-Istrien wenig bemerk- 
bar, denn wenn auch die Nordost- und Ost -Winde zusammen volle 38"8% aller 
Windrichtungen allein ausmachen, so hält ihre Intensität doch keinen Vergleich 
mit den heftigen Windstössen aus, welche längs des Karstes so sehr gefürchtet 
sind und die grellsten Temperaturwechsel im Gefolge haben. Dass aber die 
Bora von gewichtigem Einflüsse ist, beweist gewiss der Umstand, dass die 
Grenze der mediterranen Vegetation längs der Westküste von Istrien vollkommen 
parallel mit dem Karste verläuft, dessen steil und hoch über das Land hinauf- 
ragende Masse der Hauptfactor für die Bildung dieses Windes ist. Für Süd- 
Istrien speciell besteht jedoch eine andere Plage in dem Südost -Winde, Scirocco 
genannt. Dieser bläst entlang des adriatischen Meeres und schwängert die Luft 
mit Feuchtigkeit und Salzgehalt. Letzterer ist es nun, welcher der Vegetation 
schädlich wird, wenn der Scirocco, was nicht selten geschieht, durch längere 
Zeit ununterbrochen weht. Der Salzgehalt ist so bedeutend, dass die Incrustation 
der Pflanzen durch den Geschmack sehr leicht und deutlich nachgewiesen werden 
kann. Es ist klar, dass eine anhaltende Beeinflussung der Gewächse durch das 
ihnen schädliche Kochsalz, zuletzt zum Absterben wenigstens der empfindlicheren 
Theile, als Blätter, Blüthen und Zweigspitzen führt. Eine Folge ist weiter bei 
Sträuchern, dass sie ihre Zweige nur an der vom Winde abgekehrten Seite 
regelmässig entwickeln können, während jene, welche dem Winde zugekehrt 
sind, verkrüppeln, wodurch ganz eigenthümliche, wie durch Schnitt gebildete 
Formen entstehen (vergl. schon Tommasini a. a. 0.) Abgesehen jedoch von 
diesen doch nur lokalen Nachtheilen ist gerade der Scirocco, als Regenbringer, 
für das ganze Land vom grössten Nutzen, denn seines Salzgehaltes entledigt 
er sich schon in den Küstengegenden und weiter im Innern ist davon nichts 
mehr zu verspüren. 

4. Vegetation. Dem Charakter des Klimas entsprechend, gehört Süd- 
Istrien durchaus dem Gebiete der Mittelmeer-Flora an und theilt somit deren 
Eigentümlichkeiten. — Die Pflanzen nördlicherer Gegenden treten als Berg- 
pflanzen auf, sind übrigens selten und hauptsächlich im nordöstlichen Gebiets- 
theile zu finden. Ausnahmsweise sind sie bis auf die feuchten Wiesen vorge- 
drungen, deren kühlerer Boden in Verbindung mit der Feuchtigkeit ihnen besser 
zusagt, als die heissen trockenen Hügel. 

Wie die wesentliche Eigentümlichkeit des Klimas von Süd-Istrien in 
dem milden Winter besteht, so ist die Vegetation durch die hiemit im innigsten 
Zusammenhange stehende Vegetation der immergrünen Gesträuche 
(Maeehien; MaquiB bei Grisebacli) am meisten ausgezeichnet. Sie säumt die 
ganze Küste mit einem breiten Gürtel ein, doch überschreitet sie im Allgemeinen 
nicht 110 Meter Seehöhe'), gedeiht als Massenvegelation am besten bis etwa 
50—70 Meter und nur einzelne Arten dringen seihst bis in das Innere vor. 
Die immergrünen Gesträuche sind Repräsentanten der verschiedensten Pflanzcn- 

') [*rfcMrMoflM Mb leb tOffc bei Canfanaro (üS<> Motor), Oo.lbaumo an <lor Kinonbahn 
/.»vii, < no ii Lijji'i^lav.i uii'l 'lom Tunnol (.'»20 Motor). 



Die Flora von Süd-Istrien. 



247 



familieu: und zwar theils von solchen, welche in nördlichen Gegenden nicht 
mehr fortkommen, wie Myrtaceen und Lauraceen, grösstenteils aber sind sie 
Glieder von Familien, welche auch in der Waldzone Europas gedeihen, nur 
dass dann gewöhnlich andere Gattungen im Süden auftreten, als im Norden. 
Einzelne Arten, welche in Mittel-Europa abfälliges Laub besitzen, wie Ligustrum 
vulgare und diverse Brombeeren, sind in Süd-Istrien immergrün, d. h. ihr altes 
Laub fällt erst während oder nach dem Hervorbrechen des neuen ab. Der 
physiognomischen Gestalt nach finden sich unter den immergrünen Gewächsen 
Süd-Istriens nur Vertreter der Oliven-, Eriken-, Oleander-, Myrten- und Spartium- 
form, l ) bei Kulturpflanzen auch noch die Form der Nadelhölzer und jene der 
Cypressen. 

Die einzelnen Bestandtheile der Macchien sind nicht an allen Orten die- 
selben; gewöhnlich sind sie in der verschiedensten Weise mit einander kombi- 
nirt, aber nie alle Arten an derselben Stelle, gewöhnlich eine oder mehrere weit 
vorherrschend, seltener jedoch eine einzige Art durch die Massenhaftigkeit ihres 
Auftretens alle Mitconkurrenten verdrängend. Beispiele in letzterer Beziehung 
bieten die PÄyWirea-Gestrüppe zwischen Canale und Po. di Veruda; die Erica- 
Dickungen oberhalb Veruda, die mannshohen, fast undurchdringlichen Gebüsche 
von Cistus monspeliensis im Val Sacrogniano; die Myrten im Val di Fiori, die 
Buxus-Gehölze am Mt. Foiban; die Dickichte von Juniperus Oxycedrus an der 
Strasse von Pola nach Medolina. die Massenvegetation von Quercus Hex an 
vielen Stellen der Küste u. a. m. Selbst das zur Unterdrückung anderer 
Gesträuche scheinbar so wenig geeignete Spartium hat am M. Pero eine 
gewisse Fläche ausschliesslich in Besitz genommen. 

Die immergrünen Gebüsche sind von einer Anzahl Sträucher und Bäume 
mit periodischer Belaubung begleitet, welche gegen das Innere zu und in den 
höheren Lagen so beträchtlich vorherrschen, dass sodann der Charakter der 
Macchien verloren geht und eine gewöhnliche Buschvegetation an deren Stelle 
tritt, welche nur hier und da durch lichte Wälder aus behaart-blättrigen Eichen 
ersetzt wird. Letztere sind durch ein ungemein dichtes Unterholz aus niederem 
Strauchwerk gekennzeichnet, dessen ohnehin verworrenes Astwerk noch durch 
Klettersträucher (Smilax) und Brombeeren weiter verschlungen wird, während 
die Zwischenräume am Boden durch einen niederen stechenden monokotylen 
Strauch (Ruscus) eingenommen sind. An den Bändern dieser Wälder, so wie 
an den lichtesten Stellen werden die kletternden oder rankenden Formen viel 
häufiger (Lonüzera, Rosa sempervirens, Hedera, Vitis, Asparagus, Clematis) 
während anderseits die Wälder nie so dicht sind, dass die Bodenvegetation 
darunter leiden würde. 

Neben dem Auftreten der immergrünen Laubhölzer ist die Mittelmeer- 
Flora durch eine erhöhte Verhältnisszahl der Stäucher überhaupt ausgezeichnet, 

*) GriBebach, Vegetation der Erde p. 11—14. — Zur Myrtenform rechne ich auch 
Pistacia Leniiscus, obwohl dieselbe strenge genommen zur Eschen- und Tamarindenform gezählt 
werden könnte. Doch ist sie nur strauchartig. Der Lorbeer ist meist strauchig und gehört dann 
zur Oleanderfurm. 



248 



Josef Freyn, 



wozu sich als anderes Extrem eine noch weit beträchtlichere Zahl von annuellen, 
respective monokarpischen Arten gesellt. — Es finden sich nämlich unter den 
1086 Arten der Flora von Süd-Istrien 106 (9-8%) Bäume und Sträucher, 458 
(42*2%) ausdauernde und 522 (48°/ ) monokarpische Gewächse. Die Art, wie 
die einzelnen Familien an diesen Zahlen Theil haben, ist aus der beifolgenden 
Tabelle ersichtlich, in welcher die Familien in der Reihenfolge gruppirt sind, 
in welcher sie durch Artenzahl an der Vegetation betheiligt sind. 



Familien 


h 

IL 


% 


O 


Zusammen 


Anmerkungen 


(xi'ct/iiimecLß .... 




Oö 


1 




irndiizeii, weicne \i 


Pcipilion(xc6ci6 . . 


Q 

y 


9^ 


Oö 


199 

144 


uiiu j\. vorKommen, wur- 


lyUinjJUöiiVUiC .... 


Q 
ö 


4-Q 

Tri/ 


U 1 


11Q 


ucii uci u.t5n perenmren- 


Lübi<ztü>€ 


a 

V 


Ol 


q 
y 


io 


den (2j.) gezählt; solche, 


CvucifcT&ß .... 




ö 

O 


OD 




die 2|. und wechseln, 


Uvnbcllifßvcic . . . 




1 3 

io 


9Q 


4.9 


sowie überhaupt alle £), 


J_jt( (CftCUL • • . • • 




34 




34 


ülc YVinTiAlrcifnicpViA (NrP — 
ctlo lllUJlUn.ctI.piol/iic VJ c 


Rconunculcicecic . . 




i ^ 


1 9 

Iii 


ou 


wachse unter Q. 


Cy^p€Y(XC€Q/6 .... 




93 


1 

1 


94- 


Im südl. Spanien an 


0vchidciC6ci6 . . . 




93 




93 


der Küste von Granada, 


JXÜöCLttllc 


1 1 

JL J. 


10 


1 
1 


99 

U Li 


wo Qie Meuiierraii-J: ior«i 


ScYophulaTiaceae . 




7 
i 


1 K 
10 


99 


am vollkommensten aus- 


Chenopodiaceae . 




o 


10 


90 


geprägt ist, und nach 


Mubiaceae 




IV 


Q 

y 


1 Q 
ld 


uriseoacli (l. c. p. o/zj 


BorTaginaceac . . 







1 Q 
iO 


IQ 
iy 


iu/u Alten umiasst, steiii 


Euphorbiaceae . . 




o 

J 


y 


1 

iy 


sich das Verhältniss wie 


Silenaceae .... 




1 1 
1 1 


7 


lo 


folgt: Bäume und Sträu- 


Alsinaceae .... 




1 


16 


17 


cher 145 (13-6 o/o), aus- 


Polygonaceae . . . 




1 


12 


13 


dauernde Pflanzen 337 


Cupuliferae .... 


13 






13 


(31*5 °/o), monokarpische 


Juncaceae 




10 


3 


13 


Pflanze 588 (54-9 %). 


J'lantaginaceae . . 




7 


5 


12 


Hiebei sind aber auch 


Geraniaceae . . . 




1 


10 


11 


die Halbsträucher der 


Solanaceae .... 






8 


9 


ersten Reihe beigezählt, 


(Jistaceae ..... 






2 


8 


weshalb die Zahlen für 


Mulvuceae 




2 


6 


8 


Bäume u. Sträucher, so- 


Wiinanlhaceae . . 






8 


8 


wie jene für ausdauernde 


"Fumariaceae . . . 




2 


5 


7 


Pflanzen mit den oben 


Linaceaa 




1 


6 


7 


für Süd-Istrien berech- 


Pomaceae 


7 






7 


ne! en nicht vollkommen 


Campanulaceae . 




3 


4 


7 


gleichwerthig sind. 


Transport . . j 


0* 


362 


464 1 


888 





Die Flora von Süd-Istrien. 



249 



P a mil ipn 
r ciiii Ii ic Ii 


Jl 


9i 
Jil 


w 




Anmprlnnnpn 
r\iiiiici rvuiiycii 


Transport . . 


62 


362 


464 


888 




Gentianaceae . . . 






7 


i 


Die artenreichste Gat- 


Convolviüaceae . . 




5 


2 


i 


tung ist Tr ifoliu m 


Verbascaceae . . . 






7 


7 


mit 31 Arten , hierauf 


Orobancluiceae . . 




7 




7 


folgen Ran u n culu s, 


Potamogetonaceae 




7 




7 


Vicia , Euphorbia 


Pölypodiaceae . . 




7 




7 


und Carex mit je 16, 


Viölaceae 




5 


1 


6 


Bro jn us mit 15 Arten; 


Caprifoliaceae . . 


5 


1 




6 


Medicago u. Allium 


Primulaceae . . . 




4 


2 


6 


mit je 14, Lathyrus 


Amaranthaceae . 









o 


mit 13 und Plant ago 


Iridaceae 




6 




6 


mit 12 Arten. Die übrigen 


Papaveraceae . . . 




1 


4 





urdiiungen nducn etile 


CrassuJaceae . . . 




3 


2 


5 


unter 12 Arten. 


Dipsaceae 

Smüaceae . 


3 


3 
2 


2 


5 
5 


Einige während des 


Rhamnaceae . . . 
Cucurbitaceae . . 


4 


2 


2 


4 
4 


Druckes erfolgte Ein- 
schaltungen konnten in 










dieser Tabelle nicht mehr 


Paj'onychiuceae . 
Valerianaceae . . 




2 


2 
4 


4 
4 


berücksichtigt werden. 


Oleaceae 


4 






4 




Asclepiaceae . . . 




4 




4 




Najadaceae .... 




4 




4 




Pesedaceae .... 




1 


2 


3 




Aceraceae 


3 






3 




Amyqdalaceae . . 


3 






3 




Ambrosiaceae . . . 






3 


3 




Phimbaginaceae . 




3 




3 




TJrticaceae .... 




2 


1 


3 




Cupressaceae . . . 


3 






3 




Pölygdlaceae . . . 




2 




2 




p[ypericciC6ci€ • . . 




2 




2 




Putaceae 


2 






2 




Aiiacardiaceae . . 


2 






2 




Lythraeeae .... 




1 


1 


2 




Saxifragaceae . . 




1 


1 


2 




Cornaceae 


2 






2 




Ericaceae 


2 






2 




Transport . . 


95 


437 


513 


1045 





Z. B. Ges. B. XXVII 



Abb. 



32 



250 



Josef Freyn. 



Familien 






O 


Zusammen 


Anmerkungen 


Transport . . 


95 


437 


513 


1045 




Apocynaceae . . • 




o 




9 




Verbenaceae . . . 


1 






2 




ScLflt(llo,C6CL6 .... 


1 






2 




AvistölocliicLCßdß . 




2 




2 




LanncLceae .... 








2 




TypJiaceae .... 


. . . 


o 


. . . 


9 

Li 




Atno.TyllidciC6(i6 




2 




2 




Ophioglossaceae . 




9 

Li 




2 






1 










Ox(zlidttC6ci6 . . . 






1 






Zygophyllaceae . . 








1 




CelcLstraceae . . . 


1 

1 










Cesalpiniaceae . . 


1 

1 






1 




Onagraraceae . . 




1 








CallitricJiaceae . . 




1 
1 








Ccratophyllaceae . 




1 
1 








M'irtaccae .... 


1 
1 






1 




Portulaccae .... 








1 




Sclcranthaccae . . 












Avuliaccne .... 


1 

X 










(xlobulCLViciCCGLC . • 




\ 








TJiymelaccae . . . 












Lauraceae .... 


1 
1 










Cytinaceae .... 




1 
1 








Cynocrambaceae . 












Cannabaceac . . . 




1 








Moraccae 


1 

1 










(Jeltaccoc 


1 

1 










Ulmaceae ..... 


1 






1 




Alismaceac .... 




1 








ylraceatf 




1 








... 




1 








(Jolchicaceac . . . 




1 








.Summa . . 


1 10(> 


458 


522 


1080 





(1 



I)as ^iinhti^e Klima spriclit Hieb in 
01 laii'lwirtlihcliafllichcn Krzcu^niKHC aus. 

eren Ertrag <ii<; BerOlkmuig angewiesen 



Sttd-Istrien, fdrner auch in <ler Art 
Die wichtigsten KnlturpflaDzen, auf 
i i Ind in erster Linie der Wein, 



Die Flora von Süd-Istrien. 



251 



Oelbaum, Mais und Weizen. In zweiter Linie kommen Gerste, Roggen, Bohnen 
und sonstige Hülsenfrüchte. Gemüse, und von Obstbäumen: Feigen, Mandeln 
und allenfalls noch Kirschen, Haselnüsse und Aprikosen in Betracht; die drei 
letztgenannten Bäume jedoch nur mehr sehr untergeordnet Die Landwirthschaft 
befindet sich auf der allertiefsten Stufe und besonders Süd-Istrien ist — der 
Karst ausgenommen — entschieden der wüsteste und am wenigsten gepflegte 
Theil der Provinz. Es ist zwar Manches in letzter Zeit geschehen, aber man 
weiss aus Ländern mit dichterer und entwickelterer Bevölkerung, wie lange es 
braucht, bevor sich das eigentliche Volk mit den Fortschritten vertraut macht. 
In Istrien hat nicht einmal die ganze Bevölkerung ein directes Interesse an 
der Bebauung des Landes, denn ein grosser Bruchtheil derselben, nämlich die 
Küstenbewohner, betreibt Schiffahrt und Fischerei ; die Landbevölkerung dagegen 
kommt in Folge ihrer Bedürfnisslosigkeit gar nicht einmal auf den Gedanken, 
dem Boden mehr abgewinnen zu wollen, als er eben bei geringer Arbeit gibt. 

Es wäre von Interesse, hier genauere Daten über die Vegetationszeit der 
Feldfrüchte geben, und einen Vergleich mit anderen Ländern ziehen zu können. 
Dies ist aber nicht mit der erforderlichen Genauigkeit möglich. Es ist nur 
sicher, dass der Anbau des Weizens von dem Eintritte der Herbstregen abhängt; 
er erfolgt also in den Monaten November und December. Gefechsnet wird in 
der zweiten Hälfte Juni und selbst noch bis zur Mitte Juli. Nimmt man die 
hieraus sich ergebenden Mittelwerthe , so würde sich für den Weizen eine 
Vegetationszeit von 215 Tagen ergeben. Da dieselbe jedoch bei ununterbrochenem 
Wachsthum 164 Tage *) beträgt, so würde für Süd-Istrien immer noch ein 
Stillstand in der Entwicklung des Weizens von 51 Tagen zu verzeichnen sein, 
eine Zahl, die zu klein erscheint, weil die Temperatur der drei Wintermonate, 
December bis Februar, unter jener zurückbleibt, bei welcher der Weizen seine 
Entwicklung unterbricht 2 ) (-f- 7'5° C). Bringt man auch in Anschlag, dass diese 
Grenze normal in der Pentade vom 12. — 16. December erreicht wird, und dass 
die Temperatur bis zur ersten Pentade im März durchschnittlich unter diesem 
Werthe bleibt, so bleiben doch immer noch 78 Tage übrig, während welcher der 
Weizen normal eine Pause in seiner Entwicklung erleiden sollte, so dass sich 
also die Gesammtdauer seiner Vegetation hiernach auf 238 Tage erhöhen würde. 
Diese Zahl ist die wahrscheinlichere und sie ist immer noch etwas günstiger 
als zu Rom, wo die gleiche Epoche 242 Tage umfasst. So beweist neuerdings auch 
dieser Fall, um wie viel günstiger die klimatischen Bedingungen an der Ost- 
küste der Adria sind, als unter den gleichen Breiten in Italien; denn Rom, wo 
die Verhältnisse ziemlich gleich sind, liegt fast genau drei Breitegrade südlicher 
als Pola. 

Weit mehr als mit den italienischen, ähneln die klimatischen Verhältnisse 
Istriens mit jenen Dalmatiens, welches Land auch durch eine ununterbrochene 
Folge von Inseln, mit dem insulanen Istrien zusammenhängt, so dass ein Aus- 

*) In Malta, wo keine Störung durch Winterkälte eintritt, beträgt die Vegetationsdauer 
de6 Weizens 164 Tage. Griseb. a. a. 0. 

*) Vergl. Grisebach a. a. 0. p. 267. 

32* 



252 



Josef Freyn. 



tausch der Pflanzen zwischen diesen Ländern weit leichter möglich ist, als 
zwischen Istrien und Italien. Diese Länder hängen zwar durch das österreichische 
Littorale zusammen, aber die klimatischen Verhältnisse Mittel-Italiens — nament- 
lich des östlichen Theiles desselben — erlauben einem grossen Theile von 
Pflanzen nicht, diesen Weg einzuschlagen, dass aber ein gewisser Austausch 
dennoch stattfindet, beweist, dass das Meer an der Küste von Pola Samen 
anschwemmt, welche, wie z. B. jene von Trapa natans, gewiss aus Ober-Italien 
stammen. Freilich ist dies gerade ein Beispiel einer Art, welche in Istrien und 
Dalmatien nicht die erforderliche Beschaffenheit des Standortes vorfindet, so 
dass die angeschwemmten Samen zu Grunde gehen und eine Einwanderung 
dieser Art nicht stattfinden kann. Aber in der Gesellschaft der Früchte von 
Trapa finden sich auch jene von Euphorbia Peplis und diese gelangen auch 
wirklich zur Entwicklung. Ich beobachtete an einer Stelle des schotterigen See- 
strandes, welche im Jahre 1874 von Pflanzenwuchs gänzlich entblösst war, im 
Jahre 1875 einige Pflänzchen der eben genannten Art im Keimen ; sie fanden sich 
unter einer Menge angespülter Trümmer von Holz, Stroh und auch einer Frucht 
von Trapa unter Umständen, welche ein gemeinsames Anspülen voraussetzen 
Hessen. Seither hat sich die Euphorbia an der bezeichneten Stelle sehr ver- 
mehrt und wird — wenn der Standort nicht etwa durch eine allzu starke 
Brandung vernichtet wird — demselben auch erhalten bleiben. Während auf 
diesem Wege aber nur Pflanzen von grösserer Verbreitung nach Süd-Istrien 
gelangen, wird der Zusammenhang mit Dalmatien durch etwa 40 Arten dar- 
gethan, welche nicht mehr weiter westlich vorkommen. Diese Zahl erhöht sich 
beträchtlich, wenn man jene Arten dazu rechnet, welche Istrien und Süd-Italien 
gemeinsam sind und daselbst, sowie in Sicilien die Westgrenze ihrer Verbreitung 
finden, während von den in Süd-Istrien wachsenden Arten kaum irgend eine 
daselbst ihre Ostgrenze erreichen dürfte. Jene, von denen dies scheinen möchte, 
kommen sicher auch in Dalmatien vor, wo sie bisher nur übersehen worden sind. 

Von endemischen Arten ist in Süd-Istrien wenig zu sagen. Theils sind 
dieselben nämlich wegen ihrer Aehnlichkeit mit gemeineren Arten, anderswo 
vielleicht nur übersehen, wie z. B. Trifolium Biasoletii und Orobanche Eeichar- 
diae oder sie sind auch noch an anderen Stellen von Istrien beobachtet worden, 
wie <'<>rydalis acaulis (Ossero), Melilotus Tommasinii, Taraxacum tenuifolium, 
Quercas Tommasinii und Ophris Tommasinii; oder sie sind endlich auch 
Kroatien und Dalmatien gemeinsam, wie Dianthus sanguineus, Bhamnus inter- 
media, Artcmisia Jiiasolettiana, Centaurea cristata, Picris laciniata, Hieracium 
adriaticum, Viucetoxicum fuscatum, Linaria lasiopoda, L. littoralis, Orobanche 
Uvida, Odontites Kocfm, Thymus dalmatieus, Calamintha subnuda (?), Plan- 
tago Wddcniy Colchicum Kochii (Kroatien, Veglia), Ayropyrum elonyatum, 
LoUwtl subulatum und Aegilops uniarisiata. 

Viel beträchtlicher ist die Zahl jener Arten (117), welcho in Süd-Istrien 1 ) 
die Nordgrenze ihrer Verbreitung finden. Um Wiederholungen zu vermeiden 

') Für «liaHOfi Kall bib zum Carial von Lome erweitert gedacht. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



253 



sind dieselben in der Aufzählung mit einem * bezeichnet. Auch diese Zahl 
Hesse sich beträchtlich erhöhen, wenn man alle Arten hinzurechnen würde, 
welche das Gebiet der istrischen Mittelmeer-Flora nicht überschreiten. Allein 
dies näher zu erörtern, ist Gegenstand einer Flora des gesammten Küstenlandes. 

Zur Südgrenze gelangen in Süd-Istrien fast alle jene Pflanzen nördlicherer 
Gegenden, welche im Folgenden als selten oder nur für einzelne Standorte 
nachgewiesen werden. Von einer speciellen Ersichtlichmachung derselben wurde 
also abgesehen. Doch wäre hier immerhin zweier ganz absonderlicher Pflanzen- 
vorkommnisse zu erwähnen. Nämlich Asperula odorata im Kaiserwalde bei 
Pola und Saxifraga bulbifera ebendort. Beide Arten finden ihre nächsten 
Standorte erst wieder in der montanen Region entfernterer Gegenden, und es 
ist nicht leicht zu erklären, wie sie mitten unter südlichere Gewächse gekommen 
sein mögen, da nicht angenommen werden kann, dass sie durch menschliches 
Hinzuthun dahin gelangt sind. 

IL GreschicMlicher Ueberblick. *) 

(Zugleich Nachweis der Literatur.) 

Es ist in der Natur der Sache begründet, dass die Anfänge der botani- 
schen Erforschung Süd-Istriens sich nicht leicht von jenen des übrigen Landes- 
theiles trennen lassen. Die auf uns gekommenen Angaben aus jenen Zeiten 
machen eben noch keine derartigen Unterscheidungen, welche uns specielle . 
Standorte erkennen Hessen. So muss also auch an dieser Stelle, wo eigentlich 
nur der südliche Landestheil im Auge behalten ist — doch jener Männer ge- 
dacht werden, denen wir die ersten Nachrichten über die Vegetation von 
Gesammt-Istrien verdanken. 

Der älteste Schriftsteller, welcher sich mit der Flora Istriens beschäftigt 
hat, war der Bischof von Cittanuova Giacomo Filippo Tommasini, aus Padua 
gebürtig. Dieser, ein genauer Kenner des Landes, hat um das Jahr 1651 in 
seinen Commentari storici e fisici delle provincie delFIstria 2 ) im 
XXXVH. Capitel dei semplici piü rari della provincia ein Verzeichniss von 
288 Pflanzen gegeben, welche theils im Lande einheimisch, theils als Nutz- 
und Ziergewächse kultivirt waren. Obwohl er nur die Trivialnamen der Pflanzen 
anführt, lassen sich die letzteren hiernach auch jetzt noch erkennen. SpecieUe 
Standortsangaben sind in diesem Werke jedoch nicht enthalten. 

Die erste wissenschaftliche Angabe über die Landesflora rührt von Johann 
Bauhin her, welcher das Vorkommen von Samolus Valerandi nachwies. Weit 
umfassendere Daten sammelte jedoch der Venetianer Johann Hieronymus Zani- 
chelli, der eigentliche Begründer der Flora von Istrien. Er kam zwei Mal 
dahin und zwar im Jahre 1722 auch in den südlichen Landestheil, woselbst er 
die Umgebung von Fasana, die Brionischen Inseln, sowie die Küsten und Inseln 



1 ) Hauptsächlich nach handschriftlichen Mittheilungen Tommas ini's. 
*) Archeografo triestino von Dr. E, osetti vol. IV. 



254 



Josef Frey n. 



bei Pola, Veruda und Medolino untersuchte. Seine Beobachtungen verzeichnete 
er nach der damals üblichen Nomenclatur in einem Werke, welches von seinem 
Sohne unter dem Titel herausgegeben wurde: Joanni Hieronymi Zanichelli 
opuscula botanica posthuma a Joanni Jacobo filio in lucem edita. Vene- 
tiis 1730. Die hierin enthaltenen Angaben zeichnen sich durch grosse Gewissen- 
haftigkeit aus und haben meist selbst heute noch Geltung. 

Der Dr. Vitaliono Donati besuchte 1745 (?) die Küsten von Istrien und 
verzeichnet in seiner aus Knin 2. November 1745 datirten Storia naturale 
raarina dell' Adriatico (Venezia 1750) die beobachteten Meeralgen. 1 ) — 
Wurde bei vorliegender Arbeit nicht benützt, es ist auch fraglich ob Donati 
Süd-Istrien berührt hat. Die gleichen Zweifel begegnen uns über das Wirken 
des Jesuiten Josef Agosti, eines Venetianers, welcher um das Jahr 1750 in 
Fiume und Görz angestellt war und Pflanzen sammelte, welche er aber bei 
seiner Uebersiedlung nach Italien (1757) verlor. 2 ) Dass Franz von Mygind 
nach Süd-Istrien gekommen wäre, ist sehr unwahrscheinlich; sicher ist nur sein 
Aufenthalt in Triest und Fiume (1758). — Erst von dem Laibacher Lehrer 
Balthasar Hacquet ist es gewiss, dass er wenigstens nach Pola gelangte 3 ) 
und in seinen Plantae alpinae Carniolicae (Wien 1782) findet sich die 
einzige diesbetreffende Standortsangabe, indem er daselbst die Garlina Polae 
ausdrücklich im Amphitheater von Pola anführt. Dieses ist zugleich beinahe 
der ganze Fortschritt in der Erforschung des südlichen Istriens, welcher durch 
ein halbes Jahrhundert nach Zanichelli's Reise erzielt wurde. Die Botaniker 
der damaligen Zeit mieden den Besuch des Landes wegen der dort herrschenden 
Unsicherheit, 4 ) und so konnte es nicht ausbleiben, dass nur sehr spärliche Nach- 
richten über damals gemachte Pflanzenfunde an uns gelangten. Ziemlich gleich- 
zeitig mit Hacquet muss der Triester Arzt Dr. Johann Vordoni nach 
Süd-Istrien gekommen sein, und hatte für Wulffen Pflanzen beschafft 5 ); speciell 
Fumaria acaulis kann nur von Pola herstammen. — Zu Ende des 18. oder 
beim Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts bereiste der Tiroler Abbe Vaena 
Istrien und Dalmatien und half namentlich die südlichen Gräser für Nie. Thom. 
Host beschaffen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser Botaniker insbesondere 
Süd-Istrien berührte, doch sind mir hierüber keine Angaben bekannt geworden, 
mögen sich aber vielleicht doch a. a. 0. vorfinden. — Erst im Jahre 1816 
begegnen wir wieder Nachrichten über botanische Bereisungen: Hoppe und 
Horns chuch unternahmen eine Reise längs der Küste von Istrien. Beider 
Tagebuch reicht zwar nur bis Pirano, aber unter den von jener Reise vertheilten 

*) Heu Her, Verh. der k. k. zool.-botan. den. in Wien XX, p. 880. 
*) Heufler L c. 

*) Oryctographia Carniolica von Hacquet I, p. 56. 

•) Beopoll sagt in der zweiten Ausgabe der Flora Carniolica ausdrücklich: frequentes 
in Istria Anhtriaca latronurn insidioe. Im Venetianischen Landestheile war es wohl kaum besser. 

Wulfl'en: Planta« rariores carinthiaceae in Jacquiu Collectanea ad Itotanicam etc. 
Wien 1786 17!»0, JI. 2W u. ft'. Vergleiche Tommasini, Verh, der k. k. zool.-botan. Ges. 
XI. p. Ml. 



Die Flora von Süd-Istrieii. 



255 



Pflanzen befanden sich auch Moose von Pola. Die näheren Daten blieben mir 
leider unbekannt, obwohl gerade diese hier von Interesse gewesen wären. — Im 
April des Jahres 1819 fand ein zufälliger Besuch Polas statt: auf Joh. Bapt. 
Spix' und Dr. v. Marti us' Reise nach Brasilien nöthigte ein Sturm, welcher 
die Fregatte, auf welcher sich die Reisenden befanden, überfiel, zum Einlaufen 
in den Hafen von Pola, wo sie sich einige Tage aufhielten und Pflanzen 
beobachteten, deren Verzeichniss nach dem zweiten Capitel des in München 1823 
erschienenen Reiseberichtes geliefert wurde. *) Diese Arbeit konnte hier leider 
ebenfalls nicht benützt werden. — Auf seinen 1819—1822 alljährlich unter- 
nommenen Reisen nach Dalmatien streifte auch Professor Robert deVisiani 2 ) 
die Küsten von Istrien, namentlich die Gegend bei Pirano, Veruda und die 
Insel S. Pietro di Nembo. Er begann sich damals mit der Botanik zu beschäftigen 
und theilte von den gefundenen Pflanzen an Bertoloni mit, welcher dieselben 
bei der Verfassung seiner Flora italica benutzt hat. — Etwa um dieselbe Zeit 
kam auch Friedrich Mayer, Erzieher im Hause des Feldmarschall-Lieutenants 
Baron Bianchi von Casalanza, nach Istrien und machte gleichfalls Bertoloni 
mit seinen Funden bekannt. Er veröffentlichte in den Jahrgängen 1824 — 1828 
der Regensburger Flora mehrfache Aufsätze über seine Reisen in Istrien, Dalma- 
tien und Italien, welche von Fleiss und gründlichen Kenntnissen zeugten. 
Leider verunglückte dieser thätige Botaniker am 21. December 1828 durch einen 
Sturz mit dem umgeworfenen Wagen. 3 ) Seine sehr reichen Sammlungen dürften 
in den Besitz seines — damals in München studirenden — Neffen Alex. Braun 
gelangt sein. 

Ueberblickt man die botanischen Leistungen, welche seit Zanichelli's 
epochemachender Reise, dem südlichen Istrien bis zum Jahre 1822, also genau 
während eines vollen Jahrhunderts bewirkt wurden, so muss man dieselben für 
die specielle Kenntniss der Landes-Flora als nicht von sonderlichem Belang 
erklären. Denn was auch wirklich geleistet worden sein mag, gelangte nicht 
zur allgemeinen Kenntniss und blieb im Laufe der Zeit verschollen. Hieran 
mitschuldig ist wohl hauptsächlich die Gewohnheit der damaligen Autoren, die 
Angaben über Pflanzenstandorte nur höchst allgemeiu zu halten, so dass darüber 
häufig eben nichts anderes verlautbart wurde, als der Name des Landes, in 
welchem die Arten gefunden worden waren. Dies änderte sich erst viel später 
und für Süd-Istrien speciell brach eine neue Epoche der botanischen Durch- 
forschung erst im zweiten Decennium dieses Jahrhuuderts an. 

In diese Zeit fallen nämlich die ersten Ausflüge, welche der damals noch 
jugendliche Bartolomeo Biasoletto — in Diguano geboren, also Landes- 
kind — von seiner Vaterstadt aus in die nähere und weitere Umgebung der- 
selben unternahm. Er kam später nach vollendeten Studien und vollbrachter 
pharmazeutischer Praxis nach Triest, wo er sich in den ersten Zwanziger Jahren 

*) Kegensburger Flora 1824. — I, p. 3. 

2 ) Briefliche Mittheilung an den Verfasser. 

3 ) Die Todesanzeige durch Jan erfolgte im ersten Hefte der botanischen Zeitung 1829. 



256 



Josef Freyn. 



dauernd niederliess. Von dort aus übernahm er wiederholt Ausflüge nach seinem 
engeren Vaterlande, theils allein, theils in Gesellschaft fremder Botaniker. So 
im Jahre 1825 mit dem Grafen Sternberg (Bericht hierüber in der Flora 1826); 
1826 mit F. Müller, welcher im Auftrage des würtembergischen botanischen 
Reisevereines das istrische Littorale auszubeuten hatte. (Bericht hierüber von 
Hochstetter in der Flora 1827. I. 164 u. ff.) — Im Jahre 1828 berührte er 
gelegentlich der Reise nach Dalmatien abermals Süd-Istrien und neuerdings 1829, 
als er in Gesellschaft der deutschen Entomologen Dr. Waltl und Oberleitner 
eine grössere Reise durch ganz Istrien unternahm. (Bericht in der Flora 1829, 
p. 513 u. ff.) Dieser raschen Folge ergebnissreicher Sammlungen, schloss sich 
für Süd-Istrien eine mehrjährige Periode des Stillstandes an, jedenfalls waren 
die erzielten Resultate dieser Zeit nicht so bedeutend, um selbstständige Publi- 
kationen zu erheischen. Auch ergab sich damals für Biasoletto die Gelegenheit 
seine Funde auf indirekte Weise bekannt zu machen, indem er die von ihm 
gesammelten Pflanzen an D. W. Koch mittheilte, welcher sie bei der Ver- 
fassung seiner berühmten Synopsis benützte, und an Professor Bertoloni, 
welcher die Standorte successive seiner Flora italica einverleibte. — In späterer 
Zeit wendete Biasoletto seine Aufmerksamkeit mehr dem nördlichen Landes- 
theile zu und zuletzt den Algen. Nach Süd-Istrien kam er jedoch noch einige 
Male, doch wird dieser Besuche erst im Zusammenhange mit den ferneren Be- 
gebenheiten Erwähnung geschehen. Biasoletto starb inTriest am 17. Jänner 1858 
im kräftigsten Mannesalter. 

Wie wichtig nun alle bisher erzielten Erfolge für die Kenntniss der Flora 
von Süd-Istrien waren, so blieben dieselben gleichwohl immer noch äusserst 
lückenhaft. Hatten sich doch alle Untersuchungen nur der westlichen zugäng- 
licheren Gebietshälfte zugewendet, während die unzugänglichen, entlegenen, öst- 
lichen Partien vollkommen unbeachtet geblieben waren. Von einer, nach einem 
einheitlichen Plane geleiteten Durchforschung war demnach keine Rede, 
konnte es auch nicht sein, weil die, während eines Jahrhunderts von den ver- 
schiedensten Botanikern unternommenen Bereisungen füglich in keinem inneren 
Zusammenhange unter einander sein konnten. Erst von Biasoletto ist es 
bekannt, dass er in das Innere eindrang, welches er auf mehreren grossen 
Touren in verschiedenen Richtungen durchquerte. — Eine gründliche Erforschung 
nicht nur Süd-Istriens, sondern überhaupt des ganzen Küstenlandes nach einem 
einheitlich angelegten und consequent durchgeführten Plane ermöglicht zu haben, 
i.st ausschliessliches Verdienst von Mutius Ritter von Tommasini. 1 ) Aus Dalma- 
tien, wo ihn sein Beruf mehrere Jahre lang festgehalten hatte, nach Triest übersetzt, 
hatte Tommasini schon 1833 in Gesellschaft Biasoletto's, des schweizerischen 
Consuls inTriest, Theodor Necker de Saussure, sowie dessen Bruder Louis, 
dem bekannten Mineralogen, eine Reise durch das Innere von Istrien auf den 
Monte Maggiore, von da nach Rovigno unternommen und beschrieb dieso Reise 



') Vergleiche auch die Hiograjthie deHHelbon von AuguHt Noilroich in der OeHterr. botan. 
Zcitm;br. XVI, i>. 1—12, eine Arbeit, welche in dieHein AbHchnitte mehrfache Benützung fand. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



257 



in der Linnaea 1834. Nach Süd-Istrien selbst kam Tommasini zum ersten 
Male im Frühlinge, 1837 in Gesellschaft Biasoletto's. Beide durchsuchten 
damals sehr genau die Umgegend von Dignano, Veruda und die Küste von 
Stignano bis Fasana. Schon im Juni desselben Jahres berührten beide mit 
Sir Georg Bentham den ganzen Küstenstrich von Parenzo über Orsera, Rovigno, 
Valle etc. bis Pola, besuchten die Brionischen Inseln und setzten die Tour bis 
auf den Mt. Maggiore fort. Diese Reise bildete eigentlich die Grundlage zu den 
späteren Sammlungen und zur Verfassung einer übersichtlichen Darstellung der 
Flora. Spätere, kürzere Ausflüge, besonders in den Jahren 1840 und 1842 und 
die durch den von Tommasini entsendeten bekannten Sammler Checco 1 ) 
(eigentlich Driuz) bis 1860 alljährlich wiederholten, vermehrten den Umfang 
des erworbenen Materiales und ermöglichten eine Uebersicht über alle Theile 
des Gebietes. Im Jahre 1841 gelang es Tommasini zur Ausführung seiner 
Durchforschungspläne die Mitwirkung Dr. Otto Sendtner' s zu gewinnen, welcher 
sich der übernommenen Aufgabe mit Eifer, Gewissenhaftigkeit und Sachkeunt- 
niss unterzog. In diesem Jahre verweilte Sendtner nur wenige Tage in Pola, 
und zwar zu Ende Juni, als er von den quarnerischen Insel zurückkehrte. Er 
bekam damals die traurigsten Eindrücke von der südistrischen Flora, die er von 
der Sommerhitze vollkommen versengt fand. Auch 1842 berührte Sendtner 
Pola kaum auf der Reise nach dem Quarnero und kehrt über Fiume und den 
Schneeberg zurück. Erst 1843, als das dritte seiner Anwesenheit im Küstenlande 
war zu einer systematischen Untersuchung des südlichen und südöstlichen Theiles 
von Istrien bestimmt und diese vollführte er in Gesellschaft des Dr. August Pappe- 
ritz aus Dresden vom Anfange April bis Ende Juni. Erst 1861, als Tommasini 
in Pension getreten war, konnte er seine Thätigkeit wieder mit erneuerter Kraft 
der Flora des Küstenlandes widmen, welche nachgerade durch seine Bemühungen 
nach allen Richtungen untersucht und der Hauptsache nach bekannt war. Die 
gebliebenen Lücken auszufüllen, war er nun eifrig bestrebt und auch Süd-Istrien 
wurde nun zu wiederholten Malen durchstreift, so 1861 — 1865 alljährlich in den 
verschiedensten Richtungen und Jahreszeiten; sodann 1872 im Frühjahre die 
Inseln im Golfe von Medolino; 1873 wurde der letztgenannte Besuch zweimal 
erneuert; im ersten Frühjahre mit dem gegenwärtigen Direktor des Triester 
Museums Dr. Carlo von Marchesetti und im Sommer mit Ritter von Josch 
und Baron von Rastern. 2 ) Und noch im Sommer 1876 widmete Tommasini 
von Marchesetti und dem Verfasser begleitet, einen zweitägigen Besuch der 
nordöstlichen Gebietstheile, sowie den östlichen Partien bei Pola. — Ueber 
alle von ihm selbst oder über seine Veranlassung unternommenen Sammlungen 
wurden von Tommasini Kataloge geführt und diese im Jahre 1868 zu einem 
einzigen General -Verzeichnisse vereinigt, welches zugleich eine umständliche 



*) Dieser Mann erwarb sich nach und nach eine ziemliche Pflanzenkenntniss, wnrde aber 
im selben Masse unverlässlich, so dass dessen spätere Angaben nur mit grösster Vorsicht zu 
benutzen sind. 

*) Tommasini: Die Flora des südlichsten Theiles von Istrien in Oesterr. botan. Zeitschr. 
XXIII. bammt Nachtrag. 

Z. K. Ges. B. XXVII Abb. 33 



258 



Josef Freyn. 



Aufzählung der seit 1837 sichergestellten Arten bildete und welches der folgenden 
Pflanzenaufzählung zu Grunde gelegt wurde. 

Während auf diese Weise Tommasini ununterbrochen thätig war, in 
Ausführung seines Planes das Land zu erforschen, kam allmälig eine ganze 
Reihe anderer Botaniker dahin, welche theils selbstständig vorgingen, meistens 
aber nach Angaben TommasinTs bestrebt waren, die bis dahin bekannt 
gewordenen Seltenheiten aufzusuchen und wo möglich neue zu entdecken. Die 
erzielten Erfolge waren beträchtlich und so konnte es nicht fehlen, dass sich 
bis zur jüngsten Zeit immer neue Männer fanden, welche die berühmt gewordene 
Flora des südlichen Istrien aus eigener Anschauung kennen zu lernen wünschten. 
— Im Folgenden ist nun eine Uebersicht dieser Reisen zu geben versucht 
worden, soweit dieselben dem Verfasser bekannt geworden sind. 

1838 besuchte König Friedrich August von Sachsen unter Führung 
Biasoletto's und Tommasini's das südliche Istrien — wie alle fremden 
Reisenden jedoch nur den westlichen Theil. Tommasini kehrte von Veruda 
nach Triest zurück, während Biasoletto den König bis Montenegro weiter 
begleitete. Ueber diese Reise wurde von Biasoletto ein eigener Bericht ver- 
öffentlicht, welcher hier jedoch nicht benutzt werden konnte. Auf der 1845 
unternommenen Tour nach Istrien, kam der König nicht in den südlichen 
Landestheil. 

1845 besuchte Eduard Ritter von Josch die Brionischen Inseln 1 ) und 
streifte später auf einer in Gesellschaft des Baron Nikodem Rastern nach 
den quarnerischen Inseln 1862 unternommenen Reise Pola zum zweiten Male 
und 1871 mit G. Strobl die Partie von Pola nach Promontore. 2 ) 

1855 bereiste Professor F. W. C. Areschoug 3 ) aus Schweden Istrien 
und kam auch in den südlichen Theil des Landes, ohne hierüber etwas zu 
veröffentlichen. 

1860 im Herbste und 1861 im Frühlinge durchstreifte der damalige 
Gymnasiast, gegenwärtig Professor in Fiurae, Anton Loser, ein Landeskind, 
den westlichen Gebietstheil und die Inseln und erzielte manchen interessanten 
Fund. Ein Verzeichniss der von ihm gesammelten Pflanzen mit Standortsangaben 
befindet sich handschriftlich im Besitze Tommasini's und wurde hier benützt. 

1862 berührten Karl Petter und Dr. H. W. Reichardt aus Wien auf 
einer Reise nach dem Quarnero Pola, woselbst sie einige Pflanzen sammelten. 4 ) 

1864, im Sommer, lernte Professor Dr. Anton Kerner die östliche Partie 
der Umgebung von Pola kennen, sowie die Einöden gegen Dignano und die 
sterilen Partien nordwestlich vom letztgenannten Orte längs der Strasse nach 
Borigno und hat hierüber auch Einiges veröffentlicht. 5 ) 

'> l',<ricM JoHch'H in der OeBterr. boten. Zoitsclir. XIII, p. C>7. 

') Bericht Btrofell in dtn Vorn. <1. k. k. zool. -botan. Oftf, XXII, p. 811—618. 

*) l'.ri<:l liehe Mittheiluritf an den Verlader. 

') lierieht l'cttcr'H in der OeKterr. botan. ZeitHchr. XII, p. :$. r >0. 

i v<r(/i Oeeterr. boten. Zeit ehr. XVII, j>. R! unter Kotltria a/iutreM* und briefliche Mit- 

tliPilun^ a. rl. Verl. 



Die Flora von Süd-Istrien 



259 



1865 und 1866 bereiste der Pflanzensammler Thomas Pichl er aus Tirol 
den westlichen Gebietstheil und war der erste, von welchem Pflanzen aus Süd- 
Istrien auch kaufweise zu erhalten waren. Schon 

1867 kehrte er mit P. Rupert Hut er aus Tirol neuerdings nach Pola 
zurück, um abermals die westlichen Gegenden auszubeuten, während gleichzeitig 
Dr. Paul Ascherson aus Berlin auf einer Reise nach Dalmatien Pola berührte 1 ) 
und Dr. August Reuss aus Wien ebenfalls mehrere Tage dem gleichen Ge- 
biete widmete. 2 ) 

1868 sammelte Dr. Arthur Schultz aus Starkow in Preussen, von Weiss 
(über dessen Thätigkeit siehe weiter unten) geleitet, in der Umgebung von 
Pola und das in jener Gegend gesammelte Material bildet den grössten Theil 
der von ihm herausgegebenen Flora istriaca exsiccata, welche von Dr. As che r- 
son einer kritischen Beleuchtung unterzogen wurde. 3 ) In demselben Jahre 
wurde auch der Regimentsartzt Dr. Vogel aus Wien von der Regierung nach 
Pola entsendet, um die Sanitätsverhältnisse daselbst zu studiren, wobei sich 
ihm die Gelegenheit ergab, auch botanische Beobachtungen zu machen, welche 
von ihm in einer Liste verzeichnet und Tommasini handschriftlich mitgetheilt 
wurden. Auch diese Daten wurden hier benützt. 

1871 durchquerte der damalige Student, jetzt Direktor des Museums in 
Triest, Dr. Karl v. Marchesetti die pflanzenarmen Gestrüppe zwischen Galesano 
und Stignano und übergab eine Liste der gesammelten Arten an Tommasini; 
wie die früheren, wurde auch diese Liste bei vorliegender Arbeit benutzt. 

1872 kam Professor Eduard Ha ekel in St. Pölten, damals zeitweilig in 
Triest anwesend, zweimal nach Pola und theilte von den gesammelten Pflanzen 
die meisten an den Verfasser mit. 

% 1874 besuchte Dr. Paul Magnus aus Berlin unter der Führung des Ver- 
fassers die Umgebung von Pola, ebenso 

1875 Dr. Hermann Kraus aus Stuttgart und Custos K. Deschmann 
aus Laibach. 

1876 G. C. Spreitzenhofer aus Wien. 4 ) 

War auf solche Weise durch die sich rasch folgenden Reisenden nament- 
lich die Kenntniss der Standorte um ein Beträchtliches vermehrt worden, so 
war es der Thätigkeit des in Pola in den Jahren 1865, 1866 und 1868 an- 
sässigen Marine- Arztes Dr. Emanuel Weiss 5 ) gelungen, durch kritische Sichtung 
des gesammelten Materiales sich vielfache Verdienste um die Landes- Flora zu 
erwerben und die Zahl der aus Süd-Istrien bekannten Arten, namentlich auch 
der Kryptogamen nicht unbeträchtlich zu vermehren. Leider trieben unglückliche 
Umstände den verdienten Mann in einen frühen Tod (1870). Die Sammlungen 



J ) Oesterr. botan. Zeitschr. XVII, p. 194. 

2 ) Bericht in Verh. des k. k. zool.-botan. Ges. XVIII, p." 128— 133. 

3 ) Oesterr. botan. Zeitschr. XIX, p. 51—53. 

*) Bericht, Verh. der k. k. zool.-hot. Ges. XXVI. Sitz.-Ber. p. 93—94. 

5 ) Vergl. dessen Nekrolog in Verh. der k. k. zool.-botan. Ges. XX, p. 621—625 von Mutius 
Ritter von Tommasini. 

33* 



260 



J osef Freyn. 



sind sodann in den Besitz To in in asini's übergegangen, nachdem Weiss schon 
vor dem Antritte der ostasiatischen Reise die Resultate seiner Studien in den 
bereits oben erwähnten General -Katalog Tommasinfs eingetragen hatte. 
Theilweise waren dieselben übrigens auch direkt veröffentlicht und zwar im 
XVI. Bande der Verh. der k. k. zool.-botan. Ges. in Wien. 

Es erscheint nun nothwendig, der Wirksamkeit eines Mannes zu ge- 
denken, welcher eine Reihe von Jahren der Erforschung der Flora von Istrien 
gewidmet hatte und dabei vollkommen selbstständig vorgegangen war, dessen 
Wirken also auch besser für sich allein gewürdigt werden muss. Dies war 
Ludwig Freiherr von Hohenbühel, genannt Heufler zu Rasen 1 ), welcher 
1843—1850 bei dem Kreisamte in Mitterburg (Pisino) fungirte und in dieser 
Eigenschaft wiederholt Gelegenheit hatte, Süd-Istrien zu besuchen und der auch 
über (ausser einigen anderen Arbeiten über Gesammt-Istrien) die immergrünen 
Einöden von Pola eine anschauliche Darstellung gab. 2 ) 

Auch das „geologische Landschaftsbild des istrischen Küstenlandes" 3 ) 
von Dr. Guido Stäche, gegenwärtig Oberbergrath der k. k. geologischen Reichs- 
anstalt, enthalten in Bezug auf Vegetationsfactoren auch des südlichen Istriens 
interessante Daten. 

Diesen selbstständigen Arbeiten gesellte sich 1875 eine Flora der Um- 
gebung von Pola. Nach vielfachen Reisen durch alle Theile der Welt war näm- 
lich Dr. Heinrich Wawra Ritter von Fernsee zu längerem Aufenthalte nach 
Pola gekommen und fühlte sich von der Vegetation 1874 derartig angezogen, dass 
er alsbald daran ging, dieselbe mit bekannter Ausdauer zu erforschen. Das 
Resultat seiner Bemühungen wurde sodann von seinem oftmaligen Begleiter 
Professor Leo Neugebauer in Pola veröffentlicht. 4 ) Die gemachten Samm- 
lungen aber wurden von Dr. v. Wawra als sehr umfangreicher Grund für ein 
Schulherbar der k. k. Marine-Realschule in Pola geschenkt. Auch 1877 botani- 
.sirte Dr. v. Wawra, zum Theil in Gesellschaft des Verfassers, um Pola und 
machte mehrere Funde, welche hier veröffentlicht werden. 

Seit Ende Mai 1874 war es auch dem Verfasser gegönnt, Süd-Istrien nach 
allen Richtungen kennen zu lernen und er konnte daher nur um so lieber der 
ehrenvollen Aufforderung Tommasini's nachkommen, die bisher gemachten 
Beobachtungen einem Abschlüsse zuzuführen. Diese Arbeit führte schliesslich 
zu einer kritischen Untersuchung des gesummten Materiales an Phanerogamen, 
USfgenommen der wenigen Arten, welche Verfasser nicht selbst gesammelt oder 
doch weni^'-tens getrocknet gesehen hat. Hiebei war selbstverständlich die 
Beschaffung <Jer einschlägigen Literatur, welche in Pola fast vollständig fehlt, 
« ine Ehdptichwierigkeit, deren thunlichste Bewältigung Verfasser grossentheils 

') Vergl. »neu (lernten Biographie in Ootterr, boten. ZeltlOhr, XVIII, p. 1 B (von RoiKuek ?) 

') Wifi,. r Zeitung, Keiliig« zum Morgonhl.iUo vom 0. Juli IHftl, HpiUer wiederabgedruckt 
i" Heufler. I rmrierungcii .iuh dem K u>t<;iil;uide. Wien I >-. r *^, p. 300. Konnten Iiier leider 

rm iit l -i,i, t/i .-. ii Ich. 

') ÜMt«rr«ii:hiftrhe Kerne 1HT.I. 

•) OwUrr. l.oUn. ZelUclir. XXV (1876). 



Die Flora von Süd-lstrieu. 



261 



ebenso den Bemühungen To muia sin i's zu verdanken hat, als er sich angenehm 
verpflichtet fühlt, ihm auch an dieser Stelle für die unermüdliche Bereitwillig- 
keit, mit welcher seine weitgehendsten Anfragen wiederholt Erörterung fanden, 
den tiefgefühltesten Dank abzustatten. 

Aber auch anderweitig hat Verfasser freundliches Entgegenkommen ge- 
funden, und er dankt hiefür allen Jenen, welche ihn bei vorliegender Arbeit 
unterstützten; sei es durch briefliche Mittheilungen, sei es durch Zusendung 
von einschlägigem Pflanzen-Material; insbesondere aber seinen Freunden Victor 
von Janka in Budapest und Eduard Ha ekel in St. Pölten, von welchen sich 
namentlich der letztere ausserdem wiederholt der Mühe unterzog, nicht nur 
Literatur zu beschaffen, sondern auch lebende Pflanzen behufs Vergleich mit 
kritischen Arten der südistrischen Flora an den Verfasser einzusenden. — Auch 
der k. k. zool.-botan. Gesellschaftin Wien, sowie seinem Freunde Prof. Neu- 
gebauer in Pola verdankt der Verfasser, dass mehrere wichtige Werke benutzt 
werden konnten, und der Sternwarte-Abtheilungsvorstand in Pola, Herr Garreis s, 
hatte die Gütte die metereologischen Daten zugänglich zu machen. — Wenn 
trotzdem noch manche Lücke auszufüllen ist, so Avolle berücksichtigt werden, 
dass eben die Beschaffung vieler wichtiger, insbesondere Bilderwerke, in Pola 
einfach unmöglich war. Namentlich Pariator e's Flora von Italien und Host's 
Flora austriaca, welche sicher wichtige Daten über Süd-Istrien enthalten, wären 
zu benützen gewesen. Ebenso mehrere der neueren Monographien. Indessen 
musste es eben beim Wunsche bleiben. 

III. Aufzählung der bisher bekannt gewordenen Pflanzen. 

Hiebei wurde das System von De Candolle zu Grunde gelegt, nicht 
nur darum, weil es das am meisten verbreitete und desshalb bequemste ist, 
sondern hauptsächlich auch desshalb, weil auch die „Synopsis Florae 
Germanicae et Helveticae" von W. D.Koch darnach abgefasst wurde und 
nachstehende Arbeit bestimmt ist, die Angaben des berühmten Werkes für Süd- 
Istrien zu ergänzen. — Es wurde deshalb auch davon Umgang genommen, die 
Seitenzahlen dieses Buches speciell zu citiren und erfolgte von dieser Uebung nur 
in besonderen Fällen eine Ausnahme. Ueberall, wo es nicht ausdrücklich anders 
gesagt wurde, ist immer nur die Edition 3 gemeint, die Ausgabe 2 wurde nicht 
benützt, wohl aber in einigen Fällen die erste und das Taschenbuch. — Die 
sonst noch benützte Literatur ist, wenn erforderlich, au Art und Stelle überall 
eitirt und auch aus den angewendeten Abkürzungen leicht zu erkennen. 

Zur Orientirung betreffs der Standortsangaben diente insbesondere die in 
lOBlättern erschienene photolithographirte Karte der „Umgebung von Pola," welche 
nach einem Originale der Generalstabs-Abtheilung der 7. Truppen-Division im 
militär - geographischen Institute zu Wien herausgegeben wurde. Diese Karte 
gewährt einen sehr detaillirten Einblick, doch sind die in den nördlichen 
Partien verzeichneten Höhencöten rund um 20 Meter zu niedrig angegeben, 
wie das genaue Nivellement beim Baue der Eisenbahn gezeigt hat. — Zur 



262 



Josef Frey n. 



allgemeinen Uebersicht diente ferner Blatt 34 und 35 der Generalstabskarte von 
Illirien und Steiermark. — In allen diesen Karten ist jedoch die Orthographie 
der Ortsnamen eine vielfach unrichtige und die im Folgenden angewendete, um 
deren Correctur sich insbesondere Dr. v. Wawra bemüht hat, weicht daher in 
vielen Fällen von jener der Karten beträchtlich ab. Es wurde als Grundsatz 
festgehalten, die italienischen Namen italienisch, und die slavischen slavisch zu 
schreiben, doch dürfte besonders in letzterer Hinsicht immer noch mancher 
Fehler auszumerzen sein. 

Die Angaben über die verticale Verbreitung sind vom Verfasser theil- 
weise auf Grund der in den Karten verzeichneten Cöten geschätzt, theils 
nivellirt oder mit dem Aneroid erhoben. Die höchsten Cöten sind mit 170 Meter 
Seehöhe angegeben und finden sich im nordöstlichen Gebietstheile. Nach dem 
Thatbestande im Westen, nämlich bei Dignano, ist auch von diesen Partien 
anzunehmen, dass sie um 20 Meter zu tief cotirt sind, dass somit die wahre 
Maximalhöhe besser mit 190 Meter anzusetzen wäre. Mit Sicherheit kann dies 
jedoch nicht behauptet werden und da keine anderen Höhenmessungen aus jener 
Gegend vorliegen, so wurde die der Karte entnommene Höhencöte um so mehr 
beibehalten, als die diesbezüglichen Angaben an anderen Stellen der Mappe 
doch genügend genau sind. — Für einen grossen Theil der aufgezählten Arten 
wird sich durch spätere Untersuchungen wohl eine grössere vertikale Verbreitung 
herausstellen, als im Folgenden angenommen ist. Nachdem aber alle diese Daten 
durch einen einzigen Beobachter gesammelt sind, so können sie noch nicht die 
gewünschte Vollständigkeit besitzen. — Betreffs der Minima der vertikalen 
Verbreitung ist festzuhalten, dass der Nullpunkt des Cötensystemes die tiefste 
Ebbe ist. Es hat demzufolge der Meeresspiegel schon positive Höhencöten 
und namentlich ist die Gute 1 Meter schon als ein ausserordentliches Minimum 
anzusehen, bis zu welchem nur wenige Arten (Sumpf bewohner) herabsteigen. 
Die gewöhnliche Strandlinie kann im Mittel mit 2 3 Meter angenommen werden, 
wurde hier jedoch auf 2 Meter abgerundet, wodurch dein Wesen der Sache kein 
Abbruch geschehen ist. Kleinere Cöten als -f- 1 Meter und bis zu —6 Meter 
herab gehören natürlich ausschliesslich untermeerischen Gewächsen an. 

Die Zeit, zu welcher die Pflanzen in Süd-Istrien blühen, wurde überall 
angeführt. Da meistens sehr zahlreiche Beobachtungen für jede Art vorlagen, 
so sind diese Daten wohl verlässlich; es wird aber doch auffallen, dass sich die 
Bliithczeit mancher normal rasch verblühenden Pflanzen zwischen weiten Grenzen 
bewegt. Dies trifft durchaus Frühlingsgewächse und die Erklärung liegt einfach 
in den früheren oder späteren Eintritt der zur Blüthenentfaltung erforderlichen 
Wärmeverhältnisse. 

Endlich wurde bei jeder Art der erste Finder, soweit sich dies erheben 
Hess, angeführt. Um keinerlei Prioritätsrecht zu verletzten, ist auch stets die 
Jahreszahl beigefügt worden, in welcher nach des Verfassers Erhebungen die 
ernte Auffindung erfolgte. Es ergibt sich, auf solche Art zugleich ein Bild des 
allmäligen Fortschreiten! der botanischen Durchforschung. Bei vielen als gemein 
beieieuieteii Pflanzen wird man verhältnismässig neue Jahreszahlen finden. 



Die Flora von Süd-Ietrien. 



263 



Dies rührt daher, weil sich entweder frühere Angaben als irrthümlich erwiesen 
hatten, oder — und dies ist der gewöhnliche Fall — weil es vordem Niemand 
der Mühe werth hielt, dergleichen zu notiren, während doch gerade solche 
Pflanzen für das Vegetationsbild von Wichtigkeit sind. In einigen Fällen endlich 
erklärt sich die späte Auffindung durch die Blüthezeit, welche entweder in den 
späten Herbst oder den Winter fällt. Die Kulturpflanzen wurden vordem von 
fast gar Niemanden beachtet; da sie aber oft durch ihre bedeutende Verbreitung 
auffallen, und es doch auch sonst nicht ohne Interesse ist, von einer Gegend 
zu wissen, was dort kultivirt wird, so wurden auch derlei Pflanzen, selbstver- 
ständlich ohne Nummer, angeführt. Würde man immer und überall so gethan 
haben, so wären manche Fälle von Pflanzenwanderung klarer, als es ohne derlei 
Angaben gegenwärtig sein kann. — Selbstverständlich war für oder gegen die 
Aufnahme einer Kulturpflanze deren Verbreitung massgebend; hätte jede Art 
hier angeführt werden sollen, welche überhaupt gepflanzt wird, so würde der 
Umfang dieser Arbeit nicht nur bedeutend überschritten worden sein, sondern 
es hätte die Ueb ersieht sehr gelitten. 

Es erübrigt noch, jene Partien des Gebietes zu verzeichnen, welche trotz 
aller bisher geleisteten Arbeit noch gründlich zu durchforschen wären. Da ist 
vor allem das Rechteck zu nennen, welches nordwärts von einem Theile der 
Strasse Marzana-Dignano, südlich vom Walde Munisca, östlich von der Linie 
Marzana -Montechio, westlich durch eine von Lavarigo nordwärts gezogenen 
Linie begränzt wird; sodann die Einöden vom Walde Magran bis Lissignano. 
Letzterer Theil wird kaum Nennenswerthes bergen; das erstgenannte Gebiet 
jedoch dürfte noch mehrere Bergpflanzen liefern, welche wohl für Süd-Istrien, 
nicht aber für fremde Botaniker von Interesse wären. Da beide Gebiete ausser- 
dem unwegsam sind und nur zu Fuss oder reitend passirt werden können, 
daselbst auch weder auf Proviant noch Unterkunft zu rechnen ist, so ist vor- 
erst nicht zu erwarten, dass diese Lücke bald ausgefüllt werde. 

Die gebrauchten Abkürzungen sind folgende: B. = Batterie; C. = Canale; 
F. = Fort ; gr. = grande ; Mt. = Monte ; Ma. = Madonna ; magg. = maggiore ; 
min. = minore; Pa. = Punta; Po. = Porto; pic. = piecolo; S. = San, Santa; 
Sc. = Scoglio; St. = Stanza; V. — Val, Valle. — n. v. bedeutet, dass 
Verfasser kein Exemplar der Art aus Süd-Istrien gesehen hat. 

I. Ranunculaceae Juss. 

1. Clematis Flmnmula L. In Gebüschen, Hecken, an Zäunen, oft 
an den Bäumen hoch hin aufrankend. Am Festlande gemeiu; auch auf den 
Inseln Brioni magg. und min., Cosada, Sc. Franz, Veruda und Sa. Marina, 
ti Juni, Juli (Benth. Bias. Tomm. 1837). Diese Art ist von allen europäischen 
Arten durch die eigenthümliche Fruchtgestalt leicht zu unterscheiden: letztere 
ist nämlich flach, scheibenförmig und im jungen Zustande mit einer breiten 
wulstförmigen Umrandung versehen. Alle andere Arten haben mehr oder 
weniger eiförmige unberandete Früchte. 



264 



Josef Freyn. 



ß) maritima Koch. In den Macchien, auf Felsen und in Hecken nicht 
blos am Meeresstrande, sondern auch hie und da im Innern und auf den 
Inseln (Freyn 1874). 1-150 M. 

2. C. Vitalba L. In Hecken, an Zäunen, in Laubwäldern des inneren 
Theiles gemein, jedoch an den Küsten weniger häufig, fi Juni bis Juli (Schultz 
und Weiss 1868). 2—170 M. — Variirt mit mehr oder weniger getheilten 
Blättern. 

3. C. Viticeila L. In Hecken, Gebüschen, an Mauern, bisher nur 
zwischen Marzana und Carnizza. fi Juni, Juli (Sendtner 1841). 40—170 M. n. v. 

4. Thalictrum minus L. In feuchten buschigen Vertiefungen der 
Insel Fenera. fi Juni (Sendtner und Papp. 1843). 2 — 4 M. — Bei Pola, wo 
sie Zanichelli 1722 angab, ist diese Pflanze längst verschwunden. Vielleicht 
ist es T. Jacquinianum. Ich habe die Pflanze nur in halbversengtem Zustande 
gesehen. 

5. Anemone stellata Lam. Boiss. fl. Orient. I. 2 ! — Vis. fl. dalm. III. 77 ! 
— Anemone hortensis Koch. Auf trockenen Grasplätzen, sonnigen Hügelu, an 
Gebüschrändern und lichten Waldplätzen am Fes-tlande gemein und meist sehr 
zahlreich, eine wahre Zierde der ersten Frühlingsflora. Auch auf beiden Brioni, 
Sc. Franz, den Inseln bei Veruda auf S. Marina und Cielo. % März, April; 
manchmal schon im Jänner (Biasoletto 1828). 1 — 170 M. — Die Sepalen 
variiren in den verschiedensten Farben vom Weissen und hell Schwefelgelben 
bis in dunkles Karminroth. 

6. Adonis autumnalis L. In Getreidesaaten, auf Brachäckern gemein 
und oft zahlreich. Auch auf Brioni magg. O Mai, Juni; einzeln bis zum 
Herbste (Benth. Bias. Toram. 1837). 2—170 M. 

7. A. microcarpa DC. Boiss. fl. Orient. I. 18! Stengel aufrecht mit 
aufrechten Aesten; Blätter gefiedert mit schmal linealen Zipfeln; Kelch kahl 
abstehend; Petala mennigroth, gleichfarbig; Früchtchen schief-eiförmig ge- 
schnäbelt, ungleichmässig runzlig, rund, um das untere Drittel vielzähnig; an 
der dem Stengel zugekehrten Seite scharf gekielt, am Grunde des Schnabels 
stumpf-einzähnig, der Schnabel hart an den Zahn angedrückt, 
dunkelfarbig. Mai, Juni, einzeln bis zum Herbst. In Getreidesaaten, auf 
Brachäckern, meist in Gesellschaft der vorgenannten Art und wie diese gemein ; 
auch auf beiden Brioni (Bias. und Tommas. 1837). — A. aestivalis L., für 
welche diese Art hier bisher gegolten hat, unterscheidet sich durch gleich- 
BtiUlligere Kunzelung der Nüsschenoberfläche, und einen langen, grünen Schnabel, 
von welchem der rilckenständige Zahn weit absteht. 

w . A. jlammea, Jacq. „Auf Getreidefeldern zwischen F. Casonivecchi 
und den römischen Steinbrüchen bei Pola". Mai, Juni (WoisR l«08). 
- M. n. v. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



265 



9. Myosurus minimtis L. An feuchten, überschwemmten Stellen 
der Wiesen bei Fasana, am Prato Vincuran bei Veruda und bei Medolino. 
Q Mai, Juni (Bias. Tommas. 1837). — Der tiefste Standort nördlich von 
Fasana, kaum 2 M. 

10. Raminculus aquatilis L. 

a) heterophyllus DC. — Boiss. fl. or. I. 23! — Vis. dalm. III. 81! 
In Viehtränken, Tümpeln, Sumpfgräben bei Montecchio, Altura, Stignano, in 
der Foiba am Mt. Grande bei F. Stoje Musil, Medolino, auf Brioni magg., wo 
er wächst, gewöhnlich zahlreich. % April bis Juni (Benth. Bias. Tom. 1837). 
2-120 M. 

ß) submersus Godr. in G. G. fl. fr. I. 23! — Im Sumpfgraben der 
Wiese unter F. Turulla im V. Rancon, in Gesellschaft des folgenden. % Mai 
bis Juni (Freyn 1876). 2 M. Unterscheidet sich von B. trichophyllus sofort 
durch die beim Herausnehmen aus dem Wasser nur mit den Spitzen kaum 
pinselförmig zusammenfallenden Blätter und die aufwärts dünner werdenden 
Blüthen stiele. — B. divaricatus Schrank hat viel kleinere, starre, niemals 
pinselförmig zusammenfallende Blätter. 

y) terrestris Godr. 1. c. An den ausgetrockneten Rändern der Lacken 
am Mt. Grande bei Pola und bei Stignano. % April bis Juni (Tommasini 1861). 
10—15 M. 

11. R. confusus Godr. in G. G. fl. fr. I. 22! — B. Petiveri ß. major 
Koch syn. p. 10! — Batrachium aqiiatile ß. Petiveri Vis. dalm. III. 81! Im 
Wasser fluthend. Die untergetauchten Blätter borstlich vielspaltig, beim 
Herausnehmen nicht pinselförmig zusammenfallend, die unteren gestielt, 
die oberen sitzend; die schwimmenden lappig, tief dreitheilig mit nach 
abwärts keilförmig verschmälerten verkehrt-eiförmigen Segmenten. Blüthen- 
stiele viel länger als das stützende Blatt. Blüthen bis 2V2 Cm. im 
Durchmesser, die grössten der hiesigen Batrachien; Staubgefässe circa 30, 
theils so lang als das Fruchtknotenköpfchen, theils kürzer; Narbe band- 
förmig; Fruchtboden abstehend weisszottig. Früchtchen schief- eiförmig, quer- 
runzelig, spitz. % Mai, Juni. Bisher nur in dem tiefen Sumpfe im V. Rancon 
mit B. trichophyllus dicht gemengt (Freyn 1876). — B. aquatilis unterscheidet 
sich von dieser Art durch folgende Merkmale : geringe Anzahl der schwimmen- 
den und sämmtlich gestielte untergetauchte Blätter, Blüthenstiele etwa so lang 
als das Blatt; Früchtchen verkehrt- eiförmig stumpf; überhaupt durch zier- 
lichere Tracht. 

12. R. trichophyllus Chaix. Boiss. fl. or. I. 23! — B. paucis- 
tamineus Tausch, Koch syn. p. 10 — 11! In Sumpfgräben des Prato grande bei 
Pola und in dem tiefen Sumpfe im V. Rancon. % April, Mai (Freyn 1876). 
1—2 M. — Durch die pinselförmig zusammenfallenden sämmtlich untergetauchten 
Blätter, die kurzen Blüthenstiele und kleinen Blüthen (die kleinsten unter den 
hiesigen Arten) sogleich zu unterscheiden. 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 34 



266 



Josef Frey n 



13. Jß. ophioglossifolius Vill. In Sumpfgräben : im V. Rancon und 
am Prato grande bei Pola. % April bis Juni (Tommasini 1845). 1—2 M. An 
den Sommer - Exemplaren sind die charakteristischen grundständigen Blätter 
meist schon verwest. 

14. *R. flabellatus Desf. fl. atl. I. 438. t. 114! — Freyn in Oesterr. 
botan. Zeitschr. XXVI. 128—129! — B. chaerophyllos Auct. plur. non L. — 
Wurzel fein-knollig; Stengelgrund faserig-schopfig. Stengel auf- 
recht, ungetheilt oder arm-ästig, Aeste einblütig, durch ein Blatt gestützt. — 
Blätter gestielt, im Umrisse eiförmig; die ersten grundständigen viel kleiner, unge- 
theilt und grobgekerbt- gesägt; die späteren und die stengelständigen dreizählig 
gefiedert, mit keilfö rm igen, unregelmässig eingeschnittenen spitzen Lappen. 
— Blüthen bis 3 Cm. im Durchmesser, goldgelb mit angedrückten Kelch- 
blättern. Früchtchen ungemein zahlreich, dicht gedrängt, eiförmig mit 
langem, hakenförmigem Schnabel. Fruchtboden kahl. % April bis Mai. 
Bisher nur an dem Rande eines Weges bei Pomer und auf den Triften von 
der Capelle Ma. degli Olmi gegen Promontore, dort sehr zahlreich (Freyn 1875). 
10-25 M. 

15. JB. illyricus L. In Getreidesaaten und an Ackerrändern der Insel 
Veruda ziemlich zahlreich; auch in den Anlagen in Pola und hie und da ver- 
einzelt in dessen Umgebung. % April bis Mai (Tommasini 1840). 2 — 15 M. 

16. *JR. chaerophyllos L. spec. pl. ed. 1, p. 555 (excl. syn. plur.)! 
Freyn 1. c. 126 — 128! — R. Agerii Bert., R. peloponnesiacus Boiss. ! fl. or. I. 28! 
Wurzel derb -knollig, Stengelgrund ohne Faserschopf, Stengel auf- 
recht, ungetheilt oder arm-ästig, Aeste einblüthig, durch ein Blatt gestützt. 
Blätter gestielt, die untere im Umrisse rundlich-nierenförmig, dreilappig, mit 
gekerbten Lappen; die übrigen im Umrisse fast fünfeckig- eiförmig, gefiedert- 
dreizählig, mit verschieden eingeschnittenen linealen stumpfen Zipfeln. 
Die obersten dreitheilig, Blüthen bis 2*5 Cm. im Durchmesser, goldgelb, mit 
zurückgeschlagenem Kelch. Früchtchen zahlreich, schief eiförmig, mit 
hakenförmigen Schnäbeln. Fruchtboden spärlich behaart. % April. — 
Bisher nur auf Triften um die Capelle Ma. degli Olmi, stellenweise in Gesell- 
schaft von lt. flabellatus, aber schon verblüht, wenn dieser zu blühen beginnt 
(Freyn 1876). 10—20 M. — In der Grösse und im Indumcnt sehr wechselnd: 
an sonnigen Stellen niedrig, nur \ - 14 Cm. hoch, mit abstehend-langhaarigem 
Stengel; an schattigeren Orten (bei Rovigno) höher, 20—30 Cm. und fast 
ganz kahl. 

17. R. Ucri& h» — Bisher nur an einigen Stellen des Prato grande bei 
Pola in Gesellschaft, der beiden folgenden Arten. Sehr selten. % Juni bis Juli 
(Freyn 1876). 2 — 3 M. Variirt mit sehr breiten und sehr schmalen Blatt- 
zipfeln. Dniofa dif .lUKgebreiteten (nicht zurückgeschlagenen) Kelchblätter von 
den ähnlichen folgenden zwei Arten sogleich zu unterscheiden. 



Die Flora von Süd-It-trieu. 



267 



18. JS. neapolitanus Ten. Boiss. fl. or. I. 38! — B. Tommasinii Rchb, 
— B. velutinus Koch non Ten. — Conf. Freyn in Oesterr. botan. Zeitschr. XXV» 
p. 113—121 und 1. c. XXVI, p. 156 — 157! Wurzel faserig mit eingemengten 
zahlreichen rübenförmigen Knollen, ein- bis vielstenglig. Stengel am 
Grunde oft verdickt und von der Basis an ästig. Aeste abstehend, jeder von 
einem Blatte gestützt und ein- bis mehrblättrig. Blüthenstiele undeutlich, 
Fruchtstiele deutlich gefurcht. Blätter gestielt, fast fünfeckig-eiförmig, 
fast bis zum Grunde dreilappig, mit rundlich-eiförmigen, am Grunde keilig ver- 
schmälerten, am Urnfange verschieden eingeschnittenen Lappen; die oberen 
Stengelblätter aus scheidenförmigem Grunde kurz dreitheilig mit lanzettlichen 
Zipfeln. — Blüthen bis 2'5 Cm. im Durchmesser, goldgelb, mit zurück- 
geschlagenem Kelch. Früchtchen rundlich, mit glatten gewölbten 
Seitenflächen und stark gekieltem Rande, welcher in eine sehr kurze gerade 
oder etwas zurückgekrümmte Spitze ausläuft. Fruchtboden abstehend 
behaart. % April bis Mai, einzeln noch im Juni. Auf sonnigen Hügeln, in 
den Macchien, auf Grasplätzen, trockenen und nassen Wiesen überall gemein 
und meist sehr häufig; auch auf den Inseln (Benth. Bias. Tom. 1837). 2—170 M. 

19. *_ß. velutinus Ten., Boiss. fl. Orient. L 49! — Freyn in Oesterr. 
botan. Zeitschr. XXV, p. 121 und XXVI, p. 157—158! — non Koch. — Wurzel 
faserig, nie knollig, meist einstenglig; Stengel hohl, am Grunde nie ver- 
dickt, oberwärts abstehend-ästig; Aeste von einem Blatt gestützt, ein- bis 
mehrblüthig, mit stielrunden Fruchtstielen. Blätter wie bei der vor- 
stehenden Art. Blüthen bis 2 Cm. im Durchmesser, goldgelb, mit zurück- 
geschlagenem Kelch. Früchtchen rundlich, mit ganz flachen Seiten- 
flächen, durch den rundum hervortretenden Rand am Rande wie gefurcht. 
Fruchtschnabel sehr kurz, fast dreieckig, gerade. — Fruchtboden kahl. 
% Mai, einzeln im Juni. An feuchten Stellen der Laubwälder im Kaiserwalde 
bei Pola, meist nur einzeln; dagegen in dichten Massen auf den nassen Wiesen 
im V. Rancon, am Prato grande bei Pola und einer Doline zwischen Medolino 
und Pomer, in Gesellschaft mit B. neapolitanus. An trockenen Standorten, 
wie am Mt. Turco und bei B. Corniale bei Pola nur in einzelnen Individuen 
(Freyn 1875). 2-40 M. — Die Stengel dieser Art sind häufig hechtgrau 
bereift und die ganze Pflanze gewöhnlich weit zottiger als B. neapolitanus, 
indessen ist das Iudument dieser und aller Arten der Gattung sehr veränder- 
lich. Wurde bisher stets mit den beiden vorbenannten Arten verwechselt. 

20. M. repens L. In sumpfigen Gräben, an feuchten Waldplätzen, am 
Grunde der Dolinen; wegen der geringen Zahl geeigneter Standorte nicht 
gemein: bei Dignano, im Walde Siana, im V. Rancon bei Fasana, am Prato 
grande und innerhalb der Stadt Pola, bei Medolino und auf Trombolo. % Mai 
bis Juni (Bias. Tom. 1837). 2—135 M. 

21. R. sardous Crz. B. Philonotis Ehrh., Koch 1. c. p. 16! — Auf 
feuchten Wiesen, an Wegrändern, nassen Stellen, in Dolinen oft in grossen 

34* 



268 



Josef Freyn. 



Massen: bei Dignano, im Walde Siana, bei Fasana, Pola, Veruda, Sikic, Pomer, 
Medolino; auch auf Brioni magg. und Fenera. O Mai, Juni, einzeln bis zum 
Herbst (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2-135 M. 

ß) subglaber Koch 1. c. p. 16. — In Sumpfgräben und an nassen Stellen 
des Prato grande bei Pola, O Juli (Freyn 1876). 2—3 M. 

22. R. arvensis L. Ueberall in den Getreidesaaten. O Mai bis Juli 
(Zanichelli 1722). 2 — 170 M. — Bisher wurde nur die Varietät mit dornigen 
Früchten beobachtet. 

23. R, mnricatus L. An Wegen, feuchten und wüsten Stellen gewöhn- 
lich truppweise, aber nirgends sehr häufig: bei Dignano, Altura, Galesano, 
Fasana, Stignano, in der Foiba am Mt. Grande, am Stadtwalle und Mt. Turco 
bei Pola, in den römischen Steinbrüchen. © April bis Juni (Biasoletto 1825). 
2—150 M. 

24. R. parviflorus L. — Boiss. fl. Orient. 1. 54! — Auf Grasplätzen, 
an sonnigen und wüsten Stellen und Gebüschrändern sehr zerstreut: bei 
Dignano, Altura, Fasana, am Mt. Turco, Mt. S. Michele und Prato grande bei 
Pola; zahlreich auf Sc. S. Girolamo. © April bis Mai (Ascherson 1867. — Die 
älteren Angaben von Biasoletto [1825] begreifen sicher diese und die folgende 
Art, wenn nicht letztere ausschliesslich). 2—170 M. Diese Art ist auch ohne 
Fruchtstiele, au dem spitzeren Zuschnitte des Laubes unter R. chins leicht 
herauszufinden. 

25. R. chius DC, Guss. enum. Inar. tab. 1, fig. 1! — Boiss. fl. or. 1, 
p. 54! — Neilr. Nachtr. Croat. in den Verh. der k. k. zool.-botan. Ges. in Wien. 
Bd. XIX, p. 807! R. Schraderianus Fisch. Mey. — Vis. fl. dalm. III. 86! - 
Ein- bis mehrstenglig. Stengel aufsteigend, ästig, beblättert. Die Blätter 
gestielt, im Umrisse nierenförmig, fünflappig mit gekerbten Lappen, die oberen 
Blätter kleiner, dreitheilig bis lanzettförmig. — Blüthen einzeln aus den Blatt- 
achseln, auf rölirig aufgeblasenen, aufwärts verdickten, unter der 
Blüte aber wieder eingeschnürten Pedizellen, welche nur wenig länger, 
als das stützende Blatt sind, sehr klein, bis 4 Mm. im Durchmesser, schwefel- 
gelb, mit behaartem ausgebreitetem Kelch. Früchtchen schief- eiförmig mit 
flachen punktirten und knotig rauhen Seitenflächen, am Rande 
gekielt, an der Spitze mit langem hakig-zurückgekrünnnteni Schnabel. © März 
bis Mai, einzeln im Juni. Auf Hügeln, Grasplätzen, an Wegen, Gebüschen 
gemein, aber leicht zu übersehen (Weiss 1867). 2—170 Mm. — R. parviflorus 
hat ftdliche, verlängerte, nicht hohle und unverdickte Fruchtstiele und ist nach 

die mb Merkmale sehr leicht zu unterscheiden. 

B6. i'icari« call hm Jo/ür Etcnb. F. nudicaulis A. Kern, in Oestcrr. 
boten. Zeitechr. Xlil, p. 188! — Sanuncukts calthaefoUus Jord. - Bois. fl, 

or. L 841 U. Vicariu Todaro fl. sie. exs. n. 18761 non L. Wurzel knollig, 
Stengel M-lir kurz, niederlicgend oder aulsteigend, nicht wurzelnd, reichbeblättert 



Die Flora von Süd-Istrien. 



269 



mit einblüthigen Aesten. Blätter lang gestielt, starr, breit herz-eiförmig mit 
wellig-gekerbtem Rande und am Grunde meist mit übergreifenden Lappen, 
also die herzförmige Bucht geschlossen. Die Blattoberseite häufig mit braunen 
oder weisslicben Zeichnungen. — Blüthenstiele gestreift, länger als das Blatt. — 
Blüthen goldgelb, verhältnissmässig sehr gross, bis 4 Cm. im Durchmesser, mit 
gelblichem, angedrücktem Kelch. Früchtchen stumpf, verkehrt- eikegelförmig. 
Fruchtboden kahl.(?) % Februar bis April, einzeln im Jänner und Mai. Auf 
sonnigen Hügeln, trockenen Grasplätzen, an Gebüschrändern gemein und eine 
der ersten Frühlingspflanzen (Benth. Bias. Tommas. 1837). 2-170 M. — 
F. verna Huds., für welche diese Art hier bisher gegolten hat, unterscheidet sich 
durch zierlichere Tracht, verlängerte, wurzelnde Stämmchen, offene Bucht der 
weicheren (nicht starren) Blätter, kleinere Blüthen und flaumige nicht steif- 
behaarte Früchtchen. Die Früchte von F. verna schlagen übrigens meist fehl, 
oder es gelangen in jedem Köpfchen nur wenige zur Entwicklung. — Bei 
F. calthaefolia ist die Fruchtbildung meist normal. — Letztere Art kommt an 
sonnigen Standorten gewöhnlich einblüthig mit stark verkürzter Hauptachse vor, 
so dass es auf den ersten Blick scheinen möchte, als ob aus einer grund- 
ständigen, hart an den Boden angedrückten Laubrosette ein centraler Schaft 
aufsteigen würde. Im Gebüsche und an mehr feuchten Stellen ist hingegen 
die Stengel- und Astbildung deutlich, die Blüthen sind kleiner (bis 2*5 Cm.) und 
solche Exemplare von F. verna kaum zu unterscheiden. 

27. Helleborus viridis L. Auf sterilen, steinigen Hügeln, an den 
Rändern der Gebüsche, in den Dolinen, bei S. Quirino, Carnizza und von 
letzterem Orte in das V. Bado bis in die Gegend zwischen Marzana und Cavrana 
hinabsteigend. % Februar bis März (Tommasini 1846). 25 — 170 M. — Der 
Verbreitungsbezirk dieser Art ist in Istrien südlich durch eine Vegetationslinie 
begrenzt, welche ziemlich scharf von Nordwesten gegen Südosten verläuft und 
an beiden Endpunkten bis zürn Meeresufer reicht. 

28. Nigella arvensis L. Im Getreide, auf Brachäckern, in Wein- 
gärten im westlichen Theile des Gebietes gemein, im östlichen jedenfalls nicht 
fehlend, obwohl bisher von dort noch kein Standort verzeichnet wurde. Auf 
den Inseln noch nicht beobachtet. © Juni bis August, einzeln bis October 
(Zanichelli 1722). 2-150 M. 

29. N. damascena L. Auf sonnigen Hügeln, an Hecken, Gebüsch- 
rändern, selbst in Getreidesaaten am Festlande gemein, auch auf Brioni magg. 
O Mai bis Juni, einzeln im Juli (Biasoletto 1828). 2—170 M. 

30. DelpJiinium Consolida L. ß) pubescens Freyn mspt. Stengel 
und Aeste, oft auch die Blätter mehr oder weniger abstehend weichhaarig, 
öfter mit einzelnen eingemischten Drüsenhaaren. © Juni bis August, einzeln 
bis zum Herbst. — Auf Aeckern, in Weingärten, an bebauten Stellen, gemein 
und stellenweise in solcher Menge, dass die Aecker blau gefärbt scheinen 



270 



Josef Freyu. 



(Sendtn. Papp. 1843). 2—170 M. Als Synonym gehört hieher D. panicula- 
tum Host und Koch, welches eigentlich die robusten vielästigen Exemplare 
begreift. Die Blüthen sind übrigens nicht kleiner, wie bei gewöhnlichem 
D. Consolida und D. Gonsolida ß) micranthum Boiss. fl. or. I. 78 ist von 
Host's Pflanze gewiss verschieden. 

II. Papaveraceae DC. 

31. Papaver hybridum L. P. Argemone Bias. in flora 1829, p. 53. 
— In Getreidesaaten und an wüsten Stellen stellenweise in grosser Menge: 
bei Dignano, Montecchio, Altura, Pa. Aguzzo im Hafen von Pola, bei Medolino, 
Fasana und Peroi; auch auf Brioni magg. O Mai, Juni (Biasoletto 1828). 
2 — 150 M. Wurde hier bis jetzt für P. Argemone gehalten, welcher in Süd- 
Istrien fehlt. Auch P. Argemone Marchesetti in Flora dell'isola S. Cattarina 
presso Rovigno (Bolletino delle scieuze naturali Nr. 6, 1876) gehört wegen des 
Standortes hieher. — P. Argemone ist durch die keilig - verschmälerte, mit 
spärlichen geraden, nicht bogig gekrümmten Borsten bekleidete Kapsel leicht 
zu unterscheiden. 

32. *P. ctpulum Ten. — Boiss. fl. or. I. 117 ! — P. argemonoides Cesati. 
Stengel aufrecht, ästig, beblättert, sammt den Blättern feinborstig. Blätter 
doppelt fiederspaltig mit linealen, an der Spitze abgerundeten oder stumpf- 
lichen, aber fein borstig begrannten Zipfeln. Blüthen klein, nur 4 Cm. im 
Durchmesser. Blumenblätter rundlich, hellroth, am Grunde schwarz gefleckt; 
Staubfäden nach aufwärts verbreitert. Kapsel ellips oidisch, die 
kleinste der hiesigen Arten, nämlich- höchstens 6 Mm. lang und 4 5 Mm. breit, 
mit reichlichen, abstehenden, z iemlich gerade n Bor st en besetzt. Narben- 
scheibe nicht abfällig, von kleinerem Durchmesser als die Kapsel, je nach der 
Zahl der Narben vier- bis sechskerbig. © Mai bis Juni. Im Getreide, an 
Wegrändern selten; bisher nur am Prato grande bei Pola und bei Sikic 
(Reusa 1867). 2 — 20 M. Diese Art vereinigt die Tracht des P. dubium mit 
der steifhaarigen Kapsel von P. hybridum L. Letzterer weicht aber durch fast 
dornartige, stark gekrümmte Borsten und viel grössere Kapseln ab (11 Mm. 
lang bei 7 Mm. Durchmesser). — Die Zahl der Narben ist bei allen Arten 
dieser Grattang ungemein veränderlich und begründet keinen Artunterschied. 

/*. Rhoeas L. In Getreidesaaten gemein. © Mai bis Juni (Bias. 
Tommas. 1837). 

(s) int er medium Freyu ined. P. intermedium Beck., Guss. en. Inar. 
p. 7 ! — P. Jihoeas fJ) strigosum Vis. fl. dalm. III. 100 (nach den Synonymen). 
Stengel und Blätter steif-borstig; die Blattzipfeln sämmtlich borstig begrannt, 
Blumenblätter am Grunde ohne schwarzen Fleck. © Juni bis Juli. Auf wüsten 
Stellen der Steinbrüche am Mt. Collfi bei Pola und wohl auch sonst (Freyn 
1876). 10— 30 M. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



271 



34. Glauchau luteum Scop. — Im Kalkschotter des Meeresstrandes 
an den Küsten hie nnd da: bei Peroi. Fasana, im V. Bandon. bei Pa. Monu- 
menti im Hafen von Pola, im Y. di Cane. Canale di Vernda nnd beiMedolino; 
aneh anf beiden Brioni und Veruda. O Mai bis August (Zanichelli 1722). 
1—5 M. 

35. Chelidonium majus L. In feuchten Hecken des Prato grande 
bei Pola höchst selten. 2i April bis Mai (Wawra 1875). 3—5 M. 

III. Fimiariaceae DC. 

36. Covydalis cava Schw. Koert. Im tiefen Schatten der Gebüsche 
am Grunde einer grossen Doline östlich von Dignano. % April (Freyn 1875). 
135 — 140 M. — Kommt sowohl weiss als violet blühend vor. 

37. *C. acaulis Pers. Tommas. in Yerh. der k. k. zool.-botan. Ges. in 
Wien, XI, p. 331—336! In Mauerritzen in Pola, jetzt schon sehr selten: auf 
der alten römischen Mauer am Ecke der Via Abbazia gegenüber dem Arsenale, 
häufiger an unzugänglichen Stellen der aufgelassenen Kirche S. Francesco und 
den gegenüber stehenden Gartenmauern. % Februar bis Mai; manchmal auch 
im Winter (Zanichelli 1722, als Fumaria lutea C. Bauh. pin. 143). 5—25 M. 
— Durch die zurückgekrümmten Fruchtstiele und Fruchttrauben, sowie ge- 
drungene gleiche Blüthentrauben, starres gebrechliches Laub von C. ochroleuca 
specifisch verschieden. 

Fumaria Tourn. 

A) Angustisectae Hausskn. in Flora LVI. 404 ! — Blattzipfel mehr 
oder weniger lineal. 

§.1. Officinales Hausskn. 1. c p.404! Pteife Früchtchen mittel- 
gross, etwa 2'/3 Mm. breit, nierenfö rmig, also an der Spitze aus- 
gerandet. 

38. Fumaria officinalis L., Hausskn.! 1. c. p. 404! — Auf sonnigen 
Hügeln, Grasplätzen, an wüsten Stellen, Mauern, in Steinbrüchen, im Getreide 
gemein und oft sehr zahlreich; auch auf beiden Brioni, Sc. S. Girolamo, auf 
den Inseln im Hafen von Pola und bei Veruda. Q März bis Juni und einzeln 
bis in den Winter (Bias. Tommas. 1837). 2-170 M. 

y) Wirtgeni Hausskn.! 1. c. 420! — F. Wirtgeni Koch. Durch feineres, 
mehr graugrünes Laub, viel kleinere trübrothe Blüthen, kleinere, anfänglich 
spitze Früchtchen leicht zu unterscheiden. O April bis Juni. Auf Schutt, 
an Wegen, in den Ortschaften: Galesano, Altura, Pola, auch auf den Inseln 
S. Girolamo und Sc. Franz (Freyn 1875). 2—140 M. 

I) densißora Pari., Hausskn. 1. c. 421! Laub starr, blaugrün, Pflanze 
steif, mit zahlreichen, dichten vielblüthigen Trauben. Mai bis Juni. In 
Steinbrüchen, im Getreide um Pola nicht selten (Tommas. 1855). 5—35 M. 



272 



Josef Freyn. 



§. 2. Parviflorae Hausskn. 1. c. p. 441! Früchtchen bekörnelt, 
kaum 2 Mm. erreichend, eiförmig, spitz. Blüthen die kleinsten in 
der Gattung, schmal, mit winzigen Kelchblättern. 

Aus dieser Section kommt F. Vaillantii Lois. bei Rovigno und F. parvi- 
flora Lam. auf der Insel Lussin vor; beide Arten dürften in Süd-Istrien noch 
zu finden sein. 

§. 3. Latisepalae Hausskn. 1. c. p. 492! Früchtchen glatt, sonst 
wie bei der vorigen Section, die Kelchblätter ansehnlich, länger 
und breiter als die halbe Krone. Blüthen rosenroth. 

Aus dieser Section findet sich F. anatolica Boiss., welche von fast allen 
ähnlichen hiesigen Arten durch die zurückgekrümmten Fruchtstiele leicht zu 
unterscheiden ist, bei Rovigno und dürfte auch in Süd-Istrien noch gefunden 
werden. 

B) Latiseciae Hausf-kn. 1. c. p. 513! Blattzipfel kurz, nicht 
verlängert, mehr oder weniger eiförmig oder elliptisch. 

§.4. Muralis Hausskn. I.e. 513! Früchtchen gekörnelt eiförmig, 
etwas zusammengedrückt, oben abgerundet, kaum 2 Mm. im Durch- 
messer; Kelchblätter eiförmig, so breit als die Krone. Blüthen 
rosenroth. — Blattzipfel schmal aber kurz. 

39. F. Gussonii Boiss. — Hausskn. 1. c. 513 ! F. Petteri Koch, 
Rchb. p. p. — Ein- bis mehrstenglig; Stengel beblättert, gefurcht, aufsteigend 
oder aufrecht, aber auch niederliegend. Blätter zwei- bis dreifach gefiedert 
mit verkehrt-eiförmigen, aber verschieden eingeschnittenen Blättchen letzter 
Ordnung; Trauben aus den Blattachseln aufrecht, kurz gestielt, vielblüthig. 
Bracteen die Hälfte des Blüthenstiels (ein Drittel des Fruchtstieles) erreichend, 
lineal. Blüthen rosenroth, etwa 1 Cm. lang. Sepalen hinfällig elliptisch, 
am Rande gezähnt, weisslich, so breit wie die Krone. Die Spitzen der 
Kronenblätter schwarz-purpur. Fruchtstiele meist aufrecht abstehend, seltener 
etwas zurückgekrümmt (beiderlei manchmal in derselben Traube), unter der 
Frucht verdickt. Früchtchen gekörnelt, eiförmig, oben abgerundet, 
beiderseits der Spitze mit je einem eingedrückten Giübchen. O April bis Juni. 
In den Steinbrüchen der Insel Brioni min. einzeln, dagegen sehr zahlreich auf 
Grasplätzen und an Gebüschrändern von S. Girolamo (Freyn 1875). 4—10 M. 

g. 5. Capreolatae Hausskn. 1. c. 539! Früchtchen glatt oder 
gekörnelt, rundlich-stumpf oder kurz bespitzt; Kelchblätter sehr 
gross, breit - eiförmig, halb so lang und breiter als die Krone. 
Blüthen gelblich- oder rotlilicli weiss. Blattsegmente breit-eiförmig; die breitesten 
der Gattung. 

40« /'. capreolata \>- Hausskn. 1. c. 5891 — An Gebüschrändern, auf 
feltfgtfl und grätigen Plätzen, am Festlande nur vereinzelt bei' Pola und 
Veruda; dagegen häufiger auf den Inseln Brioni magg., S. Girolamo und 
Fmera. April bis Juni (Biasoletto 1828). 2—25 M. 



Die Flora von Süd-Istrieu. 



273 



41. *JB\ fiabellata Gasp. Hausskn. 1. c. 542! Ein- bis mehrstengelig ; 
Stengel beblättert, gefurcht aufsteigend oder aufrecht, aber auch ganz hinge- 
streckt; Blätter ein- bis zweifach gefiedert mit verkehrt-eiförmigen, verschieden 
eingeschnittenen Segmenten letzter Ordnung. Trauben aus den Blattachseln 
lang gestielt, wenigblüthig, Bracteen so lang als der Blüthenstiel (ein halb Mal 
so lang als der Fruchtstiel), schmal lineal. Blüthen 1*2 Cm. lang, gelblichweiss 
mit schwarzpurpurnem Flecken an der Spitze der Kronenblätter; Fruchtstiele 
weit abstehend, zum Theile zurückgekrümmt (aber auch aufrecht abstehende, in 
derselben Traube), unter dem Früchtchen verdickt; Früchtchen gekörnelt, 
rundlich-eiförmig, seitlich zusammengedrückt, an der Spitze 
abgerundet und daselbst beiderseits mit je einem eingedrückten Grübchen. 
O April, Mai (nach Exemplaren von der Insel Lossin). An Wegen, auf Mauern, 
bisher nur auf der Insel S. Marina (Tomraas, nach Haussknecht 1873), deren 
höchster Punkt 27 M. über dem Meere liegt. — F. capreolata ist reichblüthig, 
ihre Blüthen sind bei 1*3 Cm. Länge fast doppelt so breit als bei F. fiabellata, 
die Fruchtstiele alle zurückgekrümrat , die Früchte 2*5 Mm. im Durchmesser, 
kugelig- eiförmig, stumpf bespitzt, glatt, n. v. 

§. 6. Agrariae Hausskn. 1. c. p. 550! Früchtchen 3 Mm. breit 
oder noch grösser (überhaupt die grössten der Gattung bei den hiesigen 
Arten), dicht bekörnelt, seitlich zusammengedrückt, an der Spitze 
abgerundet mit einem stumpfen Spitzchen und beiderseits mit einem einge- 
drückten Grübchen. Sepalen rundum gezähnt. Blüthen rosenroth bis weisslich. 

42. *F. major Badar. Hausskn. 1. c. p. 552! — F. agraria Koch non 
Lag. Auf Grasplätzen, an Mauern, Wegen, auf gelockertem Boden, am Fest- 
lande bisher nur nächst der Schwimmschule bei Pola; ferner auf den Inseln 
Brioni min., Sc. Franz (häufig), Veruda, Fenera und S. Marina. O März bis 
Juni (Zanichelli 1722, als Fumaria neapolitana flosculis subflavis, in summi- 
tata nigricantibus (Bauh. pin. 143). 2—27 M. — Aendert ebenso wie F. Gus- 
so?iii mit fast doppelt grösseren Sepalen ab. 



IY. Crnciferae Juss. 

43. Mattliiola sinuata R. Br. Auf Mauern in Altura. % Juni 
(Sendtner 1841). 140 M. n. v. Möglicherweise gehört unsere Pflanze zu 
M. ineana R. Br., aber jedenfalls ist dieselbe ursprünglich wild, nicht etwa 
nur eingebürgert (Tommass. briefl. Mittheil.). 

44. Nasturtium officinale R. Br. In sumpfigen Gräben bisher nur 
am Prato grande bei Pola. % Mai, Juni (Reuss. 1867). 2—3 M. 

45. N. lippicense DC. Auf sonnigen, trockenen Grasplätzen, gewöhn- 
lich truppweise; bisher nur unterhalb B. Corniale bei Pola und zwischen 
Medolino, Pomer und Promontore. % Mai (Biasoletto 1828). 5—10 M. 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 35 



274 



Josef Preyn. 



46. Barbarea vulgaris R. Br. Bisher rmr vereinzelt am Prato 
grande bei Pola. © April (Weiss 1868). 3 M. n. v. 

47. Turritis glabra L. Im Kaiserwalde und den umliegenden Hecken 
nächst Pola. O Mai (Wawra 1874). 25—60 M. 

48. *Arabis vema ß. Br. Auf Felsen, steinigen und grasigen Stellen, 
an Wegrändern in den Macchien hie und da, gewöhnlich truppweise: beiPeioi, 
Stignano, in der Foiba am Mt. Grande, um Pola an vielen Stellen, am 
Mt. Vincuran und in den römischen Steinbrüchen; ferner häufiger auf der 
Insel Brioni magg. O April, Mai (Zanichelli 1722). 5—50 M. 

49. A* hirsuta Scop. In Laubwäldern, Gebüschen, Hecken gemein; 
auch auf beiden Brioni. © April bis Juni (Zanichelli 1722). 2—170 M. An 
schattigen Stellen etwas weniger behaart und mit etwas glänzenderem Laube, 
sonst jedoch nicht verschieden. 

50. Cardamine hirsuta L. An Gebüschrändern, Wegen, auf sonnigen 
Hügeln gemein und oft häufig, aber meist nur in winzigen Individuen und 
deshalb leicht zu übersehen; auch auf Brioni magg. O März bis Mai (Bias. 
Tommas. 1837). 2—170 M. 

ß) sylvestris Fries. An Strassenrändern bei Pola (Wawra 1875). n. v. 

51. Stenophragma Thaliamim Celak. 1. c. 445 ! — Arabis Tha- 
liana L., Arabidopsis Thaliana Schur. An humusreichen Stellen, auf Hügeln, 
an Wegrändern sehr zerstreut: bei Dignano, Galesano, im Walde Siana und 
Lusinamore, bei Fasana, Pola und Veruda. O April, Mai (Bias. Tomm. 1837). 
2-150 M. 

52. Sisymbrium officinale Scop. An Wegen, auf wüsten Stellen 
und in den Ortschaften gemein; auch auf Brioni magg. O April bis Juni 
Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. 

53. S. Sophia L. An wüsten Stellen in den Ortschaften Altura, Stignano 
und Promontore. Mai, Juni (Sendt. Pap. 1843). 2-140 M. 

64. Alliaria officinalis Andrz. In Hecken, an Zäunen und Gebüsch- 
rändern im westlichen Gebietsteile überall von Dignano über den Wald Siana 
bis Pola, Sikic und Veruda. O April, Mai (Bias. Tommas.). 2—150 M. 

55. Erysimum odoratum Ehrl), ß) dentatum Koch syn. p. 45. 
K. curniolicum Dollin. E. virgatum Bias. An Wegrändern, Hecken, im Ge- 
büsche von Dignano bis Marzana stellenweise. 2J. Mai bis October (Biasoletto 
1828;. 130—170 M. 

55a. Conringla orientall» Rb. — Boiss. 1. c. i». 21"! Getreide- 
Haaten bei Stignano. Mai (Freyn 1877). 20—25 M. 

56. lirassica, oleracca L. Wird in vielen Spielarten gebaut und 
kommt auch verwildert vor, ho auf [sola di Orsera. © und 'J| Mai (Sendt. 
Pap. )HM',). 2 170 M. n. v. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



275 



57. B. Napus L. An wüsten Stellen zufällig, so bei Dignano. © Mai 
(Bias. Tomm. 1837). 140 M. 

y) esculenta Koch. An Wegrändern am Westabhange des Mt. S. Michel e 
bei Pola verwildert. © April, Mai (Freyn 1876). 10 M. 

58. Sinapis arvensis L. In Getreide&aaten , auf Brachäckern , an 
wüsten Stellen geniein; auch auf Brioni magg. Mai, Juni (Tommas. 1864). 
2—170 M. 

ß) dasycarpa Neilr. 8. orientalis Murr. In Getreidesaaten um Pola 
und wohl auch anderwärts nicht selten. Mai, Juni (Freyn 1874). 2—40 M. 

59. Diplotaxis tenuifolia DC. Auf Felsen, Mauern, an Wegen, 
wüsten und bebauten Stellen bei Dignano, Altura, Pola. Veruda und Medolino : 
auch auf Cielo und Fenera. % Juni bis October, einzeln auch im Winter 
(Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—150 M. 

60. D. muralis DC. Auf Aeckern, an wüsten Stellen, bei Dignano, 
um Pola (gemein) und auf Veruda. Juni bis in den Herbst (Weiss 1868). 
2—150 M. 

61. Eruca sativa Lam.? In Küchengärten gebaut, aber auch in 
Getreidesaaten (verwildert) bei Dignano, Fasana, im V. Bandon, am Mt. Signole 
bei dem Pulver-Depot und bei Veruda; auch auf Grasplätzen des Sc. Franz. 
April bis Mai; die cultivirte Pflanze auch im Sommer und Winter (Bias. 
Tomm. 1837). 5 — 145 M. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wenigstens die 
wildwachsende Pflanze Süd-Istriens zu E. longirostris Uechtr. in Oesterr. botan. 
Zeitschr. XXIV, p. 133 gehört, welche von allen Arten der Gattung durch den 
langen, dem übrigen Theile der Schote gleich kommenden Griffelrest leicht zu 
unterscheiden ist. Meine Herbar-Exemplare sind aber in zu jungem Zustande 
gesammelt, als dass aus denselben Gewissheit geschöpft werden könnte. 

62. Alyssum montanum L. Auf grasigen und steinigen Hügeln 
selten und meist sehr zerstreut: bei Cavrana, Altura, dann beim Bahnhofe und 
unter B. Corniale bei Pola. % April, Mai (Weiss 1868). 8-80 M. — Tlüaspi 
saxatile incanum luteum SerpyUi folio minus Zanich. opusc. posth. p. 25 
gehört wahrscheinlich hieher. 

63. A, calycinum L. Auf Hügeln, Grasplätzen, an Piainen zwar nicht 
häufig, aber am Festlande verbreitet; auch auf Brioni magg. und den Inseln 
im. Hafen von Pola. © April, Mai (Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. 

64. *A. campestre L. Boiss. fl. orient. I. 283—284! Koch syn. p. 52 
exclus. v. y. — A. sicidum Jord. diagn. I. pars 1. 202 ex Todaro fl. sie. exs. 
n. 1302! — Auf sonnigen steinigen Hügeln, Grasplätzen um Pola stellenweise 
in grosser Menge, besonders aber am M. S. Michele und am Sc. Franz. 
O April, Mai (Tommasini 1861). 2—30 M. — A. campestre Gr. God. scheint 
durch nicht ausgerandete Schötchen etwas abzuweichen; an unserer Pflanze 
sind jedoch die Schötchen gestutzt, öfter aber deutlich ausgerandet. 

35* 



276 



Josef Frey n. 



65. Berteroa incana DC. — Boiss. fl. or. I. 290! — Farsetia in- 
cana R. Br., Koch. — Triften an der Eisenbahn bei Pola. April bis Mai 
(Wawra 1877). 15 M. 

66. Erophila vulgaris DC. — Draba verna L. — Auf sonnigen 
Abhängen, grasigen und steinigen Stellen gemein. Februar bis Mai (Bias. 
Tomm. 1837). 2—170 M. 

ß) rotunda Neilr. — K praecox Boiss. fl. or. I. 303—304! — Schöt- 
chen rundlich oder etwas elliptisch, bis SOsamig, — Auf Aeckern im V. Saline 
bei Pola und im V. Cadena der Insel Brioni magg. und wohl auch sonst ver- 
breitet, © März bis April (Freyn 1875). 2-15 M. 

y) Kroelceri Fuss. fl. trans. p. 70 ! — Blüthen etwas grösser, die Schöt- 
chen länglich- elliptisch bis 50samig. In den Macchien, auf Grasplätzen, Hügeln 
bei Dignano, F. Max und F. Casonivecchi nächst Pola, längs Canale di Veruda 
und wohl noch an vielen Punkten. März bis April (Freyn 1876). 2 — 145 M. 
— E. majuscula Jord. — Boiss. fl. Orient. I. 304 weicht durch noch längere 
Blumenblätter (dreimal so lang als der Kelch) nur unwesentlich ab. — Die 
Zahl der Samen ist in verschiedenen Schötchen derselben Pflanze variabel und 
kann kein Artenrecht begründen. 

67. Camelina sativa Crantz. Zwischen Getreide, auf Schutt sehr 
selten und zerstreut: bei Dignano, Fasana und Pomer, auch auf Brioni magg. 
O Mai (Bias. Tomm. 1837). 5—145 M. 

<x) pilosa DC. — Eisenbahndämme bei Ma. della grazia nächst Pola. 
Mai bis Juni (Freyn 1877). 40 M. 

68. Thlaspi perfoliatum L. An Rainen, Wegrändern, steinigen 
Stellen, zwischen Gebüsch bei Dignano, im V. Bandon, bei Stignano, Pola 
(mehrfach) und Veruda. Februar bis Mai (Bias. Tomm. 1837). 2-150 M. 

69. T, praecox Wulf. Auf Wiesen, trockenen Grasplätzen, steinigen 
buschigen Hügeln gemein, bisher jedoch noch nicht auf den Inseln beobachtet. 
O % März, April (Sendtner 1841). 3—170 M. 

70. Lepidium Draba L. Auf Schutt, an Wegrändern, in den Ort- 
schaften, an Rainen gemein; auch auf beiden Brioni uud S. Marina. % April 
bis Juli (Bias. Tomm. 1837). 2-170 M. 

71 />. campestre II. Br. Auf Schutt seltener, dagegen häufiger in 
Laubwäldern, Gebüschen, in den Macchien, doch meist vereinzelt. Auch auf 
Brioni magg., Veruda und Trombolo. April bis Juni (Bias. Tom. 1837). 
2—170 M. Im Gebotene variirt diese Art mit kahlerem, etwas glänzendein Laube. 

L. perfoliatum L. An Eisenbahndämmen nächst Pola, jedenfalls nur 
eingeschleppt. April, Mai (Wawra 1877). 15-25 M. 

L. rüder ale L. An wüsten Stellen des Meeresstrandes bei dem neuen 
Artillerie-Laboratorium unter Stignano, jedenfalls nur eingeschleppt. April 
bis Mai (Freyn und Wawra 1877). 2 M. 

72. L. graminif'oUuin L. An Wegen, in den Ortschaften, auf 
Schutt, Mauern, am Meeresstrande gernein und häufig, auch auf den Inseln. 
O Juni bis November (Benth. Bias. Tornrn. 1837). 1—170 M. 



Die Flora von Süd-l6trien. 



277 



73. Hutchinsia petraea R. Br. Auf steinigen, sterilen Hügeln bei 
F. Movidal und F. Max nächst Pola, bei den römischen Steinbrüchen, am 
M. Bastovizza und sonst um Veruda. O März, April (Sendt. Papp. 1843). 
5-45 M. 

74. Capsella rubeltet Reut, ex Bordere exsicc! — Ein- bis mehr- 
stenglig, Stengel aufrecht oder aufsteigend, einfach oder von der Basis an 
aufrecht- ästig, gefurcht, sammt den Blättern von horizontal abstehenden mehr 
oder weniger reichlichen weissen Haaren rauh, beblättert. Grundständige 
Blätter rosettig gehäuft, elliptisch-lanzettförmig, in den gleich langen Blattstiel 
verschmälert; stengelständige Blätter mit pfeilförmigem Grunde sitzend. Blüthen 
in einer Traube sehr klein, lang gestielt. Kelchblätter eiförmig- elliptisch, 
trübgrün, meist purpurroth oder violet überlaufen; Blumenblätter weiss, nur 
wenig länger als der Kelch. Schötchen auf nahezu horizontal abstehenden 
Stielen in einer sehr verlängerten Traube angeordnet, verkehrt-herzförmig, 
gegen die Basis concav verschmälert. O April bis Mai und Herbst. 
Auf sonnigen Hügeln, an Rainen, trockenen Grasplätzen, Wegen, auf Schutt 
gemein (Ascherson 1867). 2—170 M. Die höchst ähnliche C. Bursa pastoris Mönch 
unterscheidet sich nur durch convex verschmälerte Schötchen. 

ß) runeinata Freyn ined. Die Blätter schrottsägeförmig getheilt. 
Seltener, in und um Pola. O April, Mai (Freyn 1875). 10-30 M. 

75. C. Bursa pastoris Mönch. Auf Schutt, an Wegen bei Peroi, 
Dignano, Galesano, Altura, Pola, Fasana, Medolino und auf Brioni magg. 
O April bis Juni (Bias. Tommas. 1837). 2—145 M. Der grösste Theil, wenn 
nicht alle der bei dieser Art angeführten Standorte dürfte zur vorhergehenden 
gehören, was sich ohne Ansicht der Exemplare nicht entscheiden lässt. n. v. 

76. C, procumbens Fries. Alle drei von Koch angeführten Varietäten 
auf Levano grande und Levano piecolo. £) Mai, Juni (Sendt. Papp. 1843). 3—5 M. 

77. Aethionema saxatile R, Br. ß) gracile Freyn ined. — A. gra- 
cile DC. Boiss. fl. or. I. 351! — Unterscheidet sich hauptsächlich dadurch von 
A. saxatile, dass es meist ein- bis zweijährig ist; die einjährigen Exemplare 
sind ganz einfach, unverästelt, die zweijährigen und dauernden dagegen vom 
Grunde an zwar arm- sflber langästig. Der Griffel ist an den jungen Schötchen 
grösser, an den ausgewachsenen kürzer als die Ausrandung des Schötchens; 
die Flügel sind meist ganz, hie und da aber auch ausgerandet. — Ob auch 
die ausdauernden Exemplare monocarpisch sind, kann ich mit Gewissheit weder 
bejahen noch verneinen. © bis % April bis Juni. Bisher nur auf den felsigen 
Abhängen an der Küste des Quarnero längs Canale Bado und im V. Bado 
zwischen Altura und Cavrana (Freyn 1875). 10—80 M. — Vollkommen identische 
annuelle Exemplare erhielt ich auch von Martinscica in Kroatien (leg. Rossi) 
und A. banaticum Janka (Herkulesbäder bei Mehadia leg. Borbäs) gehört eben- 
falls hieher. 



278 



Josef Frey 11. 



78. Coronopus Ruellii All. Vis. fl. dalm. III. 108! — Senebiera 
Coronopus Poir., Koch. — Auf hartem festgetretenem Boden in den Ortschaften, 
an überschwemmt gewesenen Stellen und am Meeresstrande zerstreut: bei 
Dignano, Montecchio, Altura, Pola (an vielen Stellen), Fasana und wohl noch 
anderwärts. O Mai bis October und selbst im Winter (Bias. Tommas. 1837). 

1- 150 M. 

Isatis tinctoria L. kam nach Loser im Jahre 1861 bei Fasana vor, 
ist seither von dort längst wieder verschwunden. 

79. Myagrum perfoliatum L. In Getreidesaaten am Festlande 
stellenweise in Menge, auch auf Brioni magg. und Veruda. O April bis Juni 
(Biasoletto 1828). 2-170 M. 

80. JSeslia paniculata Desv. In Getreidesaaten selten und zerstreut, 
bei Fasana, Pola, Lissignano und auf Brioni magg. O Mai (Zanichelli 1722). 

2- 20 M. 

81. Calepina Corvini Desv. Auf lockerem Boden zwischen Gras im 
südlichen Theile des Prato grande bei Pola. O März, April (Wawra 1874). 3 M. 

82. Bunias Erucago L. ß) macroptera Vis. fl. dalm. III. 105! — 
Schötchen mit vier flügelartigen nervigen, gelappten Anhängseln, deren grösste 
Breite den Querdurchmesser des Schötchens überragt. Q April bis Juni. 
Auf sonnigen Hügeln, Aeckern, Schutt, an Wegen gemein und oft in zahlloser 
Menge; auch auf Brioni magg. und Veruda (Biasoletto 1825). 2—170 M. 

83. Cakile maritima Scop. Im Kalkschotter des flachen Mecres- 
strandes, im V. Bandon bei Fasana, V. Rancon und V. Zonchi bei Stignano, 
bei Pa. Monumenti, im V. Fiori und V. Saline bei Pola, jedoch wenig zahl- 
reich. Häufiger auf den Inseln als: beide Brioni, S. Pietro, Franz, Cielo, 
S. Marina und Zulkovac. O Juni bis October (Sendt. Papp. 1843). 1-3 M. 

84. liapistviim rugosum All. Auf lockerem humusreichem Boden, 
an wüsten Stellen bei Dignano, Fasana und am Prato grande bei Pola. © Mai 
bis Juli (Bias. Tomin. 1837). 2—75 M. 

Ilaphanus llaphanistrxim L. a) albiflorus. Blumenblätter 
weiss, mit violetten Adern durchzogen. © Mai bis October. In Getreidesaaten, 
an wü.sten Stellen, Wegen gemein (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. 

ß) sulphurea — Ii. segetum Rb. Blumenblätter schwefelgelb, mit 
violettes Adern durchzogen, wie vorige Abänderung gernein. © Mai bis Juli 
(Freyn 1874;. 2-170 M. 

86. JC. Hativus L. wird in Gärten häufig gebaut und kommt auf Schutt- 
haufen, in Getreidesaaten und in der Nähe der Häuser oft in Menge verwildert 
vor; z. B. bei Pola. © April bis Mai (Frcyn 1875). 2-150 M. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



279 



V. Cistaceae Dunal. 

87. *Cistus mons'peliensis L. Gemein und als ein Hauptbestandteil 
der Macchien oft auf ansehnlichen Strecken das herrschende Gewächs — aber 
doch nur in einem verhältnissniässig schmalen Streifen längs der Westküste 
von Pa. Barbarigo bis Pa. Merlera, landeinwärts nicht über den Kaiserwald bei 
Pola vordringend. An der Ostküste bisher nur im V. Bado unterhalb Cavrana. 
Sodann auf beiden Brioni, S. Girolamo, Cosada und den Inseln bei Veruda. 
21 Mai bis Juni (Zanichelli 1722). 2—75 M. Die hochwüchsigste Art unter den 
istrischen Cisten. 

88. C. salvifolius L. Als untergeordneter Bestandtheil der Macchien 
gemein, aber nirgends so häufig, wie die vorbenannte Art, auch nicht so an- 
sehnlich emporwachsend. An der Westküste von Pa. Barbarigo an bis Veruda, 
landeinwärts bis Galesano; an der Ostküste von Montecchio und Cavrana bis unter 
Canale Bado, landeinwärts einzeln bis in den Wald Magran und Munisca, auch auf 
beiden Brioni, Sc. Franz und den Inseln bei Veruda. fi Ende April bis Juni 
(Zanichelli 1722). 2—100 M. Geht noch bei Triest bis 120 M. Seehöhe hinauf. 

89. *C. vUlosus L. (ampl.) Vis. 1. c. III, p. 148! — Boiss. 1. c. I, 
p. 436 (exl. var. ß). — C. creticus Koch 1. c. p. 68, non L., nec Vis. — C. poli- 
morphus Willk. forstl. fl. v. Deutschi. p. . . . — Ein- bis mehrstämmiger, nie- 
driger Strauch mit zahlreichen, gegenständigen, dicht behaarten Aesten und 
gegenständigen, kreisrunden, elliptischen oder verkehrt-eiförmigen in den drei- 
bis fünfnervigen, fast scheidenförmigen Blattstiel verschmälerten Laubblättern: 
diese, wegen der in die Blattoberseite eingesenkten, unterseits jedoch hervor- 
tretenden Nerven und Adern netzig- runzelig und von reichlichen Sternhaaren 
beiderseits (jedoch oberseits schwächer) grau und überdies auf den Nerven der 
Blattunterseite und am Blattrande kurz zottig. Blüthenstand eine ein- bis 
siebenblüthige Doldentraube. Blüthen bis 6 Cm. im Durchmesser (die grössten 
der istrischen Arten) mit rundlich -verkehrteiförmigen purpurrothen Blumen- 
blättern, eiförmigen, plötzlich grannenartig verschmälerten fünf- bis sieben- 
nervigen, sternhaarigen und grauzottigen Kelchblättern und zahlreichen vom 
Griffel überragten Staubblättern. Kapsel eiförmig, fünfklappig, zottig, fj, Mai 
bis Juli. Es gibt zwei leicht erkennbare Abänderungen dieser Art, und zwar: 

a) verus Freyn ined. Die jüngeren Stengel, die Zweige, Blüthenstiele, 
Kelchblätter und Kapsel dicht abstehend-langzottig. Die ganze Pflanze kräftiger 
und höher. — C. vülosus L. — Hier die weit seltenere Form. Sichere Stand- 
orte, bisher nur in den Macchien und auf sterilen, felsigen Hügeln zwischen 
Peroi und Fasana, bei Veruda, Pavici und auf beiden Brioni (Freyn 1876). 
2 — 100 M. Sehr häufig und schön am Montauro bei Rovigno. 

ß) incanus Freyn ined. Behaarung kurz, angedrückt oder wenig ab- 
stehend und nur an den Blüthenstielen und Kelchblättern zottig; an der Unter- 
seite der jungen Blätter fast kreideweiss; die ganze Pflanze zarter, niedriger. — 
C. incanus L. — Dieses ist die in Süd-Istrien in Macchien, auf sterilen sonnigen 
Hügeln gemeine Form. An beiden Küsten ist sie häufiger, fehlt aber auch im 



280 



Josef Frey 



Inneren nicht und steigt am höchsten von allen Arten. Sie findet sich noch 
zwischen Dignano und Galesano an der Eisenbahn bei 110 M. Seehöhe. Die 
Standorte auf den Inseln Brioni, Ma. del Deserto, S. Girolamo, Casada und auf 
jenen bei Veruda gehören zum grössten Theile, wenn nicht ganz, ebenfalls 
hieher. — Auf diese Form beziehe ich auch alle älteren Angaben von Zani- 
chelli (1722) angefangen. Biasoletto hat sie richtig gedeutet (1829). 

C. creticus L., Todaro fl. sie. exs. n. 1028 = C. villosus ß) creticus Boiss. 
fl. Orient. I, p. 437 unterscheidet sich durch länglich-elliptische bespitzte Blätter, 
nur zwei- bis dreinervige Blattstiele, spärlicheres Indument, netzig runzelige 
Samen (nach Willkomm) und hauptsächlich auch durch die drüsig-schmierigen 
Haare an den oberen Stengeltheilen, der Inflorescenz und den jungen Blättern. 
— Dagegen ist C. creticus Vis. non L., nec Koch Synonym zu C. garganicus Ten., 
Porta et Rigo exsic. ital. (II) n. 236 (ex Gargano) und sowohl von C. villosus L. 
ampl. (= C. creticus Koch) als C. creticus L. verschieden. Er verbindet das 
Indument des C. villosus a) verus mit länglich elliptischen (an jene der Sälvia 
officinalis erinnernden) Blättern, nur zweinervigen Blattstielen und allmälig 
(nicht plötzlich) verschmälerten Kelchblättern. Keine von diesen letztver- 
glichenen Arten kommt in Istrien vor. C. creticus L. aber in Dalmatien 
(Traste, leg. Studniczka). — C. corsicus Jord. gehört nach Exemplaren von 
Corsica ebenfalls zu C. creticus L. 

90. Helianthemum guttatum Mill. Auf sonnigen, steinigen Hügeln, 
Grasplätzen, in den Macchien bisher nur im südlichsten Gebietstheile, dort aber 
stellenweise häufig: Po. Rosso, Promontore, Pa. Chersina, Pa. Chermada und 
Pa. Merlera. O Mai, Juni (Sendt. Pap. 1843). 2—35 M. Variirt mit am Grunde 
violett gefleckten Blumenblättern und mehr oder weniger zahlreichen Drüsen- 
haaren. 

91. H, fumana Mill. Auf felsigen Hügeln, in Gebüschen, an den Steil- 
küsten des Meeres sehr zerstreut und nicht häufig: im V. Bandon, bei B. Monu- 
menti, F. Giorgio, F. Fisella, V. Lovina, V. Fiori; dann an der Ostküste am 
Canale Bado, endlich auf Brioni magg. \i Mai, Juni (Zanichelli 1722). 2—15 M. 

92. //. (//iftinosum Pers., H. thymifolium ß) glutinosum Vis. fl. 
dalm. III, p. 147! F 'umana viscida Spach a) vulgare Gr. Gdr. fl. fr. I, p. 174! 
Drüsig, haarig, vielstenglig, niedcrliegend, mit zahlreichen, parallelen, aufrechten, 
reichbeblätterten Zweigen. Laubblätter lanzett, einnervig, mit eingerollten Rändern, 
die unteren gegenständig, die oberen abwechselnd jedes mit zwei linealen 
ansehnlichen Nebenblättern. Blüthenstand eine gipfelständige, einseits- 
wendige Traube. Blüthcnstiele von einem Deckblatte unterstützt, endlich horizontal- 
abstehend mit nickender Kapsel. Bliithcn fast 1 Cm. im Durchmesser mit hell- 
gelben Blumenblättern, der Griffel länger als der Fruchtknoten; die Kelchblätter 
hart an die Kapsel angedrückt. \) Mai, Juni. An steinigen Stellen der Macchien 
in der Nähe dos MeeresstranrleK sehr selten und sehr leicht zu übersehen: 
bisher nur bei Po. Marecchio, Pa. Monumenti, im V. Lunga, V. Fiori und V. <li 
Cane hei Pol* f/aniehelli 1722, dann erst wieder von Sendtner 1841 gefunden). 



Die Flora von Süd-Istrien. 



281 



2 — 10 M. — Nördlicher noch am Montauro bei Rovigno, an einer Stelle sehr 
zahlreich. — Von dem ähnlichen H. fumana unterscheidet sich diese Art leicht 
durch das Vorhandensein der Nebenblätter und die drüsige Behaarung. 

93. IT. salicifolium Pers. An sonnigen, steinigen Stellen, auf Gras- 
plätzen, in den Macchien gemein und stellenweise in grosser Menge, auch auf 
beiden Brioni, S. Girolamo, Cosada, auf den Inseln bei Pola und Veruda und 
nur aus der Gegend nordöstlich von der Linie Dignano-Montecchio sind bisher 
keine Standorte bekannt geworden. © April bis Mai (Biasoletto 1825). 2 — 150 M. 
— Unsere Pflanze hat das Indument der var. ß) bei Koch und die Samenfarbe 
von a) erythrospermum Koch. 

94. H. vulgare Gärtn. ß) hirsutum Koch (H. obscurum Pers.). In 
Laubwäldern, Gebüschen am Festlande gemein, aber in der Küstenregion weit 
weniger häufig, als im Innern. Von den Inseln sind bisher noch keine Stand- 
orte verzeichnet, tl April bis Juni (Bias. Tom. 1837). 2-170 M. 

VI. Violaceae DC. 

95. Viola 1 ) scotophylla A. Jord. obs. fasc. 7, p. 9! — Boreau fl. centr. 
fr., p. 77! — An V. Dehnhardtii Ten.? — V. hirta Neug. in Oesterr. botan. 
Zeitschr. XXV, p. 238 non L. — Wurzelstock unbegrenzt mit ein bis mehreren 
knorrigen Köpfen und meist mit niederliegenden ausläuferartigen Stengeln, 
welche zuletzt hie und da wurzeln. Die lederartigen Sommerblätter 
überwinternd, zur Blüthezeit noch frisch, sehr lang gestielt, verschmälert 
dreieckig, am Grunde herzförmig, mit tiefer meist geschlossener Bucht, 
am Rande gekerbt-gesägt; oberseits trübgrün oft violet überlaufend, unterseits 
heller, beiderseits mit angedrückten zerstreuten Härchen, am Bande gewimpert, 
an den breiten, tief gefurchten Blattstielen dicht- und rückwärtsgekehrt- 
steifhaarig. Die zur Blüthezeit wachsenden Blätter viel kleiner, weicher, breit- 
oder rundlich -eiförmig mit offener Bucht, jene der Ausläufer oft kreisrund oder 
dreieckig, am Grunde kaum ausgerandet oder gestutzt. Nebenblätter (zur 
Blüthezeit) aus eiförmigem Grunde lang verschmälert-dr eieckig (viel- 
mal länger als breit) feinspitzig, oberwärts mehr oder weniger dicht und 
kurz-gewimp ert, am Rande mit langen, kahlen, an der Spitze braundrüsigen 
Fransen. Die ersten Blüthen vollständig, die späteren blumenblattlos. Blüthen- 
stiele kahl (jene der Sommerblüthen steifhaarig) so lang als die jungen Blätter, 
oder wenig über diese hinausragend; beiläufig in der Mitte mit zwei gegen- 
ständigen oder etwas entfernten, eilanzettförmigen, kahlen, am Rande gefransten, 
an der Spitze gewimperten Deckblättern. Blüthen bis 2 Cm. im Durchmesser 
wohlriechend (die grössten unserer Arten). Kelchblätter länglich, stumpf, fein 
gewimpert oder kahl, mit abstehenden Anhängseln; Blumenblätter violet, 
am Grunde bleicher, kaum dunkler geädert; rundlich- verkehrt-eiförmig, 



J ) Die kleistogamen Blüthen der Arten Nr. 95—98 findet man bis in den Winter. 
Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 36 



282 



Josef Freyn. 



das untere grösser, die seitlichen am Grunde weiss gebartet, die oberen 
zurückgeschlagen. Der Sporn kegelförmig, dick, stumpf, hakenförmig aufgebogen 
oder blos vor der Spitze mit einer aufgezogenen Falte, so lang wie die 
Kelchblätter, die Anhängsel also weit überragend. Die Fr uchtkn oten eiförmig, 
kurz, weichhaarig. — Kapsel kugelig, holperig, abstehend behaart, 
vielsamig. % Februar bis April. In Laubwäldern, Gebüschen, Hecken, in den 
Macchien gemein und oft in zahlloser Menge. Auch auf Brioni magg. (Bias. und 
Tom. 1837 als V. hirta. Erst im Jahre 1865 von Tommasini richtig gedeutet). 
2 — 170 M. — Eine ziemlich veränderliche Art, welche wohl von V. alba Besser, 
kaum aber von T. Dehnhardtii Ten. specifisch zu trennen sein dürfte. Da aber 
Jordan die mit unserer Art ganz identische Triester Pflanze, welche ihm von 
Tommasini eingesendet wurde, für seine V. scotophylla erklärt hat (und zwar 
für die südliche Modification derselben) und weil mir V. Dehnhardtii nur aus 
der Beschreibung bekannt ist, so habe ich den Jordan'schen Namen voran- 
gestellt. V. alba Besser, welche ich auf den Bergen bei Ofen wiederholt selbst 
beobachtet habe, und die mit der Beschreibung Koch's vollkommen stimmt, 
unterscheidet sich durch folgende Kennzeichen: verkürzte Laubblätter mit 
offener Bucht, breit-eilanzettförmige (nicht schmal dreieckige) Nebenblätter, 
gewöhnlich zahlreiche aus jeder Blattachsel je eine Blüthe treibende, nieder- 
liegende Stengel, etwas schmälere Blumenblätter und, nach Jordan, immer 
weisse Sporne. Die Blüthenfarbe bedingt keinen Unterschied, denn V. alba blüht 
ebenso oft weiss als violet, und V. scotophylla kommt bei Fiume auch mit 
weissen Blüthen vor. Folgende Formen betrachte ich nur als Varietäten von 
V. scotophylla Jord.: 

ß) rosea Freyn ined. — Blumenblätter hell-rosenfarbig, fast gleichfarbig; 
Sporn etwas heller, Laub heller grün, sonst wie die vorige. % März. Bisher 
nur in den Macchien am Westabhange unter F. Casonivecchi und im Kaiser- 
walde bei Pola (Freyn 1876). 30-40 M. 

Y) virescens Freyn ined. — V. virescens Jord. Das junge Laub auf- 
fallend hellgrün, dicklich, etwas fett-glänzend. Blüthen fast geruchlos. Die 
Blumenblätter hellviolet, fast gleichfarbig (ohne dunkle Adern), der Sporn bleich, 
oft grünlich, etwas spitzer. 2). März, April, später als die gemeine Form. Bei 
Dignano, Galesano, im Walde Lussinamore, am Mt. Grande, im Kaiserwalde und 
bei F. Max nächst Pola, bei Promontore und auch im V. Cadena der Insel 
Brioni magg. (Freyn 1876). 2—150 M. — Vielleicht nichts anderes als ein späteres 
Entwicklungsstadium der Art. 

8 acuta Freyn. ined. Wie y), aber die Kelchblätter hellgrün, die 
Sporne gelblich oder grünlich, pfriemlich-kegelförmig, manchmal mit haken- 
förmig gebogener Spitze; Blüthen beinahe geruchlos. % Februar bis März. 
Ungernein selten, bisher nur an feuchten Stellen im tiefen Schatten des Unter- 
holzes im Kaiserwahle bei Pola (Freyn 1876). 35 M. Durch die auffallende 
Gestalt des Spornes ist diese Form von allen mir bekannten Veilchen sofort 
sehr leicht zu unterscheiden. Da es mir aber trotz emsigen Suchens nur gelang 



Die Flora von Süd-Istrien. 



283 



vier Individuen dieser Form zu finden, wovon überdies zwei abnorm entwickelte 
Kelchblätter hatttn, so habe ich unterlassen, eine sonst leicht charakterisirbare 
Art darauf zu begründen. 

s) brevifolia Freyn iaed. Die Blätter verkürzt, breit- eiförmig, auf 
kurzen Stielen, die Bucht offener, die liegenden Stengel meist fehlend oder sehr 
verkürzt., die Blüthenstiele gewöhnlich über das Laub hinausragend, aber auch 
viel kürzer als dasselbe; die Kapsel zwei- bis vielsamig, aber selten zu finden. 
Di März. Form der Macchien und Gebüschränder: bei Dignano, F. Giorgetta, 
V. Vergarola und Hügel südlich von Pola, und am Mt. Vincuran gegen Canale 
di Veruda, gewöhnlich sehr zahlreich (Freyn 1876). 2—150 M. — Auf Felsen 
in einer Dolina bei Dignano kommt diese Varietät in einer extremen Form vor, 
deren Blätter so lang als der Blattstiel (nur 1 Cm. lang und breit) sind und 
von dem langen Blüthenstiele vielinal überragt werden, desgleichen ist die Blüthe 
doppelt so gross als das Blatt. 

96. V. multicmilis A. Jord., pug. 15—16! (1852). — Wiesb. in Verh. 
der k. k. zool.-botan. Ges. XXV, p. 819-821! — Boreau L c. p. 74! — Hausskn. 
exsic. ! — Wurzelkopf unbegrenzt, knorrig, mit mehreren niederliegenden, schlaffen 
seitlichen Stengeln, welche an der Spitze endlich wurzeln. Die weichen Sommer- 
blätter überwinternd, zur Blüthezeit noch frisch, lang gestielt, 
rundlich- eiförmig mit offener Bucht, am Eande gekerbt-gesägt, fein 
gewimpert, beiderseits schön grün und mit sehr kurzen sehr zerstreuten Haaren 
bedeckt; die flachen (nicht tief gefurchten) B 1 a 1 1 s t i e 1 e spärlich behaart oder 
kahl. Das Frühlingslaub kleiner als die Sommerblätter, aber gleich gestaltet; 
die Blätter der seitlichen Stengel rundlich oder nierenförmig mit sehr offener 
Bucht. — Die Nebenblätter am Wurzelkopfe zur Blüthezeit breit- 
eilanzettförmig, sehr spitz, an der Spitze dicht wimperig, am Eande, 
sowie die zahlreichen kurzen drüsentragenden Fransen kahl. — Die ersten Blüthen 
vollständig, die späteren blumenblattlos. Blüthenstiele kahl, etwa so lang als 
das Laub, beiläufig in der Mitte mit zwei gegenständigen oder etwas entfernten, 
eilanzettlichen, pfriemlich zugespitzten, kahlen, spärlich gefransten Deckblättern. 
Blüthen gross, fast 2 Cm. im Durchmesser, wohlriechend. Die Kelchblätter 
verschmälert-länglich, stumpf, kahl, mit kurzen abstehenden Anhängseln; die 
Blumenblätter dunkelblau, fast gleich gross, nur das untere etwas kürzer, alle 
breit elliptisch, die oberen aufrecht- ausgebreitet, die seitlichen vorgestreckt und 
am Schlünde gehärtet. Der Sporn blau, cylindriscb, an der Spitze stumpf, 
aufwärts gekrümmt, die Kelchanhängsel mehrmal überragend. — Fruchtknoten 
dicht kurzhaarig, aber auch fast kahl. Kapsel? — % März bis April. Bisher 
nur in Dolinen bei Dignano, die Bänder der Gebüsche stellenweise in grosser 
Anzahl umsäumend (Freyn 1876). 135 — 160 M. — Diese Pflanze ist ein Mittel- 
ding zwischen V. scoiophyUa und V. odorata; von ersterer unterscheidet sie 
sich durch das weiche (nicht starre) Laub, die Blattgestalt, die flachen Blatt- 
stiele und die viel breiteren Nebenblätter; hierin der V. alba nahe kommend. 
Diese unterscheidet sich nur durch steife, gerade-vorgestreckte, blüthentragende, 

36* 



284 



Josef Freyn. 



seitliche Stengel, durch weit grösseres, starres Laub, tiefrinnige Blattstiele und 
eine etwas andere Tracht. Von V. odorata L. ist V. multicaulis durch die 
überwinternden Sommerblätter und die Gestalt der Nebenblätter zu unterscheiden. 
Diese sind bei V. odorata breit-eiförmig und nicht so spitz, wodurch V. odorata 
von allen anderen Arten sehr kenntlich geschieden ist. Einen Bastart V. odorata 
*scotophylla oder sonst eine andere Combination, glaube ich unter V. multi- 
caulis wegen der Art des hiesigen Vorkommens nicht vermuthen zu sollen. 
Schliesslich wäre zu bemerken, dass Jordan's V. multicaulis von den hier 
beschriebenen, durch sehr steifhaarige Nebenblätter und Bracteen, sowie gewim- 
perte Kelchblätter etwas abweicht, welcher Umstand zu einer Trennung beider 
gewiss nicht zureicht. 

97. V, odorata L. Auf Wiesen, feuchten Grasplätzen, in Hecken, 
Gebüschen, am Grunde der Dolinen nicht gemein; bei Dignano, im Walde Siana, 
und namentlich am Prato grande bei Pola. % März bis April. (Bias. Tom. 1837). 
3—140 M. 

ß) hispidula Freyn in ed. Die Blüthenstiele dicht rückwärts- gekehrt- 
steifhaarig. % März bis April. Bisher nur am Grunde einer Doline östlich von 
Dignano und in den Hecken und auf trockenen Grasplätzen am Prato grande 
bei Pola zahlreich in Gesellschaft von V. austriaca A. und J. Kerner. — 
(Freyn 1876). 3—135 M. — Diese Form besitze ich auch aus Böhmen (Deutsch- 
brod, leg. Schwarzel) und Ungarn (Johannisberg bei Ofen). 

V. odorata L. kommt hier fast durchweg mit Blumenblättern vor, die am 
Grunde, oft aber bis ein Drittel ihrer Länge weiss sind. — Die Fransen der 
Nebenblätter sind sehr kurz, so dass die grossen braunen Drüsen am Rande des 
Nebenblattes manchmal fast sitzend erscheinen. 

98. V. austriaca A. und J. Kern. nat. Ver. Innsb. III (1872), p. 7 
fide A. Kern, in Oesterr. botan. Zeitschr. XXIV, p. 168—169! — Wiesb. exsic. 
austr.! — V. suavis Wiesb. in Verh. der k. k. zool.-botan. Ges. XXIII, p. 544—545! 
et Auct. austr. non M. B. non Koch. — Mehrköpfig. Wurzelstöcke unbe- 
grenzt, knorrig mit unterirdischen reich bewurzelten Ausläufern, 
ausserdem mit niederliegenden, wurzelnden, seitlichen Stengeln. Die Sommer- 
blätter nicht überwinternd (im Herbste absterbend) fast dreieckig-herzförmig, 
länger als breit, stumpf-spitzig, am Grunde mit einer breiten offenen 
Bucht, am Rande gekerbt-gesägt, fein gewimpert, beiderseits fast gleichfarbig, 
schön lichtgrün und mit winzigen sehr zerstreuten Haaren bedeckt. Die flachen 
Blattstiele rückwärts-gekehrt-steif haarig, schlaff, viel länger als das Blatt; 
die Blätter der (manchmal ästigen) Stengel, eiförmig oder rundlich eiförmig, 
kleiner als das Laub der Wurzelstöcke. Das Frühlingslaub sehr klein (circa 
2 Cm. lang), dicklich, gelblichgrün, am Grunde kaum herzförmig, sondern nur 
ausgerandet, an den Stengeln zur Blüthezeit oft noch unentwickelt. Die Neben- 
blätter breit lanzett, verschmälert, zugespitzt (die inneren fast lineal), 
alle spitz, kahl, oben gewimpert, am Rande gefranst; die Fransen bald länger, 
bald kürzer aln die halbe Breite des Nebenblattes, kahl oder behaart, mit 



Die Flora von Süd-Istrien. 



285 



wassern eilen Drüsen. — Blüthenstiele länger als das Laub (oft zweimal so lang), 
kahl, in der unteren Hälfte oder in der Mitte mit zwei gegenständigen oder 
entfernten, eilanzettlichen, kahlen, gefransten Deckblättchen. Die Blüthen bei- 
nahe 2 Cm. im Durchmesser, sehr wohlriechend. Die Kelchblätter hellgrün läng- 
lich, oder elliptisch-länglich, stumpf-spitzig, kahl mit abstehenden Anhängseln, 
letztere so laug als breit. Blumenblätter sehr schmal, länglich oder 
verkehrt-eiförmig-länglich, die zwei oberen zurückgeschlagen, das untere 
etwas kürzer, wenig breiter, kaum ausgerandet; alle himmelblau, am 
Schlünde weiss, die seitlichen schwach gebartet, das untere violet geädert. 
Sporn blau, dick, cylindrisch, etwa halb so lang als die Kelchblätter, die Kelch- 
anhängsel überragend. Fruchtknoten fein kurzhaarig, Kapsel kugelig oder 
elliptisch, kurzhaarig. % März, April. Bisher nur in den Hecken und auf 
trockenen Grasplätzen des Prato grande bei Pola. (A. Kerner 1872). 3—5 M. 
Nicht ohne Zweifel bringe ich die nachfolgenden zwei Formen varietätsweise 
hieher, denn es lässt sich nicht läugnen, dass sie in einigen Stücken ziemlich 
abweichen. 

ß) brevifolia Freyn m. V. sepincdla A. Jord. observ. fasc. 7, p. 7 — 8! 
A. Kerner exsic. tirol! — Die Blätter eiförmig (nicht dreieckig- eiförmig), hie und 
da mit geschlossener Bucht, die Blüthenstiele behaart, die Blumenblätter verkehrt- 
eiförmig, dunkel violet-blau, am Schlünde weiss. — So am Prato grande bei 
Pola; nach dem Blattblau ziehe ich auch noch folgende Standorte hieher (von 
denen mir nur Fruchtexemplare vorliegen): Hecken am Mt. S. Michele und 
Mt. Turco bei Pola, dann zwischen Fasana und S. Pellegrino, 3—20 M. — 
Wegen der Gestalt der Nebenblätter kann diese Form nur mit V. austriaca, 
nicht aber mit V. odorata vereinigt werden. — Da aber nicht unwesentliche 
Gründe gegen die Vereinigung sprechen, so habe ich auch nicht den Jord an- 
sehen Namen vorangestellt, obgleich dieser älter ist. 

y) pubescens Freyn ined. — Kleinblättrig, die Blätter herz-eiförmig, 
gegen die Spitze etwas zugeschweift, im jüngeren Zustande wegen der dichteren 
Behaarung seidig schimmernd. Von dieser Form fand ich nur ein frucht- 
tragendes grösseres Exemplar mit kleistogamen Blüthen : am Prato grande bei 
Pola (Freyn 1876). 3 M. 

V. suavis M. B. (Sarepta. Becker) ist der V. austriaca wohl ähnlich, 
allein sie unterscheidet sich sogleich durch eine andere Nervatur der Blätter. 
Die Seitennerven sind nämlich bei V. suavis fast gerade, nur an ihren Spitzen 
gebogen und anastomisirend, und bilden mit dem Mittelnerv einen Winkel von 
etwa 45°. — An V. austriaca und den anderen istrischen Arten dieser Gruppe, 
sind die Seitennerven nur in ihrem mittleren Theil gerade, während sie mit 
ihren Spitzen bogig zusammenfliessen und mit ihrem Grunde allmälig in den 
Hauptnerven zugeschweift sind; sie bilden mit letzterem beiläufig einen Winkel 
von 30°. — Ob diese Unterschiede durchgreifend sind, will ich ohne Vergleichung 
eines reichlicheren Materiales der V. suavis nicht behaupten. 

99. V. silvatica Fries, Gr. God. fl. fr. I, p. 178! — Boiss. fl. Orient. I, 
p. 459 ! — V. silvestris Koch syn., p. 73 (non Lam. ex Gren. God.). — V. Reichen- 



286 



Josef Freyn 



bachiana Jord.-Boreau fl. cent. fr., p. 78! — In schattigen Laubwäldern und 
Gebüschen nicht gemein: Häufig im Walde Siana und Lusinamore, und im 
V. Saline am Meere unterhalb F. Bourgignon. % März bis April (Weiss 1868). 
3—100 M. 

100. V. tricolor L. ß) arvensis Koch syn., p. 75! — V. segetalis A. 
Jord.-Boreau 1. c. p. 83 ! — Ungemein selten : bisher nur auf Aeckern bei Veruda 
und wüsten Stellen im Kaiserwalde bei Pola. O Juni (Wawra 1875). 3—40 M. 
— Sehr häufig bei Rovigno. 

y) nemausensis (Jord.-Boreau 1. c. p. 83 spec), niedriges kleines Pflänz- 
chen, die Blätter sämmtlich stumpf, der mittlere Lappen der handförmigen 
Nebenblätter blattartig und gekerbt. O April; bisher nur auf wüsten Stellen 
des Sc. S. Girolamo (Freyn 1876). 3-10 M. 

VII. Resedaceae DC. 

101. Reseda Phyteuma L. Auf gelockertem Boden, Schutt, am 
Meeresstrande, aber auch hie und da auf Grasplätzen in den Macchien sehr 
zerstreut: bei Fasana, und in der näheren Umgebung von Pola, wie B. Monu- 
menti, Mt. S. Michele, F. Max und F. Musil. O April bis Juni (Tomma- 
sini 1840). 2—40 M. Blüthen schwach wohlriechend. 

102. R. lutea L. Auf sonnigen Hügeln, steinigen Plätzen, Wiesen, an 
Wegen gemein; auch auf Brione magg. und % April bis Herbst (Bias. und 
Tom. 1837). 2—170 M. 

ß) gracilis Gren. iu Gr. God. fl. fr. I, p. 188! Die Abschnitte der Laub- 
blätter sehr verlängert, jene der unteren lanzett, jene der oberen lineal-lanzett, 
stumpf - spitzig. Die Pflanze vom Grunde an mehrstenglig und vielästig. 
% September. So am Prato grande bei Pola und wohl auch noch anderwärts 
(Freyn 1874). 2-5 M. 

103. R, luteola L. An wüsten Stellen, in Steinbrüchen, am Meeres- 
strande sehr selten: bisher nur im V. Zonchi, bei B. Monumenti und im Arse- 
nale bei Pola. O Juni bis August (Weiss 1868). 2—10 M. 

VII J. Poly^alaceae Juss. 

104. Polygala nicaeensts Risso. Auf sonnigen Bügeln, trockenen 
Grasplätzen, zwischen Gebtisch gemein. Auch auf Brioni magg. und Sc. Veruda. 
% April bii Juni (Bias. Tom. 1837). 2—170 M. — Zu bemerken ist, dass alle 
mir vorliegenden Exemplare aus Istrien mehr oder weniger kurz-weichhaarig 
sind. Die gemeine Pflanze blüht roscnroth; sonst sind noch zwei Abänderungen 
zu verzeichnen: 

(;) caerulea. Die Blüthen schön blau und oft etwas grösser, seltener 
kleiner. Dieie in der höheren Kegion gemeine Abänderung, int im Gebiete 



Die Flora von Süd-Istrien. 



287 



seltener und nur hie und da zerstreut, am häufigsten im Walde Siana bei 
Galesano und Lavarigo. 

y) ochroleuca Freyn. ined. Blüthen gelblich- weiss, hie und da auch 
röthlich- weiss. So bisher nur auf einem Hügel zwischen V. Bandon und 
V. Rancon, dort massenhaft und ohne der roth- oder blaublühenden Form. 
% Mai (Freyn 1876). 5—10 M. 

105. jP. vulgaris L. Auf Grasplätzen, in Laubwäldern im Walde Siana, 
bei Altura und Fasana. % Mai bis Juni (Blas. Tom. 1837). n. v. 

ß) virescens Freyn ined. Die Pflanze lebhaft grün, schlaff, aufrecht, 
armbliithig ; die Blüthen weiss oder grünlich-weiss, die Kelchblätter grün, weiss 
berandet. % Mai, Juni. So bisher nur in den von Pteris und Cisten gebil- 
deten Gebüschen westlich von Pa. Merlera bei Medolino. O bis % (Freyn, 
Neug. Wawra 1876). 10-15 M. 

IX. Silenaceae DC. 

106. Tunica Saxifraga Scop. Auf sonnigen Hügeln, Felsen, trockenen 
Grasplätzen, am Festlande gemein; auch auf beiden Brioni und auf den Inseln 
im Hafen von Pola. % Mai bis August (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. 

107. Kohlrauschia prolifera Kunth. — Celak L c. p. 504! — Dian- 
thus prolifer L. Koch syn. p. 82! — Tunica prolifera Scop.-Garcke nordd. p. 59! 
— Auf Schutt, Felsen, Grasplätzen, Ackerrändern überall am Festlande aber sehr 
zerstreut; auch auf Brioni magg. Q Mai bis Juli (Biasoletto 1828). 2— 170 M. 
Blüht 2 — 4 Wochen später, als die folgende Art. 

108. velutina Rchb. — Dianthus velutinus Guss. ex ej. enum. 
Inar. p. 34—35! — Koch syn. p. 82! — Tunica velutina Boiss. fl. Orient. I, 
p. 516 — 517! Auf Grasplätzen, an Gebüschrändern, auf lichten Waldplätzen, in 
den Macchien, besonders nahe der West-Küste oft sehr häufig und daselbst 
allenthalben , auch bei Altura, im Walde Magran, bei Medolino und auf folgenden 
Inseln: beide Brioni, alle bei Veruda, Cielo und S. Marina. O Ende April. 
Anfang Juli (Tommasini 1838). 2—125 M. 

109. Dianthus Armeria L. An feuchten, buschigen Stellen, in Kecken, 
Laubwäldern, an Wiesenrändern zerstreut: bei Marzana, Altura, im Walde Siana, 
bei Peroi, Stignano, am Prato grande bei Pola, bei Sikic und bei Veruda; 
auch auf Brioni magg. 2J. Juni bis October (Benth. Bias. Tom 1837). 2 — 145 M. 

110. D. sanguineus Vis. fl. dalm. III, p. 161, tab. 36, flg. 1! (1852). — 
D. atrorubens Tommas. in Oesterr. botan. Zeitschr. XXIII, p. 222 non All. ex 
loco! Ein- bis vielstenglig, am Grunde manchmal halbstrauchig. Stengel auf- 
recht bis 1 M. hoch, oft der ganzen Länge nach, wenigstens aber oberwärts 
mit einem hechtgrauen, abwischbaren Reife bekleidet, sonst kahl. Blätter am 
Stengelgrunde fast rosettenartig gehäuft, je nach Standort schlaff oder steif, 
verschmälert lanzett-lineal, spitz, bis 20 Cm. lang, ein- bis dreinervig, manchmal 



288 



Josef Preyn. 



noch ein bis zwei undeutliche Nerven dazwischen, am Rande und oberhalb 
schärflich rauh; die stengelständigen an den Halmknoten lang- scheidi g 
(die Scheide 6— 8mal länger als der Stengel-Durchmesser), kürzer als die grund- 
ständigen, grasgrün, am Scheidengrunde bis 13-, gegen die Spitze nur mehr 
einnervig, viel kürzer als die Stengelglieder. Blüthenkopfförmiggebüschelt 
10—15 beisammen, aber auch mehrere oder weniger. Hüllblättchen leder- 
artig-häutig, gelblich-braun, bis siebennervig, plötzlich in eine gerade 
vorgestreckte, das Blüthenbüschel nicht überragende Granne aus- 
laufend. Deckblätter eiförmig, an der Spitze abgerundet oder stumpf, 
plötzlich kurz-begrannt, lederartig, gelblich-braun, am Rande trockenhäutig, 
etwa ein halb Mal so lang als der Kelch. Letzterer hellgrün, meist 
purpurroth überlaufen mit schmal-dreieckigen, spitzen Zähnen. Blumenblätter 
intensiv blutroth, etwas gehärtet, mit sehr kleiner, schmaler, verkehrt- 
eiförmiger etwas gezähnelter Platte, welche in den mehrmal 
längeren Nagel allmälig verschmälert ist. — Staubkölbchen schön 
blau-grau. % oder Mai bis Juni. Auf trockenen Grasplätzen, sonnigen Hügeln, 
in den Macchien verbreitet, aber nicht häufig (Benth. Bias. Tom. 1837). 
2—170 M. B. atrorubens Koch gehört, soweit die Littoralpflanze gemeint ist, 
zu dieser Art; ebenso D. atrorubens Boiss. fl. Orient. I, p. 512! 

111. *D. ciliatus Guss. — Koch syn. p. 84! — Vis. fl. dalm. III, 
p. 162! D. litoralis Host ex loco. Am felsigen Meeresufer und in den Macchien 
überall längs der Westküste von Po. Marecchio bis Promontore; stellenweise 
sehr häufig; auch auf Sc. Trombolo. — Ist eine echte Küstenpflanze; die am 
weitesten landeinwärts gelegenen Standorte sind am Mt. Chiocchi bei Pola, 
Mt. Foiban bei St. Mararetto und Mt. Bianco bei St. Simanelli. Juni bis 
October (Host. flor. austriaca 1827). 2—25 M. An den sonnigen, felsigen 
Stellen sind die Blüthenstiele verkürzt, die Blätter steifer und solche Exemplare 
bilden die var. a) Visianis; an Gebüschrändern ist die Pflanze höher, schlaffer, 
die Blüthenstiele sind verlängert und dies ist dann var. ß) Vis. — Ich kann 
beide nur als standörtliche Bildungen auffassen, denn in der Natur ist zwischen 
beiden Formen keine Grenze zu finden. 

112. />. ßilveetriß Wulf, ß) bracteatus Gren. Godr. fl. fr. I, 
p, 238! Kelche nur mit zwei Deckblättern, die übrigen 2—6 davon entfernt 
und weit von einander abstellend. Der Stengel kahl öder von rückwärtsgekehrten 
kurzen Börstchen mehr oder weniger rauh (letzterer = D. Caryphylus y. Vis.). 
% Juni bis Juli. Auf sonnigen, buschigen oder felsigen Hügeln, in den Macchien 
von Po. Marecchio und Marzana an bis Altura und Veruda verbreitet (Sendt- 
ner 184 lj. 2 150 M. — Hieher gehören I). silvestris var. a) Koch; 1). Caryo- 
phylluH «) and y) ViptanL 1). tergcslinus Hb. (nach einem Exemplar von Triest, 
leg. Mardiesetti; und JJ. caryophylloidcs IIb. (nach meinen von Tornmasini 
bestimmten Exemplaren von Villa di Kovigno; diese weiss blühend). Die echte 
Pflanze Wullen'» weicht von der Littoralprlanze nicht unbeträchtlich ab. Letztere 
dürfte vielleicht henser al« eigene Art zu behandeln sein, wozu der an allen 



Die Flora von Süd-Istrien. 



289 



Formen wiederkehrende Charakter in der Stellung der Deckblätter sehr zu 
berechtigen scheint. 

113. Vaccaria parviflora Mnch., Garcke. nordd. p. 62! — Sapona- 
ria Vaccaria L., Koch. In Getreidesaaten ziemlich zerstreut: bei Dignano, 
Montecchio, Altura, Galesano, Peroi, Fasana, Pola und Yeruda; auch auf 
Brioni magg. Q Mai > Jnni (Benth. Bias. Tom. 1837). 2—150 M. 

— Saponaria officinalis L. Auf wüsten Stellen in Pola sehr selten, 
augenscheinlich blos eingeschleppt. % Juni, Juli (Freyn 1875). 8—10 M. 

114. Silene gallica L. S. littoralis Jord., Guss. en. Inar. p. 38—39! — 
Auf Grasplätzen, an Gebüschrändern, in den Macchien, längs der Westküste stellen- 
weise in Menge, auch bei Altura, Sikic und Lissignano, dann auf beiden Brioni, 
und den Inseln bei Medolino. O Mai, Juni (Biasoletto 1828). 2—120 M. 

ß) quinquevulnera Koch. Auf Grasplätzen und in den Macchien bei 
F. Max nächst Pola, Promontore, dann auf den Inseln Veruda, Bisse, Trombolo, 
Cielo und S. Marina. O Mai, Juni (Tommasini 1872). 2-30 M. 

— S, pendula L. Boiss. fl. Orient. I, p. 590! eine in den Gärten öfter 
kultivirte Pflanze verwildert bisweilen und fand sich z. B. auf wüsten Stellen 
zwischen dem Arsenale und der Schwimmschule bei Pola ziemlich häufig. 
O und % August, September (Freyn 1876). 2 M. 

115. *S. viridifiora L. Neilr. diagn. p. 25! — Boiss. fl. orient. I, 
p. 634! — Ein- bis mehrstenglig, aufrecht bis 12 M hoch, vom Grunde an 
beblättert, sammt denBlätternkurzhaarig, oberwärts sammt dem Blüthen- 
stande und den Kelchen drüsig-schmierig. Die unteren Blätter ellip- 
tisch in den langen Blattstiel verschmälert; die Blattstiele der stengelständigen 
Blätter allmälig verkürzt, die obersten Blätter endlich breit-eiförmig 
und sitzend. Blüthenstand meistens eine einseitswendige, mit der Spitze etwas 
nickende Ptispe, mit verlängerten unteren Aesten. Die Ptispenäste mit ein- bis fünf- 
traubig angeordneten, gegenständigen, gestielten Blüthen; die obersten Blüthen 
länger gestielt, gabelständig. — Kelch zehnnervig, anfänglich cylindriscb, 
endlich eiförmig, mit dreieckigen, fast pfriemlich verschmälerten Zähnen. 
Blumenblätter länglich, tief zweispaltig, am Schlünde gekrönelt oder nicht 
gekrönelt. Fruchtträger viel kürzer als die glatte, eiförmige Kapsel. 
% vielleicht auch Q Juni, Juli. In Laubwäldern des mittleren Gebietsteiles, 
stellenweise ziemlich häufig: im Walde Lusinamore und Siana, namentlich im 
Kaiserwalde gegen Mt. Daniele zu (Freyn 1876). 8 — 60 M. 

116. S. italica Pers. In Gebüschen, Hecken, Macchien, an lichten 
Waldplätzen gemein, auch auf Brioni magg. und Veruda. % April bis Juni, 
einzeln auch im Herbst (Biasoletto 1828). 2—170 M. 

117. S. livida Willd. — Vis. fl. dalm. III, p. 169! - S. nutans y) 
Uvula Koch syn. ed. 3. p. 88! — In Laubwäldern, Gebüschen bisher nur im 
mittleren und nordöstlichen Gebietsteile und selten: bei Marzana und im 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 37 



290 



Josef Freyn. 



Walde Siana bei Galesano. % Mai bis Juni (Tomraasini 1865). 100—150 M. — 
Diese Pflanze ist durch die trübpurpurnen Blumenblätter, durch armblüthige 
Trauben und sehr lange Stielchen der seitenständigen Blüthen von der ähnlichen 
S. nutans L. zu unterscheiden. Letztere hat weisse Blumenblätter, reichblüthigere 
Trauben und Blüthenstielchen, welche höchstens so lang, gewöhnlich aber kürzer 
als das Zweiglein sind (d. h. der unterhalb der Deckblättchen liegende Theil 
des anscheinenden Blüthenstiels). Diese Unterschiede bestätigen sich auf einem 
bedeutenden geographischen Areale, weshalb diese Pflanze hier als Art be- 
handelt wurde. 

118. S. inflata Sm. Auf sonnigen Hügeln, Felsen, im Gebüsch, an 
wüsten Stellen, am Meeresrande gemein, auch auf fast allen Inseln. % April 
bis August (Bias. Tommas. 1837). 1—170 M. 

119. Lychnis Flos-cuculi L. — L. Cyrilli Eicht, fide Tommas. in 
litt. — Auf Wiesen, an feuchten Stellen der Laubwälder und Macchien stellen- 
weise sehr häufig: im Walde Siana und Magran, im V. Rancon, bei Pa. Aguzzo 
und am Prato grande bei Pola, am Prato Vincuran, bei Sikic und bei St. Zampa- 
nose. % April bis Juni (Tommasini 1838). 2-100 M. 

120. L, Coronaria Lara. An lichten Waldplätzen: bisher nur im 
Kaiserwalde bei Pola, dort aber stellenweise häufig. % Juni (Wawra 1874). 
30-60 M. 

121. Melandriuni pratense Roehl. — Vis. 1. c. III. 173 ! — Lychnis 
vespertina Sibthp., Koch. — In Hecken, Gebüschen, Laubwäldern, an Wegen, auf 
Schutt gemein; auch auf Brioni magg. April bis November (Bias. Tom. 1837). 
2-170 M. 

122. Agrostemtna CHthago L. In Getreidesaaten ziemlich zerstreut: 
bei Altura, Dignano, Peroi, Fasana, Pola undVeruda; nirgends häufig. O Mai, 
Juni (Tommasini 1844). 2—160 M. 

123. Drypis spinosa L. Im Kalkschotter am Meeresstrande westlich 
von Pa. Merlera bei Medolino und im V. Lavora der Insel Brioni magg. % Mai 
bis Juli (Loser 1860). 2—5 M. Offenbar durch das Meer von den Küsten 
Kroatiens her angespült. 

X. Alsinaceae DC. 

124. Sagina oiUata Friee. Gh G, fl. fr. I, p. 244—245! — S.patula Jord. 
Gus». en. Inar. p. 50! S. apetala Auct. nostr. Auf trockenen, sonnigen Gras- 
plätzen, in den Macchien, auf Brachäckern stellenweise sehr häufig, aber wegen 
der Kleinheit leicht zu übersehen: im V. Bado unterhalb Cavrana, V. Rancon, 
h i BtignADO, bei St. Rizzi B. Corniale und im Kaiserwalde bei Pola, bei Medo- 
lino , dann auf Brioni magg., auf den Inseln bei Pola und Veruda, Ciclo, 
S. Marina. C :j April, Mai, einzeln bis Juni (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—40 M. 
Wenigstem die oberen Laubblütter dieser Art sind immer begrannt. Wurde hier 
biwher für 8, apetala gehalten. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



291 



125. S. maritima Don. Vis. fl. dalm. IE, p. 176! — Boiss. fl. Orient. I, 
p. 663! — S. stricta Fries, Koch. Auf Aeckern, Grasplätzen, am Seestrande, 
viel seltener als die vorhergehende Art: bei F. Grosso nächst Stignano, in den 
römischen Steinbrüchen, längs Canale di Veruda und auf der Insel Veruda. 
O Mai, Juni (ßeuss 1867). 2 — 20 M. Die Laubblätter sind immer unbegrannt. 

Spergula nodosa, d. i. Sagina nodosa E. Mej. soll nach Biasoletto 
1. c. p. 534 zwischen Promontore, Medolino und Pomer vorkommen. Was damit 
gemeint war, ist jetzt nicht mehr zu eruiren, die echte Art dieses Namens 
sicher nicht. 

126. Spergularia rubraPiesl. — Celak 1. c. p. 490! — Lepigonum 
rubrum Whlbg. Koch. — Sehr selten; bisher nur auf feuchten Aeckern und in 
feuchten Weingärten bei Sikic, in Gesellschaft von Juncus bufonius, Veronica 
acinifolia etc. © Mai, Juni (Freyn. 1875) 10—15 M. 

127. S. salina Presl. Garcke nordd. p. 69 ! — Lepigonum medium Whlbg., 
Koch. Alsine rubra Vis. fl. dalm. III, p. 179! — Sp. media Boiss. fl. Orient. I, 
p. 733! — Am sumpfigen, brackischen Meeresufer, selbst auf den Klippen stellen- 
weise häufig: bei Fasana, im V. Bandon, V. Rancon. im Hafen von Pola an 
mehreren Stellen, längs Canale und Po. di Veruda, bei Medolino und längs 
Canale Bado; auch auf beiden Brioni, auf den Inseln im Hafen von Pola und 
Levano piccolo. © Mai bis October (Weiss 1865). 1 — 5 M. 

128. S* marginata P. M. E. — Garcke nordd. p 69 ! — Lepigonum 
marginatum Koch, Alsine marginata Vis. 1. c. Am sumpfigen oder felsigen 
Meeresstrande im Po. Marecchio, bei Pola, Pomer und Medolino; auch auf 
Brioni magg. %? © Mai bis August (Benth. Bias. Tomm. 1837). 1-3 M. — 
Weit seltener als vorige. 

129. Alsine verna Bartl. Ueberall auf sonnigen Hügeln, steinigen 
Grasplätzen bis zum Meeresstrande herab gemein und häufig ; auch auf S. Giro- 
lamo, Cosada, den Inseln im Hafen von Pola, bei Verada und auf Fenera. 
% März bis Juli (Zanichelli 1722). 2—170 M. 

130. A. tenuifolia Whlbg. Auf Hügeln, trockenen Grasplätzen, in den 
Macchien längs der ganzen Westküste bis Medolino gemein und stellenweise 
häufig; auch auf beiden Brioni und Veruda und wohl auch anderwärts und nur 
wegen der Kleinheit übersehen. © April bis Juni (Bias. nach Bert. fl. ital. IV, 
p. 675! 1839). 2—75 M. Als Typus betrachte ich die kahle Pflanze mit drüsig- 
behaarten Kelchen, verlängerten Aesten und meist einzeln stehenden, nur an 
den Zweigspitzen gebüschelten Blüthen == A. tenuifolia a) glabra Vis. 

8) densiflora Vis. fl. dalm. III, p. 177! Aeste verkürzt, wie der Stengel 
und die Blüthenstiele kahl; die Blüthen an den Spitzen der Zweige dicht 
büschelförmig. Die Kelche drüsig behaart. © April, Mai. An sonnigen 
steinigen Stellen der Macchien bei Pa. Monumenti und Pa. Aguzzo, im Hafen 
von Pola und auf der Insel Veruda (Bias. und Sternbg. 1825). Arenaria 
fasciculata Bias. und Sternbg. in Flora 1826 kann sich nur auf diese Varietät 
beziehen. 

37* 



292 



Josef Freyn. 



131. Arenaria serpyllifolia L. Auf Aeckem, an Wegen, wüsten 
Stellen, in Gärten, Ortschaften gemein; auch auf Brioni magg., S. Girolamo, 
Cosada, auf den Inseln im Hafen von Pola und bei Veruda und auf S. Marina. 
O April bis Juli, auch im Herbst und Winter (Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. 

ß) glutinös a Koch. Auf sonnigen Hügeln, Grasplätzen gewöhnlich als 
Pygmäenform gemein, auch auf den Inseln. Hier wahrscheinlich weit häufiger 
als der Typus. O April bis Mai (Reuss 1867). 2—170 M. 1 ) 

A. graminifolia, welche Biasoletto 1. c. 1829 im Gebiete angibt, 
kommt hier nicht vor; welche Pflanze gemeint war, ist mit Sicherheit jetzt 
nicht mehr zu bestimmen. Wahrscheinlich soll es Alsine tenuifölia heissen. 

132. Stellaria media Cyrillo ex Garcke; an Wegen, Ackerrändern, 
auf Schutt, in Gärten und überhaupt auf lockerem Boden in den Ortschaften 
meist nicht so häufig wie anderwärts: bei Dignano, Galesano, Fasana, Stignano, 
Pola, im Walde Siana und auf den Inseln S. Girolamo, Franz, Veruda and 
Cielo; wird wohl nirgends fehlen! O März bis Mai; auch im Sommer und 
Winter (Bias. Tomm. 1837). 2—145 M. 

ß) major Koch. An wüsten Stellen, auf Gartenschutt gemein. O Das 
ganze Jahr (Freyn 1875). 2—170 M. 

133. St. Borreana Jord. pug. p. 33! Bor. 1. c. p. 104! S. pallida Pire; 
Alsine pallida Dum. — St. media var. apetala Auct. ex parte fide Uechtr.! 
Favr. exsic! — Die ganze Pflanze gelblich grün, mit vielen niedergestreckten 
oder aufsteigenden, ästigen, beblätterten einzeilig -zottigen Stengeln; Blätter 
eiförmig, gegenständig, in die gewimperten Blattstiele verschmälert, einnervig, 
stumpf bespitzt. Die Blüthen theils einzeln aus den Blattachseln und lang 
gestielt, theils an den Spitzen der Zweige gebüschelt und ungleich gestielt. 
Die Blüthenstiele sammt dem Kelch drüsig-behaart, immer aufrecht; 
die Kapsel wenig länger als der Kelch, nickend. — Die Samen 0"5 Mm. 
im Durchmesser, rundlich, seitlich zusammengedrückt, am Rücken mit 
einer deutlichen Reihe kurzer Dörnchen. — Blumenblätter fehlen. 
O März bis April. Auf sonnigen Hügeln, trockenen Grasplätzen, an Wegrändern 
in den Macchien, in der Umgebung von Pola gemein und wohl auch ander- 
wärts nicht fehlend (Freyn 1876). 2 — 40 M. — Hie von unterscheidet sich 
8. media durch zuletzt wiederholt gabelspaltigen, lockeren Blüthenstand, zurück- 
geschlagene Fruchtstiele, längere Kapseln, 10 Mm. im Durchmesser haltende, 
um Bücken mit vier deutlichen Reihen verlängerter Dörnchen versehene Samen. 

IM MoencJMa t/uaternella Ehrh., M. erecta F. W., Koch. — Auf 
Grasplätzen : bisher nur im V. Banden und auf Feuera, O Mai, Juni (Bias. 
Tomm. 1837). 2—10 M. n. v. 

185. CerastUvm glomeratum Thuill. Auf Aeckem, an wüsten Stellen 
überhaupt auf gelockertem Boden hie und da, stellenweise häufig: bei Dignano, 
Fasana, Pola, dann auf den Inseln Brioni magg., S. Girolamo, S. Marina und 



•) Siehe Nachtrag 



Die Flora von Süd-Ißtrien. 



293 



Cielo. O März bis Juni (Tommasini nach Bert. 1. c. IV, p. 747. — 1839). 
2-150 M. 

136. C. hvachypetalxim Desp. Auf sonnigen Hügeln, steinigen Gras- 
plätzen, in den Macchien, auf Brachäckern, am Festlande gemein und wohl auch 
auf den Inseln, obwohl noch keine Angaben von denselben vorkommen. © April 
bis Juni (Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. 

137. C. semidecandrum L. ß) glandulosum Koch. Auf sonnigen 
Hügeln, Brachäckern, an Wegen, beiDignano, Fasana und Pola; auch auf Brioni 
magg. und Veruda. © April bis Juni (Bias. Tomm. 1837). 2—150 M. 

138. C. ohscuruni Chaub., Boreau cent. fr. p. 111! — Uechtr. ex Wiesb. 
in Verh. der k. k. zool.-botan. Ges. XXV, p. 822 — 825! — C. glutinosum 
<x) öbscurum Koch syn. p. 105 ! — C. semidecandrum d) obscurum Kittel taschb. 
p. 1076! — C. glutinosum Boiss. fl. Orient. I, p. 724! — Dunkelgrün mit einem 
aufrechten oder mehreren (bis 80) aufsteigenden, ästigen, beblätterten und 
sammt Blättern und Inflorescenz reichlich drüsenhaarigen Stengeln. Blätter 
gegenständig; die grundständigen verkehrt eiförmig, in den langen Blattstiel 
verschmälert; die stengelständigen länglich- elliptisch, sitzend; alle stumpf und 
ausser den Drüsenhaaren noch von reichlichen drüsenlosen gewimpert. Blüthen- 
stand eine endständige, gabelspaltige Cyme, mit krautigen, unberandeten 
Deckblättern. Die Blüthenstiele etwa doppelt so lang als der Kelch, endlich 
zurückgeschlagen. Kelchblätter am Rande trockenhäutig, von den vier unge- 
wimperten Blumenblätter nur wenig überragt. — Staubfäden ungewimpert, 
8 (immer?), Griffel und Narben 4. Die Kaps el endlich gerade vorgestreckt, fast 
doppelt so lang als der Kelch, mit acht geraden, am Rande umgerollten 
Zähnen; diese etwa ein Fünftel von der Länge der Kapsel er- 
reichend. © März bis Mai. Auf Grasplätzen, in Macchien, auf Aeckern des 
Festlandes oft sehr häufig; auch auf Brioni magg., S. Girolamo, den Inseln 
bei Pola und Veruda, auf Trombolo, Cielo und S. Marina (Tommasini 1845). 
2 — 170 M. Wurde bislang mit der folgenden Art verwechselt und mehrere der 
eben angeführten Strandorte beziehen sich daher wahrscheinlich auf die letztere. 

139. C. pumilum Curt., Uechtr. ex Wiesb. 1. c. ! — C. glutinosum 
ß) pallens Koch syn. p. 105 ! Unterscheidet sich von der vorgenannten Art durch 
hellgrüne Farbe, schmal weisshäutig berandete Bracteen, kleinere Kelche und 
Samen, und zierlichere Tracht. © April, Mai. Auf Weiden, Triften, Aeckern, 
an Rainen, um Pola gemein und wohl überall im Gebiete. Auch weiter nord- 
wärts nicht selten: so bei den Ruinen von Due Castelli und überhaupt in der 
Draga unter Canfanaro und bis Rovigno herab. — Eine Vereinigung von C. pumi- 
lum mit C. obscurum ist unnatürlich, wenn man nicht auch C. semidecandrum 
mit einbezieht. 

140. C. triviale Lk. An Weg- und Strassenrändern, aufwiesen, Gras- 
plätzen, von Dignano und Montecchio an stellenweise bis Pa. Chermada; auch 
auf Levano grande, Fenera und Cielo. © April bis Juni (Bias. Tomm. 1837). 
2-150 M. 



294 



Josef Freyn. 



XI. Linaceae DC. 

141. Linum gallicum L. Auf sonnigen, buschigen Hügeln, in den 
Macchien, an Gebüschrändern, lichten Waldplätzen von Peroi und Dignano an 
über den Wald Siana bis Lissignano und Pa. Cherraada im westlichen Gebiets- 
theile gemein und stellenweise häufig. Auch auf beiden Brioni, Veruda, Feno- 
lego, S. Marina und Levano gr. Mai, Juni einzeln auch im Herbst (Zani- 
chelli 1722). 2-150 M. 

142. L. corymbulosum Rcb. An sonnigen, buschigen Stellen, in den 
Macchien, an lichten Waldplätzen bei Dignano, Peroi, Fasana, im Walde Siana, 
bei Pola (häufig), Altura, gemein auch in den südlichsten Theilen des Gebietes; 
dann auf beiden Brioni, Veruda und Levano gr. O Mai bis Juli (Benth. Bias. 
Tomm. 1837). 2-160 M. 

143. Zy. strictmn L. In den Macchien, in der Nähe der Küste stellen- 
weise : im V. Bandon, bei Pola, Veruda und Medolino ; auch auf beiden Brioni. 
O Mai bis Juli (Biasoletto 1828). 2—35 M. 

ß) spicatum Vis. fl. dalm. III, p. 218! Blüthen in einer verlängerten 
beblätterten Aehre oder Traube. — O Mai bis Juni. An sonnigen, steinigen 
Stellen der Macchien in der Umgebung von Pola nur stellenweise und zerstreut : 
im V. Fiori, V. Vergarola, am Mt. Rizzi und Mt. Michele; auch auf Brioni 
magg., S. Cattarina und Cielo (Weiss 1865). 2-25 M. 

144. L. tiocliflorum L. In Olivengärten, auf Brachäckern selten; bei 
Peroi, Marana, S. Pellegrino, Fasana, im V. Bandon, an der Eisenbahn bei Pola 
und auf Brioni magg. O Mai bis Juli (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—75 M. 

145. L. tenuifoliwm L. Auf sonnigen steinigen Hügeln, in den 
Macchien, auf Felsen am Festlande gemein; auch auf beiden Brioni, S. Giro* 
lamo, Veruda und Levano gr. % Juni bis Juli (Biasoletto 1828). 2—170 M. 

146. L. angustifolium Hds. Auf sonnigen, grasigen Stellen der 
Macchien, trockenen Grasplätzen, Wiesenrändern von Po. Marecchio und Peroi an 
längs der Westküste bis Promontore und Medolino; auch auf beiden Brioni, 
S. Girolamo, Veruda, Cielo, S. Marina und Levano gr. ©, % Mai, Juni 
(Bias. Tomm. 1837). 2 — 110 M. 

ß) cribrosum Freyn ined., L. cribrosum Rchb. fide Tommasini in litt. 
— Die Blätter mehr oder weniger reichlich durchscheinend punktirt, sonst wie 
vorige und unter derselben, auch bei Altura. © % Mai, Juni (Tommasini 
1853). 2-120 M. 

•() maximum Freyn ined. Bis 1 M. hoch, vielstenglig, grossblättrig, 
und von der Tracht des L. uHÜatissimum , aber mit den Charakteren und den 
kleinen Blüthen des L. awjmtifolium. © Juli. Bisher nur au lichten Stellen 
im Kaiaerwalde bei Pola (Freyn 1876). 45 M. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



295 



— L» usitatissimum L. — An wüsten und belaubten Stellen bisweilen 
eingeschleppt bei Brioni. Q Juli (Benth. Bias. Tomm. 1837). n. v. 

147. L. catharticnm L. Auf schattigen, buschigen Grasplätzen, bisher 
nur im Walde Siana. O Mai (Tommasini 1865). n. v. 

XII. Malvaceae R. Br. 

148. Malva silvestris L. Auf sonnigen Hügeln, Grasplätzen, an 
Wegen, in den Ortschaften gemein und häufig; auch auf fast allen Inseln. 
Mai bis August (Bias. Tomm. 1837). 2-170 M. 

149. *M* nicaeensis All. — An wüsten Stellen, Wegen, auf Schutt, 
besonders um die bewohnten Stellen hie und da, besonders jedoch um Pola. 
O Mai bis August (Bias. Tomm. 1837). 2—170 (?) M. — Gegenwärtig ist diese 
Art jedenfalls weit seltener, als vormals und ich selbst habe sie nicht lebend 
gesehen, wohl aber von Tommasini eine Probe von einem jener Exemplare 
erhalten, welche er 1837 gesammelt hat. Die Fruchtstiele sind, wie sie 
Visiani beschreibt, nämlich abstehend, und nur einzelne, weniger reife, sind 
gerade vorgestreckt; aufrechte habe ich nicht finden können. 

150. M. rotundifolia Hds. (1762), M. neglecta Wallr. (1824), M. vul- 
garis Fries (1828). An wüsten Stellen, in den Ortschaften, an Wegen ziemlich 
selten und sehr zerstreut: bei Peroi, am Bahnhofe bei Pola und in Altura. 
O Juni bis August (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—120 M. üeber die Nomen- 
clatur dieser Pflanze vergleiche Celak. prod. böhm. p. 515 ! 

— Alcea ficifolia L. Althaea roseay. ficifolia Vis. fl. dalni. III. 209! 
Auf Schutt, an Wegen und Strassenrändern um Pola hie und da verwildert. 
O Juli, August (Freyn 1876). 2 M. Jedenfalls nur Gartenflüchtling. 

151. Althaea officinalis L. An feuchten Stellen am stadtseitigen 
Ende des Prato grande bei Pola zahlreich , auch auf Klippen längs Canale di 
Veruda, jedoch nur vereinzelt. % Juli bis September (Tommasini 1845). 2 — 3 M. 

152. A» cannabina L. In Hecken, an Mauern und Gebüschrändern 
ziemlich zerstreut: bei Dignano, Fasana, im V. Bandon, bei Pola mehrfach; 
auch auf den Scoglien Zulkovac und Cielo. % Juni bis August (Benth. Bias. 
Tomm. 1837). 2—150 M. 

153. A» hirsuta L. Auf Schutt, Aeckem, an bebauten und unbebauten 
Stellen fast immer vereinzelt: bei Dignano, Pola, im Walde Siana, bei Altura, 
Fasana; auf Brioni magg. und S. Girolamo und wohl auch anderwärts. O Mai 
bis Juli (Benth. Bias. Tomm. 1837), 2—160 M. 

154. Hibiscus Trionum L. Auf Aeckern bei Dignano und Pola sehr 
selten. O September (Tommasini 1838). n. v. 



296 



Josef Frey 



— fl. syriacus L. Boiss. fl. or. I. 839! In Anlagen, als Hecken in 
Pola sehr häufig angepflanzt, fi Juli °i s September. 2—30 M. Blumenblätter 
gewöhnlich purpurroth, aber auch weiss. 

155. *Abutilon Avicennae Gärtn. An feuchten Stellen und Gräben 
der Wiesen: im V. ßancon und am Prato grande bei Pola truppweise. 
O August, September (Weiss 1866). 2—3 M. 

XIII. Hypericaceae DC. 

156. Hypericum veronense Schrk. = H. perforatum, ß) angusti- 
fdlium Vis. 1. c. III. 153! Auf sonnigen, steinigen Hügeln, im Gebüsche, an 
Rainen, auf trockenen Grasplätzen am Festlande gemein; auch auf beiden 
Brioni, S. Girolamo, auf den Inseln bei Pola und Veruda und auf S. Marina. 
% Mai bis August (Zanichelli 1722). 2-170 M. — H. perforatum fehlt im 
Gebiete und ist durch breitere Blätter und doppelt so lauge Kelchblätter als 
der Fruchtknoten, wie es scheint, constant verschieden. 

157. *H. perfoliatum L. Aschers, in Oesterr. botan. Zeitschr. XIX. 
p. 51! — H. ciliatum Lam., Boiss. fl. or. I. 812! — H. elegans Bertol. (nach 
Aschers.), Weiss in den Verh. der k. k. zool.-botan. Ges. in Wien. XVI, p. 572 
non Steph. — Ein- bis mehrstenglig , aufrecht, bis 1 M. hoch; in den Blatt- 
achseln immer sterile Zweiglein vorhanden, ausserdem oben (nicht immer) 
längere Aeste. Neben den blühenden Stengeln auch noch sterile viel schwächere 
und niedrigere vorhanden. Die Stengeln sämratlich stielrund, der 
ganzen Länge nach beblättert. Die Blätter gegenständig, convex, sitzend, aus 
herzförmigem Grunde elliptisch bis lanzettlich, stumpf spitzig, ganzrandig, 
durchscheinend punktirt, oberseits glänzend und dunkelgrün, unterseits matt 
und bleicher und längs des Randes mit zerstreuten schwarzen Drüsen. Blüthen 
zahlreich, an den Spitzen der Stengel und Aeste in rispenförmigen Trugdolden. 
Deckblätter klein, ei-lanzettförmig, gesägt und besonders am Grunde mit reich- 
lichen und langen drüsigen Fransen. Kelchzipfel eiförmig-lanzett, spitz, 
von einander entfernt, am Rande drü sig- fransig und überdies mit 
zerstreuten schwarzen sitzenden Drüsen bedeckt, von den gelben, verkehrt- 
eiförmig-keiligen, zerstreut schwarzdrüsigen Blumenblättern um das Doppelte 
überragt. Blumenblätter endlich braunroth , zusammengerollt, nicht ab- 
fällig. Staubfäden zahlreich, dreibundelig. Kapsel ei-kegelförmig, 
dreiklappig, dreifächrig, jedes Fach mit zahlreichen, längsgerieften, 
cylindrischen Samen. Die Klappen vom Griflelreste gehörnt, am 
Rücken mit zahlreichen rundlichen oder eiförmigen Bläschen bed.eckt, 
wovon die mittleren kleiner und undeutlich mehrreihig, die randständigen deut- 
lich grösser und einreihig sind. % Mai, Juni. In Laubwäldern, Hecken und 
Gebüschen des mittleren und nordöstlichen Theiles stellenweise sehr häufig: 
bei Carnizza, Marzana, Altura, im Walde Siana und am Mt. Grande und Prato 
grande bei Pola (Biasoletto nach Aschers. 1. c). 2—170 M. — II. elegans Steph. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



297 



unterscheidet sich durch eine andere Tracht, kleinere, höchstens 2 Cm. lange 
Blätter, oberwärts zweischneidige Stengel, einen fast traubig- rispigen Blüthen- 
stand und längliche, nur am Rande schwarzdrüsige Blumenblätter. — H. per- 
foliatum variirt sehr in der Blattgestalt, deren Extreme in nachfolgenden zwei 
Varietäten gekennzeichnet sind: 

ß) latifolium = H. ciliatum ß) latifolium Guss. enum. Inar. p. 63! 
Blätter länglich-eiförmig, bis 7 Cm. lang und 2 5 Cm. breit. — So im Kaiser- 
walde bei Pola nicht selten. 

y) angustifolium Freyn ined. Blätter länglich-eiförmig, nur 2*5 Cm. 
lang und 0*5 — 0'6 Cm. breit. Mit der vorigen. 

XIV. Aceraceae DC. 

— Acer Pseudoplatanus L. Als Alleebaum und in Parkanlagen in 
Pola hie und da angepflanzt, fi. April, Mai (Freyn 1874). 5 — 15 M. 

158. A. obtusatum Kit. = A. opulifolium ß) tomentosum Koch syn. 
p. 117! — A. opul. ß) obtusatum Vis. fl. dahn. III. 221! In Laubwäldern, 
Baumgruppen des nördlichsten Gebietstheiles selten: bei Dignano und Marzana. 
ti Mai (Sendtner 1841) 140 — 150 M. n. v. Bei Pisino! und Rovigno! kommt 
diese Art auch angepflanzt vor. A. opulifolium ist davon specifisch zu trennen ; 
dafür spricht ausser dem abweichenden Blattzuschnitt namentlich der Umstand, 
dass dessen Blätter unterseits in den Achseln der Adern bräun- 
liche dichte Haarbüschel tragen (ähnlich wie Tilia platyphyllos Scop.), 
was weder bei A. obtusatum noch A. neapolitanum vorkommt. Uebrigens sind 
die Blätter von A. opulifolium, wenigstens in der Jugend, unterwärts reichlich 
anliegend behaart, im Alter kahl oder zerstreut-haarig (nach Schweizer und 
pyrenäischen Exemplaren). — A. neapolitanum Ten. hat die Blattform von 
A. opulifolium, d. h. die Blätter sind am Grunde deutlich herzförmig (nicht 
beinahe kreisförmig abgerundet oder gar etwas keilförmig wie bei A. obtusatum), 
und die untersten zwei Lappen sind deutlich ausgeprägt, wenn auch viel 
kleiner, als die beiden vorderen (bei A. obt. undeutlich) (nach neapolitanischen 
Exemplaren leg. Levier). Im Uebrigen scheint A. neapol. von A. obtusatum 
nicht verschieden zu sein. 

— A. platanoides L. Als Alleebaum und in Parkanlagen in Pola 
öfter angepflanzt, April, Mai (Freyn 1874). 2—15 M. 

159. A» campestre L. In Hecken, Hainen, Gebüschen, Laubwäldern 
gemein und häufig, auch auf beiden Brioni, S. Girolamo, Sc. Franz, Veruda 
und Sc. Frascir. Mai (Bias. Tomm. 1837). 2 — 170 M. — Eine ungemein 
vielgestaltige Art, deren Formenkreis noch näher zu untersuchen ist. 

160. A. monspessulamum L. In Laubwäldern, Baumgruppen und 
Hecken stellenweise: bei Dignano, Galesano, Montecchio, im Walde Siana und 
bei Pola. tl März, April, weit früher als die anderen Arten (Biasoletto 1828). 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 38 



298 



Josef Frey 



25—140 M. Oft findet man am selben Baume Früchte mit parallelen und 
solche mit gekreuzten Fruchtflügeln. 

— A. Negundo L. In Parkanlagen und als Alleebaum in Pola hie 
und da angepflanzt, fi, April, Mai (Freyn 1874). 2—15 M. 

Meliaceae Juss. Endl. gen. plant, p. 1046—1047! 

— Melia Azedarach L. — Boiss. fl. Orient. I. 954! Baum mit 
abfälligen, doppelt-gefiederten Blättern, eiförmigen, grobgezähnten, glänzenden 
Blättchen; aufrechten langgestielten vielblüthigen Rispen und vollständigen 
Blüten; diese mit einem fünfspaltigen Kelch, fünf freien, spateligen, violetten 
ausgebreiteten Blumenblättern, 8 — 10 röhrenförmig verwachsenen Staubfäden, 
drei- bis fünffächrigem Fruchtknoten, einem Griffel, drei- bis sechsspaltiger 
Narbe. Steinfrucht fast kugelig, mit einer anfangs saftigen, endlich fast leder- 
artigen und braunen Schale. — Als Alleebaum und in Parkanlagen in Pola 
häufig angepflanzt, Mai, Juni (Freyn 1875). 2—30 M. 

XV. Ampelidaceae Humb. Bonpl. Knth. 

— Ampelopsis hederacea Michx. An Mauern und Felswänden, in 
Gartenanlagen vielfach angepflanzt und vollkommen eingebürgert in Dignano, 
Fasana und namentlich Pola. Juli (Freyn 1874). 2—140 M. 

161. Vitts vinifera L. In Hecken, Hainen, Wäldern oft zu den 
höchsten Baumwipfeln hinaufrankend, am Festlande gemein und häufig; jetzt 
wenigstens gewiss vollkommen wild, ob aber ursprünglich, wird wohl kaum zu 
eruiren sein. Auch auf beiden Brioni. Mai, Juni (Bias. Tomm. 1837). 
1 — 170 M. Wird auch viel gebaut; liefert aber trotz der günstigsten Vor- 
bedingungen wegen ungenügender Pflege und unrationeller Behandlung einen 
wenig haltbaren, herben, nicht schmackhaften Wein. Wo aber sachkundige 
Behandlung sowohl der Rebe als des Weines eingeführt ist, lässt das Product 
nichts zu wünschen übrig. 

XVI. Geraniaceae DC. 

162. Geranlum sanguineum L. An sonnigen, buschigen Stellen 
Und in den Dolinen selten und mehr im nordöstlichen Gebietsteile bei Dignano, 
Galesano, Marzana und Montecchio. % Mai, Juni (Bias. Tomm. 1837). 
100-170 M. 

168. G. pu&lllum L, An Wegen, auf Schutt, unter Gebüsch, stellen- 
weise bei Dignano, Pola, auf Brioni magg., Vcruda und Fenera. © April, Mai 
(Bim. Tomm. 1837). n. v. 

164. G, diHnectum L. Auf Grasplätzen, an Wegen, wüsten Stellen bei 
Dignano, Montecchio, Stignano, Pola, Veruda und Medolino; auch auf Brioni 
magg. und Fenera. © April bin Juni (Benth. Bias. Toniin. 1837). 2 — 150 M. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



299 



165. G. columbinum L. Auf Gras- und Schuttplätzen, Aeckern, in 
Hecken bei Peroi, Galesano, Altura, Pola, Stignano und Medolino; dann auf 
Brioni magg. O April bis Juni (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. 

166. 6r. rotundifolium L. Auf steinigen Hügeln, in Steinbrüchen, 
an Wegrändern, wüsten und bebauten Stellen hie und da in und bei Pola: als 
bei F. Giorgio, M. S. Michele, in den römischen Steinbrüchen und auf S. Marina. 
O April bis Mai (Tomraasini 1861). 10—35 M. 

167. G. molle L. ß) grandiflorum Vis. fl. dalm. Hl. 212! — 
G. motte Auct. nostr. Die Blumenblätter doppelt so lang als der Kelch, sonst 
nicht verschieden. O April bis Mai. — Auf sonnigen Hügeln, Schutt, an 
Wegen gemein und oft in so grosser Anzahl, dass ganze Strecken davon roth 
gefärbt erscheinen. Auch auf Brioni magg. und den Inseln bei Pola (Bias. 
Tom. 1837). 2—170 M. — G. villosum Ten. (non Rchb.) = G. molle ß) ma- 
cropetalum Boiss. fl. or. I. 882 (ex descr. et syn.) ist ausdauernd, hat die 
Tracht und Grösse des G. pyrenaicum und die Fruchtstiele sind etwa um die 
Hälfte länger, als die Frucht sammt Schnabel. Dagegen sind die Fruchtklappen 
ebenfalls schief- quer-runzlig, wie bei G. molle (nach den von Janka mitgetheilten 
Exemplaren aus dem südwestlichen Ungarn). Diese Art wäre im südlichen 
Istrien vielleicht noch zu finden. 

168. G» lucidum L. An schattigen und felsigen Stellen, in Gebüschen, 
auf Mauern stellenweise bei Dignano, Fasana, Stignano, Pola (an vielen Orten), 
in den römischen Steinbrüchen und bei Altura. O April bis Juni (Biasoletto 
1828). 2-160 M. 

169. €r. purpureum Vill. — Boiss. fl. or. I. 883! — G. robertianum 
ß) purpurea Vis. fl. dalm. IU. 213! — G. robert ß) parviflorum Viv. fl. lyb. ex 
G. G. fl. fr. I. 306! — G. robertianum Auct. istr. — Unterscheidet sich von 
dem sehr ähnlichen G. robertianum durch viel kleinere und schmälere 
Blumenblätter, welche höchstens um die Hälfte länger sind als der 
Kelch; und durch die zahlreichen dichter stehenden Runzeln der Frucht- 
klappen. O April bis Juni. In Gebüschen, Laubwäldern, auf Felsen, an 
Wegen stellenweise auf dem ganzen Festlande. Auch auf Brioni magg. und 
S. Marina (Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. G. robertianum L. erst bei Canfanaro! 

170. Erodium cicutarium L'Her. Auf Hügeln, Aeckern, an Wegen, 
Schuttstellen, in Weingärten, Gebüschen gemein — auch auf beiden Brioni, 
S. Girolamo. Veruda, Cielo und S. Marina. O und März bis Juni (Bias. 
Tomm. 1837). 2—170 M. — Diese Art ist sehr variabel; die Formen im ersten 
Frühling sind einfach, aufrecht, ein- bis zweiblüthig, kaum 3 — 5 Cm. hoch; 
die Sommerpflanze niederliegend, reich verästelt und vielstenglig, mit vielfach 
vertheiltem Laube, reichlich blühend und bis 50 Cm. lang. — Dazwischen 
finden sich alle möglichen Formen, die aber alle nur verschiedene Entwicklungs- 
stadien derselben Pflanze, und keine Varietäten sind. 

38* 



300 



Josef Freyn. 



E. moschatum, welches nach Reuss in Verh. der k. k. zool.-botan. 
Ges. in Wien. XVIII, p. 129 bei Pola wachsen soll, gehört wohl kaum zu der 
echten Art dieses Namens, sondern ebenfalls zu E. cicutarium. — E. moscha- 
tum Willd. wurde in Istrien bisher ein einziges Mal, und zwar bei Muggia 
gefunden und alle anderen Angaben über deren Vorkommen haben sich nicht 
bestätigt (Tommas. in litt.). 

171. JE. ciconium Willd. Auf sonnigen Hügeln, Grasplätzen, an Acker- 
rändern selten: bisher nur am Mt. Turco, am Castell, beim Marinespital und 
auf den Inseln im Hafen bei Pola, dann bei Lissignano. Q oder März bis 
Juni (Tommasini 1838). 2—30 M. 

172. E. malacoides Willd. Auf Grasplätzen und wüsten Stellen: am 
Castell, bei F. Max und am Sc. Franz bei Pola, dann auf Brioni miD. Q und 
Jänner bis Juni (Sendtn. 1841). 2—25 M. — Die Staubfäden sind keineswegs 
alle kahl, sondern fein- und sparsam gewimpert; auch ist der Fruchtschnabel 
nicht drei- bis vier-, sondern fünf- bis sechsmal so lang als die Carpelle. 

XVII. Oxalidaceae DC. 

173. Oxalis comiculata L. Im Gebüsch, an Wegen, auf Schutt 
stellenweise in Menge: bei Fasana, Stignano, Pola, Medoliuo, im V. Paschizza 
und auf Brioni min. O Mai bis August (Bias. Tomm. 1837). 2—15 M. 

Zanthoxylaceae Juss., Endl. gen. pl. p. 1145! 

— Ailanthus glandulosa Dsft. Ansehnlicher Baum mit abfälligen, 
gefiederten Blättern, zahlreichen elliptischen oder eiförmigen, am Rande spär- 
lich eingeschnittenen zweifarbigen Blättchen und zweihäusigen rispigen Blüthen. 
Die männlichen mit fünftheiligem Kelch, fünf freien lanzettlichen, zottigen, 
grünen Blumenblättern, zehn freien, unterständigen Staubfäden auf einer grund- 
ständigen Scheibe. Die weiblichen und zwitterigen mit gleichen Kelchen und 
Blumenblättern. Die Staubfäden bei den zwitterigen 2 — 3, bei den weiblichen 
fehlend. Fruchtknoten 2 — 5 sitzend, frei, einfächrig, eineiig, eingrifYelig mit 
kopfförmig< n Narben. — Flügelfrüchte 3—5 oder weniger, länglich, zusammen- 
gedrückt, häutig geflügelt, einsarnig. \i Juni. In Alleen und Parkanlagen in 
und um Pola sehr häufig angepflanzt und eingebürgert, obwohl erst seit etwa 
zwanzig Jahren eingeführt. Auch bei Brioni und Medoliuo (Freyn 1874). 2—35 M. 

XVIII. Zygophyllaceae B. «r. 

\\\ Tribulus terrest/ris L Aul' Schutt, an «rüsten Stellen, W.>g- 
rindeni Dicht gemein: am Bahnhofe hei Dignano, hei Pola hie u,nd da und 
zwischen den Werkstätten am Sc. Olivi. Q Mai bis August (Biasoletto 1828). 
2 146 M. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



301 



XIX. Rutaceae Juss.' 

175. JRuta divaricata Ten. B. graveolens Vis. fl. dalm. III. 236 ! Auf 
felsigen Stellen der Hügel, sehr selten. Bisher nur bei Carnizza und oberhalb 
F. Fisella bei Pola. Juni (Tommasini 1845). 5—170 M. 

176. jß. bracteosa DC. — B. chalepensis Vis. L c. p. 237! — In 
Steinbrüchen und Gebüschen, bisher nur auf Brioni min. fj, Mai, Juni (Freyn 
1875). 3—8 M. 

XX. Celastraceae R. Br. 

177. Evonymus europaeus L. In Laub wäldein, Hecken, Gebüschen, 
meist einzeln, aber gemein; auch auf Brioni magg. Mai, Juni (Weiss 1868). 

2— 170 M. 

— E. japonicas Thunbg. Durch stielrunde Zweige, immergrüne, 
verkehrt-eiförmige ganze Blätter leicht zu unterscheiden; wird bei Pola sehr 
häufig angepflanzt, fo, J uli (Freyn 1874). 2—50 M. 

XXI. Rhamnaceae R. Br. 

— Zizyphus vulgaris Lam. In Haus- und Weingärten hie und da 
angepflanzt, z. B. bei Dignano, Fasana und Pola. \i Juni (Weiss 1868). 

3 — 140 M. Die Früchte heissen Zezule (slav.) und werden gegessen. 

178. Paliurus australis Gärtn. (1788). — P. aculeatus Lam. Koch. 
— In Hecken, Gebüschen, auf sterilen Hügeln gemein und stellenweise jedes 
andere Gesträuch unterdrückend. Auch auf Brioni magg. Mai bis Juni 
(Zanichelli 1722). 2-170 M. 

179. Rhamnus intermedia Steud. Höchst, in Flora 1827, p. 74! — 
B. infectoria Koch, B. aclriaticus Jord. observ. (1849), p. 20! — Tommas. 
Veglia. p. 76 -77! — Auf sonnigen, unfruchtbaren Hügeln gemein und stellen- 
weise sehr häufig auch auf beiden Brioni und S. Girolamo. % Mai bis Juni 
(Zanichelli 1722 als B. catharticus minor Tournef. inst. 593). 2—170 M. — 
Steud. und Höchst, haben diese Pflanze nicht in Süd-Istrien. sondern bei 
Fiume angegeben und meine gegentheiligen Angaben a. a. O. beruhen auf einer 
Undeutlichkeit in meinen Notizen. Gleichwohl kann sich dieser Name nur auf 
B. infectoria Koch beziehen, weil sich einige Angaben der Beschreibung nur 
auf diese, nicht aber auf andere Arten beziehen können; so namentlich die 
Blattgestalt: „foliis obovato-rubrotundis", ebenso „die Rinde ist dunkelbraun, 
etwas ins Röthliche", endlich sagen die Autoren ausdrücklich, „caule erecto 
pumilo" und finden darin sogar ein Merkmal, um B. intermedia von B. saxa- 
tilis zu unterscheiden. Da sie weiters ihre Pflanze nur noch mit B. tinetoria Kit. 
(durch behaarte Blätter sogleich verschieden) und B. cathartica vergleichen und 
des B. infectoria gar nicht erwähnen, so liegt hierin ein weiterer Grund für 



302 



Josef Freyn. 



die Annahme, dass B. intermedia mit dem in Istrien so gemeinen B. in- 
fectoria Koch, somit auch mit B. adriatica Jord. identisch sei. Es waltet aber 
ein Umstand ob, welcher die Absonderung unseres B. infectoria von der echten 
Linne'schen Art in zweifelhaftem Lichte erscheinen lässt, wenn letztere wirk- 
lich Samen mit klaffender Rückenfurche hat, wie Jordan behauptet. — Die 
Samenfurche der istrischen Art ist — wie ich mich nun an reichlichem und 
reifen Material überzeugte, nicht — wie Koch und nach ihm Jordan sagt — 
geschlossen, sondern deutlich klaffend; früher hatte ich nicht genügend 
entwickelte Früchte untersucht, womit ich mich wegen der Uebereinstimmung 
des Resultates mit den anderen Angaben begnügen zu dürfen glaubte. — 
Wegen dieser Beschaffenheit der Früchte käme nun unsere Art dem B. saxa- 
tilis und B. tinctoria sehr nahe, ist aber mit keiner dieser beiden zu identi- 
ficiren. Mit B. saxatilis nicht, weil dieser ganz andere Wachsthumsverhältnisse 
und Belaubung besitzt; mit B. tinctoria nicht, aus denselben Gründen und 
überdies wegen der unterseits behaarten Blätter, der fast zottigen jungen Zweige 
und der gelblich- (nicht roth-) braunen Rinde dieser Art. — Ist nun die Angabe 
Koch's und der meisten Autoren über die Beschaffenheit der Samenfurche des 
echten B. infectoria L. richtig, so ist B. intermedia umsomehr eine eigene 
Art; hat jedoch Jordan Recht, so ist B. intermedia Synonym des B. in- 
fectoria L., zu welchem dann dennoch B. infectoria Koch und B. adriati- 
cus Jord. wegen des Standortes, aber mit Ausschluss der Beschreibung zu 
citiren wären. 

180. JS. cathartica L. In feuchten Hecken ungemein selten. Bisher 
nur einige Sträucher im V. Rancon und bei Sikic. Mai (Wawra 1875). 2 — 10 M. 

181. JB. Alatemus L. In den Macchien am Festlande sehr selten, nur 
einzeln im V. Fiori und bei Stignano; dagegen sehr häufig im südlichen Theile 
von Brioni magg. ti April (Biasoletto 1828). 2—25 M. 

XXII. Anacardiaceae Lindl. — Endl. gen. pl. p. 1127! 

182. JPistacia Terebinthus L. Auf steinigen Hügeln, in den Macchien, 
an Waldrändern von Peroi über Galesano, Bosco Munisca und Altura zum 
Canale Bado einerseits und südwärts bis Medolino gemein; auch auf beiden 
Brioni und Veruda. fe April, Mai (Zanicheiii 1722). 2-125 M. 

183. P. l Amtisens L. Auf sonnigen, unkultivirten Hügeln, oft ein 
Hauptbestandtheil der Macchien, von Carnizza, Montecchio, Galesano und Peroi 
an südwärts bis Pa. Chermada gemein; auch auf beiden Brioni, S. Girolarno, 
Co ada und den [nseln bei Veruda. \, April bis Mai (Zanicheiii 1722). 2—100 M. 

XXIII. Papilionaceae L. 

i-i. SparHum junceivm L. Auf sonnigen, Bteinigen Bügeln, in 
Herken, Gebüschen, stellenweise ein Hauptbestandtheil der Macchien von 
Pa. Barbarigo über Galesano, den M. Daniele, Altura und Montecchio bis zur 



Die Flora von Süd-Istrien. 



303 



Ostküste und südwärts ebenfalls bis zum Meere; auch auf beiden Brioni, 
S. Girolamo, Cosada, Veruda, Sc. Frascir, Cielo und Levano gr. Mai bis 
Juni; einzeln bis in den Herbst (Biasoletto 1828). 2—120 M. 

185. Genista tinctoria L. In Waldgebüschen und auf Wiesen, bei 
Marzana, im V. Bado, im Walde Siana und am Prato grande bei Pola. Juni 
(Sendtner 1841). 2—145 M. 

186. G» elatior Koch. In Macchien, Hecken, an Wald- und Gebüsch- 
rändern stellenweise bei Dignano, Montecchio, im Walde Siana, bei F. Stoje 
Musil (grosse Sträucher); dann auch auf beiden Brioni, Veruda, Levano gr. und 
Fenera. Mai, Juni (Zanichelli 1722). 2—150 M. 

G. vir g ata Bias. in Rchb. fl. excs. Nr. 3343 (sub G. sibirica), gehört, 
insoweit die istrische Pflanze gemeint ist, zu G. elatior Koch (Tommas. mscpt). 

187. Cytisus argenteus L. Auf steinigen, buschigen Hügeln sehr 
selten und zerstreut zwischen Po. Marecchio und Peroi, zwischen Fasana und 
Dignano, am Mt. Grande und bei F. Casonivecchi nächst Pola. 2J. Mai (Benth. 
Bias. Tomrn. 1837). 30-150 M. 

C. sagittalis M. K. ist früher einmal bei Pola vorgekommen, weil 
sich ZanichellTs chamaegenista caule foliato C. Bauh. pin. 396 nur auf diese 
Art, nicht aber auf Genista tridentata L. beziehen kann, insofern es eine 
istrische Pflanze sein soll (Tommas. mscpt.). 

188. C. capitatus Jcq. An Gebüschrändern bei Galesano. ti J uß i 
(Tommasini 1864). n. v. Ist schon bei Rovigno gemein. 

189. *Ziupinus hirsutus L. — L. varius Bias. nach Rchb. fl. excurs. 
3485 fide Tommas. — In Getreidesaaten, Weingärten, auf Brachen hie und da, 
stellenweise zwar sehr häufig, an anderen Orten aber auch ganz fehlend. Meist 
nahe der Küste bei Peroi, Fasana, im V. Bandon, bei Pola (an einigen Stellen), 
F. Max, F. Stoje Musil, Sikic, Veruda, Pomer und Medolino. Dann auf den 
Inseln Brioni magg., Orsera, Fenolego, Trombolo, Cielo, S. Marina und Levano gr. 
O Mai, Juni (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—50 M. 

190. X. albus L. Neilr. Croat. p. 240! - Boiss. fl. Orient. H. 29! — 
Stengel aufrecht, krautig, sammt den Blattstielen und der Blattunterseite an- 
liegend und fast seidig behaart. Blätter gefingert, aus 5—7 länglich-verkehrt- 
eiförmigen, kurzgestielten oberseits kahlen Blättchen zusammengesetzt, das 
längste Blättchen kaum halb so lang wie der Blattstiel. Blüthen in kurz- 
gestielten lockeren Trauben. Deckblättchen hinfällig, elliptisch, stumpf, viel 
kürzer als das Blüthenstielchen. Kelch deckblattlos, mit ungetheilter oder 
kurz zweizähniger Oberlippe. Unterlippe etwas länger, ungetheilt (nach italieni- 
schen Exemplaren) , Hülsen aufrecht, steif haarig, mit gelblich weissen, rund- 
lichen, zusammengedrückten Samen (nach Neilr.). O Mai bis Juni. — Auf 
Aeckern sehr selten: Am Mt. Foiban bei Pola und bei Pomer (Weiss 1868). 
Bis 30 M. n. v. — Vielleicht doch nur zufällig. 



304 



Josef Frey n. 



— i k Termis Forsk. Bois. fl. or. II. 29! — L. albus Freyn exsic. 
non L. — Stengel aufrecht, krautig, sammt den Blattstielen und der Blatt- 
unterseite anliegend-, fast seidig behaart. Blätter gefingert, aus 5 — 7 länglich 
verkehrt- eiförmigen, oberseits fast kahlen Blättchen gebildet, deren längstes 
fast so lang, wie der Blattstiel ist. Blüthen in sehr kurz gestielten, lockeren 
Trauben , wovon die unteren an den fast gabeligen Verästelungsstellen des 

Stengels beinahe terminal stehen. Deckblättchen abfällig Kelch 

an den Einschnitten der 0,ber- und Unterlippe mit lanzettförmi- 
gen, bleibenden Deckblättchen. Beide Kelchlippen ungetheilt, 
die Unterlippe etwas länger, als die obere. Hülsen aufrecht, dicht steif haarig. 
Samen (nach Boiss.) zusammengedrückt, weiss. Blumenblätter weiss, an der 
Spitze bläulich. © Mai bis Juni. Auf Aeckern bei Marzana gebaut oder ein- 
geschleppt (Freyn, Marchesetti, Tomm. 1875). 125 M. 

191. Ononis antiquorum L. — Boiss. fl. Orient. II. 57! — 0. spinosa 
Auct. istr., an Vis.? — Aus holziger hinabsteigender Wurzel mehrstengelig. 
Stengel bis 1 M. hoch, aufrecht oder aufsteigend, hart, unten verholzt, meist 
der ganzen Länge nach ästig. Die unteren Aeste jedoch kurz, die mittleren 
oft ruthenförmig verlängert. Stengel, Aeste und Zweige in stechende 
Dornen endigend, reichlich beblättert, die jüngeren rundum mit kurzen 
drüsentragenden, und einzeilig mit längeren zottigen Haaren 
bekleidet. Die unteren Blätter mit drei stumpf- elliptischen Blättchen, deren 
mittleres länger gestielt ist; die oberen Blätter oft ungetheilt, immer jedoch 
mit schmäleren Blättchen, als die unteren. Alle Blättchen reichlich gezähnt 
und sammt den eiförmigen Nebenblättern, den Kelchen und selbst 
den (rosenrothen) Blumenblättern von zahlreichen sitzenden und 
gestielten Drüsen beinahe schmierig. Blüthen einzeln aus den 
Blattachseln auf kurzen Zweigen, deshalb eine armblüthige, beblätterte 
Traube vorstellend. — Blüthenstiele viel kürzer als der Kelch. Hülsen 
schief -eiförmig, seitlich etwas zusammengedrückt, drüsig-haarig, mit 
1 — 2 knotig-rauhen Samen, kürzer als der Kelch. 2J. und fi Mai bis 
September. — Auf sonnigen, steinigen Hügeln, Wiesen, Grasplätzen, an Wegen, 
Wald- und Ackerrändern des Festlandes höchst gemein und stellenweise lästig 
und sehr zahlreich. Auch auf beiden Brioni und Levano gr. (Benth. Bias. 
Tomm. 1887). 2—170 M. — 0. antiquorum Bertol. fi. ital. gehört zum Theile 
sicher liiclier, dagegen ist 0. antiquorum Koch syn. p. 136! und Vis. fl. dalrn. 
HL 2781 offenbar mit der ähnlichen, aber glatte Samen tragenden O.leiosperma 
Boiss. fl. or. IL 57 identisch. 

P) albiflora Freyn exsicc. — Die ganze Pflanze hellgrün, die Blüthen 
weiss, sonst Dicht verschieden. Bisher nur an Gebüschrändern und auf Gras- 
plätzen bei F. Stoje Musil und im Kaiserwalde bei Pola (Wawra 1874). 3-— 40 M. 

102. O, foetens All. — Au« holziger, hinabsteigender Wurzel mehr- 
itengelig. Die Stengel bis 60 Cm. hoch, aufrecht oder aufsteigend, höchst 
leiten am Grunde mit vereinzelten Wurzelfasern ; der ganzen Länge nach mit 



Die Flora von Süd-Istrien. 



305 



sehr kurzen, schwachdornigen oder unbewehrten Zweigen, seltener die mittleren 
und oberen etwas verlängert. Stengel und Aeste reichlich beblättert, die 
jüngeren abwechselnd einzeilig zottig behaart. Die Blätter sehr 
kurz gestielt und verhältnissmässig sehr gross (oft doppelt so lang als das 
blattachselständige Zweiglein); aus drei elliptischen, stumpfen und am Rande 
gezähnten Blättchen gebildet, von denen die beiden seitlichen bald abfallen, so 
dass die unteren Blätter scheinbar nur aus einem einzigen Blättchen bestehen: 
die obersten Blätter jedoch wirklich nur von einem Blättchen gebildet. — Die 
Nebenblätter schief eiförmig, oft bis zum Grunde der Blättchen hinaufreichend; 
alle sammt den Blättern, den Blüthentheilen und den oberen 
Stellen des Stengels und der Zweige reichlich mit Drüsenhaaren. 
Blüthen an den Spitzen der Zweige und Stengel in dichten be- 
blätterten eiförmigen, am Grunde manchmal unterbrochenen, 
häufig jedoch kopfförmigen Trauben. Die einzelnen Blüthen kurz 
gestielt; die Blumenblätter sehr gross, bis doppelt so lang als der Kelch, 
rosenroth. Die Hülsen schief-eiförmig, zusammengedrückt, so lang oder kürzer, 
als der Kelch, drüsig-haarig mit drei knotig -rauhen Samen. % Juni bis 
September. — Bisher nur auf der feuchten Wiese Prato grande bei Pola 
(Freyn 1876). 3—4 M. — Nach der von Bertoloni in der Flora italica bei 
seiner 0. antiquorum über 0. foetens All. gemachten Notizen , scheint mir 
unsere Art ziemlich zweifellos zu letztgenannter zu gehören, was auch mit den 
Angaben Kern er' s sich gut vereinigen lässt, welcher übrigens in der Oesterr. 
botan. Zeitschr. XVIII, p. 351 ! 0. procurrens Wallr. als Synonym betrachtet. — 
Ich lege namentlich auf den Umstand Gewicht, dass die von Kerner als 
0. procurrens bezeichnete Pflanze der 0. hircina sehr ähnlich sein soll (was 
auch Bertoloni von 0. foetens All. sagt); die Angaben der Flore de France 
passen hingegen gar nicht befriedigend, denn der Stengel der 0. procurrens 
soll hiernach niederliegen, an der Basis wurzeln und gleichmässig behaart sein ; 
ausserdem soll die Pflanze kriechen und lange unterirdische Ausläufer besitzen. 
Am besten passt noch die Beschreibung der 0. repoxs Vis. fl. dalm. III. 274, 
allein auch diese Art hat ausgebreitete Stengel, was hier nie vorkommt. — 
Die Aufklärung des wirklichen Sachverhaltes muss demnach der Zukunft vor- 
behalten bleiben. 

193. *0. reclinata L. Auf sonnigen Hügeln, trockenen Grasplätzen, in 
den Macchien stellenweise häufig: so an der Westküste von Peroi bis Medolino, 
am Mt. Pero und M. Daniele bei Pola; auch bei Galesano, Altura, dann auf 
Brioni magg., Veruda, Cielo und Levano gr. O Mai bis Juli (Zanichelli 1722). 
2—120 M. 

194. Anthyllis Vnlneraria L. y) rubriflora Koch {A.Dillenii Schult). 
Auf sonnigen, steinigen Hügelu, in den Macchien gemein und stellenweise sehr 
häufig; auch auf beiden Brioni, S. Girolamo, Cosada, Veruda, Fenolego und 
Cielo. 2L Mai, Juni (Biasoletto 1828). 2—170 M. — Eine wahre Zierde der 
istrischen Flora, und vielleicht doch besser als eigene Art zu behandeln. 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 39 



306 



Josef Freyn. 



8) polyphylla DC. Auf Wiesen und Grasplätzen raeist vereinzelt und 
wirklich selten: bei Fasana, Stignano, B. Corniale nächst Pola, Veruda; dann 
auf Brioni magg. und Trombolo. % (O?) Mai (Bias. Tomra. 1837). 2—15 M. 

195. *Hymenocarpus circinnata Savi, Godr. in Gr. Gr. fl. fr. I. 382! 
— Medicago circinnata L., Koch. Auf Grasplätzen und wüsten Stellen selten; 
bisher nur bei Promontore und am Damrae bei Pomer. O April, Mai (Sendt. 
Papp. 1843). n. v. 

196. Medicago sativa L. Auf Hügeln, an Wegen, Rainen, wüsten 
Stellen — am Festlande allenthalben aber zerstreut und vielleicht nur durch 
Kultur eingeführt. % Mai bis August (Bias. Tomm. 1837). 2—150 M. 

ß) versicolor Koch. An Strassenrändern Via S. Polycarpo in Pola. 
2J. August (Freyn 1875). 2 M. 

197. M. falcata L. Auf sonnigen Stellen, Hügeln, Wegen, selbst den 
Klippen des Meeresstrandes gemein; auch auf beiden Brioni, Cosada und den 
Inseln bei Pola (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. 

ß) versicolor Koch. An Rainen bei Pola. % (Wawra 1874). 
y) major Koch. Auf Schutt, lockerem Boden, an wüsten Stellen, um 
Pola an vielen Orten. % Sommer (Freyn 1875). 2—50 M. 

198. M. prostrata Jcq. Auf sonnigen, steinigen Hügeln, Grasplätzen 
von Dignano über den Wald Siana, Pola bis Pa. Chermada und zur Westküste 
stellenweise häufig; auch aur Brioni min. % April bis Juni (Blas. Tomm. 1837). 
2-160 M. 

199. M% lupulina L. Auf lockerem Boden, Schutt, an Wegen und 
auf Grasplätzen gemein; auch auf Brioni min. O Mai bis Herbst (Bias, Tomm. 
1837). 2—170 M. 

ß) Willdenoioiana Koch. Auf gelockertem Boden: am Bahnhofe bei 
I)ignano und am Prato grande bei Pola und wohl auch anderwärts. O Juni 
bis August (Weiss 1868). 2-145 M. 

200. * M. scuteüata All. In Getreidesaaten zwischen F. Casonivecchi 
und den römischen Steinbrüchen und gegen Canale di Veruda. Mai bis 
Juni (Weiss 1808). 5—15 M. 

201. M> orbicularis All. ampl. - 71/. ambigua Jord., Boreau fl. ccnt. 
p. H7! — M. orbicularis und M. marginata Auct. Auf sonnigen, grasigen 
Bfigeln, an Ackerrändein, selbst in den Saaten gemein und häufig; auch auf 
beiden Brioni und Veruda. Mai, Juni (Bias. Tomm. 1837). 2-170 M. Jeder, 
d<-r noch versucht hat, M. orbicularis von M. marginata zu unterscheiden, 
wird «las Mlsslicbe dieses Beginnens herausgefühlt haben - weil der einzige 
Unterschied beider angeblicher Arten in den fast aufeinander liegenden Hülsen- 
wiiolungen des M. orbiculariM und den abstehenden Rändern an den Hülsen 

dcH M marginata bestehen soll. - Nun lehrt aber die Beobachtung am 



Die Flora Ton Süd-Istrien. 



307 



Standorte, dass die Hülse jedes beliebigen M. orbiculata anfänglich ausserordent- 
lich weit von einander abstehende Windungen hat, so dass sie einer gestreckten 
Spirale gleicht. Mit zunehmender Reife ziehen sich die Windungen allmälig 
zusammen und durchlaufen alle Entwicklungsstadien , bis sie endlich hart 
aneinander liegen und ihre Ränder nirgends klaffen. Thatsächlich verwandelt 
sich jeder M. marginata endlich in M. orbicularis und beide Namen beziehen 
sich deshalb nur auf verschiedene Entwicklungsstadien einer und derselben 
Pflanze, weshalb es vielleicht gerathen wäre, doch den Jordan'schen voran- 
zustellen. 

202. *M. tubercalata Willd. In Getreidesaaten, an Ackerrändern, 
gewöhnlich in grossen Heerden, namentlich um Pola: so im V. Lovina, bei 
F. Max, am Mt. S. Michele und Mt. Turco ; dann auch längs Canale di Veruda, 
bei Medolino, Lissignano und auf Levano pic. Mai bis Juli (Tommasini 
1840). 2—35 M. 

203. *3£» tribuloides Desr. bei Lam. Auf grasigen und felsigen 
Stellen, nur am Meeresstrande, Dicht gemein: im V. Bandon, V. Rancon und 
V. Fiori; dann häufiger auf den Inseln Brioni magg., bei Pola, auf Veruda, 
beiden Levano und Fenera. Q April bis Juni (Bias. Tomm. 1837). 1—5 M. 

204. 31. littoralis Rohde bei Lois. An grasigen und schotterigen 
Stellen des Meeresstrandes bei Fasana, F. Stoje Musil, im Arsenal bei Pola 
und auf Pa. Chermada; auch auf Brioni magg. O Mai bis Juli (Sendt. und 
Papp. 1843). 3—5 M. 

205. M, rigidula Desr. ex Garcke. nord. p. 96! — 31. Gerardi W. K. 
Koch. — Auf sonnigen, trockenen Grasplätzen, an wüsten Stellen, in den 
Macchien gemein und oft in grosser Menge; auch auf fast allen Inseln. O Mai 
bis Juli (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. 

206. *M. disciformis DC. Auf Felsen am Meeresstrande im Hafen 
der Insel Brioni minore. O Mai bis Juni (Freyn 1875). 2 — 3 M. 

207. M. cordata Desr. ex Vis. fl. dalm. III. 282! — M. maculata Willd., 
Koch. — 31. arabica All. ex Garcke. — Auf Grasplätzen, an Wegrändern, in 
Gebüschen gemein und oft sehr häufig. Auch auf beiden Brioni, den Inseln 
bei Pola und Veruda, endlich auf Levano gr. O April bis Juni (Biasoletto 1828). 
2-170 M. 

208. 31. minima Lam. Auf sonnigen Hügeln, trockenen Grasplätzen, 
in den Macchien ungemein häufig, auch auf fast allen Inseln. O April bis 
Juni (Biasoletto 1828). 2—170 M. 

ß) molissima Koch. Auf Grasplätzen bei Brioni. O April (Tomma- 
sini 1839). 

209. M. hispida (Gärtn. ampl.) Garcke nordd. 95! — In Getreide- 
saaten, an wüsten Stellen, auf Schutt gemein. O April bis Juli (Bias. Tomm. 
1837). 2—170 M. 

39* 



308 



Josef Frey n. 



ß) apiculata Garcke 1. c. — Viel seltener als vorige Form, jedoch im 
ganzen Gebiete. Mai bis Juni (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. — M. denti- 
culata und M. apiculata können als Arten unmöglich aufrecht erhalten werden, 
da eben eine Grenze zwischen beiden nicht besteht indem die Länge der Dörn- 
chen ungemein veränderlich ist. 

210. *Trigonella gladiata Stev. Auf steinigen Grasplätzen in den 
Macchien selten: bisher nur bei B. Monumenti, bei Veruda und auf Brioni 
magg. O Mai bis Juni (Tommasini 1840). 3—15 M. 

211. T. monspeliaca L. Auf sonnigen, steinigen Hügeln, trockenen 
Grasplätzen selten: im V. Bandon, bei Stignano, am Mt. Zaro bei Pola und 
auf Brioni magg. O Mai (Biasoletto 1828). 2—25 M. 

212. T. omithopodioides DC, Godr. I. c. I. 398! Stengel 5—20 Cm. 
lang, beblättert, aufrecht oder niederliegend, ästig, wie die ganze Pflanze 
kahl! Die Blätter derb, glänzend, glatt mit drei keilförmigen Blättchen; 
letztere gestutzt oder ausgerandet, sägezähnig. Nebenblätter lanzett-pfriemlich, 
ungetheilt. Blüthen 1—5 in kurz oder selten länger gestielten, 
blattachselständigen Dolden. Kelchzähne fast gleich, länger als 
die Röhre. Blumen klein, röthlich (Godr.) oder weiss (Tommas.). Die Fahne 
länger als die Flügeln; letztere kürzer als das spitze Schiffchen. Hülsen 
6—7 Mm. lang, stumpf, lineal, nervenlos, aufwärts gebogen. Samen 
klein, eiförmig, weder ausgerandet noch gestutzt, glatt, marmorirt. (Nach 
Godr. 1. c. verglichen mit englischen Exemplaren). O Mai. Auf Grasplätzen, 
Rainen bei Fasana (Loser 1861). n. v. — Was ich unter diesem Namen durch 
Marchesetti von Rovigno mitgetheilt erhielt, ist alles nur T. gladiata. 

213. *T. corniculata L. Auf wüsten Stellen und Grasplätzen bei 
Pola jedenfalls nur eingeschleppt und vereinzelt; dagegen sehr zahlreich am 
Sc. Levano picc. O Mai, Juni (Huter und Reuss 1867). 2—5 M. 

214. Me/Motus albus Desr. Auf Schutt, an wüsten Stellen, Gräben 
sehr selten: bisher nur bei Pola, z. B. beim Marine-Spital und am Prato grande. 
O Juli, August (Weiss 1868). 2-20 M. 

215. ->/• Offlcinalis Desr. Auf Hügeln, Wiesen, an Wegen, wüsten 
und bebauten Stellen, am ganzen Festlande geraein und stellenweise sehr häufig; 
auch auf Brioni magg. O April bis Herbst (Tomraasini 1837). 2—170 M. 

2](j. M. Tom iHushiu A. Jord. pug. 55! Mchrstenglig; Stengel auf- 
recht oder aufsteigend, ästig, bis 50 Crn. hoch, beblättert, kahl. Blätter gestielt, 
am Grunde etwas behaart, aus drei Blättchen zusammengesetzt, wovon das 
mittlere länger, die seitlichen jedoch sehr kurz gestielt sind. Blättchen der 
Unteren Blatter grösser, bis 2 Cm. lang und 1*3 Cm. breit, elliptisch oder 
verkehrt-eiförmig, meibt nur an der oberen Hälfte des Randes gezähnt; jene 
der oberen Blätter kleinerund namentlich viel schmäler, evident keil- 
förmig. Nebenl.lättrr lanzettlich, zugespitzt, ganzrandig, oder eiförraig-lanzett 



Die Flora von Süd-l6trien. 



309 



mit 1 — 2 Zähneu. Blüthen winzig, sehr zahlreich in anfänglich dichten, 
endlich aber sehr verlängerten einerseitswendigen blattachsel- 
ständigen Trauben. Kelch glockig mit fast gleichen Zähnen, nur der unterste 
kürzer und schmäler; Blumenblätter anfänglich dottergelb, später blasser, 
ziemlich gleichlang, nur die Fahne etwas länger. Hülsen einsamig, hän- 
gend, rundlich, zusammengedrückt, ganz stumpf, jedoch mit einem 
kurzen Griffelreste, an den Seiten netzig-rundlich. Samen fast glatt, 
O Mai, Juni (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—30 M. Hiemit ist unbediogt auch 
31. parviflorus der hiesigen Flora, sowie jener des Quarnero zu vereinigen, 
somit auch 31. parviflorus Koch syn. p. 144. Der echte 31. parviflorus Desft. 
hat einen compacten Blüthenstand und nach Tommasini in litt, auch andere 
Blätter. — NachYisiani fl. dalm. suppl. p. 143! wäre jedoch 31. Tommasinii 
Synonym des 31. parviflorus. 

217. M. sulcatus Desft. — 31. gracilis Tommas. exsic. aus Süd-Istrien! 
An bebauten Stellen bei Medolino. O Juni (Tommasini 1864). — M. gracilis 
von der Insel Sansego ist dagegen die echte Art dieses Namens; vergleiche 
auch Koch syn. p. 144. — Selbst wenn die Früchtchen noch nicht genügend 
entwickelt sind, kann man 31. sulcatus an den vielfach und pfriemlich-gezähnten 
Nebenblättern von M. Tommasinii leicht unterscheiden. 31. compacta Salzm., 
welcher von vielen Autoren ebenfalls zu M. sulcata gebracht wird, hat beinahe 

dreimal so grosse Blüthen, welche in einer dichten Aehre beisammen stehen. 

218. Trifolium pallidum W. K. (T. flavescens Savi). Auf sonnigen, 
buschigen Grasplätzen, an Acker- und Gebüschrändern am Festlande gemein 
und stellenweise häufig; auch auf beiden Brioni und Levano gr. Mai bis 
Juli (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. 

219. T. pratense L. Auf feuchten Wiesen, bisher nur im V. Bancon 
und am Prato grande bei Pola. % Juni, Juli (Weiss 1868). 2—5 M. 

ß) austräte Freyn. mscpt. — Weicht von der typischen Form durch 
immer einzeln stehende Köpfchen, und stärkere, oft dichte und abstehende 
Bekleidung mit Zottenhaaren ab. % April, August. — An Gebüschrändern, 
lichten Waldplätzen, in den Macchien zwar allenthalben, aber nirgends häufig 
(Tommasini 1840). 2—170 M. — Diese Pflanze ist das T. pratense der hie- 
sigen Autoren ; sie nähert sich aber in manchen Merkmalen dem T. expansum W. K. ! 
welches gleichwohl davon verschieden ist, obwohl auch bei dieser Art die Be- 
haarung wechselt. T. prent, ß) flavicans Vis. fl. dalm. III. 294 ist schon wegen 
der Blüthenfarbe etwas Anderes. 

220. T. rubens L. An buschigen Stellen der Grasplätze im nord- 
östlichen Gebietstheile: bei Carnizza. Marzana und Altura. % Mai, Juni 
(Tommasini 1845). 85—170 M. 

221. T. ochroleucum L. An Gebüschrändern, auf steinigen Gras- 
plätzen nicht häufig und zerstreut bei Peroi, Galesano, im Walde Siana, bei 



310 



Josef Freyn. 



Pola (Tivoli), F. Stoje Musil, im V. Bandon und bei Fasana. % Juni (Berith. 
Bias. Tomm. 1837). 3—120 M. 

222. *T. maritimum Hds. Bisher nur auf der feuchten Wiese im 
V. Eancon. O Mai (Loser 1861). 2—3 M. — Die Behaarung des Kelches 
dieser Art ist sehr veränderlich. 

223. T. supinum Savi. — Vis. fl. dalm. III. 290-291! — Boiss. fl. 
Orient. II. 126! Ein- bis mehrstenglig. Stengel niederliegend oder aufsteigend, 
ästig, beblättert, angedrückt behaart. Blätter alle abwechselnd, lang gestielt 
mit drei elliptischen oder länglichen Blättchen, alle fast sitzend, gewimpert, 
beiderseits angedrückt-behaart, die unteren an der Spitze abgerundet, die 
oberen kurz bespitzt. Nebenblättchen lineal, spitz, die unteren fast 
pfriemlich- verschmälert, alle stark gewimpert, dreinervig. Blüthen in 
eiförmigen, end- oder s eiten ständigen langgestielten unbehüllten 
Köpfchen. Kelche kahl, zehnnervig, mit fünf langen, pfriemlichen, einnervigen, 
gewimperten Zähnen, am Schlünde durch einen gewimperten knorpeligen 
Wulst geschlossen. Blumenblätter rosenroth, die Fahne viel länger, 

als Flügel und Schiffchen. Hülse O Mai. In einer feuchten 

Niederung am Meere bei Medolino (Tommasini 1869). 2 M. Die hiesige Pflanze 
hat nicht so schmale Nebenblätter wie die italienische. 

224. T. incamatum L. Auf der Wiese unter St. Zampanose einzeln; 
hie und da auch auf Schutt und manchmal gebaut. O Mai (Strobl 1871). 10 M. 

ß) Molinieri Serg. — Vis. fl. dalm. III. 290! — T. incamatum Aut. istr. 
— Auf Wiesen, Grasplätzen, in den Macchien gemein, stellenweise in grosser 
Menge, auch auf fast allen Inseln. Q Mai, Juni (Biasoletto 1828). 2-170 M. 

225. T. stellatum, L. Auf sonnigen Hügeln, in den Macchien, auf 
trockenen Grasplätzen des westlichen Gebietstheiles von Po. Marecchio und 
Dignano bis Medolino überall und meist in Menge, auch auf fast allen Inseln. 
O April bis Juni (Bias. und Sternbg. 1825). 2-170 M. 

226. T. cmgU8Ufoliwm L. An den gleichen Orten, wie T. stellat. 
und ebenso gemein. Mai, Juni (Biasoletto 1828). 2 — 150 M. 

227. T. lappacewn L. Auf Grasplätzen, in den Macchien von Peroi 
über Galesano, den Mt. Daniele und Altura bis Medolino gemein und stellen- 
weis.- sehr häufig. Auch auf beiden Brioni, Sc. Franz, Veruda, Levano gr., 
Trombolo, S. Marina und Fenera. Mai, Juni (Biasoletto 1828). 2-120 M. 

228. *T. Cherleri L. An sonnigen, steinigen Stellen der Macchien 
und Hügeln oft in Menge: von Fasana an über Stignano und Pola bis Pro- 
rnontore, Medolino und Altura aber nicht zu entfernt von der Küste. Auch 
auf beiden Brioni, Veruda, Troiubolo, Cielo, S. Marina und Fenera. Mai, 
Juni (Biasoletto 1828). 2-50 M. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



311 



229. T. arvense L. Auf sonnigen Hügeln, an Wegen, auf Aeckern 
und Schutt am Festlande gemein, jedoch nicht so häufig wie anderwärts; auch 
auf beiden Brioni, S. Girolamo, Cosada, S. Cattarina, Cielo, S. Marina und 
Levano gr. Mai bis August (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2-170 Bf. 

ß) strictius Koch. T. Brittingeri Weitw. An Wegrändern um Pola 
nicht selten und wohl auch anderweitig im Gebiete. Juli, August (Freyn 
1875). 2-100 M. 

230. *X. Boceonii Savi. Im Gebüsche, in den Macchien, an freien 
Waldplätzen zerstreut; wo es vorkommt, aber meist in Menge: Po. Marecchio, 
Peroi, im Walde Lusinamore, am Mt. Pero und im Kaiserwalde bei Pola, am 
Mt. Vincuran und bei Promontore; auch auf Brioni magg., Fenera, S. Marina 
und Levano gr. Ende Mai bis Juli (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—50 M. 

231. *T. tenuifloimm Ten. — Boiss. fl. or. II. 130! — Viel- (bis 100-) 
stenglig. Stengel aufsteigend, ästig, beblättert, abstehend behaart. Blätter 
abwechselnd gestielt, jene unter den Blüthenköpfchen jedoch beinahe 
gegenständig und sitzend. Blättchen länglich- verkehrt- eiförmig zur 
Basis keilig verschmälert, die unteren vorne abgerundet, die oberen spitz, alle 
fast sitzend, behaart, am vorderen Theile gezähnelt und mit geraden (nicht 
abwärts gebogenen) Seitennerven. Nebenblätter breit-eiförmig, kurz 
zugespitzt, mit 7 — 9, endlich gegabelten Nerven. Blüthen gedrängt, in 
länglich- walzenförmigen, Seiten- und endständigen behüllten, fast 
sitzenden Köpfchen, die letzten beiden Köpfchen häufig genähert. Kelche 
zehnnervig, anliegend behaart, mit fünf fast dornenförmigen 
Zähnen, welche unter sich und mit der Kelchröhre fast gleich- 
lang sind. Kelchschlund behaart. Blumenblätter hell-rosenroth, nur 
mit dem vorderen Theile der Fahne über die Kelchzähne hinausragend, die 

Fahne bemerklich länger als Flügel und Schiffchen. Hülse O Mai, 

Juni. In Weingärten zwischen Villa Mrak und Stignano zahlreich (Biasoletto 
1828). 8 — 12 M. — Das höchst ähnliche T. striatum unterscheidet sich nur 
durch einen viel zarteren Wuchs, kürzere (nicht verlängert-walzliche) Aehrchen 
und Kelchzähne, welche kürzer als die Kelchröhre sind. Eine Art von sehr 
zweifelhaftem Weithe, die wegen der robusten Tracht wohl sehr auffällig ist, 
gleichwohl aber zur Sonderung von T. striatum nur unsichere Merkmale 
darbietet. 

232. X. striatum L. Auf sonnigen, steinigen Hügeln, trockenen Gras- 
plätzen, in den Macchien am Festlande gemein und stellenweise häufig; auch 
auf beiden Brioni, S. Cattarina, Sc. Franz, Fenolego, Cielo und Trombolo. 
Mai, Juni (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2-170 M. 

233. T. scabrum L. Auf grasigen, sonnigen Hügeln, in den Macchien, 
an Rainen und Ackerrändern von Fasana, Galesano, Mt. Daniele und Montecchio 
an südwärts bis zum Meere gemein und meist häufig; auch auf fast allen 
Inseln. Mai bis Juli (Biasoletto 1828). 2-170 M. 



312 



Josef Freyn. 



234. *T. subterraneum L. Auf sonnigen Hügeln, an Gebüschrändern, 
Gräben des westlichen Gebietsteiles von Dignano bis Pa. Cherraada hie und 
da, aber leicht zu übersehen, auch an der Ostküste bei Altura; ferner auf beiden 
Brioni, Fenolego, Fenera, S. Marina und Levano gr. O April bis Juni (Bias. 
Stbg. 1825). 2-140 M. 

235. T, fragiferum L. Auf Wiesen, feuchten Grasplätzen, in Strassen- 
gräben nicht gemein: zwischen Po. Marecchio und Peroi, im V. Rancon, am 
Mt. Clivo, im Kaiserwalde und am Prato grande bei Pola. % Juli bis September 
(Zanichelli 1722, wenn sein T. pratense folliculatum [Bauh. pin. 329] hieher 
gehört). 2-50 M. 

236. *T. resupinatum L. An trockenen, kurzgrasigen Stellen sehr 
selten und sehr leicht zu übersehen: bisher blos im Amphitheater und am 
Mt. Zaro bei Pola. O Mai (Reuss 1867). 8—30 M. 

237. *T. tomentosum L. An trockenen, kurzgrasigen Stellen, unter 
Medicago-kxten versteckt. Sehr selten und sehr leicht zu übersehen : bei Fasana, 
Stignano, Pola, am Mt. Vincuran bei Veruda, Pomer und Medolino. Auch auf 
beiden Brioni. Q Mai, Juni (Bias. und Sternbg. 1825). 2—10 M. 

238. * T, glomeratum L. Auf trockenen Grasplätzen, in den Macchien 
hie und da, gewöhnlich in kleinen Gruppen bei Peroi, im V. Bandon, bei 
F. Turulla, Pa. Monumenti, B. Corniale und V. Fiori bei Pola; bei Pomer, 
Medolino und Altura. Auch auf Brioni magg. und Levano gr. O Mai bis 
Juli (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—120 M. 

239. *T. strictum (L. p. p.) Koch. T. laevigatum Poir. Vis. fl. dalm. 
III. 296 ! — Auf feuchten Wiesen und an buschigen Grasplätzen im V. Rancon, 
bei Sikic und Medolino; dann auf Fenera, S. Marina und Levano gr. Q Mai, 
Juni (Tommasini 1845). 2—10 M. 

240. *T. parviflorum Ehrh. Auf Grasplätzen bei Veruda, Medolino 
und auf Sc. Cielo. Q Mai, Juni (Tommasini 1844). n. v. 

241. *T. suffocatum, L. Auf hartgetretenem, trockenen Boden, wenig 
befahrenen Wegen, an den Rändern der Gebüsche, oft in grosser Menge, aber 
dennoch leicht zu übersehen. Ueberall am Festlande bis Dignano; auch auf 
Brioni magg. O Mai, Juni (Biasoletto 1828). 2—145 M. 

242. T» repens L. Auf feuchten Wiesen, in Strassengräben, Wein- 
gärten gemein, aber keineswegs häufig. Auch auf Brioni magg. % Mai bis 
Juli (Bias. Tomm. 1837). 2-145 M. 

248. T. Biqsoletm Stend. Höchst, in Flora 1827, p. 72! --* T. pro- 
stratum, Bias. in Flora 1829, p. 532! (die bessere Beschreibung). P]in- bis fünf- 
stenglig. Stengel der ganzen Länge nach an den Boden angedrückt 
und unter jedem Blatte Wurzel schlagend, mit zahlreichen, sehr 
kurzen sich nie verlängernden ebenfalls niederliegenden und der 



Die Flora von Süd-Istrien. 



313 



ganzen Länge nach wurzelnden Zweigen. Blätter lang gestielt, auf- 
recht, an den Blattstielen behaart, sonst wie die ganze Pflanze kahl oder fast 
kahl. Blättchen verkehrt - herzförmig, oder verkehrt- eiförmig (und dann aus- 
gerandet), kurz gestielt, mit zahlreichen parallelen Seitennerven, am Rande 
scharf- und spitzgezähnt, unterhalb etwas heller grün, oberhalb mit einem ver- 
gänglichen dunklen Mackel. Nebenblätter häutig, lanzettförmig, pfriem- 
lich zugespitzt. Blüthen ungleich gestielt, von Deckblättchen gestützt, 
in lockeren, langgestielten, seitenständigen, unbehüllten Köpfchen, 
die oberen erst aufrecht, endlich aber alle auf hakenförmig zurückgekrümmten 
Blüthenstielchen nickend. — Kelch zehnnervig, mit dunkelgrünen Nerven 
und Zähnen, letztere sehr ungleich, alle aber schmal- dreieckig, fast pfriemlich 
und kürzer, als die Kelchröhre. Kelchschlund kahl. — Blumenblätter schön 
rosenroth, bleibend, endlich braun, länger als der Kelch; die Fahne viel 
länger als Flügel und Schiffchen. Hülse wie bei T. repens. % Mai (früher 
als T. repens). Auf sonnigen Hügeln, trockenen Grasplätzen gemein und ge- 
wöhnlich heerdenweise; auch auf Brioni magg. (Biasoletto 1826). 2— 17u M. 
— Eine sehr charakteristische, durch die eigenthümlichen Wachsthumsverhält- 
nisse and die constant schön rosenrothen Blumen leicht kenntliche Art, deren 
Vereinigung mit T. repens (nicht T. patens, wie es in Folge eines Druckfehlers 
bei Steud. und Höchst, heisst), ein Misgriff wäre. T. repens ist vielstenglig, 
die langästigen Stengeln wurzeln nur am Grunde — höchst selten auch an 
anderen Stellen — und steigen mit den Spitzen auf: die Blüthen sind fast 
immer weiss und selten röthlich angehaucht. Mit T. nigrescens, zu welchem 
Boissier in der Flora Orient. II. 143, T. Biasolettii fragweise stellt, hat es 
nichts zu schaffen. 

244. T. nigrescens Viv. T. caespitosum Auct. istr. antiq. Auf kräuter- 
reichen Hügeln, Grasplätzen, an Gebüschrändern von Peroi und Dignano an 
über den Wald Siana und Sikic bis Medolino und zur Westküste gemein und 
stellenweise ungemein häufig; auch auf fast allen Inseln. O April bis Juni 
(Bias. Sternbg. 1825). 2—145 M. 

245. T. agrarium L. Pollich. — G. G. fl. fr. I 423—424! — T. pro- 
cumbens Koch, Vis., non L. 

ß) minus Koch. T. campestre Schreb. — Auf sonnigen Hügeln, an 
Gebüschrändern, auf trockenen Grasplätzen, in den Macchien gemein und meist 
sehr häufig, auch auf fast allen Inseln. O Mai bis Juli (Bias. Tomm. 1837). 
2—170 M. Die hiesige Pflanze hat bleichgelbe Blumen und ist meist sehr 
klein, jedoch aufrecht. — Die var. a) majus Koch, ist im Gebiete noch nicht 
beobachtet worden. 

246. T. patens Schreb. Auf feuchten Wiesen und in Gebüschen, hier 
selten, aber dort, wo es wächst, gewöhnlich in grossen Truppen. Bisher nur 
am Prato grande und im Walde Siana bei Pola und auf den Wiesen bei Sikic. 
Auch auf wüsten Plätzen in Pola selbst. O Mai bis Juli (Freyn 1876). 2—60 M. 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abb.. 40 



314 



Josef Freyn. 



247. *T. Sebastiani Savi, Seb. Maur. fl. rom. prod. p. 256. tab. 5, 
fig". 1! — Ledeb. fl. ross. L 557! — Boiss. fl. Orient. II. 155! — Freyn in 
Oesterr. botan. Zeitschr. XXVI, p. 262-263! — Einstenglig. Der Stengel auf- 
recht, von der Basis an autsteigend- iang-ästig oder fast unverästelt, beblättert, 
sparsam behaart bis kahl; die Blätter gestielt, mit eilanzettförmigen, ge- 
zähnelten, gewimperten und beinahe sitzenden Blättchen. Neben- 
blätter länglich, fast gleichbreit, der freie Theil derselben eiförmig und 
fein zugespitzt. B lüthe ndöldch en locker, seitenständig, auf behaarten 
Stielen, welche länger als das stützende Blatt sind. Blüthen alle lang 
gestielt, zu 8—20 in dem Köpfchen, nur während und kurz nach dem Auf- 
blühen abstehend, endlich aber alle auf den vollkommen herunter- 
gebogenen behaarten Stielchen hängend. Blüthenstielchen drei- 
bis viermal länger als die Kelchröhre. Der Kelch kahl mit fünf 
ungleichen, die Kelchröhre um das Drei- bis Vierfache überragenden, pfriem- 
lichen, kahlen, nur oberwärts etwas bärtigen Zähnen. Blumenblätter 
bleibend, anfänglich schwefelgelb, endlich hellbraun mit hellerem Rande. 
Die Fahne löffeiförmig, gefurcht, endlich gefaltet; die Flügel vor- 
gestreckt und sammt dem Schiffchen von der Fahne eingehüllt. Hülsen halb 
so lang wie die Fahne, mit viermal kürzerem Griffel. O Mai, Juni. 
An lichten grasigen Plätzen der Laubwälder sehr selten, aber stellenweise in 
grosser Menge und gewöhnlich in Gesellschaft von T. Bocconi, Asperula 
laevigata, Gastridium austräte und andere Arten. Bisher nur im Walde Siana, 
und zwar an der Eisenbahn zwischen Galesano und der nach Altura führenden 
Strasse, dann im Kaiserwalde südlich dieser Strasse uud noch an einigen zer- 
streuten Stellen in derselben Gegend (Freyn 1874). 35—70 M. 

248. T. filiforme L. — Godr. in Gr. Gdr. fl. fr. I. 422! - Vis. fl. 
dalm. III. 301! — T. micranthum Viv., Koch syn. p. 153! Auf feuchten Wiesen, 
wo es wächst, gewöhnlich in grosser Menge. Bisher nur bei Peroi, im V. Ran- 
con, bei Sikic, am Prato Vincuran, bei Medolino und auf Fenera. O Mai, Juni 
(Benth. Bias. Tomm. 1837). 2-10 M. 

249. Dorycnium suffruticosum Vill. Auf steinigen, sonnigen Hügeln 
im westlichen Gebietstheile jedenfalls selten: bei Po. Marecchio, Pola und 
Proinontore, auch auf Brioni magg. \i Mai, Juni (Biasoletto 1828). n. v. 

250. L>. herbaceum Vill. In Laubwäldern, Macchien, an Gebüsch- 
rändern, auf Grasplätzen am Festlande gemein; auch auf Brioni magg. % Juni, 
Juli (Tommasini 1864). 2—170 M. 

251. Bonjeania hirauta Rchbch. Auf sonnigen Hügeln, in den 
Macchien, an Wald- und Gebüschrändern gemein, auch auf fast allen InBein. 
\ L Mai bis Juli (Biasoletto 1828). 2—170 M. 

252. Ijohis orniihopodioides L. Auf Grasplätzen nahe am Meere, 
sehr selten: unterhalb F. Musil, bei Promontore und am Sc. S. Girolamo. 
O Mai, Juni (Tornmabini 1855). 2—10 M. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



315 



253. L* cytisoicles L. Am felsigen Meeresstrande der Inseln: Brioni 
magg., Zupinetto, Felonego, und auf beiden Levano. Mai bis Juli (Sendt. 
und Papp. 1813). 2-5 M. 

254. L. corniculatiis L. An "Wegen, Ackerrändern, selbst am Meeres- 
strande: bei Dignano, im Walde Magran, bei Pola, Veruda und Sikic. Auch 
am Sc. Pietro. % April bis Juni (Tommasini 1869). 2—160 M. 

ß) ciliatus Koch. Auf sonnigen Hügeln, Wiesen, an Wegen, in Ge- 
büschen: im Walde Siana, bei Aqua del Marzo, Stignano, B. Monumenti, Pola, 
Sikic, Veruda und auf Brioni magg. Wohl auch noch weiter verbreitet. % Mai 
bis August (Biasoletto 1828). 2-70 M. 

y) hirsutus Koch. Ueberall in den Macchien, Gebüschen, Laubwäldern, 
auf sonnigen und schattigen Plätzen gemein und häufig und auch auf fast 
allen Inseln (Bias. Tomm. 1837). 2-170 M. 

255. L. tenuifolius Ptchb. Auf feuchten Wiesen, Schutt, den Klippen 
des Meeresstrandes in der Küstenregion gemein und oft sehr häufig; auch im 
Inneren nicht fehlend; ebenfalls auf Brioni magg. % April bis Juli (Tomma- 
sini 1838). 2-140 M. 

256. L. angiistissimus L. — L. parviflorus Tomm. in Oesterr. botan. 
Zeitschr. XXIII. 223 ex ipso. — Auf trockenen kurzgrasigen Stellen, in den 
Macchien, besonders in der Nähe der Küste oft in grosser Menge: Im V. Ban- 
don, V. Bancon, bei Stignano, an der Eisenbahn, am Mt. Pero, Mt. Daniele 
und im Kaiserwalde bei Pola, bei F. Musil, am Mt. Merlera bei Medolino und 
auf Pa. Chermada. Auch auf Brioni magg. und allen Inseln bei Medolino. 
O Mai, Juni (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2-100 M. — In der Grösse sehr 
wechselnd. An sonnigen Stellen gewöhnlich klein, oft winzig, im Kaiserwalde 
jedoch bis zu 50 Cm. hoch, meist sehr rauhhaarig. 

257. *Psorälea bituminosa L. Godr. in Gr. Gd. fl. fr. I. 456! — 
Ein- bis mehrstenglig, Stengel aufrecht, stielrund, gerillt, hart, zer- 
streut- und angedrückt-kurzhaarig, wie die ganze Pflanze. Die Blätter 
langgestielt, abwechselnd; aus drei Blättchen, wovon die beiden unteren kurz, 
das mittlere jedoch viermal so lang gestielt ist, als die ersteren. Die Blättchen 
der unteren Blätter eiförmig und stumpf, jene der oberen allmälig schmäler 
werdend, die obersten lanzett und spitz. Nebenblätter frei, lang verschmälert, 
fein zugespitzt. Blüthen sehr kurz gestielt, bis zu 15 in einem blattachsel- 
ständigen, langgestielten, dicht geballten Köpfchen, jede mit einem eiförmigen 
lang und spitz verschmälertem Deckblatte, welches jedoch nicht oder 
nur wenig über die Kelchröhre hinaufragt; Kelch glockig, mit fünf 
pfriemlich verschmälerten, einnervigen, der Kelchröhre gleich langen Zähnen 
(nur der unterste länger) sammt den letzteren steifhaarig und gewimpert. 
Blumenblätter hellblau, sehr ungleich. Das stumpfe Schiffchen am kürzesten, 
die Flügel länger, beide sammt den Kelchzähnen von der länglich-rhombischen 

40* 



316 



Josef Freyn. 



an der Spitze gestutzten Fahne überragt. Narbe kopfförmig. Hülsen 
einsamig, nicht aufspringend, eiförmig, etwas zus ammengedrückt, 
sitzend, im Kelche eingeschlossen, unterwärts zottig, der flache, 
zweimal so lange, fast säbelförmige Schnabel jedoch nur kurz- 
und zerstreut behaart (nach dalmatinischen und französischen Exemplaren, 
da es unmöglich war, die Pflanze zu geeigneter Zeit einzusammeln). % Juni, 
Juli. An Acker- und Gebüschrändern: bisher nur im nordöstlichen Gebiets- 
theile zwischen Peruski und Pavici, und im südlichen Theile des V. Bado 
unterhalb Cavrana stellenweise in Menge (Sendtner 1843). 5 — 160 M. — 
P. plumosa Rchb., welche in Vis. fl. dalm. III. 305 mit P. bituminosa L. ver- 
einigt wird, unterscheidet sich von letzterer jedoch nachGodron hauptsächlich 
durch grössere Deckblätter, welche länger als der Kelch sind, 
durch kürzere, dickere und stärker gerillte Köpfchenstiele, zottigere Kelche und 
fast federartig gewimperte Kelchzähne, durch kurz gespitzte Blättchen, durch 
stärkere tief- gerillte, zusammendrückbare, unten weisslichgrüne 
(nicht schwärzliche) und abstehend behaarte Stengel. — Es bleibt 
späteren Untersuchungen vorbehalten, ob sich die Psorälea des südlichen Istriens 
nicht etwa als P. plumosa Rb. herausstellen wird. 

— Hobinia JPseudo-Acaeia L., Godr. in Gr. Gd. fl. fr. I. 455! — 
Baum, mit dornigen Zweigen, unpaarig gefiederten, fünf- bis zehnpaarigen 
kurz gestielten Blättern, gestielten, von einem winzigen pfriemlichen Deckblätt- 
chen gestützten, elliptischen Blättchen und zwei kurzen, eiförmigen Nebenblättern 
am Grunde jedes Blattstieles. Die zahlreichen Blüthen in blattwinkelständigen, 
lockeren, hängenden Trauben, welche kürzer sind, als das stützende Blatt. 
Blüthenstielcben zwei- bis dreimal so lang als der fast zweilippige Kelch; 
letzterer weichhaarig, mit kurzen Zähnen. Blumenblätter weiss; die Fahne so 
lang als das spitze Schiffchen, mit kreisförmiger zur Basis verschmälerter Platte; 
die Flügel vorgestreckt, lineal, stumpf. Narben am Gipfel des Griffels stumpf. 
Hülse gestielt, sehr verlängert, zusammengedrückt, raehrsamig, zweiklappig, mit 
verdickter oberer Naht, Mai, Juni. In Parkanlagen, und als Alleebaum in 
und um Pola häufig angepflanzt (Freyn 1874). 2-30 M. 

268. Colutea arbore8cens L. Sehr selten: bisher nur am Meeres- 
strande längs C. di Veruda in einigen Sträuchern. \i Mai (A. Schultz 1868). 
n. v. — Ausserdem hie und da angepflanzt. 

Astrayalus f esameus L. soll von Biasoletto nach Koch syn. 
p« 161 „an sonnigen Orten im südlichen Istrien" gefunden worden sein. Nach- 
dem diese Pflanze seither von Niemandem wieder beobachtet wurde, so kann 
bich dieöc Angabe nur auf zufällig eingeschleppte Pflanzen bezogen haben. 

.1. hwmoaus L. Auf sonnigen Grasplätzen, an Acker- und Weg- 
rl idern, stellenweise aber meist nur vereinzelt und in kleinen Individuen: bei 
Ptfoi, Fusana, im V. Banden, bei Stignano und Pola (Kaiscrwald, Ma. della 
grazia. B. Corniale), F. Stoje Musil, Prornontore, Pomer und auf beiden Brioni. 
Mai, Juni (ZaaioheUl 1722). 2-50 M. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



317 



260. A. glycyphyUos L. In Laubwäldern, Gebüschen, in den Dolinen, 
hier sehr selten: bei Dignano, Montecchio, Altura und im Walde Siana bei 
Pola. % Mai bis Juli (Tommasini 1864). 35—160 M. 

261. *Scorpiurus subvillosus L. Auf sonnigen, kurzgrasigen Stellen 
der Hügeln und Macchien, an Rainen, meist hart an den Boden angedrückt 
und deshalb leicht zu übersehen. Bei Altura, Pola (Ma. della grazia, Kaiser- 
wald, B. Corniale, Marine-Schiessstätte etc.), F. Stoje Musil, Veruda, Promontore, 
Pomer undMedolino; auch auf Brioni magg., Veruda, Fenolego und S. Marina. 
O Mai, Juni (Bias. Sternbg. 1825). 2—120 M. 

262. Coronilla Emerns L. In den Macchien. auf steinigen Hügeln, 
an Wald- und Gebüschrändern, stellenweise in Menge: bei Galesano, im Walde 
Siana, bei Altura, um Pola überall, bei F. Max, Veruda, am Mt. Vincuran und 
von da an bis Promontore. Auch auf beiden Brioni. April bis Juni, oft 
bis in den Herbst (Bias. Tomm. 1837). 2—120 M. 

263. C. scorpioides Koch. Auf Aeckern, in Oliven- und Weingärten 
bei Dignano (häufig), Marzana, im V. Bado, bei Galesano, Marana, im V. Ban- 
don, bei Pola selten (Mt. Clivo, Ma. della grazia) und auf Brioni magg. O April 
bis October (Biasoletto 1828). 2-150 M. 

264. C. cretica L. Auf sonnigen, kurzgrasigen Stellen, in den Macchien, 
an Wegen, stellenweise in grosser Menge, bisher aber nur im westlichen 
Gebietstheile von Dignano bis Medolino, auch auf beiden Brioni, S. Girolamo, 
Cosada, Sc. Franz, S. Cattarina und Veruda. O April bis Juni (Biasoletto 1828). 

2- 140 M. 

265. C. varia L. In Gebüschen, Hecken sehr selten. Bisher nur bei 
Dignano und Pola (St. Lombardo, Schwimmschule). % Juli, August (Wawra 1874). 

3- 150 M. 

266. Hippocrepis comosa L. Auf sonnigen, buschigen Hügeln in 
den Macchien am Festlande gemein und häufig; auch auf den Inseln S. Giro- 
lamo und Cosada. % April bis Juni (Bias. Stbg. 1825). 2—170 M. 

267. H • unisiliqiiosa L. Auf Grasplätzen bei Pola (ehedem im Amphi- 
theater daselbst), jedenfalls sehr selten und vielleicht nur zeitweise eingeschleppt. 
O Mai? (Bias. Stbg. 1825). n. v. 

268. Bonaveria Securiclaea Rb. — Vis. fl. dalm. III, p. 314! — 
Securigera Coronilla DC, Koch. — An kräuterreichen Stellen, Wegen in den 
Macchien des westlichen Gebietstheiles von Dignano über den Wald Siana 
bis Lissignano und zur Küste gemein und öfter in grosser Menge. Auch auf 
beiden Brioni und Veruda. O Mai bis Juni (Biasoletto 1828). 2—140 M. 

— Cicer arietinum L. Auf Aeckern, in Gärten und Weinbergen nicht 
selten gebaut. Q Mai, Juni (Weiss 1868). 2—145 M. 



318 



Josef Freyn. 



268 a. Vicia cassubica L. ß) adriatica Freyn ined. Unterscheidet sich 
von der typischen Pflanze durch nur drei- bis fünf-, selten zwei- oder sieben- 
blüthige lockere Trauben, durch etwas kleinere, bunte Blüthen: Die Fahne 
ist blau, vorne mit dunkleren Adern gezeichnet, am Grunde blasser, die Flügel 
und das Schiffchen sind rein weiss, nur vorne bläulich. Die Blattranken sind 
kurz, meist einfach; die Hülse zuletzt nur einsamig und ihr Stiel ragt aus dem 
Kelche nicht heraus. % Juni bis Anfang Juli. Bisher nur an einem Wald- 
rande bei St. Petric an der Eisenbahn (Freyn 1877). 50 M. Reife Samen habe 
ich noch nicht vergleichen können. 

269. F. Cracca L. Auf feuchten Wiesen und diesen benachbarten Hecken, 
hier sehr selten. Bisher nur am Prato grande bei Pola. 2j_ Mai bis Juli 
(Freyn 1875). 2-4 M. 

270. V% i)illosa Roth. In den Macchien, und auf den Klippen: bisher 
nur am Sc.Levano pic. © Mai, Juni (Freyn, Neugb., Wawra 1876). 2—4 M. 
Vielleicht sammt Trigonella corniculata nur angespült. 

271. V. varta Host., Boiss. fl. or. II, p. 590—591! V. dasycarpa Ten. 
— Vis. 1. c. III, p. 323! — Guss. en. Inar. p. 99! — V. polyphylla Biasoletto 
non Desft. — Ein- bis mehrstenglig. Stengel schlaff, hin- und hergebogen, 
kletternd, gerillt, kahl, oft vom Grunde an langästig und sammt den Aesten 
beblättert. Die Blätter sitzend, mit einer Winkelranke endigend, fünf- bis 
neunpaarig gefiedert, mit lanzettförmigen Nebenblättern und länglichen oder 
lanzettlichen, sehr kurz gestielten, stumpfen oder spitzen, kurz stachelspitzigen 
Blättchen. Trauben locker, aus den Blattachseln lang gestielt, der Stiel 
länger als das zugehörige Blatt. Blüthen 6—12, einseitswendig, 
manchmal paarweise genähert, alle zugleich aufblühend, anfänglich 
horizontal, erst zuletzt hängend; kahl, auf kurzen, nur ein Drittel der 
Kelchröhre erreichenden Blüthenstielchen. Kelch am Grunde höckerig, ober- 
wärts mit sehr kurzen, dreieckigen oberen und verlängerten unteren Zähnen. 
Blumenblätter purpurroth, selten weiss, ziemlich gleich lang, nur das 
Schiffchen kürzer; die Flügel länglich, vorgestreckt, mit der Spitze etwas auf- 
gebogen, die Fahne ausgerandet, mit aufgebogener verkehrt- eiförmiger Platte, 
welche fast so lang als ihr Nagel ist. Die Hülsen horizontal abstehend, 
kahl, glatt, ziemlich rhombisch und reif nur zweisamig. Die reifen Samen kohl- 
schwarz, etwas zusammengedrückt, fast sammtig. 0, %'i Mai, Juni. In Hecken, 
Gebüschen, Macchien, gemein und oft häufig; auch auf Brioni magg. und Veruda 
(Biftioletto 1828). 2—170 M. Wurde von Koch mit der kahlen Varietät der 
rorhergebenden Art zusammengeworfen, während sie davon doch weit ver- 
ICDieden ift V. vülosu unterscheidet sich nämlich durch vielblüthige Trauben, 
welche vor dem Aufblähen schopfig sind und ungleichzeitig aufblühen, durch 
blau<: (nie purpurrothe) Blüthen, pfriemliche, sehr verlängerte Kclchzähne (sio 
errtiehen zwei Drittel der Länge der Fahne), längere, vier- bis sechssamige 
BtUieu unl duicli den Standort (Kulturen). — V. varia Host ist eine Pflanze 
der Mediterranflora, von der mir SUndorte jenseits der Alpen nicht bekannt 



Die Flora von Süd-Istrien. 



319 



geworden sind; alles, was man unter diesem Namen von dort erhält, ist 
V. villosa var. glabrescens, eine von V. villosa nur durch geringe Behaarung 
verschiedene Pflanze. 

272. V, onobrychioides L. An steinigen, buschigen Stellen sehr 
selten: bisher nur bei F. Stoje Musil. % Mai, Juui (Freyn 1875). 10—15 M. 
Diese Pflanze ist erst im mittleren Istrien von S. Vincenti über Gimino bis 
Pisino häufig. 

— V, Faha L. Auf Aeckern und in Weingärten häufig gebaut, und 
hie und da verwildert. O Mai bis Juli (Tommasini 1867). 2—170 M. 

273. V. narbonensis L. In Getreidesaaten des westlichen Gebiets- 
teiles von Dignano bis Lissignano gemein, aber stellenweise fehlend. © April 
bis Juni (Biasoletto 1826). 2—170 M. 

274. V» bithynica L. An grasigen Stellen des Meeresstrandes, an 
Ackerrändern ziemlich selten: im V. Lovina und V. di Cane, dann auf den 
Inseln Veruda, Fenolego und Levano gr. © Mai, Juni (Tommasini 1810). 
3—10 M. Die Länge der Blüthenstielchen ist bei dieser Art ungemein ver- 
änderlich: oft sind sie nur so lang als die Kelchröhre, manchmal länger als die 
Hälfte des zugehörigen Blattes. 

275. V. pannonica Jcq. ß) purpurascens Ser. — Koch., V. striata 
M.B. In Getreidesaaten, auf Grasplätzen, an Wegen, wüsten Stellen selten: 
bei B. Monumenti, am Mt. Michele bei Pola und auf Brioni magg. © Mai bis 
Juli (Bias. Stbg. 1825). 2—30 M. — Bei Rovigno gemein. Die reifen Samen 
der V. striata sind braun und dunkler marmorirr, nicht sammtig-schwarz wie 
an der echten V. pannonica, auch sind die Hülsen kürzer und dicker und die 
Blumen sind immer purpurroth. Andere Unterschiede scheiDen aber doch nicht 
vorzukommen. 

276. V, hybwda L. An kräuterreichen Stellen der Macchien, in Hecken, 
an Wegen gemein, stellenweise häufig; auch auf Brioni magg., S. Girolamo, 
Sc. Franz, und Veruda. © April bis Juli (Bias. Sternbg. 1825). 2-145 M. — 
Von den anderen gelblühenden Wicken dieser Flora auch im blühenden Zustande 
leicht an der behaarten Fahne zu unterscheiden. 

277. V. lutea L. Auf Schutt, an Wegen, im Getreide hie und da, aber 
stets vereinzelt bei Pola und auf Brioni magg. © Mai, Juni (Tommasini 
1839). n. v. 

ß) hirta Koch. V. hirta Balb. In Getreidesaaten, an wüsten Stellen, 
Wegen, in den Ortschaften des westlichen Gebietstheiles von Dignano über den 
Wald Siana bis Lisignano gemein, jedoch meist nicht häufig. © Mai, Juni 
(Biasoletto 1828). 2—145 M. Die Blumen sind hier stets schwefelgelb bis 
beinahe weiss; die reifen Samen nicht kugelig, sondern seitlich etwas zu- 
sammengedrückt. 



320 



Josef F r e y n. 



278. V. grandiflova Scop. In Laubwäldern, Hecken, an Gebüsch- 
rändern zerstreut und keineswegs gemein. In Dolinen bei Marzana, zwischen 
Dignano und Po. Marechio, bei Galesano, im Walde Siana, V. Bandon, F. Musil, 
am Prato grande bei Pola, bei Altura und auf Brioni min. O April bis Juni 
(Bias. Tomm. 1837). 2-160 M. 

ß) Kitaibeliana Koch. V. sordida W. K. An gleichen Standorten, 
bisher nur im Kaiserwalde bei Pola (Bias. Sternbg. 1825). 30—60 M. 

279. V, macrocarpa Moris. — Bert. fl. ital. VII, p. 511! — Guss. en. 
Inar. p. 102—103! (die zutreffendere Beschreibung). Einstenglig, aufrecht. 
Stengel arm-ästig, kantig gerieft, beblättert, wie die ganze Pflanze kurz- und 
zerstreut-behaart. Blätter sitzend, drei- bis fünfpaarig gefiedert in eine ästige 
Winkelranke auslaufend. Blättchen von herzförmiger (an den unteren Blättern) 
bis zu länglich - elliptischer Gestalt wechselnd, alle fast sitzend, ausgerandet, 
kurz-stachelspitzig, am Rande ganz und etwas g^wimpert, auf der Unterseite 
etwas stärker behaart als auf der oberen. Nebenblätter halbherzförmig in 5 — 6 
ziemlich gleiche Zähne gespalten, an der Anheftungs stelle mit einem runden 
braunen Makel. Blüthen meist einzeln in den Blattachseln, sehr kurz gestielt, 
aufrecht. Kelche mit fünf gerade vorgestreckten, verlängert-dreieckigen, 
gewimperten Zähnen; die zwei oberen fast so lang als die Kelchröhre, die 
unterste am kleinsten, bemerklich kürzer. Am Grunde einer den anderen 
berührend. Blumen gross, die ansehnlichsten aus dieser Gruppe; die Fahne 
um ein Viertel länger als die übrigen Blumenblätter, vorne ausgebreitet, etwas 
ausgerandet, dunkel purpurroth; die Flügel parallel vorgestreckt, stumpf, hell 
purpurroth; das Schiffchen noch kürzer, wenig über die Kelchspitzen heraus- 
ragend, hell-roth, an der Spitze dunkler. — Hülsen im Kelche fast sitzend, 
anfänglich aufrecht, endlich schief abstehend, lineal, 4—4*5 Cm. lang, 
1 Cm. breit (nach Bertoloni noch breiter), an der Spitze in einen 1 Cm. 
langen, aufwärts gebogenen Schnabel plötzlich verschmälert, die Spitze des 
Schnabels jedoch hakenförmig abwärts gekrümmt und seitlich zusammengedrückt. 
Bei vollkommener Reife schwarz (nicht braun), schwach glänzend, 
mit zahlreichen kurzen Haaren, nie holperig, wohl aber nervig-aderig. 
Samen lederbraun, dunkler gezeichnet und überdies mit schwarzen Makeln, 
eiförmig, 5 Mm. im Durchmesser und mehr, entweder blos seitlich oder 
auch noch von oben und unten etwas zusammengedrückt; der Nabel 
ein Fünftel des Umfanges erreichend. Mai, Juni. In Getreidesaaten um Pola 
nicht selten, so z. B. am Mt. Michele, Prato grande, F. Casonivecchi, Veruda 
etc. und wohl auch anderwärts im Gebiet (Tommasini ex Bertoloni fl. ital. 1847). 
2—70 M. 

280. V, nativa L. Bertol. 1. c. p. 512! (excl. plur. syn.). — Guss. en. 
Inar. p. 103-104! Auf Schuttplätzen, in Getreidesaaten gemein, stellenweise 
in Menge. Auch auf Brioni magg., Cielo und Lcvano gr. Mai, Juni (Benth. 
Biaa. TornmaH. 1837). 2 -170 M. Nach Dr. Reusa auch gelbblühend; 
variirt mit sehr schönen bunten Blumen, nämlich Fahne weiss, Flügel und 



Die Flora von Süd-Istrien. 



321 



Schiffchen rc-senroth. — V. sativa unterscheidet sich von V. macrocarpa haupt- 
sächlich durch folgende Merkmale: höhere, schlankere und rankende Stengel, 
schmälere Blätter, etwas kleinere 2—2 2 Mm. lange, deutlich gestielte Blüthen, 
braune nicht schwarze Hülsen, welche nur 5 Cm. breit werden und holperig 
sind, endlich durch fast kugelige Samen, deren Durchmesser knapp 4 Mm. 
erreicht, oder kleiner ist. 

281. V. Cosentini Guss. sie. prod. II, p. 426 — ex ej. en. Inar. p. 104! 

— V. cordata Freyn. exsic. a. 1874 non Wulf, nec alior. Ein- bis mehrstenglig. 
Stengel steif aufrecht, vom Grunde an mit langen Aesten, sammt den 
Aesten beblättert, und wie die ganze Pflanze sammt den jungen Hülsen ange- 
drückt kurzhaarig. Blätter vier- bis sechspaarig, mit langer ästiger 
Winkelranke, nur die untersten blos begrannt. Blättchen länglich- 
keilförmig, die unteren manchmal etwas verkürzt und herzförmig, die obersten 
etwas verschmälert, bald gestutzt, bald ausgerandet und selbst lappig, immer 
aber mit bemerklicher Stachelspitze. Nebenblätter halbspiessförmig, gezähnt oder 
zerschlitzt, mit oder ohne Makel. Blüthen in den Blattachseln einzeln oder 
gezweit, beiläufig 2 Cm. lang, kurz gestielt (Stiel 2—4 Mm.). Kelch röhrig, 
etwa halb so lang als die Blüthe, mit fünf, unter sich und mit der 
Röhre ziemlich gleich langen, lanzettlichen, spitzen, von einander ent- 
fernten Zähnen, bei der Fruchtreife oder schon früher aufreissend. 

— Blumenblätter sehr ungleich. Die Fahne blau, mit breit-elliptischer 
bis 1*4 Cm. langer und 1*0 Cm. breiter Platte ; die Flügel purpurroth, parallel, 
nur die Hälfte der Platte erreichend, und das weissliche an der Spitze bläuliche, 
viel kürzere Schiffchen einschliessend. Hülsen schief abstehend, 4 Cm. lang 
und 6—7 Mm. breit, mit einer kurzen erst aufwärts, dann abwärts gebogenen 
Spitze (Griffelrest), sehr holperig, kahl, glatt, lederbraun bis schwärzlich, 
schwach-nervig, bis achtsamig. Die Samen 3—4 Mm. im Durchmesser, kugelig, 
von der Seite zusammengedrückt, braun- oder grünlich marmorirt und schwarz 
gefleckt mit weissem Nabel. O Mai bis October. — Auf Brachäckern, in 
Getreidesaaten stellenweise sehr häufig: bei Dignano, am Mt. Michele, Prato 
grande und bei Ma. della grazia nächst Pola und wohl auch anderwärts. 
(Freyn 1874). 3—155 M. Der V. sativa sehr nahe stehend, aber durch ganz 
kahle und holperige Hülsen, sowie eine ganz andere Tracht verschieden. — 
V. torulosa Jord. — Bor. fl. cent. fr. p. 173! gehört nicht hieher, sondern zu 
V. sativa, von welcher sie nur durch weniger behaarte Hülsen abweicht. 

282. V. cordata Koch. syn. p. 170! — Vis. fl. dalm. III, p. 319! - 
Guss. en. Inar. p. 105! non Wulf, (dessen gleichnamige Pflanze nach Kern er 
Synonym zu V. sativa, nach Tommasini jedoch Form von V. angustifolia ist). 
Vielstenglig. Stengel aus zuerst niederliegendem Grunde auf- 
steigend, ästig, kantig, beblättert. Blätter fünf- bis sechspaarig, die untersten 
auch wohl nur zwei- bis dreipaarig; Winkelranken schwach, kurz, ein- 
bis dreitheilig, an den Blättern der unteren Stengelhälfte fehlend 
und durch eine kurze Granne ersetzt. Blättchen der unteren 

Z. B. Ges. B. XXYII. Abb, 41 



322 



Josef Freyn. 



Blätter viel kleiner als die oberen, rundlich, verkehrt eiförmig, oder 
verkehrt herzförmig, jene der oberen Blätter elliptisch oder verkehrt 
eiförmig, die obersten länglich, alle bemerklich ausgerandet, selbst lappig, 
mit kurzer Stachelspitze, seltener blos gestutzt, sammt dem Stengel kurz rauh- 
haarig. Nebenblätter halbspiessförmig, gezähnt, mit einem rundlichen braunen 
Makel. Blüthen einzeln in den Blattachseln, klein, nur 1*5 Cm. 
lang, kurz gestielt (bis 3 Mm.) oder sitzend. Kelch röhrig, etwa zwei 
Drittel der Blüthenlänge einnehmend, mit fünf von einander ent- 
fernten, verschmälert dreieckigen spitzen Zähnen, wovon vier ziemlich gleich 
lang sind, einer jedoch länger oder kürzer als die übrigen, alle kürzer, oft 
nur halb so lang als die Kelchröhre, welche zuletzt aufreisst. Blumen- 
blätter purpurroth, die Fahne heller, das Schiffchen weisslich. Die Fahne mit 
einer kreisrunden Platte, deren Durchmesser die halbe Länge der Blüthe 
erreicht. Die Flügel vorgestreckt, beiläufig die Hälfte der Platte erreichend, 
viel länger als das Schiffchen. Hülsen fast horizontal abstehend, 4 Cm. 
lang, y 2 Cm. breit, mit kurzer wenig aufgebogener, dann aber niedergebogener 
Spitze (Griffelrest), kahl, stark gedunsen, kaum holperig, schwach nervig, 
zuletzt grünlich-schwarz, bis 13samig, die Samen kaum 3 Mm. im Durch- 
messer, kugelig, öfter von den Seiten, manchmal aber auch noch von der Spitze 
zusammengedrückt, anfänglich einfarbig, dann aber gescheckt und fast ganz 
schwarz mit hellem Nabel. O April, Mai. An kräuterreichen Stellen in den 
Macchien, sonnigen Grasplätzen, an Hecken und Gebüschen gemein, auch auf 
fast allen Inseln (Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. 

ß) canescens Vis. fl. dalm. III, p. 319. Die ganze Pflanze viel kleiner, 
nur 2 — 10 Cm. hoch, von kurzen Haaren mehr oder weniger dicht grau, die 
Blüthen winzig 0*7— 1 Cm. lang, die Samen kaum 2 Mm. im Durchmesser; 
Tracht der V. lathyroides. © März, April. An Gebüschrändern, in den Macchien 
von F. Max an bis Po. del Olmo grande oft in Menge (Freyn 1875). 2—20 M. 
Zwar eine sehr auffallende Pflanze, rangirt aber doch nur zu den im südlichen 
Istrien so häufigen Pygmäenformen. V. lathyroides ß) leiosperma Vis. fl. dalm. 
III, p. 320! scheint mit dieser Varietät identisch zu sein; denn die kubischen 
Samen hat die var. canescens ebenfalls sehr häufig. V. lathyroides L. unter- 
scheidet sich aber von allen ähnlichen Arten durch die knotig rauhen Samen. 

283. V. lathyroides L. (uonVis.?) Auf sonnigen Grasplätzen, Schutt- 
haufen fcehr selten: bisher nur in der westlichen Umgebung von Dignano, dann bei 
F. Movidal und am Prato grande bei Pola. © April, Mai (Biasoletto 1828). 
2—100 M. 

284. * V. peregrina L. In Getreidesaaten, an wüsten und bebauten 
Stellen von Po. Marechio, Dignano und Altura an südwärts gemein und oft 
sehr häufig, auch auf Brioni magg. © Mai, Juni (Biasoletto 1828). 2—145 M. 

286 Ervtl/m hirsutum L. In Gebüschen, auf Grasplätzen und Schutt 
aehr selten: bei Galesano, im Walde Siana und Magran, bei F. Max, Medolino 
und auf Brioni magg. © Mai bis Juni (Bias. Tomm. 1837). 2—100 M. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



323 



ß) leiocarpon Moris, Vicia hirsuta ß) leiocarpa Vis. fl. dalm. III, 
p. 321 ! Im Gebüsche, auf Grasplätzen : im Kaiserwalde bei Pola und auf den 
Inseln Brioni min. und S. Cattarina. Q Mai, Juni (Freyn und Wawra 1874). 
2—60 M. 

286. E» tetraspermum L. In Laubwäldern und Gebüschen, viel 
seltener als die vorige Art: im Kaiserwalde bei Pola und auf Brioni magg. 
O Mai, Juni (Biasoletto 1828). 5-150 M. 

287. E. graeile DC. An Geb aschrändern, in den Macchien stellen- 
weise: bei Galesano, im Walde Lusinamore, bei Stignano, Pa. Aguzzo, im 
Kaiserwalde und bei F. Casonivecchi nächst Pola, F. Max, in den römischen 
Steinbrüchen, V. saline, V. di Sonsi, im Walde Siana, Magran und im V. Bado 
unter Cavrana. O Mai, Juni (Bias. Tomm. 1837). 2—100 M. 

E. Ervilia L. Auf Aeckern in der westlichen Umgebung von Dignano 
19. Mai 1828 Biasoletto. Jedenfalls ein Culturversuch oder zufällig eingeschleppt. 
Wurde seither von Niemandem wieder beobachtet. 

— E. Lens L. Auf Aeckern im Grossen gebaut, bisher nur um Pola. 
Mai, Juni (Weiss 1868). 

288. E. nigricans M. B. Auf Brioni magg. O Mai (Biasoletto 1828). 
Wurde zwar seither nicht wieder gefunden, wäre aber neuerdings aufzusuchen, 
da diese Art unweit der Nordgrenze des Gebietes bei Barbana sicher vorkommt, 
somit auch das Vorkommen in Süd-Istrien sehr wahrscheinlich ist. n. v. 

288 a. Pisum elatius M. B. — Boiss. 1. c. II. 623! (exclus. syn. Rafin.) — 
Koch 1. c. 172! ex loco partim. — Von allen Arten durch die kohlschwarzen 
fein-gekörnelten Samen sofort zu unterscheiden. Im blühenden Zustande da- 
gegen namentlich dem P. liflorum täuschend ähnlich und davon durch kein 
Merkmal unterschieden. — P. arvense ist zur Blüthezeit nur durch den Standort 
(Aecker) und zwei- bis dreibliithige (nicht ein- bis zweiblüthige) Trauben 
kenntlich. Q In Hecken und an Gebüschrändern bei Villa Marinoni nächst 
Pola. April bis Mai (Freyn 1877). 25—40 M. 

289. P. biflorum Raf., Guss. en. Inar. p. 107! — P. elatius Koch 
syn. p. 172! partim, non M. B., non alior. P. arvense Bertol. fl. ital. VII, 
p. 419! (part). — Vis. fl. dalm. III, p. 317! (part) ex descript. Ein- bis mehr- 
stenglig. Stengel aus niederliegendem Grunde aufsteigend, ästig, rankend, 
beblättert, wie die ganze Pflanze etwas saftig, kahl und bläulich- grün. Blätter 
abwechselnd mit ästiger Winkelranke, zwei- bis vierpaarig gefiedert, mit 
elliptischen oder fast rhombisch-elliptischen Blättchen. Die unteren Blättchen 
desselben Blattes grösser als die oberen, alle ganzrandig oder aufwärts am 
Rande etwas gezähnelt, beinahe sitzend, abfällig. Nebenblätter viel grösser als 
die Blättchen, bis zum untersten Paare derselben hinaufreichend, mit halb- 
herzförmigem Grunde sitzend, an der unteren Hälfte des Randes spitz- gezähnelt. 
— Die ein- bis zweiblüthigen Trauben sehr lang gestielt, ein- bis zweiblüthig, 
so lang als das stützende Blatt, doch auch etwas länger oder kürzer. Blüthen 

41* 



324 



Josef Freyn. 



sehr gross, 3—4 Cm. im Durchmesser. Kelchröhre kürzer als die Breite ihrer 
Mündung beträgt, die zwei oberen Zähne doppelt so breit als die zwei seit- 
lichen kürzeren und bis dreimal so breit als der untere längere, alle spitz. — 
Blumenblätter sehr ungleich. Die Fahne rosenroth oder bläulich breit nieren- 
förmig, tief ausgerandet, mit kurzer Spitze. Flügel purpurroth mit elliptischer 
Platte, welche nur halb so lang und ein Viertel so breit als jene der Fahne 
ist. Schiffchen weisslich nur die Hälfte der Flügel erreichend, im vorderen 
Theile von den letzteren verdeckt. Hülsen strohgelb, im Kelche sitzend, zusammen- 
gedrückt, netzig-aderig, bis neunsamig und bis 8 Cm. lang und 1*3 Cm. breit, 
zum Grunde gleichmässig verschmälert, an der Spitze schief abgeschnitten, mit 
kurzem abwärtsgebogenem Schnabel. Samen sich nicht berührend, kugelig, 
am Grunde beiderseits sehr wenig eingedrückt, mit nicht ver- 
längertem Nabel, ganz glatt, grünlich, braungefleckt und schwarz 
gestrichelt. 0-oder % April, Juni. In Hecken Gebüschen, an kräuterreichen 
Stellen der Macchien stellenweise: bei Dignano, S. Pellegrino, V. Bandon, bei 
Pola an vielen Stellen (Mt. Grande, Mt. Pero, Kaiserwald, Mt. Michele, 
F. Casonivecchi) und am Sc. Franz (Bias. Tomm. 1837). 2—120 M. — Wurde 
hierzulande immer für P. elatius M. B. Koch p. p. gehalten, welches aber 
gekörnelte Samen hat und folgende Synonyme aufweist: P. arvense fl. gr. non 
L. (ex Boiss.), Vis. fl. dalm. part. (semina punctulata), P. Tuffetii Less. fl. 
rochf. und P. granulatum Lloyd, fl. Ouest, Boreau, p. 176! — P. elatius Boiss. 
und der Flore de France ist die echte Art; dagegen P. elatius Boreau nur roth- 
blühendes P. sativum und P. elatius Koch p. p. = P. liflorum. — P. arvense L. 
Koch syn. 172. Bertol. fl. ital. VII, p. 317 (excl. syn. Koch, Raf.), Kittel taschb. 
1288! — Boiss. fl. Orient. II, p. 623! unterscheidet sich von P. biflorum durch 
die in der stielrundlichen Hülse hart aneinander gepressten, marmorirten und nicht 
gestrichelten Samen, welche demzufolge seitlich stark zusammengedrückt sind, 
P. sativum L. ist unterschieden durch einfarbige (gelbe, grüne bis bräunliche) 
ungefleckte Samen, welche in der Verlängerung des Nabels fast rundum von 
einer Linie berandet sind, und durch meist weisse Blüthen. 

290. P. arvense L. Auf Aeckern, gewöhnlich unter P. sativum, seltener 
im Getreide, zwischen Dignano und Fasana, bei Pola und nächst dem Prato 
Vincuran. O Mai, Juni (Weiss 1868). 5—70 M. Wächst nie in Gebüschen! 

— 1\ sativum L. Wird auf Aeckern, in Haus- und Weingärten häufig 
gebaut und kommt auf Schuttplätzen um Pola nicht selten verwildert vor. 
Mai, Juni (Freyn 1874). 2—170 M. 

291. Latin) ras Aphaca L. In Getreidesaaten, auf Brachäckern, Gras- 
plätzen, an Weg- und Gebikehrändcrn gemein, oft sehr häufig, auch aufBrioni 
magg. und Venida. April bis Juni (Biasoletto 1828). 2—170 M. 

292. L. NistoUa L. In Getreidesaatcn, Hecken und Gebüschen sehr 
leiten: Im V. Bado zwischen Marzana und Cavrana, bei Fasana, dann zwischen 



Die Flora von Süd-lstrien. 



325 



Promontore, Medolino und Sissana und aufBrioni magg. O Mai, Juni (Biaso- 
letto 1828). 2-60 M. 

ß) glabrescens Freyn ined. L. gramineus A. Kern, in Oesterr. botan. 
Zeits ehr. XIII, p. 188! Die Blattstiele schmäler, die Hülsen kahl oder fast kahl. 
© Juni, Juli. Auf feuchten Grasplätzen, in Gebüschen des Kaiserwaldes bei 
Pola. O (Freyn 1876). 40-50 M. 

293. *L. Ochrus DC. In Getreidesaaten von Pola an südwärts bis 
Medolino und Promontore stellenweise sehr häufig. © Mai, Juni (Biasoletto 
1828). 2—50 M. 

294. *L. tenuifolius Dsft., Vis. fl. dalm. III, p. 326 ! — L. auriculatus Bert., 
Koch. — L. Clymenum Boiss. fl. or. II, p. 601 ! — Auf Grasplätzen und an 
Gebüschrändern bisher nur an der Nordseite der Insel Levano gr. © Mai bis 
Juli (Sendt. und Papp. 1843). 2—10 M. 

295. i. inconsjncuiis L. In Getreidesaaten, auf Brachäckern, an 
wüsten Plätzen sehr selten und meist zerstreut: bei Dignano, Pomer, Fasana 
und Pola. © Mai, Juni (Biasoletto 1828). 2—145 M. 

ß) stans Vis. fl. dalm. III, p. 328! Blüthen viel grösser; an gleichen 
Standorten bei Dignano, Fasana, im V. Bandon, bei Stignano, Pola, Lissignano 
und Pomer. © Mai, Juni (Bias. Tomm. 1837). n. v. 

296. L. sphaericus Retz. Auf grasigen, steinigen Stellen der Hügel 
und Macchien, imV. Bandon, bei B. Monumenti, Ma. della grazia, Pola (F. Movidal, 
B. Corniale), F. Max (zahlreich) im V. Lovina, am Mt. Pescara und Mt. Rupi. 
Auch auf Brioni magg. (Biasoletto 1828). 2—70 M. 

L. angulatus L. nach Biasoletto und Sternberg 1825 in der 
Arena bei Pola beruht auf einer Verwechslung mit L. sphaericus oder war 
zufällig eingeschleppt. Wurde auch seither von Niemanden wieder gefunden. 
L. angulatus Spreitzenhofer ist L. sphaericus. 

297. L, Cicera L. Auf sonnigen Hügeln, in Macchien, an kräuter- 
reichen Stellen bei Pola (häufig) Stignano, am Mt. Daniele, bei Altura, im 
V. Bado unter Cavrana und auf Brioni magg. © Mai bis Juni (Biasoletto 1828). 
2-110 M. 

— L* sativus L. Auf Aeckern nicht selten gebaut und sodann ver- 
wildert z. B. bei Galesano, im V. di Cane, V. Fiori, bei Veruda, am Prato 
Vincuran, bei Pomer, Lissignano und Brioni. © Mai, Juni (Tommasini 1845). 
2—100 M. 

298. *L. setifolius L. In Hecken und an Gebüschrändern steiniger, 
sonniger Hügel gemein, auch auf beiden Brioni und den Inseln bei Pola. 
© April bis Juni (Biasoletto und Sternberg 1825). 2—150 M. 

299. L. annuus L. In Getreidesaaten, seltener im Gebüsche von Fasana 
an über Pola, bis Lissignano und westlich zum Meere gemein, oft häufig; auch 
auf Brioni magg. (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—60 M. 



326 



Josef Freyn. 



300. L. hirsutus L. In Getreidesaaten, an wüsten Stellen, in Stein- 
brüchen, am Festlande gemein und stellenweise häufig; auch auf Brioni magg. 
und Levano gr. Q Mai bis Juli (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. 

301. L. tuberosus L. In Getreidesaaten nicht gemein, aber stellen- 
weise häufig: bei Peroi Galesano, Marzana, Montecchio, Altura, Pola (Prato gr.), 
Fasana und Medolino. % Mai bis August (Sendtner 1841). 3—160 M. 

302. L, pratensis L. In Laubwäldern und an Gebüschrändern selten: 
bei Montecchio, Pavici, im V. Bado, bei Cavrana, Altura und im Walde Siana bis 
gegen Pola; auch im V. Bandon. 2l Mai, Juni (Benth. Bias. Tomm. 1837). 
3-160 M. 

303. L* latifolius L. Auf Grasplätzen und an Gebüschrändern, bisher 
nur auf den Inseln Brioni magg., S. Marina und Levano gr. % Juni bis 
August (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—15 M. 

ß) lanceolatus Freyn exsic. 1876. — L. ensifolius Freyn exsic. 1874, 
1875, non Badar. Die Blätter viel kleiner (nur % — */« so gross) als bei der 
typischen Form, elliptisch bis lanzettförmig, stumpf oder spitz. Pflanze vom 
Aussehen des L. silvestris, jedoch Blattstiele und Stengel gleich breit geflügelt. 
% Juni, Juli. — An Ackerrändern, in den Macchien, auf Grasplätzen gemein, 
auch auf beiden Brioni (Weiss 1868). 2-170 M. 

304. Orobus variegatus Ten. In Laubwäldern, an den Abstürzen der 
Dolinen, schattigen felsigen Stellen nur im nordöstlichen Gebietstheile bei Mar- 
zana und Carnizza. % Mai, Juni (Tommasini 1845). 130—170 M. 

305. O. niger L. In Laubwäldern, in den Dolinen im östlichen und 
mittleren Theile des Gebietes: bei Dignano, Galesano, im Walde Siana und 
Magran, bei Altura und Montecchio. 2J. Mai, Juni (Benth. Bias. Tomm. 1837). 
30-170 M. 

— Fhaseolus vulgaris L. (a). In Weingärten, auf Aeckern, in Haus- 
gärten sehr häufig gebaut; auch auf Schutthaufen um Pola zufällig. O Juli 
bis August (Freyn 1874). 2—170 M. 

XXIV. Cesalpiniaceae R. Br. 

S06. Gerds Siliquastrum L. In Hecken, an Wegen und Strassen- 
rändern, bibher nur am Mt. Michele und Prato grande bei Pola und in Folge 
der immer weiter fortschreitenden Verbauung beider Standorte der Ausrottung 
verfallen. \ L Mai (Tomraasini 1838). 3—15 M. 

GledUschia triacatUhos L Baum mit abstehenden, ästig-dornigen 
Zweigen, abfälligen doppelt gefiederten Blättern mit zahlreichen länglichen 
Fiederblättchen und zwitterigen oder violgebchlechtigen, in armblüthige Trauben 
gereihten Blüthen. Kelchblätter am Grunde verwachsen, gleich lang; Kronen- 



Die Flora Ton Süd-Istrien . 



327 



blätter grünlich, unansehnlich, oberhalb dem Kelchgrunde eingefügt, ungleich. 
Staubfäden frei, fädlich. Fruchtknoten sitzend, mehrfächerig mit kurzem Griffel 
und oberwärts behaarter Nabe. Hülse hängend, gedreht, sehr breit und lang, 
mit derben trockenen Wandungen, vielsamig, markig. Samen zusammengedrückt, 
eiweisslos mit aufrechtem Keime, fleischigem Samenlappen, deutlichem Blatt- 
knöspchen und hervorragendem Würzelchen, Mai, Juni. Als Alleebaum und 
in Anlagen bei Pola nicht selten angepflanzt (Freyn 1874). — 2—40 M. 

— Mimosaceae R. Br. Endl. gen. p. 1323! 

— Albizzia JuHbrissin Bnth. — Boiss. fl. Orient II, p. 639! — 
Niedriger Baum mit ausgebreiteten, dörnenlosen Aesten, kahlen, abfälligen 
doppelt gefiederten Blättern und bis 30paarigen Fiederchen. Die Fiederblättchen 
länglich, spitz, etwas wimperig. Blüthen zwitterige und männliche gemischt in 
langgestielten, kugeligen, zu einem aufrechten, endständigen, flachen Schirme 
angeordneten Köpfchen. Kelch glockig, vier- bis fünfzähnig. Krone trichter- 
förmig, mit 4—5 über die Mitte hinauf zusammengewachsenen, gelblichen 
Blumenblättern. Staubfäden 10, vielmal länger als die Krone, weit heraus- 
ragend, am Grunde verwachsen. Hülsen gestielt, zweiklappig, horizontal 
abstehend, flach zusammengedrückt, lineal, kahl, Juni bis Juli. Als Alleebaum 
in Gärten und Parkanlagen um und in Pola öfter angepflanzt (Freyn 1875). 
2-30 M. 

XXT. Amygdalaceae Juss. 

— Amygdalus communis L. In Haus- und Weingärten häufig an- 
gepflanzt, fl Jänner, April (Vogel 1863). 2-160 11 

— JPrunus persica Celak L c. p. 647 ! — Amygdalis Persica L. — 
Persica vulgaris Mill. — In Haus-, Wein- und Olivengärten angepflanzt, 
ti März bis April (Tommasini 1864). 2—170 M. 

— _P. Armeniaca L. Hie und da, aber weit seltener als die Pfirsiche 
angepflanzt z. B. in Pola. März bis April (Freyn 1874). 2—150 11 

307. JP. spinosa L. In Hecken und Gebüschen, an Waldrändern gemein, 
jedoch nirgends häufig; auch auf Brioni magg. fi März (Bias. Tomm. 1837). 
2—170 M. 

308. JP. insititia L. In Hecken bei Brioni. Wohl nur verwildert 
(A. Schultz 1868). n. v. 

— JP. domestica L. In Hausgärten hie und da, aber selten angepflanzt. 
fl März (Tommasini 1864). 3—150 M. 

— I*. avium L. In Haus- und Weingärten um die Ortschaften nicht 
selten gepflanzt, April (Tommasini 1864). 2-170 M. 



328 



Josef Fr ey u. 



309. JP. Mahaleb L. Auf sonnigen steinigen Hügeln, in Hecken, 
Macchien, an Weg- und Strassenrändern gemein, auch baumartig z. B. am Castel 
in Pola, an der Strasse nach Altura, im Kaiser walde und sonst, April, Mai 
(Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. 

XXVI. Rosaceae Juss. 

310. Spiraea Filipendula L. Auf Grasplätzen, trockenen Wiesen, 
in Gebüschen des östlichen Gebietstheiles bei Dignano, Marzana, Monfcecchio, 
Altura, Cavrana", im Walde Siana, am Mt. Daniele und auf den Inseln Levano gr., 
S. Marina, und Cielo. Ehedem auch in den Macchien an der Südküste des 
Hafens von Pola. % Mai, Juni (Zanichelli 1722). 2—170 M. 

311. Geum urbanum L. In Laubwäldern, feuchten Gebüschen zer- 
streut: bei Dignano, Galesano, im Walde Siana, V. Bandon, bei Stignano und 
auf Brioni magg. % Mai, Juni (Bias. Tomm. 1837). 2-140 M. 

312. Rubus tomentosus Borkh. — Celak. prod. böhm. p. 644! Wurzel- 
stock mit mehreren erst aufrechten, endlich aber auf dem Boden 
hingestreckten, ziemlich stielrunden und kahlen, oberwärts etwas kantigen 
und reichlich behaarten Schösslingen, aus deren Blattachseln sich im 
nächsten Jahre die blühenden Zweige entwickeln. Letztere sammt den Schöss- 
lingen und dem Blüthenstande mit schwachen, gelblichen, abwärts- 
gekrümmten Stacheln bewehrt. Blätter dreizählig, gestielt, am unteren 
Theile des Blattstieles mit zwei lanzettförmigen bis schmal linealen Neben- 
blättern. Die Blättchen rhombisch oder elliptisch, die der blühenden Zweige 
gegen den Grund häufig keilig verschmälert: die seitlichen 'Blättchen oft gelappt 
und eine weitere Theilung andeutend, alle ungleich gekerbt-gesägt, die jungen 
unterseits schneeweiss-, filzig und seidig schimmernd, die älteren an den 
Schösslingen jedoch nur grau-grün. Oberseits sternhaarig, grau. Blüthen in 
endständigen, schmalen schwach beblätterten Eispen, mit dicht- 
zottigen und stacheligen, manchmal spärlich drüsentragenden, Zweigen. 
Kelchblätter kapuzen - f ö rmig, dicht graufilzig, zurückgeschlagen; 
Blumenblätter weiss, rundlich eiförmig, in einen ziemlich langen 
Nagel plötzlich zusammengezogen. Früchte schwarz, etwas glänzend, 
von zahlreichen Höckerchen gekörnelt, unbereift, mit netzig grubigen 
Steinkernen, Mai, Juni, beträchtlich früher als die anderen Arten. — An 
liainen, steinigen Stellen, Weingartenrändern, in den Macchien im mittleren 
und südlichen Theile des Gebietes nicht gemein: bei Pola (Mt. Clivo, P.Giorgio, 
Mt. Michele etc.), Siki<- , Veruda und Medolino (Benth. Bias. Tomm. 1837). 
2-30 M. 

glabrutuH Godr. 1. c. I, p. 5451 Die Blättchen oberseits nicht mehl- 
artig grau, londern trüb grün. Blumenblätter meist rosenroth. Häufiger und 
namentlich in Hocken und an Gebüxchrändern bei Dignano, Marzana, im 



Die Flora von Süd-Istrien. 



329 



V. Bado, Wald Siana, Wald Lusinaniore, Fasana, Pola, Wald Magran und wohl 
anch sonst, ti Mai, Juni (Freyn 1874). 2—150 M. 

313. R. villicaulis Köhler, Garke nordd. p. 119! 

ß) trifoliolatus Freyn ined. — R. vestitus Freyn exsic. 1876 non 
W. N. — Wurzelstock mehrere erst aufrechte, endlich aber nieder- 
gebogene, kantige, sammt den gleichförmigen, abwärts gerichteten 
ziemlich geraden Stacheln, Nebenblättchen, Blatt- und Blüthen- 
stielen dicht und bleibend büschelig behaarte Schösslinge trei- 
bend. Nebenblättchen länglich lanzett, spitz, fast am Grunde der Blattstiele. 
Blätter dreizählig; die seitlichen Blättchen sehr kurz, das mittlere vielmal 
läDger gestielt; alle gross, eiförmig oder verkehrteiförmig-rundlich, aus abge- 
rundeter Spitze plötzlich kurz gespitzt, die unteren seitlichen öfter etwas zwei- 
lappig, eine weitere Theilung andeutend ; alle ungleich doppelt gesägt, oberseits 
zerstreut behaart, dunkelgrün, unterseits dicht grau- oder weiss-filzig, die 
jüngeren seidig- glänzend. — Blüthen in endständigen, meist armblüthigen, 
sehr schmalen, am Grunde wenig beblätterten Trauben oder 
Rispen, mit drüsenlosen, dicht zottigen, filzigen und bestachelten 
Zweigen. Kelche dicht graufilzig und zottig, mit eiförmigen, etwas 
spitzen, abstehenden Blättchen. Blumenblätter rosenroth, verkehrt- 
eiförmig, kurz genagelt, viel länger als die Staubgefässe. Früchte . . . . 
ti Juni. Sehr selten: bisher nur im tiefen Schatten des Unterholzes im Kaiser- 
walde bei Pola stellenweise (Freyn 1876). 40—60 M. — R. villicaulis und 
dessen Varietäten (conf. Garcke L c.) haben fünfzählige Blätter; hierin der 
Hauptunterschied. — R. Sprengeiii weicht durch graugrüne, stachelborstige 
Kelche, beiderseits grüne Blätter ab, kommt aber durch die Dreizähligkeit der 
letzteren andererseits sehr nahe. 

314. Jt. discolor Weihe et Nees. Garcke nordd. p. 120—121! — Godr. 
in Gr. God. fl. fr. I, p. 546! pari Wurzelstock mit mehreren erst aufrechten, 
später aber niedergebogenen, gefurchten und kantigen, büschelig 
behaarten Schösslingen. Stacheln gleichartig, zum Grunde verbreitert, 
ziemlich gerade, wenigstens oberwärts, und meist etwas abwärts gerichtet; in der 
unteren Hälfte, oft aber auch gänzlich behaart. Nebenblätter sehr schmal, spitz, 
behaart, fast am Grunde des Blattstieles. Blätter fünfzählig oder fuss- 
förmig -fünfzählig, die obersten, namentlich an den blühenden Zweigen 
jedoch nur dreizählig. Blättchen derb, ungleich- aber alle (ausgenommen die 
rispenständigen) ansehnlich - gestielt, verkehrt-eiförmig, oder elliptisch, plötz- 
lich zugespitzt, am Grunde abgerundet oder etwas keilig, scharf gekerbt gesägt, 
unterwärts am Mittelnerven wie an den Stielchen und dem Blattstiele zottig 
und klein-stachelig; Blattoberseite dunkelgrün, ziemlich kahl; Unterseite dicht 
weissfilzig und besonders in der Jugend seidig schimmernd. Blüthen. in 
zusammengesetzten, endständigen reichblüthigen Rispen mit 
drüsenlosen, aber zottigen und fein bestachelten Zweigen. Kelch- 
blätter dicht graufilzig, eiförmig, wenig bespitzt, fast kapuzen- 

Z. B. Ges. B. XXVII. Abh. 42 



330 



Josef Freyn. 



förmig, zurückgeschlagen. Blumenblätter länger als die Staubgefässe, 
schön rosenroth, aussen kurz-weichhaarig, breit rundlich mit sehr kurzem 
Nagel. Früchte nicht bekörnelt, schwarz, wenig glänzend, fade, fi Juni» Juli. 
In Macchien, Hecken, an Waldrändern, in den Dolinen gemein, auch auf beiden 
Brioni und Veruda (Sendtner 1841). 2—170 M. 

315. JB. amoenus Portenschlag, Celak. böhm. p. 639— 640! — B. disco- 
lor Godr. 1. c. p. p. Wurzelstock mit mehreren erst aufrechten, endlich 
aber sehr verlängerten, am Boden oder über die Gebüsche weithin liegen- 
den, stumpfkantigen, an der Spitze weissfilzigen, sonst aber der ganzen 
Länge nach hechtgrau -bereiften S ch össlingen. Stacheln derb, 
gleichartig, am Grunde sehr verbreitert, ziemlich gerade. Nebenblätter sehr 
schmal, fast pfriemlich, spitz, am unteren Theile des bestachelten und schwach 
fläumlichen. Blattstieles. Blätter meist dreizählig, nicht selten mit ein- 
gemischten fussförmig-fünfzähligen. Blättchen derb, ungleich gestielt, 
die seitlichen oft fast sitzend, verkehrt-eiförmig oder elliptisch, zugespitzt, scharf 
und urjgleichmässig doppelt gesägt, am Grunde meist abgerundet oder etwas 
ausgerandet, kaum keilförmig; oberseits dunkelgrün, matt, unterseits kr ei de- 
weiss dichtfilzig, nie seidig schimmernd. Blüthen in endständigen, 
zusammengesetzten, am Grunde wenig beblätterten reich- oder arm- 
blüthigen Rispen mit rechtwinklig abstehenden, drüsenlosen, 
dichtfilzigen und angedrückt kurzhaarigen, wenig bestachelten 
Zweigen und Blüthenstielen. Kelchblätter dicht grau- und weiss- 
filzig, breit eiförmig, kurz bespitzt, etwas kapuzenförmi g, bald 
zurückgeschlagen. Blumenblätter schön rosenroth, länger als die Staub- 
fäden, aussen etwas behaart, fast kreisrund, kaum genagelt. Früchte 
schwarz, nicht bekörnelt, wenig glänzend, fade, Juni, Juli. In Macchien, 
Hecken, Gebüschen, Laubwäldern, selbst auf Aeckern gemein, bisher aber immer 
mit dem vorhergehenden verwechselt (Freyn 1874). 2—170 M. Laubabfall wie 
bei den vorigen Arten erst von Februar bis Mai. 

ß) gracilis Freyn exsic. 1875. Die ganze Pflanze niederliegend, viel 
zarter und feiner, die Stengel kaum kantig und oft nur von der Stärke eines 
massigen Bindfadens; die zwei seitlichen Blättchen meist nur halb so gross 
als das mittlere, fi Juni, Juli. In Steinbrüchen, auf Mauern hie und da um 
Pola (Freyn 1875). 2—50 M. Auch bei Rovigno. Eine durch die angegebenen 
Merkmale ungemein auffallende Pflanze. Noch weiter zu beobachten. 

7) decalvans Freyn exsic. 1876. — Die unteren Blätter endlich ver- 
kahlend, beiderseits grün, der Stengel behaarter, kaum bereift, fil Juli« I" 1 
tiefen Schatten dichter Gestrüppe, im Kaiserwalde bei Pola (Freyn 1876). 
Erinnert sehr an Ii. discolor, gehört möglicherweise auch zu diesem und nicht 
hieher, wogegen allerdings die Tracht spricht, welche ganz jene des Ji. amoenus 
ist — Weiter zu beobachten. 

I) bifrons (Vest). Der gerade Gegensatz der var. ß), die Stengel oft 
daumendick, die Blatter fast immer fuasförmig fünfzählig; die ganze Pflanze 



Die Flora von Süd-Istrien 



331 



sehr robust und mit var. y) die am spätesten blühende Brombeere, fa, Juli. 
Im Waldgestrüppe bisher nur im Kaiserwalde bei Pola, aber daselbst häufig 
(Freyn 1876). 30-100 M. 

316. R. caesius L. An Strassenrändern, auf Aeckern, in Gebüschen 
gemein, aber durchaus nicht so häufig, wie anderwärts, fo, Juni bis September 
(Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. Blüht nicht selten ebenfalls rosenroth. 

317. Fragaria vesca L. An lichten Stellen der Laubwälder selten; 
bisher nur bei Dignano und im Walde Siana bis Pola herab; im Kaiserwalde 
stellenweise in Menge. % April, Mai (Bias. Tomm. 1837). 30—150 M. 

318. F. collina Ehrh. An buschigen Stellen, auf Bergwiesen, in 
Laubwäldern und Dolinen: bei Dignano, Galesano, im Walde Magran, Siana 
und Lusinamore, im V. Bandon und bei Veruda. % Mai (Tommasini 1864). 
2—150 M. 

319. Fotentilla hirta L. (P. laeta Rchb.) In den Macchien, auf 
sonnigen Hügeln, trockenen Grasplätzen gemein; auch auf beiden Brioni, 
S. Girolamo, Cosada, den Inseln bei Pola und Veruda, dann Fenera, Cielo, 
S. Marina und Levano gr. % Mai bis Juni (Zanichelli 1722). 2—170 M. 

y) pedata Koch. An gleichen Standorten wie V. bei Peroi, Fasana, 
Pola, im Walde Siana, auf Brioni ma<rg., Sc. Franz und wohl noch vielfach. 
% Mai, Juni (Tommasini 1873). 2—80 M. 

320. F. reptans L. Auf feuchten Grasplätzen, Wiesen, an Gräben, in 
den Ortschaften, am Grunde der Dolinen gemein; auch auf Brioni und S. Marina. 
% Mai bis August (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2-170 M. 

321. F. cinerea Chaix ß) trifoliata Koch. — P. Tommasiniana F. Schz. 
P. subacaulis Vis. fl. dalm. III, p. 352! Auf sonnigen, steinigen Hügeln, Berg- 
wiesen, an Wegrändern, auf lichten Waldplätzen gemein und häufig auch auf 
fast allen Inseln. 2J. März bis Mai (Benth. Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. 
Kommt sehr oft mit fünfzähligen Blättchen vor, weshalb der Name nicht ganz 
passend. Ueber die verwandten Formen vergl. Uechtritz in Oesterr. bötan. 
Zeitschr. XXV, p. 295-297! 

322. F. australis Kras. in Oesterr. botan. Zeitschr. XVII, p. 302! — 
P. verna Auct. nostr., P. verna ß) hirsuta Vis. fl. dalm. III, p. 252! — 
P. opaca Freyn exsic. 1875 non L. Wurzel vielstenglig, am Kopfe rothbraun- 
schuppig, die Stengel niederliegend, sammt Aesten, Blatt- und Blüthen- 
stielen und den Blättern, besonders in der Jugend von dichten, langen, 
fast seidig glänzenden, aufrecht-abstehenden Haaren, weiss. Die 
Blätter sieben- bis fünfzählig, nur die obersten dreizählig oder 
ungetheilt, mit ungleich grossen verkehrt- eiförmigen, oder länglichen, zur 
Basis keilig verschmälerten Blättchen. Die mittleren 3—4 ziemlich gleich, die 
untersten seitlichen beträchtlich kleiner, alle an jedem Rande mit drei tief- 

42* 



332 



Jo6ef Frey n. 



eingeschnittenen Zähnen, und einem weiteren viel kleineren an der Blattspitze. 
Die Blattoberseite endlich fast kahl. Nebenblätter ansehnlich elliptisch lanzett, 
die obersten öfter mit einem eingeschnittenen Zahne. Blüthen in endständigen 
Gabelrispen; die Blüthenstiele endlich zurückgekrümmt, mit ziemlich anliegenden 
etwas knotigen Haaren ziemlich dicht bekleidet. Aeussere Kelchzipfel lanzett, 
innere eiförmig, alle stumpf, dicht rauhhaarig. Blumenblätter gelb, rundlich- 
eiförmig, etwas herzförmig ausgerandet. Fruchtboden dicht behaart, halbkugelig. 
Nüsschen verkehrt- eiförmig, seitlich zusammengedrückt, ganz glatt. % März 
bis April. Auf trockenen Grasplätzen, an Rainen und Gebüschrändern zerstreut: 
bei Marzana, Dignano, Galesano, im Walde Siana, bei Pola und auf den Triften 
bei St. Rosando zwischen Sikic und Veruda (Tommasini 1865). 20 — 150 M. — 
Der P. opaca L. vielleicht allzu nahe verwandt, denn letztere unterscheidet sich 
nur durch schwächere Behaarung, schwächere Stengel, fast fädliche Blüthen- 
stiele, verhältnissmässig länger gestielte grundständige Blätter, welche ziemlich 
so lang wie der Stengel sind (bei P. australis etwa halb so lang), über- 
haupt durch eine weit zierlichere Tracht. — P. australis dürfte ziemlich ver- 
breitet sein, denn ich besitze sie auch von Schaff hausen in der Schweiz 
(leg. Favrat als P. opaca) und von Budapest! 

323. Alchemilla arvensis Scop. An Rainen, auf Grasplätzen, in den 
Macchien, in Weingärten sehr zerstreut und meist nur in Zwergformen: bei 
Dignano, Pola, am Mt. Tortian bei Sikic, um Sissana und Pomer. Auch auf 
Brioni magg., Veruda und Sc. Bisse. O Mai, Juni (Biasoletto 1828). 2—150 M. 

324. JPoterium muricatum Spach. — Willk. Lge. Hisp. III, p. 205, 
P. Sanguisorba Tomm. in Oesterr. botan. Zeitschr. XXIII, p. 224 non L. 
P. polygamumW. K., Koch syn. p. 202! — P. Sanguisorba ß) polygama Vis. 
dalm. III, p. 255! — In Gebüschen, auf Grasplätzen, trockenen Wiesen, lichten 
Waldplätzen gemein und häufig; auch auf fast allen Inseln. % April bis Juni 
(Bias. Tomm. 1837). 2—170 M. Bisher nur die var. platylophum Spach. — 
Auf den trockenen Wiesen etwas kleiner, mit anfangs niederliegenden Stengeln ; 
im Gebüsche und an der Küste aufrecht, hoch, vielstenglig. 

325. Ayrhmmia Eupartoria L. Ueberall auf dem Festlande, in 
Laubwäldern, Gebüschen, an Wegen. % Juni bis August (Benth. Bias. Tomm. 
1837;. 2-170 M. 

320. Jtosa COnina L. Cre'p. in Willk. Lge. hisp. III, p. 213-214! 

(sj dumalis Cre'p. 1. c. — 11. dumalis Bechst. — Willk. exsic! — 
Ii rtuntuL ,\ust. nostr. Blätter beiderseits kahl, an der Mittelrippe sammt 
<l»:h Blattstielen drftienloi oder Nchwachdrüsig, eiförmig-elliptisch, spitz, doppelt 
get&gt und zwar so, dass jeder Zahn einen zweiten kleineren trägt. Kelche, 
Blttbenttiele and die eiftrmigen Früchte drüsenlos. \i Mai bis Anfang Juni, 
liier «Ii- gcni'in.-U«: Form und in Hecken, Gebüschen, Macchien, Dolinen ver- 
breitet «rf Veruda (Tommasini 1838). 2-170 M. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



333 



y) urbica Cre'p. 1. c. Blätter oberseits kahl, unterseits auf der Blatt- 
rippe und den Nerven sammt den Blattstielen weichhaarig, drüsenlos; eiförmig- 
elliptisch, spitz, einfach gesägt, sehr selten einzelne Zähne mit einem kleineren 
versehen, sonst wie vorige. In Hecken bei Stignano, auf den Abhängen der 
Dolinen bei Dignano und wohl auch sonst (Freyn 1875). 10—145 M. * 

B) dumetorum Crep. 1. c. Wie vorige, aber die Blätter oberseits weich- 
haarig und unterseits fast zottig. — So in Laubwäldern, bisher nur im Kaiser- 
walde bei Pola (Freyn 1875). 30—50 M. 

327. jR. stylosa Desv., Crep. 1. c. III, p. 210! — B. systila a) Des- 
vauxiana Koch. syn. p. 199! In Hecken zwischen Stignano und F. Turulla, 
dann zwischen Marana und dem Walde Lusinamore und sonst, aber bisher 
nur übersehen und mit der ähnlichen B. urbica verwechselt, Mai (Freyn 
1875). 2—60 M. Diese durch die sehr langen (aber keineswegs immer ver- 
wachsenen) Griffel sehr ausgezeichnete Art, ist unbedingt der B. canina am 
nächsten verwandt und die Stellung neben B. sempervirens eine ganz unnatür- 
liche. Auch B. dumetorum und B. dumalis finden sich mit Griffeln, welche 
unten zusammenhängen, aber allerdings nie die beträchtliche Länge jener der 
B. stylosa erreichen. 

328. R. sepium Thuill. — Cre'p. 1. c. p. 215—216! Strauch mit ziem- 
lich aufrechten, vielästigen Stämmchen, welche mit zerstreuten, gleichartigen, 
starken, abwärts gekrümmten Stacheln bewehrt, sonst aber kahl und nur an 
den Schösslingen etwas bereift sind. Nebenblätter schmal lineal mit kurzem 
eiförmigem, freiem Theil, am oberen Theile der blühenden Zweige jedoch 
eiförmig, zwei- bis dreimal so breit, mit drüsig-fransigem Rande. Blätt- 
chen 5—7, ausnahmsweise auch 9, eiförmig oder elliptisch, ziemlich gleichmässig 
verschmälert, manchmal etwas zugespitzt; am Rande ungleich dreifach gesägt 
(jeder Zahn mit zwei kleineren), unters eits zer streut- (aber reichlich-) drüsig 
und an der Mittelrippe spärlich behaart, oberseits kahl. Blattstiele 
drüsig, sonst kahl. Blüthen zu 1 — 3, seltener bis zu 5, sammt den Blüthen- 
stielen und Kelchen kahl, nur die bald zurückgeschlagenen und 
von der Fruchtreife abfälligen Kelchzipfel innen filzig und am Rande 
drüsig. Blumenblätter weiss, klein, nur so lang als die Kelchzipfel. Griffel 
ziemlich dicht behaart. Früchte eiförmig, durchscheinend-häutig, drüsenlos. 

Mai. In Hecken und Gebüschen, Macchien nicht gemein : bisher nur bei Pola 
(Ruine südlich des Prato grande), F. Max und auf Brioni magg. (Weiss 1865). 
2-25 M. 

329. R. micrantha Sm., Crep. 1. c. p. 216! — B. rubiginosa Auct. 
nostr. — B. rubig. ß) setoso hispida Freyn exsic. an. 1875. Meist zierlicher als 
die vorgenannte Art, die Zweige mehr hin- und hergebogen, oft sehr dornig, 
hauptsächlich aber durch drüsige Blüthenstiele, Kelche und Früchte verschieden. 
Die Blüthen sind die kleinsten, weiss oder blass röthlich, die Griffel ziemlich kahl 
oder unbehaart, fl ^ a i- I Q Macchien, an Zäunen, Hecken, Wald und Gebüsch- 
rändern, au Strassen und Rainen gemein; auch auf beiden Brioni (Tomra. 1864). 



334 



Josef Freyn. 



2—170 M. B. rubiginosa unterscheidet sich von dieser Art durch derben Wuchs, 
verschieden gestaltete Stacheln (derbe, gekrümmte und gerade viel feinere), 
hohle (nicht flache) Blätter, reichlichere, fast borstige Drüsenhaare und dunkel- 
rothe Blüthen. — Das Laub riecht auch bei R. micrantha stark nach Wein. 

330. II, sempervirens L., Crep. 1. c. p. 209! 

ß) scandens Crep. L c. 210. — R. scandens Mill. — R. semper- 
virens Koch. — et Auct. nostr. durch kugelige nicht eiförmige Früchte von der 
typischen Form unterschieden, fi Juni, Juli. In Gebüschen, an Zäunen, stellen- 
weise undurchdringliche Hecken bildend, an Waldrändern oft hoch in die 
Baumwipfel klimmend, gemein, auch auf beiden Brioni, S. Girolamo, Cosada, 
Veruda und Frascir (Biasoletto 1828). 2 — 170 M. Ein einzelner Strauch trägt 
oft so viele der grossen, weissen BlütheD, dass unter deren Fülle das Laub fast 
vollständig verschwindet und dann eine Avahre Zierde der istnschen Flora. Die 
Blätter fallen im Winter ab; zur Zeit der Entfaltung der Blüthen ist längst 
kein altes Laub mehr vorhanden. Der Name „sempervirens" ist deshalb nur in 
dem Sinne berechtigt, als die anderen Rosen ihr Laub noch viel früher 
verlieren. 

y) microphylla DC. — Crep. 1. c. — R. sempervirens y) microphylla 
et micrantha Koch syn. (ed. 1.) p. 230! — Meist kriechend oder an der Erde 
liegend, Blätter und Blüthen kleiner als bei der var. ß) — fi Juni. Auf trockenen, 
kräuterreichen Grasplätzen, an Wald- und Gebüschrändern, auf Mauern um 
Pola verbreitet, aber meist vereinzelt (Freyn 1875). 10-50 M. 

331. R. gallica L. R, pumila L. fil. Boreau fl. cent. fr. p. 217—218! 
— Vis. dalm. III, p. 242! R. gallica ß) pumila Tom. in Oesterr. botan. 
Zeitschr. XXIII, p. 224! — Auf Grasplätzen, an Aecker- und Gebüschrändern 
und lichten Waldplätzen zerstreut: bei Marzana, Montecchio Altura, im Walde 
Siana und Lusinamore, im V. Bandon, bei Stignano, im V. Lovina, bei Veruda, 
am Prato grande bei Pola, dann zwischen Sissana, Medolino und Promontore 
hie und da. ti Mai, Juni (Biasoletto 1828). 2—150 M. 

XXVII. Pomaceae Lindl. 

Crataegus monogy na J&cc[. • C. o.ryacantha Vis. fl. dalm. III, 
p. 144! — In Hecken, auf steinigen Hügeln, in Wälder, Gebüschen und Dolinen, 
auf dem Festlan'le gemein ; auch auf Brioni magg. und Veruda. April bis 
Juni (BUs. Tomm. 1837). 2—170 M. Aendert mit ganz kahlen Kelchen und 
Blüthem-tielen ab, und zu Bolchen Exemplaren gehört C. Oxyacantha Neug. ! in 
Oesterr. botan. Zeitschr. XXV, p. 267! 

888. Mcsjti/uH germanica L. In Gebüschen, Hecken und Laub- 
wäldern leiten: bei Marzana, im Walde Munisca und Siana und bei Pola. Auch 
angepflanzt, April bis Mai (Semltner 1841). 2-150 M. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



335 



834. Cydonia vulgaris L. In Hecken und Gebüschen bei Dignano, 
Galesano nnd Pola jedoch immer nur vereinzelt; dagegen in Gärten nicht selten 
angepflanzt, fl April (Tomraasini 1868). 2—170 M. 

— Pirus communis L. In Haus- und Weingärten hie und da, aber 
verhältnissmässig ziemlich selten angepflanzt, ti April (Benth. Bias. Tomm. 
1837). 2-170 M. 

335. JP. amygdaliformis Vill. — P. cuneifolia Vis. fl. dalm. tab. 38! 
Don Guss. — In Hecken, Gebüschen, an Rainen, in Laubwäldern, auf sonnigen 
Hügeln, bald baumartig, bald nur als niedriger, dorniger Strauch: verbreitet 
aber immer nur einzeln auch auf beiden Brioni. % April, Mai (Zanichelli 1722). 
2-170 M. 

336. JP. malus L. In schattigen Gebüschen sehr selten: im Walde 
Magran, im Kaiserwalde und in der Foiba am Mt. Grande bei Pola. Häufig 
jedoch angepflanzt, April (Tommasini 1869). 2—170 M. 

337. Sorbus domestica L. An Feldrändern, in Hecken, wohl kaum 
ursprünglich einheimisch: bei Stignano, Wald.Lusinamore, im Kaiserwalde und 
nächst B. Corniale bei Pola. tl April (Sendt. und Pap. 1843). 10-50 M. 

338. S. torminalis Crtz. In Laubwäldern sehr selten und vereinzelt: 
bei Dignano, Marzana, im Walde Magran, im Kaiserwalde bei Pola und im 
Walde Lusinamore. April (Sendtner 1841). 10—150 M. 

Granataceae Don. 

— JPunica Oranatum L. Diese, in der Gegend von Rovigno so 
häufig gepflanzte und hie und da in Istrien sogar wild gewordene (und dann 
strauchförmige) Art, wird in Süd-Istrien nur vereinzelt angepflanzt bei Fasana 
und Pola. fi Juni, Juli (Freyn 1875). 2—10 M. 

XXVIII. önagraraceae «Fuss. 

339. JEpilobium Tournefortii Michalet fide Hausskn. — E. tetra- 
gonum Neug.! in Oesterr. botan. Zeitschr. XXV. 267 und Freyn exsic. ! non L. 
Stengel 1 — 1*5 M. hoch, kahl, am Grunde fast holzig, zurBlüthezeit ohne 
Sprossen oder Ausläufer, in der oberen Hälfte mit zahlreichen, langen 
schief aufrechten Aesten, von denen die unteren gegenständig sind, die oberen 
aber abwechseln. Blätter ganz kahl, nur an den Nerven etwas behaart, aus 
breiterer Basis verlängert-lanzettlich, stumpfspitzig, am Rande scharf gezähnelt 
und etwas fläumlich, die untersten gestielt, die anderen sitzend, mit dem 
Grunde etwas angewachsen und mit jedem Rande (ziemlich undeutlich) bis zum 
nächsten Blatte hinablaufend, wodurch der sonst stielrunde Stengel unter dem 
Blatte etwas vierkantig wird. Zweige sehr kurz- weichhaarig. Blüthen in 
endständigen, beblätterten, immer aufrechten Trauben. Die Blüthen- 



336 



JoBef Freyn. 



stiele etwa so lang als das stützende Blatt, sammt dem Fruchtknoten von an- 
gedrückten Haaren etwas grau. Blumenblätter rosenroth, kaum länger als der 
nur 5—6 Mm. lange Kelch. Narbe keulig. Samen länglich verkehrt- 
eiförmig, oben beträchtlich breiter und gestutzt, der Länge nach 
von einer Furche durchzogen und an der ganzen Oberfläche von 
zahlreichen verlängerten Warzen rauh. — Der Wurzelstock treibt 
im Winter (Ende December, Jänner), also lange nach dem Absterben der 
Stengel, rosettenartige Sprossen, welche mit dem höchstens 3 Cm. langen 
Grunde niederliegen und sogleich wurzeln , sonst aber vollkommen aufrecht 
sind und zahlreiche saftige, ziemlich flache, hellgrüne, glänzende Blätter tragen, 
welche sich aus breiterer Spitze allmälig zum Grunde verschmälern, übrigens 
aber den Stengelblättern gleichen. % Juli bis August. Bisher nur in den 
feuchten Hecken im südlichen Theile des Prato grande bei Pola, in Gesellschaft 
von Galium elatum, Phragmites communis, Eubus amoenus, Cornus sanguinea, 
Ranunculus velutinus etc., und zwar wenig zahlreich. (Auch in Gräben an der 
Eisenbahn bei Rovigno!) (Wawra 1874). 3 M. — E. Toumefortii Boiss. fl. 
orient. II. 748 weicht nach der Beschreibung von unserer Pflanze durch fast 
geflügelte Blattspuren und viel grössere Blumenblätter, welche zweimal so lang 
als der Kelch sind, ab; dagegen haben beide die eigenthümlichen gefurchten 
Samen gemein, weshalb ich auch den von Prof. Haussknecht für unsere Art 
beanspruchten Namen vorangesetzt habe. E. tetragonum L. unterscheidet sich 
von E. Toumefortii hauptsächlich durch nicht gefurchte Samen. E. virgatum 
ß) majus Lange in W. L. prod. hisp. III. 186! zu welchem der Autor E. Toume- 
fortii Mich, mit ? bringt, ist nach der Beschreibung von unserer Art ganz und 
gar verschieden, und zwar vor Allem durch verlängerte, schon zur Blüthezeit 
sichtbare Ausläufer. Wegen der letzteren kann es auch nicht die grossblüthige 
(von Boissier beschriebene) Form des E. Toumefortii begreifen und dürfte 
deshalb neu zu beschreiben sein. 



XXIX. Callitrichaceae Lk. 

340. Callltriche stagnalis Scop. C. aquatica <*) obovata Vis. fl. 
dalm. III. 196! In stehenden Wässern, Tümpeln sehr selten: bisher nur 
im V. Rancon und am Prato grande bei Pola. % das ganze Jahr (Loser 

1860) . 2 M. 

ß) platycarpa Garcke nordd. p. 148! — C. platycarpa Ktitz. — Im 
Sumpfe des V. Rancon. % das ganze Jahr? (Tommasini 1861). 2 M. n. v. 

XXX. Ceratophyllaceae Uray. 

341 iJeratophyllum demersum L. In Tümpeln selten: AmMt.Gobbo 
and in der Foiba am Mt. Grande bei Pola und bei Brioni. % Juni (Loser 

1861) . 2-15 M. 



Die Flora von Süd-Istrien. 



337 



XXXI. Lytkraceae Juss. 

342. LytJuum Salicaria L. Bisher nur auf der feuchten Wiese 
Prato grande bei Pola. 2l Juni, Juli (Weiss 1868). 2—5 M. 

343. L. Hyssopifolia L. Auf Grasplätzen, feuchten Aeckern, an 
Surnpfrändern selten: bei Fasana, beim Bahnhofe und am Prato grande bei 
Pola, und bei Medolino; dann auf Brioni magg., Fenera und S. Marina. O Juni 
bis August (Benth. Bias. Tomm. 1837). 1—5 M. Varürt schmalblättriger und 
niederliegend, dann breitblättrig, aufrecht. 

— Tamarieaceae Desr. 

— Tamarix parviflora DC. Boiss. fl. or. L 769—770! In Garten- 
anlagen und am Abflüsse des Grabens vom Prato grande bei Pola öfter an- 
gepflanzt, ti Mai, Juni (Freyn 1875). 2—60 M. — Von T. africana und 
T. gallica durch vierzählige Blüthentheile und viel schmälere Trauben, von 
T. tetranda Pall. durch drei (nicht vier) Narben verschieden. 

XXXII. Myrtaceae R. Br. 

344. Myrtus communis L. a) melanocarpa DC. prod. III. 239! — 
M. italica Mill. — In den Macchien an der Westküste überall von Stignano 
bis Promontore; auch auf beiden Brioni, S. Girolamo, und den Inseln bei 
Veruda. Der am meisten landeinwärts vorgeschobene Standort bei F. Casano- 
vecchi; dichte Gebüsche bei F. Max, Veruda, Promontore. fi Juni bis Juli 
(Zanichelli 1722). 2—70 M. Die Blattform ist ungemein veränderlich. 

ß) leucocarpa Ten. ex Bert. fl. ital. V. 118! Die reifen Früchte weiss 
(nicht schwarz), sonst wie vorige. So sehr selten: bei F. Max, am Sc. Ma. del 
deserto und neuerdings sehr zahlreich am Hügel nordwärts vom Mt. Justina 
(gegenüber der Insel Cosada), vom Prof. Neugebauer wieder aufgefunden 
(Tommasini 1840). n. v. — Auch an der Nordgrenze dieser Art bei Nabresina 
(Tommasini briefl. Mitth.). 

Eucalyptus globulus Lab. wird neuerer Zeit in Pola versuchsweise 
angepflanzt, gedeiht aber nur an trockenen Standorten und ist bisher noch nicht 
zur Blüthe gelangt. 

XXXIII. Cucurbitaceae Juss. 

345. Cucurbita Pepo L. In Gärten und auf Aeckern, besonders 
zwischen Mais häufig angepflanzt und auf Schuttplätzen nicht selten verwildert. 
O Juni bis August (Freyn 1874). 2—170 M. 

346. Cucumis sativus L. In Haus- und Weingärten sehr hänfig an- 
gepflanzt und auch an wüsten Stellen in der Nähe der Ortschaften nicht selten 
verwildert. O Mai bis September (Freyn 1874). 2—170 M. 

Z. B. Geö. B. XXVII. Abb.. 43 



338 



Josef Freyn. 



— C. 3Ielo L. In Haus- und Weingärten häufig angepflanzt. Q J^ 1 » 
August (Frejn 1874). 2—170 M. 

C. Citrullus L. — Neilr. diagn. p. 48! Stengel liegend, kletternd, 
steifhaarig mit ästigen Ranken. Blätter dreilappig-doppelt gefie- 
dert, eiförmig- länglich mit stumpfen geschweift- gezähnten Lappen. — 
Blüthen in den Blattachseln sehr kurz gestielt, klein mit schwefelgelben 
Blumenblättern. Früchte ellipsoidisch, ansehnlich, aussen dunkelgrün und 
glänzend, innen mit schön rothem Fruchtfleische und schwarzen Samen. Q Juli» 
August. Wird zwar nicht cultivirt; kommt aber doch an wüsten Stellen bei 
Dignano und Pola hie und da vor, wird also immer wieder eingeschleppt 
(Freyn 1875). 8—145 M. 

— Lagenaria vulgaris Ser. Cucurbita Lagenaria L., Neilr. diagn. 
p. 47 ! Stengel schlaff kletternd, mit ästigen Ranken und weichhaarigen, 
herzförmigen, ungetheilten, fast fünfeckigen Blättern. Blüthen in 
den Blattachseln mit sehr grosser weisser, dem Kelchrande einge- 
fügter fünfblättriger, sternförmig ausgebreiteter Krone. Früchte 
flaschenförmig, endlich verholzt, röthlich- oder gelblichbraun, mit zahl- 
reichen zusammengedrückten, länglich verkehrt-eiförmigen Samen. Die ganze 
Pflan